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Erstes Blatt.

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Nr. 255 Fernsprechauschlutz Nr. 605. Freitag bell 30. Oktober Fernsprechanschlich Nr. «05. 190 8

Die ieMeNllMtt MR * -.UMMMstt 16 Seiten.

Amtliches.

Bekanntmachung. Stadtkreis Hanau.

Die Entwürfe m den Haushaltsplänen

der Sparkasse und

der Stiftungen und Nebenfonds

für das Rechnungsjahr 1909 liegen vom 2. November 1908 ab 8 Tage lang im Stadtsekretariat, Rathaus Zimmer Nr. 11, zur Einsicht der Gemeindeangehörigen offen.

Hanau den 28. Okiober 1908.

Der Oberbürgermeister.

Dr. Gebeschus. 22899

Gefundene ob verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Sack (1 Ztr.) künstlicher Dünger, 1 Portemonnaie mit etwas über 7 Mk.

Gefunden auf dem Standesamt: 1 Paar schwarze wollene Handschuhe. Abzuholen auf dem Bureau der Armen­verwaltung.

Zugelaufen: 1 schwarzer Schäferhund mit gelben Beinen w. Geschl.

Entlaufen: 1 brauner Wachtelhund m. Geschl.

Hanau den 30. Okiober 1908.

Zur Reichsfinanz Reform.

Berlin, 29. Okt. DieNorddeutsche Allg. Zeitung" beginnt heute mit der Veröffentlichung der Begründung zu dem Entwürfe eines Gesetzes betr. Aenderungen im Finanz­wesen. Es heißt im ersten allgemeinen Teil u. a.:

Durch das dauernde Mißverhältnis zwischen Bedarf und Deckung ist dem Deutschen Reiche eine schwere Schuldenlast aufgebürdet worden. Die immer erneute Ausgabe von Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen ohne die Aussicht einer Tilgung hat den Kursstand der Anleihen in einer Weise herabgedrückt, daß der Kredit des Reiches bereits in Friedenszeiten eine Einbuße zu erleiden droht. Dieser Zustand hat sich während einer beispiellosen Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft und einer gewaltigen Vermehrung des allgemeinen Wohlstandes herausgebildet. Er kann da­her nur auf schwere Mängel in der finanziellen Organisation des Reiches zurückgeiübrt werden. Die Beseitigung dieser

Feuilleton.

Stadtthcater in Hinan.

Harra«, 30. Oktbr.

Baumeister S o l ln e ß."

Gestern wurde von derInternationalen Tournee Maria Rehoff" Ibsens Schauspiel.Baumeister Sollneß" gegeben.

Bei Ibsens Dramen überwiegt die innere Handlung mehr die äußere; die Analyse des Psychischen ist ihm die Hauptsache, das Geschehnis selber nur die leichte Unterlage, ich möchte sagen: das dünne Papier, auf dem er die mag­netischen Schwankungen der Menschenseele aufzeichnet.

Wie Ibsen die psychischen Stadien seiner Menschen mit­einander verkettet, strafft und verknotet, ist bewundernswert. Wir sind immer im Bann überirdischer geheimnisvoller Mächte. Er ist im Grunde Alchimist, Mystiker. Mystiker wie Maeterlinck. Doch dies ist der Unterschied zwischen ihm und Maeterlinck : seine Menschen sind fast alle zu schwgch, , die Ucberfülle des Lebcusstromcs unverschüttet in sich aufzu- nehmen, sie zerbrechen von so machtvoller Andringlichkeit des Ueber- und Allgcistes; sie ziitern, sich ihm zu öffnen; sie sind des großen Lichtes zu ungewohnt, weil sie v o r h ° r zu sehr in den Niederungen der Alltäglichkeit lebten. Dagegen Maeterlinck's personae dramatis (wie er seine Menschen einmal nennt) suchen gerade dieses Unendliche und Unfaß­bare; sie gehen ganz im Schauen desselben auf; sie sind erfüllt von diesem Urwesen; daher zerbrechen sie ivohl nicht, aber sic lösen sich in ihm auf, und zwar in dem innerlichen Glauben, daß sie dadurch die Seligkeit des Sich- eins-Fühlcns mit dem großen Geiste genießen werden. Ibsens Menschen gehen an der Furcht vordem Unfaßbaren, Maeterlincks Gestalten an der grenzenlosen, subjekliv-schranken- lojen Hingabe zu gründe.

Mängel ist eine unbedingte Notwendigkeit für die Macht und das Ansehen des Reiches und zugleich eine unerläßliche Vor­aussetzung für die gedeihliche Weiterentwicklung der deutschen Volkswirtschaft. Nur durch das einmütige und opferwillige Zusammenwirken aller Kreise des Reiches können die Finanzen des Reiches wieder auf eine dauernd gesicherte Grundlage gestellt werden. Bei ständig steigendem Bedarf haben die dem Reiche erschlossenen Einnahmen nur eine geringe Ent­wicklungsfähigkeit gezeigt und das Gleichgewicht zwischen Ausgaben und Deckung erlitt im wachsenden Maße Störung.

