Celte 4
Mittwoch
23, September
* Familienabend der Hanauer „Viktoria". Durch den unerwartet raschen Beginn der Verbandsspiele war es dem Klub unmöglich, den projektierten Ausflug zu halten. Als Ersatz beschloß der Klub dafür einen Familienabend im Saale der Brauerei Weismantel und zwar am Sonntag den 27. September abzuhalten. Bet dieser Gelegenheit findet gleichzeitig die Begrüßung der vom Militär entlassenen Mitglieder und Rekrutenabschied statt. Eintrittskarten für Herren 20 Pfg., für Damen 10 Pfg., sind bei den Mitgliedern zu haben. Der Familienabend beginnt 611 Nhr.
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Jg, Oberrodenbach, 23. Septbr. Die hiesige Obsternte beginnt laut amtlicher Festsetzung am Montag den 28. September. Die Bäume liefern größtenteils einen recht reichlichen Ertrag; außerdem ist das Obst Heuer ausnahmsweise sehr gesund. Da von allerwärts großer Obstsegen gemeldet wird, dürften die Preise nicht allzu hoch werden. Liebhaber von schönem Obst können sich in diesem Jahre vertrauensvoll aus unserer Gemeinde ihren Bedarf zulegen. — Der hiesige Turnverein hält Sonntag den 4. Oktober sein diesjähriges Abturnen. Am Abend findet im Vereinslokal bei Herrn Gastwirt G. Fickert eine musikalisch-theatralische Unterhaltung mit anschließendem Ball statt. Die Vorbereitungen lassen auf eine angenehme Veranstaltung schließen.
G. Kreis-Krieger-Verband Hanau.
Am Sonntag den 20. d. M. fand in Wachenbuchen im Lokale des Gastwirts Pflug der Herbstabgeordnetentag des Kreis-Krieger-VerbandeS Hanau statt.
Von den dem Verbände angehörrnden 35 Vereinen waren 25 Vereine mit 61 stimmberechtigten Abgeordneten erschienen, außerdem war noch eine sehr große Anzahl anderer Kameraden anwesend.
Die Versammlung wurde um 2V« Uhr durch den Vorsitzenden Herrn Kameraden Landtagsabgeordneten E. Iung- h e n n eröffnet, der die Kameraden herzlich willkommen hieß und in einer längeren Ansprache ungefähr folgendes ausführte :
Meine Kameraden I Es ist das erste Mal, daß unser Verband hier in Wachenbuchen tagt, möge unsere heutige Versammlung von echt kameradschaftlichem Geiste durchdrungen sein und unserm Verband zum Segen gereichen.
Die Sommermonate sind vorbei und der Herbst neigt sich seinem Ende zu; die Tage werden immer kürzer und die Abende umso länger, es kommt die Zeit ernster Arbeit für uns. Die Winter-Vereinsabende müssen dazu verwendet werden sich mit Fragen, die für unS von Bedeutung sind, zu beschäftigen. Die Anregung muß von den Vereinsvorständen, an erster Stelle von den Vorsitzenden ausgehen. Stoss bieten genug die Parole, der Hausvater, die Jahresberichte des Deutschen Kriegerbundes und des Preußischen Landeskriegerverbandes und unser Jahrbuch.
Es kann irgend ein Aufsatz aus der einen oder andern Schrift zur Verlesung kommen und hieran sich eine Besprechung knüpfen, dadurch gewinnen die Vereinsabende und die Kameraden werden sich gern und reger an ihnen beteiligen.
So ist für uns eine Frage von Wichtigkeit die Heranziehung der Jugend, der Eintritt der Reservisten in unsere Vereine. In dieser Richtung kann noch viel geschehen, die Vereine sollten sich mit den jungen Leuten, die gezogen, in Verbindung setzen, sie sollten mit den Betreffenden während ihrer Dienstzeit Fühlung halten und sie, wenn sie auf Urlaub kommen, zu den Vereins- Versammlungen heranziehen. Dadurch tritt man sich näher, die jungen Leute sehen, wie es bei uns zugeht und sie werden dadurch leichter veranlaßt, sich, wenn ihre Dienstzeit zu Ende, uns anzuschließen.
Hierauf müssen wir utiser Hauptaugenmerk richten und ich möchte Sie bitten, in dieser Richtung zu wirken, auch werden die Kameraden-Lehrer sich gerne bereit finden, Vorträge zu halten; Vorschläge, wie wir vorzugehen haben, sind ja schon öfters gemacht worden.
