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visMLHrllch 1,80 Mk., lâatiich 60 Pfg., fik «i* »äxtige ALsuEtM mit b«st ittwn'mbtn -»^«uffchl«-. Di« cbyclnt Nummer ktstrt 10 Pfg.

Ii»<â*rdruck imb Bolas d« Buchdruck«« d« «ä n> Waii-uhauseS in Hanau.

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Nr. 225

F-ri»sprechanschlich Nr. 605

Freitag den 25. September

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908

Amtliches.

Hes KSmgWen AâMmts.

Der Bürgermeister Friedrich Seelmann in Butter- stadt ist auf eine weitere 8jâhrige Wahlperiode zum Bürger­meister der Gemeinde Butterstadt gewählt und bestätigt worden.

Hanau den 22. September 1908.

Der Königliche Landrat.

A 4214 v. Beckerath.

Unter Hinweis auf die Bestimmungen im Artikel 91 Nr. 2 der Anweisung vom 25. Juli 1906 ersuche ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die erforderlich werdenden Ärisfallisten über Einkommen- und Ergänzungs­steuer in doppelter Ausfertigung nebst Unterlagen (Auszug aus dem Ncstverzeichnisse, Pfändungsprolokolle, Versteige­rungsprotokolle usw.) am Schlüsse dieses Monats der Königlichen Kreiskasse hier einzureichen.

Ich bemerke, daß in die Ausfalliste für das 1. Halbjahr keine Beträge ausgenommen werden dürfen, deren Einzahlung im 2. Halbjahr zu erwarten ist.

Hanau den 23. September 1908.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer - Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

St 2984 J. V.: Siemon, Reg.-Assessor.

Am Montag den 28. d. Mts., von 12 bis 1 Uhr mittags, wird der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegen­heit zu Besprechungen geben.

Hanau den 25. September 1908.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

P 10156__. J. V.: Siemon, Reg.-Assessor.___________

Handelsregister.

Firma K. A. Pelisster in Hanau.

Der Kaufmann Rudolf Molter in Hanau ist in das Geschäft als persönlich haftender Gesellschafter einge- treten und wird dasselbe von diesem und dem seitherigen Inhaber Kaufmann Theodor Felix Pelissier in Hanan unter unveränderter Firma als offene Handels­gesellschaft fortgeführt.

Die Gesellschaft hat am 1. September 1908 begonnen. Dem Kaufmann Jakob Berngcs in Hanau ist wieder Prokura erteilt.

Hanau den 22. September 1908.

Königliches Amtsgericht 5. 19043

Feuilleton.

Aus der Welt der Technik.

Vom Warmen und vom Kalte«.

Als sich vor etwa 125 Jahren die ersten Luftballons er­hoben, da fand man, daß die Luft im allgemeinen für je 100 Meter Höhe um etwa einen Grad Celsius kälter wurde. Alsbald schloß man, daß das auch in größeren Höhen so weiter ginge, und kam zu der Anschauung, daß der Welt­raum selbst viele Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen Grad Kälte besitzen müsse. Ebenso fand man in den tiefen Schockten eine Temperaturerhöhung von etwa einem Grad auf 100 Fuß und kam daher auf viele hunderttausend Grad Wärme für das Erdinnere. Zwischen diesen beiden Extremen lag die Erdoberfläche mit ihren behaglichen Temperaturen von durchschnittlich 10 bis 15 Grad Wärme, die nur an den Polen gelegentlich bis 15 Grad Külte, in den Tropen bis 60 Grad Wärme Abweichungen zeigten.

