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Erstes Blatt.

Hanauer

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Erscheint täglich' Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

BttoxteeetH. Motte«: «. «cheecker M (DM

Nr. 261 ft--rnsprechanschltttz Nr. 6«5. - Freitag den 6. November

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Fernsprechanschlittz Nr. 605»

1908

Lie HMim msußt Mr r.vMMMsit 14 Seèten.

Amtliches.

Bânlltmnchnnft.

Durch Beschluß des unterzeichneten Gerichts vom 24. Oktober 1908 ist der Gelegenheitsarbeiter Ludwig Stauf von Hanau, z. Zt. in Strafhaft im hiesigen Landgerichts- zefängnis, wegen Trunksucht entmündigt worden.

Hanau den 24. Oktober 1908.

__ Königliches Amtsgericht 3. 23475

Stadtkreis Ran au.

Bekanntmachung.

Nachdem der Fluchtlinienplan für das Gelände zwischen Frankfnrterlandstratze. FrankfurtHanauer Eisenbahn und Salisweg durch Beschluß vom 27. Oktober d. Js. förmlich festgestellt worden ist, wird er auf Grund des § 8 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 von nun an im Raihause, Zimmer 21, während der Geschäftsstunden zu jedermanns Einsicht offen gelegt.

Hanau den 2. November 1908.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschu s. 23467

Bekanntmachung.

& Das Proviantamt kauft Roggen, Hafer, Wiesen­heu und Noggenstroh (Flegelstroh und ungepreßtes Maschinenstroh) diesjähriger Ernte zu den gangbaren Tages­preisen. Es werden selbst die kleinsten Mengen angenommen.

Die Einlieferung der Naturalien kann ohne vorherige Anmeldung und. mit Ausnahme der Samstag-Nachmittage, an jedem Wochentage von 812 Uhr vormittags sowie von 24 Uhr nachmittags erfolgen.

Hanau den 29. Okiober 1908. V 7306

Königliches Proviant-Amt.

Rus Ranau Stadt und Tand«

Hanau, 6. November.

Deffentliche ^w der AMmBncknâchMlW

vom 5. November 1908.

Anwesend die Herren: Borsteher-Stellvertreter Schroeter; Bernges, Bonn Brüning, Dasbach, Fischer. Förster. Franz, "Elg' >» !:! ! """" ~ -

Feuilleton.

Stadlthcater in Hanau.

Hanau. 5. Novbr.

Das zweite und letzte Gastspiel desIbsen-Theaters" (Internationale Tournöe Maria Rehoffs brachte uns gestern Henrik IbsensDie Frau vom Meere ein pädagogisches Drama, das sich um den Angelpunkt: Erziehung der Frau bewegt, Erziehung der Frau durch den Mann und Erziehung der Frau durch sich selbst, eine Erziehung, die nicht darauf ausgeht, das Wesen des Weibes sich 'herrisch unterzuordnen, sondern: die auf die Freiheit des Weibes hinzielt, auf den Pflichtbegriff, daß die Frau nicht nute r. auch nicht n e b e n, sondern m i i dem Gatten durchs Leben gehe, sich in sein Wesen hineinver­wandle, ihn ergänze; ihm ähnlich werde, mit ihm e t n 8 fec in all seinem Tun und Wollen,den Schlüssel zu dem Schrein habe, in dem alle seine Bildnerträume verwahrt sind und ihm den Schatz darin heben helfe . Boraiissetzung dazu ist' daß die Ehe treu unb liebreich und wahrhaft glücklich "ist" (Lyngstrand zu Bolctte). Aber das Weib soll auch den Mann erziehen, daß er auch ihr amlich werde, eins soll das andere erheben zu würdiger Menschlichkeit mit Freiheit unb eigener Verantwortlichkeit . Mir fällt dabei ein Brief ein, den Ibsen einmal an W Hansen über seine eigene Ehe schreibt, da heu;. es.Erst nachdem ich mich verheiratet hatte, bekam mein Leben einen gewichtigeren Inhalt. Die erste Frucht mar ein laueres GedichtAuf den Höhen". Der Freiheitsdrang, der dieses Gedicht durchzieht, kam jedoch erst in der Komödie b er Liebe zum vollen Ausdruck. Dieses Buch veranlagte in Norweaeii viel Gerede; man zog meine persönlichen Ver-

