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13. Oktober

Donnerstag

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Uebel nicht mehr auszurotten war. Auf unsere Kinder sollten wir alles verwenden, was möglich ist, und wir tuen dies, wie die schönen Schulen, die Kinderbewahranstalten usw. zeigen. Aber was nützen alle guten Lehren in der Schule, im Elternhaus, wenn die Kinder in den öffentlichen Schau­fenstern Bilder zu Gesicht bekommen, die ihren Geist, ihr Gemüt vergiften. Das Gift, das sie sich aus diesen Bildern saugen, verdirbt ihr Denken, ihre Phantasie. Das Kind mit seiner reichen Aufnahmefähigkeit nimmt diese Dinge viel inniger, viel fester in sich auf wie wir Erwachsenen, was man in Kindesalter in die Seele pflanzt, erhält sich für das ganze Leben. Dies hat wohl ein jeder an sich selbst erfahren. Was man im Kindesalter liest, was man sieht, es ist nie wieder aus­zulöschen aus dem Gedächtnisse, es haftet für immer und trägt, je nachdem, ob es gut war oder schlecht, gute oder schlechte Früchte. Wir sind mehr als wir selber glauben abhängig von dem, was wir sehen und lesen, und hier handelt es sich um Dinge, die die Phantasie viel mehr bewegen als andere Sachen und deshalb auch einen viel nachhaltigeren Eindruck machen. Man betrachte sich nur alZ Erwachsener einmal die Mord- und Räuberszeneu, die Schauerdarstellungen, es erregt einem, zwingt einem wider Willen zum Weiterspinnen des Gesehenen. Dann denke man sich die Jugend, die noch nicht so abgehärtet ist, die noch eine viel weichere, empfindsamere Phantasie besitzt, die sittlich und moralisch unbefestigt noch keinen eigentlichen Charakter hat, wie viel größer muß der schlechte Einfluß auf deren Denken sein, als auf das des Mannes, der abgehärtet und imstande ist, etwas schlechtes von sich abzuschütleln, der keine Zeit hat, diesen Dingen nachzuhängen. Das Kind hat Zeit, spinnt die Sachen in der Phantasie weiter aus und wird schließlich völlig verwirrt in seinen Begriffen von Gut und Böse, von Recht und Unrecht. Wie viel Unheil wird auch durch die schlechten Witzblätter angerichtet. Allein das Kleine Witzblatt" wird wöchentlich in 100 000 Exemplaren verbreitet, wandert dann noch von Hand zu Hand und ver­giftet das sittliche Empfinden von Millionen. Man kann im allgemeinen gar nicht ermessen, welche Verwüstung durch solche Schriften und Bilder in unserem deutschen Volke angerichtet wird. Redner führt eine Anzahl Beispiele an, wie cs Ver­brechern gegen die Sittlichkeit gerade mit Hilfe schlechter Bücher und Bilder gelungen ist, ihr Opfer zu -umgarnen, wie sie ganz systematisch mit diesem Mittel das Denken ihrer Opfer verwirrt, das Empfinden für Recht und Unrecht ge­trübt haben, sodaß diese armen jungen Menschenkinder der Sünde verfielen, ohne sich über das Verwerfliche ihres Tuns eigentlich klar geworden zu sein. Man erkenne daran, daß bas Studium schlechter Bücher und Bilder nicht spurlos vorüber geht, sondern sich geradezu einkrallt in das Denken und Fühlen. Jetzt ist es noch Zeit, dem Uebel zu begegnen, wenn man den Kampf dagegen energiid) führt. Haupt­bedingung sei, immer weitere Kreise der Bevölkerung über die ihren Kindern drohenden Schäden aufzuklären, sie zur Mitarbeit, zur Kampfbeteiligung heranzuziehen. Der Vor­tragende kommt dann auf das zu sprechen, was auch von vielgelesenen Zeitungen manchmal in dieser Beziehung ge­sündigt wird, das er im Gegensatz zu dem vorher besproche­nen als das feine Gift bezeichnet. Moralisch starke Männer wendeten sich mit Abscheu von solchen Sachen, aber die Jugend, die schwache, bildsame Jugend, die noch keinen Charakter hat, die ihren Charakter erst bilden muß, die geht dabei zugrunde. Wenn sich das Schmutzige erst eingekrallt hat in der Seele des Kindes, dann hat der Erzieher schon halb verloren. Dann können wir die schönsten Schulen bauen, dann können sich die Lehrer die größte Mühe geben, das Schlechte ist nicht mehr auszurotten. Das Hauptheilmittel sei, wie schon gesagt, der Kampf, daneben aber käme der Verbreitung guter Bücher eine große Bedeutung bei. Da seien vor allem die Wiesbadener Bücher zu nennen, billige 10 Pfg.-Heftchen mit gutem unterhaltenden und bildenden In­halt, mit deren Hilfe sich auch der einfachste Arbeiter eine Bibliothek zulegen und nötigenfalls auch den einen oder anderen Freund mit Büchern versorgen könne, die, heiter oder ernst gewählt, für dessen Gemüt, für dessen Be­dürfnisse sich eignen. Wir tagen, so fährt Redner fort, hier in einem historischen Hause, in dem Hause, in dem die Ge­brüder Grimm geboren und aufgewachsen sind, die Männer, die unsere deutschen Märchen wieder ausgegraben, die edlen Stimmungen der Volksseele früherer Jahrhunderte den neueren Geschlechtern, wieder vor Augen geführt haben. Das waren Männer, die schon damals wußten, von welcher Bedeutung es ist, wenn unserer Phantasie nur reine Nahrung zugeführt wird. Da wird die Welt des Guten und Edlen und Reinen in uns geweckt, in diesen Grimmschen Märchen, und Gott gebe, daß bald wieder eine Zeit kommt, wo das Volk nur nach guten Büchern noch Verlangen trägt. Das Buch ist eine Macht, gebe Gott, daß es wieder eine gute, eine wohl­tätige Macht werde für unser Volk. Die Ausführungen des Vortragenden wurden von den Anwesenden von Anfang bis zu Ende mit gespanntestem Interesse verfolgt und am Schluffe mit lebhaftem Beifall belohnt. Möchten sie, die so aufnahme­fähigen Boden gefunden, auch reiche Früchte tragen zum Wohle des Einzelnen, zum Wohle unseres ganzen Volkes.

