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General-Anzeiger

ANiliches Organ fit ÄM- unk Landkreis Kanan.

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Die MfgtspaReue Petit^ile »d« Streu Rau« SO Hs^ im NellamtlUtü bi» Zeit« 35 Pf^

W, WaiseuhausiS in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

verautreerü. Redäurr «. Schrecker k -«um.

Nr. 224 F-rirsprechanschlittz Nr. 605. Donnerstag bell 24» September F-rnspr-chanschlutz Nr. 605. 19 0 8

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Amtliches.

Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung«

Von den in der Gemarkung K e s s e l st a d t gelegenen städtischen Grundstücken ist eine Anzahl Parzellen pacht- frei geworden.

Termin zur Verpachtung derselben findet am Samstag den 26. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, an Ort und Stelle statt.

Sammelpunkt Hopfenstraße.

Pachtliebhaber werden zu diesem Termin eingeladen.

Hanau den 22. September 1908.

Stadthauptkaste. 18867

Politische Rundschau.

Anleihe«

Köln, 23. Septbr. Der Köln. Zeitung" wird aus Konstantinopel betreffend die gestern gemeldete neue An­leihe noch weiter gemeldet: Die Anleihe ist abgeschlossen mit der fr an z ö s i s ch e n G rup p e der Ottomanbank. Die Ausgabe erfolgt hier, in Paris und in Lon­don. Als S i ch e r h e i t für die Anleihe dienen die Ueber- schüsse aus den Zolleinnahmen in Smyrna und Saloniki und ungenügenden Falles auch die General­einkünfte des Reiches. Zahlreiche Pariser und auch deutsche Banken haben sich bereit erklärt, sich an den weiteren Anleihen des Staates zu beteiligen. Die Regierung ist mit der Aufstellung eines vorläufigen Haus­haltsplanes für das nächste Rechnungsjahr beschäftigt.

Vom Fürsten Eulenburg.

Berlin, 23. Septbr. Gegen die Haftentlassung des Fürsten Eulenburg legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein, da die Haftentlassung ohne Stellung einer Bürgschaft erfolgte. Die Beschlußkammer ließ sich von der Ueberzeugung leiten, daß weder Fluchtverdacht noch Verdunkelungsgefahr vorliege. Der Fürst ist nicht transportfähig und kann frühestens in einigen Tagen seine Wohnung in der Kaiserin Augustastraße in Berlin beziehen.

Die neuesten Erfolge der Fernphotographie auf dem 80. Naturforscher- und Aerztetag.

(Unber. Nachdr. verb.) 8. u. H. Köln, 22. Sept.

Die Verhandlungen des 80. deutschen Naturforscher'- und Aerztetages wurden heute mit sehr interessanten Abteilungs­sitzungen fortgesetzt. In der Abteilung für Physik und

Feuilleton.

Crntesegen.

Zum Erntedankfest von Käte Lubowski.

In Glumbienen brachten sie den letzten Hafer herein! Nun konnte der Septemberwind ungehindert den weichen mattgrauen Stoppeln von den Freuden des Herbstes blasen, die den traurigen Sommer vergessen machen sollten. Auf dem Gutshof schwankte der Kornrest auf halbbeladener Fuhre in die Tenne. Die Mägde, auf der Höhe des Taffes, schoben die Kopftücher zurück, lachten sich verlegen an und be­gannen schließlich, einem alten Brauch getreu langsam zu summen:

Wir bringen hèut' den Alten ein

Jm allerschönsten Sonnenschein-

Sie kamen aber nicht weit. Unten hob ein alter Mann in müder Abwehr die Hand zu ihnen empor und ging dann stumm hinaus, dem Gutshaus entgegen.

Hei is ganz in den Kopp schlau", sagte eine.

Un dabei gehört ihm dat hier doch nich mal", wunderte sich eine dunkelhaarige Dirne, die aus einer andern Provinz kürzlich hicrhcrgekommen war.

