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Seite fr______________________________ wuß die dahingehende Absicht dem Konsistorilmi vor Ab- lauf von sechs Monaten nach dem Inkrafttreten des Kir­chengesetzes erklärt werden.

Eine Erstattung bereits geleisteter Zahlungen findet nicht statt.

Sport

Friedrichshafens 28. Oktbr. Heute früh sind, wie der „Schwäbische Merkur'' berichtet, zwei Waggon Gas­flaschen, welche für die Manzeller Luftschiffwerft bestimmt waren, bei der Trasektvorrichtung in den See gestürzt. Ein Waggon wurde völlig zerstört, während der andere unbe­schädigt im See liegt.

Friedrichshafen, 28. Oktbr. Prinz Heinrich von Preußen ist heute früh 7 Uhr im Automobil nach Schloß Wolfskastle abgereist. Dem Vertreter des „Schwäbischen Merkur" wurde von Kapitän Mischke über die Fährt u. a. folgendes mitgeteilt : Die Fahri war andauernd durch starken Nebel erschwert, was aber die Führung des Ballons umso interessanter gestaltete. Immerhin hielt man es infolge des Nebels für angezeigt, nicht zu weit ins Land hineinzusteuern. Man bewegte sich durchschnittlich in einer Höhe von 550 Metern. Die höchst erreichte Höhe war 670 Meter. Prinz Heinrich war von der Fahrt im höchsten Maße begeistert. Er äußerte mehrfach, daS ist kein Ballon, sondern ein recht gutes Schiff. Der Prinz handhabte persönlich wiederholt die Steuervorrichtung und gab seiner Befriedigung Ausdruck über das ausgezeichnete Funktionieren des Höhensteuers. Den besten Eindruck machte ihm auch der ausgezeichnete ruhige Lauf des Fahrzeuges. Bezüglich der Abnahme durch das Reich bezeichnete es der Kapitän als wünschenswert, daß man die Abnahmebedingungen, die man s. Zt. vor der Ver­unglückung des ersten Schiffes stellte, mindern, daß man ins­besondere infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit nicht an der 24stündigen Fahrt festhalte. Geheimrat Hergesell rühmte besonders die •genaue Einhaltung der Fahrzeit. Man wollte um 2 Uhr in Konstanz eintreffen und genau auf die Minute irgf man auch ein.

Drahtnachrichten

Der Kronprinz im Abgeordnetenhanse.

Berlin, 28. Oktbr. Der Kronprinz ließ dem Bureau des Abgeordnetenhauses mitteilen, er werde heute der weiteren Beratung des Beamtenbesoldungsgesetzes beiwohnen.

Das Befinden des Knltusministers.

Berlin, 28. Okt. Professor Dr. Renvers, der den Kultusminister Dr. Holle behandelt, teilte auf eine Anfrage

Mittwoch

mit, der Minister leide an chronischem Bronchialkatarrh und sei außerdem sehr überarbeitet. Er werde jedenfalls noch einige Wochen in Meran bleiben. Die Gerüchte von einem Rücktritt hält Prof. Dr. Renners für absolut unbegründet.

Unfall.

Essen, 28. Okt. Auf der Zeche „Margarete" stürzten bei der verbotswidrigen Benutzung eines Aufbruchsschachtes vier Arbeiter in die Tiefe. Einer war sofort tot, die anderen liegen hoffnungslos darnieder.

Englisches Unterhaus.

London, 27. Oktbr. In der heutigen Sitzung des Unterhauses beantwortete Staatssekietär Giev eine Anfrage betreffend die gemeldete Bewegung russischer Truppen in per­sisches Gebiet hinein, indem er crklnrie, daß nach seiner In­formation keine russischen Truppen persisches Gebiet über­schritten hätten. Auf eine Anfrage betreffend das Einfuhr­verbot von Heu und Stroh wurde regierungsseitig erwidert, der Zweck dieses Verbotes liege darin, England vor der Ge­fahr einer Einschleppung von Maul- und Klauenseuche durch die Einführung von Heu und Stroh aus Ländern zu be­wahren, in denen diese Krankheit herrsche oder die gegen die Einschleppung der Krankheit ungenügende Sicherheit böten. Das Einfuhrverbot müsse darum als ein dauerndes betrachtet werden.

Besuch König Eduards in Aegypten.

Kairo, 27. Okt. „Egyptian Gazette" kündigt einen Besuch des Königs von England in Aegypten für Januar nächsten Jahres an.

