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n> Waisenhauses in Hanau.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 201 F-rnsprechauschlutz Nr. 605.

Freitag den 28. August

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1908

Amtliches.

Eandkreis Fjanau.

Mmtmchmgn des KSchliß» Leüretsents.

Wegen Herstellung von Dampfivalzarbeiten wird der Landweg Nr. 21 von Langenselbold über Ravolz- hansen nach Rüdigheim für Kraftfahrzeuge jeglicher Art und für Fuhrwerke von mehr als 20 Zentner Lade­gewicht in der Zeit vom 29. d. Mts. bis 3. k. Mts polizeilich gesperrt.

Uebertretungen dieses Verbots werden auf Grund der Polizei-Verordnung vom 6. April 1877 (Reg.-Amtsblatt Seite 137) mit Geldstrafe von 10 bis 30 Mark, hilfs­weise mit entsprechender Haft geahndet.

Hanau den 27. August 1908.'

Der Königliche Landrat.

V 5928 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Unter den Schweinen zu Großkrotzenburg ist die Schmeineseuche ausgebrochen.

Hanau den 26. August 1908.

Der Königliche Landrat.

V 5911 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Gefundene nud verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Blechkasten für Topflappen, 1 Paar graue Handschuhe, 2 silberne Damenuhren.

Verloren: 1 goldene Brosche (Schleife) mit blauem Stein, 1 wasserdichte Pferdedecke.

EntI aufen: 3 gelbgescheckte Enten, 1 roter Schäfer­hund, 1 schwarze njit gelben Abzeichen versehene Schäfer- hündin.

Hanau den 28. August 1908.

Politische Rundschau.

Wechsel im Schleswiger Regierttngsprästdittm. Es steht jetzt fest, daß Regierungspräsident v. Dolega- Kozierowski in Schleswig, der seit einigen Wochen beurlaubt ist, nicht wieder auf seinen Posten zurückkehrt.

Jubiläum des 6. Jägerbâillous. In Ocls feiert unter überaus zahlreicher Beteiligung der alten Kamerden das 6. Jägerbataillon sein 100jähriges Bestehen. Bei der Festparade überreichte Exzellenz v. Woyrsch dem Bataillons­kommandeur eine Kaiserliche Kabinettsordre folgenden Wort­lauts :Ich entbiete dem 2. Schlesischen Jägerbataillon Nr. 6 mit Meinem Glückwunsch zu seiner Jubelfeier Meinen könig­lichen Dank für die guten Dienste, die seine Laufbahn von seinem Entstehen an bezeichnet haben. Zum Zeichen Meiner königlichen Anerkennung verleihe Ich ihm die Säkular­fahnenbänder und gebe gern dem zuversichtlichen Vertrauen Ausdruck, daß es die gleiche Tapferkeit, Hingebung und Treue bis in die fernste Zukunft bewahren wird. Wilhelmshöhe den 26. August 1908. Wilhelm I. R." Der Kronprinz hat dem Offizierkorps mit einem Handschreiben als Geschenk einen innen vergoldeten Becher in Gestalt eines mächtigen silbernen Keilerkopfes übersandt.

Der Preußische Städietag, der auf den 5. und 6. Oktober nach Berlin zusammenberufen ist, wird durch die Feier des hundertjährigen Bestehens der preußischen Städte­ordnung sich vor den früheren Tagungen auszeichnen. Für die Festsitzung haben zwei namhafte Kommunalpolitiker, Prof. Dr. Preuß, Stadtverordneter von Berlin, und Oberbürger­meister Dr. Rive-Halle die Reden übernommen. Sie werden sich mit der Entwicklung der preußischen Städte seit dem Er­laß der Städteordnung von 1808 beschäftigen und zwar in zwei Teilen : Verfassung und Verwaltung. Am zweiten Tage werben Vorträge gehalten werden von Stadtrat Dr. Hasse aus Breslau überStadterwciterungen durch Eingemeindungen" und von Stadtrat Dr. Gradcnwitz-Slcttin und Oberbürger­meister Walraf-Köln über städtische Wohlfahrtspolizei. Ob die von Prof. Dr. Silbergleit-Berlin, dem Leiter des dortigen städtischen statistischen Amtes, bearbeitete Denkschrift über die Entwicklung der preußischen Städte über 25 000 Einwohner den Teilnehmern am Städtetage wird überreicht werden können, steht noch dahin, weil das Material noch nicht vollständig vorliegt.