Inzwischen ist die Wärmelehre eine Spezialwissenschaft geworden, und wir wissen heut, daß der eigenartige physi­kalische Zustand, den wir als Wärme bezeichnen, nur eine schwingende Bewegung der kleinsten Körperteilchen, der Mole­küle, ist. Einen Körper erwärmen heißt, diese Bewegung verstärken, einen Körper abkühlen, heißt diese Bewegung schwächen. Kälte und Wärme sind also keineswegs nach der Qualität verschiedene Dinge, sondern nur verschieden starke Bewegungsformen der Moleküle. Sobald wir aber einmal diese Theorie anerkennen, muß es uns auch einleuchten, daß es mit der Kälte nicht bis in die Unendlichkeit weiter gehen kann, sondern daß es einen absoluten Nullpunkt geben muß, der erreicht ist, sobald die kleinsten Teilchen des Körpers völlig zur Ruhe gekommen sind. Dann stehen sie ja absolut still, also eine weitere Schwächung der Bewegung, eine noch weitere Abkühlung ist nicht mehr möglich. Das Studium ker Wärmeerscheinungen hat nun dazu'geführt, diesen abso- ^ten Nullpunkt bei 273 Grad Kälte zu suchen. Bei dieser

Politische Rundschau.

Telegramm des Kaisers an den Pressekon- gretz. Der Kaiser hat an die Präsidenten des Presse­kongresses, die Herren Wilhelm Singerund GeorgSchweitzer,aus Rominten folgendes Telegramm gerichtet: Für die Mir durch Sie übermittelte freundliche Begrüßung der in Berlin versammelten Vertreter der Presse spreche Ich Ihnen meinen herzlichen Dank aus. Ich hoffe, daß Sie alle sich in Meiner Haupt- und Residenzstadt wohl fühlen werden und hege die Erwartung, daß Sie auch die neuen Beziehungen, die Sie bei dieser Gelegenheit anknüpfen werden, in den Dienst der großen zivilisatorischen Aufgabe stellen, die der internationalen Presse obliegt. Wilhelm I. R.

Reichstag. Es bestätigt sich, daß der Reichstags­präsident die nächste Plenarsitzung des Reichstags auf Mitt­woch den 4. November, nachmittags 2 Uhr, anberaumen wird. Auf der Tagesordnung wird die Beratung von Petitionsberichten stehen.

Die neuert Steuern. Ueber die Reichsfinanzreform bringt dieKöln. Ztg/ an leitender Stelle Ausführungen, die aus anscheinend offiziös unterrichteten Berliner parlamen­tarischen Kreisen stammen. Es werden hier zum ersten Male sämtliche projektierten Steuern und die Beträge, die jede ein­zelne von ihnen erbringen soll, aufgezählt. Branntwein, Bier und Tabak sollen mit 280 Millionen Mark herangezogen werden. Dabei wird von den verbündeten Regierungen ein Rohspiritusmonopol vorgeschlagen werden. Bier allein soll 100 Millionen Mark mehr als bisher erbringen. Diesen drei großen Steuergebieten tritt als viertes der Wein hinzu. Die Nachlaßsteuer mit der Einschränkung des Jntestaterbrechts soll 100 Millionen Mark dem Reichssäckel zuführen. Um 500 Millionen Mark Reichsbedarf vollzumachen, wird sodann eine Steuer auf Gas und Elektrizität vorgeschlagen. Die Erhöhung der Matrikularbeiträge von 40 auf 80 Pfg. würde ein Mehr von 26 Millionen ergeben. Dâs genannte Blatt ist der Meinung, daß Gas- und Elektrizitätssteuer keine Aussicht auf Annahme habe, und daß deshalb die Matrikular­beiträge entsprechend stärker erhöht werden dürften.

Die Gehaltsarifbesteruttg der IbtfcrOcßmicn soll sich, wie dieNeue Post", das Organ für die Post­unterbeamten, berichtet, im Reiche und in Preußen auf eine Gehaltserhöhung von durchschnittlich 15 v. H. belaufen. Ueber die Abstufung des Wohnungsgeldes ist noch nichts Bestimmtes bekannt geworden.

Deutsch - Ostusrika. Die angeblichen Unruhen im Hinterlande von Lindi, über die neuerdings Gerüchte um­liefen, scheinen nicht viel auf sich gehabt zu haben. Der Gouverneur hatte sich allerdings Mitte August nach Lindi begeben, aber es ist durchaus nicht sicher, daß diese Reise

Temperatur sind die kleinsten Teilchen absolut zur Ruhe ge­kommen. Wenn man daher etwa am 1. April in der Zei­tung die Nachricht fände, daß es irgend einem Gelehrten ge­lungen sei, eine Temperatur von 274 Grad Kälte zu er­zeugen, so wäre das ein gehässiger Aprilscherz, denn toter wie tot kann niemand sein, und stiller wie still kann nie­mand stehen.

