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22. O'rrovcr
Seite -___________________________________ diesem Bunde allezeit in reichstem Maße das hohe Glück be- schieden feilt, das echte treue Liebe den Menschenherzen zu bereiten vermag. Eurer Hoheit Einzug in diese unsere Stadt segne Gott!" * V
Nach der F r ü h st ii ck s t a f e I begaben sich der Kaiser und die Kaiserin, sowie die übrigen Fürstlichkeiten nach dein Königlichen Schloß zurück. Die Kronprinzessin blieb in Schloß Bellevue zurück, um die Braut aus ihrem feierlichen Einzuge in Berlin zu begleiten. Gegen 3 Uhr nachmittags ordnete sich der Zug. Voran eine Eskadron des 3. Garde- dragonerregiments mit dem Trompeterkorps. Dann folgten drei sechsspännige Wagen, in denen Kammerller Graf Rantzau, der Kammerherr der Kronprinzessin v. Stülpnagel, der Oberküchenmeister Graf Pückler, Schloßhanptmann Gras Hobenthal, Gesandter v. Eucken Addenhausen und Hoschef Frhr. v. d. Recke saßen. Dann kam die Hälfte der Leib- schwadron der Garde du Corps, dahinter, geführt von Vizeoberstallmeister v. Esebeck und zwei Stallmeistern, der große vergoldete königliche Staatswagen, in dem die Prinzessin- Braut, die Kronprinzessin und die stellvertretende Oberhof- meisterin, Palastdame Gräfin Harnach. auf dem Rücksitze saßen. Rechts von dem Wagen ritt Oberstallmeister Frhr. o. Reischach, links der Kommandeur der Leibschwadron. Auf den Tritten standen Pagen. Die zweite Halbschwadron der Garde du Corps ritt hinter dem Wagen. In weiteren sechsspännigen Wagen saßen die Oberhosmeisterin Freifrau v. Tiele, die Hofdame Fräulein v. Trotha, die Gräfin Marie Wedel und die Hofdame der Prinzessin-Braut, Gräfin Alice Wedel. Eine Eskadron des 2. Gardeulanenregiments mit der Musik beschloß den Zug. dem sich im Tiergarten sechs Postinspekloren und 40 Postillone unter Führung des Ober- postdirektors Donizlaff anschlosien.
Berlin, 21. Oktbr. Außerhalb des Brandenburger Tores empfingen der Gouverneur der Stadt Berlin, der Stadtkömnmndant und der Polizeipräsident die Prinzessin- Braut. Als die Prinzessin unter den Klängen des von den Postillonen gespielten „Wir winden Dir den Jungèernkranz" inS Tor einfuhr, wurden im Lustgarten dreimal 24 Kanonenschüsse abgegeben. Dann läuteten die Domglocken. Auf dem Pariser Platz begrüßte der Oberbürgermeister und die städtischen Behörden die Prinzessin, die auf eine Ansprache des Oberbürgermeisters erwiderte, sie wisse, daß man sich in Berlin wohlfühlen könne, und hoffe, hier bald heimisch zu sein. Alsdann bewegte sich der prächtige Zug innerhalb der festlich geschmückten Lindenpromenade unter dem Jubel der Bevölkerung dem Schlosse zu. Vom Schloß Bellevue bis zum Zeughaus bildeten Innungen, Kriegeroereine, die Studentenschaft und der Schützenbund Spalier. Auf dem Pariser Platze hatte der Verein der Schleswig-Holsteiner Aufstellung genommen. Vor dem Brandenburger Tor standen die Kadetten der Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde. Die Feststraße war mit Blumen und Fahnen in deutschen und schleswig-holsteinischen Farben, Bekränzungen und wetterfesten Illum!nationsballon§ reich geschmückt. Auf dem inneren Schloßho^e stand als Ehrenwache die Leibkompanie unter dem Kommando des Prinzen Eitel Friedrich; die Prinzen Oskar und Joachim waren eingetreten. Als der Staatswagen hielt, geleitete der Kronprinz die hohe Braut, Prinz August Wilhelm die Kronprinzessin zum Schweizersaale. Hier wurde die Prinzessin- Braut vom Kaiser und den Prinzessinnen empfangen und durch die Prunkräume geleitet. In der ersten Paradevorkammer erwarteten den Zug die Generaladjutanten, Generale, Admirale