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SatasltwrtL Redakteur: S. «chrecktr U HMd»
Nr. 233 F-rnsprechanschlrttz Nr. 605.
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Montag den 5. Oktober
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
Amtliches.
Stadtkreis Fjanau.
Die Hanauer Straßenbahn-Aktiengesellschaft beabsichtigt ihre Bahn von dem seitherigen Endpunkte Wilhelm- straße über die Wilhelmsbrücke bis zur Wredestraße zu verlängern.
Der Lageplan liegt vom 5. bis ZUM 19. d. Mts. einschließlich im Gebäude der Polizeidirektion, Zimmer 3, zu jedermanns Einsicht offen.
Gemäß § 17 des Gesetzes über Kleinbahnen und Privatanschlußbahnen bringe ich dies unter dem Hinweise zur öffentlichen Kenntnis, daß jeder Beteiligte während der Offenlegung im Umfange seines Interesses Einwendungen gegen den Plan erheben kann. Die Einwendungen sind schriftlich einzureichen oder mündlich im Polizeisekretariat zu Protokoll zu geben.
Hanau den 2, Oktober 1908.
Königliche Polizei-Direktion.
P 10530 v. Beckerath. 19873
Bekanntmachung.
Die im Hofe der III. Bezirksschule, Bebraerbahnhofstraße Nr. 8 lagernden Materialien eines Abortgebäudes (Fachwerk) sollen verkauft werden.
Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis Donnerstag den 8. b. Mts., vormittags 11 Uhr, beim L-radtbauamt, Rathaus, Zimmer Nr. 17, woselbst die Zeichnung und die Bedingungen eingesehen werden können, einzureichen.
Die Materialien können werktäglich nachmittags von 12 Ns 2 und 4 bis 6 Uhr nach vorheriger Anmeldung beim Schuldiener besichtigt werden.
Der Zuschlag bleibt dem Magistrat Vorbehalten.
Hanau den 2. Oktober 1908.
Stadtbauamt. 19923
Bekanntmachung.
Die im Hofe der Kleinkinderschule, Nußallee 15, lagernden Materialien für eine offene Halle sollen verkauft werden.
Die Angebote sind bis Freitag den 9. -. Mts., vormittags 10 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, beim Stadtbauamt Rathaus, Zimmer Nr. 17, woselbst die Zeichnung und die Bedingungen eingesehen werden können, einzureichen. Die Materialien können werktäglich, vormittags von 10 bis 12, nach vorheriger Anmeldung bei der Oberschwester, besichtigt werden.
Der Zuschlag bleibt dem Magistrat vorbehalten.
Hanau den 2. Oktober 1908. 19921
StaÄtbai»amt.
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Feuilleton.
Das Hanauerland in Baden?)
Von Dr. med. et phil. Karl Siebert.
Mancher, der auf dem wichtigen Schienenwege Frankfurt—Basel das langgestreckte Baden durcheilt, wird, falls er unserer hessischen Heimat entstammt, beim Überschreiten der Kinzig hinter der Station Offenburg unwillkürlich an sein engeres Vaterland erinnert und denkt mit Freuden an seine heimische Kinzig, die ihn vielleicht noch am selben Tage in ihrem anmutigen Tale von Schlüchtern bis Hanau begleitet hat. Ein merkwürdiges Zusammentreffen ist es, daß ihre Namensschwester, die den Höhen des Schwarzwaldes entspringt, in ihrem Unterlaufe bis zur Mündung in den Rhein eine Gegend durchstießt, die noch heutigestags das Hanauerland heißt und deren Bewohner sich in Religion, Charakter, Tracht und Sitten von den sie von drei Seiten einschließenden alemannischen Stammesverwandten wesentlich unterscheiden.