Vom Taler. Die Ausgabe der neuen Dreimarkstücke ist, wie dieKöln. Ztg." hört, demnächst zu erwarten. Von der neuen Münze sind 15 Millionen Mark in Prägung ge­geben, also 5 Millionen' Dreimarkstücke, die nunmehr in den Verkehr kommen. Die Herstellung der neuen Münze hatte sich dadurch etwas verzögert, daß die schon Anfang Juli in Prägung gegebenen neuen Matritzen für die Rand- sthmFt $BNkMf. neuen landesherrlichen Bildnisse längere Zeit

in Anspruch nahmen. Im Münzverkehr des Reiches wird das Dreimarkstück voraussichtlich am willigsten in Nord­deutschland ausgenommen werden, besonders im Nordosten, wo der frühere Taler lebhafter kursierte als in Süddeutschland.

Erhebungen über die Bierpreise. In der Nord­deutschen Braustcuergemeinschaft haben auf Veranlassung des Reichsichatzamtes seit dem Frühjahr Erhebungen über die Bierpreise in den Schankwirtschaften und den Nutzen der Verkäufer stattgefunden. Wenngleich offizielle Mitteilungen über die Verhandlungen noch nicht erfolgt sind, so unterliegt cs keinem Zweifel, daß unter den Steuerprojekten die Alko­holgetränke eine Hauptrolle spielen werden. Erhebungen über eine Erhöhung der Brausteuer werden schon in den nächsten Tagen erwartet.

Ein Erfolg deutscher Industrie. Der Hamburger Werft Blohm it. Voß ist der Neubau der russischen Flotte übertragen worden. Die Erteilung des Auftrages erfolgte mit 16 gegen 8 Stimmen; die Hamburger Firma hatte noch 51 Konkurrenten. Die vier Panzer werden 120 Mil­lionen Rubel kosten. Für ihre Pläne und die Beaufsichtigung des Baues, der auf russischen Werften, aus russischem Mate­rial und mit russischen Arbeitern auSgeführt werden soll, fordert die Firma Blohm u. Voß 1,300,000 Rubel. Diese Forderung unterliegt noch der Bestätigung der Finanzkom­mission. Die Panzer sollen im Laufe von 40 Monaten vom Tage der Bestellung an fertig sein; dies ist eine für die russischen Verhältnisse völlig unerfüllbare Forderung, weil die Admiralitätswerft und die Baltische Werft, welche für den Bau solcher Schiffe allein in Becracht kommen, immer nur je ein Schiff im Helling ausnehmen sönnen. Der Bau der vier Schiffe müßte also 80 Monate oder 7 Jahre dauern, eine Frist, in welcher der vom Marineministerium aufgestellte Typ veraltet ist. Allexdings kann derselbe schon gegenwärtig mit seinen 20 000 Tonnen, 21 ^ Knoten Geschwindigkeit und zwölf I2zölligen Geschützen nicht mehr als neu betrachtet werden, da England bereits größere, schnellere und besser be­waffnete Schiffe baut.

