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83. September

Mittwoch

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spitz auslaufendem Heck. Dies ergibt den stabilsten und raschesten Flug. Zwei große Lusisäckc in den Enden ge­statten das Ausblasen und die Steigung der Ballon-Achse wird dadurch geregelt, daß je nach Bedarf der eine ober andere Luftsack mehr oder weniger gefüllt wird. Die Gondel ist so ausgehängt, daß sie in paralleler Stellung zum Ballon vor- und rückwärts schwingen kann. Hierdurch werden die stampfenden Bewegungen des Schiffes vermindert. Das Luftschiffhat nur eine Schraube, die zwischen der Gondel und dem Ballon liegt. Luftschiff 1 mit einem Volumen von 2800, Kubikmeter erreichte mit einem Daimler Motor von 8b Pferdestärke 12,5 Meter Geschwindigkeit, das Luftschiff 2 13400 Kubikmeter) mit 100 Pferdestärken etwas über 13 Meter.

Zurzeit ist ein neues Schiff im Bau (von 5000 Kubikmtr.) tritt zwei N.-A.-G. -Motoren von je 100 PS., bei dem eine Höchstgeschwindigkeit von 16 Bietern erwartet wird. Dieses Schiff wird die Frage entscheiden, ob es möglich ist, Parseval- Lustschiffe in großen Dimensionen zu bauen. Das Parseval- Lustschiff hat den großen Vorteil, daß es bei einer unfrei­willigen Landung fern seiner Halle leicht entleert und auf Wagen Zu rücktransportiert werden kann. Ein weit hand­licherer und billigerer Apparat als der Molorballon ist die Flugmaschine. Bis jetzt hat nur das Aeroplan praktische Erfolge zu verzeichnen. Dasselbe besteht aus. einer oder mehreren großen Drachenflächen, die. in geneigter Stellung mittels Luftschrauben sehr rasch - durch die Luft gezogen werden. Die nach unten ausweichenden Luftmassen ergeben hierbei eine solche Reaktion, daß der Apparat sich hebt. Die Dracheyflächen sind in einer Ebene oder in mehreren Etagen übereinander gelegt, und je nachdem nennt man die Apparate Ein-, Zwei- oder Mehrdecker. Die Höhensteuer befinden sich entweder vor- oder rückwärts der Haupttragflüchen. Ein gewöhnliches Seitensteuer bewirkt die Lenkung nach rechts und links. In der Regel können die. Apparate nur einen Mann tragen, doch sind auch schon solche mit zwei Mann Besatzung geflogen. Die besten Ergebnisse haben bisher Farman und Dèlagrange mit Apparaten der Gebrüder Voisin und die Brüder Wilbur und Orville Wright aus Amerika erreicht. Der Voisinsche Apparat ist ein Doppeldecker, be­stehend aus einem größeren und einem kleineren Doppel- flüchenpaar und einem einfachen Kopfsteuer voraus. Der Wrightsche Apparat ist ein Doppeldecker mit zwei Flügel­paaren, wovon das vordere als Höhensteuer dient. Eine größere Anzahl ähnlicher Apparate in den mannigfaltigsten Formen sind in letzter Zeit gebaut und teilweise versucht worden, ohne bessere Ergebnisse zu erzielen. Der Antrieb der Apparate erfolgt durchweg durch Blechschrauben mittels be- sonderet leichter Motors. Die Flugmaschinen erreichen ohne Mühe Schnelligkeiten bis 100 Kilometer, welche dem Motor- öallon für immer versagt sind; doch besitzen sie zurzeit nicht die genügende Stabilität, um auch bei bewegter Lust aus­steigen zu können. Auch ist der notgedrungen extrem leicht gebaute Motor noch keineswegs betriebssicher genug. Der längste Flug dauerte bisher nur 20 Minuten und Motor- störungen sind an der Tagesordnung. Sollte es _ gelingen, diese Mängel zu beseitigen, so würde die Flugmaschine für kürzere und sehr schnelle Fahrten in mäßiger Höhe den Vor­zug verdienen. Längere Fahrten in größeren Höhen werden stets dem Motorballon vorbehalten bleiben. Die anderen Flugmaschinen-Stzsteme, namentlich der Schraubenflieger, ein Apparat, bei welchem die Tragkraft durch große Luftschrauben mit vertikaler Achse erzeugt wird, haben bisher noch keinen wirklichen Flug ausgesührt; doch existieren Versuche, die zu guten Hoffnungen berechtigen. Hier werden aber an die Betriebssicherheit der Motors noch weit größere Ansprüche gestellt und die technischen Schwierigkeiten sind noch größer wie beim Aeroplan.

