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Erstes Blatt-

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KeUüMibrxj und Verlag der Buchdruck««! d« verein. M Wrulead aujet in Hanau.

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AAllicher ®rgan für Stabb eni fanikrtis Nation.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 262 ^ernsprechanschlütz Nr. 605.

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18 Seiten.

Amtliches.

Eandkreis Hanau, BekilüiliiWßniiileil des Königlilhen LirndrilisilmtS.

Mit her Berichterstattung auf meine Verfügung vom 2. Oktober 1896, V 10719, betreffend Nach-Revision der Feuer- statten, ist noch eme Anzahl der Herren Bürgermeister und Guisvorsteher im Rückstände. Die Erledigung der genannten Verfügung bringe ich daher mit 8iâgtger Frist in Erinnerung.

Hanau den 5. November 1908.

Der Königliche Landrat.

V 7448 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

8tti»lrtsjtstlichtt Kreislltreii! $mi

Nächste Nersnmmlimft Samstag den 14. d.M., nackmittaas 2'/» lUjr, im Gasthauszum goldnen Löwen" hier.

DaaeSordmmfl:

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Besprechung über die Beprksiierschau und das land- wirischaflliche Fest in Hanau.

3. Vortrag des Herrn Direkior Wagner aus Gelnhausen über die Bedeutung des Werdeganges für die Aufzucht des Jungviehs, ,

4. Berichterstattung der Delegierten über die letzte General­versammlung des Vereinsausschusses der Landwirischafts- kammer.

5. Bericht über den Fortgang der Verhandlungen bctr. die Anlage einer Iurwviebweide.

6. Aufnahme neuer Mitglieder.

7. Sonstiges.

Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Be­kanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in den Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.

Hanau, den 7. November 1908.

Der Königliche Landrat. v. Beckerath.

Herbsiversammlung

des Sananer Kreisobstba«vetei«s am Sonntag den 15. November d. I., nachm. 4 Itlir, zu .Oochstadt 'm Gasthauszum Tiger" (Gastwirt Michel Weber).

Tagesordnung:

1. Geschäftliches, Mitteilungen, Anträge.

2. Vortrag des Herrn Kre-sobstbautecknikers Biesterselb- Offenbachlieber Obstbaumzucht. an Häuser- und Mauerwänden", Besprechung.

Der Vorstand des Kreisobstbauvereins.

Hofacker, Vorsitzender. 23625

Politische Rundkbau.

Der Besuch Kaiser Wilhelms.

Wien, 6. Novbr. Kaiser Wilhelm ist in Begleitung des Grrberwgs Franz Ferdinand im Automobil von Eckartsau um 6 Ubr 5 Minuten im Schönbrunner Schloßhof einge­troffen. Der Kaster, der Jagdkostüm trug, stieg in den Prinzeuavparlemeuts ab, wo er das Jagdkostüm mit der Uniform des Oberinhabers seines Husarcuregimems Nr. 7 verlamchle. Das in den Straffen angesammelte zahlreiche Publikum bereitete dem Kaiser lebhafte Ovationen.

Wien, 6. Novbr. In Schönbrunn erwartete an der blauen Stiege Oberhofmeistcr Fürst Montenuovo den deutschen Kaiser und den Thronfolger. Auf der Stiege kam Kaiser Franz Ioief Kaiser Wilhelm entgegen. Die Be- grüffung der Monarchen gestaltete sich ganz ungewöhnlich herzlich; sic tauschten Küsse aus, umarmten einander und schüttelten einander die Hände. Kaiser Franz Josef geleitete mit dem Thronfolger den kaiserlichen Gast in seine Apparte­ments. Unmittelbar vor Beginn der Tafel verfügten sich Kaiser Wilhelm und der Thronfolger in die Appartement« des Kaisers Franz Josef und holten ihn zur Tafel ab. An der Tafel nahmen außer den beiden Majestäten Erzherzog Franz Ferdinand, das Gefolge des deutschen Kaisers,

