e<»a 4_________________________ _
Wege geleitet und bewegte sich mit einem der Nachmittags- personenzügc dem Reiseziele zu. Äl? der Zug indes unsere Station im Rücken hatte und sich dem Burghauner Tunnel näherte, mußte er seine Fahrt wegen der dort in Ausführung begriffenen Reparaturarbeiten verlangsamen. Diesen und den anderen Umstand, daß eS dunkel war, benutzte der Deserteur zur abermaligen Fahnenflucht, die ihm wieder gelang. Denn bis die „Bedeckung* die Notbremse gezogen hatte, der Zug hielt und die Verfolgung ausgenommen werden konnte, verstrich soviel Zeit, daß der Ausreißer in ein einstweilen sicheres Versteck kriechen konnte.
Hofheim a. T., 15. Oktbr. Nächsten Sonntag beginnt der allbekannte Hofheimer Markt. Hoffentlich hält das schöne Wetter noch so lange an, bis Jubel und Trubel vorüber find. Die meisten Wirtschaften halten Tanzvergnügen ab und haben sich für einen guten Tropfen gesorgt. Das unter neuer Leitung stehende „Gasthaus zur Krone" hat von Tanzmusik abgesehen, bietet dafür seinen Besuchern Erquickung durch Speise und Trank. — Im städtischen Elektrizitätswerk hat man gestern abend mit dem Laden der Akkumulatoren begonnen. Diese Arbeit muß ohne Unterbrechung etwa 36 Stunde« fortgesetzt werden. Danach können die Anschlüsse, die allerdings vorerst nur in der Straßenbeleuchtung bestehen, mit Strom versehen »erden; es dürften also am Hofheimer Markt die Straßen elektrisch beleuchtet sein. Die Haus- anschlüsse werden im Laufe des Novembers beendet sein. Die Maschinen funktionirreu sehr gut und das ganze Werk macht eine« vorzüglichen Eindruck. — Mit dem Absteckcn der elektrischen Bahn Frankfurt—Wiesbaden find augenblicklich Ingenieure beschäftigt; die Haltestelle dürfte in die Nähe unsere« jetzigen Bahnhose« zu liegen kommen. Da die Bahn die größeren Orte der Mainebene berührt, wird sich dieselbe sicher gut rentieren.
L Haibach L Od., 15. Ott Der 81jährige ver- heiratete Taglöhner Heinrich Maier au« Winzenhohl, zuletzt in Haibach wohnhaft, verübte mit zwei Burschen, Rückert und Wenzel, in der Christnacht 1601 Wilddieberei, dir in der Nacht vom erste« auf den znreite« Wrihnacht«fei«rtag im „Stift-wald* bei Haibach fortgesetzt wurde. Dem Burschen Wenzel ging dabei plötzlich das Gewehr lo« und die Kugel traf die rechte Wange und den Hut der Maier. Noch im Walde gab man sich das gegenseitige Gelöbnis, den Vorfall zu verheimlichen. Seinen Angehöriges gegenüber behauptet« Maier, da« Opfer eine« Raubanfall«« geworden zu sein. Die Sicherheitsorgane merkten aber die Sach« und schritten zur Verhaftung zweier Burschen. 811 Zeuge vernommen, leistet« Maier am 25. Januar 1902 betreff« seiner unwahren Darstellung sogar einen Eid. Der wirklich« Sachv«rhalt wurde aber später vollständig aufgedeckt, worauf Maier «euerdingS wegen Meineids zu 12 Monate« Gefängnis verurteilt wurde. Von dem Märchen de« Raubanfall»« wollt» Maier 5U$ in der Hauptverhandlung nicht abgehe«.
A. Aus Unterfranker», 15. Ott Riesige Holz» quaniitäten kommen im bevorstehenden Winter in den unter- fränkischen Waldungen wiedtrum zur Fällung. In der Zeit vom 3. bis 17. November cr. vergibt die RegierungSforst- abteilung von Unterfranken im EubmisstonSwege 24 000 Festmeter Buchenstammholz und 500 Festmeter schwache« Ächenstammholz, 38 Festmeter Lindenstammholz, 2070 Fest- meter Eichen- und 29 170 Festmeter Kiefern- und Lärchen« Grubenholz, 205 000 Nadelholzstangen, 2140 Raummeter Buchen-, Birken- und Nadelholzröller, sowie 20 700 Raummeter Laub- und Nadelbrennholz v o r der Fällung. In ganz Bayern werden auf Anordnung der Staatsforst- Verwaltung im bevorstehend«« BetriebSjahr« 550 000 Raummeter Holz Mehr gehauen, al« im Vorjahr«. Im Forst- Hezirk Lohr beträgt di« Mehrfällung allein 5000 Raummeter.