Es wird anheim gegeben, den Reservisten den Eintritt so leicht als nur möglich zu machen, durch Erlassen des Eintrittsgeldes, oder auch, wenn sie sich innerhalb eines gewissen Zeitraumes bei einem Kriegerverein melden, von Der Erhebung des Vereinsbeitrages für einige Monate abzusehen. Diese Vorschläge sind gewiß der Erwägung sehr wert. Es wird sich nicht empfehlen, Schritte zu tun, um einen Beschluß seitens des Landesverbandes herbeizuführen, es ist dies Sache der Vereine, sich zu entschließen, in der einen oder anderen Richtung vorzugehen.
Tie Verhältnisse liegen doch zu verschieden, was für den einen Verein paßt, eignet sich nicht für den anderen.
Jedenfalls liegt die Sache so, daß die Vereine sich mit ihr näher beschäftigen sollten.
Um aber etwas zu erreichen, meine Kameraden, ist durchaus notwendig, daß wir vor allem ein geschlossenes Ganzes bilden und hierzu ist an erster Stelle notwendig die Pflege echter Kameradschaft, worauf ich schon öfters hingewiesen habe. So aber zu handeln, dazi? sind wir durch unsere Satzungen verpflichtet. An der Spitze unseres Landesverbaudes steht als Protektor Seine Majestät der König.
Wir sehen, wie Seine Majestät bei jeder passenden Gelegenheit seinen Soldaten im Bürgerkleide Beweise feiner Huld gibt, und wie er die alten Krieger ehrt.
So ist auf das von der 9. Vertreterversammlung des Kyffhäuser-Bundes an Seine Majestät den Kaiser geschickte Telegramm dem Vorsitzenden des Deutschen Kriegerbundes Exzellenz General der Infanterie v. Spitz folgende gnädige Antwort zugegangen :
Berlin den 16. Septbr. 1908. Ueber den freundlichen Huldigungsgruß der zum neunten Vertretertag des Kyffhäuser-Bundes der deutschen Landes-Krieger- verbände dort vereinigten Mitglieder habe ich mich sehr gefreut und ersuche Sie, den Versammelten meinen Dank hierfür mit den besten Wünschen für weitere segensreiche Entwicklung des Bundes zum Ausdruck zu bringen, gez. Wilhelm I. R. feigen wir uns des Vertrauens, weiches Se. Majestät uns entgegenbringt, würdig, und geben wir unseren Gc- mhlen der Treue und Verehrung dadurch aufs Neue Ausdruck, daß wir einstimmen in den Ruf: Seine Majestät '.wer allergnädigster Kaiser, König und Herr: Hoch!
In das dreimalige Hoch stimmten alle Anwesenden be- iftert ein.
Nach Prüfung der Vollmachten und Feststellung der Präsenzliste wurde das Protokoll deS im Monat Mai b. J. in Hanau stattgefundenen Frühjahrs-Abgeordnetentages vorgelesen und da'Einspruch nicht erfolgte, genehmigt.
Seitens des Vorsitzenden wurde dem Schriftführer für daS überaus sorgfältig und ausführlich augefertigte Protokoll der Dank ausgesprochen.
Der Vertrieb des Jahrbuches wurde den Vereinen recht ans Herz gelegt, ein großer Teil der Vereine hat seine bereits früher bestellten Exemplare erhalten, es sind jedoch noch immer eine ganze Anzahl von Vereinen mit der Bestellung im Rückstände, dieselben werden aufgefordert, dasselbe baldigst zu tun, damit die Kameraden rechtzeitig in den Besitz eines Jahrbuches kommen. Einige Bestellungen wurden gleich aufgegeben. Bekannt gegeben wurde, daß der Verband "für das Jahr 1908 für bezogene Jahrbücher 82,75 Mark aus den Ueberschüssen erhalten hat, welche zu Unterstützungszwecken verwendet werden sollen. Auch das Halten' der „Parole" wurde anempfohlen und bemerkt, daß dieselbe eine große Menge anregenden Lesestoff bietet, hauptsächlich sei'für die Vereine der amtliche Teil von großer Wichtigkeit.
Ferner erhalte der Verband aus den jährlichen Ueber« schlissen einen nennenswerten Betrag zu Unterstützungszwecken überwiesen.
Ueber die Sierbekassen-Angelegenheiten wurde seitens des Vertrauensmannes eingehend berichtet, auch wurden die Beschlüsse der am 8. Juli d. I. stattgsfundenen Generalversammlung bekannt gegeben.
Den Mitgliedern wurde der Beitritt zu der Kasse warm empfohlen mit dem Hinzufügen, daß ein jeder durch das Aufbringen von ganz geringen Mitteln für seine Angehörigen etwas tun könne, zumal die Ausnahme in den letzten Jahren bedeutend erleichtert und die Beitragszahlungen geringer geworden sind.
