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General-Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«, mit belletristischer Beilage.
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Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Städtisches Wannen- und Brausebad. Barrgertstratze 2 (Eingang: Große Dechaneistraße).
Geöffnet für Männer:
Montag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag oon 8—12 Uhr vormittags und 2—8 Uhr nachmittags.
Sonntag von 8—12 Uhr vormittags.
Geöffnet für Frauen:
Dienstag und Freitag von 8—12 Uhr vormittags und 2—8 Uhr nachmittags.
Preise der Bäder:
Brausebad mit Wäsche 10 Pfg.,
Wannenbad mit Wäsche 25 Pfg.,
Wannenbad ohne Wäsche 20 Pfg.
Hanau dm 2, Januar 1908.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 357
Politische Rundschau.
Die Bambergerschen Vorschläge im Bundesrat. Die Bundesratsausschüsse für die Beratung der Reichsfinanzvorlage haben sich in der verflossenen Woche auch mit dem Entwurf betreffend Aenderungen der Erbrechts- bestlmmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zu beschäftigen gehabt. Diese Aenderungen sind insbesondere notwendig geworden durch die geplante Berücksichtigung der Bambergerschen Vorschläge, wonach testamentslose Hinterlassenschaften von einem gewissen Verwandtschaftsgrade ab dem Reichsfiskus anheimfallen sollen. Im allgemeinen haben die Ver- Yanolungen zu einer grundsätzlichen Einigung geführt, jedoch ist die Frage noch offen geblieben, von welchem Verwandtschaftsgrade ab das Erbrecht des Reichsfiskus beginnen soll, und ob für Testamente zugunsten von Verwandten, die mangels eines Testaments nach der Neuregelung des Erbrechts leer ausgehen würden, eine Steuer und in welchen Abstufungen diese Steuer erhoben werden soll. Auch bei diesem Entwurf handelt es sich übrigens erst um die erste Lesung in den Ausschüssen.
Zur Reichsfinanzreform. Die „Nordd. Allgem. Zeitung" schreibt zur Reichsfinanzreform: Die Erörterungen, die die Probleme der Reichsfinanzreform während der letzten Wochen in der Oeffentlichkeit gefunden haben, lassen in erfreulicher Weise erkennen, daß sich die Ueberzeugung immer mehr Bahn bricht, die Deckung des vorliegenden Bedarfs könne weder ausschließlich durch eine Besteuerung des Konsums, noch allein durch eine Besteuerung des Besitzes er-
Feuilleton.
Konzert des Gesangvereins „Eintracht".
— Hanau, 14. Oktober.
Gegründet im Jahre 1867, zählt der Gesangverein „Eintracht" nunmehr der Jahre einundvierzig. Er steht somit im kräftigen Mannesalter und wohlgerüstet behauptet er auch inmitten seiner Stammesbrüder seine von jeher festbegründete Stellung. Das hat auch sein gestriges Konzert wieder bezeugt, welches in der Centralhalle stattfand und eine Zuhörerschaft herbeigelockt hatte, die die Säle bis auf den letzten Platz füllte. Die Leistungsfähigkeit des konzertgebenden Vereins einerseits und dann wohl auch andererseits die Wahl der solistischen Kräfte mögen Veranlassung gegeben haben, die ganz besonders stark und wohltuend in die Erscheinung getretene Zugkraft ausznüben. Eine derartige Anteilnahme unseres kunstsinnigen Publikums ermuntert naturgemäß die nach möglichster Vervollkommnung strebenden Gesangvereine, auf dem eingeschlagencn Wege weiterzuschreiten, so daß noch manche schöne Darbietung zu erwarten sein wird.
Goldmarks „Frühlingsnetz", den Männerchören seit Jahren wohlbekannt, eröffnete das Konzert. Charakteristisch und interessant bearbeitet, bildet das Lied einen Prüfstein hoher Gesangskunst, namentlich hinsichtlich der Treffsicherheit und Sauberkeit der Stimmführung. Der Verein zeigte sich der schwierigen Aufgabe dieses Chores durchaus gewachsen und bewältigte siegreich die an schwierigen modulatorischen Wendungen reichen Stellen. Ebenfalls hinterließen die später gesungenen Chöre „Liebe" und „Zum Rundlanz' von Franz Schubert, „Im Grase taut's" von Max Spicker und „Werners Lied ans Welschland" von Johann Herbeck den besten Eindruck. Eine recht dankbare und wirkungsvolle.
