Hanauer K Anzeiger
o^rhrlich MO Mk., m»»aüich 60 Pfg., für a* ßßKMM WASMWiM Mit dUN ö^ks^tN^en ^^ÄUff^l^ DU HwjfliK Nummer k-stet 10 Pf».
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Amtliches.
Candkreis Ranau.
BekllRtiilchWgm des Königlichen Lnndrntsnints.
Aus Staatsmitteln können zu Gemeinde - Obst- Pflanzungen nnd Mufteranlagen Beihilfen gewährt werden, die je nach der Leistungsfähigkeit stets nur einen Teil der mit dem Ankauf und der Anlieferung der Bäume verbundenen Kosten ausmachen sollen. Sie werden ferner nur dann bewilligt, wenn die Bodenverhältnisse sich für den Obstbau überhaupt eignen, die pflegliche Unterhaltung und Behandlung durch Uebernahme entsprechender Verpflichtungen, wie Bestellung von Baumwärtern gesichert ist und nur gutes sortensicheres Material aus einheimischen Baumschulen in möglichst wenigen anbauwürdigen Sorten verwendet wird.
Etwaige Anträge auf Gewährung von Beihilfen in 1909 sind mir bis zum 15. November d. J. einzureichen. Dem Anträge ist ein Kostenanschlag beizufügen und anzugeben, in welcher Höhe die Beihilfe erbeten wird.
Hanau den 1. Oktober 1908.
Der Königliche Landrat.
V 6758 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
Handelskammer zu Hanau.
Bekanntmachung.
Die Handelskammer hat in ihrer Plenarsitzung am 30. September 1908, auf Grund des § 42 des Handelskammergesetzes, Herrn Wilhelm Hettgsberger hier, Marktstraße 26/30, als Bücherrevisor öffentlich augestellt und beeidigt.
Die Handelskammer zu Hanau. C a n t h a l.
Der Syndikus.
20125 Dr. phil. Grambow.
Bekanntmachung.
Es wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß der Zinsfuß für Einlagen von Privatpersonen, Gemeinden, Kirchen rc. auf vier Prozent festgesetzt worden ist.
Einlagen können in unbeschränkter Höhe (auch durch Postanweisung oder Wertbrief) erfolgen. Die Kasse ist als öffentliche Sparkasse im Sinne des § 1807 des Bgl. Ges.-Buchs st a a t l i ch anerkannt und demzufolge zur Anlage von Mündelgeldern geeignet.
Außer dem nunmehr 350 000 Mk. betragenden Reservefonds haften 33 zum Sparkassenbezirk gehörende Kommunal-
Feuilktom
ZWundertsem der WetteraniWn Cesellsjast für die gesamte Natarkaade.
Die Geschichte der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde, verfaßt von Prof. Dr. Zingel, enthält am Schluffe eine Zusammenstellung der Vorstände von 1808—1908. Da finden wir unter den Hanauer Direktoren (die Gesellschaft hatte nämlich bis 1885 deren zwei, einen einheimischen und einen auswärtigen) den Fabrikanten Carl Rößler, der von 1853 bis 1863 die Gesellschaft leitete. Der Verfasser der Geschichte der Wetterauischen Gesellschaft bezeichnet es als Ehrenpflicht, „im Andenken an den verdienstvollen Naturforscher und ruhmbedeckten Direktor der Wetterauischen Gesellschaft noch zu verweilen und einige Züge aus seinem Leben mitzuteilen", für deren freundliche Mitteilung er der hochbetagten, geistesfrischen Tochter, Fräulein Bertha Rößler in Hanau, den verbindlichsten Dank abstattet. Wir können uns nicht versagen, hier unseren Lesern an der Hand der erwähnten Geschichte einiges über den hervorragenden Mann mitzuteilen.
Carl Rößler war geboren am 6. Mai 1788 als der jüngste von drei Söhnen eines Regierungsrates in nassauischen Diensten, der zeitweise in Hanau weilte, wo er ein Haus (die jetzige Konkordia) besaß. Während die Brüder auf einem nassauischen Gymnasium sich dem Studium widmeten und als Beamte in nassauische Dienste traten, verzichtete Carl Rößler, wie er sagte, „seiner Natur wegen auf eine gelehrte Ausbildung" und widm'cte sich der Kaufmannschaft. Er trat in Frankfurt in die Lehre und war auch als Gehilfe zunächst dort tätig. Häufig besuchte er Hanau, namentlich um die Heit der Schlacht bei Hanau. um einer hier ver-
Donnerstag den 8. Oktober
gemeinden für die Kasse-Verbindlichkeiten den Einlegern gegenüber.
Seligenstadt den 5. Oktober 1908.
Der Direktor der Bezirkssparkaffe Seligenstadt.
Singer. 20037
Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Kapothut, 1 grauer Herren-Ueberzieher mit einem Eilfrachtbrief (ausgestellt von B. Heilmann in Gelnhausen), 1 Kneifer ohne Einfassung, 1 goldener Damen- Pauzerring, 1 Damenschirm mit kleinem gebogenen gezackten Griff (in einem Geschäft stehen geblieben), 1 weißleinener Korsettschoner mit Spitzenbesatz (gez. M. I.)., 1 großer Mülleimer (im Stadtgraben).