Wir wissen also, daß die Temperatur auch in dem ent­ferntesten Welträume nicht unter 273 Grad fallen kann. Aber hat denn diese Frage nach der Temperatur des Welt­raumes überhaupt einen Sinn? Der Weltraum ist ja leer. Er enthält keinerlehLuft oder dergleichen Materie und folglich auch keine kleinsten Teilchen , die irgendwelche Wärme­bewegungen ausführen können. Im leeren Welträume treiben freilich allerlei Trümmer und Körperstücke, begonnen von den größten Sonnen und aufgehört bei den Stcinsplitterchen von Erbsengröße. Bei diesen kann man allerdings nach der Temperatur fragen, und die Antwort wird eine vielfältige sein. Nehmen wir einen Stein von beispielsweise einem Kubikmeter Inhalt, der im Weltraum in die Abhängigkeit unseres Sonnensystems geraten ist und eine stark exzentrische Kometenbahn beschreibt. Aus unendlicken Fernen mag er mit 500 Kilometern in der Sekunde angesegelt kommen. Die Sonne würde, von ihm aus gesehen, nur wie ein winziger, lichtschwacher Punkt erscheinen, und auch sonst ist kein wär­mendes Gestirn in der Nähe. So ist die Temperatur dieses Steines ziemlich genau am absoluten Nullpunkt, er ist 273 Grad kalt.. Jede' Sekunde indes bringt ihn der Sonne 500 Kilometer näher. Immer größer wird der kleine Lichtpunkt, und jetzt, da der Stein die Marsbahn schneidet, fallen bereits erwärmende Strahlen auf ihn. Unaufhaltsam segelt er weiter und ist beim Schneiden der Erdbahn bereits über den Ge­frierpunkt des Wassers erwärmt. Immer näher kommt er der Sonne, immer gewaltiger wird die Strahlung. Der Stein wird rotwarm und schließlich weißglühend. Er be­ginnt, an der Oberfläche zu schmelzen, und während er in einem auf 5000 Kilometer beschleunigten Tempo um den Sonnenball herumrast, löst sich ein Teil der geschmolzenen Steinkugel in Dampf auf und zieht als Schweif hinterher. Die Umsegelung ist vollendet, die Geschwindigkeit war so groß,

im Zusammenhang mit den behaupteten Unruhen steht. Nach­dem der Gouverneur kurz über den Antritt dieser Reise in der ersten Hälfte des August berichtet hatte, sind keinerlei Meldungen aus Deutsch-Ostafrika über die angebliche Auf­standsgefahr im Bezirk Lindi hier eingetroffen. Es läßt sich daher annehmen, daß im Süden der Kolonie schwer zu nehmende Ereignisse nicht eingetretrn sind.

Lärmszenen im böhmischen Landtage. Prag, 24. Septbr. Der Oberstlandmarschall eröffnete nach der durch die Obstruktion verursachten Unterbrechung neuerlich die Sitzung des Landtages. Die Tschechen umringten die Referententribüne und versuchten trotz des ungeheuren Lärmes der Deutschen die Erledigung der Tagesordnung zu erzwingen. Berichterstatter Skarda sprach vollkommen unverständlich. Hierauf versuchten die Tschechen im Lärm abzustimmen. Es erhebt sich stürmischer Protest der Deutschen, die mit den Pultbeckeln schlagen und die Referententribüne attackieren. Im Handgemenge wird der deutsche Abgeordnete Schreiter an der Hand blutig geschlagen. Pater Wolter wurde von den Tschechen mit Tinte besudelt. Auch vor dem Präsidium ent­stand eine Rauferei, welche die Stenographen zur Flucht zwang. Nach halbstündiger Dauer schloß der Präsident die Sitzung. Nächste Sitzung morgen. Die Deutschen forderten telegraphisch vom Landsmannminister Prade und der Regierung die Schließung des Landtags.

