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Nr. 241

Fernsprechauschlutz Nr. 605.

Mittwoch den 14. Oktober

F-rnsprechanschlutz Nr. 605. 1908

Amtliches.

Eandkreis Ran au.

BekGtmWge« Ks Mißlichen SanbrafSamt^

Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung des Herrn Regierungs-Präsidenten zu Cassel vom 29. August d. Js., A II G 1180, in Nr. 220 desHanauer Anzeigers" vom 19. September d. Js. bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Geselleuprüfungsordnuug für Porteseuiller vom 15. I. M. ab 8 Wochen lang zur Einsichtnahme durch die Beteiligten im Bureau des Unterzeichneten (Kreishaus, Hainstraße Nr. 10 hierselbst) ausliegt.

Hanau den 12. Oktober 1908.

Der Königliche Landrat.

V 6915 v. Beckerath.

Stadtkreis Ranau.

Bekanntmachung.

Wahl des Stenerausschufses der Gewerbe­steuerklaffe III.

Zur Vornahme der Wahl von 7 Mitgliedern. und 7 Stellvertretern des Steuerausschusses der Gewerbesteuer­klaffe III habe ich Termin auf

Donnerstag den 22. Oktober d. Zs., nachmittags 4 Uhr, km unteren Rathaussaale angesctzt, zu welchem die betreffen­den Gewerbetreibenden hierdurch emgeladen werden.

Wählbar sind nur solche männlichen Mitglieder der jSse= werbesteuerklasse III, welche das 25. Lebensjahr vollendet haben und sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte be­finden. Don mehreren Inhabern eines Geschäfts ist nur einer wählbar und zur Ausübung der Wahl berechtigt. Aktien- und ähnliche Gesellschaften üben die Wahlbefugnisse durch einen von dein geschäftsführenden Vorstande zu be­zeichnenden Beauftragten aus; wählbar ist von den Mit­gliedern des geschästsführenden Vorstandes nur eins. Minder­jährige und Frauen können die Wahlbefugnisse durch Be­vollmächtigte ausüben, wählbar sind letztere nicht.

Wird die Wahl der Abgeordneten und Stellvertreter seitens der Steuergesellschaft verweigert oder nicht ordnungs­mäßig bewirkt, oder verweigern die Gewählten die ordnungs­mäßige Mitwirkung, so gehen die dem Steucrausschusse zu­stehenden Befugnisse für das nächste Jahr auf mich über. Die Wahl erfolgt mittelst Abgabe von Stimmzetteln, bei

Feuilleton.

Lister Abonncmntskmizcrt der Fristsurter SnmmtrwifttotrttnigiiHg.

= Hanau, 13. Oktober.

Die Frankfurter Kammermusikvereinigung (Hock, Dippel, A l l e k o t t e und A p p u n n) eröffnete mit ihrem gestrigen 1. Abonnementskonzert die Reihe ihrer Kammermusikabende, welche bereits seit einer Anzahl von Jahren aufs beste hier kingeführt und zu beliebten Er­scheinungen geworden sind in unserem heimischen Musik­leben. Entgegen der seitherigen Gepflogenheit, die fraglichen Konzerte mit ihrem intimen Charakter in dem diskret abge­schlossenen einen Saal der Centralhalle zu veranstalten, sand der gestrige Kammermusikabend in dem weiten Raum des Concordiasaales statt. Wir wissen nicht, ob dieser Lokal- wechsel zu einer dauernden Einrichtung werden soll und wollen deshalb für heute unsere Ansicht über die Vorteile oder Nachteile bezüglich der Klangerscheinungen zurückstellen. Dagegen wollen wir sogleich und gerne konstatieren, daß dieFr a n k f u r t e r Kam m e r m u s i k v e r e i n i g u ng" ihre" alte Spann- und Zugkraft wieder mitgebracht hat zur Freude und zum Entzücken ihrer Zuhörerschar, welche die Künstler bei ihrem Auftreten in herzlicher Weise durch einen warmen Applaus begrüßte.

Zur Mitwirkung in dem gestrigen Konzert war die Sopranistin Frl. Henriette Schneider- Frankfurt gewonnen worden. Frl. Schneider besitzt eine umfang­eiche, gut tönende Sopranstimme mit mezzosopranartigem r imbre. Die liefere Brustlage wirkte besonders schön, ^ährend zum Teil die Kopstöne etwas durch eine allzu große w undspannung beeinflußt wurden, deren Beseitigung der

Uebereinstimmung aller Wähler ist die Wahl durch Akkla­mation gestattet.

Hanau den 8. Oktober 1908.

Der Vorsitzende der Gewerbesteuer-Ausschüsse III u. IV für den Stadtkreis Hanau.

J. V.: Bode. 20579

PoMiMe Rundschau.

Mr eine Reichsvermögeussteuer an Stelle der Nachlaßsteuer spricht sich jetzt auch dieKreuzztg." namens der Konservativen aus.

Die Herzogin-Mutter von Anhalt ist gestern nacht 2 Uhr im 70. Lebensjahr in Berchtesgaden gestorben.

