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Mittwoch den 4. November
Fernsprechanschlich Nr. 605. 1908
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14 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Hanau.
Auf Grund der allgemein erteilten höheren Ermächtigung wird hierdurch für Sonntag den 8. nnd Sonntag den 15. November d. J. eine vermehrte Beschäfti- gnngszeit für alle Zweige des stehenden Handelsgewerbes in der Stadt Hanau und zwar bis 7 Uhr abends zugelassen.
Während des Gottesdienstes und zwar in der Zeit von 9*/. bis IP/i Uhr vormittags und von 2 bis 3 Uhr nachmittags ist jedoch jede Art der Beschäftigung im Sinne des § 105b Abs. 2 der Reichs-Gewerbe-Ordnung ausgeschlossen.
In Betreff des Offenhaltens der Verkaufsbuden auf der hiesigen Herbstmesse bleiben die seitherigen Bestimmungen unberührt, nur ist den Verkäufern von Verzehruugsgegen- stäuden an den vorbenannten Sonntagen in den für das stehende Handelsgewerbe freigegebenen Stunden das Feilhalten ebenfalls gestattet.
Gleichzeitig mache ich unter Bezugnahme auf § 139s der Rcichs-Gcwerbe-Ordnung im Interesse der Meßbesucher darauf aufmerksam, daß die offenen Verkaufsstellen an allen Wochentagen um 9 Uhr abends und die offenen Verkaufsstellen für Schuhwaren in Gemäßheil des 8 139s der Reichs- Gewerbe-Ordnung an allen Wochentagen außer Samstags MN 8 Uhr abends geschlossen sein müssen.
Hanau den 3. November 1908.
Der Königliche Polizeidirektor.
P 11825 v. Beckerath.
Landkreis Hanau.
des Köchlichkn Wwtatë.
Mit der Berichterstattung auf die Verfügungen vom 2. Juni 1893, P 5735, und' 27. Juni 1900, V 5955, betreffend polizeiliche Maß- und Gewichtsrevision, ist noch eine Anzahl Bürgermeister im Rückstände.
Es wird daher an die Erledigung der vorgenannten Verfügungen mit Stäpifler Frist erinnert.
Hanau den 3. November 1908.
Der Königliche Landrat.
P 11824 v. Beckerath.
Nach Mitteilung der Inspektion der Jnsanterieschulcn vom 21. v. M. sind bei den Unteroffizierschulen noch eine größere Anzahl Stellen frei.
Feuilleton.
Konzert des Gesangvereins „Siimsci".
— Hanait, 3. Novbr.
Schon von jeher übten die Konzerte des Gesangvereins „Sumser" eine bedeutende Anziehungskraft auf unser kunstsinniges, musikliebendes Publikum aus, und auch diesmal hatte sich diese Zugkraft aufs glänzendste bewährt. Eine zahlreiche erwartungsvolle Zuhörerschaft hatte am Montag abend den „Zentralhalleniaal" dicht gefüllt, der Darbietungen harrend, die das Konzert der „Sumser" bringen sollte; und die Erwartungen wurden nicht getäuscht. Es wurde ein wirklicher Kunstgenuß geboten, ein Genuß, der durch die Mitwirkung hervorragender Solisten noch wesentlich erhöht wurde und sicherlich das Sumserkonzert bei den Zuhörern vroch lange in der angenehmsten Erinnerung erhalten wird.
Das Programm gliederte sich in zwei Teile. In dem ersteren wurden zwei Chöre und solistische Nummern geboten; der zweite wies Max Bruchs „Frithjof" auf. Der Verem hatte sich in der Aufführung dieses Werkes eine große, aber dankbare Aufgabe gestellt.
Der „Fritdjof" gehört unstreitig zu Bruchs besten und hervorragendsten Kompositionen. In vielen größeren und auch kleineren Konzerllälen Deutschlands ist er aufgeführt worden , was für die bedeutsame Stellung spricht, die er in der öffentlichen Meinung errungen hat. Bruch zeigt sich in dem „Frithjof" und in seinen anderen bedeutsamen Chorwerken „Römischer Triumphgesang", „Schön Ellen", „Achilleus" als einen der bedeutendsten und er- findungsreichsten Komponisten der neueren Zeit, der die vokalen und instrumentalen Mittel beherrscht und sie durchdacht und glänzend verwertet. Im „Frithjof" ist es Bruch gelungen, die düstere, episch-lyrische Färbung der Sage mit
Es gelangen daher voraussichtlich alle geeigneten jungen Leute, welche bis Ende Dezember bei der Inspektion angemeldet werden, noch in diesem Jahre zur Einstellung.
Als Nachersatz kommen auch diejenigen Freiwilligen in Betracht, welche in der Zeit nach dem allaemeinen Einstellungstermin (Mitte Oktober) bis Ende Dezember d. J. 17 Jahre alt werden.
Hanau den 2. November 1908.
Der Königliche Landrat.
V 4433 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
Politische Rundschau.
