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Feld der Tätigkeit und wir hoffen, daß angesichts der vielen unbefriedigenden Existenzen hier da« Inicresse für die Ziele der Kolonialfrauenschule in immer weitere Kreise dringen möchte. Auskunft über - die Kolonialfrauenschnle, Einrichtung, Lehrplan usw. erteilt Frau Helene v. Falkenhausen, Witzenhanscu a. d. W.
Grenzfrage. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der Großwesir teilte dem persischen Botschafter offiziell einen sanktionierten Ministerratsbeschluß mit betr. die Zurückziehung der türkischen Truppen vom persischen Territorium an der strittigen Zone und betr. Verhandlungen über die Grenzfrage.
Die Lage in Marokko. (Agence Havas.) Nach in Paris eingelaufenen Meldungen wird der Pachthof Alvarez, in dem Abdel Aziz Quartier genommen hat, von keinem französischen Militärposten bewacht. Abdel Aziz soll auch nicht beabsichtigen, das Borgehen der Franzosen zu stören und so lange dort zu bleiben, bis sein Schicksal endgültig geregelt ist. Man glaubt auch, daß er keine neuen An- strengungen gegen Muley Hafid unternehmen werde; er besitze überhaupt keine Mittel dazu.
Die Ergebnisse des Rekchshaushalts für 1007
Berlin, 1. Sept. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Ergebnis des Rcichshaushalts im Elatsjahr 1907. Der Etat des Auswärtigen Amtes erforderte eine Mehrausgabe von 1 195 000 Mark. Die Aufwendungen für Gesandtschaften und Konsulate überschritten den Etatsansatz um 552 000 Mark. Als Vorschuß für die geschädigten Deutschen in Casablanca waren 27 5 000 Mark erforderlich, 17 2 000 Mark anläßlich der zweiten Haager Friedenskonferenz. Das Reichsamt des Innern verzeichnet Mehrausgaben von 914 000 Mark. Die Wiederherstellung der beschädigten Luftichiffhalle in Manzell am Bodensee, sowie des beschädigten Luftschiffes erforderten 110 000 Mk. Für das Reichsheer war ein Mehrbetrag für fortdauernde Ausgaben von 9 819 000, für einmalige Ausgaben von 812 000 Mark erforderlich. Zu den Mehrausgaben tritt eine Wenigereinnahme von 361 000 Mark hinzu, so daß das Gesamtergebnis beim Reichsheere sich gegen ben Etat um 10 180 000 Mark ungünstiger stellt. Die Marineverwaltung schließt mit einem Mehraufwand für fortdauernde Ausgaben des Pensionsfonds von 5 395 000 Mark, der einmaligen Ausgaben von 94 000 Mark ab. Durch den Rückgang von Einnahmen ist das Gesamtergebnis ein Mehraufwand von 4 974 000 Mark. Bei dem Fonds des Reichsschatzamts beziffert sich die Mehrausgabe auf 4 721 000 Mark. Das Reichskolonialamt erforderte Mehrausgaben von 146 000 Mark. Die Verwaltung und Verzinsung der Reichsschuld schloß mit einer Mehrausgabe von 10 741 000 Mk. ab. Der allgemeine Pensionsfonds ergab eine Minderausgabe von 2 530 000 Mk., der Reichs- iuvalidcnfonds eine Mehrausgabe von 687 000 Mark. Bei dem unter den einmaligen Ausgaben angesetzien Fonds zur Gewährung anßerordentlicher einmaliger Beihilfe an Beamte blieben 1 444 000 Mark unverwendet. Die Reichspost- und Tklegraphenvcrwallung überschritt die einmaligen Ausgaben um 6 30 000 Mark. Im ganzen wurden bei den in Betracht kommenden Fonds die Mindcrausgabcn von den Mehrausgaben um 33 178 000 Mark überschritten. — Die Einnahmen an Verbrauchsabgaben für Branntwein und Maisch- böttichstener überstiegen den Voranschlag um 6 405 000 Mk. Dagegen blieben die Ueberweisungen aus dem Ertrag der Reichsstempelabgabkn für Wertpapiere um 13 514 000 Mark hinter dem Voranschlag zurück. Mehrerträge brachten: die Zölle 44 380 000 Mark, die Zigaretiensteuer 1 207 000 Mk., die Salzsteuer 2 524 000 Mark, die Schaitmweinsteuer 424 000 Mark, die Brausteuer 2 028 000 Mark, der Spiel- kartrnstempel . 101 000 Mark, die Wechselstempelstener 2 920 000 Mark, der Frachturkundenstempel 1 996 000 Mk., die statistische Gebühr 179 000 Mark, gegen den Voranschlag zurück blieben : die Tabaksteuer um 234 000 Mk., die Zucker