*) Vorstehenden Aufsatz, der unsere Leser lebhaft interessieren wird, entnehmen wir mit gütiger Erlaubnis des Herrn Verfassers und des Verlags (Friedr. Scheel, Cassel) der Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur: HcssenIand-
Literatur:
1. Bader, Badenia. Karlsruhe und Freiburg. 1839. Seite 207 bis 221. Das badische Hanauer Ländchen.
2. Schaible, Geschichte des badischen Hanauerlandes. Karlsruhe. 1855.
3. Lehmann, Urkundliche Geschichte der Grafschaft Hanau-Lichtenberg im unteren Elsasse. Mannheim. 1862/63.
4. Suchier, Die Gruft der lutherischeu Kirche. Hanau. 1879 (Progr.).
5- Wille, Die letzten Grafen von Hanau-Lichtenberg. Hanau. 1886.
6. Suchier, Festschrift des Hanauer Geschichtsvereins zu seiner bviahrigen Jubelseier. Hanau. 1894.
Im Handelsregister B ist bei Nr. 3 Firma Dr. Lambotte & Schattenberg, Gesellschaft mit beschränkter Haftung zu Mainkur bei Frankfurt a. M. eingetragen worden:
Der Eintrag „die Firma ist erloschen" ist von Amtswegen gelöscht.
Der Sitz der Gesellschaft ist nach Beuel a. Rh. verlegt. Bergen bei Hanau, 3. Oktober 1908.
____________Königliches Amtsgericht. 19875
Konkursverfahren.
Das Konkursverfahren über das Vermögen des Müllers Johannes Mohn auf der Blinkenmühle bei Ravolzhausen wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins und Vollziehung der Schlußverteilung hierdurch aufgehoben.
Langenselbold den 23. September 1908.
___________Königliches Amtsgericht. 19877
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 kleines Kinderschubkärrchen, 1 Portemonnaie mit 2,71 Mk. und 1 Rechnung für Paul Loewig, Bruderdiebacherhof, ausgestellt von Simon Moritz, Langenselbold.
Verloren: 1 gold. Schlangenring mit 1 Brillanten und 1 Rubin, 1 Fahrradlaterne, 1 graues Damenportemonnaie mit ungefähr 1,50 Mk., 1 Kneifer ohne Einfassung.
Entlaufen: 1 grauer Pinscher m. Geschl..
Hanau den 5. Oktober 1908.
6. deutscher Abstinententag.
(Unber. Nachdruck verb.) S. u. H. Frankfurt, 3. Oktober-
Am heutigen dritten Tage des 6. deutschen Abstinententages sprach in der Hauptversammlung des Allgemeinen deutschen Zentralverbandes zur Bekämpfung des Alkoholismus Dr. med. Carl Strecker (Berlin) über das Thema
Brauerweisheit und BrauerMärchen.
Der Vortrag bildete eine scharfe Abwehr der Angriffe und der ganzen Kampfesweise des Alkoholkapitals gegen die Abstinenzbewegung.
In der gestrigen Hauptversammlung des Vereins abstinenter Postbeamten hielt Pastinspektor Kraft (Darmstadt) einen interessanten Vortrag über Alkoholgenuß — Po st- und Telegraphenbetriebsdienst.
Ein Pkakatkampf zwischen Abstinenten und Brauern.
Im Mittelpunkte der Beratungen der Hauptversammlung des Bundes abstinenter Studenten stand der Protest gegen eine Kundgebung des deutschen Brauerbundts, der am Tage zuvor in allen Teilen der Stadt ein großes Plakat hatte
Obgleich dieser Landstrich schon über hundert Jahre in das Großherzogtum Baden einverleibt wurde, so ist im Volke die Erinnerung an die 256 Jahre dauernde Regierungszeit der Grafen von Hanau-Lichtenberg, die mit dem Tode Johann Reinhards III. im Jahre 1736 endete, noch nicht ganz erloschen. Bei einer Wanderung durch das Land begegnen wir nur an manchen Orten einigen wenigen sichtbaren Spuren, die an dieses Herrscherhaus gemahnen, da der 30 jährige Krieg hier in der furchtbarsten Weise aufgeräumt hat und mehrere Jahrzehnte später die Truppen des allerchristlichsten Königs Ludwig XIV. mit Feuer und Schwert erbarmungslos hausten. Der letzte Graf Johann Reinhard III., selbst ein Kind des Hanauerlandes, fand wie seine beiden Vorgänger in der Gruft der Johanniskirche zu Hanau seine letzte Ruhestätte.
