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Mus Dab und fern.

Gietzen, 26. Sept. Der Verhandlung gegen den Lankier Hofrat Rothschild ist noch nachzutragen/ Aus der Zeugenvernehmung ist zu entnehmen, daß die Hessen- Philippsthalsche Verwaltung 1892 bei der Firma Wert­heimer u. Co. eine größere Anleihe machte, die in Schuld­verschreibungen von je 1000 Mk. eingeteilt wurde. Später wurde eine weitere Anleihe gemacht und ein Vertrag ge­schlossen, daß die frühere unter den alten Bedingungen be­stehen bleiben solle. Rothschild war berechtigt, 150 Teil­schuldverschreibungen zu je 1000 Mk. auszugeben, dafür aber verpflichtet, die alten Schuldverschreibungen einzulösen und dem Generalbevollmächtigten der Prinzen abzulicfern. Erst protestierte er zum Schein gegen die Anfertigung neuer Schuldverschreibungen und wollte die alten mit einem Stempel versehen, woraus hervorgehe, daß diese verlängert seien. Dabei ließ er aber auch neue drucken und versah die alten ausgelosten mit einem Verlängerungsvermerk. Im Sommer vorigen Jahres ging er zu dem Pächter Koch auf der Ronneburg und schlug ihm vor, er möge ihm seine Papiere, die nur 4 proz. seien, gegen 4^2 pro$. landgräflich hessische Obligationen umtauschen. Koch überlieferte ihm für 15 000 Mk. gute Papiere, wofür er von den ausgelostcn mit dem Stempel versehenen wertlosen Papieren bekam. Auf gleiche Weise verfuhr er bei dem Landwirt Zieg von Diebach, der ihm für 4700 Mk. gute Papiere gegen wert­lose umtauschte; die gleichen Manipulationen machte er bei der Witwe Gerth in Büdingen mit 12 000 Mk., die ihm gegen die wertlosen Papiere für 12 000 Mk. Limburger Schieferbergwerksaktien gab. Rothschild stand mit der Firma Hengstenberg u. Co. zu Duisburg-Ruhrort in Geschäfts­verbindung. Er hatte einen Wechselkredit von der Firma eingeräumt bekommen, und deponierte neben guten Papieren für 12 000 Mk. wertlose Stockheimer Zuckerobligationen. Die Witwe Koch in Büdingen erhielt einen von Acker unter­schriebenen Brief, worin um Ueberlassung von bestimmten Papieren im Werte von 3500 Mk. ersucht wurde; auch Frau Malhesius und Frau Forstmeister Königer in Büdingen erhielten gleiche Schreiben; erstere stellte 5000 und letztere 3000 Mark zur Verfügung, um welchen Betrag sie geschädigt sind. Ansgeloste Obligationen der Stadt Altenstadt ließ Rothschild durch Acker im Betrage von 3000 Mk. bei dem. Bankhaus Blum in Berlin lombardieren und weitere Obligationen der­selben Art an die Fürstin-Mutter in Büdingen über 1000 Mark verpfänden; unter Verschweigung, daß sie ausgelost sind, gelang ihm die abermalige Verwertung. Die Stadt Altenstadt hat die Papiere wieder eingelöst, wodurch sie um 1461 Mk. geschädigt ist. Gegen Hinterlegung guter Wert­papiere hatte die Stadt Büdingen Rothschild einen Betrag von 100 000 Mark überlassen. Der Bürgermeister wurde von Rothschild schriftlich ersucht und zwar unter gleichzeitiger Zusendung von 40 000 Mk. Aktien der Zuckerfabrik Stock­heim, die er dem Depot einverleibte und Rothschild auf sein Verlangen andere Papiere in gleicher Höhe zusandte; durch Verschweigung des Umstandes, daß die Papiere ausgelost waren, rst der Bürgermeister Rothschilds Ansinnen nach­gekommen. Als das ganze Depot zum Schneiden der Kupons dem Rothschild überbracht wurde, nutzte er die günstige Gelegenheit aus, um ans der Kassette 35 900 Mark gute Papiere zu nehmen und an deren Stelle die berühmten Philippsthaler Obligationen in gleicher Höhe zu legen. An­fang dieses Jahres schrieb Rothschild an Professor Glaser in Bensheim, wodurch dieser veranlaßt wurde, je 2000 Mark gute Papiere für sich und seinen Bruder an Rothschild elu- zusenden, die, wie auch 9000 Mark von Frau Forstmeister Leo in Büdingen, die er ebenfalls auf Anfordern erhielt, im Geschäfte verwendet wurden. Bürgermeister Lehr von Eckarts­hausen und Landwirt Friedrich Suhl von Ortenberg ver­lieren an Rothschild je 2000 Mark, die er auf falsche An­gaben hin erhielt, wie auch Heinrich Bähr von Büches und Lehrer Uhl von Mitlelgrnndau, sowie Landwirt Friedr. Jul. Volz von Altwiedermus den Verlust von je 1000 Mark zu beklagen haben. Eine weitere, große Anzahl von Schädigungen sind zu verzeichnen, die durch allzu große Vertrauensseligkeit seiner Kunden herbeigeführt wurden, die aber mangels Vor­liegens aller zur Bestrafung nötigen Tatbcftandsmerkmale, von der Anklageerhebung ausgeschieden wurden, wenn sie auch moralisch verwerflich sind. Anzuführen wäre noch der Fall mit der Rheinischen Hypothekenbank zu Mannheim. Diese hatte der Firma Wertheimer u. Co. 5000 Mk. Wert­papiere als Komuüssiouslager überlassen, wovon 1000 Mark verrechnet bezw. verkauft wurden. Den Rest von 4000 Mk. verkaufte Rothschild ohne der Bank davon Mitteilung zn machen, vielmehr schickte er der Bank die Kupons hin, um die Abrechnung in die Länge zu ziehen und den Anschein zu erwecken, als befänden sich die Papiere noch in seinem Besitz.