â la suite, die Flügeladjutanten und der Geheime Kabinettsrat, in der zweiten Paradevorkammer die prinzlichen Hosstaaten und die Gefolge der Gäste, im Königszimmer der Reichskanzler, die Generalfeldmarschälle, die Generalobersten, die Ritter des Schwarzen Adler-Ordens, die aktiven Generale, Admirale, Hausminister, die aktiven Staatsminister, Staatssekretäre und die Präsidenten der drei Parlamente, in der Drap d'Or-Kammer, die Damen der Umgebungen und in der Roten Adler-Kammer der Hof der Kaiserin. Im Rittersaals wurde die Prinzessin-Braut von der Kaiserin und den Gästen begrüßt. Zur Vollziehung der Ehepakten begaben sich das Kaiserpaar, die Eltern der Braut und der Großherzog von Oldenburg als Chef des Hauses Glücksburg, das Brautpaar, ferner Oberstkämmerer Fürst zu SolmS-Barut, der als Hausminister fungierende Graf zu Eulenburg, der Gesandte Dr. v. Encken- Addenhausen, der Hofchef Frhr. von der Recke und der vortragende Rat im Ministerium des königlichen HauKs, Keil, deS zahlreichen und ehemals mächtigern deutschen Volkes, dessen Name allmählich aus der Geschichte zu ver'chwinden beginnt, nicht gleichgültig scheinen; für nordalbingische Deutsche, denen es von Tage zu Tage mehr Pflicht wird, die Sprache ihres sie vor allen Völkern Europens beglückenden Souverains zu erlernen und zu verstehen, — habe ich dieses Buch ge- schrl-ben," Seit Menschenaltern fühlten sich die Schleswig- Holsteiner, wenigstens dem Auslande gegenüber, als D ä n e n. „Auch wir sind brave Dänen!" rief Professor Weber den Kielern zu, als 1801 die Nachricht von der Zerstörung der oäniichm Flotte durch Nelson und dem heldenmütigen Kampfe der Dänen gegen die Engländer in Kiel eintraf. Von den dänischen Beamten mußten die deutschen Bürger das alle Hohnwort sich ins Gesicht sagen lassen, die Schleswig-Holsteiner sollten sich doch freuen, lieber etwas, nämlich Dänen zu sein, als gar nichts, nämlich Deutsche. Und was schon im Jahre 1460 nach der Wahl König Christians I. von Dänemark zum Herzoge von Schleswig und Grafen von Holstein prophetischen Geistes die Lübecker Chronik geschrieben hatte: „Also wurden die Holsten Dänen und verschmähten ihren Erbherrn (nämlich den deutschen Grafen Dito von Schauenburgs und gaben sich mit gutem WlÜrn ohne Schwerterschlag unter den König von Dänemark, da doch ihre Ahnen und Vorfahren manches Jahr ge-en gewesen waren mit wehrender Hand, darum, daß sie nicht wollten untertänig sein den Dänen, sondein sie wollten frei sein. Und das hatten die Holsten alle vergessen tu dieser Zeit und wurden eigen mit Willens," — was diese bithren Worte auë'prrchen, das war jetzt alles in Erfüllung gegangen. Und Lornsen durfte in seinem größeren Weike mit Reckt klagen: „Unsere Landesgeschichte besteht hauptsächlich und seit einem halben Jahrtausend fast ausschließlich in unserm Thun und Treiben mit den Dänen, wie ja jeder zunächst und zumeist mit seinen Nachbarn zu schaffen hat. Erst haben wir Jahrhunderte lang die Dänen geschlagen oder uns von ihnen schlagen lassen, ohne daß weder sie noch wir dauernd und endschastlich die Obei hand gewinnen
nach dem Knrsiirstenzimmer. Nach der Vollziehung der Ehepakten geleitete das Kaiserpaar die Braut nach deren Gemäckern.
Berlin, 21. Okt. Heute abend 6 Uhr fand im Elisabethensaal des Schlosses Fainilientafel bei dem Kaiserpaare mit den höchsten Gästen und gleichzeitig Marsckalltafel für die sämtlichen Gefolge in der Bildergalerie statt. Anschließend war eine Galaoper, der erste und zweite Akt der „Hugenotten".
Tius Hanau Stadt und Cand.
Kana«, 22. Oktober.
Veainten-Persorralnachrichten.