Cvm. Mutterstadt, 15. Oktbr. Di» Pfalz war von jeher schon ein Stückchen Land, auf dem fich die Leute daS Jagen nicht verkneifen konnten. Erst kürzlich kam eS wie bekannt zu einem Zusammenstoß zwischen einem Jagdaufseher und einem Wilderer, wobei all« beid« ihr Leben lassen mußten. Gestern faßt« ein Förster wieder drei Wilderer ab, di« gerade im Begriff standen, ein Reh abzubalgeu. Es gelang dem Förster alle drei zu verhaften.
Cvm. Ludwigshafen a. RH., 15. Oktbr. Der 37 Jahre alte Arbeiter Albert Birch war damit beschäftigt, einen Kessel zu reinigen. Dabei atmete er soviel giftige Luft ein, daß er in das Krankenhaus verbracht werden mußte. Er liegt sehr schwer darnieder, da er offenbar schon längere Zeit m dem Kessel gelegen hat, ehe es bemerkt wurde, daß er das Bewußtsein verloren hatte.
Ein großer Diebstahl an scharfen Militârpatroue«.
8. u M. Worms, 15. Okt. Im Hochsommer dieses JahreS ereignete sich hier ein Vorfall, bei dem die beteiligten Behörden zunächst amiahmen, daß eS den Anfang zu einer umfangreichen politischen oder Landesverratsaffäre bilden würde. In der Nacht zum 11. Juli fiel einer Schutzmannspatrouille ein Mann auf, der in der Gaustraße einen zweirädrigen Handwagen vor sich schob. Als die Beamten den Führer des Wagens stellten und ihn über den Inhalt des- 'Slben befragten, ergriff er plötzlich die Flucht. Die Beamten holten ihn aber wieder ein und nahmen dann eine Untersuchung des verdächtigen Wagens vor. Diese Untersuchung ergab die überraschende Tatsache, daß der Wagen mit scharfen Militärpatronen geladen war. Der Führer des Wagens gab schließlich zu, der 23jährige Sergeant Adolf Leineweber von der 5. Kompanie des Jnsanterie-Regts. Nr. 18 zu sein. Er gestand ferner, daß er die auf dem Wagen befindlichen %00 Patronen aus den Beständen des Regiments gestohlen ■ habe, um sie dem Heilkünstler Appelhaus zu verkaufen. Eine Haus'uchung bei diesem Heilkünstler förderte denn auch noch zwei große Kisten Patronen zu Tage. Die beiden Verdächtigen wurden sofort verhaftet und seitens der Zivilund Militärbehörden eingehende Nachforschungen ange- Nellr. Ueber das Ergebnis der letzteren, die Oberst von Boeckmann leitete, der sich später an einen Knggsgerichtsigt abgab, wurde allerstrengstes Stillschweigen -^obachtet. $;e Untersuchung gegen ApPelhäUß ergab, daß dsèser von Leineweber seit November 1007 nach und nach etwa 42 UuO Patronen beatmen 6a.be darunter viele des
^H«||
neuesten Modelles, ferner einige Gewehre und ein paar hundert Revolverpatronen. Während Leineweber sich demnächst vor dem Kriegsgericht in Darmstadt zu verantworten haben wird, wurden der Angeklagte Appelhaus und der Mit- angekagte Schuler von der Strafkammer abgeurteilt. Beide Angeklagte sind bisher unbestraft. Beide Angeklagte haben sich wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu verantworten. Schuler soll den weiteren Verkauf der an AppelhauS gelieferten Patronen vermittelt haben. Ihm wirb weiter zum