«Jährlich 1,80 Mk„ monatlich 60 Pfg., für m* »âüig« aiemtatlet mit bem b«r«ß«dn! Psstauffchi«».
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Gencral-Auzciger
Amtliches Sezs» für Mt- uni Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertag«, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 240 F-rnsprechanschlutz Nr. 605.
Dienstag den 13. Oktober
Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1908
Amtliches.
Stadtkreis Ran au« Steuererhebung.
Mit dem 14. d. Mts. beginnt die Erhebung oer Steuern rc. für das 3. Vierteljahr 1908 (Oktober/Dezember).
Erhebetage:
Zettel Nr. 1-3500 am 14., 16., 19. u. 21.
Oktober 1908,
Zettel Nr. 3501—7000 am 23., 26. 28. und 30. Oktober 1908,
Zettel von Nr. 7001 ab am 2., 4., 6., 9., 11. und 13. November 1908.
Zur Erleichterung des Geldverkehrs werden Schecks, welche auf die Reichsbank, auf eines der hiesigen Bankhäuser oder dem Hanauer Kreditverein bezogen sind, in Zahlung genommen.
Einzahlungen durch die Post sind zulässig, in welchem Falle die Hebebuchnummer anzu- geben ist; Porto und Bestellgeld hat der Einzahler zu tragen.
Die städt. Steuerkasie ist für Einzahlungen nur Montags, Mittwochs und Freitags vormittags und zwar bis 1. Novbr von 8—121/» Uhr und vom 1. Novbr. ab von S1^ bis 121/» Uhr geöffnet.
Hanau den 12. Oktober 1908.
________Stadtkaffe. _________20549
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 goldene Damenuhr, 1 rotes Portemonnaie mit 2 Mk.
Verloren: 1 Armband von russischen Münzen, 1 goldner Damengürtel (indischer) mit zisilierter silberner Schnalle mit Goldblättchen, 1 weißer Elfenbeinfächer mit durchzogenem blauen Band, 1 Halskette mit Anhänger, 1 Brosche mit kleinem Brillant.
Abhanden gekommen: 1 runder Mülleimer lgez. K. F.)
Hanau den 13. Oktober 1908.
Die Krisis im Orient.
Der Beschlich der Skupschtina.
Belgrad, 12. Oft. Der von der Skupschtina heute .n öffentlicher Sitzung einstimmig gefaßte Beschluß lautet: „Schmerzlich berührt von dem großen Unrecht, das Serbien und dem serbischen Volke durch den Bruch eines internationalen Vertrages ohne Einverständnis des daran interessierten Volkes von einer Seite geschehen ist, die diesen Vertrag unterzeichnet hat und sein Beschützer sein sollte, sowie tief überzeugt von der Größe der die ganze serbische Rasse bedrohenden Gefahr, die einen für ihre Unabhängigkeit und ihren Bestand sehr bedenklichen Präzedenzfall schafft, in ihrer Ergebenheit für die Interessen des allgemeinen Friedens und der Rechtlichkeit hierdurch bis ins innerste beunruhigt unb fest entschlossen, zu tun, was nötig ist, um in der durch Gewalt geschaffenen Krise der Ereignisse die Interessen Serbiens und seiner Landsleute zu sichern, spricht die Skupschtina, nachdem sie von den Erklärungen der Regierung und den Maßnahmen, die diese in dieser Sache zu ergreifen gedenkt, Kenntnis genommen hat, der Regierung einstimmig ihr Vertrauen aus und erwartet von ihr, daß sie die bedrohten serbischen Interessen in energischster Weise verteidigt. Zu diesem Zwecke stellt die Skup- schlina der Regierung einmütig die ganze einige Kraft des serbischen Volkes zur Verfügung."
Die Konferenz.