Dummerjans!" schalt der alte Hofinspektor dazwischen, wer vierunddreißig Jahre die Wedag des Herrn und die Lasten des Dieners gebuckelt hat, trägt eine Kron auf dem Kopf. Und über so einen dürfen grüne Dinger überhaupt nicht reden. Macht hin. ; ."

Und rauschend flogen die leichten Garben an ihren Platz. --Vierundzwanzig Jahre", sagte mich drinnen der alte Administrator Schmieden zu seiner einzigen Tochter,und doch nur erreicht, daß der Roggen dumpfig und der Hafer verfault ist. Was soll werden? Kein Heu für die Kreatur, keine Kartoffel für die Leute, alles auf dem Felde verkommen,

wissenschaftliche Photographie hielt Prof. A. Korn-München, der Erfinder der Fernphotographie, seinen mit großer Spannung erwarteten Vortrag über

Neue Resultate der Telautographie.

Der Redner führte einleitend aus, daß sich die Telautographie mit dem einfachsten Problem der Bildtelegraphie beschäftigt. Bei der Telautographie handle es sich nicht darum, getönte Elemente eines Bildes, z. B. einer Photographie mit Hilfe qualitativ abgestufter Ströme in die Ferne zu senden, wie es für die Phototelegraphie nötig ist, sondern es handelt sich bei ihr um die Uebertragung von Strichzeichnungen, Hand­schriften u. dgl. Der Vortragende gab einleitend einen kurzen historischen Ueberblick über die Versuche zur Lösung des Problems der Telautographie und die allmähligen Erfolge auf diesem Gebiete bis zum heutigen Stande der Telauto­graphie und bespricht in eingehender Weise den Grayschen Telautographen, nach welchem System auch der Faksimile- Telegraph von Cerebotani konstruiert ist, der schon auf der Linie Berlin-München bemerkenswerte Resultate erzielte. Eine besonders wichtige Modifikation der Grayschen Fern­schreiber wurde durch die Einführung eines photographischen Empfängers in dem Fernschreiber von Gruhn-Grzanna auS- geführt. Der Geber ist in seiner Konstruktion ganz ähnlich, wie bei früheren Konstruktionen Grayscher Art, im Empfänger ist aber der Schreibstift durch einen Lichtstrahl ersetzt, welcher den Schreibzügen des Hebergriffels entsprechend photographische Eindrücke auf einem sensiblen Papier oder Film hervorbringt, ein Lichtstrahl wird von einer Glühlampe auf einen kleinen Spiegel, von diesem auf einen zweiten Spiegel geworfen, von diesem schließlich auf das photographische Papier reflektiert. Die beiden kleinen Spiegel werden durch zwei Magnete den Be­wegungskomponenten des Gebergriffels entsprechend gedreht, bezw. um zwei zu einander senkrechte Axen, indem sie den Bewegungskomponenten des Sendergriffels in ihren Ab­stufungen entsprechenden, durch zwei Leitungen zum Emp­fänger geführten Telegraphierströme durch die Spulen der beiden Elektromagnete im Empfänger geführt werden, welche die beiden Spiegelchen drehen. Von den Telautographen Gray'scher Art haben zweifellos diese photographischen Fern­schreiber bisher die größten Erfolge aufzutveisen. Der Vor­tragende gab nun ein übersichtliches Bild von der Entwick­lung des Kopiertelegraphen und besprach die Nachteile hes- seltben, denn entweder mußte man mit den Apparaten lang­samer arbeiten und dann überschritten die Uebertragungs- zeiten von Autotypien die praktisch zulässigen Maße, oder man mußte sich eben mit der Uebertragung von Strich­zeichnungen begnügen und das letztere geschah denn auch; auf die Uebertragung von Autotypien mußte man verzichten, solange man mit mechanischen Relais im Empfänger ar­beitete. Cs war daher ein wesentlicher Fortschritt, als die Linienströme im Empfänger nicht erst durch ein Relais ver­stärkt werden brauchten. Derartige empfindliche Instrumente sind erst in der jüngsten Zeit parat geworden. Die Einfüh­rung des Saitengalvanometers in den Empfänger des Kopiertelegraphen ähnlich wie es der Vortragende in

und das schlimmste, daß der, dem das hier gehört, in der weiten Welt beruhigt denkt, es ist alles in bester Ordnung. Ich hab's noch niemals gesagt, Luise, heute muß es raus, ich kann nicht weiter".

