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«•tattenMnid und »«leg der Buchdrucker«! der v««i«. «s. Waisenhauses in Hanau.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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B«a»t«srtl. Redakteur: e. • ch r, S t c * Hema»
Nr. 227 Fernsprechairschlrch Nr. 605.
Montag den 28. September
Fernsprechanschlutz Nr. 605.
1908
Amtliches.
£andkms L^anau.
GekamllmtznO des Kömglèlheil LünkiltsaMs.
An sämtliche Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Veranlagungsbezirks.
Auf Grund des Art. 40 der Anwsg. vom 25. Juli 1906 zur Ausführung des Einkommen- und Ergänzungssteuer- Gesetzes hat die Königl. Regierung zu Cassel bestimmt, daß die zur namentlichen Feststellung der Steuerpflichtigen erforderliche Ausnahme des Personenstandes für das Steuerjahr 1909 in sämtlichen Orten des Bezirks am Montag den 26. Oktober 1908 stattzufinden hat und wenn sie nicht an diesem Tage beendet werden kann, an den nächstfolgenden Werktagen ununterbrochen fortzusetzen und in möglichst kurzer Zeit zum Abschluß zu bringen ist.
Die Bestimmungen in den Art. 39—41 der Ausführungsanweisung vom 25. Juli 1906 sind bei der Personenstandsausnahme genau zu beachten.
Personen, die ein der Verfügung des Haushaltungsvorstandes nicht unterliegendes Einkommen oder Vermögen haben, sind ebenso wie Knechte, Mägde, Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge usw. als einzelne Personen mit Namen einzutragen.
Bei jedem Namen ist in den Spalten 4—7 die Anzahl ver Haushaliungsangehörigen anzuführen einschließlich derjenigen, welche behufs ihrer Ausbildung als Lehrlinge, Schüler, Studenten usw. auswärts unterhalten werden.
Besondere Aufmerksamkeit ist der Ausfüllung der Spalte 6 zu widmen. Für die Berechnung des Lebensalters der einzelnen Familienglieder — ob über oder unter 14 Jahren — ist der 1. April 1909 maßgebend.
' Ansaffen von Armenhäusern und ähnlichen öffentlichen Anstalten, welchen weder ein steuerpflichtiges Einkommen von mehr als 900 Mk. noch ein steuerbares Vermögen von mehr als 6000 Mk. beizumessen ist, sind ohne namentliche Angabe summarisch in das Personenverzeichnis aufzunehmen.
Die zur Veranlagung der Einkoinmensteuer erforderlichen Formulare (Personenverzeichnis mit Gemeindesteuerliste, Kartenblätter, Kontrolliste und Staatssteuer-Nolle) werden in der hiesigen Waisenhausbuchdruckerei vorrätig gehalten.
Da es in der Absicht liegt, künftig die Voreinschätzung bereits Anfangs November zu bewerkstelligen, wollen die Herren Bürgermeister ec. die nach Art. 40 ff. der gedachten Anweisung auszuführenden Vorarbeiten für die Staatssteuer- Veranlagung alsbald in Angriff nehmen und das Vor
Feuilleton
Hanauer Stadttheater.
— Hanau, 28. Septbr.
Nachdem die Leitung unseres Stadttheaters kürzlich mit ihrem Programm für die kommende Saison hervorgetreten und uns vielseitigen künstlerischen Genuß für die immer länger werdenden Abende versprochen hat, ist gestern die Wiedereröffnung der Pforten unseres alten Musentempels nunmehr vor sich gegangen. Mit einem Werke des großen Briten Shakespeare, dem volkstümlichen Drama „Julius Cäsar", wurde die Spielzeit eröffnet. Wenn diese Huldigung, die man der klassischen Kunst darbrachte, auch sicherlich keine programmatische Bedeutung haben kann, so berührte sie uns doch schon um deswillen angenehm, weil man in ihr den guten Vorsatz der Direktion erblicken konnte, die Würde des Hanauer Stadttheaters auch in dieser Spielzeit entsprechend zu wahren, ihm den Charakter einer Kunst- anstalt scharf aufzuprägen. In diesem Sinne ein herzliches .Glück auf!"
Doch nun zu der Aufführung. Zuerst sprach Frl. Gertrud Halden, die neuengagierte erste Sentimentale, eindrucksvoll einen von Herrn K n ö f e l - Hanau verfaßten Prolog, worauf die Kapelle eine Festouvertüre bot. Derart stimmungsvoll eingeleitet, konnte nunmehr das Drama Shakespeares sich vor den Augen der Zuschauer entwickeln. In „Julius Cäsar" spricht vor allem für den Erfolg die Inszenierung ün gewichtiges Wort, sie muß dem Forum-Akt pulsierendes 3eben geben, die politischen Auseinandersetzungen verständlich machen und die Ermordung Cäsars und ihre Folgen der Empfindung nahe bringen. Mit gewöhnlichen Mitteln alltäg- üchcr Theaterci ist dem gewaltigen Drama nicht bcizukommcii, es gilt, eine Menge Anforderungen zu erfüllen, die zu- I jammengefügt das einheitliche große Ganze bilden. Hier bot
einschätzungsmaterial nach Fertigstellung dem Herrn Vorsitzenden der Voreinschätzungskommission unverzüglich und jedenfalls bis 3. November zugehen lassen.