London, 12. Oft. Wie das Reutersche Bureau erfährt, schließen die Besprechungen zwischen den Ministern Grey und Iswolski mit der heute im Auswärtigen Amte staltgehabten zweiten Konferenz noch nicht ab. Da die Verhandlungen noch im Fortgange begriffen sind, wird in amtlichen Kreisen über die Besprechungen Stillschweigen beobachtet. Das Reutersche Bureau ist in der Lage, zunächst festzustellen, daß kein Grund zu der Vermutung besteht, daß irgend eine Erweiterung des englischen und russischen Uebereinkommens diskutiert werde, und ferner, daß die Verhandlungen zwischen Grey und Iswolski sich ausschließlich mit der Lage im nahen Osten befassen. Ebenso kann mit Bestimmtheit aufs neue festgestellt werden, daß beide Minister für die Notwendigkeit einer Orientkonferenz eintreten und daß die hiesigen Besprechungen im Auswärtigen Amte, die den dem gleichen
Gegenstände gewidmeten Verhandlungen zwischen Frankreich und Rußland folgen, einige Schwierigkeiten, die sich im Wege befunden hatten, beseitigt haben. Es wird nun als wahrscheinlich angesehen, daß die letzten Ereigniffe im nahen Osten es nötig machen werden, den Kreis der auf der Konferenz zur Erörterung gelangenden Fragen zu erweitern. Von feiten der Mächte sind in Konstantinopel gemeinsame Erklärungen abgegeben worden, in denen in aller Form aufs neue der Grundsatz vertreten wird, daß keine Abänderung eines Vertrages ohne die Zustimmung der Vertragsparteien gestattet werden kann.
Konstantinopel, 12. Ost. Nach Meldungen türkischer Blätter stimmten Rußland, England, Frankreich und Italien der beabsichtigten Abhaltung einer Orient • Konferenz offiziell bei.
Weitere Erklärungen Aehrenthals.
Budapest, 12. Okt. Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten der ungarischen Delegation begann heute die Debatte über das Budget des Auswärtigen. Im Anschluß an sein Exposs erklärte der Minister des Auswärtigen Frhr. D. Aehrenthal: Bei den vor kurzem getroffenen wichtigen Entschließungen handelte es sich im wesentlichen um eine Fortsetzung der vor 30 Jahren vom Grafen Andraffy in neue Bahnen gelenkten äußeren Politik Oesterreich-UngarnS. Andrassys Absicht war damals nicht auf Ländererwerb gerichtet, sondern er fand es für notwendig, gewifle nach dem Kriege von 1877/78 an der südöstlichen Grenze der Monarchie unbedingt notwendige Schutzmaßregeln vorzunehmen. Die Politik Andrassys hat gezeigt, daß er hierin von staatsmännischer Voraussicht geleitet war. Dreißig Jahre haben die von ihm durchgeführten Schutzmaßregeln vorgehalten; seither hat sich in- und außerhalb Bosniens manches geändert. Es zeigte sich immer mehr, daß eine neue Bestätigung des MachtgedankenS notwendig war, der vor dreißig Jahren von Andraffy bezüglich Bosniens verwirklicht worden war. Es war notwendig, diese Bestätigung jetzt herbeizuführen, und zwar aus Gründen der Staatsraison. Auch die jetzt vollzogene Angliederung Bosniens erfolgte gewiß nicht zum Zwecke eines neuen Ländererwerbs, sondern um einen Zustand zu konsolidieren, der schon seit 30 Jahren besteht. Die Angliederung erfolgte wesennich aus der Notwendigkeit, Bosnien und der Herzegowina eine Verfaffung zu geben. Sie war aber auch notwendig im Interesse der äußeren Politik Oesterreich-Ungarns. Wir wollen unbedingt an dem Grundsatz der Nichtintervention festhalten, wir wollen gründlich aufräumen mit der Legende, daß wir neuen Ländererwerb über unseren jetzigen Besitz hinaus anstreben. Wir wünschen der neuen Aera in der Türkei Gedeihen. Wir rechnen zuversichtlich darauf, daß unsere Schritte in Konstantinopel in diesem Sinne aufgefaßt werden. UnS schwebt der Gedanke und der lebhafte Wunsch vor, daß durch die Beseitigung unklarer Positionen zwischen uns und der Türkei einem künftigen freundschaftlichem Verhältnis die Wege geebnet werden, und daß die freundschaftlichen Beziehungen gefestigt werden. Die Nachrichten auS Konstantinopel sind nicht ungünstig; sie berechtigen uns zu der Annahme, daß unsere Absichten so aufgefaßt werden, wie wir es beabsichtigen und wie sich dort die richtige Auslegung wahrnehmbar macht. In der Türkei und auch anderswo wird man sich der Tatsache nicht verschließen können, daß wenn überhaupt infolge unserer Aktion von einer Machtverschiebung die Rede sein kann, diese durch unsere Zurückziehung aus dem Sandschak zu Gunsten der Türkei erfolgte. In politischer Beziehung ist dies gewiß ein Fortschritt im Vergleich zu dem Zustande im Jahre 1870. Andererseits wird aber in Konstantinopel zweifellos gewürdigt werden, daß der Türkei unsere für sie wichtige Freundschaft erhalten bleibt. Bon gewissen Seiten werde immer noch eine ungünstige und übelwollende Beurteilung unserer Aktion laut; dieser Tendenz müsse er (der Minister) laut und bestimmt entgegentreten. Es handle sich bei der österreichisch-ungarischen Aktion um eine selbstverständliche Rechtsentwicklung.
