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Hanauer

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General-Anzeiger

Antlitze» Grzi» für Mt- und Fmâreis SanM.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Wucher

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verantwsrU. Redakteur: 6. Schrecker fc HWW»

Ml. 228 Fernsprechanschluß Nr. 605»

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Slnitliches.

Landkreis l^anau. BekllmtmchNgeu des KömgliWU LNdriltsumtS.

Unter den Schweinen zu Großauheim ist die Schweine­seuche festgestellt worden.

Hanau den 24. September 1908.

Der Königliche Landrat.

V 6556 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.

Bekanntmachung.

1. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die infolge Herstellung von Kleinpstaster seither gesperrte Straßenstrecke Klein-SleinheimDietesheim von Montag den 28. d. Mts. ab für den Fuhrwerksverkehr wiedtr frei- gegeben ist.

2. Die Straßenstrecke Groß-SteinheimTannenmühle bleibt oon Montag den 28. d. Mts. ab wegen Vornahme von Walzarbeiten für den Fuhrwerksverkehr bis auf weiteres gesperrt.

Offenbach den 25. September 1908.

Großherzogliches Kreisamt Offenbach.

' I. V.: Dr. Reitz. V 6608

Hweckitze WMiwMck.

Der freiwillige Unterricht der gewerblichen Fort­bildungsschule beginnt Dienstag den 13» Oktober d. I. Er findet abends von 7 9 Uhr, sowie Sonntags vorm. von ^28 ^zlO Uhr statt und erstreckt sich auf Algebra, Planimetrie, Physik, Mechanik, Maschinenlehre, Elektrotechnik, Rundschrift, Freihandzeichnen und das Fachzeichnen aller Gewerbe.

An demselben können sowohl Lehrlinge als Gehilfen, welche sich in ihrem Berufe weiterbilden wollen, teilnehmen.

Schulentlassene junge Leute, welche sich noch nicht für einen bestimmten Beruf entschieden haben, können als Voll- Tagesschüler Aufnahme finden.

Für Schüler anderer Lehranstalten wird am Mittwoch und Samstag von P/t3*/4 Uhr nachm. Unterricht im ge­werblichen Zeichnen erteilt.

Der Eintritt kann nur zum Beginn eines Schul- Halbjahres erfolgen und sind Neuanmeldungen daher bis 13. Oktober int Dienstzimmer des Unterzeichneten, Erbsen­gaffe 3/5 zu bewirken.

Hanau den 25. Septeniber 1908.

Der Direktor der gewerblichen Fortbildungsschule.

Geißler. 19221

Feuilleton.

Konzert des GesaiigderkinsGermania".

Der Konzertreigen ist eröffnet. Unsere Gesangvereine werden zeigen, wie weit, sie in der Vervollkommnung ihrer Kunst fortgeschritten sind. Es ist wirklich eine ideale und edle Aufgabe, die sie verfolgen und die von den Sängern viel Liebe, Hingabe und Aus­dauer erfordert. Die Vereine sind Pflege statten einer Kunst, welche veredelnd auf das ganze Volk wirkt. Weil dazu noch hohe Opfer für erstklassige Solisten gebracht werden, ist es eine Ehrenpflicht der Mitbürger, dieses Streben durch ermun­ternde Anerkennungen und materielle Unterstützungen fördern zu helfen. Die finanziellen Beiträge, welche zu diesem Zwecke gefordert werden, erscheinen zwar im ersten Augenblick etwas hoch. Wenn man jedoch die Ausgaben in Vergleich zieht, die ohne Murren Vergnügungen geopfert werden, und noch berück­sichtigt, wie weit diese Genüsse hinter denen, welche die reine Kunst bietet, zurückstehen, so wird man bald einsehen, daß für Kunstgenüsse verschwindend wenig gezahlt wird.

Der GesangvereinGermania" ist der jüngste unter den k 0 n z c r t g e b e n d e n Ver­einen. Durch ein ausgezeichnetes Stimmenmaterial und einen fähigen Dirigenten ist es ihm gelungen, sich in ver­hältnismäßig kurzer Zeit eine achtunggebietende Stellung zu erwerben. Sein Auftreten in zwei Konzerten des vergangenen W i n t e r^s und bei andern festlichen Gelegenheiten haben den b e st e n B c w e i s d a f ü r erbracht. Für sein Konzert am 6. Oktober hat der Dirigent, Herr Georg Wagner, eine Auswahl vorzüglicher Chöre gewissenhaft vorbereitet und baut Kün st Irr innen aew 0 nnen, die einen

Dienstag den 29. September

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: Mehrere Böcke für Wirtschaftstische bei Festlichkeiten, 1 Zensurbuch für den Gymnasiasten Karl Reuther aus Langenselbold, 1 weißer Damengürtel mit Stickerei, 1 Portemonnaie mit etwas über 1 Mk., 1 Konto­buch für Evert, 1 Haarkamm.

Verloren: 1 Double-Sicherheitsnadel mit 1 rosa Perle und 4 weißen Steinchen, ein 20 Markstück auf dem Wege Friedrich-, Grimm- und Schnurstraße, 1 Jahreskarte Nr. 466 zur Fahrt Großauheim und Hanau-West für Kronenberger in Großauheim.

