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Erstes Blatt.

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Metteellnuf und Bering der Buchdruck««! d« ««da, «8, Watjend ause« in Hanau.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Mittwoch den 28. Oktober 8*^^^ Nr. eos. 1908

Die heutige Nunim nmW außer t>-VMâuzSlilM

14 Seiten.

Amtliches.

Eandkreis F)anau.

Vekauntmachuugeu des Muiglilhen Lankatsaints.

Unter den Schweinen in Hüttengesäß ist die Schweine­seuche erloschen.

Hanau, den 27. Oktober 1908.

Der Königliche Landrat.

V 7235 I. A.: Hartmann, .Kreissekretär.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in den Ge­markungen von Kesselstadt. Dornigheim, Hanau und Bruch­köbel belegenen, im Grundbuche von da Band II Art. 85, bezw. Band VI Art. 299, bezw. Band 21 Art. 1277, bezw. Band V Art. 250 Mr Zeit der Eintragung des Versteige­rungsvermerkes auf den Namen des Bauunternehmers Wilhelm Wilv II., Johannes Sohn, in Kesselstadt (Hanau) eingetragenen Grundstücke:

1. Band II Artikel Nr. 85 von Kestelstadt : Krtbl. 8 Parz. Nr. 211/196, Augustastraße, Weg 70 qm, 6 31, auf in Köppel, Acker = 76 ar 40 qm,

Reinertrag 50,97 Mk.

Grundsteuermutterrolle Art. 254

2. Band VI Artikel Nr 399 von Dörnigheim: Krtbl. CC Parz. Nr. 394/17, die Huse, Acker 24 ar 52 qm,

Reinertrag = 2,31 Mk.

Krtbl. DD Parz. Nr. 4, an den Kesselstädter Weingärten, Acker = 6 ar 13 qm,

Reinertrag = 0,57 Mk.

Krtbl. DD Parz. Nr. 5, daselbst, Acker = 8 ar 83 qm, Reinertrag = 0,84 Mk. Grundsteuermutterrolle Art. 1092

3. Band 21 Artikel Nr. 1277 von Hanan:

Krtbl. QQ 18, Bei der dürren Horst, Wiese 34 ar 32 qm, Reinertrag 15,48 Mk. Grundsteuermutterrolle Art. 1451

4. Band V Artikel Nr. 250 von Bruchköbel: Krtbl. 12 Parz. Nr. 74, auf den Ochsenwiesen, Wiese 13 ar 15 qm,

Reinertrag 6,78 Mk.

Feuilleton.

GescllschiistSlebeu einst und jetzt.

Von Meinhard Krieg.

(Nachdruck «erbeten.)

Es ist oft gesagt worden, daß die Formen, unter denen sich das gesellschaftliche Leben der Menschen abspielt, charakte­ristischer für ihren Kulturzustand sind, als irgend etwas sonst. Wie alle Aussprüche, in denen eine große Sacke mit wenigen Worten abgetan wird, besitzt jedoch auch dieser nur eine teilweise Richtigkeit. Verhielte es sich anders, so müßte man sehr ungünstige Folgerungen bezüglich unseres heutigen Bildungsniveaus ziehen, denn unter gesellschaftliches Leben das können wir uns nicht verhehlen legt keineswegs durchweg von der geistigen Verfeinerung und den Fort­schritten" auf wissenschaftlichem, literarischem und künstlerischem Gevict, welche die Neuzeit uns so überreich gebracht hat, Zeugnis ab. Nichtiger ließe sich der obige Satz formulieren, wenn man sagte, die Geselligkeit eniipricht dem Charakter ihrer Zeit. Die Signatur der uns eigen ist Unrast, eine fieverhafle, bis zu den Grenzen des Möglichen gesteigerte Tätigkeit, verbunden mit dem Drängen nach Publizität all' "dies aber brücft sich auch in unserer Geselligkeit aus. Man denke nur an den Fife-o-clock, der ein ewiges Kommen und Gehen darstellt, bei dem der einzelne sich oft nicht die Muße nimmt, sich zu setzen, sondern nur im Stehen eine Tasse Tee trinft und ein winziges Brötchen verzehrt, dabei rasch mit diesem und jenem ein paar Worte wechselt, um rasch weiter zu eilen zu einem Jour, einem Ball, ins ibeater, oder, weiß Gott, wohin sonst. Man will eben an oeifcbiebenften Stellen acte de présence leisten und eine Anzahl Menschen sprechen. d-aen man etwas zu lagen hat

Krtbl. 12 Parz. Nr. 75, daselbst, Wiese = 1 ar 16 qm,

Reinertrag 0,63 Mk.

Grundsteuermutterrolle Art. 307

am 17. Dezember 1908, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Marktplatz Nr. 18, Zimmer Nr. 14 versteigert werden.

Hanau den 30. September 1908.

Königliches Amtsgericht 2. 22653

politische Rundschau.

