Einzelbild herunterladen
 
  

Geile 2

Die deutschen Städte und das Koalitions- recht der Angestellten. Wie besannt, batten einige süd­deutsche Städte it. a. auch München, Nürnberg, Stuttgart, Mannheim und Frankfurt a. M., veranlaßt durch den Beschluß be5 Verbandes Bäuerischer Metallindustrieller, die Organisationen der kaufmännischen und technischen Angestellten zu boykottieren, zur Frage einer besseren Sicherung des Koa­litionsrechts in ihren Gemeindekollegien Stellung genommen. Sie waren dabei fast übereinstimmend zu dem Beschluß ge­kommen, keine Lieferungen an Firmen zu übertragen, die in irgend einer Weise ihren Angestellten und Arbeitern das Koalitionsrecht beschneiden. In ähnlicher Weise sprach sich die Abgeordnetenkammer deS bayerischen Landtages auch und auch im badischen Landtage erklärte der Minister von Mar­schall, daß die Regierung nicht gewillt sei, Bestrebungen zu unterstützen, die auf eine Beschränkung des Koalitionsrechts hinauslaufen.' Neuerdings hat sich nun auch der Stadtrat zu Leipzig mit der Frage befaßt, und zwar auf eine vom Verband Deutscher HandlnngSgehülfeu augeregte Eingabe des Arbeitsausschusses nationaler Arbeiter- und Gehülfen-Orga- nisationen. Der Rat ist dabei zu dem Entschluß gekommen, eine Umfrage zu veranstalten, wie andere Städte sich 31t dieser Angelegenheit stellen. Er selbst stehe zwar der Ein­gabe sympathisch gegenüber, hatte eS jedoch nicht für an­gängig, allein auf diesem Wege vorzugehen. Der Perbaud Deutscher Handlungsgchülfen hat seinen Kreisvereinen sofort von diesem Ratsbescheid Kenntnis gegeben nnd sie gebeten, nich bei ihren Gemeindeverwaltungen entsprechend vorstellig zu werden, damit kein Mittel unversucht bleibe, um den An­gestellten und Arbeitern das Koalitionsrecht zu gewährleisten.

Die Münchener Sozialdemokraten nahmen in n'ner Versammlung am Montag zur Budgetbewilligungs­rage Stellung. Nach Referaten der Abgg. Timm und Müller wurde in der Diskussion erklärt, es hätte eine .charfe Kopfwäsche gegeben, wenn die Fraktion nicht für das Budget gestimmt hätte. Eine gegen vier Stimmen ange- wmmene Resolution sagt, die Zustimmung sei die logische Konsequenz der erfolgreichen Arbeit der sozialdemokratischen Abgeordneten. Zwingende Gründe seien vorhanden, welche -ie Budgetbewilligung vollauf rechtfertigten.

Ein Stimmunflswechsel vollzieht sich in Italien. Der römischeMatino" schreibt unter dem Schlagworte: ,Die Ereignisse in der Türkei, Italien und die Monarchie" : Die (Ereignisse in der Türkei haben alles umgestaltet. Weder Mürzsteg noch Reval bestehen mehr. Oesterreich-Ungarn tat gewiß nicht an die Okkupation Makedoniens gedacht, lber es wollte die.Einbeziehung dieser Provinz in feine virtschaftliche Einflußsphäre. Aber auch dieser Plan ist -etzt aufgeschoben. Andere Sorgen sind es, die jetzt die Monarchie beschäftigen. Auch Italien ist an der Entwick- ung der Dinge am anderen Ufer interessiert. Auch Italien vill sich dort ebenso wie die Monarchie nur wirtschaftlich betätigen. Es hat also die gleichen Interessen und die gleiche Gefahr bedroht es. Gleiche Interessen und gleiche Kefahren bedingen aber eine gleiche Politik. Wenn wir rach baut Bekanntwerden der EiscnbahnpIâne auf dem Balkan mehr dem Gedankengange Rußlands als dem Oester- .'eich-Ungarns zu folgen gezwungen waren, so stellen uns sie letzten Ereignisse vor die Notwendigkeit des vollen Ein- »ernehmens mit der Monarchie. Das fühlt man in Rom ehr wohl.