Du mußt", sagte sie einfach,du hast es ihm doch versprochen. Früher bist du doch auch mit schwierige» Jahren fertig geworden. Wenn die Mutter sich in ihren letzten Stunden ängstigte, ob du dein Wort wohl halten könntest, sprachst du ganz anders: Ich will, und darum iverde ich es können mit Gottes Hilfe."

Darüber sind aber zehn Jahre vergangen, mein Kind, und Gerhard von Wölflingen ist in ihnen nicht gekommen, um mir zu helfen. Nur manchmal hat er mir ein Lebens­zeichen gesandt, bald aus diesem, bald aus jenem Weltwinkel. Immer voll unerschütterlichen Vertrauens. Und ich habe eS doch rechtfertigen können. Während er als rastloser Gelehrter seine Heimat sah, wo Stein und Pflanze am wunderlichsten wuchs, hütete ich ihm hier in Angst und Schweiß die eigentliche und hütete sie ihm schlecht, weil Gott cs nicht anders wollte."

Du hast mir noch niemals davon erzählt, Vater, wie dn zu jenem Versprechen kamst."

Der alte Mann sah rückwärts.

Du weißt, er war seines Vaters einziger Sohn. Nie­mand dachte daran, daß er etwa Glumbicnen und die Vor­werke nicht übernehmen wollte. Das Studium der Natur- wissenschaft hatte ihm der alte Wölflingen gern gestattet, weil es Sitte in der Familie war, daß der Sohn die Be­sitzungen erst übernahm, wenn der Vater nicht mehr arbeiten konnte. Ais cs so weit war,, sagte ihm der Junge, daß er die Wissenschaft mehr liebe wie die Heimatserde und ihr da­rum treu bleiben müsse. Es gab eine Zeit der Kämpfe und Drohungen. Ich war damals vierzig Jahre und fühlte mich voll befriedigt. Du schriest in der Wiege und meine Stellung war die denkbar beste. Vielleicht, weil ich erkannt hatte, wie

dem Empfänger für Phototelegraphie getan hat ist der wesentliche Fortschritt in der Telautographie und führte der Vortragende einen derartigen Apparat vor und demonstrierte bessert Einrichtungen. Der Vorteil des Saitengalvanometers im Empfänger besteht darin, daß man zur Aufzeichnung im Empfänger kein weiteres mechanisches Relais braucht, son­dern die Ausschläge des sehr rasch folgenden Saiteninstru­mentes zeichnen selbst optisch auf dem Empfangsfilm; bei sehr guter Optik wird es zweifellos möglich sein, in der Telautographie das Instrument mit zwei Fäden zu ver- lassen und mit nur einem Faden zu arbeiten, was einen weiteren großen Fortschritt darstellen wird. An Stelle des Saitengalvanometers kann auch ein Oscillograph verwendet werden, dessen Spiegelchen das Licht einer Nernstlampe oder einer Bogenlampe, wenn nötig, durch eine winzige Blende auf den Empfangsfilm wirft oder nicht, je nach der Rich­tung des Linienstromes in der einen oder anderen Richtung dreht.

Die bei den bisherigen Apparaten vorgesehene Geschwindig­keit ist noch nicht sehr groß, die Zeile von 10 Zentimeter in 2 Sekunden, sodaß bei einem Zeilenabstande von 0,25 Milli­meter ein Bild von 10 mal 10 Zentimeter etwa 13 Minuten braucht. Für Handschriften entspricht diese Geschwindigkeit wieder etwa 500 Worten in der Stunde, in Stenographie 2000 Worten in der Stunde. Diese Geschwindigkeit wird sich zweifellos für Zeichnungen und Handschriften wesentlich steigern lassen.

Die Anwendung der Telautographie.