Regelung der Besoldungs-Verhältnisse der Leutnants. Wie aus maßgebendster Quelle verlautet, werden am Mittwoch im Ausschüsse des Bundesrats die Be­soldungsverhältnisse der Subalternoffiziere einer eingehenden Beratung unterzogen werden. Die bei den verschiedenen Truppengattungen im Avancement und dadurch natürlich in der Besoldung hervorgetretenen Ungleichmäßigkeiten erheischten eine Abänderung. So hat man denn im Kriegsministerium eine sehr gut gegliederte Dienstallersstufcnliste für die Be­soldung der Subalternoffiziere aufgestellt. Man wird analog wie bei Beamtenklasseir verfahren. Nach Annahme dieser Dienstaltersstuienliste fällt natürlich jede Differenzierung der Subalternoffiziere der verschiedenen Truppengattungen fort, man schafft durch Betreten dieses sehr gangbaren Weges alle Ungleichheiten aus der Welt. Es wäre doch sicher sehr un­billig gewesen, einen Leutnant der Verkehrstruppen^ obgleich Oberleutnantsstellen in dieser Waffengattung frei waren, deshalb nicht zum Oberleutnant zu befördern, weil für Offiziere anderer Waffengattungen diese Verhältnisse aber noch mcht vorlagen. Bei der Beförderung zum Hauptmann mürben die Ungleichheiten dadurch zum Teil, ausgeglichen, daß man zahlreiche Oberleutnants sagen wir der Fuß­artillerie usw. wohl zu Hauptleuten und Batteriechefs beförderte, ihnen aber das Hauplmannspatent noch nicht gab. Das Rheinische Fußartillerie-Regiment Nr. 8 meist nach der Rangliste nicht weniger als sechs solcher Hauptleute auf. Man kann den maßgebenden Faktoren nur Dank wissen, daß sie durch Aufstellung einer sehr klaren Dicnstaltersstufcn- liste die Besoldungsverhältnisse auf eine sehr praktische Weise neu geregelt haben.

Die MietentschädiMng der Volkssckmllehrer. Bezüglich der in Aussicht genommenen Mietentschädigungen der Volksschullehrer erfährt dieD. Warle" von zuständiger Seite, daß geplant ist, innerhalb der einzelnen Provinzen dem Provinzialrat die Befugnis zu übertragen, die Ent­schädigungen für die einzelnen Ortsklassen und Lehrerkategorien festzusetzen, wobei bestimmte Sätze maßgebend sein sollen.

und mit denen man bei diesen geselligen Veranstaltungen schneller fertig wird, als wenn man sie daheim aufsucht. Das Vergnügen ist Nebensache, der praktische Zweck das wichtigste. Die Angst, länger festgehalten zu werden, als man ès möchte, überhaupt die Angst, sich Unbequemlichkeiten auferlegen zu müssen, zeigt sich auch in der Bevorzugung des WirtshauZIebens. Unendlich viele Familien verlegen heutzutage ihren geselligen Verkehr ausschließlich ins Restau­rant. Ebenso spielt sich derselbe in manchen großstädtischen Kreisen, namenllich literarischen, häufig in Vereinen ab. All das ist ja auch tat'ächlich sehr praktisch und angenehm, und man kann sich leicht so damit v-rwöhnen, daß man für fiden andern Verkehr verdorben wird. Keine häuslichen Vorbereitungen, kein Zwang, keine Rücksichten man macht einfach Toilette, geht aus, unterhält sich, ißt so viel oder io wenig, als man will nob kehrt gänzlich nach Belieben, früh ober spät, heim. Und die Vorteile der Geselligkeit genießt man den-och. Daß indessen bei einem Verkebr, der eine so schrankenlose Freiheit gewährt, der feine geistige Gehalt zum großen Teil verloren geht, versteht sich von selbst.

Wie anders wars einst! Dieses Einst erstreckt sich bis in die fernsten Zeiten, ja bis ins Altertum hinein. Ausnahmen in reicher Zahl gab es natürlich stets, aber im großen und ganzen stand die Geselligkeit bei den antiken Kulturvölkern unter dem Zeichen von Kunst und Wissenschaft. Es Hieße, Eulen nach Athen zu tragen, wollte ich mich über die Symposien ber Griechen ausführlich verbreiten über den Gegen­stand ist so viel geschrieben worden, daß es genügt, darauf hinzuweisen, wie die Teilnehmer an diesen Festlichkeiten sich durch geistreiche Gespräche zu unterhalten trachteten und wie man in vollendet künstlerischer Weise ihren Schauplatz mit den gebotenen Genüssen in Uebereinstimmung brachte. Blumengewinde umkränztcu die Trinkgefäße, die auswartenden Knaben, die Lager der Gäste und diese selbst. Selbst das Alter suchte seine Hinfälligkeit unter Blumen zu ersticken.

Es soll in Zukunft also nicht wie bisher für jeden einzelnen Ort die Mietentschädigung festqestrllt werden, sondern man will die Schulverbände in größere Gruppen zusammenlegen und für diese Durchschnittssätze festsetzen. Im allgemeinen soll sich die Neuregelung der Ortsklasseneinteilung anschließen, die für die Bemessung des Wohnungsgeldzuschusses der Offiziere und Beamten in Aussicht genommen ist. Der Grundsatz, daß die örtlichen Verhältnisse bei der Mietentschädigung zu berücksichtigen sind und daß sie eine Entschädigung für die Nichtgewährung der Dienstwohnung bieten soll, wird hierbei natürlich auch weiter bestehen bleiben.