Samstag den 7, November

Generaladjutant Graf v. Hülsen-Hâseler, Flügeladfutant Baron Oberst v. Marschall und Leibarzt Stabsarzt Dr. Niedner teil. Außerdem mären zugezogen: Gesandter Frhr. v. Ienisch, der deutsche Botschafter in Wien, von T'chirschky, mit dem Militärattache Rittmeister Grastn Kageneck, Kammer­vorsteher Rittmeister v. Rumerskirch, der Minister des Aeußern, Baron v. Aehrenthal, der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin, v. Szogyeny-Marich, die Generaladjutanten Graf Paar und Frhr. v. BolfraS, Flügelnd'utant Major Gras Hoyos, Leibarzt Dr. Kerzl, der zweite Oberhofmeister Fürst Mon- tennovo und Oberküchenmeister Graf Bellegarde. In der Mitte der Takel saßen die Majestäten, zur rechten Kaiser Wilhelms Erzherzog Franz Ferdinand und Baron v. Aehren­thal, zur Linken des Kaisers Franz Josef v. Tschirscbky und v. Szöaveny-Marich. Nach der Aufhebung der Tafel hielt Kaiser Wilhelm eme Viertelstunde Cercle ab und zeichnete alle Würdenträger durch Ansprachen aus. Der deutsche Kaiser geleitete dann Kaiser Franz Josef in dessen Apvartements; die beiden Monarchen blieben dortselbst eine halbe Stunde in vertraulichem Gespräche allein. Um 8f<9 Uhr holte der Kaiser Franz Josts den deutschen Kaiser zur Fabrt zum Bahn­hof ab. Die Abreise des Kaisers erfolgte um 9 Uhr 5 Min. nach Donaueschingen.

Wien, 6. Novbre Auch über das heutige IagbergebniS war Kaiser Wilhelm, wie aus Eckartsau gemeldet wird, sehr erfreut. Nach der Jagd kehrten der Kaiser und der Erz­herzog Franz Ferdinand in das Schloß zurück, vor dem unterdessen eine Reihe von Automobilen vorgefahren war. Um 5 Uhr wurde in langer Kolonne die Fahrt bei sinkender Sonne und gutem Wetter nach Schönbrunn angetreten. Im ersten Automobil saßen der Kaiser und Erzherzog Franz Ferdinand, in weiteren Automobilen folgten die Suiten des deutschen Kaisers und des Erzherzogs. Die Fahrt ging über Aspern, über die Rcicbsbrücke, durch die Ausstellungsstraffe, Praterstraffe, Ringstraße und Mariahilfstraße nach Schön­brunn. In den Straffen hatte sich ein ziemliches Publikum versammelt, welches die hoben Herrschaften mit lebhaften Hochrufen begrüßte. Um 6 Uhr 11 Minuten fuhren die Automobile beim Schlosse vor. Am Schloff hatten sich etwa hundert Personen eingefunden. Bloß drei Automobile fuhren in den Schloßhof ein, das des Kaisers, des Erzherzogs und der Suiten ; die übrigen Automobile fuhren direkt mach dem Bahubofe.

Wien, 6. Novbr. Der Abschied beider Monarchen auf dem Babnhoke war äußerst herzlich. Kaiser Wilhelm küßte Kaiser Franz Josef dreimal auf die Wange und drückte ihm warm die Hand; ebenso herzlich verabschiedete er sich vom Errherwg Franz Ferdinand. Der Kaiser gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß es ihm in diesem Jahre noch ein zweitesmal vergönnt gewesen sei, Kaiser Franz Josef zu sehen. Hierauf dankte der Kaiser dem Erzherzog für die schönen Tage, die er mit ihm verbracht habe. Alsdann be­stieg der Kaller den Salonwagen, erschien aber gleich wieder am Fenster und hielt die Hand salutierend an den Jäger- hut; Kaiser Franz Josif grüßte militärisch. Nachdem der Zug die Station verlassen hatte, kehrte Kaiser Franz Josef nach Schönbrunn zurück.

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I Die innere Laste.