Wie die geheimen Schriftstücke auf den Redaktionstisch des „Vorwärts" fliegen. Im neuesten Hefte der Halbmonatsschrift Kommunale Rundschau wird jetzt aufgeklärt, wie der „Vorwärts" zu dem von ihm der Oeffent- lichkeit übergebenen geheimen Aktenstücke betreffend den Entwurf des Gas- und Elektrizitätssteuergesetzes gekommen ist. Der Chefredakteur der Kommunalen Rundschau, Dr. E. H. Dietzsch, hatte am 31. August eine Unterredung mit dem Staatssekretär Sydow und nahm die Gelegenheit wahr, diesen zu bitten, je ein Exemplar des Gesetzentwurfs an die zwanzig Vorstandsmitglieder des Deutschen Städtetages gelangen zu lassen, der am 26. Oktober über die Gas- und Elektrizitätssteuer beraten wollte. Der Staatssekretär lehnte dies aber ab, da er dann nicht die Verantwortung für die Geheimhaltung übernehmen könne. Dr. Dietzsch erzählt weiter: „Ich bot mich nun dem Staatssekretär als Vermittler an und verbürgte mich, was ich sehr leicht tun konnte, mit Kopf und Kragen für die Geheimhaltung des Entwurfes durch diejenigen Personen, denen ich den Entwurf zustellen wollte. Zwei oder drei Wochen nach dieser Unterredung empfing ich den revidierten Entwurf, um den ich in der Zwischenzeit nochmals gebeten hatte. Wenn man nun etwa behaupten will, daß der Entwurf lediglich mir zur Kenntnis übergeben worden wäre und nicht zur Kenntnis derer, deren Interessen ich zu vertreten verpflichtet bin, so frage ich: Wo hat es jemals eine Redaktion gegeben, die die Regierung als Aufbewahrungsstelle von Gesetzentwürfen bestellt hätte? Ich hatte den Entwurf des Gesetzes bekommen, und ich handelte in der besten Ueberzeugung, als ich ihn in 23 Exemplaren vervielfältigte und diese den Vorstandsmitgliedern des Deutschen Städtetages überwies. Das war am 12. Oktober! Am 22. Oktober veröffentlichte ihn der „Vorwärts" mit dem nämlichen Druckfehler meiner Vervielfältigung! Aus meiner Tür und aus den Türen derer, denen ich den Entwurf übersandte, ist die Jndiskreiion nicht gegangen . . ." Nach der Versicherung des Dr. Dietzsch kann die Vorwärts-Redaktion nicht im Zweifel darüber gewesen sein, daß sie ihm durch die vor- zeitiae Veröffentlichung Verlegenheiten bereitete.
ihrer Trauer um verfehltes Glück, verlorene Liebe und Heimat meisterhaft zu zeichnen und so den Hauptinhalt durch lebendige kraftvolle Rhythmen, glänzende Formen und eine wundervolle orchestrale Behandlung erschöpfend und fesselnd darzustellen. Das Werk ist durchgehends von packendem Eindruck. Es ist ein großes Verdienst des Gesangvereins „Sumser", diesen Eindruck unter der kunstverständigen Leitung des Herrn Gustav Altvater durch eine durchaus gelungene Aufführung bei dem Zuhörer hervorgerusen zu haben. Die Chöre und Ensembles waren gut einstudiert und kamen entsprechend zur Geltung. Wo an manchen Stellen der Chor selbständig hervortrat, imponierte er durch Kraft und Fülle, dagegen schmiegte er sich mit Feinheit und Biegsamkeit kunstgerecht den Soli und den Ens-mbles an. Die Aufführung gewann noch ein ganz besonderes künstlerisches Interesse durch die solistische Mitwirkung von Frau Gentner- Fischer, Opernsängerin zu Frankfurt a. M., und deS Herrn Kammersänger Alexander Heinemann aus Berlin.
In Frau Gentner-Fischer fand die Partie der Ingeborg eine würdige Vertreterin. Die begeisterte Hingabe für die gestellte Aufgabe, ihr "temperamentvoller und hinreißender Vorirag, dem Wärme und natürliche Empfindung nicht fehlten, übten eine tiefe Wirkung aus. Besonders fand „Ingeborgs Klage" lebhaften und wohlverdienten Beifall. Den „Frithjof" sang Herr A. Heine in ann mit edler Vortragskunst. Obwohl der Sänger etwas indisponiert war, kam doch die ungewöhnliche Kraft und der seltene Schmelz seines vortrefflichen Stimmorgans, sowie das tiefe Erfassen des Stimmungsgehältes zu wundervollem Ausdruck.
Der Vortragende sah sich durch reiche Beifallspvndcu gelohnt. Mit gleichem künstlerischen Ei folge -ang Herr Heine- m a n 11 im ersten Teile deS Programms noch eine Reihe von Liedern. Besonders ist er ein ganz vorzüglicher Interpret der Löweschcn Balladen. In dem Vortrag derselben , „Der seltene Beter" und „Die Lauer") und in den Liedern von Schubert und Schumann bewährte er sich als ein Licder-
Zur Reichsfiuunzresorm.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffenlicht in 16 Spalten den Wortlaut der dem Reichstage zugehenden Gesetzentwürfe über die Reichsfinanzreform samt einer Denkschrift. Daraus ist folgendes hervorzuheben:
Die Steitervorlage» der Reichsfinanzreform.