In der Begründung wird dann die Summe der Mehr­ausgaben für 1900 bis 1908 zusammengestellt, wonach die Gesamtdifferenz zwischen Bedarf und Deckung für die letzen 9 Jahre sich auf rund zwei Mil­liarden Mark beläuft. Hiervon dürfen in Abrech­nung gebracht werden 276 Millionen Mark, die die ost- asiatische Expedition und 430 Millionen Mark, die der süd­westafrikanische Aufstand gekostet haben, da die Kriegsaus­gaben nicht aus ordentlichen Einnahmen gedeckt werden können.

In Abrechnung gebracht werden können ferner von jener Summe 329 Millionen Mark, die in den Jahren seit 1900 für werbende Anlagen, sowie für den Nord-Ostsee-Kanal und für Arbeiterwohnungen aus der Anleihe aufgebracht worden sind, wenngleich auch diese einer größeren Abschrei­bung und Tilgung bedurft hätten. Immerhin verbleibt selbst nach Aussonderung dieser Posten noch annähernd eine Milliarde' Mark, für die es seit 1900 an Deckung gefehlt hat. Die Folge dieses Mißverhältnisses ist die ständige und starke Steigerung der Schuld, die im Verlauf von nur 30 Jahren auf mehr als 41/a Milliarden Mark aufgelaufen ist.

Für den gegenwärtigen Stand der Verschuldung sind ferner die schon jetzt bekannten Zukunftsbelastungen der An­leihe in Betracht zu ziehen, die für die Verwaltung des Reichsheeres, der Marine, des Reichsamts des Innern, der Reichseifenbahn und der ostasiatischen Expedition zusammen 741 944000 Mark betragen. Für spätere Jahre vorbehalten sind außerdem schon jetzt noch 142470000 Mark. Den an» genesenen Summen tritt jährlich zwecks Vermehrung der Anlagen für Fernsprechzwecke usw., ein Kostenaufwand hinzu, der in den Jahren 1902 bis 1908 zwischen 20 bis 60 Millionen geschwankt hat. Ferner sind bei äußerster Be­schränkung in allen Einrichtungen die Neubauten und die auf Anleihe zu nehmenden anderweiten Anlagen des nächsten Jahrfünfts auf mindestens 100 Millionen Mark oder auf durchschnittlich 20 Millionen Mark jährlich anzusetzen. So­nach steht bereits jetzt die Vermehrung der Reichsschuld um eine Milliarde Mark bis zum Jahre 1913 in sicherer Aus­sicht. Diese Schuldenlast beeinträchtigt zunächst die Finanzen des Reiches in emvsindlicher Weise. Allein der Zinsendienst erfordert zurzeit jährlich bis zu 160 Millionen Mark.

Daß Ibsen Mystiker ist, habe ich jetzt wieder bei Sau» meister Sollneß wie früher zuerst beiRosmers- Holm" empfunden. Zwischen seinem Dolchspitzen-Dialog zuckt ein eigentümliches Leuchten; das Wetterleuchten eines pantheistischen Abhängigkeitsgefühls. Jener gewaltige elektrische Unlcrstrom geht durch die Dichtung, der von der großen Zentrale ausgeht, die wirWeltseele" nennen. Seine Menschen, Naturen von der gegeniâtzlichen Elektrizität, in die Nähe dieses Stromes gebracht, pendeln hin und her wie Korkkügelcheu, oder es trifft sie der Schlag. Die Tragik, bei ihm tiefer gefaßt als bei Goethe und Schiller, von der Hebbelschen Auffassung ausgehend, ist das Bewußtsein oder dunkle Gefühl, daß wir in höhere Gesetze eingesponnen sind, aus denen wir n i e herauskönnen; es ist die Tragik des Allgeistes selber, der in seinen aus sich gewordenen und in ihm begründeten Normen verharren muß, dieNotwendig­keit Gottes", wie's Spinoza nennt.

Ibsen schaut auf dem Grund jeder Menschenseele das ewige Lebens- und W e l t g e s e tz, das sich erfüllen muß. Aus seinen Werken schauert uns das Ewige, das Universale entgegen kalr, eiskalt und zwingt uns auf die Kniee. Ibsen ist durch und durch religiös; freilich auch manchmal vom Wahrheitsfanalismus geradezu besessen.