Bet den Wahlen zum anhallischen Landtage wurden gewählt: II Nationalliberale, 6 Freisinnige und 1 Sozialdemokrat, sowie 6 Abgeordnete von unbestimmter Parteistellung.

Wahlen in Oldenburg. Gestern fanden im ganzen Großherzogtum die Wahlen zum Landtage statt und zwar das letzte Mal vor der Einführung des allgemeinen Wahl­rechts. Es wurden 44 Abgeordnete gewählt, gegen 40 im Jahre 1905. Die Führer der Liberalen, Reichstagsabgeord­neter Ahlhorn und Bürgermeister Koch-Delmenhorst, wurden wiedergewählt. Im übrigen wahrten die Liberalen und die Sozialdemokraten den Besitzstand. Unter den Gewählten befinden sich auch der ehemalige Reichstagsabgeordnete Julius Müller-Nutzborn und der Gutsbesitzer v. Levetzow- Sielbock.

Die Krisis im Orient.

Belgrav, 13. Okt. Der außerordentliche Kredit von 16 Millionen Dinars, den der Kriegsminister von bet Skupschtina verlangte, wird zur Ergänzung der Heeresaus­rüstung und der Verpflegungsvorräte, sowie zum Ankauf von Gewehrläufen und von 50 Millionen Gewehrpatronen verwendet werden.

Samouprava" veröffentlicht eine Rede, die Minister­präsident Paschitsch in einer Konferenz der Abgeordneten am 9. Oktober gehalten hat. Paschitsch führte in dieser aus, daß in der kritischen Lage, in die Serbien durch die brutale Ver­letzung des Berliner Vertrages, namentlich durch die Annexion Bosniens gebracht sei, seine Partei es als die erste Pflicht ansehe, die Regierung zu unterstützen und die Parteizwistig­keiten zu beseitigen.

Die zu den Manövern einberufenen Reservisten sind ent­lassen und durch neue Reservisten ersetzt worden die zum 6. Oktober einberufen worden sind.

Sofia, 13. Okt. Den militärischen Kreisen ist aus Philippopel die Nachricht zugekommen, daß das dortige Munitionsdepot vorgestern von mehreren Personen überfallen

talentvollen Sängerin zum Vorteil gereichen wird. Im Uebrigen ist der Sängerin viel Veranlagung zu dramalisch gestaltetem Vortrag zuzugestehen, welcher insbesondere bei dem Brahms'schenF e i n s l i e b ch e n" und bei der Beethoven'schen Konzert-ArieA h! perfido!1, sich bemerkbar machte und dort oftmals sehr wirkungsvoll in die Erscheinung trat. Jedenfalls hat Frl. Schneider einen guten und ausgiebigen Fonds zu einer hoffnungsvollen Bühnensängerin.

Die Kammermusikvereinigung selbst war mit einem Streichquartett von Hugo Kaun (op. 40) und dem 0-âur-Streichquintett op. 29 von L. van Beethoven vertreten. Bei letzterem war die zweite Viola durch Herrn Gotthold Graf vorteilhaft besetzt worden.

Das Kau rusche Quartett gehört was vor allem aus dem ersten Satz ersichtlich ist zumModernen", und dürfte schon aus diesem einen Grunde manchem Gegner in den Reihen der Kammermusikfreunde alter Richtung auf- gestoßen sein. Es ist nun aber auch wirklich nicht leicht, sich mit der Kann'sDn Muse des vorgestrigen Genres zu befreunden. Noch schwerer freilich ist e§ ohne Frage, ein Kammermusikwerk wie das in Frage stehende zu spielen. Die reiche, massig? Kontrapunktik, die instrumental-technischen Schwierigkeiten und die neu erdachten, ausgetüftelten und ungewöhnlichen rhythmischen Schwierigkeiten auszuführen und dies alles zu gleicher Zeit in die Form eines abgetönten und viel schattierten Ensembles zu gießen, das erfordert von den Ausführenden allesamt eine weit vorgeschrittene, ge­reifte Künstlerschaft. Die Herren derFrankfurter Kammer- musikvcreinigung" sind in dem glücklichen Besitze einer solchen, und dadurch kommen wir, die Zuhörer, in die angenehme Lage, auch Modernes aus beut Gebiete der Kammermusik zu vernehmen, auf eine solche Art und Weise, welche mindestens doch ein mehr oder minder großes Interesse erregen und g e i st bildend wirken muß, wenn I auch für das Gemüt manchmal blitzwenig übrig bleibt. Tiefer­

wurde, von denen einige verhaftet wurden und angaben, Mohammedaner aus Bulgarien zu sein.

Cettiuje, 13. Okt. Die Skupschtina nahm einstimmig ein Vertrauensvotum für die Regierung an, in dem sie dieser volle Bewegungsfreiheit für die Verteidigung der Ehre Mon­tenegros und die Interessen der serbischen Sache läßt.