Uttterliedersbach, 26. Septbr. Die Ehefrau des Schriftsetzers Sohl, die schon seit einer Reihe von Jahren dem Truuke ergeben und schließlich vor etwa Jahresfrist ent­mündigt worden war, hat sich gestern abend aus dem Fenster einer Wohnung im Nenweg auf die Straße gestürzt und war sofort tot. Die Frau war seit einiger Zeit in dem Kloster zu Marxheim untergebracht, wo man sie aber nicht mehr behalten wollte, da sie sich höchst rabiat betrug und alles kurz und klein schlug. So wurde sie vorgestern hier­hergebracht und die Gemeinde gab sic bei einer Familie Kromm einstweilen in Pflege, bis eine andere Unterkunft für sie beschafft wäre. Die Frau verhielt sich gestern den Tag über verhältnismäßig ruhig und eS erwartete niemand

eine derartige Katastrophe; daß ein Unglücksfall vorliege, kann man kaum annehmen, vielmehr sprechen alle Umstände für einen Selbstmord.

Frankfurt a. M., 25. Septbr. Den ersten Preis der Pferdelotterie hat ein Schneidermeister in Kreuznach ge­wonnen. Der zweite Preis fiel nach Königsberg.

Frankfurt a. M., 25. Septbr. Die Wertzuwachs- steuer brachte der Stadt eine Jahreseinnahme von 1106 000 Mark.

Kunst und Leben.

Internationale Tuberkulose-Konferenz.

Philadelphia, 26. Septbr. Die Tuberkulose-Konferenz ernannte eine aus 7 Mitgliedern bestehende Kommission, deren Vorsitzender Prof. Robert Koch ist, zur Untersuchung und Verhütung der Gefahr von Tuberkulose-Infektion durch Genuß roher Milch.

Philadelphia, 26. Septbr. Die internationale Tuber­kulosekonferenz verlieh die internationale Tuberkulose-Medaille in Gold, als höchste Anerkennung für erfolgreiche Arbeit auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung : an Ministerial­direktor a. D. Exz. Althoff-Berlin, den Begründer der inter­nationalen Tuberkulosevereinigung, und an Henry Phipps, den Stifter des Henry Phipps-Tuberkulose-Jnstituts in Philadelphia; in Silber: an Geh. Medizinalrat Prof. Bern­hard Fraenkel-Berlin und Professor Landouzy, den Präsi­denten der französischen Tuberkulose-Gesellschaft, ferner an Dr. Theodore Williams-London und Coni-Buenos-Aires.

