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General-Anzeiger
Amilichts Orgie für Stob uni Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Kl. 218 Fernsprechanschlittz Nr. 605,
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Amtliches.
Stadtkreis Fjanau. Bekanntmachung.
Nach einer Stiftung von Christian Weishaupt soll alljährlich ein besonders talentvoller Goldarbeiter (Bijoutier, Graveur, Juwelier) oder Silberarbeiter, welcher noch eine Zeit lang der Fortsetzung des höheren Unterrichts in der hiesigen Akademie oder durch Privatunterricht dahier oder außerhalb sich widmen will und unbemittelt ist, ein einmaliges Stipendium von 120 Mk. erhalten.
Das Stipendium ist zu vergeben für die Jahre 1907 und 1908.
Als Aufgabe für die Erlangung dieses Stipendiums wird gestellt:
A. für den ! iöhauptpreis 1907:
„Entwurf einer SiEccichale von höchstens 35 cm Länge, geeignet zur Aufnahme sowohl von Früchten wie von Blumen. Die Form soll ruhig und einfach sein, ohne daß besonderes Gewicht darauf gelegt wird, ob sie sich mehr einer Fruchtschale oder einer Jardiniere nähert."
B. für den Weishauptpreis 1908:
I. Entwurf eines Schmucke« in vornehmer, moderner, ruhiger Form (sog. „klassischer Schmuck") bestehend ans Brosche, Kollier und Armband. Zur Verwendung sind bestimmt :
1 Smaragd, Größe 14 mm Längsdurchmesser r von etwas läng- 1 in I lieber, viereckiger , " * jForm mit abge- * » v , stumpften Ecken
1 birnförmige Perle 14 mm,
5 Brillanten, Größe 8 „ Durchmesser,
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Die ferner zur Verwendung kommenden Steine (Brillanten, Rosen und Perlen) sollen sämtlich aus kleineren Größen als die oben genannten bestehen. Die Größe der Stücke ist durch das gegebene Material bestimmt, indem die angegebenen Steine als Hauptpunkt zur bestmöglichen Geltung zu bringen sind.
II. Entwurf eines gleichen Schmuckes zu denselben Bedingungen aber im Stil Louis XVI.
Er wird in erster Linie auf schlichte, ansprechende Ge- jamtform und Detailzeichnung Wert gelegt; in zweiter Linie erhält diejenige Arbeit den Vorzug, die den gestellten Anforderungen mit den einfachsten Mitteln bcziv. mit dem wenigsten Kleinmaterial entspricht. Jeder Bewerber muß beide Aufgaben lösen also 2 Blätter (unter demselben Motto) einsenden. Alle Blätter müssen auf festem Karton aufgezogen sein, der die Größe 34X46 cm haben muß.
Feuilleton.
Humoristischer Dialckiabcnd.
Hana«, 16. Septbr.
Obwohl mildere Witterung noch zu frohem Genießen in freier Natur Anreiz gab, hatte doch die gestrige erste Veranstaltung der Saison, welche im Saale der „Centralhalle" stattfand, einen guten Besuch aufzuweisen. Herr Rezitator I. B o ck gab einen humoristischen Dialektabend und der Gesangverein „Tonblüte" hatte seine Mitwirkung zugesagt, sodaß ja eigentlich der Erfolg ohne weiteres hätte feststehen müssen. Da jedoch ereignisreiche Festtage hinter uns lagen, konnte man immerhin Besorgnisse hegen; daß diese sich als unbegründet erwiesen haben, gereicht zu besonderer Genug- tuung. — Mit dem packenden Chor „Die Ehre Gottes" von L. m Beethoven leitete der Gesangverein „Tonblüte" (Dirigent: Herr Heinr. A p p u n n) die Veranstaltung ein. Dann folgte zunächst eine ernste Rezitation. und zwar die Darbietung der Ballade „Erich und Abel" von I. v. Wildenradt, in jeder Weise wirkungsvoll den Zuhörern vermittelt. Auf dem Gebiete der humoristischen Rezitation stets neue Sachen zu bringen, die ihren Zweck nicht verfehlen, ist nicht leicht, umsomehr ist es Herrn Rezitator I. Bock hoch anzurechnen, daß er mit einem Programm aufzuwarten vermochte, das in seiner Zusammenstellung kaum wirkungsvoller gedacht werden kann, bei dessen Durchführung jedoch auch seine Begabung in der Dialektik ihm sehr zu statten kam. In oberbayerischer und österreichischer, in pfälzischer, hessischer, sächsischer und nassaucr Mundart wurden uns prächtige Piecen geboten, die zum weitaus größten Teile mit anhaltendem Beifall ausgenommen wurden. Uns schien, als ob die Vorträge in nassauer Mundart den größten Anklang gefunden hätten. Die Art und Weise, wie Herr J. Bock die Dichtungen ver-
Donnerstag den 17. September
Die Bewerbungsarbeiten sind mit einem Kennwort- bezeichnet, unter Beifügung eines mit dem gleichen Kennwort versehenen Kuverts, welches die Adresse des Bewerbers enthält, bis spätestens bett 15. Oktober 1908 im Sitzungszimmer der Königlichen Zeichenakademie einzuliefern.
