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General-Anzeiger
M'chts Organ für SW- ssS FMreis Sm«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mü belletristischer Beilage.
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Nr. 239 F-rnsprechairschlich Nr. 605.
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Montag den 12. Oktober
Ferrrsprechanschlutz Nr. 605. 190 8
Amtliches.
Handelsregister.
Firma Schenck & Co. in Hanau.
Die Prokura der Redakteurs Hugo Schenck in Hanau ist erloschen.
Eintrag des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 9. Oktober 1908. 20407
Handelsregister.
Firma Gebrüder Kreis.
Das bisher unter dieser Firma von dem Buchbinder Friedrich Kreis in Hanau betriebene Handelsgeschäft ist auf dessen Ehefrau Charlotte geborene
Wenzel in Hanau übergegangen, welche das Geschäft unter unveränderter Firma als Einzelkaufmann zu Hanau fortführt.
Dem Buchbinder Friedrich Kreis in Hanau ist von der Erwerberin Prokura erteilt.
Der Uebergang der in dem Betriebe des Geschäfts begründeten Forderungen und Verbindlichkeiten ist bei dem Erwerbe des Geschäfts durch die Ehefrau Kreis ausgeschlossen.
Eintrag des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 7. Oktober 1908. 20409
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Landwirts und Milchhändlers Karl Zeh von Kilianstädten ist
zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögensstücke der Schlußtermin auf
den 30. Oktober 1908, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hierselbst bestimmt.
Windecken den 7. Oktober 1908.
Jacobi, 20431
Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts.
Gefunden:
1 Kistchen Kochzucker und 1 Schachtel Zuckerwaren. Niederdorfelden am 10. Oktober 1908.
Bürgermeisteramt. 20489
Urhuckrtfeier der Wetteramslhell WM ßr die gesamte Nckrkmk in Htm.
— Hanau, 11. Oktbr. Hundert Jahre, eine lange Zeit, eine wechselreiche Zeit, insbesondere die letzten hundert Jahre, eine Zeit, in der vieles gekommen, vieles gegangen, viel Neues erschienen, viel Altes verschwunden ist. Doch durch alle Wirrnisse der wechselvollen Ereignisse, durch allen Wandel der Verhältnisse hindurch hat die Wetterauische Gesellschaft ihre Existenz behauptet, eine segenbringende, fruchtbare Wirksamkeit entfaltet. In schwerer Zeit gegründet, in einer Zeit, in der die Verhältnisse in jeder Beziehung wenig geeignet für rein geistige Unternehmungen waren, in der Krieg im Lande wütete, die Heimat in den Händen der Fremdlinge war, hat sie sich, gestützt durch tatkräftige Männer, willensstarker Geisteshelden, emporgearbeitet zu einer bedeutsamen wissenschaftlichen Korporation, die höchstes Ansehen genoß im ganzen deutschen Vaterlande und noch weit über dessen Grenzen hinaus. Die berühmtesten Männer der Naturwissenschaft gehörten der Gesellschaft an, stellten ihre Kräfte in ihren Dienst und trugen zu ihrer Blüte, zu ihrem schönen Aufschwung bei, dessen sich die Gesellschaft jahrzehntelang erfreute. Mißliche Verhältnisse und drückende Drangsale blieben natürlich auch ihr nicht erspart, doch konnten diese ihr Aufblühen wohl unterbrechen, nicht aber unterdrücken und mit Freude und Genugtuung können die Angehörigen und Freunde der Wetterauischen Gesellschaft nun zurückblicken auf das hundertjährige Wirken der Gesellschaft, auf das, was sie geleistet und geschaffen in der Erforschung der Natur, in der Verbreitung naturwissenschaftlicher Bildung in weiten Bevölkerungsschichten. — Heute, Sonntag den Ur Oktober, wurde das hundertjährige Bestehen der Wetterauischen Gesellschaft in würdiger Weise festlich begangen. Zunächst fand vormittags 11 Uhr im Saale des Stadtschlosses eine