Parseval teilt mit, daß sein Materialschaden unbedeutend sei, der Zwischenfall iin Grunewald spreche durchaus nicht gegen sein System, von dem man nach wie vor durchaus überzeugt sei. Die sofort eingeleiteten Reparaturen stünden bereits vor ihrem Abschluß und die Versuche würden dann sofort wieder ausgenommen werden. Er erhofft die besten Resultate nach der Uebernahme des Ballons durch die Militär­verwaltung, die ja dann in der Lage sei, ihr ganzes Luft­schifferkorps in der Bedienung und Führung des Ballons auszubilden. Ein vorübergehendes Mißgeschick wie das seinige könne und dürfe niemanden, einen Erfinder aber am allerwenigsten beirren. (Lebhafter großer Beifall.)

Major v. Parseval wurde beim Verlassen der Tribüne von den Gelehrten umdrängt, beglückwünscht und Nach den Einzelheiten des jüngsten Unfalls im Grunewald befragt. Er konnte jedoch nur immer wieder erklären, daß er selbst an der verhängnisvollen Fahrt nicht teilgenommen habe und die Einzelheiten auch nur aus den Erzählungen der Begleit­mannschaft kenne. Diese aber seien abenso wie er trotz des Unfalls voll Zuversicht und Mut, und überzeugt, von der Zuverlässigkeit des halbstarren Systems.

Am Nachmittage konstituierten sich 63 Sektionen des Kongresses, in denen sofort die wissenschaftlichen Spezial­arbeiten ausgenommen wurden. Es ist naturgemaß nicht möglich, auf sämtliche gehaltenen und noch zu haltenden Referate einzuaehen. Wir heben daher aus der vorliegenden Fülle nur das heraus, was die Allgemeinheit besonders

interessiert,

der Abteilung für Meteorologie gibt Dr. Polis-Aachen, der Direktor des dortigen meteorologischen Observatoriums zum ersten Vlale die Erfahrungen bekannt, welche er auf feiner in der Presse viel besprochenen Ozeanreise in Bezug auf die

Luftdruckverteilung über dem atlantischen Ozean

gemacht hat und die von der Reichsregierung bei der Reform des deutschen Wetterdienstes jedenfalls Berucksichtigmig finden werden. Der Redner bemerkt einleitend, daß sowohl für dre maritime Meteorologie die Erforschung der klimatischen Ver­hältnisse des Atlantischen Ozeans, als auch für die Beur­teilung der Witterungsvorgänge in Europa selbst die Kennt­nis der Wanderung der Tiefdruckgebiete über den Atlan­tischen Ozean von größter Wichtigkeit ist. Zur Erforschung der Luftdruckverteilung über den Atlantischen Ozean wurde iedock erst ein großer Schritt nach vorwärts durcl) die draht­lose Telegraphie gemacht und es ist daher das Bestreben der meteorologischen Observatorien, die Wetterbeobachtungen auch auf die östlichen Teile des Atlantischen Ozeans auszu­dehnen. Bereits im vergangenen Jahre wurden gelegentlich einer Studienreise nach den Vereinigten Staaten Versuche der Uebermittlung von Witterungsnachrichten auf see durch Funkel an Bord derKaiserin Auguste Vcktor a" von Seiten des Vortragenden gemacht und auf demselben