* Bezirksausschuß. Die Wahl des Lithographen Fischer zum Stadtverordneten ist vom Bezirksausschuß für giltig erklärt worden. Bekanntlich hatten die Sozialdemo­kraten die Wahl angefochten.

* Diamautschleiserei in Deutschland. Die H allesche Zeitung" meldet am 15. Oktober 1908: Ueber die in Dentschsüdwestafrika gefundenen Diamanten har soeben dem Vernehmen derInf." nach der Reichskanzler eine Verfügung erlassen, der man nur zustimmen kann. Bis­her wurden die in Deutsch-Südwestafrika gefundenen Dia­manten zum Schliff nach Amsterdam gesandt, wo die Zen­trale der Diamantschleiferei ist. Dadurch sind aber der deutschen Industrie beträchtliche Summen verloren gegangen und in das Ausland gewandert. Die Hanauer Handelskammer hat darum ein Gesuch an den Reichs­kanzler gerichtet, indem der Antrag gestellt wurde.

beim Schliff der deutschen Diamanten auch die deutschen Arbeiter zu berücksichtigen. Daraufhin hat nun der Reichskanzler in Ansehung dieses Gesuches die Bestimmung getroffen, daß von jetzt an bei allen in dieses Gebiet fallen­den Arbeiten allein die deutsche Industrie Berücksichtigung finden darf. Es werden also von nun an die Diamanten D e u t s ch - S ü d w e st a f r i k a s nicht mehr nach Amsterdam gebracht, sondern in den Diamant- schleifereien in Hanau fertig gestellt werden.

* Evangelischer Bund zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen. Wie bereits an­gekündigt wurde, findet heute abend 8l/a Uhr in dem unteren Restaurationssaale derCe n t r al h a l I e" (Rosenstraße) ein öffentlicher Vortrag statt, zu dem auch diesmal wieder Bundesmitglieder und "Damen willkommen sind. Der als feinsinniger Schriftsteller und Dichter bekannte Pfarrer der altkatholischen Kirchengemeinde zu Konstanz, Herr Wil­helm Schirmer, wird sprechen über das Thema:Die Bedeutung der altkatholischen Kirche für das katholische Deutschland." Da ein sehr interessanter und anregender Vortrag in Aussicht steht, so wird der Besuch desselben aufs wärmste empföhle». Der Eintritt i st frei!