Der Minister verwies sodann auf den Passus, den der deutsche Völkerrechtslehrer Bluntschli im Jahre 1880, zwei Jahre nach dem Berliner Kongreß, über das Verhältnis Bosniens zu Oesterreich-Ungarn niederschrieb. „Formell" heißt es in diesem Essay, „ist die Oberherrlichkeit des Sultans nicht beseitigt, sachlich ist die Hoheit des österreichischen Kaisers erkannt und durchgeführt. Es ist das ein Widerspruch zwischen Form und Wesen der Staats- und Rechtsordnung". Was Blutschli vor 28 Jahren ausgesprochen hat, ist eben eingetreten, denn man kann gegenüber der Türkei nur von einem förmlichen, nicht von einem materiellen Verlust sprechen. Wir haben aber gleichzeitig der Türkei wertvolle Rechte zurückgegeben. Der Minister wies auf die Bestimmungen der Artikel 25 und 29, insbesondere auf die Bestimmungen, welche sich auf das erworbene Recht beziehen, Garnisonen' in Sandschak Nowibazar zu unterhalten. Diese Bestimmungen sind entschieden aufzufassen „comme itne mefure de politique europèenne". Im Jahre 1870 war diese Maßregel gewiß notwendig, sie hat aber, wie alle polizeilichen 'Maßnahmen, einen unangehmen Beigeschmack. Um in dieser Beziehung Wandel zu schaffen, in anderen Zeiten
und gegenüber anderen Ländern, hat Oesterreich-Ungarn nicht nur zur Wahrung seiner Interessen, sondern zumeist zur Wahrung der Interessen frembet Nationen, das Ueber» wachungsrecht und .den Ueberwachungkdienst übernommen. Oesterreich-Ungarn hat mit dieser Politik seinerzeit keine guten Erfahrungen gemacht. In btr ungarischen öffentlichen Meinung war stets die Politik populär, die sich für die selbständige Entwicklung der Balkanvölker aussprach. Die jetzt getröffenene Entschließung, namentlich hinsichtlich der Räumung deS Sandschaks und der Aenderung gewiss« Rechte aus Artikel 29, stimmt mit jener Politik, die in Ungarn stets Anklang gefunden hat, vollkommen überein. Er (der Minister) sehe deshalb mit vollem Vertrauen der Diskussion über sein Exposâ entgegen. (Lebhafter Beifall.)
Die Debatte.
Der Berichterstatter Graf Thoroczkay legte die Notwendigkeit der Annexion dar, die auch dadurch geboten sei, daß sich unter den Nachbarstaaten einer befand, der, gestützt aus die ungeregelten internationalen Verhältnisse Bosniens, bemüht war, dort seine „Bomben zu legen", um sie zu gehöriger Zeit zur Explosion zu bringen. Der Redner erklärt, ferner, er lege das größte Gewicht auf die Erhaltung bet besten Beziehungen zur Türkei. Der Redner fragte dann, ob die Mächte vorher Kenntnis von der Annexion gehabt hätten, ob die Nachrichten von der Einberufung einer internationalen Konferenz der Wahrheit entsprächen und welchen Standpunkt der Minister bezüglich der Sandschakbahn einnähme. Der Referent betonte schließlich, daß er ein Freund der selbständigen und freien Entwicklung der Balkanstaaten sei, solange sie nicht aggressiv gegen Oesterreich-Ungarn aufträten. Man müsse Serbien zu verstehen geben, daß Oesterreich-Ungarn seiner Entwickelung vollkommenes Wohlwollen entgegenbringe, aber nur so lange, als es dessen würdig sei.