Zugelaufen: 1 junges schwarzes Huhn, 1 junger gelber Hund (Bastard), m. Geschl. 1 brauner Jagdhund (Stichelhaar) mit weißer Brust und Pfoten (abzuholen bei Bürgermeister Clauß, Ravolzhausen).

Entlaufen: 1 grauer Wolfsspitz, m. Geschl.

Hanau den 29. September 1908.

Politische Rundschau.

Die Wohnungsfürsorge des preußischen Staates. Zu den Entwürfen, die dem preußischen Land­tage in der nächsten Tagung zugehen werden, gehört auch ein Kreditgesetz für die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der unteren Beamten und der Arbeiter im Staatsbetriebe. Ebenso wie für das Reich in letzter Zeit regelmäßig in den Etats Summen zur Besserung der Arbciterwohnungsverhält- nisse ausgeworfen sind, sind für den größten deutschen Bundesstaat von Jahr zu Jahr beträchtliche Beträge für den gleichen Zweck durch besondere Krediigesetze flüssig gemacht worden. Nur in der letzten Tagung hat man davon abge­sehen, weil die letzten 15 Millionen Mark so spät in der vorvorigen Tagung bewilligt waren, daß man mit ihnen bis zum Beginn der nächsten Landtagstagung gut auskommen zu können glaubte. Es. i/t dasauch der Fall gewesen. In­dessen gehen nun die bisher bewilligten Summen ihrem Ende entgegen. Da aber die preußische Regierung ebenso wie die anderer Bundesstaaten und wie die des Reichs Wert darauf legt, daß die Lösung des Wohnungsproblems für die unteren Beamten und die Staatsarbeiter weiter betrieben wird, werden weitere Kredite gefordert werden. Es ist sogar, da die bis­her bewilligten Summen nahezu aufgebracht sind, ziemlich wahrscheinlich, daß die Kreditvorlage zu den in der ersten Zeit seiner nächsten Tagung dem Landtage zugehenden Ent­würfen gehören wird.

Ueber die Hilfsschulen in Preußen hat das preußische Kultusministerium eine Statistik veranstaltet, deren Ergebnis im Verbandsberichte der Hilfsschulen Deutschlands veröffentlicht werden. Hiernach gibt es in Preußen (1908) 204 Hilfsschulen mit 567 gemischten und 56 nach Geschlechtern echten Kunstgenuß zu bieten imstande sind (Frl. Mina Rode und Frl. E. O h lh o ff). Damit es dem strebsamen Vereine nun auch nicht an der nötigen Unterstützung fehlt, halten wir dieses Konzert hiesigen Musikfreunden nochmals bestens empfohlen. Karten sind durch den Vereinsdicner, die Mitglieder und von Samstag ab in den beiden Hofbuchhandlungen zum Preise von 2., 1.50 und 1. Mk. zu haben.

Das Jubiläum des Niederwaldbenkmals.

Der vor 10 Jahren gestorbene hessische Dichter Emil Pirazzi, ein wackerer Vorkämpfer der nationalen Sache in Hessen, hat den begeisterten Gefühlen, die ihn bei der Ein­weihung des Denkmals durchströmten, in den nachstehenden herrlichen Versen Ausdruck gegeben:

Die Ruhmestaten unsrer Helden,

. Der Erde Völkern allzumal,

Der spätesten Nachwelt nach zu melden, Erhebt sich nun ein Siegesmal :

Es wuchs empor an Rhein's Gestaden Germanias eherne Gestalt,

Dort, wo auf rebumsäumten Pfaden Der Wand'rer steigt zum Niederwald !

Nun steht es glanzvoll aufgerichtet, Aus hundert Gliedern fest geschweißt,

Was nie mehr Feindesmacht vernichtet,

Was keine Zukunft mehr zerreißt Der deutschen Einheit Prachtgebilde, Germania als Siegerin!

Weit über Berg- und Stromgefilde In Hoheit leuchtend blickt sie hin.

Am Rhein, um den der Kampf begonnen, Am grünen, ewig deutschen Rhein, Da stieg sie auf zum Licht der Sonnen, Ein Heldenlied aus Erz und Stein, Und hoch von dem erhab'nen Throne Hebt sie des großen Kampfes Preis

Fernsprechanschlutz Nr. 605» 1908

getrennten Klassen, insgesamt 623 Klassen. Daran wirken 505 Lehrer und 160 Lehrerinnen, zusammen 665 Lehrkräfte. Die Gesamtzahl der unterrichteten Hilfsschulkinder beträgt 13 102. Davon waren mit Sprachstörungen behaftet 1682 Kinder oder 12,84 Prozent; schwerhörig waren 871 Kinder oder 6,65 Prozent; Augendefekte hatten 1012 Kinder oder 7,72 Prozent; an Lähmungen oder sonstigen körperlichen Gebrechen litten 610 Kinder oder 4,66 Prozent. In eine Jdiotenanstalt kamen 378 Kinder; wegen Epilepsie mußten aus der Hilfsschule entfernt werden 95 Kinder; anderen Er­ziehungsanstalten wurden überwiesen 402 Kinder. Interessant sind die Zahlen über die Erwerbsfähigkeit. Von den 1900 bis 1904 nach beendeter Schulpflicht entlassenen Kindern waren völlig erwerbsfähig 673 gleich 22,10 Prozent, ganz erwerbsunfähig nur 242 gleich 7,95 Prozent. In ganz Deutschland sind gegenwärtig 314 Hilfsschuleinrichtungen mit 921 Klassen und 20 151 Kindern vorhanden.

