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Hanauer K Anzeiger

«-châht«ch 1,80 Mk., mmmtlich 60 ^g., für «us. »Mee Absuur»t«l «tt de« bekessacke» P-fiausicht«-.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 245 F-rnsprechanschlutz Nr. 605»

Amtliches.

Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 2. Ok­tober 1908, durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie auf den 20. Oktober d. Js. in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benach­richtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Bureau des Herrenhauses, hier Leipzigerstraße Nr. 3, und in dem Bureau des Hauses der Abgeordneten, hier Prinz Albrechtstraße Nr. 5/6, am 19. Oktober d. Js. in den Stunden von 9 Uhr früh bis 8 Uhr abends und am 20. Oktober d. Js. in den Morgenstunden von 9 Uhr früh ab offen liegen wird.

In diesen Bureaus werden auch die Legitimationskarten zu der Eröffnungssitzung auSgegeben und alle sonst erforder­lichen Mitteilungen in Bezug auf diese gemacht werden.

Berlin den 4. Oktober 1908.

Der Minister des Innern.

V 7035 I. D.: gez. Holtz._________________

Polizei-Berordnung.

Auf Grund der §§ 12 und 13 des Gesetzes betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten vom 30. Juni 1900 (R.-G.-Bl. S. 306) und des § 8 der Anweisung des Bundesrats zur Bekämpfung der Cholera vom 28. Januar 1904 in Verbindung mit den §§ 137 und 139 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G.-S. S. 195) und der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung betreffend die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (G.-S. S. 1529) wird vorbehaltlich der nachträglich einzuholenden Zustimmung des Bezirksausschusses für den Umfang des Regierungsbezirks nachstehendes verordnet;

8 i.

Alle aus Rußland kommenden Personen sind, sofern zwischen ihrer Abreise von dort und ihrer Ankunft nicht mehr als sechs Tage verflossen sind, unverzüglich nach ihrer Ankunft bei der Orlspolizeibehörde zu melden.

8 2.

Zur Erstattung der Meldung (§ 1) sind verpflichtet:

1. die aus Rußland kommenden Personen,

2. diejenigen Personen, welche aus Rußland kommende Personen aufnehmen. (Gast- und Herbergswirte, Ver­mieter, Schlafstellenhalter, Dienstherrschaften usw.)

Die Verpflichtung der Personen unter- Ziffer 2 tritt dann nicht ein, wenn die Personen unter Ziffer 1 der Meldepflicht genügt haben.

8 3.

Die Ortspolizeibehörden haben Personen, welche aus Petersburg, Warschau oder anderen choleraverscuchten Orten

Feuilleton

I Wissenschaftliche Sitzung der Senckenberg-scheu Naturfoeschenben Gesellschaft.

Frankfurt a. M., 17. Oktober 1908.

Vorsitzender: Direktor Professor Dr. August Knob­lauch.

Mit einem interessanten Vortrag über Johann Christian Senckenberg, aus dessen bescheidenem Naturalienkabinett das heutige prächtige Museum an der Viktoria-Allee hervorgegangen ist. Hat dieSencken- b er gische Natu rforschende Gesellschaft die stattliche Reihe ihrer für den kommenden Winter vor- beiehenen wirtschaftlichen Sitzungen eröffnet. Zunächst be­grüßte der Vorsitzende.die im großen Festsaal des Mu- seun's zahlreich versammelten Mitglieder und ihre Damen und wies auf die reichhaltigen und interessanten N e u- erwerbungen und Geschenke hm, die im Laufe des Sommers in die Schausammlung emgercrht werden den letzten Tagen ist die biologische Aus­stellung einer o st a fri k a n i s ch e n Tiergruppe vollendet worden, mit der im Museum der erste Versuch ge­macht worden ist, die Tierwelt eines Faunengebietes in ihrer heimatlichen Umgebung möglichst naturgetreu zur Darstel­lung zu bringen. Die Landschaft zeigt cm Bild der sonuen- durchfluteten Hochsteppo Deutsch-OstafrrkaS, der Masai-Nycka, Die Prof. Schillings in seinem BucheIm Zauber des Elelescho" so anziehend geschildert hat Bad ist d,e Steppe flach und ivellig, nur spärlichen Grasbuscheln oder fahloer­brannten Grasfluren Leben gewahrend ; bald wird sie von Höhenzttgen und schroffen Felsrucken durchbrocken und ist mit hohen Gräsern, Dornbüschen und Hainen von schirmförmigen Akazien bestanden. 3m Hintergrund erblickt der Bcschauer die höchsten Gipfel des Kilimandscharo, den ewigen Schncc- vom des 6010 Meter hohen Kibo und den nur zeitweilig mit Schnee bedeckten Mawenzi. Herden von Wild beleben

Montag den 19. Oktober

Rußlands kommen, einer unauffälligen Beobachtung zu unterwerfen, welche jedoch die Tauer von fünf Tagen von dem Zeitpunkte der Abreise aus Rußland nicht über­schreiten darf.

8 4.