Das neue Steuersystem, welches für den Mehrbedarf des Reiches in Höhe von 500 Millionen Mark den Betrag von 475 Millionen Mark aufbringen soll, ist ausgestaltet worden unter dem Gesichtspunkte der Ergiebigkeit der Heranziehung aller Bevölkerungsschichten, der Verteilung nach der Leistungsfähigkeit und der Vermeidung von Belastungen, die die gesund« volkswirtschaftliche Entwicklung und Kapitalbildung hemmen. Feruer war es geboten, auf die bestehenden einzelstaatlichen und kommunalen Steuerverhältnisse Rücksicht zu nehmen.
In erster Linie bedurfte es der Heranziehung der allgemeinen Genußmittel: Branntwein, Bier, Wein und Tabak, weil sie allein die notwendigen großen Summen aufzubringen vermögen. Die vorgeschlagenen Abgaben sind so bemessen, daß ein dauernder ober, erheblicher Rückgang des Verbrauchs nicht zu befürchten steht. Ferner gestatten sieden betroffenen Industrien die Abwälzung und find, soweit möglich, nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit deS Verbrauchers abgestuft. Neben den Verbrauchsabgaben ist eine Steuer auf Elektrizität und Gas sowie auf Anzeigen vorgesehen. Aus einer selbst geringen Elektrizitätsabgabe kann bei der großen Zukunft der Benutzung elektrischer Kraft auf erhebliche Einnahmen gerechnet werden. Die Elektrotechnik erweist sich als so anpassungsfähig, daß sie die geringe Belastung durch eine Verbesserung der Produktion mühelos ausgleichen wird. Dasselbe gilt vom Gas, das schon mit Rücksicht auf den Wettbewerb einer Steuer zu unterwerfen war. Auch die Anzeigensteuer wird bei mäßigen Sätzen erhebliche Erträge abwerfen, ohne daß ein beachtlicher Rückgang im Inserieren zu erwarten wäre.
Daneben erweist es sich als absolut notwendig, solche Steuern heranzuziehen, die vornehmlich von den Besitzenden getragen werden. Das kann nur durch den Ausbau der Nachlaßbesteuerung erfolgen. Sie wird zu einer ergiebigen Einnahmequelle ausgestaltct, sobald man die Nachlässe an Abkömmlinge und Ehegatten mit besteuert. Die Einführung der Nachlaßsteuer macht eine Neuregelung der bestehenden Erbschaftssteuer notwendig. Gleichzeitig soll den modernen Rechtsanschauungen durch Beseitigung des unbegrenzten Jntestat-Erbrechts Rechnung getragen werden. Die Ausbildung der Nachlaßsteuer ermöglicht zugleich bei allen denen, die ein Vermögen von mehr als 20 000 Mark hinterlassen, einen Zuschlag zu erheben, wenn sie ihrer Wehrpflicht nicht genügt haben.
sänger von eminenter Begabung und fesselnder VortragS- kunst. Der Erfolg war auch hier ein außergewöhnlicher, von stürmischem Beifall begleiteter.
Einer überaus freundlichen und dankbaren Aufnahme be» gegnete noch Frau Gentner-Fischer durch den Vortrag der Arie der „Pamina" aus der Zauberflöte von Mozart, wobei ihre herrlichen Stimmmittel und die gute Auffassung zur besten Geltung kamen.
Neben der vortrefflichen Wiedergabe deS „Frithjof" sang der konzertgebende Verein noch den wundervollen „Chor der Priester" aus der Zauberflöte und den Bruch'schen Chor: „Vom Rhein." Diese prächtige Komposition, reich an edlem StimmungSgehalt und reich an musikalischen Schönheiten, brachte der Verein wohlvorbercitet zu mustergültigem Vortrag.
Max Bruch hat bekanntlich in seinen Chorwerken, insbesondere auch im „Frithjof", dem Orchester eine nicht unbedeutende Aufgabe zugewiesen.
Durch die dezente, klangschöne und durchsichtige Behandlung des orchestralen Teiles, den die verstärkte Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 166 ausfübrte, wurde dem Bruch- schen Werke erst das rechte musikalische Gepräge aufgedrückt unb ihm zu einer zündenden Wirkung verhalfen.
Wenn neben dem „Frithjof" auch durch die Sologesänge den Zuhörern ein ungetrübter Kunstgenuß bereitet wurde, so trug dazu nicht in letzter Linie die schmiegsame und diskret ausgeführte Klavierbegleitung des Dirigenten bei.
So können der Gesangverein „Sumser" und sein unermüdlicher und verdienstvoller Leiter Herr G. Altvater init Stolz und Genugtuung auf das wohlgelungene Konzert zurückblicken.
Albmnblütter.
Trag' ein Herz, den Freuden offen, Doch zum LeidenSkampf bereit;
Lern' im Mißgeschicke hoffen, Denk' des Sturm's bei heisrer Zeit. SaliS