Die rechtsrheinischen Besitzungen der Herren von Lichtenberg, die Graf Philipp der Aeltere von Hanau-Münzenberg zur Hälfte und einer seiner Nachfolger im ganzen Umfange durch Heirat an sich brachten, umfaßten die beiden Aemter Lichtenau und Willstätt mit zwei Städten und zweiunddreißig Dörfern, von denen fünf nicht mehr vorhanden sind. Den Anfang mit den Erwerbungen für die Lichtenberger Familie, der im Elsaß schon ausgedehnte Besitzungen gehörten, machte der Straßburger Bischof Konrad III. von Lichtenberg damit, daß er seinen Neffen mehrere Stiftsgüter als Leben zuwandte. Er selbst gründete das an sein geistliches Amt erinnern sollende Bischofsheim, und ebenso verdankt ihm das Städtchen Lichtenau, wo er ein festes Schloß erbaute, sein Entstehen. Er war ein prachtliebender und ehrgeiziger Herr und erwarb sich einen unvergänglichen Ruhm bei der Nachwelt dadurch, daß er die Fortführung des Straßburger Münstcrbaues in gotischer Bauweise energisch betrieb und im Jahre 1277 den Grundstein zu der großartigen Westfassade, die bei seinem Tode schon über das erste Gurtgesims gediehen war, legte. Auch in weltliche Händel wurde dieser Kirchenfürst öfters verwickelt und er beteiligte sich sogar in eigener Person an
anschlagen lassen, in dem die Abstinenzbewegung scharf angegriffen und ihr u. a. die Verwendung falscher Statistiken vorgewurfen wurde. Die abstinenten Studenten beschlossen darauf, ein früheres Preisausschreiben des hamburgischen Zentralverbandes gegen den Alkoholismus zu erneuern, auf Grund dessen jedem 1000 Mark versprochen werden, der einen Fehler der Statistiken der Abstinenten nachweist. Diese Erneuerung des Ausschreibens wurde in Form einer Flugblattes in ganz Frankfurt durch die abstinenten Studenten vertrieben.
Am heutigen Nachmittage fand eine wissenschaftliche Versammlung des Vereins abstinenter Aerzte des deutschen Sprachgebiets statt, in der der Nervenarzt Dr. med. Lilienstein (Bad Nauheim) über die Behandlung der Kranken außerhalb der Irrenanstalten sprach. Ausgehend von seiner Erfahrung an Irrenanstalten und in ärztlicher Praxis, daß neben den Schankwirten das Proletariat, speziel die ungelernten Arbeiter, der Alkoholerkrankung am meisten ausgesetzt sind, erblickt der Vortragende in der Besserung der sozialen Verhältnisse das wichtigste Heilmittel. Speziell ist zur Heilung der Trunksucht eine gute Ernährung erforderlich. Wo e8 möglich ist, muß eine reichliche, reizlose, viel Vegetabilien, Obst und dergleichen enthaltende Diät verordnet werden. Der Wohnungsfrage ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es wirkt günstig auf den Kranken ein, wenn zu Hause Bequemlichkeit, Licht und Luft findet und nicht durch zu enges Zusammenwohnen mit der eigenen Familie und mit Nachbarn aus dem Hause in daS Wirtshaus getrieben wird. Verbreitung von Kunst und Wiffenschaft, Volksvorlesungen, Oeffnung der Museen am Sonntag nachmittag, Lesehallen, Volkshäuser, Junggesellenheime u. dergl. wirken in demselben Sinne, indem sie vom Wirtshausbesuch abhalten.
