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Donnerstasi den 22. Oktober 1908

politische RundTchaa.

Die Besolvunosvorka-'en im Reichstage. Mit Rücksicht darauf, das; im Reichstage zunächst die Reichsfinanz- reform ;nr Verhandlung gestellt werden muß, werden dieser gesetzgebenden Körperschaft die Besoldunqsvorlngen nicht als­bald zugellen. Indessen wird deren Einbringung so zeitig erfolgen, daß sie, wie der Reichshaushaltsetat für 1909, «och vor der Weihnachtspause in erster Lesung erledigt werden sönnen.

In bemerkenswerter Weise hat sich der bra­silianische Kriegsminister über den deutschen Kaiser und die deutsche Armee geäußert. Marschall Fonseca hat auf eine Einladung des Kaisers an den großen Herbstmanövern teil- genommen und in einer Unterredung mit einem Hamburger Journalisten eine Charakteristik der Persönlichkeit des deut­schen Kaisers gegeben, dessen Erscheinung als oberster Kriegs- llerr der Armee ihn als Soldaten besonders gefesselt habe. Seine Liebenswürdigkeit, seine Frische, seine Klarheit und seine Kenntnis der verschiedensten Dmge sei bemerkenswert. Er habe stets zu den Bewunderern des deutschen Kaisers ge­hört, ohne ibn näher zu kennen. Sodann gab der Minister seine Eindrücke über die deutsche Armee wieder, die seine hoch­gespannten Erwartungen weit übertroffen haben. Die deutsche Armee sei wohl die beste in der Welt, und die Nation dürfe stolz darauf sein.

Aitf einen fktii-"en Rückoong der Sozialdemo­kratie in der Schweiz beulet mancherlei hin. So wurden in der Versammlung der christlichsiosialen Arbeitervereine sehr kluge Beschlüsse zur Bekämpfung d-r Sozialdemokratie gefaßt. Ferner ist am 13. September durch Volksabstimmung zur besseren Bekämpfung der Sozialdemokratie in Zürich die Ver­mehrung des dortigen Polizeikorps um hundert Mann be­schlossen worden. Trotz aller Kraftanstrengung der Sozial- demokiaien siegten die bürgerlichen mit fast 1000 Stimmen Mehrheit. Endlich und namentlich aber beklagt das sozial­demokratischeVolksrecht" mit sehr gutem Grunde das Er­gebnis der Siatistik über den Stand der schweizerischen Ge­werkschaften. Denn danach sind non 690 391Orgamsations- fähigen" nur 124 310organisiert" (allo von 1000 nur ISO) und in den Zentralverbönden von 607 412 Arbeitern und Arbeiterinnen erst 121 754organisiert" (d. h. sozial­demokratisch),also ziemlich genau nur der fünfte Teil", jammert dasVolksrecht".

Ungarische Delegation."

Budapest, 21. Okt. Heeresausschuß. In fort­gesetzter Verhandlung des Heeresordinariums erklärte Ax­mann namens der Christlichsozialen, aus Gründen der aus­wärtigen und militärischen Politik für das Budget stimmen zu müssen. Seine Partei werde aber ihre endgültige Stellungnahme im Plenum von dem Ergebnisse der am Samstag staitfindendcn Volksversammlung der christlichsozialen Partei abhängig macken. Schlegel schließt sich den Aus­führungen Axmanns an, erklärt jedoch, unbedingt für das Budget stimmen zu wollen. Stanek erklärte, die Frage der Aufbesserung der Mnunichastskost und der Mannsckaftslöhnung müsse schon aus dem Grunde eine befriedigende Lösung finden, um der Bevölkerung die Erhöhung der Offiziersgagen ge­rechtfertigter erscheinen zu Taffen. Reichskriegsminister Schönaich beantwortete die vorgebrachten Fragen eingehend. Zu den Vorgängen in Laibach saate er, daß der Waffen- gebrauch des Militäis nach den'Beschimpfungen und den tätlichen Beleidiaunaen der Truppen, die mit Steinen,

Feuilleton.

Zum Geviirtstulie der Kaiserin.

Was wir zu allen Stunden im Herzen halten fest, Ist leichter wohl empfunden, als es sich sagen läßt, Ist leichter wohl zu denken, zu fühlen leichter sehr Und fällt der ungelenken Soldatenzunge schwer.

Drum ist es wohl das beste, wir sagens grade hin, Daß wir zum Wiegenfeste ihr, unsrer Kaiserin, Der Sott mög Segen spenden jedweden Tag aufs neu, Heut unsern Glückwunsch senden in ehrfurchtsvoller Treu.