Die Kartenblait-Sammlung wird Ihnen in den nächsten Tagen übersandt werden.
Ich bemerke übrigens schon hierbei, daß von diesem Jahre ab das Deranlagungsbenachrichtigungsschreiben nach Art. 6511 der Ausf.-Anwsg. mit dem Steuerzettel (Art. 90 d. Ausf.- Anw.) zu einer einheitlichen Zuschrift verbunden, die besondere Zustellung der Steuerzettel also in Wegfall kommen wird.
Weitere Verfügung mit dem erforderlichen Formular wird Ihnen s. Zt. zugehen.
Hanau den 25. September 1908.
Der Vorsitzende
der Einkonnnensteuer - Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.
St 2991 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.
Stadtkreis Ran au.
Bekanntmachung
Die Ausführung des Regenauslasses am Wasseriurm Philippsruhe und die Verlegung von etwa 125 Ifd. Meter eiserne Druckleitung von 600 mm Durchm. wird zur Vergebung ausgeschrieben. Ausführungszeichnungen und Verdingungsunterlagen können im Sielbau - Bureau Hanau- Kesselstadt, Hauptstr. 4, während der Dienststunden eingesehen und die Ausschreibungsbedingungen gegen Erstattung von Mk. 2 in Empfang genommen werden.
Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Anbieter atn 10. Oktober, vorm. 11 Uhr, im „Sielbau-Bprean, Hauptstr. 4.
Hanau den 26. September 1908.
Der Oberbürgermeister.
Dr. Gebeschus. 19241
Sitzung bet Stadtverordneten- Versammlung
am Dounerstag der» 1. Oktober 1908, nachmittags 5 Uhr.
Tagesordnung:
1. Bau der Kleinbahn Hanau—Büdingen.
2. Nachbewilligung von 162,13 Mk. für Herrichtung der Räume im Knabenhort.
sich Herrn Direktor S t e f f t e r , dein bewährten Regisseur, Gelegenheit, sein Können ins beste Licht zu setzen, denn überall begegneten wir, obwohl die Bühnenverhältnisse hier und da eine Entfaltung nicht gestatten, gewissermaßen einer Großzügigkeit, einem einheitlichen Geiste als auch künstlerischem Sinne. Die Gewitternacht, der mondbeglänzte Garten des Brutus waren bewerbens- und beachtenswerte Bühnenbilder. In Anbetracht dieser Vorzüge der Gesamtdarbietnng verschlug es wenig, daß nicht alle Rollen zweckentsprechend besetzt werden konnten. Vor allem schien der „Cäsar" des Herrn C o m m e r äußerlich zu behäbig, obwohl er im übrigen der Hoheit nicht entbehrte. Dagegen bot Herr P e r i n o als „Cassius" eine wohlgelungeue Figur, die er ohne in ein Zuviel zu geraten, mit scharfen Strichen zeichnete. Unsere ucuengagierten Kräfte führten sich entsprechend gut ein. Den „Brutus" gestaltete Herr Max G r i m in klug berechnend, wie auch Herr Feigel als „Antonius" namentlich in seinem Schmerze an der Leiche Cäsars, wie auch in seiner die Leidenschaften der Menge aufstachelnden Rede Proben seines Könnens ablegte. Meisterlich führte Bier auch sein Gegenspieler, das Volk, seine Rolle durch, denn nicht teilnahmlose Statisten, sondern individuell sich betätigende Personen traten hier vor unsere Augen. In' weiteren mehr oder minder hervortretenden Rollen
war noch das gesamte Personal beschäftigt. Es traten uns aus dem Vorjahre bekannte und geschätzte Darstellerinnen und Darsteller entgegen, während anderseits auch die Neu- Hinzngekommeuen sich uns vorstellen konnten. Das Gesamt- urteil geht dahin, daß uns mit der ersten Aufführung eine gut abgerundete, mit gioßem Fleiße einstudierte Vorstellung geboten wurde, die zu den besten Hoffnungen auch für die Zukunft berechtigen darf. Herr Direktor S t c f f t c r, der weder Mühe noch Kosten gescheut hatte, wurde mehrfach her- vorgcrufen und mit kostbaren Btumgnspenden bedacht, eine zweifelsohne wohlverdiente Ehrung und Anerkennung. Zum Schluffe wollen wir noch erwähnen, daß die neuen Kostüme, ' Waffen, Requisiten re. in dem Atelier der Theaterausstattungs- | Firma I. L. Kaise r-Bascl angefertigt, die neuen Dekorationen
3. Beschäftigung der Notstandsarbeiter.
4. Verlängerung der Hanauer Straßenbahn von btt Wilhelmstraße bis zur Wredestraße.
5. Gesuch des „Hanauer Anzeigers" und der „Hanauet Zeitung" um Erhöhung des Pauschalquantums für die städtischen Bekanntmachungen.