Uebertretungen dieser Polizeiverordnung werden, sofern sie nicht nach gesetzlichen Vorschriften mit höheren Strafen zu ahnden sind, mit Geldstrafe bis zu 60 Mk., an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Haft tritt, bestraft.

. 8 5.

Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver­kündigung in Kraft.

Cassel den 12. Oktober 1908.

P 11044 Der Regierungs-Präsident.

J. V.: Schenk zu Schweinsberg.

Landkreis Hanau.

MMiülchlWn i!es Mifflen LkMââ.

An die Herren Bürgermeister und Gütsvorsteher und die Herren Vorsitzenden der Voreinschätzungs-Kommissionen des Veranlagungsbezirks.

Im Verfolg meiner Bekanntmachung vom 25. September d. Js., St. 2991, in Nr. 227 desHanauer Anzeigers" beraume ich die Sitzungen der Voreinschätzungskommissionen zwecks Veranlagung der Staatseinkommcnsteuer für das Steuerjahr 1909 wie folgt an:

1. für den II. und VI. Bezirk (Eichen und Niederdorfelden) den 9. November,

2. für den IV. und V. Bezirk (Hüttengesäß und Kilian­städten) den 10. November,

3. für den I. und VIII. Bezirk (Windecken und Bruch­köbel) den 11. November,

4. für den III. und VII. Bezirk (Ostheim und Wachen­buchen) den 12. November,

5. für den IX. und XIX. Bezirk (Rüdigheim und Nieder­rodenbach) den 13. November,

6. für den XVI. und XI. Bezirk (Bischofsheim und Groß­krotzenburg) den 16. November,

7. für den XII. und XVII. Bezirk (Dörnigheim und Langendiebach) den 19. November,

8. für ben XVIII. Bezirk (Langenselbold) den 23. November,

9: für den X. und XV. Bezirk (Großauheim und Bergen) den 26. November und

10. für den XIV. Bezirk (Fechenheim) den 30. November ds. Js.

Die Herren'Dorsitzenden der Voreinschätzungs-Kommissionen der Bezirke IIX, Xi, XII, XVI, XVII und XIX werden

und durchfluten die Steppe eine ursprüngliche Fülle des Tierlebens, überwältigend durch seine Masse und durch den Reichtum an Formen.

Die Tiere der Gruppe drei prächtige Giraffen ver­schiedener Arten, ein Rudel Antilopen, Paviane und Guereza- Affen, ein gewaltiges Nashorn it. a. sind von den Mit­gliedern der Gesellschaft, dem verstorbenen Freiherrn C a r l o von Erlanger und von Prof. C. G. Schillings in der ostafrikanischen Wildnis erbeutet und dem Museum zum Geschenk überwiesen worden. Ihre Ausstopfung hat seit vier Jahren die Präparatoren Adam Ko ch und A u g u st Koch beschäftigt; die künstlerische Ausschmückung der Gruppe ist ein Werk des Frankfurter Malers Karl Nebel. Die Ausstellung weiterer biologischer Gruppen, z. B. der Fauna unserer Taunuswaldungen und einer Tiergruppe aus dem hohen Norden ist für die nächsten Jahre in Aussicht ge­nommen.

Das Museum ist im ersten Jahr seit seiner Eröffnung von 83464 Personen besucht worden, darunter von zahlreichen hiesigen und auswärtigen Schulen, die klassenweise von ihren Lehrern geführt wurden, von Vereinen und von namhaften Gelehrten aus der ganzen Welt. Die Zahl der beitragenden Mitglieder ist im Lause des Sommers auf 1020 angestiegen. Verstorben sind die Verwaltungsmitglieder Prof. Dr. Eugen Albrecht, Direktor des Dr. Senckcnbergischenpathologisch- anatomischen Instituts und Geh. Sauitätsrat Dr. Jakob B o ck e n h e i m e r. An ihrem Sarge hat der 1. Direktor im Namen der Gesellschaft einen Lorbeerkranz niedergelegt.

Nach diesen Mitteilungen des Vorsitzenden sprach Archiv­direktor Prof. Dr. R. Jung über

Senckenberg und feine Stiftung."

So oft auch gerade im letzten Jahre bei der Weihe des Senckenbergischen Bibliothekgebäudes am 200. Geburtstage be§ Stifters und bei der Eröffnung des Museums der nach Senckenberg genannten Natursorsch enden Ge­sellschaft das'Andenken an unseren großen Stifter in Wort und Schrift gelehrt würde, es kann nicht ost genug geschehen; denn er ist eine eminent historische Persönlichkeit für unsere Stadt geworden. Die Geschichte ihres geistigen Lebens verdankt ihm und den Anregnngen. die von seiner

Fernsprechairschlittz Nr. 605» 1908

ersucht, mir die Stunde der Sitzung und das Lokal bis zum 29. Oktober, diejenigen der Bezirke X, XIV, XV und XVIII zum 15. November d. Js. anzuzeigen.