Eine Erleichterung im Gel-Verkehr. Nach einer jüngst erlassenen Bekanntmachung der Hauptverwaltung der Staatsschulden- und Reichsschuldenverwaltung können die Zinsscheine der preußischen Staatsschuld und der Reichs­schuld in Preußen allgemein statt baren Geldes in Zahlung gegeben werden bei allen hauptamtlich verwalteten staatlichen Kassen, mit Ausnahme der Kassen der Staatseifenbahnver­waltung sowie bei Entrichtung der durch die Gemeinden zur Erhebung gelangenden direkten Staatssteuern. Ermächtigt, aber nicht verpflichtet zur Annahme an Zahlungs Statt sind die Reichspostanstalten. Die Zinsscheine sind den Kassen nach Wertabschnitten mit einem Verzeichnisse vorzulegen, in dem Stückzahl und Betrag für jeden Wertabschnitt, die Ge­samtsumme sowie Name und Wohnung des Einlirferers an­gegeben sind. Von der Vorlegung eines Verzeichnisses wird abgesehen, wenn cs sich um eine geringe Anzahl von Zins­scheinen handelt, deren Wert leicht zu übersehen und fest­zustellen ist. Die Formulare zu den Verzeichnissen werden bei den beteiligten Kassen vorrätig gehalten und nach Be­darf unentgeltlich verabfolgt. Weniger geschäftskundigen Personen wird auf Wunsch von den Kassenbeamten bei Auf­stellung der Verzeichnisse bereitwilligst Hilfe geleistet werden. Eine Quittung über die gegen die Zinsscheine erfolgte Zahlung wird nicht erfordert. Ist die Einlösungsstelle an den Reichsbank-Giroverkehr angeschloffen, so kann auf Wunsch des Empfangsberechtigten statt der Barzahlung die Ueber- weisung des Einlösungsbetrages auf ein Reichsbankgirokonto erfolgen. Von der Ueberweisung des Einlösungsbetrages wird dem Inhaber des betreffenden Kontos, sofern nicht die Ueberweisung auf das eigene Konto des Empfangsberechtigten erfolgt, unter Namhaftmachung des letzteren Kenntnis gegeben. Kosten dafür werden dcm Empfangsberechtigten nicht in Rechnung gestellt. Bei der Uebersendung deS Einlösungs­betrages durch die Post trägt der Empfänger das Porto, auch macht die Schulden-Hauptvcrwaltung darauf aufmerk» sam, daß die Kassenbeamten gehalten sind, dem Publikum über die für die Staats- und Reichsschuldenpapiere maß­gebenden Bestimmungen bereitwilligst Auskunft zu erteilen, insbesondere auch, insoweit es sich um die Einlösung und die Erneuerung von Zinsscheinen, die Erteilung von Ersatz­stücken für beschädigte Schuldverschreibungen und Zinsschein­bogen, abhanden gekommene oder vernichtete Schuldver­schreibungen und Schatzanweisungen sowie um das preußische Staatsschuldbuch und das Reichsschuldbuch handelt. Ueber die zu ihrer Kenntnis gelangenden Vcrmögcnsangelegenheiten der Staatsgläubiger haben die Beamten unverbrüchliches Stillschweigen zu bewahren.

Im belgischen Senat wurde gestern über die An­gliederung des Kongostaates verhandelt. Der Minister des Acußern erklärte, die Mächte stäuben dem Entwurf freund­

lich gegenüber. Das Vorzugsrecht Frankreichs werde er­neuert werden. Die Meinungsverschiedenheit mit England sei an sich zu gänzlicher Zufriedenheit beigelegt. Die Re­gierung erwarte eine neue Note, die sie in versöhnlichem Sinne beantworten werde. Es sei gewiß, daß ein end­gültiges Einvernehmen zustande kommen werde. Nach voll­zogener Angliederung werde die Regierung bemüht bleiben, die Durchführung des Reforniprogramms weiter zu verfolgen.