Erinnert wurde, daß die Kameraden vor einem etwaigen Ablauf und Erneuerung ihrer Feuerversicherung sich bei der Württembergischen Feuerversicherung, mit welcher seitens des Preußischen Landeskrieger-Verbandes Verträge abgeschlossen worden sind, versichern können, die Prämienzahlungen daselbst sind niedriger als bei jeder anderen Feuerversicherungs-Gesellschaft.
Ueber den am 27. Juni b. J. in Rotenburg a. F. stattgefundenen Abgeordnetentag des Kurhessischen Kriegerbundes berichtet der Kamerad Hauptmann a. D. v. Buttlar eingehend. Er erläutert Punkt für Punkt der Tagesordnung und teilt außerdem mit, daß die erschienenen Abgeordneten in Rotenburg in der kameradschaftlichsten Weise ausgenommen worden sind.
Die Termine zur Einreichung von Unterstützungsgesuchen hilfsbedürftiger Kameraden sowie Witwen a) zur Jung- hennschen Stiftung, b) zur Preußischen Krieger-Stiftung Wilhelm II, c) zu Witwen-Unterstützungen werden bekannt gegeben und die Vereine darauf aufmerksam gemacht, die Gesuche nicht erst die letzten Tage vorzulegen, damit Verzögerungen vermieden werden.
Der Bericht über Revision der Bücher, Belege und der Kasse wurde durch den Kassenkontrolleur Kamerad Gleis er erstattet und dem Kassierer Decharge erteilt. Den beiden Kameraden Kassierer und Kontrolleur wurde für ihre Mühewaltung der Dank ausgesprochen.
~ Es wurde daran erinnert, daß etwaige Beträge zur Schmückung der Kriegergräber nicht direkt an die Komitee's, sondern dem Deutschen Kriegerbundc zur Weiterbeförderung übersandt werden sollen.
Am 26., 27. und 28. d. Mts. findet die Feier der 25- jährigen Wiederkehr der Denkmals-Einweihung auf dem Niederwald statt. Diejenigen Vereine resp. Kameraden, die sich an der Feier beteiligen wollen, haben sich baldigst beim Kriegerverein Rüdesheim anzumelden. Das Programm der Feier wurde vorgelesen.
Eine Sammlung zum Besten unserer Waisenhäuser wurde durch den Kameraden Hummel vom Garde-Verein Hanau veranstaltet und ergab 18.80 M. — Kamerad Hummel sprach seinen Dank für die bereitwillige Unterstützung aus mit der Bitte, mit allerhand Sammlungen in ihren Vereinen wie Cigarrenspitzen rc. recht tätig zu sein.; als Muster wurde von ihm der Kriegerverein Fechenheim angeführt, welcher in kurzer Zeit 19.50 Mk. in bar und eine ganze Menge anderer Gegenstände zur Absendung übergeben habe.
Durch den Vorsitzenden wurde dem Kriegerverein Wachenbuchen für seine liebevolle Aufnahme und Schmückung des recht schönen Lokales der Dank ausgesprochen mit dem Hin- zusügeil, daß dem Verein aus dem heutigen Zusammensein ein Vorteil erwachsen möge, und sich diejenigen Kameraden, die dem Verein noch fernstehen, baldigst anschließen möchten.
Der Kamerad Gorge, Vorsitzender des Kriegervereins Großauheim, sprach dem Verbandsvorstande seinen Dank für die gute und sorgfältige Verwaltung aus und brachte ihm ein Hoch.
Um halb 5 Uhr wurde die Versammlung geschossen.
Gerichtssaal.
Sitzung der Werienstrafkammer botst 21. Septbr.
Widersetzlicher Schüler.