Unter dem Eindruck der gespannten Beziehungen zwischen Denschland und Frankreich in der Casablanca-Frage sind die Debatten über die Kanzlerkrisis ziemlich verstummt. Man horcht nach Westen und wartet ab. Erst das eine und dann das andere, da das eine, die Frage nach Krieg und Frieden, doch ernster und wichtiger ist, als die Abrechnung im Reichstag.

Der schuldige Beamte des Auswärtigen Amtes.

DieKöln. Ztg." meldet aus 'Berlin: Als der Beamte, dem die Aeußerungen des Kaisers zur Prüfung überwiesen worden waren, wird jetzt der Wirkliche Geheime Legations­rat Klebmet genannt, dem in der Tat durch den Unter­staatssekretär Stemrich der Bericht zur Prüfung übergeben worden ist. Herr Klehmet hat das Schriftstück denn auch aufs genaueste durchgesehen, hat auch auf Tatsächlichkeiten bezüg­liche Aenderungen vorgenommen und es dann auf dem Dienstwege zurückgehen lassen. ES ist unter solchen Um­ständen als ausgeschlossen zu betrachten, das Herr Klebmet in derjenigen Stellung bleiben wird, die er bisher im Aus­wärtigen Amte.einnahm, wo er Referent für Frankreich war und die marokkanischen Angelegenheiten bearbeitete. Er ist aus der Konsulatskarriere liervorgegangen, gehört wohl schon seit fünfzehn Jahren dem Auswärtigen Amte an und hatte seit zehn Jahren in der politischen Abteilung wichtige Referate, in deren Bearbeitung er stets eine bis in alle Einzelheiten gehende Gewissenhaftigkeit, unermüdliche Arbeits­kraft und großen juristischen Scharssinn bewies. Er würde auf diese Weise eines der nützlichsten Mitglieder des Aus­wärtigen Amtes

Fernsprechanschluh Nr. 605, 1908

Gegen das Verhökern von Klolschgeschichte«, wie es auch in diesem Falle wieder durch zahlreiche in Berlin erscheinende Zeitungskorrespondenzen geschieht, wendet sich dieNat.-Ztg." mit folgenden treffenden Ausführungen:In kritischen Zeitläuften haben die Gebärdenkpäher und Ge­schichtenträger gute Tage. Wenn jeden Moment daS Bild sich ändern kann, blüht der Weizen der Leute, denen daS Ersinnen mehr oder weniger interessanter Histörchen Lebens­beruf bedeutet. Aber gerade in so kritischen Tagen soll man noch kritischer sein als sonst. Nicht jedem Gerücht sein Ohr öffnen; nicht alle Sensationsmeldungen weiter tragen, nur weil sie pikant oder aktuell erscheinen. Diese Sucht nach Pikanterie und Aktualität um jeden Preis hat dem Ansehen unserer Presse schon unsäglich viel Abtrag getan. Sie ist Schuld daran, wenn der publizistischen Erörterung unserer öffentlichen Angelegenheiten vielfach überhaupt der rechte Ernst mangelt. Wenn mit den Unbeträchtlichkeiten gelegent­lich auch gewichtige und nachdenkliche Worte ungehört ver­hallen. Noch immer ist im Grunde die Krise latent. Sie muß eS bleiben, bis im Reichstage die Besprechung der Inter­pellationen erfolgt ist. Bis man weiß, welchen Willen die maßgebenden Instanzen einzusetzen haben, um die Wieder­kehr solcher Vorgänge zu vermeiden. Daß da allerlei Kom­binationen durch die Luft schwirren, daß in Foyergesprächen mitunter Gereimtes und Ungereimtes miteinander verknüpft wird, ist nur zu natürlich. Aber die Presse hat ein öffentliches Amt, und schwerer alS sonst lastet in diesen beiden schwarzen Wochen die Ver­antwortung auf ihr. Schließlich wollen wir doch alle ge­meinsam dem Vaterlande dienen. Wollen zusammen wirken, jeder an seinem Teil, daß unser Reich mit möglichst geringem Schaden aus diesen Affären hervorgehe. Dazu ist nicht nötig, daß wir geschäftig und wichtigtuerisch allerlei Erhorchtes, Unkontrollierbares, Zurechtgestutztes auS Interviews und Privatgespräcken zusammentragen: dergleichen hat bei Licht, besehen nur einen höchst minimalen Wert. Viel besser tun wir daran, die Frist, die uns noch bleibt, zu nützen und den Reichsboten nach Möglichkeit das Gewissen zu schärfen. In ihre Hand (und zwar'in die Hände , aller Parteien) ist viel gegeben in dielen Tagen: Deutschland erwartet von ihnen, daß sie ihre Pflicht tun 1