6. Nachweisung der im Jahre 1907 eingetretenen Ueber» schreitungen über 100 Mk.
7. Entwurf einer Hinterlegungsordnung.
8. Verwendung der aus Rückzahlungen auf Darlehn bü Tit. A. 0. Vic für 1906 vorhandenen Mittel.
9. Wanderversammlung des Zentralvereins für Hebung der Deutschen Fluß- und Kanalschiffahrt.
10. Nachbewilligung von 1762,53 Mk. auf Tit. A. 0. LU» für 1906.
11. Grundsätzliche Berechnung des Reingewinns der Be« triebswerke.
12. Anstellung des Hausmeisters Henze im Pflegehaus.
13. Gehaltsfestsetzung für' die Kleinkinderschullehrerin irr Hanau-Kesselstadt.
14. Desgleichen der Krankenschwester.
15. Vermächtnis des Fräuleins Ledebur von 1000 Mk. für die Armen.
16. Desgl. von 2500 Mk. für die ehemalige Gemeinde Kesselstadt.
17. Rechnung der Stadtkaffe für 1906.
18. Desgl. der Gaswerkskaffe für 1907.
19. Desgl. der Wasserwerkskasse.
20. Desgl. der Elektrizitätswerkskaffe.
21. Desgl. des gemeinsamen Betriebs- und Ausgleichsver» lags der Werke.
22. Desgl. der kaufmännischen Fortbildungsschule.
23. Desgl. der gewerblichen Fortbildungsschule.
24. Desgl. der Sparkasse.
25. Desgl. der Sammelwasenmeisterei.
26. Unvermutete Revision der Stadthauptkasse.
27. Antrag Salomon und Gen., eine Resolution gegen dir Einführung der GaS- und Elektrizitätssteuer zu beschließen.
Anschließend findet geheime Sitzung statt.
Hanau den 28. September 1908.
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
CanthaI. 19279
Bekanntmachung.
Es sollen im Wege der öffentlichen Ausschreibung die Erd- und Maurerarbeiten, die Basaltlieserung,
im Atelier der Theater-Dekorations-Firma Obronsk^ Impekoven u. Cie., Berlin gemalt worden sind.
Kunst und Leben.
Der Hutschmuck unserer Damen. Eine Fra» schreibt der „Neuen Züricher Ztg.": Seit einigen Jahren begünstigt die Mode eine Damenhutgarnitur, die aus Federn von Reihern besteht und unter den Damen „Aigrette" bekannt ist. Ein weißer, in Nordamerika heimischer Reiher muß diesen Schmuck liefern. Die „Aigrette^ ist der Hochzeitsschmuck der Reiher, um die es sich handelt; sie tragen sie nur während der Brutzeit. Jedermann weiß, daß die Jagd in dieser Zeit die Vögel schont. Nicht so die raubgierige Mode; sie muß Federn haben, und zwar in möglichst großer Menge! Die Reiher nisten schwarmweise in sumpfigen Gegenden; ihre Nester werden auf Weiden oder auf ähnlichen Bäumen oder in Stauden gebaut. Während die Vögel die Jungen, die noch nicht fliegen können, auffüttern, bricht der Jäger über sie herein. Das Blutbad vollzieht sich ohne Mühe; die Eltern versuchen gar nicht, fortzufliegen, sondern fallen zu Hunderten als Opfer des natürlichen Triebes, ihre Jungen zu schützen, dem Jäger zur Beute. Nach dem Gemetzel entfernt sich der glückliche Jäger, beladen mit den Federn, die er den armen Vögeln ausgerissen hat, einen Haufen blutender Vogelleichen hinter sich zurücklassend. Die jungen Reiher müssen in den Nestern verhungern ; sie erheben noch einige Zeit ein verzweifeltes Geschrei, dann herrscht das tiefe Schweigen des Todes. Danach wird es niemand verwundern, daß die Aigrette-Reiher in Amerika am Aussterben sind. Es handelt sich um die vollständige Ausrottung schöner, interessanter Vögel, um einen in empörender Weise voll-
zogcnen Bogelmord — der Mode zulieb! Jede „Aigrette" auf einem Hut repräsentiert eine vor Hunger zugrunde gegangene Brut. Ist ein solcher Hutschmuck nicht zu teuer I bezahlt?