* Oeffentlicher Vortrag. Die hiesige altkatholische Gemeinde veranstaltet heute Donnerstag den 15. Okiober, abends 8^2 Uhr, in derCentralhalle" einen öffentlichen Vortrag. Herr Pfarrer Schirmer aus Konstanz wird über das Thema sprechen :Die Bedeutung der altkatholischen Kirche für das katholische Deutschland". Der Eintritt ist frei; Damen haben Zutritt.

* Der große Zirkus Angelo in Kranksurt. Ein reges Leben hat sich in der Landwirtschaftlichen Halle auf der Ostendstraße entfaltet. Zimmerleute, Tischler, Maler, Kunst­handwerker, Tapezierer, Dekorateure, Installateure, Klempner usw. in großen Mengen sind beschäftigt, die Halle in einen komfortablen, jeden Anforderungen der Neuzeit entsprechenden Zirkusbau umzugestalten, denn Mitte November wird der größte deutsche Reisezirkus, der einzige Zirkus mit rein zirzen­sischem Programm ohne Pantomimen und Ballettarrangement, das gigantische Unternehmen Angelo seinen Einzug halten. Weltstädte wie Wien, Dresden, Leipzig, Breslau usw. haben bereits den Zirkus Angelo mit seinem mannigfaltigen uner­reichten Programm bewundern können und beweisen die aus­verkauften Häuser allcrwärts die Beliebtheit dieses.Zirkus. Binnen kurzem wird auch Frankfurt in der Lage sein, sich in diesem Weltunternehmen zu amüsieren. Während seiner dies­jährigen sechsmonatlichen Sommerspielzeit wurden die Vor­stellungen an den größten Plätzen des In- und Auslandes von über einer Million Menschen besucht. Diesen einzig da­stehenden Erfolg verdankt er in erster Linie der hervorragenden Qualität seines Marstalls, der eine Sehenwürdigkeit für sich bildet. Neben rassereinen bildschönen Arabern, Trakehnern, Engländern usw. stehen auch einheimische Pferde (aus dem Kgl. Gestüt Weil), ferner indische und afrikanische Elefanten, sowie andere exotische Tiere. Wie sorgfältig -die rührige Leitung stets auf die Ergänzung und Verjüngung ihres Pferde­bestandes bedacht ist, geht daraus hervor, daß das älteste Pferd nur 8 Jahre alt ist. Man findet also bei ihr nicht jene Zirkusveteranen von 20 und noch mehr Jahren, denen man in früheren Unternehmungen begegnete. Es ist auf dem Gebiet des zirzensischen, feinen Pferdesports vorbildlich ge­worden; keine Nummer ist ihm zu teuer, und selbst die Berliner Zirkusunternehmungen bcziehenihre Reitattraktionen vom Zirkus Angelo, der die meisten ausländischen Reitnummern als erster nach Deutschland importiert. Da in Frankfurt für eleganten Pferdesport in allen Kreisen von jeher auch eine große Vor­liebe sich gezeigt hat, wird der künstlerische und finanzielle Erfolg wieder nicht ausbleiben.

* Diebstahl. In der vergangenen Nacht wurden in Bruchköbel 6 Gänse und 7 Hühner gestohlen. Sach­dienliche Mitteilungen wolle man auf Zimmer 1 der Königl. Polizeidirektion machen.

Cvm. Ein Ettkops. (Kriegsgericht der 21. Division.) Der Musketier E. Knott von der 4. Kompanie 166. In­fanterie-Regiments könnte jetzt bei Muttern sein, wenn er sich nicht einmal an der Mißhandlung eines Musikers­rekruten beteiligt hätte. Das hat ihm 2 Monate Gefängnis eingetragen, die er auf der Festung Köln verbüßt hat und jetzt nachdienen muß. Jetzt muß er wegen einer neuen Dummheit nochmals auf die Festung wandern. Nach einer Gefechtsübung im Manöver bei Meschede entstand in der Marschordnung der Kompanie eine Lücke. Ein Gefreiter der Reserve befahl ihm wiederholt, in diese Lücke einzurücken. K. überhörte mit Beharrlichkeit den Befehl. Vor dem Kriegs­gericht gab er an, er habe den Reseroegefreitcn nicht für seinen Vorgesetzten gehalten. Der Gefreite tat aber Unter­offiziersdienste und dieses war der Kompanie ein für allemal bekannt gegeben. Auch K. mußte das wissen. Deshalb half ihm seine Ausrede nichts und er wurde wegen Beharrens im Ungehorsam vor versammelter Mannschaft und unter Gewehr zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Ein­rücken in die Lücken der Marschordnung würde ihm sicher leichter gefallen sein, als die Verbüßung dieser zwei Monate Festung.