Auf Anregung des Präsidenten Szell wurde die staatsrechtliche Seite- der Annexion als nicht zur Kompetenz der Delegation gehörig aus der Debatte ausgeschaltet. — Das Mitglied der Delegation, Saghy, sprach seine entschieden, Billigung der selbstbewußten Politik deS Ministers des Aeußern aus, welche man seit der Zeit Andrassys des Ael- teren vermißt habe. Die Türkei werde hoffentlich die vollzogene Tatsache ruhig hinnehmen. Jeffehute hielt die Be- Zeichnung „Annexion" vom politischen und juristischen Standpunkte aus für nicht glücklich gewählt. Der Redner erklärte aber, von der Annexion als von einer vollzogenen Tatsache Kenntnis zu nehmen. Der Kroate Zabies erklärte, der Monarch besäße nur als kroatischer König einen Rechtstitel auf Bosnien. — Nachdem der Minister deS Auswärtigen die Vorfragen des Referenten beantwortet und die Antworten als vertraulich bezeichnet hatte, sagte der Präsident, bei Ausschuß erkläre sich mit Befriedigung und Vertrauen mit der Politik des Ministers des Aeußeren und mit dem Expose deS Ministers einverstanden und nehme einstimmig und mit Befriedigung bie mitgeteilten Tatsachen zur Kenntnis. — Der Voranschlag deS Ministeriums der Aeußern wurde daraus angenommen.
Kurzer Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirt- schaftsrats vom 6. Septbr. bis 12. Oktbr. 1908. _ Je nach Auffassung der politischen Situation war die Stimmung auf den Getreidemärkten bald fest, bald wieder ruhiger, doch hielt sich die Unternehmungslust in Anbetracht der bestehenden Unsicherheit in engen Grenzen. Eine Stütze fand die zeitweise festere Tendenz in niedrigeren amerikanischen Ernteziffern, die auf ein allmähliches Nachlassen der immer noch starken Farmer-Anlieferungen hinzudeuten scheinen. Auch für Rußland lagen sehr niedrige Enttesckâtzungen vor. Dazu kommt noch, daß sich infolge andauernder Trockenheit vielfach Schwierigkeiten bei der Herbstbestellung ergeben, die in Amerika eine Verminderung der Anbaufläche nach sich ziehen dürften. Auch in Deutschland vollziehen sich die Herbst- arbeiten auf den Feldern unter dem Mangel an Niederschlägen, der auch das Auflaufen der jungen Saat behindert, sehr mühevoll und zeitraubend. Auf den Umfang des landwirtschaftlichen Angebots blieben diese Verhältnisse begreiflicherweise nicht ohne Einfluß, doch macht sich dieser Umstand angesichts der gegenwärtigen Stockung im Ausfuhrgeschäft und bei unbefriedigender Nachfrage des Inlandes kaum besonders bemerkbar. Auf den Provinzmärkten sind größere Preisverändcruttgen infolgedessen nicht eingetreten. Für die auf dem Lieferungsmarkte erzielten Gewinne von 2—3 Mk. waren einerseits politische Erwägungen maßgebend, andererseits wirkten die Zahlen der deutschen Ausfuhrstatistik an- regend. Auf ruhigere Nachrichten über die politische Lage ging die Besserung zum Schluß wieder verloren. Hafer ist vom In lande knapp und zu Preisen angeboten, die im Kon- fum nur schwer durchzusetzen sind, so daß die Umsätze in diesem Artikel auch diesmal keinen größeren Umfang erreichen konnten. Stärkeres Angebot, dessen Pruse aber nach bier