Am Morgen deS 13. März b. I. wurde der 12jährige Knabe Heinrich Krack in Sterbjritz von feinem Lehrer, Herrn Wilh. Blum, in strenger Weise gezüchtigt, weil er der Aufforderung, die Bank zu verlassen, nicht nachkam tinb den diesbezüglichen tätlichen Bemühungen des Lehrers heftigen Widerstand entgegen setzte. Krack hatte einem anderen Schüler vorgesagt und sollte deshalb gleich dem anderen die Bank verlassen. Der andere tat eS, Krack blieb sitzen, wurde nochmals aufgesordert, aber wiederum ohne Erfolg. Dann ging der.Lehrer hinter seine Bank, eS war die letzte, und suchte ihn mit Gewalt herauszuziehen, hob aber, da dieser sich fest einklemmte, die Bank mit samt dem Jungen hoch. Dann stieg er auf die Bank und suchte von hier auS zum Ziel zu gelangen. Der Junge warf sich hin und her, stemmte sich mit den Füßen gegen den Unterteil der Bank und war absolut nicht herauszubringen. Natürlich ging die ganze Geschichte nicht so friedlich ab, es fielen vielmehr zwischen den einzelnen Etappen gehörige Schläge, die noch eine Fortsetzung fanden, als der Junge, nachdem er freigelassen wurde, aufsprang und duych die Tür entwischen wollte, waS der Lehrer aber durch schnelles Zuhalten der Tür verhinderte. 9?ad) Empfangnahme der Strafe setzte sich der Knabe wieder auf seine Bank und wohnte dem Unterricht bis um 12 Uhr bei. Die Züchtigung war zwischen 8 und 9 Uhr erfolgt. Am Nachmittag kam er wieder in die Schule, während er
nach Schluß derselben mit den anderen Jungen Schneeball spielte. So furchtbar schlimm scheint die Sache also nicht gewesen zu sein. Am nächsten Tage blieb er der Schule fern, nachdem der Vater inzwischen den Beschwerdeweg angetreten hatte, aber erst am dritten Tage legte er sich ins Bett. Der Kreisarzt, Herr Dr. Cauer, der den Jungen untersuchte, stellte am Rücken zahlreiche Striemen, an den Beinen, an Armen, Schultern und am Kopf blutunterlaufen« Flecken fest. Er sagt, es seien ihm schon viele gezüchtigt« Jungen zugeführt worden, dies aber war der am schlimmsten aussehende. Ob die Züchtigung aber eine übermäßige war, könne er nicht ohne weiteres bejahen. Dauernde gesundheitliche Nachteile habe sie für den Jungen nicht im Gefolge gehabt. Der Lehrer weist darauf hin, daß er 63 größtenteils zu Widersetzlichkeiten geneigte Schüler in der Klasse hatt« und daß es für ihn als junger schwächlicher Lehrer ohnehin schwer war, die notwendige 'Autorität aufrecht zu erhalten, daß diese aber, wenn er sich von einem Jungen unterkriegen ließ, vollständig verloren gehen mußte. Die Verletzungen an den Beinen, Armen, der Schulter und dem Kopfe des Jungen seien nicht durch die Schläge entstanden, sondern könnten nur daher rühren, daß dieser sich bei seinem heftigen Widerstand gegen die scharfen Kanten der Bank und wohl auch gegen die Wand gestoßen habe. Die Geschwulst und di« Flecken am Kopfe könnten wohl auch durch das Spielen mit Schneebällen, die an jenem Tage infolge des Tauwetters eher Eisklumpen waren, entstanden sein. Herr Lehrer Sckiler, der seit 24 Jahren in Sterbfritz tätig ist, bestätigt, daß es dortselbst schwierig ist, die Disziplin in der Schule aufrecht zu erhalten. Der kleine Krack speziell wird von ihm als frecher Junge geschildert. Der Ortsschulinspektor hält die Züchtigung zwar für sehr streng, als wirklich übermäßig könne er sie aber in Anbetracht der großen Renitenz des Jungen nicht betrachten, zumal bestimmte Vorschriften, wie weit der Lehrer mit der Züchtigung gehen darf, nicht existieren. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft plaidierte auf Freisprechung, da er nicht als festgestellt erachtete, daß das Züchtigungsrecht überschritten wurde. Dem Jungen wurde eine strenge Bestrafung zuteil, aber diese habe er auch verdient gehabt. Der Verteidiger schließt sich natürlich dieser Ansicht an Nur der Vertreter des als Nebenkläger zugelassenen Vaters plaidierte auf Bestrafung. Das Urteil lautete auf kostenlose Freisprechung. Das Gericht konnte nicht zur Ueberzeugung kommen, daß der Lehrer das ihm zustehend« Züchtigungsrecht überschritten hat. Der Junge hat zwar heftige Schläge bekommen, aber gesundheitliche Schädigungen sind dadurch nicht verursacht worden. Wodurch die Verletzungen am Kopf usw. entstanden sind, konnte nicht festgestellt werden, sie können sehr wohl auch durch eigene Schuld des Jungen heroorgerufen sein.
Sitzung, des Schöffeugerichts vom 32. Septbr.