Frankfurter Theater.

Opernhaus. Montag, 28. Septbr., abends 7 Uhr. Zu Ehren des Internationalen Presse-Verbandes :Samson und Dalila." Außer Abonn. Große Preise. Dienstag, 29. Septbr., abends 7 Uhr:Die Zauber- flöte." Im Abonnement. Gewöhnl. Preise. Mitt­woch, 30. Septbr.: Geschlossen. Donnerstag, 1. Ok­tober, abends 7 Uhr:Der Mann mit den drei Frauen." Im Abonnement. Gewöhnliche Preise. Freitag, 2. Oktober, geschlaoffen. Samstag den 3. Oktober, abends 7 Uhr. Bei aufgehobenem Samtags-Abonnement: Erstes Gastspiel von Enrico Caruso :La Boheme". (Rudolph : Herr Caruso.) Er­höhte Preise. Sonntag, 4. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen:Der fidele Bauer" Außer Abonnement. Abends 7 Uhr: Tannhäuser". Im Abonn. Große Preise. Mon­tag, 5. Oktober, abends halb 8 Uhr. Vorstellung bei kleinen Preisen.Undine". Außer Abonn. Diens­tag, 6. Oktober, abends 7 Uhr:Der Mann mit den drei Frauen": Im Abonn. Gewöhnl. Preise. Mit- woch, 7. Oktober, abends halb 8 Uhr. Zweites Gast­spiel von Enrico Caruso :Der Bajazzo." (Canio: Herr Caruso.) Außer Abonn. Erhöhte Preise.

Schauspielhaus. Montag, 28. September, abends 7 Uhr: Simson". Im Abonnement. Gewöhnl. Preise. Dienstag, 29. Septbr., abends 7 Uhr. Zum ersten Male:Das wahre Gesicht." Drama in 5 Auszügen von Max Halbe. Im Ab. Mittwoch, 30. Sept., abd. 7 Uhr.Husarenfieber." Im Abonnement. Gewöhnl. Preise. Donnerstag, 1. Oktober, abends 7 Uhr. Abonnements-Vorstellung für den am 19. Juli 1908 ausgefallenen Sonntag":Mein Leopold". Im Abonn. Kleine Preise. Freitag, 2. Oktober, abends 7 Uhr. Vorstellung bei kleinen Preisen:Kriemhilds Rache". Im Aonn. Samstag, 3. Okt., abends 7 Uhr:Das wahre Gesicht". Im Abonn. Gew. Preise. Sonn­tag, 4. Okt., nachm. halb 4 Uhr. Vorstellung bei er­mäßigten Preisen:Bei uns da drüben". Außer Abonn. Abends 7 Uhr:Das wahre Gesicht". Im Abonn. Gewöhnl. Preise. Montag, 5. Okt., abends 7 Uhr:Husarensieber". Im Abonn. Gew. Preise. Dienstag, 6. Oktbr., abends 7 Uhr. Vorstellung bei kleinen Preisen :Die Rabensteinerin". Im Abon. Mittwoch, 7. Okt., abends 7 Ahr:Das wahre Gesicht". Im Abonn. Gew. Preise.

Mus aller Mell.

Ein schweres Hochbahnnnglüik in Berlin.

Berlin, 26. Septbr. Ein vom Leipziger Platz nach Möckernbrücke fahrender Zug der Hoch- und U n t e r= g rundbahn hat am Gleisdreieck das Haltesignal über­fahren und ist einem von der Bülowstraße kommenden, nach Möckernbrücke fahrenden Zuge in die Flanke geraten, wobei der Führerwagen des letztem Zuges vom Viadukt fiel, während die andern Wagen stehen blieben. Die Auf­räumungsarbeiten, die mit großen Schwierigkeiten ver­knüpft sind und durch die Feuerwehr vorgenommen werden, sind noch nicht beendet. Bis 3 Uhr nachmittags sind 13 Tote und 8 Verwundete festgestellt gewesen. Die Unfall­stelle bietet ein Bild der traurigsten Zerstörung. Die Rampe des Gleisdreiecks ist gegenüber der Gesellschaft für Markl­und Kühlhallen vollständig eingedrückt. Die ineinander­gefahrenen Hochbahnzüge liegen zerstört auf der Rampe.