Die erste Anwendung der Telautographie gilt der Ueber­tragung von Handschriften, die bei der erwähnten Ueber« tragungsgeschwindigkeit recht gut ausfallen. Die Schwierig­keit der Verbreitung dieser Verwendung liegt in der Tat nicht in der Technik, sondern in der schwierigen juristischen Frage, in welchen Fällen eine Telautographie gesetzlich an­erkannt werden kann. Es ist nicht zu leugnen, daß die An­erkennung telautographischer Unterschriften Betrügereien Tor und Tür öffnen würde, und um die Telautographie zu wirk­lich praktischer Verwendung zu bringen, wird die Auffindung besonderer Garantien für die Echtheit solcher Unterschriften, wie die gleichzeitige Uebertragung eines Stempels einer Be­hörde oder dergleichen nötig sein. Weiter kommt die Ueber­tragung der meteorologischen Karte in Betracht. Während jetzt z. B. die Seewarte in Hamburg den einzelnen meteoro­logischen Stationen alle Daten durch Worte übermitteln muß, worauf diese ihre Karten erst entwerfen können, werden diese Karten künftighin telegraphisch übermittelt werden können. Eine weitere Verwendung bildet die telegraphische Uebertragung von Handzeichnungen, eine Verwendung, welche für die illustrierten Zeitungen eine wesentliche Ergänzung zu der telegraphischen Uebertragung von Photographien werden dürfte. Die Telautographie hat vor der Phototelegraphie den Vorzug, wenn es sich um Wiedergabe scharfer Striche handelt, die bei der Photographie verwischt werden, daß sie bei der Telautographie scharf hervortreten. Schießlich dient letztere der Uebertragung von Autotypien. Ein großer

wertvoll und teuer der Eigenbesitz ist. Ich sollte nämlich binnen Jahresfrist ebenfalls die bescheidene Scholle meines Vaters übernehmen. Du weißt nur, daß cs niemals dazu gekommen ist. Sie wurde verkauft, und ich blieb hier auf meinem Posten. Aber du weißt nicht, warum das ge» sch^h- Ich hatte den jungen Wölflingen lieb, als sei er mein eigen Fleisch und Blut und konnte nichtnein" sagen, als sein Vater in Hellem Zorn und scharfer Ironie die Frage an mich stellte, bereit Verneinung er sicher war. Ob ich mich etwa durch Ehrenwort verpflichten wollte, so lange in Glumbienen meine Stellung zu behalten, bis der Sohn endgültig von seiner Weltreise zurückkehre. In diesem Falle stelle er den abenteuerlichen Wünschen nichts entgegen. Zwei Tage und zwei Nächte ließ ich dahingehen, dann sagte ichja". Gerhards Tränen hatten mich besiegt. Siehst du, und wenn wir nun in zwei Wochen das Erntefest feiern müssen, stehe ich da vor meinem Gott als einer, der über das Säen nicht hinausgekommen ist. Immer geackert in Hoffnung und Schweiß und doch am Ende Leben und Schollen ohne Körnersegen."

Luise Schmieden lehnte sich zärtlich an den Vater, den die Sorge frühzeitig zu einem alten Mann gemacht hatte. Ihre Hellen, frommen Augen verloren nicht den Glanz des Glaubens.Ich möchte dich an die Pelikuserroggensaat deS verflossenen Jahres erinnern," sagte sie leise.Sie wollte auch nicht aufgehen. Du schlichst dich wochenlang an dem Stück Ackerland vorbei, aber, als du eines Tages doch hin­gingst, UM cs vielleicht umpflügen zu lassen, da wehte sie dir dick und üppig entgegen und gab eine Ernte, wie sie noch nie dagcwesen war." Als sie das ausgesprochen hatte, klopfte der Knecht, der den letzten Hafer eingebracht hatte, um den üblichen Trunk an. Nun gingen sie wieder auf bem mühsamen Weg des Werktags weiter.

t ' Der nächste Tag war ein Sonntag. Noch vor der Morgenkirche kam aus bem Nachbardorf die Magd der Pfarrersleute mit einem Brief für Luise Schmieden Die