Dampfer in der Zeit vom 7. bis 27. August in erweitertem Maßstabe fortgesetzt. Es find nicht nur Wettertelegramms von Schiff zu Schiff gesandt worden, sondern auch vom Lande wurden drahtlose Telegramme, welche meteorologische Beobachtungen enthielten, von Europa unter Vermittelung der Marconistation Cliiden, von Amerika durch die Funken- station Cape Code durch die Funkenapparate auf dem ge­nannten Dampfer ausgenommen. Alle Schiffe, welche den Kurs derAuguste Viktoria" kreuzten, wurden um Mit­teilung der meteorologischen Beobachtungen während der letzten 2-1 Stunden ersucht. Das emgelausene Material wurde auf einer Wetterkarte vereinigt und so gelang es, tägliche Wetterkarten herzustellen. So zeigt beispielsweise die Wetterkarte vom 11. August d. J. ein Hochdruckgebiet, welches sich von den Azoren bis nach Frankreich erstreckt, ein Tiefdruckgebiet bei Island, sowie eine zweite Depression bei ben Neufundlandbänken. Letzteres zog ostwärts unb kreuzte den Kurs derKaiserin Auguste Viktoria" in der darauffolgenden Nacht, wo Trübung und Regcnmtte, begleitet von stark auffrischenden südivestlichen Winden sich einstellten. Zum.ersten Male ist es daher gelungen, während einer Seefahrt über den Atlantischen Ozean dauernd die Wetter­lage zu verfolgen und tägliche Wetterkarten herzustellen. Diese Wettersituationen wurden, solange eine Verbindung mit den Funkenstativnen möglich war, dem meteorologischen Observatorium in Aachen übermittelt. Während die Be­obachtungen und der Entwurf von Wetterkarten an Bord der Schiffe eine Uebersicht der Wetterlage auf dem^Ozean ermöglicht, wird die Angabe der Beobachtungen von Schiffen an die meteorologischen Institute in Europa, namentlich für das westliche, ein wichtiges Hilfsmittel der ausübenden Witterungskunde werden. Die Maxima und Minima des Luftdruckes, welche die Witterungsverhältnisse bedingen, kom­men meist vom Atlantischen Ozean. Durch die Ausdehnung des wettertelegraphischen Netzes durch drahlose Telegramme von den Schiffen würden die Wetterkarten sich weiter west­wärts erstrecken können und damit das Heranrücken der Tief- und Hochdruckgebiete schon früher erkannt werben. Es ist dies umso besser möglich, weil schon jetzt die Beobachtungen der Stationen auf den Azoren und Island vorliegen und die Kurse der Ozeandampfer teils eine mehr südliche, teils eine mehr nördliche Richtung haben. Fahren doch Schiffe mit Marconiapparaten nicht nur durch den Kanal und vom Mittelmeer nach Amerika, sondern auch durch die irische See mehr nördlich nach Kanada. Dadurch werden für den meteorologischen Witterungsdienst wichtige Behelfe geschaffen, namentlich bei schnellem Witterungswechsel Anhaltsvunkte zu geben und auch den Witterungscharakter auf mehrere Tage hinaus skizzieren zu können.

Auch die rasch sich entwickelnde lenkbare Luftschiffahrt wird sich die drahtlose Telegraphie zu Stütze machen und bei ihren Fahrten die Kenntnis der Witterungskunde zu gründe legen müssen.

In der Abteilung für Physik sprach Prof. H. Th. Simon (Göttingen) über

neuereMetHoden zur ErZeugung elektrischer Schwingungen und dieBedeutung derselben für die drahtlose Telegraphie.