Ueber die neue Weinsteuer macht dieDeutsche Weinzeitung" folgende weitere Angaben: Betroffen werden sämtliche auf Flaschen gefüllte Weine im Inland und alle Flaschenweine, die nach Deutschland eingeführt werden. Zöll« und einzelstaatliche Steuern werden nicht abgerechnet. Flaschen­weine bis zu 1 Mark zahlen eine Grundsteuer von 10 Pfg. Ueber 1 Mark treten folgende Zuschläge ein: bis 3 Mark 20 Pfg., bis 6 Mark 50 Pfg., bis 10 Mark 1 Mark, bis 20 Mark 2 Mark und über 20 Mark 3 Mark. Die Schaum- weinsteuer wird auf 1 Mark erhöht. Halbe Flaschen zahlen die Hälfte der Steuer. Nur der Export bleibt steuerfrei.

Ueber die Novelle zum Bankgeseß erfahren Berliner Blätter, daß die Gutachten der Sachverständigen über die Aenderungen betreffend die Bestimmungen der Reichsbank nunmehr erstattet sind. Die Tagung der Bank­enquete in der ersten Hälfte des Oktobers wird sich in erster Linie mit allen Fragen beschäftigen, welche auf die Novelle zum Bankgesetz Bezug haben. Der Entwurf ist im ReichS- amt des Innern soweit vorbereitet, daß er in etwa einem Monat an den Bundesrat gelangen kann. Der Reichstag wird sich also mit der Vorlage noch in diesem Winter zu beschäftigen haben.

Prinz Bernhard zur Lippe erläßt in derDet­molder Landeszeitung" folgende Erklärung: Ich habe meinen Abschied aus dem militärischen Dienst lediglich auS rein pri­vaten persönlichen Gründen erbeten, da ich beabsichtige, mich mit landwirtschaftlichen und kolonialen Studien zu befassen. Es ist mir im höchsten Grade peinlich, daß auS meinem Ent­schluß derartige dienstliche, unrichtige und meine Loyalität in Frage stellende Kombinationen gezogen werden konnten, zv denen irgend welcher Grund in keiner Weise vorlag.

Gewerbe-und Kaufmannsgericht. Nach amtlicher Statistik sind im Deutschen Reiche während des Vorjahres

Zum Hitnmel auf: die Kaiserkrone, Umwunden mit dem Lorbeerreis:

Und wie dies Monument des Ruhmes Auf felstenfestem Grunde steht, Dies Denkmal deutschen Heldentumes Nicht in Jahrtausenden verweht So möge unerschüttert ragen, Selbst dem granit'nen Felsen gleich, Bis zu der Erde fernsten Tagen Das große, freie, Deutsche Reich!

Ueber die vorgestrige Jubiläumsfeier erhalten wir folgende Schilderung:

Der denkwürdige Tag der vorgestrigen Jubiläumsfeier hat eine große Anzahl ergrauter Kriegsteilnehmer von 1870/71 und Patrioten nach Rüdesheim geführt, um der einfachen aber stimmungsvollen Festlichkeit beizuwohnen. Am Vorabend war Kommers in Rüdesheim und am Sonntag nachmittag versammelten sich um 3 Uhr ungefähr 30 Krieger­vereine, Turner, Feuerwehren, Fechtklubs und Sänger mit ihren Fahnen an den Stufen des Denkmals, wo die Rüdes­heimer Gesangvereine unter Begleitung der 61er Feldartillerie­kapelle das niederländische Dankgebet vortrugen. Hieraus bestieg der Vorsitzende des Festausschusses, Landrat Wagner, die Rednertrübüne und verlas die Urkunde, die vor 25 Jahren in das Nationaldenkmal versenkt wurde und schloß mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Der Bürger­meister Alberti von Rüdesheim feierte den Kaiser als den Hort des Friedens, und begeistert erklang aus tausend Kehlen dasHeil dir im Siegerkranz". Vaterländische Lieder er­tönten, die Musik spielte patriotische Weisen und ein natio­naler Geist beherrschte die zahlreichen Zuschauer, die teilweise auS weiter Ferne herbcigeeilt waren und mit den Vereinen nach dem Festplatz in Rüdeèheim zogen, um dort bei Spiel und Tanz die schöne Gedenkfeier zu beschließen. Am Abend erstrahlte die Germania in bengalischer Beleuchtung und er­stand wie ein Leuchtturm im Meere als Wahrzeichen deutscher Treue und deutscher Eintracht.