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Gencral-Anzrigcr Änlicher ®t|ti fit Statt- ii) FssNktis $mi Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Stiles«.

Nr. 226 F-rnsprechanschKttz Nr. 605, Samstag bCll 26. September Fernspr-chattschlutz Nr. 605, 1908

Die lMeMmr «Mt Mn -.UMMOblstt

14 Seiten.

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Amtliches.

Bekanntmachung.

Mit dem 30. September d. Js. läuft die Frist ab, innerhalb welcher die durch Beschluß des Bundesrats vom 27. Juni 1907 außerkursgesetzten Eintalerstücke deutschen Gepräges durch die Reichs- und Landeskasten noch einzulösen sind. Auf diesen bevorstehenden Fristablauf wird hierdurch nochmals mit dem Bemerken hingewiesen, daß die versäumte Einlösung der noch im Verkehr befindlichen Eintalerstücke für deren Besitzer erhebliche Verluste zur Folge haben würde.

Berlin den 17. September 1908.

Der Finanzminister. V 6596

Stadtkreis Ranau.

Am Dienstag den 29. September 1908, vor­mittags von 10 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt.

Hanau den 25. September 1908.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

Dr. Gebeschus. 19165

Bekanntmachung

Arbeitsuchende in der Zeit vom 19. biß 26. September 1908 *

1 Ausläufer, 1 Banschlosfer, 1 Fahrbursche,

3 Hausburschen, 1 Ketterarbeiter, 1 Maschinenschlosier, 1 Schreiner, 16 Tage­löhner.

Gesucht werden 3 Dienstmädchen, 1 Küfer, 1 Bäcker, 1 Schneider.

Hanau den 26. September 1908. 19167

Städtische Arbeitsbermittelunqsstette.

Königliche Zeichcmkademe.

Die Ausstellung der Schülerarbeiten aus den Jahren 19061908 ist von heute nachmittag 2 Uhr an bis einschließlich zum 4. Oktober zu unent­geltlichem Besuche geöffnet. Sie ist werktäglich von 10 bis

Feuilleton.

Hanlmer Stadttheetcr.

= Hana«, 26. Septbr.

William Shakespeares:Julius C ä s a r".

Der größte dramatische Dichter Englands und einer der vornehmsten Dramatiker aller Zeiten und Länder William Shakespeare wird am Sonntag mit seinem Trauerspiele : Julius Cäsar" an unserer Bühne zu Worte kommen. Gleich bewundernswert im Tragischen wie im Komischen, unver­gleichlich als tiefsinniger Menschenkenner und Charakter- schilderer, gehören Shakespeares Werke zu den idealsten Schätzen der Weltliteratur.

Ueber seine Person sind uns nur spärliche Nachrichten überliefert worden und selbst diese sind teilweise wenig glaub­würdig. Shakespeare ist im Jahre 1564 im englischen Land­städtchen Stratford geboren und besuchte daselbst die Lateinschule. In frühen Jahren schon kam er in seiner Heimatstadt mit den dort zeitweise anwesenden Theater- truppen in Berührung und so ist es anzunehmen, daß dadurch seine Neigung zum Theater entstand. Als ihn später persönliche Verhältnisse zwangen, Stratford zu verlassen, widmete er sich in London ganz der Bühne. Ueber seine Befähigung als Schauspieler ist nur sehr wenig bekannt, doch dürfte sie nicht hervorragend gewesen sein, benn' ,die ersten Erwähnungen seiner Person gelten fast nur dem Dramatiker. Es ist nicht mit Bestimmt­heit fcstzustellcn, welches seiner Stücke Shakespeare zuerst geschrieben hat. Erwähnt wird der Dramatiker zuerst im Jahre 1592. Zu dieser Zeit muß aber die Triologie Heinrich VI." bereits ganz auf der Bühne gewesen sein.

12 und 2 bis 5, an den Sonntagen von 10 bis 1 und 3 bis 5 Uhr zugänglich.

Hanau den 26. September 1908. 19199

Politische Rundschau.

Die nächsten Kaisermanöver. Im nächsten Jahre werden die Kaisermanöver, wie jetzt sicher feststeht, in Württemberg stattfinden'. Nach einer Stuttgarter Meldung machte in der gestrigen Sitzung des Gemeinderats der Vor­sitzende bei der Beratung über die Herstellung des Abwässer­kanals am Cannstaiter Exerzierplatz die Mitteilung, daß die Militärverwaltung auf eine rechtzeitige Fertigstellung des Kanals den größten Wert lege, weil die Kaisermanöver im Jahre 1909 in der dortigen Gegend abgehalten werden würden.