Frl. Maria Rehoff brachte dieses Undesinierbar- Große, das in dem Charakter der Hilde Mangel liegt, diese Wcltseelenstimmung, möchte ich sagen, wunderfein zum Austrag. In ihrer Sprache, mit der melodisch ausklingenden Färbung der Endsilben, ist ihr dazu ein treffliches Mittel ge­geben. Herr Fritz Wolter als Baumeister Sollneß war ein prachtvoller Willensmensch; sein Spiel war dabei so natürlich wie nur möglich; Frl. Margarete Pester verkörperte den TypuS der leidenden, in alten Lebens­anschauungen erstarrten Frau ebenfalls mit viel Natürlichkeit. Der Doktor H e r d a l des Herrn Felix WasilewSki war meines Erachtens viel zu k o m i s ch aufgefaßt; Herr Curt Gühne gab von dem Charakter deS alten Brovik

Einen weiteren finanziellen Nachteil bringt das ständige Sinken des Kursstandes der Anleihen mit sich, zu dem di« jährliche Schuldenvermehrung wesentlich beiträgt. Während die 3proz. Anleihe tm Jahre 1895 auf 99,60 Proz. stand, steht sie jetzt auf 84,20 Prozent. Die S^aproj. Anleihe ist im gleichen Zeitraum von 105,80 auf 92,50 Prozent ge« fünfen. Selbst die 4pro$. Anleihe des Jahres 1908 mußte unter pari begeben werden. Zu diesen finanziellen Nachteilen für das Reich gesellen sich schwere wirtschaftliche Schädi­gungen für die Allgemeinheit. Zunächst ist es eine empfind­liche Beeinträchtigung des sparenden Publikums, insbesondere auch des nicht kapitalkräftigen Mittelstandes und aller derer, die ihr Vermögen in mündelsicheren Papieren anzulegen ver- pflichtei sind, wenn der Stand der Anleihen in der ange­gebenen Weise sinkt. Sodann ist das Hinaufgehen bei Zinssatzes für die Reichs- und Staatsanleihen unter Umständen auch für die Erhöhung des allgemeinen Zinssatzes nicht ohne Bedeutung. Durch eine solche Erhöhung aber werden alle anleihe- und betriebskreditbenötigenden Produzenten, Landwirtschaft, Industrie und Handel, ferner auch die Ge­meinden und sämtliche in wirtschaftlicher Entwicklung be­griffenen öffentlichen Korperationen in Mitleidenschaft ge­zogen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein derartig hoher Zinsfuß die Konkurrenzfähigkeit des heimischen Gewerbes dem Ausland gegenüber beeinträchtigt. Ein Maßhalten in der Beanspruchung des Kapitalmarktes ist um so mehr ge» boten, als der Kursstand der deutschen Anleihen wegen des Fehlens einer gesetzlich gewährleisteten Nachfrage den Schwankungen der Marktlage in besonderem Matze unter­worfen ist. Da es bisher vermieden wurde, durch gesetzliche Vorschriften, wie sie in England und insbesondere in Frank­reich gegenüber den Sparkaffen bestehen, eine obligatorische Nachfrage nach Reichs- und Staatsanleihepapieren herbei- zuführen, so bereiten nicht nur die Kommunalobligationen, sondern vor allem auch die Pfandbriefe der Hypotheken­banken den Reichs- und Staatsanleihen gegenüber dem anlagesuchenden Publikum eine sehr erhebliche Konkurrenz. Ein Verzicht auf gesetzliche Zwangsmittel der angedeuteten Art wird sich jedenfalls in Zukunft und überhaupt nur bei einer intensiven Beschränkung in der Ausgabe von Staats­papieren durchführen lassen. Endlich darf nicht außer acht gelassen werden, daß der niedrige Kursstand der Anleihen die Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft dem Aus- lande in einem ganz falschen, äußerst ungünstigen Lichte er­scheinen läßt. Kursstand und Bankzins der deutschen An­leihe nehmen bei einer internationalen Vergleichung durch­aus nicht den Rang ein, der den Unterlagen bei deutsche» Kredites entspricht. Die niedrige Einschätzung der finan­ziellen Kräfte Deutschlands verhindert einmal die zu­treffende internationale Bewertung der deutschen Schuld­ein sehr anschauliches Bild; Herr Joseph von Biel^ hätte dem jungen Ragnar Brovik vielleicht etwas markante" Züge geben sollen. Frl. Marg. Steiger als Buch­halterin Kaja Fosli war entschieden zu matt.

Das Zusammenspiel war ganz ausgezeichnet.

Karl Engelhard.

Kunst und Oeben.

* Das Seuckenbergische Naturhistorische Museum Frankfurt a. M. (Viktoria-Allee Nr. 7), ist am kommenden Sonntag den 1. November vormittags von 11 1 Uhr und nachmittags von 24 Uhr unentgeltlich geöffnet.

Barometerstand.

12 Uhr am 29. 10. 30. 10.

Sehr trocken 77g Beständig ='

Schön 7605577

Veränderlich ==

Regen (Wind) ==

Viel Regen

Sturm 730

720^=