Sie, die an Huld und Güte ein Vorbild anzuschnirn, Aus fürstlichem Geblüte, ein Muster edler Fraun, Geliebt verehrt, bewundert, wo deutsch ein Herz nur schlagt, Heut ists ein halb Jahrhundert, das sie zurückgelegt!

Gott schirm ihr teures Leben zum Heil uns immerdar, Er mög ihr Freuden geben und reiche, frohe Jahr, Das Leid er von ihr wende, der Fürstin hochgesinnt. Und führ zum guten Ende, was immer sie beginnt!

Nun lasst die Salven knattern, lasst vollen Trommelklang, Die alten Farben flattern, die noch kein Feind bezwang,. Vom Belt klings bis zum Rheine, vom Fels zum Meere hin: Heil Deutschlands Edelsteine, Heil unsrer Kaiserin!

Oskar Klein.

Kunst und Leben.

Der Stuttgarter Hoftheater - Neubau. Das Preisgericht, das zur Entscheidung über die Einwurfe zu dem Stuttgarter Hostheater-Neubau unter dem Vorsitz des Stadtrats v. Scharpff zusammeugctrcten war, hat seine Be­ratungen abgeschlossen. 23 Architekten haben sich an dem Wettbewerb 'beieiliat Den ersten Preis erhielt Professor

Ziegeln und Gläsern beworfen worden seien, durchaus be­rechtigt war. Er bedauere tief den tragischen Ausgang der Exzesse, müsse aber die ungerechtfertigten Angriffe gegen das Militärkommando, insbesondere gegen den L-utuant Mayer, entschieden zurückweisen. Zur Frage der zweijährigen Dienst­zeit äußerte der Kriegsminister, daß diese auf die Tages­ordnung kommen werde, sobald es die politischen Verhältnisse der beiden Staaten gestatten würden. Ferner erklärte der Minister, daß keinerlei Verhandlungen wegen des Erwerbs eines lenkbaren Luftschiffes nach dem System Parleval ein» geleitet seien. Zu der Behauptung, daß die Geschützrohre aus Brpuze den modernen Schiestmitteln nicht standhielten, sagte er, daß eingehendste Schießversuche die Dauerhaftigkeit der bronzenen Geschützrohre erwiesen hätten. Nach längerer Debatte wurde das Heeresordinarium angenommen.

Englisches Unterhalts.

London, 21. Okt. Premierminister Asquith führte heute in längerer Rede mit Bezug auf das Problem der Arbeits­losigkeit aus, er wolle den legislativen Vorschlägen, welche die Regierung zu Beginn der nächsten Session hinsichtlich der dauernden Ursachen der Arbeitslosigkeit zu machen be­absichtige, nicht vorgreifen. Augenblicklich habe sie es nur mit denjenigen Notstandsfragen zu tun, die ein sofortiges Einschreiten erheischen. Die Regierung sei nicht geneigt, die Lage weniger ernst darzustellen, als sie in Wirklichkeit sei, obgleich Anzeichen dafür vorhanden seien, daß die Not nur von kurzer Dauer sein werde. Es sei dennoch nicht zweifel­haft, daß im Winter zahlreiche Personen beiderlei Geschlechts keine Arbeit erhalten würden. Es sei Pflicht des Parlaments, "ihnen etwas mehr zukommen zu lassen als bloßes Mitgefühl. Asquith zählte alsdaun eine Reihe von Maßnahmen auf, welche die Regierung und die Ortsbehörden zur Steuerung der Not getroffen hätten, so die Bereitstellung größerer Mittel für notleidende Bezirke und die Beschleunigung der Schiffsbauten.

Die Wirren im Orient.

Wien, 21. Oktbr. Für die Wahrscheinlichkeit eines günstigen Verlaufes der im Zuge befindlichen österreichisch­türkischen Verhandlungen in Konstantinopel spricht die Tat­sache, daß die Boykottbewegung gegen die österreichischen Sampler sichtbar abflaut. Man verhindert die Lloyddampfer nicht mehr, ihre Frachten mit ihren eigenen Leuten zu löschen. Auch in Bulgarien steigen die Chancen für eine friedliche Verständigung. Die bulgarische Regierung wies ihren Pariser Vertreter an, der französischen Regierung mitzuteilen, daß Bulgarien gegenüber der Türkei bereit sei, einen Ausgleich des Konfliktes im Wege von Kompensationen anzustreben. Gemeint sein kann hier nur finanzielle Entschädigung.

Konstantinopel, 21. Oktbr. Den Konferenzmächten wird ein Strich durch die Rechnung gemacht. Gestern hat sich Oesterreich mit der Pforte über die Einverleibung Bos­niens und die Räumung des Sandschaks Novibazar geeinigt. Die SuFei hat die Einverleibung anerkannt und die Räumung angenommen. Damit ist dieser Teil des Programms der Konferenz erledigt.