Holm, Dr. Hoffmann, Jost, Kreuter, Lückhardt, Müller, Ohl, Pcteler, Rouffelle, Salomon, Sommer, Schwabe, Spatz, Stübing, litt), Voltz und Baurat Wohlfarih.

Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr. Gebe- schus und Bürgermeister Hild.

Unser Ostbahnhof und die Hanauer Eisen­bahnverhältnisse:

Wie wir bereits in unserer gestrigen Nummer.berichteten, sind der Stadtv -Versammlung einige Dringlichkeitsanträge zngegangen, die sich mit unserem Ostbahnhof und den leider immer itnerquicflicber werdenden Hanauer Eisenbahnverhält- niffe befaßten. Diese lauten

den Magistrat zu ersuchen: 1. an geeigneter Stelle auf rascheste Beseitigung der gefährlichen Zustände auf dem hiesigen Ostbahnhof, 2. darauf hinzuwirken, daß die Schä­digung, welche der Verkehr durch die Vermehrung der Züge infolge Materialzusichr an den Uebergängen der Strecke Hanau-Ost Westbahnhof erleidet, von der Bahnverwaltung durch geeignete Maßnahmen tunlichst rasch beseitigt wird. Der dritte Antrag ersucht den Magistrat, an geeigneter Stelle darauf hinzuwirken, daß alle die Stadt passirenden, dem Personenverkehr dienenden Züge an einem der hiesigen Bahnhöfe anhalten.

Die Dringlichkeit der Anträge wirb anerkannt. Der Referent, Stadtv. Ohl, beschränkt sich mit Rücksicht darauf, daß die Angelegenheit ja hinreichend bekannt ist und die An­träge einer näheren Begründung nicht bedürfen, auf einige kurze Bemerkungen. Er betont, daß die Zustände auf dem Ostbahnhofe unhaltbare sind. Die Arbeiten an der Unter­führung auf der Südseite scheinen eingestellt zu sein, wenigstens habe er keine Arbeiter dabei bemerkt. Auf der Nordseite sei eine solche wohl überhaupt nicht beabsichtigt. Es habe verlautet, die Bahn ging mit dem Gedanken um, den ge­samten Personenverkehr auf die Südseite und den gesamten Güterverkehr auf die Nordseite zu verlegen, aber man wisse, wie lange solche Projekte zu ihrer Verwirklichung dauern.

Sladlv. Salomon begrüßtes, daßdie Nmrflgeeingebracht worden sind In letzter Zeit sind wieder blühende Menschenleben dahin gerafft worden und es werde uns dadurch die Pflicht auferlegt, alles zu tun, was in unseren Kräften steht, um diese Verhältnisse zu beseitigen. Das letzte Unglück, das mit dem jungen Mädchen, sei sicher darauf zurückzuführen, daß die Bahnverwaltung nicht die nötige Dispositionen getroffen hat. Sonst sei es unmöglich, daß eine Lokomotive zu der Zeit dahinbraust, wo die Leute den Zug »erlassen und über die Geleise gehen müssen. Es hätte nicht viel daran gefehlt, so wäre es nicht bei dem einen Opfer geblieben. Die Vorangehenden wurden aber glücklicherweise von den Dahinter­gehenden zurückgerissen. Man müsse darauf hinwirken, daß die Unterführung so schnell als möglich ausgeführt wird.