Berlin, 26. Septbr. Nach amtlicher Feststellung sind bei dem Eisenbahnunglück auf der Hoch- und Untergrund­bahn 17 Personen getötet und 17 verwundet worden. Die Verwundeten wurden zunächst in Eiswagen der Gesellschaft für Mark- und Kühlhallen, auf deren Grundstück der ab­gestürzte Wagen liegt, in nahe liegende Krankenhäuser ge­bracht Erst später waren Krankenwagen zur Stelle. Der Führer, der das Haltesignal übersehen und dadurch an­scheinend den Unfall herbeigesührt hat, befindet sich auch unter den Toten. Der Verkehr der Hochbahn ruht voll­ständig. Tausende von Menschen eilen zur Unfallstclle. Die angrenzenden Straßen sind abgesperrt. Allenthalben werden Extrablätter verteilt

Berlin, 26. Septbr. Die Katastrophe auf der Hochbahn am Gleisdreieck hat die Bevölkerung der Reichshauptstadl ungeheuer erregt. Große Menschenmassen strömten nach der Unglücksstätte, die aber im weitesten Umkreise abgesperrt war. Der Lokalanzeiger berichtet nach Erzählungen von Augenzeugen: Von einer Dame, die sich unter den Geretteten befindet, wird die Katastrophe folgender­maßen geschildert:Wir fuhren, gemütlich plau­dernd, in der Richtung vom Zoologischen Garten nach dem Potsdamer Platz, als plötzlich ein furchtbarer Stoß erfolgte, ein heftiges Gepolter und ein wildes Durcheinander­schreien der Insassen des Zuges. Dann solgte eine momen­tane lautlose Stille. Wir wurden emporgerissen und be­merkten, daß unser Wagen halb schräg in Drähten sesthing. Einige beherzte Herren zogen uns aus dem Wagen heraus, und so kamen wir mit dem Leben davon. Ein Blick in die Tiefe überzeugte uns, daß der erste Wagen vollständig zer­trümmert unten lag; unter den Trümmern konnte man die blutenden Körper der Verunglückten erkennen. Nur den Drähten haben wir es zu verdanken, daß der zweite Wagen, der die 2. Klasse führte, nicht abgestürzt ist." Major Zwinger aus Gnesen schildert den Unfall wie folgt:Ich kam mit dem Zuge vom Leipziger Platz und saß im mittlern Wagen zweiter Klasse, als plötzlich ein heftiger Stoß erfolgte. Ich wurde auf die Seite geschleudert, dann schwankte der Wagen einigemal hin und her, und plötzlich fühlte ich mich heftig in die Höhe gehoben. Von unten ertönte lautes Schreien und Stöhnen. Nachdem die Verwirrung sich etwas gelegt hatte, sah ich, daß der andere Zug den unsern direkt in die Mitte getroffen hatte und in ihm festsaß. Nachdem ich den Wagen schnell verlassen hatte, überzeugte ich mich, daß das Signal für den Zug Zoologischer GartenWaschauer Brücke aus Halt stand.

Berlin, 26. Sept. Bei dem Hochbahnunglück sind nach den bisherigen amtlichen Feststellungen tödlich verunglückt: Neander Gutheim, Steinmetzstr. 75; Levysohn, Stand und Wohnung unbekannt; Richard Lange, Naunynstr. 3; Otto Kühntopf, Gitschinerstr. 36: Nikosch, Stand und Wohnung unbekannt: Paul Engel, Stand und Wohnung unbekannt; Kutscher Wilhelm Heinrich, Kulmstraße; Fräulein Schmidt, wahrscheinlich Verkäuferin; Hugo Levysohn, Greifswalderstr. 224; Richard Wendt, Engelufer 1; ferner drei nicht festge­stellte Herren und vier Damen. Alle festgestellten Fahrgäste sind in Berlin ansässig.