akademische Ueier
statt, dix Mitglieder, Gönner und Freunde in großer Zahl zusammengeführt hatte. Sowohl der Herr Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau als der Herr Regierungspräsident in Cassel hatten Vertreter entsandt, ebenso waren die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden in Hanauerschienen. Von auswärtigen naturwisscnschaftl.Vereiuen hatten Vertreter entsandt der Naturwissenschaftliche Verein in Aschaffenburg, der Naturhistorische Verein des preußischen Rheinlands und Westfalens in Bonn, der Verein für Naturkunde in Cassel, die Seuckenbergische naturforschende Gesellschaft in Frankfurt, der Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung in Frankfurt, der ärztliche Verein in Frankfurt, die Rheinische Naturwissenschaft liche Gesellschaft in Mainz, der Verein für Naturkunde Offenbach, der Naturwissenschaftliche Verein in Schweinfurt, der Nassauische Verein für Naturkunde in Wiesbaden, die obcrhes- sische Gesellschaft für Natur-und Heilkunde in Gießen. Die Feier nahm ihren Anfang mit einer von dem Vorsitzenden der Wetterau ischen Gesellschaft Herrn Sanitätsrat Dr. L u c a n u s gehaltenen
Begrüstimgsansprache,
die wir nachstehend im Wortlaute folgen lassen: Hochansehnliche Festversammlung, Hochgeehrte Damen und Herren!
Hundert Jahre waren in diesem Sommer vergangen seit dem Tage, als in Hanau eine kleine Schar von Männern, erfüllt von Begeisterung für die Erforschung der Statur, zu gemeinsamer Arbeit zusammentrat. Getrieben von der Erkenntnis, daß zur Erreichung höherer Ziele nur ein Zusammenwirken vieler führen könne, von denen jeder auf seinem Gebiete sich bemühte Tüchtiges zu leisten, richteten sie an die Naturforscher der weiteren'Umgebung den Ruf: Bereinigt euch mit uns zur Bildung einer Wetterauischen Gesellschaft mit dem Zwecke, die gesamte Naturkunde nach Kräften zu erweitern I Durch den freudigen Widerhall, den ihr Ruf in weitem Umkreis fand, wurde'die Möglichkeit geschaffen, diese Gesellschaft zu gründen, deren lOOjähriges Bestehen zu feiern wir heute hier versammelt sind. In großer
Zahl sind Sie gekommen, um an unserm Feste teil zu nehmen und wir begrüßen Sie alle mit hoher Freude. Wir empfinden es als eine hohe Ehre, daß so viele Vertreter hoher Behörden und wissenschaftlicher Vereine hier erschienen sind und danken ihnen aus vollem Herzen für ihre Teilnahme an unserem Feste.
Wir begrüßen an erster Stelle die Vertreter der Königlichen Regierung. Die Anwesenheit der hohen Behörden unserer Provinz gewährt uns eine um so größere Freude, als uns dadurch Gelegenheit gegeben wird, den Dank auszusprechen für die das Gedeihen der Gesellschaft unentbehrliche Unterstützung, welche einerseits durch die Gewährung der Räume für die Unterbringung des Museums und der Bibliothek, andererseits durch eine erhebliche Geld- beihilfe gewährt wird. Wir würden ohne diese Hilfe auf die Dauer nicht im Stande sein den Aufgaben, die wir uns stellen müssen, und deren Erfüllung man von uns erwarten darf, zu ergänzen. Ich begrüße weiter die Vertreter der Behörden unserer Stadt, Herrn Oberbürgermeister Dr. Gebeschus, und die Vertreter des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung und der Handelskammer, sowie den Vertreter des Landkreises Hanau, Herrn Landrat v. Beckerath, dessen