Bei der Lanvtags - Ersatzwahl im Wahlkreise Breslau 6 wurde Generalleutnant z. D. Frhr. v. Reitzen­stein zu Nieder-Westritz (kons.) mit sämtlichen 402 abge­gebenen Stimmen gewählt.

Gassteiter. Eine in Berlin abgehaltene Versammlung der deutschen Gasglühlicht-Jndustriellen bezeichnete die geplante Besteuerung des Gases und der Glühkörper als eine schwere Belastung und Schädigung ihres Gewerbes. Die deutsche Gasglühlicht-Jndustrie decke fast den gesamten Weltbedarf in Glühkörpern. Sie fürchte durch die neue Steuer den Ver­lust ihrer Konkurrenzfâbigkeit auf dem Weltmarkt und eine so bedeutende Einschränkung des inländischen Konsums, daß viele Firmen gezwungen sein würden, ihren Betrieb einzu­stellen, und Tausende von Arbeitskräften brotlos würden.

Mâdchenschulreform. Dem Abgeordnetenhaus- sind die schon aus dem August bekannten Bestimmungen über dir Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens nebst den Be­stimmungen über die Zulassung der Frauen zum Universitäts- studium mit einem vom 15. Oktober datierten Schreiben des Kultusministers Holle nunmehr zugegangen.

Die Handelskammer zu Halberstadt weist in der letzten Nummer ihrer Monatsschrift auf eine interessante Mitteilung über die Lebensmittelpreise an Wasserstraßen hin, die kürzlich auf der Versammlung des Zentralvereins zur Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschiffahrt gemacht wurde. Dort wurde folgendes auSgeführt: Es zeigt sich für die Jahre 1902 bis 1906, daß der Doppelzentner Weizen in Darmstadt, bas keine Wasserstraße hat, 50 bis 67 Pfg. teurer war, als in WormS, das am Rhein liegt. Gerste war in den Jahren 1903 bis 1906 um 27 bis 49 Pfennig teurer als in Worms. Weizenmehl war in Bens­heim an der Bergstraße um 10 bis 25 Pfg. teurer als in Worms. Roggenmehl war in BenSheim um 4 bis 13 Pfg. teurer als in Worms. Diese Preisnotierungen zeigen deut­lich, welch großen Nutzen die Wasserverbindung der Bevölke­rung eines Hafenplatzes bietet gegenüber den im Hinterland« gelegenen Ortschaften und wie wichtig das Vorhandensein einer Wasserstraße nicht nur für den Großhandel, sondern auch für die Konsumenten ist.

So sehen wir vor unseres Geistes Augen den greifen Thele- sippos ibn, den man achtbeinig nannte, weil er nur noch, von drei Jünglingen unterstützt, gehen konnte mit diesen durch Rosengirlanden zu einer Grupp« verbunden, so taucht ferner vor uns der Anführer der athenischen Jeunesse dorée, der jugendschöne Alkibiades auf, wie er sich von den reizendsten Sklavinnen die verschiedenartigen Blütenzweige nachtragen ließ, mit denen er sich bei den einzelnen Phasen deS Mahls, immer seinem jedesmaligen Charakter entsprechend, zu schmücken gedachte usw. Wieviel Phantasie, Esprit und Schönheitssinn spricht sich nicht in dem allen aus!

Bei den Römern war die Geselligkeit noch raffinierter und schwelgerischer, wenn auch freilich weniger poetisch. Ich denke hierbei zwar im wesentlichen an die Zeiten des kaiserlichen Rom, denn von der früheren weiß man verhältnismäßig wenig. Der Luxus, der auf die Ausstattung der Räume verwendet wurde, war ungeheuer, vielfach änderte man sogar während des Mahls das Milieu, indem man durch Ver­schiebung der Wände bald eine Gartendekoration, bald Säulen­hallen, prächtige Gemächer usw. erstehen ließ. Dazu er­freuten allerhand Schaustellungen die Augen der Tafelnden, besonders hierfür vorgcbildete Sklaven sangen in klangvollen Versen die Geschichte der aufgetragenen Weine ab und Blum-n und wohlriechende Wässer wurden beständig herumgereicht. Später, zur Verfallszeit, arteten die Festlichkeiten dann aller­dings in wüste Gelage aus, bei denen man den Mangel an Erfindung und Geist durch unsinnige Verschwendung zu er­setzen trachtete. Den berüchtigten Nachtigallenzungen des Heliogabal stehen würdig die im Weine von ChaithoS ge­düngten Wachtellebern des Lucullus zur Seite. Im übrigen verdient, beiläufig bemerkt, der letztgenannte keineswegs seinen Ruf als Schlemmer, der ihn durch die Jahrtausende hindurch begleitet, er war vielmehr der DrilletSavarin unter den Alten, ein Gourmet, aber kein Gourmand, ein feiner Geist, der eine vornehme Gastlichkeit. pflegte und sich von allen Extravaganzen fernhielt.