Verloren: 1 schwarze Emaillebrosche mit Medaillon mit Photographie, 1 herzförmiges goldenes Medaillon mit 1 Rubin und mit Perlen besetzt.
Hanau den 8. Oktober 1908.
Politische Rundschau.
Der Evangelische Bnnd beendete seine Hauptversammlung in Braunschweig und wählte als nächsten Tagungsort Mannheim.
Brasilien. In einer Unterredung, die der Vertreter des Hamburger „Fremdenblattes" mit dem brasilischen Kriegsminister Fonseca hatte, erklärte dieser, der einzige Zweck seiner Reise nach Europa sei gewesen, der überaus freundlichen Einladung des Kaisers Folge zu leisten. Er habe selbstverständlich seine Anwesenheit in Deutschland dazu benutzt, Beziehungen anzuknüpfen und Erfahrungen, die für ihn und sein Land wertvoll sein könnten, zu sammeln. Sodann gab der Marschall eine außerordentlich treffende Beschreibung der Persönlichkeit des Kaisers, dessen Erscheinung als oberster Kriegsherr des Heeres ihn als Soldaten besonders gefesselt habe. Seine Liebenswürdigkeit, seine Frische, seine Klarheit und seine Kenntnis der verschiedensten Dinge sei bemerkenswert. Er habe stets zu den Bewunderern des deutschen Kaisers gehört, ohne ihn näher zu kennen. Sodann gab der Minister seine Eindrücke über das deutsche Heer wieder, das seine hochgespannten Erwartungen weit übertroffen habe; das deutsche Heer sei wohl das beste der Welt, und die Nation dürfe stolz'darauf sein. Auch die brasilischen Truppen, denen stets das deutsche Vorbild vorgeschwebt habe, stünden zurzeit auf der Höhe einer Ausbildung, die man in Europa kaum vermute. Ueber die Beziehungen zwischen Brasilien und Argentinien versichert Fonseca wiederholt, daß es Brasilien vollkommen fern liege, mit seinem Nachbarn kriegerische Verwicklungen herbeizuführen. Auftretende Gegensätze könnten auf friedlichem Wege erledigt werden.
heirateten Schwester beizustehen. Er erlebte die Schlacht und beobachtete sie von dem Türmchen der Hohen Landesschule aus. Als eine Brandgranate in das Haus neben der Konkordia eingeschlagen und dasselbe in Brand gesetzt hatte, eilte er zum Löschen; es gelang ihm dabei, das große Werk von Hundeshagen „über die Burg Gelnhausen" im Manuskript zu retten. Nachdem er sich mit einer Frankfurterin verheirâtet hatte, übernahm er eine Hutfabrik (Josse) in Hanau, die er durch Fleiß und Umsicht bald zu hoher Blüte brachte. Nach kurzer Zeit schon nahm er unter seinen Mitbürgern eine geachtete "Stellung ein. Verschiedene Geschäftsreisen führten ihn nach Leipzig und Paris, seine Geschäftsgewandtheit, sein reger Geist und seine feinen Umgangsformen gewannen ihm das Vertrauen seiner Mitbürger, die ihn 1830 zum Obersten der Bürgergarde erwählten, ihn in den Handelsrat beriefen und noch sonst mehrfach auszeichneten. Seine Gelehrtennatur wurde durch einen Zufall geweckt. Ende der dreißiger Jahre nämlich schenkte er einem seiner Söhne zu Weihnachten eine ganz einfache Mineraliensammlung, die er von Heidelberg bezogen hatte. Er las, wahrscheinlich um bei Fragen des zu beschenkenden Sohnes doch nicht ganz ungerüstet zu sein die der Sammlung beigcgebene Erklärung der Mineralien durch, da erwachte plötzlich das größte Interesse für- die vielgestaltigen Mineralien und Gesteine, die, obgleich leblos und stumm, dem Kenner doch so viel von den Schicksalen der Mutter Erde erzählen. Mit Feuereifer widmete er sich nun dem Studium und erwarb sich durch stilles Studium an der Hand von Büchern so gründliche Kenntnisse, daß er nach einigen Jahren die Umgegend planmäßig durchforschen konnte. In Gemeinschaft mit andern Männern — Ruß, Röder, Dr. Keßler und BremeiS — durchstreifte er die Gegend nach allen Richtungen, und in regem Sammeleifer häufte er „steinerne" Schätze auf, für deren Aufnahme zwei Zimmer im Erdgeschoß des Hauses (Jodry) bestimmt waren, die in der Familie die „Stcinstube" hießen. Wenn er draußen Steine sammelte, war er, wie die Familie sagte, „auf der
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
Die Krisis im Orient.
Sarajewo, 7. Oktbr. Die Proklamation des Kaiser? Franz Josef an die Bevölkerung wurde durch die Behörden und Ortsältesten durch öffentliche Ausrufer im ganzen Lande zu gleicher Zeit bekannt gegeben. Den Truppen wurde sie durch die Chefs der Abteilungen mitgeteilt. Besondere offizielle Festlichkeiten finden nicht statt. Die Landbevölkerung nimmt das Ereignis mit Ruhe und Würde entgegen; Kundgebungen haben sich nicht ereignet.