Amtsbezirk ja unser wesentlichstes Arbeitsfeld bildet, und danke ihnen aufs wärmste für ihre Förderung und Unterstützung unserer Feier. Aufs herzlichste heiße ich willkommen die Vertreter der auswärtigen naturwissenschaftlichen Vereine aus Aschaffenburg, Bonn, Cassel, Frankfurt, Gießen, Mainz, Offenbach, Schweinfurt und Wiesbaden, die uns durch ihre Anwesenheit zeigen, daß sie sich mit uns auf gleichem Boden, zu gleichem Zwecke, geeint fühlen. Besonders freuen wir uns der zahlreichen Vertreter unserer Nachbarstädte und hoffen, daß das Band gemeinsames Interessen, das früher die einzelnen Naturforscher unserer* Gegend mit Hanau verknüpfte, nunmehr auch die Vereine der Naturforscher immer enger unter einander verbinden möge. — Ebenso heiße ich willkommen die Vertreter des Königlichen Gymnasiums, der Oberrealschule, des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde in Cassel, des ärztlichen Vereins, des Ge- schichtsveieins und des Alpenvereins, die an unserer Feier teilnehmen. Mit großer Freude begrüßen wir unsere hochverehrten Ehrenmitglieder, Herrn Geheimen Medizinalrat Dr. Mannkopff und Herrn Obersorstrat Professor v. Fürst und zahlreiche korresponvierende Mitglieder unserer Gesellschaft, die aus der Ferne zur Teilnahme an unserem Feste herbeigeeilt sind. Wir haben uns gefreut bei der Herausgabe unseres wissenschaftlichen Jubiläumshcftes die Bande, die sie mit uns verknüpfen, enger gestalten zu können und hoffen, daß sie auch in Zukunft unsere Arbeiten in dieser Weise unterstützen werden. —
Wenn man an einem solchen Wendepunkte der Zeit steht, wie wir heute am Abschluß eines Jahrhunderts ununterbrochener Tätigkeit, so lenkt sich der Blick unwillkürlich zurück auf den verflossenen Zeitabschnitt, und wir lassen die Bilder, die in ihm vor den Augen der früheren Generationen vorbeizogen, nochmals vor unserm geistigen Auge vorüber wandern, als Belehrung für uns und in Anerkennung dessen, was unsere Vorgänger zur Schöpfung und Erhaltung des Be- f stehenden und zur Erreichung deS vorgesteckten Zieles getan haben. Da Ihnen die Geschichte der Gefellschaft in der übergebenen Festschrift, verfaßt von unserem ersten Schriftführer, Herrn Professor Dr. Zingel, vorliegt, so will ich nur kurz das Wesentlichste berühren. Die Festschrift enthält die Geschichte der Gesellschaft so ausführlich, daß sie für spätere Zeit als bequemes Nachschlagewerk für alle die Gesellschaft betreffenden Fragen bienen kann, und ohne Zweifel werden sowohl unsere Mitbürger wie unsere Nachfolger bem Verfasser für dieses interessante durch mehrjährige Arbeit zu Stande gekommene Werk besonders dankbar sein. — Gegründet wurde die Gesellschaft aus freiem (gemessen, d. h. sthne jeden fremden Einfluß „zur Anseuerung der Naturforschung und zur Bildung eines Sammelpunktes für die j Beobachtungen der Mitglieder" am 10. August 1808, also zu ; einer Zeit, wo der Druck der französischen Fremdherrschaft ] schwer auf dem Lande lag. Nur rein wissenschaftliche Gesichts- 1
punkte waren maßgebend und für diese gaben die Anregung die epochemachenden Arbeiten bedeutender Naturforscher der letzten Zeit wie Linns, Rousseau, Goethe, Franklin, Volta, Watt, Humboldt, Jenner. Dazu kam der hier in Hanau von Alters her herrschende freie Bürgersinn, der aus Vereinigung fränkischen Blutes mit dem der eingewanderten Gründer der Neustadt Hanau entstanden, von jeher dem Charakter der Bürger ein eigenartiges, freies und lebendiges Gepräge gegeben hat.