Die Gewerbehygiene, besonders in staubentwickelten Betrieben, kann gegen manche den Alkoholismus provozierende Schäden wirksam sein. Die billigen Kaffeehallen haben auch in manchem Falle oereits gute Dienste geleistet. Jm fiebrigen erscheint die Frage der Ersatzgetränke meist nur den Nichtabstinenten schwierig. Gutes Trinkwasser, Limonade, leichter Tee und Kaffee, alkoholfreie Traubensäfte, Obst bilden für den abstinenten Arzt ein „embarras de richesse" bei seinen Verordnungen. Unterstützend können bei der Behandlung der Trunksüchtigen Medikamente (Strychnin, Sedativa), suggestive und hypnotische Behandlung Herangezozen werden. Für die von der Trunksucht Genesenen und die von ihr durch Anlage Bedrohten ist eine abstinente Umgebung unbedingt erforderlich. Zur Ausbreitung der Alkoholabstinenz ist Aufklärung der weitesten Kreise zu erstreben. Die Schädigungen des Alkoholismus sind nicht allgemein genug bekannt. Vortragender schägt deshalb vor, daß statistische Erhebungen über die Trunksucht von einer Kommission des Vereins (bei Krankenkassen, Stadtasylen, Krankenhäusern und Aerzten) in die Wege geleitet und der Oeffentlichkeit, der Presse und den Behörden zugänglich gemacht werden. Er hofft, daß hierdurch eine kräftigere Unterstützung der Bestrebungen und Organisationen, die gegen den Alkoholismus kämpfen, bei dem Publikum und dem Staate zu erwarten
kriegerischen Fehden. Bei dem Versuche, seinen aus Freiburg vertriebenen Schwager, Graf Egeno III., mit Waffengewalt wieder zurückzuführen, wurde er 1299 von einem Freiburger Metzger mit einem Spieß tödlich verletzt. Ein einfaches Steinkreuz zwischen dem Dorfe Lehen und Freiburg bezeichnet heute noch die Stelle, wo er die Todeswunde empfing.
Unter den folgenden Herren von Lichtenberg mehrte sich ihr rechtsrheinischer Besitz, und bei ihrem zuweilen nicht sknipulösen Vorgehen wurden sie öfters in Streifigkeiten mit dem Straßburger Stifte und den umwohnenden Dynasten hineingezogen.
Kulturhistorisch ist es bemerkenswert, daß Hans Riffe ^), der lichtenbergische Vogt zu Lichtenau, dem in Straßburg wohnenden Johann Gutenberg etwas Betriebskapital nor- streckte und mit ihm im Jahre 1438 einen geheimen Vertrag abschloß, um dessen künftige Erfindung später nutzbringend zu machen. Ein Jahr nachher kam es zu einem Prozeß mit dem Konsortium, das noch von zwei Straßburger Bürgern gebildet wurde. Die Enttäuschungen, die Gutenberg hierbei erlebte, mögen ihn wohl veranlaßt haben, Straßburg zu ver- lassen, und so kehrte er auf Umwegen mittellos wieder in seine Vaterstadt Mainz zurück.
Die beiden letzten Lichtenberger, die Brüder Jakob unö Ludwig, von denen der erstere vom Kaiser Friedrich III. in den Grafenstand erhoben war, hinterließen keine männlichen Erben. Die Ehe Jakobs mit der Gräfin von Mörs und Saarwerden blieb kinderlos, während Ludwig zwei Töchter halte, die Erbinnen des gesamten Besitzes. Mit Anna von Lichtenberg, der älteren Tochter Ludwigs, vermählte sich im Jahre 1458 Philipp der Aeltere, Sohn des Grafen Reinhard II. von Hanau-Münrenberg und wurde somit der Begründer der Linie Hanau-Lichtenberg. Die jüngere Tochter heiratete Simon Wecker IV., Graf von Zweibrücken-Bitsch.
*) Meisner und Luther, Die Erfindung der Buchdruckcrkunfi Bielefeld und Leipzig. 1900. Selle 54 u. 5.