Donnerstag den 15. Oktober
folgen, sondern sei nur durch Heranziehung beider Gruppen von Steuerquellen möglich. Auch über die Form der Heranziehung des Besitzes erscheint, wenn man von der äußersten Linken absieht, eine Klärung in der Richtung sich zu vollziehen, daß die Einkommensteuer von Rerchswegen außer Frage zu bleiben hat. So spitzen sich die Erörterungen über die Beteiligung des Besitzes neuerdings dahin zu, ob eine allgemeine Nachlaßsteuer oder eine alljährlich zu entrichtende Vermögenssteuer der gangbarere Weg sein wird. Dabei haben sich auch Zeitungen der mittleren und der rechten Parteien zugunsten der Reichsvermögenssteuer ausgesprochen, wobei sie dahingestellt sein lassen, ob das Reich die Steuer selbst erheben, oder nur gewisse Normen für die Erhebung durch die Bundesstaaten festsetzen, oder etwa die Erhebung von Zuschlägen zur Landesvermögenssteuer für Reichszwecke vorschreiben solle. Die verbündeten Regierungen haben wiederholt bestimmt darauf hingewiesen, daß die Vermögenssteuer und deren Ausbau für die Bedürfnisse der einzelnen Bundesstaaten unentbehrlich sei, und daß Eingriffe in die Art ihrer Veranlagung oder Erhebung von selten des Reiches mit der finanziellen Selbständigkeit der Bundesstaaten unvereinbar wären. Es liegt nicht der mindeste Grund zu der Annahme vor, daß irgend welche Veränderung dieses Standpunktes bei den Bundesregierungen eingetreten oder zu erwarten ist. Einigen der neuerlich beigebrachten Vorschläge scheint der Gedanke zugrunde zu liegen, daß die als Ersatz für die allgemeine Nachlaßsteuer gedachte Reichsvermögenssteuer unter Umständen von den Bundesstaaten nach eigenem Ermessen aufzubringen sei. Dies würde also auf eine Erhöhung der Matrikularbeiträge hinauskommen. Nun ist zuzugeben, daß eine Erhöhung der Matrikularbeiträge tatsächlich wie eine Belastung des Besitzes wirkt, und in mäßigen Grenzen mag eine solche Erhöhung noch möglich sein, daß aber ein so erheblicher Betrag, wie er zum Ersatz für die allgemeine Nachlaßsteuer, in ihrem ganzen Betrage oder auch nur zum wesentlichen Teile, erforderlich wäre, in der Form der Matrikularbeiträge auf die Schultern der Bundesstaaten gelegt werden könnte, ohne deren Leistungsfähigkeit zu überlasten, ist vollständig ausgeschlossen. Somit steht für die Heranziehung des Besitzes neben einer vielleicht noch möglichen mäßigen Erhöhung der Matrikularbeiträge bei der Neuregelung der Reichsfinanzreform eine andere Form als die allgemeine Nachlaßsteuer nicht zur Verfügung. Der Gedanke, fie ganz oder teilweise durch eine Vermögenssteuer zu ersetzen, hat keine Aussicht auf Erfolg.
Gewerbe und Beamtengehaltsausbesserung.
In den Kreisen des Gewerbes und der Industrie macht sich noch immer eine gewisse Abneigung gegen die Auf- dem ausführenden Vereine auch besonders wohlgelungene Nummer war Friedrich Hegars „Rudolph von Werdenberg", die sauber und geschmackvoll, wie aus einem Guß zum Vortrag gelangte. Zwei Volksweisen, das Koschat'sche Kärntner Volkslied „Verlassen" und das bayerische Volkslied „Mei Bua", bearbeitet von Fritz Baselt, zierten weiter das Programm, das dann mit einer sinnigen Ehrung Felix Mendelssohn-Bartholdys durch den Vortrag einer seiner Kompositionen, „Der Jäger Abschied", abschloß. Was Noblesse im Ton und Einheitlichkeit des Tonkörpers anlaugt, schloß das ganze eine schöne Summe gesanglichen Könnens in sich, wofür namentlich auch dem als tüchtigen und feinfühligen Musiker bekannten Dirigenten, Herrn Wilh. Hamburger, Anerkennung zu zollen ist.
Bei der Wahl der Solisten hatte die Konzertleitung einen glücklichen Griff gemacht. Wir erwähnen zunächst die Klaviervirtuosin Frau Maria Louise Bailey-Apfcl- b e ck aus Wien, die als eine der gefeiertsten Pianistinnen der Gegenwart zu bezeichnen ist und im Hanauer Konzert- saal durch ihr Auftreten im vorjährigen Konzert des Lehrer- Sängerchores schon bekannt geworden ist. Ihre Vortragsstücke im „Einlracht"-Kouzert bildeten die „Große Fantasie" von Rob. Schumann op. 17 in drei Sätzen, ein prächtiges Werk, sowie die Ballade in G-moll von Fr. Chopin. Wir haben ihren Darbietungen, ihrer ausgereiften Künstlerschaft schon früher rückhaltlos Anerkennung gezollt, die wir bei ihrem zweiten Auftreten dahier nur wiederholen können. Es war ein ungetrübter, hoher Kunstgenuß, den uns die geschätzte Pianistin bereitete, so daß der stürmische, enthusiastische Beifall, der den Darbietungen gezollt wurde, uns wohl begreiflich erschien. Die Künstlerin quittierte für die ihr gespendete Anerkennung mit einer Zugabe.