Die Bulgaren suchen eine Rechtfertigung für die Okkupation der ostrumelischen Linien unter anderm in dem Vorwand, die türkische Militärverwaltung habe während des Streiks Munitionstransporte ausgeführt. Letzteres wird hier für unzutreffend erklärt, denn der beabsichtigte Pulver­transport nach Adrianopel sei schließlich unterblieben und gehe erst heute ab. Das Pulver ist für die zum Beiram üblichen Freudenschüsse bestimmt.

Die Wirren in Persien. Wie Reuter erfährt, traf die Antwort des Schahs auf die englisch-russische Note in London ein. Sie stimmt der Aufforderung zu, neue Wahlen auszuschreiben und ein neues Parlament zusammenzuberufen, deutet aber an, daß der Schah angesichts der zerrütteten Ver­hältnisse in einer seiner Provinzen hierfür den geeigneten Zeitpunkt auswählen müsse. In gut unterrichteten Kreisen glaubt man jedoch, daß dieser Vorbehalt dem Wunsche der persischen Regierung zuzuschreiben ist, nicht den Anschein zu erwecken, daß sie fremdem Zwange weiche, und man ist nicht der Ansicht, daß darin ein Versuch des Schahs zu erblicken sei, seinen Versprechungen auszuweichen. Ebensowenig be­steht andererseits auf Seiten Rußlands und Englands du Absicht, einen solchen Zwang auszuüben. Vielmehr will man lediglich Ratschläge erteilen zur Wiederherstellung der Ordnung und einer geregelten Verwaltung. Ferner sind amtliche Nachrichten eingetroffen über den Angriff persischer

daß der Stein nicht in die Sonne stürzte, sondern wieder glücklich von ihr abkam.' Schnell entflieht er ihrem Strahlungs' bereich, und seine Temperatur, die anfänglich noch 3000 Grad betrug, beginnt, wieder stetig zu fallen. So treibt er hinaus, erst noch rotglühend, dann erkaltend und schließlich wieder auf den absoluten Nullpunkt abgekühlt. Jahrtausende können vergehen, ehe ihn seine Bahn von neuem zur Sonne bringt, und diese unendliche Zeit treibt er als eisiger Block im stillen Weltraum.

Hier sahen wir, wie ein einzelner Körper auf seiner Wanderung durch den Weltraum die extremsten Temperatur­unterschiede durchmachen kann. Der Weltraum aber hat keine Temperatur, ebensowenig wie etwa die Republik San Marino einen kommandierenden General, denn für einen kommandierenden General müßten erst Soldaten da sein, und für eine Temperatur müßten irgendwelche körperlichen Moleküle da sein, die die Temperaturbewegungen ausführen.

Temperatur kann nur da sein, wo Masse ist, und im Weltraum finden wir gewaltige Temperaturerhöhungen über­all dort, wo größere Masse-Anhäufungen stattfinden, also in den großen Fixsternsonnen. Alle unsere Wärme stammt von unserer Sonnes und deren Temperatur hat den Gelehrten lange Zeit viel Kopfzerbrechen gemacht. Auch hier ^v man auf Millionen von Hitzegraden geraten. Neuere Forschungen machen es indes wahrscheinlich, daß die Temperatur der Sonnenoberfläche jedenfalls 10000 Grad Celsius nicht über­schreitet. Das ist zwar immer noch mehr, als wir mit den besten künstlichen Hilfsmitteln auf unserer Erde erzeugen können, da wir e§ hier nur bis etwa 4000 Grad Celsins bringen, aber es ist immerhin eine Temperatur, von der man sie doch einigermaßen eine Vorstellung machen kann. Unsere bekannten irdischen Stoffe befinden sich dabei freilich aus­nahmslos im dampf- oder gasförmigen Zustand. ' Läuft doch unser Urgestein, der Granit, bereits unter der 4000 Grad warmen Knallgasflamme wie Wasser auseinander, geht doch der Kohlenstoff bei derselben Temperatur, ohne zu schmelzen, sofort in den dampfförmigen Zustand über. Bei 5000 Grad ist der wilde Tanz der Moleküle bereits so heftig geworden, daß alle Körper weißglühende, gewaltig arbeitende Gase bilden, und daß die allermeisten Verbindunaen nicht