Konstantinopel, 13. Okt. (Wien. Korr.-Bureau.) Der Minister des Auswärtigen sagte in einem von der Zeitung La Turquie" veröffentlichen Interview; die Botschafter der Schutzmächte Kretas hätten ihm erklärt, daß die Mächte den Anschluß Kretas an Griechenland nicht gestatten würden. Die meisten türkischen Blätter enthalten dagegen nur die Mitteilung, daß von Seiten Rußlands eine solche Erklärung erfolgt sei.

Konstantinopel, 13. Okt. Die heutigen türkischen Blätter heben mit großer Befriedigung die türkenfreundlich« Haltung aller Mächte hervor. ^Jent Gazetta" weist beson­ders auf die Haltung Deutschlands hin. Das Organ des jungtürkischen KomiteesSchur Aummet" sagt, die Türkei könne die Oeffnung der Meerengen niemals gestatten, weil dann die russische Flotte eine beständige Gefahr für daS Ottomanentum bilden würde.

Lonvon, 13. Oktbr. Reuter erfährt, daß die Konferenzen, die Minister Iswolski im Auswärtigen Amte hatte, vorzüg­lich die Frage, wie man der Türkei eine ausreichende Kom­pensation verschaffen und wie man die Mittel finden könne, um das Vorgehen Oesterreich-Ungarns zu einem rechtmäßiger, zu gestalten, zum Gegenstände hatten. Dies Vorgehen müsse, soviel feststehe, als eine vollendete Tatsache angesehen werden. Der einzig praktische Weg sei, der Türkei eine Kompensation zu sichern. Sie scheine darin zu bestehen, daß man der Kompensation einen finanziellen Charakter gebe. Es sei nicht unmöglich, daß die Kompensation die Form einer garantierten türkischen Anleihe annehme. Man habe Grund anzunehmen, Italien und Deutschland würden sich den Ge­sichtspunkten Englands, Rußlands und Frankreichs bezüg­lich der Notwendigkeit einer Konferenz anschließen. GreyS Anschauungen über den Umfang der Konferenz hätten sich allmählich geändett. Zuerst habe er gewünscht, ihn auf di« Bosnien und Bulgarien angehenden Fragen zu beschränken, Seit sich jedoch die Lage durch, die Erklärung Kretas und die Situation in Serbien geändert hätte, habe man Grund zu der Annahme, daß Grey anerkenne, die Mäßigung Griechenlands und die Klugheit der serbischen Regierung gäben ihnen ein Recht darauf, daß man ihre Ansprüche in Erwägung ziehe. Infolgedessen bestehe er nicht länger auf die früheren Beschränkungen bezüglich der Unterhandlungen auf der Konferenz, obgleich er an dem Grundsatz sesthalte, daß die Konferenz den gesetzlichen und bindenden Charakter internationaler Verträge nachdrücklich betonen solle.

Der Konferenz-Plan und Die Kompensationen für vie Türkei.

Sofia, 13. Oktbr. Die der Regierung nahestehenden Blätter führen heute zur Frage der projektierten europäischen Konferenz und der angeregten Geldentschädigung Bulgariens

gehender in dieser Beziehung ist der zweite Satz, ein sinfonisch gearbeiteter Trauermarsch. Der dritte Satz dagegen weist bis vor seinem Schluß wieder die kompositorischen Eigenarten des ersten Satzes auf, geht aber dann vorteilhaft in eine weihevolle Stimmung über und haucht sich in einem seelm« vollen Gesang aus, welcher in seiner durch Verwendung von Dämpfern erzeugten eigenartigen Klangwirkung seinen Eindruck nicht verfehlte. Ueber den Aufbau und, dir Wirkung des Beethoven 'schen Quintetts etwas zu reden, erübrigt sich von selbst! Es wirkt heutzutage immer noch ivie eine Erlösung auf den Hörer, wenn sich die Klänge eines Beethoven-, Mozart- oder Haydnsatzes entfalten! Welchem von den vier Sätzen des Quintetts der Preis zuer­kannt werden muß, läßt sich bezüglich der Ausführung am vorgestrigen Abend schwer sagen. Der Stimmungsgehalt und der ganze musikalische Reichtum des prächtigen Beethoven- schen Werkes wurde Zug um Zug erschöpft und gehoben. Der Zuhörer fühlt sich in eine andere Welt versetzt. Die wunderbare Tonreinheit im Spiel der Konzertgeber ließ die langgezogenen Noten noch bei ihrer Ucbersetzung in lebendige Klänge wie magische, schneeweiße, fesselnde Silber­streifen erscheinen, sie blieb aber auch den kleinsten Bruch­teilen der Tonzeichen nicht das geringste schuldig.

So gestaltete sich der erste Kammermufikabend derFrank­furter Quartetlvereinigung" wieder zu einem erstklassigen Konzert, in welchem den Zuhörern ein ganz hervorragender, Herz und Geist erhebender Kunstgenuß vermittelt wurde.

Albumblâtter.

Soll das Leben dir gelingen,

Nimm's als Spiel, ob's weint, ob's lacht;

Spielend mußt du'â niederzwingen, Sonst es dich zum Spielzeug macht.

I Gerhardt von Auryntor.