Sofia, 7. Oktbr. Der diplomatische Agent Großbritanniens überreichte dem bulgarischen Ministerium des Aeußern eine Note, die die Erklärung enthält, daß die britannische Regierung das Königreich Bulgarien nicht ^anerkennen könne, bevor die anderen Mächte und die Türkei ihre Haltung in der Angelegenheit präzisiert hätten.
Sofia, 7. .Oktbr. Jetzt liegt hier die erste Aeußerung eines auswärtigen Staates auf die Unabhängigkeits-Erklärung vor. Der serbische Minister des Aeußern erklärte dem bulgarischen Vertreter in Belgrad, Serbien habe die Mitteilung darüber nicht ungünstig ausgenommen. In der Frage der Anerkennung werde sich die serbische Regierung an die Entscheidung der Großmächte, vornehmlich Rußlands, halten.
Athen, 7. Okbr. (Agence Havas.) Infolge des bulgarischen Staatsstreiches hat gestern die Bevölkerung Kretas beschlossen, seine Angliederung an Griechenland zu proklamieren. Heute ist dieser Beschluß ausgeführt worden. Auf der ganzen Insel sind in öffentlichen und kommunalen Anstalten hellenische Behörden installiert worden. Das Volk von Kreta strömt zu Tausenden in Kanea zusammen, um dort seiner Begeisterung für Griechenland Ausdruck zu verleihen.
Konstantinopel, 7. Oktbr. Alle türkischen Blätter beschäftigen sich mit der bulgarischen, einige auch mit der bosnischen Angelegenheit. Die meisten veröffentlichen Auszüge aus der österreichisch-ungarischen Note bezüglich Bosniens, ohne jedoch deren türkenfreundlichen Ton hervorzuheben. „Jkdam" sagt: Wenn auch der Ausdruck Annexion vermieden worden sei, so sei der Inhalt der Note so vage, daß man daraus die Annexion und die Verletzung des Berliner Vertrages herauslesen könne. Dasselbe Blatt veröffentlicht ein Interview mit dem Minister des Aeußern, der dabei gesagt haben soll, daß die Annexion Bosniens gegen den Berliner Vertrag verstoße. Die Pforte habe gegen die Annexion, sowie gegen die bulgarische Proklamation protestiert und für die Lösung der beiden Fragen einen Kongreß der Mächte vorgeschlagen. Beide Fragen würden auf dem Kongreß eine gute Lösung finden. Auf die Frage, ob der Krieg möglich sei, antwortete der Minister, die Pforte sei nicht kriegerisch gesinnt, würde sich aber natürlich verteidigen. — Während die Sprache der türkischen Blätter gemäßigt ist, sie
Steinjagd". Wie viel er „einheimste", das können wir aus den zahlreichen Zetteln mit seiner charakteristischen Schrift schließen, die wir bei der Umschau in den Sammlungen der Wetterauischen Gesellschaft entdecken. Seine Schätze sind aber leider nicht alle in Hanau geblieben, der größte und wertvollste Teil kam auf von Leonhards Veranlassung nach Heidelberg. Viele auswärtige Gelehrte beehrten auf der Durchreise den gelehrten Huffabrikanten mit ihrem Besuche und besonders geschätzte Vertreter der Wissenschaft führt« er dann in die in einem Obergeschoß liegende „Doubletten- kammer", wo sie dann wählen durften, was „stets sehr vergnügte Gesichter gab". Bis in seine letzten Lebenslage war sein reger Geist tätig. Noch in den letzten Tagen, noch kurz vor seinem Tode ließ er sich in die „Steinstube" tragen.
Er starb am 23. August 1863. Zahlreiche Gesellschaften hatten ihn zu ihrem Ehren- oder korrespondierenden Mitglied, die Universität Heidelberg bei Gelegenheit des 50jährigen Jubiläums der Wetterauischen Gesellschaft im Jahre 1858 honoris causa (der Ehre halber) zum Doctor philosophiae ernannt. Diesen Titel indessen führte der bescheidene Mann nur bei Unterschriften, die sich auf Angelegenheiten der Wetterauischen Gesellschaft bezogen. So war Carl Rößler in jeder Hinsicht ein Mann, den die Stadt Hanau mit Stolz in der Liste ihrer Bürger aufführen kann. Möchte der Wetterauischen Gesellschaft auch in Zukunft au? den Kreisen der Bürgerschaft so eifrige und kräftige Unterstützung zuteil werden, wie sie sie in dem ersten Jahrhundert ihres Bestehens in so reichem Maße gefunden hat!
Albumblätter.
Es muß Herzen geben, welche die Tiefe unseres Wesen? kennen, und auf uns schwören, wenn die ganze Welt uns verläßt, * Gutzkow.
Wer in Unglück fällt, verliert sich leicht aus der Erinnerung der Menschen. Schiller.