Die klassische Methode der Schwingungserregung, wie sie an die Namen Feddersen, Thomsen, Hertz geknüpft ist, kannte nur die durch den Funken erregten gedämpften Schwingungen. Ihr akustisches Analogon sind die verklingenden Töne, die durch Anschlägen einer Glocke erzeugt werden. Auf dem Boden, den der Vortragende 1898 mit der Entdeckung des sprechenden Lichtbogens" aufgeschlossen hat, sind inzwischen sehr wesentlich durch seine und seiner Schüler Arbeit ge­fördert, neue Methoden der Schwingungserregung ent­standen, deren akustisches Analogon die durch einen konstanten Strom erregten gleichmäßigen Töne der Orgelpfeife sind. Diese Methoden stützen sich auf die vom Vortragenden auf­geklärten dynamischen Eigenschaften des elektrischen Licht­bogens. Der Vortrag wurde durch eine große Zahl wirkungs­voller Experimente erläutert.

Das Thema der Säuglings- und Kinderfür- sorge steht,, wie ja auch' im Jahrhundert des Kindes zu erwarten, im Mittelpunkt der Verhandlungen der dafür in Frage kommenden Abteilungen. In der Abteilung für Kinderheilkunde warnte Professor Dr. Cramer-Bonn die Aerztewelt, sich in der Säuglingsfürsorge zu sehr von den Pädiatern den Laien auf dem Gebiet der Kinderfür­sorge -t- verdrängen zu lassen. Die moderne Säuglingsfürsorge hat ihre vorbildliche Entwicklung in Frankreich genommen und ist mit dem Namen des GeburtshelfersBudin" ver­knüpft. Bis heute stehen französische Geburtshilfe und Pädiatrie in engster Fühlung. In Deutschland wird die Säuglingsfürsorge fast nur von den Pädiatern gefördert, so­daß die Gefahr besteht, daß der Geburtshelfer aus seiner Stellung als erster Berater für die Ernährung des Kindes verdrängt wird. Es ist notwendig, daß die deutsche Ge­burtshilfe sich ihrer Aufgabe in bezug auf die Säuglings­fürsorge mehr bewußt wird und einen engeren Anschluß an die deutsche Pädiatrie sucht.

Ueber die Fürsorge für uneheliche Kinder berichtet dann Professor Dr. Arthur Keller (Berlin) im Auf­trage des Komitees zum Studium der Findlingsfürsorge. Er führt aus: In unseren Großstädten ist die Lage im all- meinen heut so, daß jede Mutter, welche Rat und Belehrung für die Pflege und Ernährung ihres Kindes braucht, ihn auch ohne Entgelt finden kann. Soweit ist durch die öffent­liche Wohlfahrtspflege fast überall gesorgt. Mißstände existieren auf dem Gebiete des Kinderschutzes auf dem Lande und in den kleinen Gemeinden, daher ist es notwendig, daß diese zu größeren Armenverbänden zusammengeschlossen werden. Was Mutterschutz und Mutterschaftvecsicherung anbetrifft, ist eine Ausdehnung der gesetzlichen Fürsorge und des Ver­sicherungszwanges auf alle in Handel, Gewerbe, Haus- und Landwirtschaft Betätigten notwendig; ferner die obligatorische Einführung der Versicherung, sowie das Recht auf Selbst- versicherung. Ebenso ist zu fordern eine Unterstützung der Wöchnerinnen in voller Höhe des Lohnbetrages, freie Ge­währung des Hebammendienstes, der ärztlichen Behandlung und Medikamente. Fürsorge-Einrichtungen zum Schutz des Kindes sind in den Großstädten vorhanden, aber sie kommen denen, welche am meisten Hilfe brauchen, nicht in vollem Umfange zugute, und wir können nur den Kindern helfen, deren Mütter diese Hilfe haben wollen. Viele Kinder werden dieser Fürsorge absichtlich entzogen, und dieser Zustand muß durch gesetzliche Bestimmungen beseitigt werden. Dafür ist erforderlich: eine einheitliche staatliche Zwangsaufsicht und ihre Ausdehnung auf alle Gruppen gefährdeter Kinder. Es

ist eine Zentralisation der gesamten Kinderfürsorge, für dir Stadt resp, für den Bezirk notwendig und seine Aufsichts­behörde, welcher die Berufsvormundschaft und der Fürsorge­arzt angehören. Der Aufsicht sind zu unterstellen alle un­ehelichen, alle bevormundeten, alle nicht bei ober von der Mutter verpflegter« Kinder, die Kinder atmemmterstützter Eltern und die Ammenkinder.