Vorwurf gemacht, daß er als Waffenhändler wissen mußte, daß die Patronen als militärisches Geheimnis zu behandeln seien. Unter den Zeugen hefand sich der Sergeant Leineweber, der unter Bedeckung eines Feldwebels und zweier Gefreiter, die mit scharf geladenen Gewehren verseh-:« waren, vorgeführt wurde. Der Angeklagte AppelhauS > nacht bei seiner Vernehmung den Eindruck, als ob er nicht Herr seiner Sinne wäre. Er gibt auf die Fragen deS Vorsitzenden konfuse oder scherzhaft sein sollende Antworten. Angekl. Schuler erklärt, daß er bei dem Weitervertrieb der Patronen der Meinung ge- wesen sei, eS handle sich um ehrlich erworbenes Eigentum des AppelhauS. Als Sachverständiger werden verschiedene Waffenhändler vernommen, die übereinstimmend bekunden, daß das große Angebot von Patronen bei jedem ehrlichen Händler, hätt« Verdacht erregen müffen. Auch müßte jeder Waffenhändler wissen, daß daS Modell 98 noch in Gebrauch sei. — Ueber den Geisteszustand deS AppelhauS würbe der Kreisarzt Dr. Balzer vernommen, der den AppelhauS zwar für geistig etwas beschränkt erklärt, aber nicht in dem Maße, daß eine Strafverfolgung ausgeschlossen sein könne. Hierauf beantragt der Staatsanwalt gegen jeden der beiden Angeklagten wegen gewerbsmäßiger Hehler«i zweieinhalb Jahre Zuchthaus. DaS Urteil lautete gegen jeden Angeklagten auf eineinhalb Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. In der Urteilsbegründung wurde zum Ausdruck gebracht, daß nach Ansicht des Gerichtshofes den Angeklagten bewußt gewesen sei, daß eS sich bei dem Ankauf der Patronen um gestohlenes Gut gehandelt habe.
Sport,
Bon der Gorvon Bennett-Wettfahrt.
Berlin, 16. Oktbr. Da« Schicksal ber beiden vermißt»» Ballon« .Hegtstll" und „Plauen" ist noch immer ungewiß. Allgemein geht die Ansicht dahin, daß, wenn auch der englische Ballon „Banshee" der Gewinner des Gordon Bennett- Rennens ist, der moralische Sieger Oberst Schaeck mit dem Ballon „Helvetia" bleibt Schaeck äußerte sich dahin: Wir waren 78 Stunden in der Luft. Von Berkin wurden wir erst nach Süden getrieben und dann bi« zum 69. Grad nördlich. Wir hatt«« bei 3000 Witter Höhe eine Kälte von 10 Grad.
Grimsby, 16. Oktbr. Gestern langte der Fischdampfer „Vinolia" mit d«m Ballon „Saint Loui«" an Bord, an, der von ihm in der Nordse« aufgefischt wurde.
Drahtnachrichten
Deutschland und die Loslösung Norwegens von Schweden.
Kopenhagen, 14. Okt. Der frühere Minister des Auswärtigen Graf Rabe« erklärte in einem Interview, Deutschland hätte im Jahr« 1905 versucht, einen deutschen Prinzen auf ben norwegischen Thron zu bringen, dieser Plan sei jedoch wegen drS Einspruchs Englands aufgegeben worden. Darauf sei nur die Alternative gewesen: norwegische Republik ober dänischer Prinz. Der leitende deutsche Staatsmann soll dazu geäußert haben: „Wir wollen keine Republik". Dänemark habe damals keine dynastischen Interessen verfolgt, sondern nur im Interesse des allgemrinen Fritden« gehandelt.
Vom Grasen Zeppelin.