ten weiteren Ausbau der deutschen evangelischen Seemannsmission erhellen aus dem Umstand, daß allein an Besoldungsund Unterhaltungs-Zuschüssen für die einzelnen Stationen im Etalsjahr 1907 08 von dem in engster Verbindung mit dem Zentral-Ausschuß stehenden Berliner Komitee über IO 000 Mk. aufgebracht wurden. Die Mitarbeit an »er Presse, deren Wichtigkeit Wichern schon vor Jahrzehnten betonte und die H e u t e v i e l l e i ch t als eine der notwendigsten bezeichnet werden muß, wurde bedeutsam erweitert und speziell auch der großen Presse erhöhte und systematische Beachtung zugewaä Völlig neue Arbeitsgebiete wurden geschaffen in der SteÄnvermitt- lung für Berussarbeiter und Berufsarbeiterinnen der Inneren Mission, in der Sammlung der letzteren zum Zweck einer organisierten Versorgung im Falle des Alters und der Invalidität, in der Einführung von apologetischen Jnstruktions- kursen, deren dritter vom 6. bis 16. Oktober d. I. in der Berliner Universität staltfinden wird und gleich seinen Vorgängern eine überaus rege Beteiligung aus allen Teilen Deutschlands verspricht, in der Ausdehnung der Arbeiten der Inneren Mission auf die deutschen Schutzgebiete, speziell der Fürsorge für verlassene Mischlingskinder in Südwestasrika, endlich in der Begründung eines über das ganze Reich sich ausbreitenden apologetischen Vortragswesens, das demnächst in öffentliche Wirksamkeit treten wird. —
Ueber Wichern prägte ein Verfasser der oben erwähnten Denkschrift das wahre Wort: „Er fühlte dem Geschlechte seiner Zeit an den Puls wie kaum ein anderer." Dem Zentral-Ausschuß für Innere Mission fiel nach dem Tode seines Begründers mehr denn je die ebenso schöne als schwere Ausgabe zu, das Lebenswerk, zu dem Wichern von Gott berufen war und das auf dem 1. Wittenberger Kirchentage vor nun 69 Jahren fein entscheidendes Fundament erhielt, kraftvoll weitrrzusühren. Möge es auch dem Zentral- Ausschuß gegeben sein, dem Geschlecht unserer Tage an den Puls zu fühlen und nach Möglichkeit dessen Wunde»» heilen ui helfen 1 Ferdinand Katsch.
Mittwoch
steuer um 201 000 Mark, die Fahrkartensteuer um 11 196 000 Mark, die Automobilstener um 1 373 000 Mark, die Vergütungen an Mitglieder von Ausstchtsräten um 5 672 000 Mark, die Erbschaftssteuer um 9 736 000 Mark. Bei der Brenustener mürben 2 606 000 Mark mehr verausgabt als eingenommen. Die ReichSdruckerei erzielte einen höheren Ueberschuß von 444 000 Mark. Der Posteiat blieb hinter dem Voranschlag um 24 402 000 Mark, die Reichseisen- bahnverwaltung um 3 257 000 Mark zurück. Die Einnahmen aus dem Bankwesen stellen sich höher gegen den Etat um 17 518 000 Mark. Die Ausgleichsbelräge für die nicht allen Bundesstaaten gemeinsamen Einnahmen blieben hinter dem Etatsoll um 4 087 000 Mark zurück. Der Gesamlfehlbeirag beträgt 13 843 000 Mark.
Gras Zeppelin und die nationale Be- dentnng seines Sehenswertes.
Eine Festrede zur 38. Wiederkehr des Sedantagcs.
Georg Siebert jr., Cassel.