Ein ehemaliger Diplomat über die Krisis.

In der Generalversammlung deS konservativen Wahl» verein? Hirschberg-Schönau sprach der kaiserliche Gesandt» z. D. Rasckdau auf eine an ihn gerichtete Anfrage über die letzten Berliner Vorgänge sich in folgender bemerkenswerter Weise aus:

Ick sehe, daß hier an der Richtigkeit der Darstellung derNordd. Allg. Zitz." allgemein gezweifelt wird; und doch ist diese Darstellung vollkommen zutreffend. Ich habe mehrere Jahre als Vertreter des Auswärtigen Amtes in der Begleitung des Kaisers auf seinen Reisen gewirkt und habe Dutzende Jahre in unmittelbarer Berührung mit dem ersten und zweiten Kanzler gearbeitet. Ich darf mir daher wohl ein Urteil über den Geschäftsgang zutrauen. Nun, ich darf sagen, wenn mir ein solches Unglück wie das geschehen« passiert wäre, ich hätte keinen Ort in unserem Vaterlande ge­konnt, der entfernt genug gewesen wäre, um mich vor den vor­wurfsvollen Blicken meiner Mitbürger zu schützen. Hier handelt es sich nicht um einen Fehler oder ein Versehen, sondern um sine Versündigung an der Sicherheit unseres Vaterlandes. Es kann dafür nur die eine Sühne geben, daß jeder, der dabei die Mitschuld trägt, sein Amt ausgibt, zu dessen Füh­rung er sich umähia erwiesen hat. Denn das Vertrauen deS Landes in diese Männer ist hoffnungslos verloren. Der Reichskanzler sollte einmal seine Leute auf die Straße schicken und in alle Schichten der Bevölkerung. Das Urteil würde lauten:Schuldig ohne mildernde Umstände". Aber dies« Sühne reicht nicht aus. Es muß Vorsorge getroffen werden, daß eine Behandlung unserer auswärtigen Politik, wie st« sich hier plötzlich mit erschreckender Klarheit der Welt offen­bart, nicht mehr möglich ist. Wir sind hier unter Männern, die mit allem ihren Können einstehen für die Erhaltung einer starken Monarchie. Wenn wir dies wollen, dann muffen wir die ersten fein, die Einspruch erheben gegen die Wiederkehr ähnlicher Ereignisse, sonst haben wir den Schrecken in kürzester Zeit. Wir wundern uns, wie trotz aller Be­mühungen tatkräftiger Männer die Anfeindung Deutschlands in der Welt zunimmt. Vielleicht begreifen Sie jetzt die Gründe, wenn Sie die letzten Vorgänge recht genau be­trachten. Nicht unserer Geschicklichkeit, sondern dem Glück, daß auch die anderen Völker ihre großen Sorgen haben, ver­danken wir es, wenn unsere auswärtige Lage heute noch den Anschein einer Sicherheit geinährt. Aber die Gefahren wachsen, und dabei peinigt uns das grausame Gefühl, daß wir nicht an unserem Frieden, sondern an unserem Ver­derben arbeiten. Vielleicht ist es noch ein Glück, daß uns diese große und schwere Verwarnung zuteil geworden, die uns anmutet wie ein zweites Olmütz,'verstehen wir sie nicht zu nutzen, dann klagen wir nicht die Götter, sondern uni selbst an."