Beauftragt: der Pfarrer Reese in Basdorf mit der einstweiligen Wahrnehmung der Ge'chäste deS Kreisscknl- inspekiors im Nebenamle für den Schulaufsichtsbeznk Vöhl an Stelle des Pfarrers Bornmann zu Höringhausen vom 20. Oktober 1908 ab.
Zurückgezogen: die Versetzung des Amtsgerichtsrates Hahn von Hünfeld nach Weißenfels.
Hk. Itnkrhtdwttfi über den Verbrauch von Gold zu gewerblichen Zwecken. In den nächsten Tagen gelangen durch die Handelskammer die Fragebogen zur Versendung, welche dazu dienen sollen, zuverlässige Daten über den Verbrauch von Gold zur Hcr- stelluug von Fabrikaten der Edelmelallwarenindustrie, zur galvanischen und anderen Vergoldung, zu photographischen, zahntechnischen, chemischen und sonstigen Zwecken zu gewinnen. Das gesamte Material fließt beim Reichsamt des Innern zummmen, welches die Angaben der einzelnen Jndnstriellen aufs strengste geheimhalten wird. In fernem Begleitschreiben sagt der Herr Staatssekretär des Innern u. a.:
„Ick bemerke ausdrücklich, daß die Erhebungen unter feinen Umständen zu Sieuerzweckn gebraucht werden. Die Umfrage erfolgt ausschließlich im Interesse der goldverarbeitenden Industrie. Die Erhebungen über die Einschmelzungen deutscher Goldmünzen zu gewerblichen Zwecken sollen hanplscichlich dazu dienen, der Reichsbank ein Urteil darüber zu ermöglichen, wieviel legiertes Gold in Barren und Zainen an Stelle der bisher vielfach verwendeten Münzen von der Industrie benötigt und welcher Feingehalt dafür gewünscht wird. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ein gesetzliches Verbot der Einschmelzung von deutschen Goldmünzen weder besteht noch in Aussicht genommen ist."
Unter bieten Umständen darf erwartet werden, daß die beteiligten Herren Gewerbetreibenden in Würdigung der großen Bedeutung einer solchen Erhebung zu deren Gelingen gern durch genaue und gewissenhafte Beailt- wortung des Fragebogens mitwirken werden.
* Hanauer Tierschutzverein. In der gestrigen Monatsversammlung berichtete der Vorsitzende Herr Pfarrer Hufnagel eingehend und anregend über den Verlauf der 11. Verbandsversammlung der Tierschutzvereine des deutschen Reiches. Hervorzuheben ist, daß die Verbandsversammlung auf Antrag des Hanauer Tierschutzvereins dem Wunsche Ausdruck gab, es möchten künstlerisch ansgefühne Diplome für solche Persönlichkeiten hergesieNt werden, die sich um die Förderung des Tierschutzes besondere Verdienste erworben haben. Man hofft, durch freiwillige Beiträge die Mittel zu beschaffen, um diesbezügliche Preisausschreiben erlassen zu können. Der von Hanau ergangene Antrag hatte auch die Unterstützung der Orlsvereine Offenbach und Cassel gefunden. Nach Entgegennahme dieses Berichts wurde noch über den Verlauf und das Ergebnis der Tierschntzaussiellung während des landwirtschaftlichen Festes gesprochen und anschließend daran eine recht sinnige Ehrnng vorgenommcn. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Psarrer Hufnagel, wies in beredten Worten auf die manniqlalliaen Aufgaben der Tierkonnten. Darauf haben wir uns mit einander vertragen und uns frenndschafilich und vertragsmäßig als zwei besondere Familien unter Einem Obdach, dem gemeinichafilicken Monarchen, zuiammeugetan. Unter diesem gemeinsamen Obdach haben nur Schleswigholstemer Jahrhunderte lang fast unansaesttzt schweres Leid und fast nichts als Leid erlebt, zum Theil infolge des Betragens unserer Hausgenossen, zumeist aber infolge innerer Zwietracht und höherer Schickung. Unter diesem ewigen Bunde sind wir denn Heine Seine unbHeinmüitiiqeSeute geworden und in tiefe Verzagtheit retfünfen." Der edle Mann hatte mit diesen ergreifenden Worten vollkommen recht. Die junge Mannschasi des Landes hatte mit hinausziehen müssen in die Gluten Spaniens und die Eiskelder