Sedantag! Was drängt sich für den Deutschen in dem einen Worte zusammen! Es ist, als ob vor ihm alle andern Tage des an Siegen so reichen Krieges zurücktreten, den Deutschland und Frankreich vor nun fast vier Jahrzehnten miteinander führten. Das Wort Sedan ist der Sammelname für alle großen Ereignisse jener Zeit. So Großes auch geschehen war und geschah, gewaltiger sprach nichts zum Herzen des deutschen Volkes als der Tag, an dem der Kaiser der Franzosen gefangen genommen wurde. Lebendiger prägte sich jedem Gedächtnis kein Bild ein als das, auf dem Napoleon dem Preußenkönige seinen Degen übergab. Wir feiern den Geburtstag des neuen deutschen Reiches. Weit sei es von uns, den Tag zu feiern in dem Gedanken der Ueberhebung über unsre Nachbarn. Der Sedantag ist ein Tag des Dankes! Dankerfüllt und in Wehmut blicken wir auf die Gräber, in denen die ruhen, die mit ihrem Blute die neue Zeit herbeigeführt haben:
„Vergiß die treuen Toten nicht Und schmücke
Auch ihre Urne mit dem Eichenkranz."
Von den Gräbern können wir den dankbaren Blick zu den Lebenden erheben. Noch ist die Zahl derer nicht gering, die in jenen großen Tagen mitgerungen haben und deren'Äugen auf uns gerichtet sind, die wissen möchten, ob wir — die Jungen — würdig sind ihrer Taten, die uns zurufen:
„WaS du ererbt von Deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen."
Laßt uns den Blick heute auf sie und ihre Taten richten. Gewiß sind manche unter uns, die solche wackren Mitkämpfer kennen, die ihren Erzählungen gelauscht haben.
Einer lebt aus jenen Tagen, dessen Name jetzt aus aller Lippen schwebt, der so viel genannt wird, wie die größten Männer in den größten Zeiten. Wie in der Zeit, deren Erinnerung wir heute feiern, die Namen Bismarck und Moltke von allen ausgesprochen wurden, so »nacht jetzt der Name des Grafen Zeppelin die Runde durch Deutschland, durch die ganze Welt. Nun, Graf Zeppelin ist einer jener Mitkämpfer. Er hat seine Eroberungstätigkeit vor 38 Jahren auf französischem Bove»» begonnen. Ja, noch mehr! Graf Zeppelin ist — nach zahlreichen Zeugnissen — der erste deutsche Ossizier geivesen, der den französischen Boden betreten hat. lind wie die schönste Frucht des Krieges, an dem Graf Zeppelin einen so hervorragenden Anteil genommen hat, die war, daß er die Deutschen im Süden und Norden zusammenschmiedete, daß er die nationale Begeisterung entstammte, so hat das Werk des Grafen und die Teilnahme für ihn, alle Teutschen zu einer Kundgebung hingerissen, roie sie einheitlicher und einmütiger ' seit den ' Tagen des deutsch-französischen Krieges nicht erlebt worden ist. Zeppelin, der erste deutsche Offizier auf feindlichem Boden in dein Kriege, an den der Sedantag mahnt, Zeppelin, der Erwecket einer Begeisterung, die sich mit der vergleicht, die der Tag von Sedan entfachte. Von wem anders sollte man am Sedantage 1908 reden als vom Grafen Zeppelin!
Graf Zeppelin, der im Juli 1838 geboren wurde, verlebte seine glückliche Kindheit auf dem elterlichen Herrensitz Gyosberg, in der Nähe von Konstanz. Hier genoß er bis zu seinem 15. Lebensjahr nur Privatunterricht. Dann kam er in die erste Klasse der Realschule zu Stuttgart und nahm dort einen ehrenvollen Ruhm unter seinen Mitschülern ein. Besonders in den Naturwissenschaften war er allen anderen iveit voraus; dazu kam, daß er schon dainals einen festen Willen, einen äußerst praktischen Sinn unb große Selbstständigkeit zeigte. Seine Geburt und seine Herkunft be- ffimmten ihn für die Osfizierslaufbnhn, und in tiefem Berufe hat sich Graf Zeppelin durch seine außergewöhnliche Tapferkeit, durch die Kühnheit seiner Pläne und durch ihre zähe Durchführung einen Namen in dem Buche der Geschichte geschaffen. Jede Chronik aus dem ruhmreichen Kriege, in den der Sedantag fällt, verkündet von feinem kühnen Reiterstück.
Der Graf »nachte den Krieg als Hauptmann des roürO tembergischen Generalstabs mit. Er hatte den Befehl, mit einer kleinen Mannschaft die Fröschweller Gegend nach der Ausstellung des Feindes auszukundschasten. Auf der Rückkehr dieses Patrouillenrittes geriet er beinahe in die Hände der Feinde, überwand aber durch große Kühnheit und Entschlossenheit diese Gefahr. Später verließ er den Heeresdienst.