Stuttgart, 16. Oktbr. Graf Zeppelin hat an den Erbprinzen zu Hohrnlohe-Langenburg als Vorsitzenden des Württembergischen Zentralkomittees für die Nationalspende ein längeres Dankschreiben gerichtet, dem nachstehendes entnommen ist: „Eure Durchlaucht haben di» Güt« gehabt, mir mitzuteilen, baß das Komitee seine Sammlung beendet hat und eine außerordentlich hohe Summ« dem nationalen Luftschiffbaufonds überweisen konnte. Wie auf den Feldern meines schwäbischen Heimatlandrs mein Luftschiff durch die Kräfte der Elemente zerstört wurde, wie auch in meiner schwäbischen Heimat der großartige Gedanke an die nationale Sammlung zuerst aufflammte, so ist auch mein engeres Vaterland in der Opferwilligkeit für das große nationale Werk an die Spitze der deutschen Länder getreten. Es liegt eine erhebende Kundgebung echt vaterländischen Sinnes in der Art, wie das württembergische Land sich im Augenblick der Not hinter mich gestellt und durch die begeisterte Gewährung so reicher Mittel sein volles Vertrauen und den Willen ausgesprochen hat, den Bau meiner Luftschiffe fortgesetzt zu sehen, zu Ehren deS deutschen Namens. Es gibt im Leben Augenblicke, in denen man überwältigt ist von der Größe eines Ereignisses. So ist es jetzt: Als ich mein Lustschiff zerstört und mich deshalb außerstande sah, die vom Reiche ausgeworfenen Mittel für die Ablieferung der Fahrzeuge zu erhalten, da trat ganz Deutschland wie ein Mann zusammen und heute verfüge ich, dauk der freudig geleisteten Hilfe, über so reiche Mittel zur Fort- sührung meiner Werke, wie ich sie in meinen kühnsten Träumen nie zu erhoffen wagte. Ich bin mir wohl bewußt, daß damit eine ernste Verantwortung auf mich gelegt ist, aber ich trage sie freudig, ermutigt durch das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, und es soll mein Bestreben sein, meine ganze Kraft einzusetzen, um die in mich gesetzten Erwartungen zu rechtfertigen. Unter dem Eindrücke einer so unerwarteten glücklichen Wendung meines scheinbaren Mißgeschickes ist es mir ein Bedürfnis, aller derer zu gedenken, die durch ihre hochherzige Hilfsbereitschaft diese Wendung herbeigesührt haben. Ich bitte also, Eurer Durchlaucht aus- wrcchen zu dürfen, daß ich lief bewegt und doch freudig ge-
_______________________ 1«. OttobeS • hoben bin von der Großartigkeit der mir zuteil gewordenen Hilfe. Aus überströmendem Herzen danke ich meinen schwäbischen Landsleuten für ihren Beistand iu der Not. Ich bitte Eure Durchlaucht, diesen Dank meinen treuen Helfern übermitteln zu wollen.
Studententtnruhe«.
Peteröbuvg, 15. Okt. Bei einem Handgemtnge in der Studentenversammlung erhielten einige Studenten durch Stockhiebe so schwere Verletzungen, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Die Ordnung wurde erst durch das Einschreiten der Universttätsbehörde wiederhergestellt. Di« Schuldigen sind ermittelt und dem Disziplinargericht übergeben worden. Während der außerordentlichen Sitzung deS Professorenrats erschien eine aus 500 Studenten bestehende Deputation, welche die Bitte aussprach, bie Universität nicht zu schließen und die Vorlesungen vor Unterbrechungen zu schützen. Der Professorenrat beschloß demgegenüber, dm Minister zu ersuchen, die Universität bis zum 22. Oktober zu schließen, da eine Wiederholung der Zusammenstöße möglich fei.
Kiew, 15. Okt. Die Vorlesungen an der Universität, bie heute fortgesetzt wurden, wurden durch eine um 11 Uhr vormittags veranstaltete Studentenversammlung unterbrochen. Da große Erregung und Unordnung entftanb, rückten auf Ersuchen des Rektors in das Universitätsgebäude Militär und Polizei ein, welche die unruhigen Elemente entfernten und bie Ordnung wieder herstellten. Dann würben die Vorlesungen wieder ausgenommen.
Drahtlose Telegraphie.
Göttingen, 16. Ost. Die hiesige Station für draht» lose Telegraphie ist soweit fertig, daß die Versuch« nach bey Azoren demnächst angestellt werden können.
Für Ausschmückung.
Berlin, 16. Oktbr. Die Stadtverordneten bewilligten für die Ausschmückung der Linden bei dem Einzuge der Prinzessinbraut deS Prinzen August Wilhelm 20000 Mark. Die sozialdemokratischen Abgeordneten stimmten dagegen.
Atttomobilunsall.