Wir fordern hiernach zur Bewerbung um das Stipendium auf, indem wir noch darauf aufmerksam machen, daß die Bewerbung nur für Goldschmiede, Silberschmiede usw. zulässig ist und daß es nicht erforderlich ist, daß der Bewerber Schüler der hiesigen Königlichen Zeichenakademie war.
Hanau den 16. September 1908.
Der Magistrat.
Dr. G e b e s ch u s. 18329
Bekanntmachung.
Die Arbeiten zur Pflasterung der Nürnbergcrstraße zwischen Rosen- und Leimcnstraßc sollen unter Zugrundelegung der Bedingungen für Bewerbung um städtische Arbeiten und Lieferungen öffentlich verdungen werden.
Die Verdingungsunterlagen liegen im Stadtbauamt, Rathaus Zimmer Nr. 22, zur Einsicht aus und können von dort bezogen werden.
Die Angebote sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zu dem auf Montag bett 21. d. M«, vormittags 11 Uhr, festgesetzten Eröffunngstermin ein- zurcichen.
Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Anbieter. .
Zuschlagssrist 3 Wochen.
Hanau am 14. September 1908.
Der Magistrat.
Dr. Gebesch u s. 18297
BekautttmachmH.
Ei n stcll« r« g itt das H e e r.
Alle Freiwilligen und Rekruten, welche diesen Herbst zur Einstellung gelangen, können ihre Gestellungsbefehle gegen Abgabe der Annahmescheine bczw. Rekrmen-llrlaubSpässe vom 15. d. Mts ab in Empfang nehmen:
a) diejenigen der Stadt Hanau von vormittags 8 bis nachmittags 7 Uhr beim Bezirkskomzuando, Lamboy- straße 17,
b) diejenigen von Kcsselstadt bei Herrn Bezirksvorsteher Geibel,
c) die übrigen der Landbevölkerung bei den Bürgermeisterämtern.
Diejenigen Rekruten, welche keine Gestellungsbefehle erhalten, gelangen voraussichtlich dieses Jahr nicht zur mittelte, zeugte von eingehender Arbeit und feiner Beobachtungsgabe. Nirgends ein anmaßendes Vordrängen des Nachahmenden zum Nachteil des schöpferischen Geistes, wohl aber überall unverkennbare Liebe zu seinen Figuren. So konnte eine festlich-heitere Stimmung nicht ausbleiben, Behagen und Fröhlichkeit erfüllte die Anwesenden und selbst der grimmigste Ernst mußte auf eine Spanne Zeit der heiteren Schwester den Platz räumen. — Der Gesangverein „Tonblüte" bot noch einige gut gewählte und demgemäß reichen Genuß gewährende Chöre, „Villanellâ albt Napolitana“, Madrigal von Baldassare Donati, „Der Lindenbaum" von Silcher, „Der Jäger Abschied" von Mendelssohn-Bartholdy und zum Schluß „Am Rhein" von Heinr. Appunn, sodaß der zahlreichen Zuhörerschaft ein Abend vermittelt wurde, der in jeder Weise zu befriedigen vermochte und dem Veranstalter Herrn Rezitator I. Bock zur Genugtuung gereichen konnte.
, Heimat für Heimatlose".
Uns wird geschrieben: Der bekannte Friedhof aus der Insel Sylt, „Heimatstätte für Heimatlose", soll verschwinden. Jahr für Jahr lenkten viele Hunderte ihre Schritte nach dem steinmnhegten stillen Platze, ließen sinnend das Auge auf den Grabstätten der unbekannten Opfer der See und den Reihen schlichter Holzkreuze ruhen und gedachten dabei bewegt fremden und auch eigenen Leides. Rumäniens Dichter- königin Carmen Sylva stiftete bekanntlich für die Stätte einen Granitblock mit der von Kögel gedichteten schönen Strophe als Aufschrift:
„Wir sind ein Volk, vom Strom der Zeit
Gespült zum Erdeneiland.
Voll Unfall und voll Herzeleid, Bis heim uns holt der Heiland.
Das Vaterhaus ist immer nah,
Wie wechselnd auch die Lose — Es ist das Kreuz von Golgatha
Heimat für Heimatlose."
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Kerttspr-chanschlutz Nr. 605. 1908
Einstellung unb müssen sich nächstes Jahr erneut zur Stammrolle melden.
Bezirkskommando Hanau.
Handelsregister.