* Gewinner gesucht. Der 3. Hauptgewinn der Darmstädter Pferde-Lotterie fiel bei der gestrigen Ziehung wiederum in die Kollekte des Herrn C. H e r k e r t, Bangert- straße 5. Die in letzter Zeit so oft vom Glück begünstigte Kollekte hatte auch bei der Frühjahrsziehung der Darm­städter Pferde-Lotterie den 3. Preis zu verzeichnen. Der glückliche Gewinner wolle sich baldigst melden, da der betr. Gewinn sofort ausgezahlt wird.

Cvm. Aus Sorge um die Braut. (Kriegsgericht der 21 Division.) Wegen Fahnenflucht war der Zimmermann Friedrich Röder von Langenselbold angeklagt. Im Sommer 1907 zum 81. Infanterie-Regiment in Frankfurt a. M. aus- gehoben, begab er sich anfangs September, kurz nachdem ihm der Gestellungsbefehl gugegangen war, in Begleitung seiner Braut nach 'Dänemark. Ende August d. Js. kehrte er zu­rück und stellte sich freiwillig der Militärbehörde. Er wurde

nunmehr der 7. Kompanie des 80. Regiments in Wiesbaden zugeteilt und sofort in Untersuchungshaft genommen. Vor dem Kriegsgericht gab Röder an, er habe nie daran gedacht, dauernd fort zu bleiben. Seine Braut sei in der Hoffnung gewesen, und da sie von ihrem Stiefvater so wie so schon schlecht behandelt wurde, habe sie in diesem Zustande nicht bei ihm bleiben wollen. Auch habe sie sich geniert zu seinen eigenen Eltern zu gehen, um dort ihre Niederkunft abzu­warten. Deshalb hätten sie gemeinschaftlich den Entschluß gefaßt, nach Dänemark zu gehen, wo^das Mädchen seine Jugend verlebt hatte, und nach erfolgter Niederkunft zurück­zukehren. Diese erfolgte im März dieses Jahres. Die Rück­kehr habe sich verzögert, weil Röder gerade arbeitslos ge­wesen sei, und erst noch das nötige Geld für die Pflege seiner Braut und für die Rückkehr habe verdienen müssen. Diese Angaben erwiesen sich als wahr. Deshalb trug das Gericht keine Bedenken, den Angeklagten nur wegen uner­laubter Entfernung zu verurteilen, und es erkannte mit Rücksicht auf die anständige Gesinnung, die ec gegen sein Mädchen gezeigt hat, trotz der langen Abwesenheit: auf die geringste zulässige Strafe von 43 Tage Gefängnis und er« klärte die Strafe verbüßt durch die Untersuchungshaft.

Fechenheim, 14. Okt. (Jubiläum.) Auf die 25jährige Teilhaberschaft in der Firma Leopold Cassclla L Co. hier, die in dieser Zeit eine großartige Entwicklung ge­nommen und sich einen hochgeachteten Ruf auf der ganzen Welt erworben hat, kann morgen Herr Dr. Arthur von Weinberg zurückblicken. In seiner bekannten, bescheidenen, allem Prunkvollen abgeneigten.Art begeht Herr Dr. v. Wein­berg diese Feier im engsten Kreise in seiner Wohnung in Frankfurt.

pt. Langendiebach, 15. Oktbr. (Kirchweihfest.) Sonntag den 18., Dienstag den 20. und Sonntag den 25. d. Mts. wird hier das Kirchweihfest in althergebrachter Weise stattfinden. Unser Ort wird an diesen Tagen von auswärts, insbesondere von der Nachbarschaft Hanau gern und zahlreich besucht. Wie immer, haben auch in diesem Jahre unsere Wirte alles aufgeboten, die zahlreichen Kirchweihgäste in jeder Beziehung zufriedenzustellcn. Auch die Einwohnerschaft hat sich gerüstet, liebe Verwandte, Freunde und Bekannte festlich zu bewirten. In zwei neu erbauten Sälen, die der Neuzeit entsprechend eingerichtet sind (zum Schwanen" undzur Stadt Hanau") werden auch alle Tanzlustigen bei gut be­setztem Orchester auf ihre Rechnung kommen. Nur gutes Wetter, dann sind wir der festen Ueberzeugung, daß alle Kerbgäste sich hier gut amüsieren werden. Noch sei bemerkt, daß die Kleinbahndirektion auch in diesem Jahre wieder Extrazügc einlegen wird. Hoffen wird, daß der so beliebte Extrazug am Dienstag abend, wie in früheren Jahren, auch in diesem Jahre wiederum eingelegt wird.»