Berlin, 16. Okt, Bei einem schweren Automobilunfall, der sich gestern abend an der Ecke der Köpeniker- und der Adalbrrt- straße durch den Zusammenstoß einer Automobildroschke mit einem Straßenbahnwagen ereignete, wurde der Insasse der Droschke durch das Vorderfenster auf den Kutscherbock geschleudert. Er blieb besinnungslos liegen und wurde wegen schwerer innerer Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.
Die Krists im Orient.
^Budapest, 16. Okt. Verschiedene Blätter melden, König Peter werde abdanken. Einer weiteren Blättermeldung zufolge werbe in Serbien eine starke Propaganda für den Prinzen von Connaught gemacht.
Lonvo«, 15. Oktbr. In einem heute abend vom Auswärtigen Amts ausgegebenen Communique heißt eS: Der Austausch der Ansichten zwischen den Ministern Iswolski und Grey hat zu einer völligen Einigung über die angesichts der durch die jüngsten Ereignisse im Orient geschaffenen Lage zu ergreifenden Maßnahmen geführt. Man ist sich darüber einig geworden, daß hierzu die Einberufung einer Konferenz nötig ist. Damit aber der beabsichtigte Zweck, bie Wiederherstellung der Achtung vor dem Völkerrecht und die Schaffung von Genugtuung für die durch den Bmch der internationalen Verträge Geschädigten, erreicht werde, muß eine solche Konferenz genau umgrenzt werden und soll sich nur mit Fragen beschäftigten, die durch die jüngste Verletzung des Berliner Vertrages entstanden sind. WaS die Beratungsgegenstände der Konferenz anbetrifft, so muß bie erste Sorge die Entschädigung der Türkei sein, und über diesen Punkt scheint ein allgemeines Einvernehmen bet Mächte zu bestehen. Es besteht die Hoffnung, daß Mittel gefunden werden, um den Wünschen der kleinen Balkanstaaten entgegenzukommen, mit dem Vorbehalte, daß dies nicht auf Kosten der Türkei geschieht. ES ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß die kretische Frage in befriedigender Weise behandelt werden wird, obgleich sie vorläufig vom Konserenzprogramm ausgeschlossen ist, da sie in erster Linie eine Frage ist, die von den vier Schutzmächten mit der Türkei zu erörtern ist. @5 ist zu 6offen, daß diese Ansichten sich durch ihre Mäßigung, Vernünftigkeit und Uneigenützigkeit der Annahme der Signatarmächte des Berliner Vertrages von selbst empfehlen. WS besteht nicht die Absicht, die Dardanellen-Frage der Konferenz zu unterbreiten. Diese Frage berührt in erster Linie Rußland und die Türkei, und Rußland wünscht nicht, diese Frag» in einem der Türkei feindlichen Sinne zu erledigen. Bei der Besprechung der englisch-russischen Konvention, bie stattgefunden hat, ist eine völlige Uebereinstimmung der Ansichten festgestellt worden, so daß ein hannonischeS Zusammengehen beider Regierungen bei der Erledigung der Zentralasien betreffenden Fragen gesichert erscheint.
Wien, 15. Oktbr. (Wien. Korr--Bur.) Der Landtag des Königreichs Böhmen ist vertagt worden. Wenn die Regie- rungJich zu dieser Maßnahme entschlossen hat, so war dabei die Erwägung maßgebend, alles zu beseitigen, was der Beruhigung der Parteien hinderlich sei und bie notwendig« Sicherung der öffentlichen Ordnung stören könnte.
Konstantinopel, 18. Oktbr. Aus Pfortekreisen verlautet, daß der englische Botschafter gestern dem Großwester im Namen Englands und Frankreichs eine Anleihe angeboten habe und daß der Botschafter dem Großwester daS Programm für bie einzuberufende Konferenz mitgeteilt habe, über das der Großwester sehr bestürzt gewesen fei. Der Scheck ul Jlam hat seine Entlassung gegeben, die jedoch von dem Sultan nicht angenommen worden ist.
Schiffsnachrichtei».
Mitgeteilt vom Vertreter be« Norddeutschen Lloyd in Bremen, M. Schuster, Fahrstrcke Nr. 1.
Der Dampfer „Kaiser Wilhelm der Große" ist am 13. Oktober wohlbehalten in New-Uork angekommen.
Der Postdampfer „Zeeland" dir „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 12, Oktober wohlbehalten in New-Uork angenommen.