Zur Reichsstuauzreform. Die Verhandlungen der Bundesratsausschüsse über die Reichsfinanzreform werden am nächsten Montag beginnen. In amtlichen Kreisen wird er­wartet, daß die Vorlage im Laufe des Oktober im Bundes­rat zur Erledigung gelangen kann, so daß alsdann der Reichs­tag bei seinem Zusammentritt bereits die Gesetzvorlage er­halten wird. Vorher soll eine Veröffentlichung der Steuer­projekte nicht erfolgen, was schon dadurch zu erklären ist, daß zunächst abgewartet werden muß, in welcher Form sie den Bundesrat verlaffen. Die vielfachen Erörterungen, die sich an die etwas unklaren Umriffe der Reichsfinanzreform, wie sie bisher an das Tageslicht getreten sind, geknüpft haben, lassen jedenfalls wohl so viel ersehen, daß eine große Mehr­heit des Reichstags, die sich weit in das Zentrum erstreckt, bereit ist, an einer wirklichen dauernden Abhilfe der Reichs­finanznot mitzuarbeiten, und daß im allgemeinen wenig Neigung vorhanden ist, die einseitigen Wünsche gewerblicher Interessenten, die bei allen oder vielmehr gegen alle Steuer­projekte sich in den Vordergrund der Rücksichtnahme zu schieben suchen, in übertriebener Weise zu berücksichtigen. In den Kreisen unserer Elektrizitätsindustrie scheint man sich keinem Zweifel mehr darüber hinzugeben, daß auch die Elektrizität in Zukunft dem Reiche ihren finanziellen Tribut zollen soll. An ein Elektrizitätsmonopol glaubt indes niemand, und an ein solches haben unseres Wissens auch die zuständigen Reichsbehörden niemals gedacht.

Die Meininger Staatsregierung legt dem im Oktober zusammentretenden Meininger Landtag die in der letzten Session abgelehnte Vermögenssteuer-Vorlage wieder vor. Die Neuwahlen zum Landtag finden noch 1908 statt.

Die Folgen der Hungersnot. Aus den Be­richten über die Staatseinnahmen Indiens in den ersten drei Monaten des laufenden Finanzjahres geht hervor, daß die Einnahmen stark zurückgingen. Dies wird in erster

Auch die TragödieTitus Andronicus" wird schon 1592 genannt. Eine sehr wichtige Kunde von Shakespeare be­findet sich in einem 1598 erschienenen Werke von Francis Meres. Es enthält einen Teil, der alsDiscours über unsere eng­lischen Dichter im Vergleiche mit den griechischen und lateinischen Dichtern" betitelt ist. Die hierin schon für Shakespeares damaligen Ruhm zeugenden Sätze lauten:Wie die Seele des Euphorbus in Pythagores leben sollte, so lebt Ovids an­mutiger witziger Geist in dem honigströmenden Shakespeare. Wie PlautuS und Seneca in der Komödie und Tragödie als die besten unter den lateinischen Dichtern gelten, so ist unter den englischen Dichtern Shakespeare der ausgezeichnetste in beiden Schauspielgattungen. Für die Komödie bezeugen dies seine beiden Veroneser",Irrungen",Verlorene Liebesmüh", seinSommernachtstraum" und seinKaufmannvouVenedig"; für die Tragödie seinRichard II.",Rickard III.",Hein­rich IV.",König Johann",TituS Adronicus" undRomeo und Julia".

Shakespeares Popularität datiert ungefähr seit dem Jahre 1600 und hat der Dichter schon zu seinen Lebzeiten großes Ansehen gehabt. Nach seinem Tode aber erschien erst eine Gesamtausgabe seiner Werke. In Deutschland erkannte zuerst Lessing Sbakespcare's dramatische Taten. Unter seinem Einflüsse wurde die ganze Shakespeare'scke Dramentccknik von unsern Klassikern übernommen. Nack den Nebersetzungs- versucken von Wieland und Eschenburg eroberte Schtegel's Uebersctzuug seine Meisterdramen für unsere Nation als sprachlich modernisiertes Eigentum. Heute gilt Shakespeare als der Meister des großen und edlen Realismus, der wie kein anderer Lebenswahrheit mit Schönheit verbindet. Er besaß die größte Kenntnis des menschlichen Herzens, er wußte gleichsam in allen Zungen zu reden, für alle Stände, alle Geschlechter, alle Lebensalter.

Die meistgegebensten seiner Werke sind in Deutschland nach einer Statistik desNeuen Bühnen-Almauachs" Othello",Hamlet",Zähmung der Widerspenstigen",

Linie der Hungersnot zugeschrieben. Die Folgen btt Hungersnot zeigen sich vor allen Dingen in dem Zurück­gehen der Eistnbahneinnahmen infolge des Exportmangels. Die Einnahmen aus Zoll und aus Landbesitz hielten sich auf der früheren Höhe und die Einnahmen aus Opium waren größer, als man erwartet hatte.

Hus Hab und fern«

§§ Castel, 25. Septbr. Das weit über die Grenzen unserer Provinz hinaus bekannte Stanz- und Emaillierwerk von Kühnemann u. Co. in der Holländischen Straße befindet sich in Zahlungsschwierigkeiten und sucht bei seinen Gläubigern einen sechsmonatigen Zahlungsaufschub nach. Die Schwierig­keiten des Werks find in den seit langer Zeit unbefriedigen­den Verhältnissen in der Emaillierindustrie zu suchen, die be­reits alle ähnlichen Betriebe mehr oder weniger in Mitleiden- schaft gezogen haben, sodaß die maßgebenden deutschen und österreichischen Emaillierwerke am 21. September in Berlin darüber Beratungen gepflogen haben, wie der mißlichen Lage abzuhelfen sei; bekanntlich soll zu diesem Zweck ein Verband europäischer Emaillierwerke begründet werden, der am 1. Januar nächsten Jahres seine Tätigkeit aufnehmen soll. In welcher Weise die ungünstigen Konjunkturserhältniffe den mittleren und kleineren Betrieben mitspielte, geht wohl am besten daraus hervor, daß in unterrichteten Kreisen versichert wird, daß das Kühnemannffche Werk bereits seit Jahren nichts mehr verdienen konnte. Diese Umstände mußten zu den eingetretenen Schwierigkeiten führen. Ein genauer Status ist zwar noch nicht bekannt, doch wird in hiesigen Bankier- kreisen versichert, daß die Verbindlichkeiten eine halbe Million Mark betragen, denen allerdings die wertvollen Grundstücke in der Holländischen Straße gegenüberstehen, die, da sie un­mittelbar an der neuen Industriebahn gelegen sind, neben wertvollen Bauplätzen für Wohnhäuser auch günstiges Jn- dustriegelände bieten. Wenn man nur 25 Mk. für das Quadratmeter zu Grunde legt, so würden diese Grundstücke immerhin einen Wert von 350000 Mk. repräsentieren; es find indes für Baugrundstücke in jener Gegend erst unlängst 40 and 42 Mk. für das Quadratmeter bezahlt worden. Es ist zu hoffen, daß bei Bewilligung des angestrebten Zahlungs­aufschubes die Verbindlichkeiten des Werks ohne größere Ver­luste für die einzelnen Gläubiger reguliert werden können; wie wir hören, stehen nur noch etwa 15000 Mk. aus, so­daß man mit Sicherheit annehmen kann, daß das Moratorium zustande kommen wird.

SS Csstel, 25. Septbr. Ein ertappter Wil­derer, der auf den Förster zu schießen ver­suchte, wurde heute von der hiesigen Strafkammer! zu einer exemplarischen Strafe verurteilt. Am

Kaufmann von Venedig",Romeo und Julia",Sommer- nachtstraum",Wintermärchen" undJulius Cäsar".

Das letztgenannte Werk wird morgen Sonntag zum ersten Male in unserem Stadttheater gegeben werden. Julius Cäsar" ist die erste seiner erhabenen Römertragödien. Shakespeare folgte darin der Darstellung des Plutarch mit einem erstaunlichem Gefühl für den Geist der Geschichte, während er zugleich die Charaktere, besonders des Brutus, Cassius unb Marc Anton, durch seine dramatische Gestaltungs­kraft uns menschlich nahe bringt. Julius Cäsar ist die be­deutendste Figur des Stückes, aber der Held, der die Hand­lung führt und den Seeleitkonflikt durchmacht, ist Brutus, der Republikaner, welcher sein Volk von den an­gehenden Tyrannen befreien will, ohne zu gewahren, daß das Volk nur für die Tyrannei reif ist. Zuspät sieht er ein, daß er seinen Freund umsonst opferte.

Die TragödieIulius Cäsar" gehört zu den am mächtigsten wirkenden Bühnensckauspiclen aller Zeiten und dürfte auch hier, zumal unsere rührige Direktion keine Opfer gescheut hat, das größte Interesse erwecken und einen tiefen Eindruck her­vorrufen. W. Kr.

Konzert der Musikakademie.

Hana«, 26. Septbr.

Die Erwartungen, die wir nach dem Anwohnen der Hauptprobe an das gestrige Konzert der Musikakademie Hanau stellen durften, sind vollauf in Erfüllung gegangen. Als Chor- und Solisten-Abend gedacht und bezeichnet, gewährte das Konzert der den großen Saal derCentralhalle" bis auf bett letzten Platz füllenden Besucherschar einen von Anfang an einsetzenden und bis zur Schlußnummer anhaltenden reichen Kunstgenuß. Als Mitwirkende bezeichnete das Pro- gramm den gemischten Chor der Musikakademie (Leitung: Herr Karl Fr. Appel) und die durch Lehrer und Schüler der Anstalt verstärkte Kapelle des hiesigen Infanterie - Regi-