Gerichtssaal.

Sitzung des Schöffengerichts Langenselbolds

vom 14. Oktober.

Der Spezereihändler Joh. V. zu Langenselbold und seine Frau waren angeklagt, schon seit dem Jahre 1899 fortgesetzt sich Brötchen zum Nachteile des Bäckers Ludwig Weidenbach angeeignet zu haben. Wie die Beweisaufnahme ergab, wurde den Angeklagten jeden Morgen ein mehr oder weniger großes Quantum Brötchen in einem großen Korbe durch die Aus­trägerinnen gebracht. Während die sonstigen Käufer sich die Brötck'en von den Letzteren vorzählen ließen, machten die Eheleute V. es anders. Sie nahmen den Korb hinter die Teke und zählten sich so, daß die Austrägerinnen es nicht sehen konnten, eine täglich verschiedene Zahl von Brötchen in einen Behälter. Dafür zahlten sie einen Geldbetrag, mit dem die Träger dann weiter gingen. Nahezu alle Trägeck machten die Wahrnehmung, daß sie auf dem Gange zu B. immer Verluste erlitten. Allein direkt einer Untreue zu be­zichtigen wagten sie ihn ebensowenig, wie ihr Auftraggeber der Bäcker Weidenbach. Schließlich, als die Verluste im Laufe der Jahre doch zu groß wurden und sein Dienst­personal, wenn es hieß, es sollten zu Völker Brötchen ge­tragen werden, zu streiken begann, da schritt er dazu, was er schon längst hätte tun sollen, zu einer genauen Probe. Am 24., 25. und 26. März dieses Jahres zählte er ein ge­naues Quantum Brötchen ab, schickte dies zu Völker und ließ von diesem wie üblich seinen Teil entnehmen, der wie immer sofort bezahlt wurde. Das zurückbchaltene Quantum zählte er dann von neuem. Und sie da! Das erste mal fehlten 9, den 2. Tag 13 und den letzten Tag 16 Brötchen. Nunmehr hob W. die Geschäftsverbindung auf und erstattete bei der Polizei Anzeige. Nach umfangreicher Beweisaufnahme hielt das Gericht heute die Angeklagten deS fortgesetzten Diebstahls für überführt und verurteilte den Ehemann V. zu 2 Wochen, seine Frau zu 1 Woche Gefängnis.Wegen unbefugten Ueberschreitens eines Kleefeldes wurde der Weiß­binder Friedrich H. von Langenselbold zu 1 Mk. evtl. 1 Tag Haft verurteilt. Von der Anklage der Unterschlagung wurde die Ehefrau des Albrecht B. aus Langenselbold freige« sprachen. Am 31. Mai d. Js. räumte sie ihr Haus, welches im Wege der Zwangsversteigerung in andere Hände über­gegangen war. Ihr Mann war zu der Zeit im Gefängnis. Sie hatte nun eine Anzahl Sachen mitgenommen, die nach Ansicht des neuen Hausbesitzers Bestandteile deS Hauses waren und bei diesem zu verbleiben hatten. Die Angeklagte lengnete nicht, diese Sachen, wie Ofen, GaSleuchter, Türen, diese ohne Gehänge, Schüsselbank, Dretterboden usw. mit« genommen zu haben, sie entschuldigte sich aber damit, daß sie gemeint habe, die Sachen gehörten ihr und sie dürfe das. Das Gericht schenkte ihr in der Beziehung Glauben und nahm an, daß die Wegnahme nicht in doloscr Absicht erfolgt sei. Freigesprochen wurde auch der Taglöhner Adam M. von Hüttengesäß. Er war beschuldigt, seine Ehefrau miß­handelt zu haben und zwar durch Schläge mit der Hand und einem Stocke. Die Frau nahm aber heute nicht'nur den gestellten Strafantrag zurück, sondern verweigerte auch ihr Zeugnis, sodaß der Anklage jeder Boden entzogen wurde. Die Verhandluna hatte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit