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Nr. 235 Fevnsprechanschlich Nr. 605.

Mittwoch den 7. Oktober

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Fernsprechanschluß Nr. 605. 1908

Die ientise Affinier mfaßt Mn -.MrisltnzSblatt

14 Seiten.

Amtliches.

Landkreis Hanau.

WMtinMnW des KönlilUen Lilildrüsilmts.

Mit der Berichterstattung auf meine Verfügung vom 30. März 1899, V. 3243, betreffend Reinigung der Flut- Entwässerungs- und Abzugsgräben, sind noch eine Anzahl der Herrn Bürgermeister ynd Gutsvorsteher im Rückstände. Es wird deshalb an die Erledigung der gen. Verfügung mit lOtägiger Frist erinnert.

Hanau den 2. Oktober 1908.

Der Königliche Landrat.

V 6817 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Unter den Schweinen zu Niederdorfelden ist die Schweine­seuche festgestellt worden.

Hanau den 2. Oktober 1908.

Der Königliche Landrat.

V 6713 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Unter den Schweinen in Rückingen ist die Schweine­seuche festgestellt.

Hanau den 5. Oktober 1908.

Der Königliche Landrat.

V 6749 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Unter den Schweinen auf dem Kinzigheimerhof ist die Schweineseuche erloschen.

.Hanau den 5. 1908.

Der Königliche Landrat.

V 6764 I. A.: Hartmann, âeissekretär.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

SVAifle Anleihe der Stadt Hanau vom 31. Dezember 1836.

Ziehung am 24. September 1908, Auszahlung am 31.

Dezember 1908.

Lit. B Nr. 29, 108, 127, 272, 598, 642, 648, 717, 719, 764, 787, 805, 810, 921, 943, 1058, 1088, 1099, 1120, 1135 zu 100 fl. Hanau den 29. September 1908.

Der Magistrat.

Bode. 20067

Feuilleton.

Das Hananerland in Baden.

Bon Dr, med. et. phil. Karl Siebert.

(Schluß.)

Graf Philipp Wolfgang von Hanau-Lichtenberg, dem die besonnene Natur seines Vaters Johann Reinhard I. gefehlt zu haben scheint, hinterließ im Jahre 1641 bei seinem im besten Mannesalter erfolgten Tode seinem unmündigen Sohne Friedrich Kasimir ein Land, dessen Necker verwüstet, dessen Wohnplätze zerstört und dessen Kassen erschöpft waren. Ein Jahr darauf erlosch in seinem Mannesstamme das Hanau- Münzenberger Grafengeschlecht, und es ging nach der 1610 getroffenen Erbvereinbarung die Herrschaft auf den regieren­den Grafen von Hanau-Lichtenberg, Friedrich Kasimir, einen Jüngling von.erst 18^2 Jahren, über. Er hatte anfangs mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da einige Nachbar­staaten zumeist unbegründete Ansprüche erhoben. In seiner Notlage wandte er sich an die Landgräfin Amelia Elisabeth von Hessen-Cassel, eine geborene Gräfin von Hanau-Münzen­berg, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stand imb' seinen Rechten energisch Geltung zu verschaffen wußte. Als kluge Landesmutter verstand sie es, hierbei auch die Vorteile ihrer Familie zu wahren, indem sie mit ihrem Schützling und seinen Brüdern, den Grafen Johann Philipp und Johann Rheinhard, am 5. August 1643 einen Erbvertrag abschloß, welcher der Landgräfin und ihrem Nachkomme), beim Aus­sterben des Hanau-Lichtenberger Mannèöstammes, die Erbfolge in der Grafschaft Hanau-Münzenberg zusicherte.

Unter der Regierung Friedrich Kasimirs weilte der be­rühmteste Sohn des badischen Hanauerlandes, Hans Michel Moscherosch, acht Jahre in Hanau. Im Jahre 1601 zu Willstätt als Sohn eines Amtmanns geboren, kam er nach

Bekanntmachung.

Anleihen der Stadt Hanau.

Ziehung am 24. September 1908. Auszahlung am 31. März 1909.

I. Anleihe vom 1. April 1888 (Privilegium vom 30. Juni 1888 II. Reihe) zu 3^2 °/o, 19. Ziehung. Lit. A Nr. 42, 121, 162 zu 1000 Mk.

„ B „ 7, 43, 104, 166, 203, 236, 283, 290 zu 500 Mk.

„ C „ 75, 105, 170, 216, 219, 227, 296, 408, 409, 427, 430, 568, 778 zu 200 Mk.

Rückständig: Lit. C Nr. 630 zu 200 Mk.

II Anleihe vom 1. Oktober 1889 II. Serie zu 31/? °/o, 19. Ziehung.