In enger Verbindung mit dem Thema der Säuglings­fürsorge steht ein Referat des Leiters der milchhygienischen Untersuchungsstelle de? Rates der Stadt Leipzig. Prival- bogenten Dr. Seifert über den

M i l ch s ch m u tz unb feine B e k ä m p fun g.

Der Vortragende verwies auf die Tatsache, daß die Marktmilch der Großstädte häufig in recht beträchtlichem und gesnndheitsgefährlichem Grade verunreinigt und in den Handel gebracht wird. Die öffentliche Gesundheitspflege und vor allem die Bestrebungen zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit forderst die Beschaffung einer reinen, ge­sunden, sogenannten aseptischen Milch im Rohzustande.

Dem stehe der Milchschmutz entgegen, der entweder beim Melken in die Milch gelangt oder in einer Beimengung krank­haft veränderter Ernterbestandteile und krankheitserregender Bakterien aus dem Körper kranker Tiere, oft aus beiden Bei­mengungen gleichzeitig besteht. Der Melkschmutz besteht gum allergrößten Teil aus Kuhkot und den in diesem enthaltenen Bakterien. Er ist zürar unappetitlich, aber nicht eigentlich gesundheitsgefährlich/ Nur im Hochsommer verursachen die in ihm enthaltenen Bakterien durch äußerlich unerkennbare Zersetzung der Milch einen großen Teil der akuten Ver­dauungsstörungen und Todesfälle der Säuglinge. Gefähr­licher ist der aus dem Körper kranker Tiere stammende Milch­schmutz. Er besteht aus Eiter und den eiterungserregenden Bakterien (Streptococcen) bei Euterentzündung, bei Euter­tuberkulose aus tuberkulösem Eutergewebe und Tuberkel­bazillen, welche beim Kinde unter gewissen Umständen Skro- phulose, bezw. Tuberkulose, aus welcher die Schwindsucht der Erwachsenen hervorgehen kann, zu erzeugen vermögen. Während der Melkschmutz durch Filtrieren beseitigt werden kann, ist der krankhafte Milchschmutz nur von den in der Pathologie und Bakteriologie erfahrenen Aerzten mittels Mikroskop und bakteriologischer Untersuchung nachweisbar. Aus diesem Grunde haben die Städte Leipzig und München amtliche milchhygienische Untersuchungsstellen eingerichtet Den Milchschmutz durch Sterilisiren oder Pasteurisieren oder chemische Zusätze zu entfernen, ist unmöglich und dienen diese Verfahren nur zur Verschleierung des Milchschmutzes für die öffentliche Kontrolle. ES wäre daher wünschenswert, wenn ähnliche Untersuchungsanstalten in allen größeren Städten errichtet würden, weil nur dann die Milchkonrrolle eine nachhaltige Wirkung auf die Landwirtschaft ausüben wird.

Eine die Hausstauen interessierende Frage behandelt der bekannte Berliner Chemiker Dr. Bein in seinem Referat über