Der Gärtner Heinrich G„ augenblicklich hier im Gefängnisse und schon häufig vorbestraft, wurde wegen Bettelns durch Vorzeigen von Bettelbriefen zu 6 Wochen Haft verurteilt. — Der Domänenpächter Otto R. vom Wilhelmshaderhof litt im Mai d. J. unter dem Einfällen fremder Tauben auf seine Saatfelder, welche angeblich eines großen Teiles der ausgestreuten. Saat durch Abfressen beraubt wurden. Da er sich ihrer durch andere Mittel nicht erwehren konnte, so griff er zur Flinte und schoß eine Anzahl der seine Felder brandschatzenden Tauben ab. Dagegen wäre im Grunde genommen nichts einzuwenden gewesen; denn er handelte mehr oder weniger in Wahrung berechtigter Interessen. Er ging aber weiter und eignete sich die geschossenen Tauben auch — etwa 7—8 Stück — an, um sie in seinem Haushalte zu verwenden. Darin sind aber die Merkmale des Diebstahls zu erblicken. Er wurde angezeigt und heute wegen einfachen Diebstahls zu der gesetzlich nieS» sten Strafe von einem Tag Gefängnis verurteilt. Von der Beschuldigung, an von Menschen besuchten Orten mit Feuer- gewehr geschossen zu haben, wurde er sreigesprochen. — Der schon häufig vorbestrafte Milchfahrer Karl H. hatte am 29 Juni auf dem Wilhelmsbaderhofe den Wagner Heinrich S. beleidigt, glich mit Totstechen und Totschlägen bedroht, wofür er mit 3 Tagen Gefängnis bestraft wurde. Wegen Befahrens der Anlagenwege in Wilhelmsbad wurde er zu 1.50 Mark eventuell 1 Tag Haft verurteilt, dagegen von der Anschuldigung der Ruhestörung wurde er freigesprochen. — Der Friseur Georg A. von hier kam am 29. Juni nach der Volksbadeanstalt am Main in angetrunkenem Zustande und wollte baden. Der Anstaltsausscher Adam wollte das feiner Vorschrift gemäß nicht dulden. Da gerade Hochwasser war, hätte A. umsomehr in Lebensgefahr geraten können. Das Verbot paßte ihm aber nicht. Er schlug Krach, beleidigte den 2lbam und war auch nickt zu bewegen, die Anstalt zu verlassen. Er mußte mit Gewalt entfernt werden. Wegen Hausfriedensbruch und öffentlicher Beleidigung erkannte das Gericht auf 40 Mark Geldstrafe evtl. 10 Tage Gefängnis. Von einer höheren Strafe sah das Gericht um deswillen ab, weil der Angeklagte gleich am folgenden Tage Abbitte geleistet hatte. Dem Adam sprach das Gericht die Befugnis zur Bekanntgabe des Urteils auf Kosten des Angeklagten im „Hanauer Anzeiger" zu. — Weil er, da betrunken, kein Bier mehr erhielt, schlug der Schneider Josef B. von hier am 31. Juli dem Wirt „zum Nürnberger- hof" ein paar Fensterscheiben ein, wofür er eine Geldstrafe von 10 Mark evtl, zwei Tage Gefängnis zudiktiert erhielt. — Der Kellner Christian R. hatte sich am 27. Juli in einet hiesigen Wirtschaft unbefugt in einen Streit eingemischt, ben der Schuhmacher Heinrich G. von hier mit anderen Personen ausiocht. Dem G. paßte das natürlich nicht, namentlich da R. sich auf Seiten seiner Gegner gestellt hatte. Als' R. nachher das Lokal verließ, eilte G. ihm nach und verprügelte ihn gehörig. 14 Tage Gefängnis wurden ihm als Strafe dafür zuerkannt. — Der Zigarrenmacher Wilhelm M. von Net, der ehemals Bahnbeamter war. hatte aus seiner alten Eisenbahnnniform insofern noch Kapital zu schlagen vermocht, als er sie anzog und sich als Eisenbahnbeamter gerierend eine Freifahrt von Frankfurt nach Hanau verschoifie. Er iollte deshalb zuerst wegen Betruges belangt werden, indessen reichten die Beweise dafür nicht aus. Er hatte aber durch richter-
Strafbefehl wegen unbefugten Tragens, einer Uniform
Mark evtl. 1 Wäche Haft zuerkannt erhalten. Heute erschien er nun mit der Behauptung, er sei unschuldig und verlangte gerichtliche Entscheidung. Er ließ sich aber angesichts der für tl)it sehr ungünstigen Sachlage eines Besseren belehren und zog den Einspruch zurück. — Wegen verbotswidrigen Befahrens der Steinheimerlandstraße hierselbst wurde der noch nicht 16 Jahre alte Litograph Karl G. von Kleinstem-