Konstantinopel, 21. Oktbr. Die türkische Presse protestiert kategorisch gegen eine Konferenz. Die Türkei dürfe kein Vertrauen zu Europa haben. Direkte Verhandlungen mit den Mächten seien vorteilhafter als eine Konferenz. Wie es heißt, bereitet die Pforte ein neues Programm vor, mit welchem sie hofft, die Konferenz gegenstandslos zu machen.

London, 21. Oktbr. Wie das Reulerichc Bureau auf Anfrage erfährt, sind bei der bulgarischen Agentur keine Nach-

Littmann-München, der Erbauer des Priuzregeuten-Theaters in München und deS Weimarer Theaters. Mit dem 2. Preis wurde ausgezeichnet Regierungsbaumeistcr Moritz-Köln. Den 3. Preis erhielt Professor Sckunohl-Smttgart.

Gemeinnütziges.

Das Obst, das eine so wesentliche Rolle in der Er­nährung des Südländers spielt, beginnt seit mehreren Jahren auch bei uns sich die ihm gebührende Stelle unter den Nahrungsmitteln zu erobern. Aber wenn auch die Er­wachsenen jetzt, sicher zu ihrem Vorteil, reichlichere und häu­figere Obstmahlzeiten einnehmen, unsere Kinder behandeln wir in der Beziehung immer noch stiesmütterlich. Vor allem scheint uns leider bei den Kleinsten der Genuß von Obst direkt schädlich, und wir vorenthalten ihnen damit Stoffe, die für die Entwicklung des Körpers notwenig und förder­lich sind. Wo nicht Ausnahmevcrhältnisse bestehen, für die dann natürlich der Hausarzt die besonderen Verordnungen treffen muß, können und sollen die Kinder schon im zweiten Lebensjahre täglich regelmäßige Obstgaben bekommen und zwar als Marmeladen oder Dam. Unsere Hausfrauen müßten im Herbst für Winter und Frühjahr bedeutend mehr Mar­meladen einkochen, als es tatsächlich im allgemeinen geschieht, und auch die größeren Kinder, sowie die Erwachsenen müßten sich daran gewöhnen, täglich wenigstens zu einer Mahlzeit in genügender Menge Obstmarmelade zu sich zu nehmen. Ob dafür die engliche Sitte, zum ersten Frühstück Yam zu essen, empfehlenswert ist, fragt sich. Vielleicht ist gerade die letzte Mahlzeit des Tages für eine solche Zutat geeigneter. Zu welcher Zeit es aber auch fei, einmal müßte täglich von jedem Marmelade genossen werden, und zwar ganz besonders in jenen Monaten? wenn frisches Obst selten und teuer ist, und es ist durch nichts berechtigt, für unsere Kleinsten eine solche Forderung nicht gelten zu lassen. Das Obst ist sowohl ein Nabruugs- 'als ein Genußmittel, seine Säuren haben einen sehr 'wohltätigen Einfluß auf die Verdauung, viele Bakterien werden außerdem durch die Pflanzensäure in ihrer Entwickluna aufaehalten. und alle diese bedeutenden Vorteile

richten über einen Zusammenstoß zwischen bulgarischen und türkischen Truppen eingetroffen. Der bulgarische Ge­schäftsträger erklärte, daß seine Regierung entschlossen sei, den Frieden zu erhalten. Bulgarien würde also nicht nur einen Grenzzwischenfall provozieren, sondern selbst, wenn sich ein solcher ereignete, würde er nicht zum Kriege führen. Der Geschäftsträger erklärte ferner, daß er über direkte Verhand­lungen zwischen Bulgarien und der Türkei keine Nachrichten aus Sofia babe. Wenn jedoch die Meldungen über diesen Punkt der Wahrheit entsprächen, so brauche man nicht zu befürchten, daß das bulgarische Volk nicht treu der Politik seiner Führer folgen würde.

Petersburg, 21. Oktbr. Wie verlautet, wird Iswolski von Berlin nicht direkt zurückkehren, sondern nach neueren Dispositionen noch andere Städte besuchen.

Semlitt, 21. Oktbr. Infolge der andauernden Krieg?» stimmung in Serbien haben die Donau-Monitore ihre Schieß­übungen bei Slankenen abgebrochen und wieder in der Nähe von Belgrad Anker geworfen.

Stimmungsbild aus dem Landtage.

(Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)

Die parlamentarische Winterkampagne in Preußen _ hat begonnen. Seit langem haben Parlament und Volk Preußens der Eröffnung des Landtages nicht mit solcher Spannung entgegengesehen wie diesmal. Wußte man doch, daß gleich in der ersten Geschäftssitzung der zweiten Kammer der viel­mögende Finanzverweser der Monarchie das Wort nehmen würde, um urbi dem Parlament et urbi den Steuerzahlern die neuen Steuern mundgerecht zu machen, die ihm die conditio sine qua non der Beamtenaufbesserung sind. Dieser allgemeinen Spannung entsprach denn auch die Physiognomie des Sitzungssaales. ~ In schwärzlichem Ge­wimmel drängten sich die Volksvertreter unten im Saale nur zwei, Herr v. Kloeden, derBeamtengeneral", und der Breslauer Kürassier v. Prittwitz u. Gaffron, hatten zwischen der feierlichen Landtags-Eröffnung im Weißen Saale und der ersten Arbeitssitzung des Abgeordnetenhauses keine Zeit gefunden, die übliche parlamentarische Toilette zu machen und waren in der ordenübersäten Galauniform erschienen. Auf den Tribünen Kopf an Kopf, vornehmlich Beamte und mit erwartungsvollen Gesichtern Beamtinnen. Lebhafte Spannung auch in den Mienen der Männer von der Presse, die jedes Plätzchen der geräumigen Journalistentribüne besetzt hielten. Schlag 2V« Uhr eröffnete Herr v. Kroecher, der Präsident der vorigen Session, die Wintertagung.

Tas verhallende Hoch auf den.Landesherrn rief auch die sechsGenossen" auf den parlamentarischen Paukboden und Herr v. Rheinbaben trat an das Rednerpult. Unter laut­loser Stille beginnt mit seinem sonoren Organ der Minister die Auszählung bet vielerörterten, aber in ihren Einzelheiten noch immer dem Siebenstegelbuch gleichenden Vorlagen. Sieben sind's an der Zahl, aber nur sechs sind für die Be­ratung reif: Der Gesetzentwurf über den Beamtenwohnungs­geldzuschuß bleibt noch in der Verborgenheit. So wenig der preußische Finanzminister sonst an allzu ängstlicher Rücksicht­nahme auf seine Kollegen im Reiche krankt, diesmal glaubt er's ihnen schuldig zu sein, nicht eher mit der Regelung des preußischen Wohnungsgeldzuschusses hervorzukoinmen, ehe nicht auch der entsprechende Reichsentwurs seeklar ist. Die Beamtenschaft Preußens wird sich also noch ein Weilchen in der . so lange stoisch betätigten Tugend der Geduld üben müssen. Nun, allzuschwer wird's ihr nicht werden : Verheißt doch der Inhalt der übrigen Besoldungsvorlagen, daß die Regierung auch ein Herz für die Beamten haben wird. In der Tat: Was aus der Rede des Ministers über die Be­soldungsvorlagen sich ergab, was der erste flüchtige Blick auf dürfen wir auch unsern Kindern nicht vorenthalten, sobald sie der reinen Milchnahrung entwöhnt sind, und den For­derungen einer verständigen Vorsicht genügt es durchaus, wenn wirJ5ei dem Uebergang zu gemischter Nahrung dic etwaigen Schädlichkeiten des rohen Obstes dadurch verhüten, daß wir das Obst anfänglich nur in gekochten Formen, alsc als Marmelade geben. ' Dr. M.

Humoristisches,

Am Stammtisch. A.:Der Feuerversicherungsagenk Meier ist wieder in fieberhafter Tätigkeit. Seit dem großen Brande in der Friedrichstraße, wo so viele Leute, die nicht versichert waren, ihr Hab und Gut verloren haben, möchte er die ganze Welt mit Gewalt versichern." D.:Das kann ich mir denken, das Feuer ist Wasser aus seine Mühle."

Rücksichtsvoll. Kohn wurde von Schmul mal tüchtig hineingelegt und wartet schon lange mit Sehnsucht darauf dies heimzuzahlen. Da endlich trifft er den Schmul, als bei einem Bankier GcsellschastSabend war, im Nebenzimmer und ohrfeigt ihn tüchtig.Hör auf," seufzt Schmul,mer hört doch jede Kleinigkeit im Nebenzimmer!"

Theorie und Praxis. Die Vorsteherin imVerein für Acsthciische Kinderpflege" :Aber Frau Müller, Sic kommen ja fast gar nicht mehr in unsern Verein 1" Frau Müller:Ja, ich bin nicht bloß eine theoretische Mutter wie Sie, ich habe drei lebendige Kinder zu Hause zu pflegen^'

Albtt«»blätter.

Aufklärung ist eine langsame Pflanze, die zu ihrer Zeitigung einen glücklichen Himmel, viele Pflege und eine lange Reihe von Frühlingen braucht. Schiller

Gebunden führt der Schmerz uns alle durch das Leben: Sänft, wenn wir willia gehn, hart wenn wir widerstreben.

Haller.