Die chemischen Vorgänge beim Waschen. Er erklärte zunächst den Begriff des Waschens, den er als ein Reinigen von allen fremdartigen Stoffen, verbunden mit dem Bestreben, der Materie ein gefälliges Aeußere zu ver­leihen, definiert. Dr. Bein führt an der Hand angestellter exakter Versuche aus, daß das seit Ursprung alles organischen Lebens zum Reinigen wohl nur mit primitiven mechanischen Unterstützungsmitteln angewandte Wasser stets und unter Umständen auch heute noch, allein im Stande sei, den er­forderlichen Zweck zu erfüllen. Das Wasser sei nicht nur zum Wegschwemmen von Schmutzteilen, sondern auch ge­eignet, anhängende Stoffe zu lösen, ja sogar auf rein chemi­schem Wege, unter Umständen an Stelle von Säuren, fett­haltige Substanzen in ihre Bestandteile zu zerlegen und die entstandenen Spaltungsprodukte fortzuspülen, auch die vielen Krankheitskeime abzutöten. Der Vortragende zeigt, daß mit der fortschreitenden Kultur das Bedürfnis nach Hilfsmitteln zum Zwecke eines rascheren Reinigens entstanden sei. Da­durch kam zuerst die sogenannte Aschlauge in Verwendung, die allerdings unter den heutigen Verhältnissen organische Stoffe, insbesondere Gewebe zu sehr angreife, ja sogar zum Teil vernichte. Später, aber immerhin noch lange vor unserer jetzigen Zeitrechnung, lernte man die Lauge mit Fetten zu verbinden, wodurch die heutigen Seifen in den Vorder- gründ traten. Dr. Bein zeigt an BersuchSergebnissen, daß die Seifen, entgegen früheren Annahmen, nur mit Wasser vollkommen brauchbar seien und damit dann sofort in ein stark wirksames Alkali und ein saures fettsaures Salz zer­fallen. Ersteres wirke, weil es im sogenannten Entstehungs­zustande frei wird, trotz der geringfügigen Menge stark reinigend, ohne die Materie wesentlich anzugreifen, während das zweite Spaltungsprodukt nach Einschluß von Luft als Schaum die «chmutzteile einhülle und mit viel Wasser fort« spiele. Diese Wirkungsweise suchte man mit mehr oder weniger Erfolg auf die Ersatzmittel der Seife (Waschpulver u. i. ro.) zu übertragen. Es wurden dann auch die zum Teil überflüssigen, zum Teil sogar schädlichen Beschwerungs­mittel der Seifen und Waschpulver erörtert. Aus rein chemische Umsetzung führt Dr. Bein an der Hand von Versuchen die Verwendung der schnellwirkenden Waschbleichmittel vor. Sie werden naturgemäß in der modernen Zeit an Stelle der seit Jahrtausenden hierzu herangezogenen Sonnenstrahlen ver­wendet. Dadurch werden oft gewünschte Farben, aber auch häufig namentlich in unkundigen Händen durch starke Oxydarion und Reduktion unliebsame Substanzzerstörungen herbeigeführt. Die uralte Verwendung von Oel wird von dem Vortragenden nach mehreren Richtungen auf Grund seiner Versuche erörtert. Er erwähnt, daß diese erst wieder im Jahre 1825 durch Einführung der Benzinwäsche, (sog. Trockenwäsche) von einem Franzosen im modernen Kultur­leben erneuert worden ist. Schließlich bemonftriert Dr. Bem den allerneuesten Kulturfortschritt, daS Waschen mit Prä- paraten, die alle wünschenswerten Vorgänge chemischer und mechanischer Natur in sich vereinigen. DaS sind solche, die in einer klaren Lösung Wasser, Seife, Oel und ein Fett­lösungsmittel (Tetrachlorkohlenstoff) enthalten, ohne beim Zu­satz beliebiger Wassermengen sich zu trüben.

Der Referent erklärte die hierbei vor sich gehenden chemi­schen Unffetzungen sowie die reinigenden und mit einer Art Desinfektion verbundenen Vorgänge. Der umfangreiche Vor­trag schließt mit einem Appell an die Kulturstaaten: Man lege in der Gegenwart mit Recht auf die Heilung von Krankheiten und auf Krankenhäuser ein besonderes Gewicht. Möge man nun vorab die Krankheiten tunlichst verhüten. Diese ist aber in allererster Linie durch ein besondere« Augenmerk auf zweckentsprechendes Waschen (Reiniaerr) zum