Rußlands, und, wie man sich znflüsterte, es war noch keiner nneberqcfomnien. Gegen die eigenen Volksgenossen mußten die Herzogtümer Gut unb Blut opfern: die schleswig-holsteiniscken Truppen nahmen teil an der Verfolgung Schills, des Herzogs von Beann- sckweig, der Besetzung Hamburgs. — Und im Lande selbst, wie stand es da? — Welche Drangsale man auch unter dem sechsten Frederik et litten, alles war vergessen. „Uns SchlcSwigholsteiner," sagt Sonnen, „vermochten weder die vorangegangenen Leiden infolge der Finanzzerrüttung Dänemarks noch das Beispiel anderer deutscher Völker, noch die unwürdige Stellung unseres Landes in brr Monarchie ans unserer Apathie aufznweckcn." An einen Abfall dachte in den Herzögtümern niemand. Dies Geschlecht war ausgewachsen in der ererbten Trene gegen den „edelsten besten gütigsten König, den innig unb heiß geliebten SanbeSoater", der sich ja die Mühe gegeben haue, so viele Jahre zu leben, unb. ber ja gute Leute auch notwendig gut regieren mußte. Ohne ein Vewnßt'ein von den Pflichten des Herrschers und ohne eigenes Wissen unb Wollen lebte man dahin, und schwerlich wäre selbst den befcbeibcnften Wünschen irgendeine Frucht entsprossen, wenn nickt ein tapferer Mann znr rechten Zeit laut seine Stimme erhoben hätte und seinen Siammes-
schutzvereine hin, betonte, daß um dem gesteckten Ziele naht« ziikommen, Groß- und Kleinarbeit zu verrichten fei, woran sich im Hanauer Verein aiisnahinslos alle Vorstandsmitglieder mit Hingabe und Liebe zur Sache beteiligten. Was Fleiß unb Hingabe auf dem idealen Gebiete des Tierschutzes zu erzielen vermöge, beweise nun der -Erfolg der Tierschutz- Ausstellung, die von allen Besuchern, sowohl vom Laien als vom Sachverständigen, als durchaus gelungen bezeichnet worden fei. Ein besonderes Verdienst um das Gelingen der Ansstellung habe sich jedoch das feit nahezu einem Menschenalter unermüdlich im Dienste der Tierschutzsache stehende Vorstandsmitglied Herr Lehrer und Kantor F. W. H e b r b r a n d erworben, der bekanntlich seine Kraft und seine Erfahrung von jeher mit in den Dienst des Allgemeinwohls gestellt habe, wenn man sich z. B. der von ihm erzielten Erfolge auf dem Gebiete der Kinderfürsorge erinnere. Der Vorstand des Tietsckntzvereins habe nun in seiner Sitzung vom 22. v. Mts. beschlossen, die dem Verein übermittelte Medaille Herrn Lehrer unb Kantor Hebebrand für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Tierschutzbestrebnngen zuzuerkennen unb über diesen Akt der Anerkennung eine Urkunde anszufertigen, die er hiermit überreiche und daran den Wunsch fuüpfe, daß Herr Hebebrand noch recht lange in ungeschwächter Kraft der Arbeit und den Bestrebungen der Tierschutzvereinssacke erhalten bleib n möge. Sichtlich gerührt dankte Herr H e b e b r a n d für die ihm zu teil gewordene unverhoffte Ehrung, die für ihn umso wertvoller sei, als sie von Männern ansgehe, die zusammen in der Erstrebung hoher Ziele gleichzeitig auch einen festen Freundeskreis bilden. —■ Weiter besprach der Vorstand noch verschiedene Eingaben über vorgekommene Tierquälereien und beschloß fernerhin, auch in diesem Jahre wieder Tierschutzkalender in hinreichender Zahl anznschaffen. — Ueber die Schächtangelegenheit hatte ein Vorstandsmitglied ein Referat ausgearbeitet. Hiernach veröffentlichte der „Verein znr Förderung humanen Scklach- tens" in der Leipziger Âhtgfcbriften« Sammlung eine Statiftif, der folgendes zu entnehmen ist: Im Deutschen Reiche werden jährlich über 82 Millionen Tiere (Groß- und Kleinvieh) geschlachtet, um den Fleischbedarf seiner Bewohner zu bedert. Die Tierschntzvereine setzen alle Kräfte ein, um den neuesten und humansten Schlachtmethoden allgemein Eingang zu verschaffen. Im Königreick Sacksen, in Reuß