Berlin, 26. Sept. Die Darstellung, welche die die Hoch, und Untergrundbahn betreibende Gesellschaft von dem Unglück gibt, geht dahin, daß der Zug, der ab Leipziger Platz 1.42 Uhr nach dem Bahnhof Möckernstraße fährt, das auf Halt stehende Aussahrtsignal überfuhr. Gleichzeitig fuhr ein direkter Zug ab Bülowstraße 1.39 Uhr ebenfalls nach der Möckernstraße, wodurch der Zusammenstoß verursacht wurde. Der erste Wagen des Zuges Bülowstraße-Möckerustraße, der dritte Klasse führte, fiel vierzehn Meter tief über die Rampe auf das Grundstück der Markt- und Kühlhallen-Gesellschaft herab, so daß das Wagendach unten lag. Die Schuld trifft den Führer des Zuges ab Leipziger Platz, einen' älteren Be­amten. Das Personal und die Insassen des Zuges vom Leipziger Platz sind nach den bisherigen Feststellungen unver­letzt. Beide Fahrbeamten des verunglückten Zuges von Bülowstraße sind schwer verletzt. Die bisher festgestellten Toten und Verwundeten sind Berliner, mit Ausnahme eines Fahrgastes aus Perleberg. Außer der Feuerwehr und zahl­reichen Aerzten erschienen sämtliche Sanitätskolonnen aus Berlin und Umgebung an der Unglücksstätte. Die angrenzen­den Straßen sind von einem nach Tausenden zählenden Publikum besetzt. Die Mehrzahl der Verwundeten trug schwere Bruchverletzungen davon, darunter Schädelbrüche, Rippenbrüche, Beckenbrüche und Beinbrüche. Das Berliner Tageblatt berichtet: Die Herbstmittagssonne bescheint ein Trauerbild, das das Herz schwer macht. Zu Füßen des Geleisdreiecks, das bisher als das technische Meisterstück der Hochbahn galt, unter dem aufgewühlten Terrain, auf dem gegenwärtig die Umbauten vorgenommen werden, liegt der weite Sandplatz, auf den der Unglücks­magen der Bahn hinuntergestürzt ist. Er liegt in tausend Stücke zerschmettert, ein Gewirr von Holzteilen, elektrischen Drähten, Scheiben und Rädern. Nur der Unterteil des Wagens ragt noch hoch, inmitten des ungeheuren Gedränges von Feuerwehr-, Schutz- und Rettungsmannschaften. Der ganze Platz bietet ein einziges Bild des Schreckens, und die Furchtbarkeit der Katastrophe hat überall ein wildes Durch­einander geschaffen, in das die Anordnungen der Retter Ordnung zu bringen suchen. Ueber dem Bogen des Gleisdreiecks sieht man noch einen benachbarten Wagen des verunglückten Zuges hängen, der jeden Augenblick ebenfalls herabzustürzen droht und um dessen Bergung sich andere Rettungsmannschaften bemühen. Ein Teil der Unter­mauerung ist eingerissen und die Schienen hängen in weitem Bogen neben der Bahn herunter. Inzwischen werden einzelne Wagen der Feuerwehr nach allen in Betracht kommenden Richtungen dirigiert und zahlreiche Träger nahen mit Bahren, auf denen die armen Opfer der Katastrophe, mit Tüchern überdeckt, ruhen. Zwischen der herandrängenden Menge sieht man Verweinte sich erkundigen. Aber es lassen sich vorläufig nur wenig sichere Nachrichten mitteilen, die Verwirrung ist noch zu groß. In den benachbarten Räumen der Kühlhallengesellschaft wurden die ersten Vorbereitungen zur Rettung der Verivundeten unternommen. In allen Gängen sind die Apparate und Kästchen der Aerzte ausge­breitet. Alsbald gelangt ein Zug der Träger herein und ein schreckliches Momentbild: der vom elektrischen Strom ge­troffene, vollständig geschwärzte Körper eines Toten wird vorbeigetragen.

Berlin, 26. Septbr. Von der Königlichen Eisenbahn- direktion,^ als der technischen Aufsichtsbehörde der Hochbahn- gesellschaft, erfährt man folgendes: Nach dem vorläufigen Ergebnis der sofort vorgenommenen, vom Minister der öffentlichen Arbeiten auf der Unfallstelle angeordneten ört­lichen Untersuchung muß angenommen werden, daß der bedauerliche Unfall auf Uebe rfah r en des halt zeigen- den Hauptvorsig n a l s durch den vom Leipziger Platz tommenben Zug herbeigesührt worden ist. Weiteres wird