Stadtv. Iustizrat Uth stimmt dem bei, )ügt aber noch hinzu, daß auch beim Nord- und Westbahnhof solche Unter­

Hältnisse in die Diskussion, und ich verlor sehr in der öffent­lichen Meinung. Die einzige, die damals mein Buch billigte, war meine Frau. Sie ist ein Charakter, wie ich ihn just brauche unlogisch, aber von starkem poetischen Instinkt, hoher Denkungsart, fast gewalttätig in ihrem Haß auf alle kleinlichen Rücksichten". Und an seine Schwester, Hedwig Strusland:Meine Frau solltest du kennen, sie paßt ganz zu mir." Sie ists auch gewesen, die ihn in schweren Tagen nicht verzagen ließ. Er sagte von ihr:

Ihr Höchstes ist, walten Der Glut meiner Brust: Was stark mich erhallen, Hat niemand gewußt."

Im Kampf um diese gegenseitige Erziehung,Hinauf- läuterung", wie Schiller sagen würde, gilt cs natürlich, allen Ernstes tabula rasa zu machen mit allen konventio­nellen Gesetzen der Gesellschaft, ja, sich zuweilen zu dem Mut aufraffen, zu der sich Lona Hessel berufen fühlte, die Welt des Scheins und der Unwahrheit einmal gründlich auszulüften".

Auch die Frau soll eine Persönlichkeit sein, Leben haben dürfen, durch das sie allein Leben im Gatten zu ent­zünden vermag, dem Mann ein treuer Kainerad sein, eine Mitarbeiterin an des Gatten Lebenswerk, kein Spielzeug und kein Zeitvertreib. Wo das nicht der Fall ist, da ist die Ehe eine Totenkammer, ein freudlosesHäris wie das von Pastor Rosmer und Baumeister Sollneß: Glaube und gegenseitiges Vertrauen muß in der Ehe eine Heimstätte haben. Wir gedenken hier der Worte, die Ibsen dem Schiffs- bnuer Anne in den Mund legt:Mein dürftiges Heim ist auch eine Gesellschaft im kleinen, Herr Konsul; diese kleine Gesellschaft hab' ich stets und aufrecht erhalten können, weil mein Weib an mich glaubte und weil meine Kinder an mich glaubten." Ueber das Eheproblem, wie es sich Ibsen stellt, könnte man an der Hand sei. .r Werke noch mancherlei

führungen eingerichtet werden. Auf den kleinsten Stationen würden solche Unterführungen gebaut. Es werde überall, wo mehr als ein Geleise ist, als selbstverständlich angesehen. Hier haben wir eine ganze Menge Geleise, aber keine Unter­führung. Man komme da auf ganz sonderbare Ge­danken und Vermutungen. Auch der Umstand, daß die Ge­leise der Aschaffenburger und Eberbacher Strecke im Niveau kreuzen, ist gefährlich. Nach dem allgemeinen Reglement ist dies untersagt. Da werden die schönsten Anordnungen ge­troffen und dann werden sie nicht ausgrführt.

Stadtv. Kreuter bittet den Magistrat, daß er die Schritte, die bisher von der Handelskammer, leider ohne Eriolg, in dieser Sache getan wurden, auch seinerseits unter­stütze. Der Herr Oberbürgermeister habe öfters Gelegenheit, Berlin zu besuchen, er möchte ihn bitten, dabei auch einmal den Eisenbahnminister zu besuchen. Ihm sei es unerfindlich, warum die preußische Eisenbahnverwaltung so rücksichtslos gegen Hanau vorgeht.

Herr Oberbürgermeister Dr. GebeschuS hegt den Verdacht, daß wir unS des mangelnden Wohlwollens der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. zu erfreuen haben. Dieses mangelnde Wohlwollen zu beseitigen Ist selbstverständ­lich unsere Pflicht. Wie er seither mit der Handelskammer Hand in Hand gegangen ist, so werde Redner das auch für die Zukunft tun. Auch werde er die Sache beim Eisenbahn- ministerium zur Sprache bringen. Im vorigen Jahre hat man uns einen Schnellzug genommen unter vollständig nichtigen Gründen.