â. L. und einer größeren Anzahl von deutschen Städten ist das rituelle Schäckten der Juden direkt verboten. Die Zahl der Inden (ca. 600 000) beträgt in Deutschland etwa 1 Prozent der Gesamtbevölkeiung. Doch werden zu Gunsten dieser Minderheit über 17 Prozent des Großviehes und mehr als 12 Prozent deS Kleinviehes (Kälber, Sckafe rc ) nach jüdischem Gebrauch getötet. Diese Zahlen stützen sich ans statistisches Material ans 486 deutschen Schlackthöfen und dürsten, wenn man von Sack'en und Reuß ä. L. absieht, auch für das ganze übrige Deutschland znlreffen. Nur in 91 dieser 486 Schlachthöfen wird nickt rituell (betäubnngslos) geickäcklet. Zieht man aber in Erwägung, daß heute nur noch das orthodoxe Judentum wirklich koscher lebt, während für den weitaus größeren Teil der Juden die alten Speifegefe|e bedeutungslos geworden sind, so entsprechen diele Verhältnis- zablen noch lange nicht den wirklichen Tatsachen. Man bnrf, ohne zu übertreiben, daran festhalten, daß von Großvieh das SOfacbe und von Kleinvieh das 40fadie über den eigentlichen Bedarf an koscherem Fleische geschaltet wird. Im Zusammenhang hiermit steht auch der Umstand, daß die Juden nur das Fleisch der Vorderviertel für sich verwenden, während sie das Fleisch der Hintervieriel ihren christlichen Mitbürgern überlassen. In Berlin, wo etwa ter sechste Teil aller Juden in Deutschland lebt, wird verhältnismäßig sehr wenig geschachtet, etwa 1,8 Prozent des Kleinviehes unb gegen 5,4 Pro ent des Großviehes. Die Schächt'rage hat übrigens für die Juden auck noch eine finanzielle Seite, indem in den meisten Städten die Metzger gehalten sind, entweder an die Schäckier selbst, oder an die Kasse der jüdischen Kultusgcmcitide Sckäcktgebübren zu ent genossen Führer und Vorbild eines würdigeren Daseins geworden iväie, ein Mann, von dessen Geiste Sie, hochverehrte Anwesende, schon ans den wenigen bisher angeführten Worten einen Hauch vei spürt haben werden, der Friese Uwe Jens Lorn len.
„Lewer duad üs Slaw" (lieber tot als Sklav!), dem alten Friesenworte hat er zeitlebens nackgelebt, und er fühlte es, daß er vor vielen voraus hatte, was seine Riesen als höchste Manneslngend preisen : „Rüm Hart, klar Kimmang," das weite Herz, den freien Gesichtskreis. Aijf feiner HeimatS- insel konnte er beides sich aneignen. Manche von Ihnen werden in seinem G bnrlsorie gewesen sein, dem Dorfe Keitum auf der Insel Sylt, wo Sontfen am 18. November 1793 das Licht der Welt erblickte und wo ihm 100 Jahre später ein Denkmal gesetzt ward. In der Nackt, da Uwe geboren wurde, sckweble fein Vater, -der ein vielversuchter Sckiffskapitân war und später Naimann seiner Landschaft wurde, auf einer Fahrt von Archangel nach Siffabon bei den Faiöern in Sturm und Gefahr. Erst vier Jahre später kehrte er heim, um des sauer erworbenen Gewinnes zu Haust ruhig zu genießen und die Erziehung seiner beiden ihm gebliebenen Kinder, des Sohnes und einer Tochter, zu leiten. Der Knabe besuchte die Dorfschule zu Keitum, deren Küster Petersen ihn auch in den Anfangsgründen des Lateinischen unterwies. Bei dem Lehrer Jacobsen in dem Dorfe Tinnum lernte er Mathcmank. Er war frostig und wild, von starkem Willen und mutiger Seele. Nach der Konfirmaiion sollte auch er in den Semannsbernf ein treten, doch die Zeit- Verhältnisse verhinderten die Anssührnng dieses Planes. ' E« >var im Jahre 1809, und bie dänische Flagge durfte sich al« die eines mit Frankreich verbündeten StaateS vor den Engländern nickt blicken lassen. Als biete einmal sich aiifcfiidten, an dem südlichen Oüufer der Insel, bei Ranttim, eine Landung zu unternehmen, fehlte mich der lü^/s jährige Uwe Sörensen — wie er damals noch sich nannte — bei der Abwehr nicht. — Der Vater hieß nämlich Jürgen Jens Sörensen oder