Von Anfang an wurde als Arbeitsfeld die gesamte Natur» künde bezeichnet. Der von den hiesigen Gründern ausgehende Ruf muß wohl damals in ganz besonderer Weise einem bestehenden Bedürfnis Rechnung getragen haben, denn aus weitem Umkreis von Marburg bis Darmstadt, von Mainz bis Fulda, besonders von Frankfurt, Offenbach und Aschaffenburg schlossen sich alle Naturforscher freudig dem hier gebildeten Mittelpunkte an. Neben ihnen waren es warme Freunde der Naturwissenschaft, Standesherren der Wetterau, hohe Beamte, sowohl Deutsche als Franzosen. Zahlreiche berühmte Naturforscher erklärten sich freudig bereit zur Annahme der Mitgliedschaft, wie Humboldt, Goethe, Wielomd, Lavater, Cuvier. Den ersten Vorstand bildeten der Botaniker Gärtner und der Arzt Dr. Meyer-Offenbach als Direktoren, ver Geologe Leonhard und der Arzt Dr. Kopp als Sekretäre. 31 Gründer, 7 wirkliche, 227 Ehren- und 127 korrespondierende Mitglieder waren die stattliche Zahl, die die Gesellschaft aufzuweisen hatte. Eifrig ging man ans Werk, Versammlungen mit zahlreichen wissenschaftlichen Vorträgen wurden abgehalten, Sammlungen wurden angelegt und alsbald auch die Herausgabe wissenschaftlicher Schriften in Angriff genommen. An Mitarbeitern fehlte es dazu nicht, so daß man jährlich mehrere Bände Annalen herauszugeben bereit war.
Wohl aber fehlte es, was unter den damaligen Zeiten nicht zu verwundern ist, schon nach wenigen Jahren an den dazu nötigen Geldmitteln. — Der von den ordentlichen Mitgliedern erhobene Beitrag von 3 fl genügte natürlich nicht dazu. Aber vom Jahre 1810 an spendete Fürst Dalberg, der Kanzler des Großherzogtums Frankfurt, der auch persönlich an Sitzungen teilnahm, die stattliche Summe von 100 fl monatlich. Dennoch waren die Kosten des Drucks der Annalen so hoch, daß sich schon bald kein Verleger mehr bereit finden wollte^ die Herstellung zu übernehmen. Immer höher wuchsen die Schwierigkeiten als 1813 die kurhessische Regierung an Stelle der wohlwollenden Dalbergs in die Landesherrschaft.zurückkehrte. Die unter der Fremdherrschaft entstandene, in das kurfürstliche Schloß aufgenommene und lebhaft geförderte Gesellschaft wurde wenig günstig angesehen. Längere Bemühungen erwirkten erst 1816 wieder eine Subvention von 400 fl im Jahre. Dazu kam die Schwierigkeit, die ordentlichen Mitglieder an dem hiesigen Mittelpunkte festzuhalten. Wohnten doch in Frankfurt, Offenbach und Aschaffenburg deren erheblich mehr als in Hanau selbst! So war es leicht begreiflich, daß bald die Neigung hervortrat, in diesen Städten s e l b st ä n d i g e Vereinigungen zu bilden. Zuerst spalteten sich 1816 die Marburger ab, bald folgte Aschaffenburg, das sich eifrig aber vergeblich bemüht hatte, den Sitz der Gesellschaft dorthin zu verlegen. Veranlassung war bagu genug vorhanden; dort die Möglichkeit freien Schaffens unter lebhafter Förderung von oben, hier schwerer Druck durch eine Regierung, die kein Verständnis für den Wert der geleisteten Arbeit hatte. Auch in Frankfurt wurde durch die im Jahre 1819 erfolgte Bildung der Sencken- bergischen Gesellschaft das Interesse der Mitglieder von Hanau abgelenkt. Aber alle diese Erschwerungen vermochten den Mut der Leiter der Gesellschaft nicht nieder zu drücken. Immer wieder wurde durch wissenschaftliche Versammlungen und Herausgabe von Abhandlungen im Geiste der Gründung weitergearbeitet.
Da traf im Jahre 1824 die Gesellschaft ein ganz unerwarteter Schlags Der im Jahre 1821 zur Regierung qe- !ommene Kurfürst Wilhelm II. zerhieb am 16. September ba§ Schild der Gesellschaft am Altstädter Schlosse mit dem Degen, ritz es eigenhändig ab und schrieb darauf den Befehl,