Aufregende Szene.

Berlin, 28. Oktbr. Eine aufregende Szene spielte sich gestern abend in der Usedomstraße 16 ab. Mit vieler Mühe gelang es, zwei Kinder vom Erstickungstode zu retten. Die Frau des Arbeiters Adler hatte sie, um einzukaufen, allein gelassen. Bei ihrer Heimkehr fand sie die Wohnung ver­qualmt vor. Erst nach längerem Suchen fand man die Kleinen bewußtlos vor. Sie wurden ins Freie gebracht und ein herbeigerufener Arzt brachte die Kinder wieder zum Be­wußtsein. Der Brand wurde von der Feuerwehr gelöscht.

Der bosnische Landtag.

Agram, 26. Oktbr. Dem „Pokret" wird aus Sara­jewo gemeldet, daß der bosnische Landtag 80 Mitglieder haben wird, wovon 52 gewählt werden sollen, 28 haben Virilstimmen. Die Serben werden 22 Abgeordnete und vier geistliche Virilstimmen, die Mohammedaner 18 Abgeordnete und sieben geistliche Virilstimmen erhalten. Vier Vertreter der Höchstbesteuerten und sechs Vorstände von Kreisstädten erhalten Stimmrecht. Die Kroaten haben 12 Abgeordnete

______________________________28. Oktober

und drei geistliche Virilstimmen. Außerdem haben die vier SekliouschefsSiimmrecht.

Studentendemonffrationen.

Wien, 28. Oktober. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Prag: Der Statthalter erkannte in einem Gespräche mit einem Herrenhausmitgliede an, daß die deutschen Studenten zu den gestrigen Ausschreitungen gegen sie keinen Anlaß ge­geben hätten. Das Deutsche Kasino wandte sich demselben Blatte zufolge telegraphisch an den Ministerpräsidenten um Schutz gegen die anarchistischen Ausschreitungen und die an­dauernde Belagerung des Deutschen Hauses.

Prag, 28. Oktober. Als sich gestern die Demonstrationen erneuerten, wurde der Wenzelsplatz von Gendarmerie und Militär geräumt. Die angesammelte Volksmenge bewarf das Militär mit Steinen, löschte die Straßenlaternen aus und legte Bänke quer über die Straße. Sie wurde aber schließ­lich auseinandergetrieben. Um 11 Uhr nachts wurde das Militär zurückgezogen. Die Polizeidirektion erließ eine Be­kanntmachung, in der es heißt, daß die Staatsgewalt sich ver­anlaßt sehe, gegen alle Störungen der öffentlichen Rnhe und Ordnung mit den schärfsten Mitteln, gegebenenfalls mit Waffengewalt vorzugehen. Darum wird die Bevöl­kerung aufgefordert, alle Ansammlungen aus dem Wege zu gehen und darauf hingewiescn, daß eine Wiederholung der Ausschreitungen zur Verhängung des Belagerungszustandes führen würde. Auch der Stadtrat hat eine Aufforderung zur Bewahrung der Ruhe an die Bürgerschaft erlassen.

Die französische Einkommensteuer.

Paris, 27. Oktbr. Die Kammer nahm in ihrer heutigen Sitzung die drei ersten Paragraphen der neuen Fassung des Artikels 37 des Einkommensteuer­gesetzes an, wonach vom landwirtschaftlichen Einkommen bis zu Beträgen von 5000 Fres, die Hälfte und darüber hinaus zwei Drittel des Pachtwerts der Ländereien zu ver­steuern sind.

Schwinvelassäre.

Berlin, 28. Oktbr. Die Affäre des Schwindlers Scott, der in Schmargendorf verhaftet und gegen eine Kaution von 100 000 Mark in Freiheit gesetzt worden war, gewinnt an Umfang. Scott entfloh und ließ die Kaution verfallen. Gegenwärtig ist er in New-Pork. Sein Buchhalter, der als Mitschuldiger verhaftet wurde, sitzt noch in Untersuchung. In der Zwischenzeit haben sich nicht weniger als 3000 Per­sonen gemeldet, die auf den von Scott ins Werk gesetzten Schwindel hereingefallen sind.

Stuttgart, 28. Oktbr. Nach der jetzt abgeschlossenen Zeichnungsliste für die Zeppelin-Sammlung sind aus Würt­temberg im ganzen 718 141.55 Mark eingegangen.

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