Das Voreinschätzungsmaterial wird den Herren Vorsitzen­den der vereinigten Voreinschätzungsbezirke rechtzeitig vor den Terminen zugehen. Dasselbe ist ungesäumt der nach Ar­tikel 45 Absatz 1 der Ausführungsanweisung vom 25. 7. 06 vorgeschriebenen Prüfung evtl. Ergänzung und Berichtigung zu unterziehen.

Die Einreichung der festgesetzten Listen nebst Unterlagen hat unmittelbar nach der Sitzung hierher zu erfolgen.

Wegen der im Gange befindlichen Vorarbeiten für die Voreinschätzung verweise ich die Herren Bürgermeister rc. auf meine Verfügung vom 6. November 1907, St 5739, und ersuche die darin gegebenen Anleitungen genau zu beachten. Die Verfügüng ist abgedruckt in Nr. 262 und 268 des Hanauer Anzeigers" vom Jahre 1907.

Insbesondere mache ich noch auf Folgendes aufmerksam: Bei Umzügen von Steuerpflichtigen aus einer Gemeinde des Kreises in eine andere sind die Kartenblätter unverzüglich an den Gemeindevorstand des neuen Wohnortes abzugeben. Beim Verzug in einen anderen Veranlagungsbezirk sind die Kartenblätter, auf denen der neue Wohnort und das Datuni des Verzugs zu vermerken ist, mir alsbald besonders zurückzusenden.

Aenderungen infolge in letzterer Zeit eingetretener Erb­anfälle sind nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Die erfolgte Berücksichtigung ist auf dem Kartenblatt kurz zu vermerken

Nach der Vorschrift im Artikel 41II Abs. 2 der minist. Anweisung vom 25. 7. 06 (Muster VII) haben die Herren Bürgermeister pp. Auszüge aus dem Verzeichnis derjenigen Personen, welche aus einem in der Gemeinde belegenen Grundbesitz oder betriebenen stehenden Gewerbe Einkommen beziehen, in einem andern preuß. Orte aber zur Einkommen­steuer zu veranlagen find (Forensal-Verzeichnis), letzterem zwecks Berücksichtigung bei der Veranlagung mitzuteilen. Ich erwarte, daß diese Bestimmung beachtet ist, das etwa aber mitgeteilte auswärtige Grundeigentum und Gewerbe und das Einkommen daraus in der Wohnsitz-Gemeinde berücksichtigt werden.

Hanau den 16. Oktober 1908.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer - VeranlagungS - Kommission für den Landkreis Hanau.

St. 3189 J. V.: Siemon, Reg.-Affeffor.

A« die Herre« Bürgermeister «. Gutsvorsteher des Kreises.

Am 1. Dezember d. Js. findet im preußischen Staake eine außerordentliche Viehzählung statt.

Stiftung ausgegangen sind, unendlich viel und sein Beispiel als hochherziger Stifter hat die reichsten Früchte getragen.

Mit der Anatomie hat das letzte dèr von ihm gestifteten Institute die alte Heimstätte am Eschenheimer Tor ver- lasien. Die erste Epoche in der Geschichte der Stiftung ist abgeschlossen; mit reichsten Zukunftshoffnungen beginnt die zweite.

Etwas mehr wie ein Jahrhundert hat die aus Troppau stammende und über Friedberg hierher gekommene Familie Senckenberg unserer Stadt angehört. In der ersten Generation war es der 1688 hier eingewanderte, 1730 als Physikus primarius verstorbene Vater Johann Hart- m a n w S e n ck e n b e r g, in der zweiten dessen drei so ganz verschieden geartete Söhne, der Rechtshistoriker und Staats­mann Heinrich Christian (170417681 der Arzt I o- h a n n Christian (17071772), der Jurist und Senator Johann Erasmus (17171795). Es ist das Verdienst des früheren Stadtarchivars Prof. Dr. K r i e g k, in seinem Buche über die Brüder Senckenberg zum erstenmale auf Grund umfassender archivalischer Studien die Lebens- gcschichte dieser drei Männer eingehend dargestellt zu haben. Nur kurz ging der Vortragende auf diese Dinge ein: er schilderte mehr das innere Werden deS Stifters Johann Christian Senckenberg, sein Ver­hältnis zu seinen Zeitgenossen, seine Ethik. Der innere Kampf, in dem aus dem Jüngling ein Mann wurde, liegt in seinen Tagebüchern und Aufzeichnungen vor uns : sie sind von der höchsten Wichtigkeit nicht nur für die Lebensgeschichte des Stifters, sondern auch für die Geschichte seiner Vater­stadt um die Mitte des 18. Jahrhunderts, zu Goethes Jugendzeit, eine Quelle, die freilich mit scharfer historischer Kritik verwendet werden muß; denn der mißtrauische, seinen Mitbürgern sehr kritisch gegenüberstehende Verfasser dieser Tagebücher hat in ihnen seiner Verbitterung und keiner inneren Vereinsamung einen oft recht scharfen 'Ausdruck ge­geben unb über die regierenden Persönlichkeiten oft recht rin- gerecht geurteilt. Daher ist es zu erklären, daß sowohl die Behörden wie die Bürgerschaft seine aus frömmster Ge- stimmig fromm nicht im Sinne des damaligen Kirchen-