Lit. A Nr. 109, 163, 189 zu 2000 Mk. „ B „ 186, 204, 211, 220 zu 1000 Mk. „ C „ 222, 237, 266, 299, 325, 390 zu 500 Mk. „ D „ 287, 300, 343, 398, 454 zu 200 Mk.

Rückständig: Lit. B Nr. 272, 291 zu 1000 Mk.,

„ C Nr. 383 zu 500 Mk.

III Anleihe vom 1. Oktober 1889 L Serie zu 3^2 °/o, 17. Ziehung.

Lit. A Nr. 18, 51 zu 2000 Mk.

„ B „ 7, 46 zu 1000 Mk.

„ G „ 42, 105, 163, 200 zu 500 Mk.

„ B „ 43, 71, 91, 245 zu 200 Mk.

Rückständig: Lit. A Nr. 5, 87 zu 2000 Mk.,

„ B „ 118 zu 1000 Mk.,

„ C „ 25, 38, 53, 72 zu 500 Mk.

IV„ Anleihe vom 21. Juni 1898 zu 3^2 °J0, 10. Ziehung.

Lit. A Nr. 13, 15, 33, 112, 116, 131, 183, 279 zu 2000 Mk.

„ B „ 56, 88, 96, 99, 113, 166, 185, 205, 227, 245, 297, 419 zu 1000 Mk. „ 0 „ 19, 47, 80, 129, 176, 233, 258, 280, 281, 310, 404, 417, 434, 451, 471, 473, 498, zu 500 Mk.

„ D „ 127, 136, 146, 241, 254, 365, 367, 377, 406, 412, 470, 471, 539, 565, 568, 583, 593, 604, 641, 651, 676, 748 zu 200 Mk.

Hanau den 29. September 1908.

Der Magistrat.

B od e. 20065

Vermietung eines Lagerhauses.

Das domäncnfiskalische dreistöckige sogenannte Frucht- speichergebäude auf dem Fronhof hierselbst, welches zum mancherlei Wechselfällen in den Stürmen des dreißigjährigen Krieges im Jahre 1656 nach Hanau, wo ihm Graf Friedrich Kasimir die Stelle eines Geheimrats und später die des Präsidenten der Kanzlei und der Kammer übertrug. Von seiner Tätigkeit in dieser Zeit rührt nicht die hohe Bedeutung seines Namens her, durch die ihm ein dauernder Platz in der Geschichte unserer Nationalliteratur gesichert werden sollte; feine berühmten „Wunderliche und wahrhafftige Gesichte Philanders von Sittewald" waren schon vierzehn Jahre früher erschienen. Inwieweit der abenteuerliche Sinn Friedrich Kasimirs und seine Neigung zu fürstlicher Prachtentfaltung, Eigenschaften, die sich nach dem Eintritt Moscherosch in seine Dienste steigerten, auch in einem ursächlichen Zusammenhänge hiermit stehen, läßt sich nicht feststellen, wie aus einer Aeuße­rung des Hanauer Historikers Bernhard*) aus dem Jahre ] 742 hervorgeht: „Ob Moscherosch dem Grasen Friedrich Kasimir die staatswidrigen und landesverderblichen Prinzipia in den Kopf gesctzet, will ich zwar nicht sagen, wiewohl ihn andere vor den ersten banauischen Landverderbcr halten." Das Treiben der Abenteurer und Schwindler, die den Grafen eine zeitlang beherrschten und zu den unsinnigen Ausgaben für die Gründung eines Königreichs Hanauisch-Jndien am Orinoko, zur Errichtung einer Akademie für Künste und Wissenschaften mit dem bombastischen Namen Sophopolis, zur Anschaffung von Raritäten rc. verleiteten, mag Moschc- rosch den Abschied von Hanau im Jahre 1664 leicht gemacht gaben. Er trat in die Dienste der Landgräfin Sophie von Hessen-Cassel, der willensstarken Schwester des Großen Kur­fürsten, als Geheimrat- ein. Kaum fünf Jahre besonder sich in dieser Stellung, als er auf einer Reise in Worms 1669 starb. Ein Denkmal in Gestalt einer abgestumpften Granit­pyramide, in die ein Bronzerclief mit dem Medaillonbildnisse von Moscherosch eingelassen ist, wurde am 9. Juni v. I. zu

*) E. I. Zimmermann, Hanau, Stadt und Land. Hanau 1903.

Seite 736.

Warenlager jeder Art geeignet ist, soll vom 1. Juli k. JS. ab auf zwölf Jahre anderweit öffentlich meistbietend ver­mietet werden.