Ein glänzendes Urteil. Der britische Unter- staatssekretär WinstonChurchill berichtet über eine Reise nach Britisch-Ostafrika und Uganda nach dem Deutschen Kolonialblatt 1908 S. 128 folgendes: Kein größerer Gegensatz kann dem Geist eines Mannes entgegen­treten, der durch das ostafrikanische Protektorat gereist ist, als das Schauspiel von Uganda. In jenem Gebiet sehen Sie auf Hunderle von Meilen ein Land, bewohnt von Wilden, deren Ehrenbezeugung darin besteht, daß sie sich mit allen unter der Sonne möglichen Farben bemalen, ihre Köpfe mit Federn, ihre Körper mit Muscheln schmücken, und daß sie zum Klange eintöniger Klagelieder um den Stuhl tanzen, auf dem der Besucher Platz genommen Hal. Aber wenn Sie nach Uganda kommen, kommen Sie in eine andere Well. Sie finden dort eine vollkommen organisierte Verwaltung, jeden an seinem Platz und einen Platz für jedermann. Sie finden bekleidete, kultivierte und gebildete Eingeborene. Sie finden 200 000 Menschen, die lesen und schreiben können, eine sehr große Zahl, die sich aufrichtig dem christlichen Glauben ergeben und die infolge ihrer Be­kehrung die Vielweiberei aufgegeben Hai. Kurzum, Sie finden in Uganda nahezu alles, was als das Ideal gelten kann, das der Negerfreund so oft vor dem britischen Publi­kum aufgestellt und daS anderwärts so oft enttäuscht hat. Ich glaube, wir verdanken Uganda zum guten Teil. einer auf unerreichter Stufe stehenden Entwickelung der Mission. Vielfach habe ich im britischen Reiche gefunden, baß die Beamtenklaffe der Mission sehr verächtlich gegenüberstand. In Uganda fand ich, baß sie der Mission sehr dankbar war. Hingebende Christen verschiedener Kirchen, alle von einer gemeinsamen Menschenliebe beseelt, haben ernstlich und anhaltend jahraus jahrein gearbeitet, um die sittlichen und geistigen Fähigkeiten einer der intelligentesten Rassen auf dem ganzen afrikanischen Kontinent zu heben. Und sie hatten unzweifelhaft Erfolg, sie brachten rin Element deS Fortschritts und der Wohlanständigkrit in daS Leben von Uganda, das diesen Staat zu einem der interessantesten macht, für den das britische Volk jemals verantwortlich ge­worden ist.

Argentinische Rüstungen. Aus Buenos Aires (Argentinien) wird depeschiert: Die Kammer bewilligte mit großer Mehrheit die von der Regierung verlangten elf Millionen Pfund Sterling (220 Millionen Mark) für die Vermehrung der Flotte und die Erneuerung brr FelbartMerie.

Die Kaiserpara-e -ei Metz.

Metz, 27. August. Die Kaiserin begab sich zu Wagen mit Geleiteskabron vom schleswig-Holsteinischen Dragoner­regiment Nr. 13 nach dem Paradefeld bei Frescati um O1^ Uhr, der Kaiser im Automobil bald darauf. Die Schulen der Stadt und des Landkreises Metz sowie anderer loth­ringischer Kreise bildeten Spalier und brachten mit einem zahlreichen Publikum den Majestäten andauernd lebhafte Huldigungen dar.

Metz, 27. August. Um 10 Uhr begann auf dem großen Exerzierplatz bei Frescati die Parade über daS 16. Armee­korps und die in Metz stehenden bayerischen Truppenteile. Die Truppen standen in einem Treffen im Viereck, dessen nicht ganz ausgefüllte Nordwestseite durch die Tribünen für das Publikum, die berittenen und unberittenen Zuschauer, Reserve- und Landwehroffiziere, die Kriegsschule und Krieger­vereine auSgefüllt war. Letztere zogen sich bis zum Schloß Frescati hin, wo der Kaiser zu Pferde stieg. Es waren dies die Kricgervercine des Korpsbezirks, Abordnungen der Kriegervereine des 16. Armeekorps aus Westfalen und der pfälzischen Kampfgenossenschaft. Der Kaiser in der Uniform des Königs-Infanterieregiments Nr. 145 mit den Abzeichen eines Generalfeldmarschalls setzte sich am Ausgange des Schloßhofes Frescati an die Spitze der Fahnenkompanie des Infanterieregiments Graf Barsns Nr. 17 und führte diese auf den Paradeplatz. Mit dem Kaiser ritten der Kron­prinz in der Uniform seines bayrischen Ulanenregiments, die Kronprinzessin in schwarzem Reitkleid mit schwarzem Drei­spitz und die drei Brüder des Kronprinzen. In der Mitte des Platzes übergab der Kaiser die neuen Fahnen des Korps mit einer Ansprache den Kommandeuren der betreffenden Truppenteile. Die Fahnen rückten unter Präsentiermarsch ein. Der Kaiser, die Fürstlichkeiten und die Kaiserin, die mit der Prinzessin Eitet Friedrich in einem sechsspännigen