Unter der Firma „Neutzwtg & Eckhardt" »t« treiben die Fabrikanten
1. Louis Eckhardt,
2. Konrad Reuhivig, beide in Hanau wohnhaft, mit dem Sitze in Hanau eine Goldkettenfabrik. Die Gesellschaft, welche am 11. September 1908 begonnen hat, ist eine offene Handelsgesellschaft.
Eintrag des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 12. September 1908. 18825
Gicfnnbcuc und verlorene Gesttustiinde rc.
Gefunden: 1 rotes Kinderkäppchen, 1 Double-Brosche.
Gefunden unter einem Bogen der Kinzigbrücke: 8 Friscurkittel, 1 Stück einer Schürze, 8 Herren-Kragen, 1 Chemisett, 1 Herren-Westenbinde, 2 Herren-Hosen (davon eine zerrissen), 1 zerrissene Weste.
Stehen g c b I i e b e n im Brausebad : 1 Herren- Regenschirm. Abzuholen bei der Armenverwaltung.
Verloren:! ncubcsohltcr Damcilschuh, 1 Damenschirm mit Silbergriff.
Hanau den 17. September 1908.
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politische Rundschau.
Der Kaiser ftallcte am gestrigen '.Nachmittag beut 9teidj6* kanzler, Fürsten Bülow, der gestern aus Norderney in Berlin eingetroffen ist, einen längeren Besuch ab.
Der KyWäuserbund der deutsche«» Landes- krkegerverbättde begann vorgestern die Verhand- lungen seiner nennten Vertreterversammlung. Sämtlich« Ve, bände waren vertreten. Die Verhandlungen leitet« General v. Spitz. Nach dem Geschäftsbericht gehören zum Bunde 28 000 Vereine mit 2*/a Millionen Mitgliedern. Der Vorstand hat sich unausgesetzt mit der Verbesserung der Lage der Kriegsinvaliden und deren versorgungsberechtigten Hinterbliebenen beschäftigt. Die Stellung der Vereine gegenüber der^Sozialdemokratie hat eine Klärung erfahren; di« Vereine haben praktische neue Ziele bekommen und versuchen, die wehrfähige Jugend zu sich heranzuziehen. Die Schulden, die etwa 100 000 Mk. betragen, werden im laufenden unb im nächsten Jahre getilgt werden. Das Vermögen befl Bundes beträgt 1 584 519 Mk. Im Anschluß an den Bericht wurde eine Resolution angenommen, die sich gegen die Zeitungen richtet, die die vorjährige Erklärung des Bertreter-
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Dieser Friedhof soll nach bem Willen der maßgebende» Kreise her ®tabt Westerland auf Sylt aufhören zu existieren i es ist bereits Beschlossene Sache. So wäre also für die verunglückten Heimatlosen das Stück Erde nicht lange ein6 „Heimatstätte" gewesen. Das Vorhaben erregt mit Recht Aufsehen, ja Entrüstung in weitesten Kreisen. Höchst peinlich berührte es schon, daß man ohne irgendwie zwingenden Grund unmittelbar neben den Gräbern einen r- Tennisplatz angelegt hat. Für die geplante Beseitigung des Friedhofes aber findet man wirklich keine Worte. Wie man hört, soll er ein Teil einer projektierten neuen Straße werden. (Das letzte Grab ist vom Jahre 1905!) Wir meinen, die Stadt Westerland müßte, schon in ihrern eigensten Interesse, unter allen Umständen Wege zu finden wissen, die beabsichtigt« Pietätlosigkeit zu verhindern.
Kunst und Leben.
„Lcbenstttnst und Lebensfragen" von Prof. Max .Haushofer, Volksausgabe Mk. 2.50 gebunden, Mt. 2,— drosch. (Verlag von Otto Maier in Ravensburg). Von dem bekannten und beliebten Haushofer'schen Buche ist soeben eine hübsch nusgestattete Volksausgabe erschienen, die gerade zum bevorstehenden Weihnachtsfeste sehr willkommen sein wird. Das vortreffliche Werkchen zeigt, wie man sein eigenes Wesen und das Wesen der Mitmenschen zu beobachten und barattl die Konsequenzen zu ziehen hat. Es führt so zu Menschenkenntnis und Lebensklugheit und weist den Weg zu richtiger Einsicht, zu einem praktischen, vernunftmüßigen Denken unb Handeln, daß uns zrlm Erfolge und zur Zusn-i»vrhtit im Leben verhelfen kann. Haushofer's Buch ist ein treffliche- Buch, das wie ein guter, welterfahrener Freund und Ratgeber mit dem Leser plaudert, ihn io über LebenSkunst U«d wichtige Lebensfragen unterrichtet und in charakteristischen, lebensvollen Bildern ihm einen Erfahrungsschatz edelster Lebensweisheit vermittelt. Ein solches Buch sollte in keiner Familie fehlen.