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ÄWii«ltaidt ueb Verlag der Buchdruckerei de» ernte, n, Waijeobauje» m Hauau.
General-Anzeiger
Asitlicher Trzan fit Stabt« uni FMKreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Donnerstag den 22. Oktober
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
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14 Seiten.
Amtliches.
Bekanntmachung.
AU einer gründlichen Ausbildung der Studierenden der Medizin für ihren Beruf als praktische Aerzte reichen die für den Unterricht zur Zeit verfügbaren Leichen bei weitem nicht aus. Wir ersuchen daher ergebenst, bei vorkommenden Selbstmorden, Todesfällen von Ortsfremden und Ortsarmen usw. in ihrer Gemeinde die Leichen derselben an die Universität Marburg überweisen zu wollen und zwar derart, daß die Anzeige so schnell wie nur tunlich hierher gelangt, damit der Transport der Leiche erfolgen kann, ehe sie in den Zustand der Verwesung übergeht. Ein Telegramm an die Adresse: „Anatomie Marburg" ist am meisten zu empfehlen. Es erfolgt dann sofort die Abholung der Leiche von hier. Die Beschaffung eines Sarges ist unnötig, da ein Leichen- transportkasten mitgesendet wird. Leichen, die bereits in Verwesung übergegangen sind, müssen natürlich von dem Transport hierher ausgeschlossen bleiben.
Alle für den Transport entstehenden Kosten werden von Seiten der beteiligten Institute in Marburg getragen und bereits stattgehabte Auslagen für die genannten Zwecke werden Unverzüglich erstattet.
Es sei ausdrücklich hervorgehoben, daß sämtliche Leichen, nachdem sie dem Unterricht gedient haben, auf dem allgemeinen Friedhof der Stadt Marburg beerdigt werden.
Wir weisen noch besonders auf die sehr erhebliche Ersparung von Gemeindeunkosten hin, welche durch die Ueber- wèisung der Leichen hierher erzielt wird.
Marburg den 9. Oktober 1908. V 7114
I. A.: Der Direktor des anatomischen Instituts.
Gchmdcne und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 silbernes Kettenarmband mit Anhänger, 1 Damenportemonnaie mit 1 Damenuhrkette, 1 braunledernes Herren-Poriemonnaie mit einigen Mark Inhalt (im Laden Fahrstraße 7 bei Heilmann liegen geblieben), 1 Kontobuch.
Verloren: 1 goldenes Armband, 1 goldenes Halskettchen mit Medaillon mit vierblättrigem Kleeblatt, 1 goldner Trauring (gez. Wechnachten 1905 L. W.), 1 dünnes goldenes Halskettchen mit Amctist, 1 grünes Ledertäschchen (Inhalt Portemonnaie mit 1 Mk. und 2 Messerchen), 1 brauner Spasierstock.
Hanau den 22. Oktober 1908.
Feuilleton.
Uwe Jens Hornsen, der Vorkämpfer für die Unabstängiflkrit Schleswig-Holsteins von Dänemark.
Vortrag des Herrn Professor Macke in der M o n a t s v e r s a m ml u ng d e s Han a uer G e - schichtsvereins am 19. Oktober 1908.
Als in dem letzten der zahlreichen Kriege für die Befreiung Schleswig-Holsteins von der Dänenherr,cbaft Preußens und Oesterreichs siegreiche Heere Jütland bi§ ?mm Mjorb besetzr halten und am 18. April 1864 auch das letztedamsche Bollwerk auf deutschem Boden, das der Duppeler Schanzen qe-allen war, da kamen die beiden deusichen Großmächte aus freien Stücken auf einen schon zweimal und in dringender Weise von dem dänenireundlichen England gemachten, aber bis dahin immer abgelehnten Vorschlag zuruck, und eine Woche nach der preußischen Heldentat des Duppel- sturms wurden die sogenannten L o n d o n er K o n s e- ren r en eröffnet. Die erste Forderung, die Bismarck rm Bunde mit Oesterreich an Dänemark hier stellte lautete im wesentlichen folgendermaßen: Wir verlangen feste Burg- schäften gegen ‘ die Wiederkehr fremder Unterdrückung in Schleswig-Holstein, damit auch Deutschland zugleich gegen neue Wirren in seinem Norden gesichelt werde. Lolche Bürgschaften sind nur zu finden „in d c r v o I l st ä n d t g e n Unabhängigkeit der durch gemeinsame Institutionen eng vereinigten Horzog- t ü m e r " Die letzten Worte dürfen nicht mißverstanden werden.' Sie sollten, wie uns der Fürst auch am 1, April 1893 ■ bei der erste n GeburtStagSfahrt der Schleswig- Holsteiner nach Friedrichsrub. erzählte und dann ipäter in
Ein Familienfest im deutschen Kaiserhause.