Termin hierzu ist auf Montag den 12. Oktober, vormittags 11 Uhr, in das Geschäftszimmer des Domänen- Rentamts, FroijKof 7, hierselbst anberaumt.

Hanau den 29. September 1908.

Reinhardt, Domänen-Rentmeister. 19709

Bekanntmachung.

Es wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß der Zinsfuß für Einlagen von Privatpersonen, Gemeinden, Kirchen rc. auf vier Prozent festgesetzt worden ist.

Einlagen können in unbeschränkter Hohe (auch durch Postanweisung oder Wertbrief) erfolgen. Die Kasse ist als öffentliche Sparkasse im Sinne des § 1807 be8 Bgl. Ges.-Buchs staatlich anerkannt und demzufolge zur Anlage von Mündelgeldern geeignet.

Äußer dem nunmehr 350 000 Mk. betragenden Reserve­fonds haften 33 zum Sparkassenbezirk gehörende Kommunal­gemeinden für die Kasse-Verbindlichkeiten den Einlegern gegenüber.

Seligenstadt den 5. Oktober 1908.

Der Direktor der Bezirkssparkasse Seligenstadt.

Singer. 20037

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Brille mit Futteral, 1 Brillantring, 1 Schlüsselbund (5 Stück am Ring mit Haken), 1 Schlüssel­bund (2 Stück am Ring) in der Leipzigerstraße.

Verloren: 1 weißer breiter Leder-Damcngüriel, 1 gelbes Handtäschchen, 1 graue Kapuze von einem Kinder­mäntelchen, 1 goldenes Uhrenanhängsel mit Photographie, 1 10-Markstück (auf dem Marktplatz), 1 Gummireif von einem Kinderwagen, 1 goldene Brosche ohne Nadel, 1 Schlüssel und 1 Schlinke (an einer Schnur).

Zugelaufen: 1 junger, schwarz- und weißer Foxterrier, m. Geschl., 1 schwarzweiße Katze, 1 weißgefleckter Dobermanpinscher, m. Geschl.

Entlaufen: 1 junger grauer Wolfsspitz.

Hanau den 7. Oktober 1908.

Politische Rundschau.

Eine Forschungsreise nach Kamerun haben die Professoren von der Forstakademie in Hanu.-Münden Dr. Büsgen und Dr. Jentsch sowie der Forstassessor Freiherr v. Riedesel angetreten. Erstere beiden Herren fahren im Willstätt enthüllt. Das anspruchslose Kunstwerk steht neben der stattlicher: Barockkirche und ist berufen, die Erinnerung an Willstätts großen Sohn wachzuhalten, der mit echt vater­ländischem Sinne und schlichter Frömmigkeit das entsetzliche Elend, die Verrohung und den Sittenverfall des dreißig­jährigen Krieges mit furchtbarem Realismus schilderte und an größerer poetischer Tiefe und einer mehr volkstümlichen Dar­stellung nur noch von seinem Zeitgenossen Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, dessen Geburtsort ebenfalls an der Kinzig, jedoch an der hessischen, lag und der sein Leben in Renchen, in der Nähe von Willstätt beschloß, über­troffen wird.

Während die Regierung in Hanau unter dem phantasti­schen Friedrich Kasimir sich zeitweise in etwas außergewöhn­lichen Bahnen bewegte, konnte unser Hanauerlaud zunächst ruhigeren Zeiten entgegensehen. Dieses besaß Friedrich Kasimirs jüngerer Bruder, Graf Johann Reinhard II., als selbständige Herrschaft und residierte in dem mehr zentral gelegenen Bischofsheim am hohen Steg, dem heutigen Rhein­bischofsheim. Seinem eifrigen Bestreben, die Schäden, die der große Krieg seinem Lande zugefügt hatte, —' besten Kräften auszubessern, setzte sein früh erfolgter Tod ein Ziel. Er wurde in Bischofsheim beerdigt, wo ich vergebens nach seinem Grabdenkmale forschte. Die jetzige Kirche wurde erst in der Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts an der Stelle der alten baufälligen errichtet. Seine minder­jährigen Söhne Philipp Reinhard und Johann Reinhard genossen unter der Leitung ihrer Mutter Anna Magdalena, einer geborenen Pfalzgräfin von Zweibrücken-Birkenfeld, eine sorgfältige Erziehung und machten auf fünf Jahre sich aus- dehnende Reisen durch Deutschland und im Ausland. Kaum waren die Wunden, die das Hanauerland in dem endlosen Kampfe erhalten, einigermaßen vernarbt, als von neuem die Truppen Ludwigs XI \. unter Marschall Turenne verheerend das Land durchzogen, wobei im Jahre 1675 Willstätt erobert und Kork und Lichtenau eingcâfchert wurden.