Vom 1. Oktober an ist unS ein zweiter Schnellzug nach Aschaffenburg genommen. Während man aber früher wenigstens vorher Mitteilung machte, sodaß man sich da­gegen wehren konnte, ist man diesmal ganz plötzlich vorge- gangen. Der Schnellzug war beim Entwurf noch vorge- merkt, auch aus der definitiven Aufstellung war noch nicht zu ersehen, daß der Zug hier nicht mehr halten würde. Dann ist geradezu meuchlings uns der Zug genommen worden, sodaß wir gar nicht in der Lage waren, Stellung dazu zu nehmen. Er glaube versichern zu können, daß der Magistrat mit den Stadtverordneten einig ist, daß wir alles tun werden, was nötig ist zur Herbei­führung geordneter Zustände auf dem Ostbahnhofe und daß auch bezüglich der Schnellzüge alles geschehen wird, was geschehen kann.

Stadtv. O h l weist noch darauf hin, das es volle 2 Jahre gedauert habe, bis Heldenbergen und Vilbel Anschluß nach Hanau bekamen. Früher mußten die Leute, die ihre Ein­käufe in Hanau machen wollten, 2 Stunden warten, während sie nach Frankfurt den besten Anschluß hatten. Man scheine es systematisch auf eine Schädigung Hanaus abgesehen zu haben.

sagen. Doch wollen wir jetzt näher auf sein gestern hier aufgeführtes SchauspielDie Frau vom Meere" eingehen.

Ellida Wangel steht im Mittelpunkt des Dramas. In ihrem Fühlen und Denken istWellengang und auch Ebbe und Flut". In der kleinen Fjordstadt kann sie sich nicht akklimatisieren. Die Felsen drücken und lasten auf ihrem Gemüt, es ist hier nicht hell genug; der Himmel um sie her nicht weit genug, in der Luftströmung nicht Macht und Fülle genug. Tag und Nacht, Winter und Sommer wacht in ihr ein sehnendes Heimweh nach dem Meer, nach der Unendlichkeit und nach demMann vom Meere", dem Mann der Freiheit. Sie liebt ja ihren Gatten; er ist Arzt und ein herzensguter iNensch. Und doch kann sie es nicht verwinden, daß sie sich von ihm in die Ehe und vom Pècere fortführen ließ. Und als nun derFremde", dem sie sich vor vielen Jahren anverlöbte, der Mannder wie das Meer- ist", zurückkehrt und sie an das Verlöbnis erinnert, wird sie zwar zuerst von einem unheimlichen Grauen erfaßt, das sie aber immer stärker lockt,schreckt und lockt", sie ins Unbe­wußte, Dunkle, Weite binauszieht weil ihre Seele aufge- zwungene Pflichten nicht ertragen kann. So bittet sie schließ­lich den Gatten, sic freizulassen. Und als der erkennt, daß sein Widerstand erfolglos sein wird, greift er zu dem ein­zigen und letzten Mittel, das ihr helfen kann (In der äußersten Not und Gefahr wagen wir Aerzte viel"):weil ich dich so innig liebe", gibt er ihr volle Freiheit, Freiheit freilich untereigener Verantwortlichkeit" ihrerseits; er tötet jedes Selbstische in sich und erreicht dadurch die völlige Hingabe seines Weibes. In dem Augenblick, da Mangel die Entscheidung über ihr und sein Schicksal freiwillig und nach schwerstem Scclenknmpf in ihre Hände legt, wird sie ge­sund: die Krisis ist überstanden; die Kunst des Arztes hat sich bewährt. Ellide wird eineFestlandkreatur."Wenn man einmal ein Landgeschöpf geworden ist so findet man den Weg nicht zurück - ins Meer. Und auch nicht zum MeereS- leben. Die Meertrau stirbt, die Frau mit der fruchtlosen.