Weiter hatte der konzertgebende Verein als Solisten den Opernsänger Herrn Josef Baumgärtel aus Bremen gewonnen. Daß dem Auftreten des Solisten, der ein Kind unserer Stadt ist. großes Interesse entaeaenaebracht wurde,
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
besserung der Beamtengehälter bemerkbar, weil man dort bet Ansicht huldigt, daß für die Aufbringung der Mittel zur Gehaltsaufbesserung doch wieder Gewerbe und Industrie in Mitleidenschaft gezogen würde. Dabei beachtet man aber nicht, daß eine durch bessere Gehälter herbeigeführte bessere Lebensführung und eine erhöhte Kaufkraft der Beamten doch auch wieder dem Gewerbe und der Industrie zugute kommen. In dieser Beziehung find Aeußerungen von Bedeutung, die eine große industrielle Zeitschrift „Sächsische Industrie" in einem Aufsatz über die Neuregelung der Be- amtengehälter in Sachsen macht. Sie lauten:
„Mit sehr begreiflicher Aufmerksamkeit ist in den weitesten Kreisen die Regierungsvorlage über die Neuregelung der sächsischen Beamtengehälter ausgenommen worden, die dem Landtage zugegangen ist. Man kann der Vorlage das Lob nicht versagen, daß sie in großzügiger Weise ganze Arbeit leisten will auf einem Gebiete, das bisher stark vernachlässigt und auch durch allerhand Flickwerk von kleinen Reformen arg verwirrt war. Für Bcamtrnbesoldungen zahlt der sächsische Staat nach dem jetzigen Staatshaushaltsplane im Durchschnitt jährlich 63,88 Millionen Mark; diese Summe soll nach der neuen Vorlage auf 72,17 Millionen Mark erhöht werden. Der jährliche Mehraufwand soll also 8,30 Millionen Mark oder rund 13 v. H- der bisherigen Bezüge betragen. Dazu kommen aber noch 87 000 Mark für Beamte, di« nicht nach dem Dienstalter aufrücken, 321 000 Mark für Verfügungsgelder, 60 000 Mark für Hofbeamt« und Diener (die aus der Zivilliste besoldet werden), 700000 Mark für die Volksschullehrer, 500 000 Mark für die Geistlichen, 2 Millionen Mark für die Erhöhung der Pensionen und 1 Million Mar? für die Erhöhung der Arbeiterlöhne. Insgesamt ergibt sich, ohne Berücksichtigung des künftigen Anwachsens der Pensionslast, eine Mehrbelastung der Staatskasse um 13 Millionen Mark. Das ist ein Poften, der für einen Staatshaushalt wie den sächsischen von gewiß nicht geringer Bedeutung ist. Vergleichsweise sei bemerkt, daß der Gesamtertrag der sächsischen Einkommensteuer nach den letzten Ergebnissen sich auf 47,52 Millionen Mark jährlich beläuft. Also die Summe, die künftig vom Staat an Gehältern, Löhnen und Pensionen mehr als bisher bezahlt werden soll, beträgt rund weit über ein Viertel des gesamten Ertrages der Einkommensteuer. Daher erklärte die Regierung auch, daß sie das Fortbestehen des jetzigen, seit 1902 um 25 v. H. erhöhten Einkommensteuertarifes zur Voraussetzung der geplanten Gehaltserhöhungen mache. Jeder - sächsische Steuerzahler sieht sich also hier in unmittelbar« Führung mit der geplanten Erhöhung der Beamtengehälter gesetzt.
Das gilt nicht zum wenigsten von den Kreisen der Industrie und des Handels, die ja den weitaus größten Teil der darf wohl nicht Wunder nehmen. Er brachte das „Preislied" aus „Die Meistersinger von Nürnberg" und di« „Gralserzählung" aus „Lohengrin" zum Vortrag. Der Künstler, begabt mit einer volltönenden, doch weichen sympathischen Stimme, verstand es, sein Organ nach jeder Seit« hin, nutzbar zu machen, namentlich der Vortrag der „Gralserzählung" war ein Meisterstück, womit er sich die Herzen der Zuhörer im Sturm eroberte und nicht endeuwollenden Beifall einheimsen konnte. Eine Zugabe war auch hier die Quittung für den ihm gespendeten Applaus. Sein Auftreten in Hanau bildete somit einen durchschlagenden Erfolg. Die Begleitung am Klavier hatte Herr G. Altvater übernommen. Der Konzertflügel (Steinweg) stammte aus dem Lager des Hoflieferanten Herrn Aug. Kraushaar dahier.
Das Konzert des Gesangvereins „Eintracht" wird einen Markstein in den künstlerischen Darbietungen der Wintersaison bilden und Dirigent wie Chor können mit Genugtuung auf den Verlauf zurückblicken.
AlbumblLtter.
Efeu und ein zärtlich Gemür
Heftet sich an und grünt und blüht.
Kann es weder Stamm noch Mauer finden, Es muß verdorren, cs muß verschwinden. Goethe.
Auch in stiller Nächte Stunden
Hat sich manches Herz gefunden,
Und sich aus dem Lärm der Welt Einsam bei dir eingestellt. Lavater.
Kann auch der Sonne Kraft ein irrer Stern entwallen? Wie könnte denn ein Mensch aus Gottes Liebe fallen!
Rückert.