Als das deutsche Kaiserpaar gestern nm Portal des Schlosses Bellevue die Ankunft der Prinzessin Alexandra Viktoria, der Braut des Prinzen August Wilhelm, erwartete, wurde die junge schleswig-holsteinische Prinzessin mit der kraftvollen Weise des alten Sturmliedes begrüßt: „Schleswig-Holstein meerumschlungen, deutscher Sitte hohe Wacht!" Unter seinen Klängen hat sich unsere Nordmark einst in harten Jahren des Kampfes ihre Freiheit errungen. Es war die trübste Zeit der preußischen Geschickte, als der verlassene Bruderstamm im Norden fremder Willkür wieder ausgeliefert wurde, als das Anstimmen des alten Trutzliedes wie ein Staatsverbrechen geahndet wurde. Aber heller erklang es wieder, als das Bewußtsein, daß die deutsche Kaiserkrone dort oben im Dünen- sandc Schleswig-Holsteins vergraben liege, die Sache der Herzogtümer zu einer national deutschen Angelegenheit machte, als Preußens Fahnen wieder stolz und frei im Winde flatterten.
„Schleswig-Holstein meerumschlungen" klangs dann wieder jubelnd, als Prinz Wilhelm, der Erbe der deutschen Kaiserkrone, das Fürstenkind aus der Nordmark heimführte als seine Gattin. Fünfzig Jahre ruhen heute auf dem Scheitel der ersten deutschen Frau, und mit dankbarer Liebe und Verehrung bringt heute das deutsche Volk der Kaiserin Auguste Viktoria seine Glückwünsche dar. Wenn ein künftiger Geschichtsforscher wie bei anderen Herrscherinnen dem politischen Einfluß unserer Kaiserin nachzuspüren sucht, er wird vergebens suchen. Völlig im Familienleben, in ihrer Häuslichkeit ausgehend, hat sie sich von der Politik und den Staatsgeschäften ferngehalten. Und das ist, wenn wir auf die Vergangenheit blicken, kein kleiner Ruhm. Das Urbild einer deutschen Frau, hat sich die Kaiserin • durch ihre werktätige Hilfsbereitschaft, durch ihr stilles geräuschloses Walten im Dienste der christlichen Nächstenliebe überall die Herzen erobert. Im deutschen Burgerhause, wie in den Hütten der Armen wird deshalb heute der deutschen Kaiserin allüberall mit herzlichster Verehrung gedacht, und diese stillen Glückwünsche wollen mehr besagen als alle höfischen Pruiikfeste.
Es entspricht dem schlichten harmonischen Charakter des Familienlebens am deutschen Kaiierhofe, daß die Feier des 50. Geburtstages der Kaiserin dadurch eine besondere Weihe erhält, daß ein anderes Familienfest, da wieder ein schleswig- Holsteinisches Fürstenkind einem preußischen Prinzen angetraut wird, auf denselben Tag verlegt ist. So vereinigen sich die Glückwünsche für das kaiserliche Geburtstagskind mit denen für die Zukunft des jungen Paares, das heute sich die Hand zum Lebensbunde reicht.
Berlin, 21. Oktbr. Die^,Nordd. Allg. Ztg." Bringt anläßlich des 50. Geburtstages der Kaiserin einen Artikel, in dem sie auf die gleichzeitige Vermählung des seinen „Gedanken und Erinnerungen" des weiteren ausgeführt hat, nicht etwa die allerdings von ihm schon damals in Aussicht genommene völlige B efreiun gSchleswig-Holsteins von Dänemark, sondern nur den vorläufigen und jetzt vielleicht erreichbaren Abschluß der schleswig-holsteinischen Frage durch die Herstellung einer Personalunion mit dem nordischen Königreiche bedeuten, also einer Trennung der Verfassung und Verwaltung der Herzogtümer von der des Königreichs unter Beibehaltung eimmddcsselben Herrschers, wie sie ja, gewiß auch nur als Vorstufe für die spätere Trennung, in unseren Tagen von Island erstrebt wird. In derselben hartnäckigen Verblendung, von der so viele Blätter der dänischen Geschichte zeugen und die daher der kühne preußische Staatsmann als sicheren Faktor in seine Rechnung einstellen durfte, wiesen die dänischen Bevollmächtigten, vermutlich noch durch die englische Regierung beeinflußt, den Vorschlag als unannehmbar zurück, diesmal aber den Unterdrückern zum Verderben und den Geknechteten zum Heile.
Der Vorschlag war nichts Neues: er hatte eine mehr als 400jährige Vergangenheit, und noch im Jahre 1830 bildete er die Forderung des gewaltigen und edlen Mannes, dessen Bild und Werk Ihnen, hochverehrte Anwesende, vor die Seele zu stellen, der Zweck und Inhalt dieses Vortrages sein soll. ' In der Tat verlangte Lornsen in der kleinen Schrift „über das Verfaffungsiverk in Schleswig-Holstein" und in "seinem großen „Die Unionsverfassung Dänemarks und Schleswig-Holsteins" benannten Hauptwerke nichts anderes als die Erfüllung des Versprechens, durch welches im Jahre 1460 Christian I. als Herzog von Schleswig und Graf von Holstein das Staalsrecht der Herzogtümer förmlich und feier« lieb anerkannt hatte. Denn was der am 2. März 1448 nuf dèm längst vom Erdboden verschwundenen HaderSlebener Schlosse Böghoved (Buckenhaupt, Buchberg) zum Könige von Dänemark gewählte erste Oldenburger damals und später geschworen batie, daß d a s H e r z o g t u in Schleswig
Prinzen August Wilhelm hinweisend sagt: In der Verbindung beider Festlichkeiten kommt von neuem beredt zum Ausdruck, wie tief vom Geiste des reinsten Familien» glucks, als dessen erhabene Hüterin Ihre Majestät waltet, unser Herrscherhaus erfüllt ist. Das Blatt zitiert dann das Wort des Kaisers von 1890: „Das Band, das mich mit Schleswig-Holstein verbindet, ist der Edelstein, der an meiner Seite glänzt", und sagt, gleichsam eine Familie im weiteren Sinne sei Ihrer Majestät die ganze Nation, deren Wohl und Wehe der Kaiserin am Herzen liegt wie das des eigenen Hauses. Der Artikel schließt mit innigen Segenswünschen für die Kaiserin und das junge Paar.
Berlin, 21. Oktbr. Heute vormittag 11 Uhr 50 Min. traf auf dem Potsdamer Bahnhöfe die Prinzessin Alexandria Viktoria zu Holstein-GlückS- bürg, Braut des Prinzen August Wilhelm von Preuße» ein. Auf dem Bahnhöfe waren zum Empfange anwesend: Oberstallmeister v. Reischach, der Gouverneur von Berlin, Generalfeldmarschall o. Hahnke, der Kommandant von Berlin, General v. Boehn und der Polizeipräsident v. Stubenrauch. Der Oberstallmeister geleitete die Prinzessin zu der bereitstehenden Equipage, die sich alsbald nach dem Schloß Bellevue in Bewegung setzte. Das Publikum begrüßte die Prinzessin herzlich. Im Schloß Bellevue erwarteten die Kaiserin, die Kronprinzessin, die Prinzessin Eitel Friedrich und die Prinzessin Viktoria Luise, ferner die großherzoglich oldenburgischen Herrschaften und •bie Damen der Holstein-GIückSburgischen Familie die Braul am »Fenster. Im Portal stand der Kaiser mit seinen sechs Söhnen, dem Herzog Friedrich Ferdinand mit seinen Söhnen, dem Herzog von Koburg, dem Prinzen Harald von Dänemark und den Herren des Hauptquartiers. Die Ehrenwache präsentierte. Die Musik spielte: „Schleswig-Holstein meerumschlungen." Der Kaiser führt die Braut der Front der Wache entlang und nahm den Vorbeimarsch der Kompanie entgegen. Im Schlöffe wurde die Braut von der Kaiserin und den Prinzessinnen begrüßt. Nach der Ankunft war Frühstückstafel für die Familie des Brautpaares und Mar- sckalltafel für den engsten Dienst. Bei dem Einzug der Prinzessin Alexandria Viktoria richtete Oberbürgermeister Kirschner folgende Ansprache an die Prinzessin: „Durchlauchtigste Hoheit! Eure Hoheit wollen den Willkommengruß der Haupt- und Residenzstadt Berlin gnädigst entgegennehmen. Dieser Gruß kommt aus treuem, ausrichtigen Herzen. Die Bürgerschaft unserer Stadt ist sich in den weitesten Kreisen bewußt, wie fest und eng ihr Geschick mit dem des Fürstenhauses der Hohenzollern seit nahezu fünf Jahrhunderten in Freud und Leid verbunden ist, sie weiß aus der Vergangenheit und Gegenwart, was sie dem anregenden und fördernden Walten èdler fürstlicher Frauen zu danken hat, sie ist daher beim Eintritt Eurer Hoheit in unser Fürstenhaus in herzlicher Anteilnahme lebhaft bewegt von innigen Wünschen und ftohen Hoffnungen. Der Bund, den Eure Hoheit am morgigen Tage, dem Geburtstage der Kaiserin,, für das Leben schließen werden, ist gegründet auf persönliche innige Zuneigung und herzliche Liebe. Möge nimmer solle wieder fallen in dieHandbes Königs von Dänemark, daß dasRechtder Herzogtümer und ihrer Einwohner treu bewahrt werden würde, daß nur die @ r 6 f oig e des Manns st ammes gelten solle und daß die Lande ewig zusanimenbleiben sollten ungeteilt („dat se bliven ewich tosamende ungedeld"), dieser Eid war längst mißachtet und gebrochen. Nach dänischer Auffassung war das Recht der Herzogtümer, unter einer gemeinschaftlichen Verfassung ein unzertrennliches Ganze zu bilden, durch spätere gesckichtliche Vorgänge wieder verloren gegangen, und seit 1721 galt der dänischen Regierung daS Herzogtum Schleswig, seit 1806 die Grafschaft Holstein für einverleibt dem dänischen Königreiche: das erste auf Grund arglistiger Auslegung eines von den Herzögen von Augustenburg und Glücksburg Friedrich dem Vierten von Dänemark geleisteten Treueides, bei dem es sich nur um eine Pereinigune der beiden Teile Schleswigs mit einander, nicht aber mit Dänemark handelte; das andere infolge der Auflösung des deutscken Reiches durch die Stiftung des Rheinbundes, wobei wiederum in zweideutiger Weise das Wort „ungetrennt" gebraucht wurde, das zwar im Zusammenhänge der damaligen Deklaration keinen Sinn gab, aber später bei günstiger Gelegenheit als „unzertrennlich" gedeutet werden konnte.
Es kam ja jetzt für Deutschland die Zeit, da btt preußische Patriot Merckel schreiben konnte: „Fremd finge sind wir geworden im eigenen Hause, und der Uebermut spielt mit dem Herrlichen und Großen, alle? andere verachtend," und wo der in Frankreick geborene Chamisio klagte: „Frankreich ist mir verhaßt, und Deutschland ist nicht mehr." So wurde auck Schleswig-Holstein jetz^ nicht als deutsches Land, sondern von Kopenhagen ans als dänisches regiert.
Die Vorrede des deutschen Herausgebers eines beusnt« dänischen Wörterbuches vom Jahre 1807 beginnt mit den Worten: .»kür Dänen, welchen die Surackr und Schriften