Der Gedanke, dessen Ausführung jetzt. die Augen der ganzen Welt auf ihn gerichtet hat, beschäftigte ihn _ schon damals. Dainals legte er den Grundstein zu seinen» Werke. Er roibmete sich dem Studium der Lust, und sein Ziel war, sie mit einem lenkbaren Fahrzeuge zu erobern. Bisher konnte man die Lust nur in „einem mit Gas gefüllten Ballon durchkreuzen, war aber gänzlich von den Launen des WindeS abhängig, unb eine bestimmte Fahrtrichtung war ausgeschlossen. Graf Zeppelin wollte ein Fahrzeug bauen, das dem Willen des Menschen untertan sein sollte. Jahrelang baute, versuchte und verbesserte er mit unermüdlichem Fleiße, mit zäher Ausdauer. ©ein ganzes Vermögen opferte er seinem hohen Ziele. Nur wenige achteten auf das entstehende Werk; für die meisten Menschen war es ein geradezu unsinniges Unternehmen. Wem» die Welt auch den Kops schüttelte, Graf Zeppelin ließ sich da-
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durch nicht beirren. Durchdrungen von dem unerschütterlichen Glauben an die Möglichkeit gönnte er sich nicht Ruhr noch Rast.
Nach jahrelanger Tätigkeit legte der Graf im Jahre 1895 Sr. Maj. dein Kaiser einen fein' ausgearbeiteten Plan vor. Eine von dem Kaiser berufene Kommission von Sachverständigen prüfte den Plan unb--sprach das Todesurteil. Als jetzt auch das preußische Kriegsministerium jede weitere Beschäftigung mit seinen Plänen ablehnte, mußte Graf Zeppelin sich an die Oeffentlichkeit wenden. So gründete er im Jahre 1898 eine Gesellschaft zur Förderung bet Luftschiffahrt in Stuttgart. — Es ist interessant gu wissen, daß der berühmte Physiker Helniholtz die Pläne des Grafei» für ausführbar erklärte, und sie sehr genau verfolgte.
Neue Jahre schwerer Arbeit folgten. Zeppelin ließ sich durch nichts entmutigen, er forschte und schaffte weiter. Und seine Ausdauer, seine Sorgen und Arbeiten würbe durch großartige Erfolge gekrönt. ‘ Er fict e über die Luft!
In» Juli dieses Jahres meldeten alle Zeitungen seine vielfachen gut verlaufenen Aufstiege. Mit einem Schlage wurde es bekannt. Jetzt richteten sich alle Augen der Welt nach dem Bodensee, wo der Graf seine großen Werkstätten besitzt. Tausende von Menschen reiften "dorthin, um das siegreiche Fahrzeug zu sehen. Alle jubelten dem greifen Erfinder zu.
Am 4. August trat er seine große Fahrt an, die ihn den Rhein entlang bis nach Mainz und wieder nach dem Rodenfee zurückführen sollte. Wie herrlich begann diese Fahrt! Der Raine Zeppelin war auf aller Lippen, aller Augen waren in die Höhe gerichtet, in die Lüfte, die sein Kreuzer durchschwebte. Hören wir, was ein Augenzeuge in einem Briefe darüber sagt:
„Da kam das Luftschiff, wie ein silberner, langer Streifen im morgenlichen Dunst dahergeschwommen, ruhig und sicher, ein unbeschreiblicher Anblick. Es ftor einem durch den ganzen Körper, und man staunte nur. Dann kam es näher und näher; man sah die Gondeln, die Leute darin, die Rippen der großen gelbweißen Cigarre, und von den Dächern brüllte alles in großem Jubel. Und so stolz und still verschwand es . . . ."
Und wie dieser Jubel, wie sich dieses Jauchzen in einen Schmerzensschrei verwandelte, wer erinnerte sich dessen nicht mehr! Aber es darf keinen Augenblick vergessen werden, daß es sich bei diesem Ende einzig und allein um einen Unglücksfall handelt. Nicht der Gedanke Zeppelins, nichr ein Fehler in seinem System hat die Zerstörung herbeigesührt. Nicht zur Umkehr mahnt das Ereignis, sondern es ruft ihm ein ermutigendes „Vorwärts" auf dem eingeschlagenen Wegezu.
Auf der Rückfahrt muß Zeppelin in EchterdingeN, in der Nähe von Stuttgart, landen. Hören wir abermals den schon angeführten Augenzeugen: „Da lag er am Boden auf der grünen Wiese, der iveiße Koloß von 136 Meter, ganz entzückend anzusehen, rings umgeben von einem dichten Kranz von tausenden von Menschen. Plötzlich sehe ich, wie das Luftschiff sich erhebt. Ich glaube an einen Aufstieg. Da, kaum ehe man’s denken kann, geht es höher, die Seile mit den Ankern erscheinen in der Lieft, es senkt sich mit der Spitze nach unten, wird vom Winde fortgerissen, dreht sich um, unten sieht man eine Flamme herausschlagen, und in wenigen Sekunden ist alles eine einzige Flamme. — Es war ein unbeschreiblich grausiger Anblick. Wir weinten wie die Kinder. Später sah ich "mir das traurige Rièsen- gerippo an. Man kann es unmöglich beschreiben, wie das alles auf einem wirkte und noch gestern spürte ich es in allen Nerven."
Nicht nur dort an der Unglücksstätte trauerte man, sondern durch das ganze deutsche Land verbreitete sich Schreck und Trauer, als der Telegraph die Hiobsbotschaft von der Zerstörung des Zeppelinschen Luftschiffes mitten in bén Siegesjubel brachte. Und der Graf selbst? Er weinte, als er die verkohlten Reste seines vor wenigen Stunden noch so stolzen Schiffes sah. Von feinem LebenSwerk war nur ein rauchender Schutthaufen übrig geblieben. Es ist nicht auszudenken, welchen Schmerz der greise Mann im ersten Augenblick empfunden hat.
Liber wenn jemals ein Unglück die Quelle des Glückes geworden ist, so war eS hier. Ein Sturm nationaler Teilnahme durchbrauste das Vaterland, so gewaltig, daß diese Tage mit den größten verglichen werben, die das deutsche Volk in feiner Gesamtheit erlebt hat.
Das deutsche Volk kam und goß dem Grafen Balsam in sein wundes Herz. In allen Teile»» unseres Vaterlandes loderten die flammen der nationalen Begeisterung hoch empor. Sie wärmten die Herzen und stärkten das Bewußtsein, daß wir alle zusammenhalten müssen, um ein großes Ziel, um das Erringe»» eines Sieges mit aller Kraft zu unterstützen. Jeder war in jenen Tagen von bem lebhaften Wunsche beseelt, durch eine Geldspende dem genialen Erfinder zu helfen, sein Werk neu airfzubauen. Hader, Parleizerspaltungen, Klassenunterschiede, sie waren auf einmal wie aus der Welt geschaffen, wo es galt, eine nationale Sache zu fördern. Und das ist das Große und Schöne, daß jeder ohne Zwang, unaufgefordert sein Teil zur Spende bei« trug. Ob reich, ob arm, jeder fam. Und es ist rührend, zu sehen, wie selbst der ärmste Arbeiter, bem es schwer und sauer wird, das nötige Brot heibeizuschaf^eil, kam, um auch sein Schcrflein beizusteuern. Welchen Wert hat das? Pfennige madjen doch nichts aus, wo mancher Tausende von Mark gab; sie verschwinden ja in diese»» Riesensnmmen. Nein, sie verschwinde»» nicht! Gerade, daß nicht nur die Reichen und Wohlhabenden, sondern daß auch der ärmere Teil Deutschlands pfennigweise zirr Spende beigetragen hat, das macht's! So wurde diese Spende zu einer Nationalspende, denn baS ganze deutsche Volk ist daran beteiligt. Graf Zeppelin ha! ein dankbares Volk. Als er diese Opferwilligkeit sah, da lebte sein Mut wieder auf, seine Wunden heilten, und neu gestärkt, angefeuert durch den Wunsch des ganzen, einigen Deutschlands baut er sein neues Schiff. .
Von welcher Bedeutung das Luftschiff für die Zukunft sein wird, davon sönnen wir uns heute kaum eine Vorstellung machen. Ein so ruhiger und mit den Tat- fachen "rechnender Man»» wie Karl Peters,, der Afrikaforscher, spricht in diesen Tage»» in einer deutschen Zeitung von „bei gewaltigsten Revolution, welche die Kultur jemals durchge- maebt ijat“.
Die Kriegführung erhält in dem lenkbaren Luftschiffe einen neuen helfenden Bundesgenossen. Es unterstützt in erster Linie das Erforschen der feindlichen Stellungen. ES befördert Munition und Lebensmittel in abgelegene Festungen, wenn der Feind die zusührende»» Straße»» besetzt hält. Aus dem Gebiete der Landerforschung tarnt es Hervorraaende