Venezuela verlangt Genugtuung. Jnderzweüen Note führt die venezolanische Regierung aus, daß die Aus­weisung des holländischen Gesandten von ihr zunächst als persönliche Angelegenheit betrachtet wurde, welche auf die guten Beziehungen zwischen den beiden Mächten nicht störend wirken konnte, weil Venezuela annahm, daß die holländische Regierung zur freiwilligen Genugtuung in dieser Hinsicht bereit war. Seitdem ereigneten sich jedoch weit ernstere

Erst nachdem das Kind mit seiner Mutter abgereist war, merkte Schröder, wie lieb die Kleine ihm geworden war. Der Strand war langweilig ohne sie; die wenigen anderen Kinder schienen ihm unausstehlich und laut. Er ging in den Wald, um Ilses Lieblingsblumen zu suchen und sie ihr zu schicken und sandte doch das Couvert nicht ab, weil er sich lächerlich und sentimental vorkam.

Bei Tisch saß eine alte Dresdenerin neben ihm, deren Dialekt ihm auf die Nerven fiel. Er verlangte wütend, daß ihm an einem besonderen Tische serviert wurde : aber daS Esten schmeckte ihm nicht, und als eS am nächsten Tage gar noch anfing zu regnen, fuhr er kurz entschlossen nach Berlin zurück.

Natürlich war, gerade als er heimkam, die Wirtschafterin, Die er nicht benachrichtigt hatte, weggegangen und hatte, da sie die Hintertreppentür benutzte, die Kette bei der vorderen Entreetür vorgelegt. Schröder mußte vom Schlosser öffnen lassen, seine Sachen allein auspacken und empfing die Wirt­schafterin, mit der er bis dahin leidlich ausgekommen war, mit einer Kündigung.

Wenn er auch, weil er keine Weibertränen sehen konnte, die Kündigung zurücknahm, so blieb ihm doch eine Verstim­mung, über deren Motive er selbst wohl nicht klar war: denn der Riegel vor der Wohnung hatte nicht allein diese Depression verursacht.

Bis dahin war ihm sein Leben ganz annehmbar er­schienen. Er war ein wohlhabender Junggeselle, Mitte der Vierzig, der durch Agenturen von Zeit zu Zeit ein schönes Stück Geld verdiente, ohne irgend etwas zu riskieren. Seine Wohnung war geschmackvoll ausgestaltet, die Wirtschafterin kochte gut. . . Und nun auf einmal schien ihn: seine Wohnung einsam, und das Alleinesten behagte ihm nicht mehr. Nicht mal sein Stammtisch bei Siechen, dessen regel­mäßiger Gast er sonst gewesen, interessierte ihn jetzt.

Ganz allmählich wurde eS ihm zur Gewißheit, daß er fein Daiein so verkehrt wie möglich eingerichtet hatte. Er stand allein ganz vereinsamt im Leben. Die verheirateten Freunde betrachteten ihn als Sonderling, weil er Gesell­schaften haßte und sich von jedem Verkehr fern hielt; von den alten Junggesellen, mit denen er am Stammtisch kneipte, hatte jeder seine Sonderinteressen, und ihre Unterhaltung drehte sich, je nachdem der eine oder der andere den Ton angab, um Politik, Häuserspekulationen oder den Stand der

Donnerstag

Vorkommnisse, welche die venezolanische Regierung sofort zur Kenntnis der holländischen Regierung bringen will, damit die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten nicht dauernd gestört werden. Der Minister beschreibt so­dann ausführlich, wie der holländische KreuzerGciderland" am 25. Juli, als er zur Abholung des ausgewiesenen Ge­sandten zunächst in Puerto Cabello und später in La Guayra eintraf, den üblichen Salut unterließ. Dagegen wurden die holländischen Konsuln bei ihrem Besuch derGelderland" mit sieben Kanonenschüssen begrüßt, was das unhöfliche Be­nehmen deS Kommandanten in noch schärferes Licht stellte. Ferner erwähnt die Noteskandalöse tätliche Angriffe" auf den venezolanischen Konsul in Willemstad und seine Familie. Am 25. Juli wurde das Konüilatsgebände vom Pöbel mit Steinen beworfen, die Fenster zertrümmert und bad Wappen­schild heruntergeholt. Die Behörden von Enracao waren nicht gewillt ober hatten nicht die Macht, jene Angriffe zu verhindern, weshalb der Konsul sich am nächsten Tage mit seiner Familie an Bord eines amerikanischen Dampfers nach Venezuela einschiffte. Bei seiner Einschiffung wurden die feindlichen Kundgebungen fortgesetzt. Venezuela sei genötigt zu erklären, daß so lange die schuldige Genugtuung nicht erfolgt sei, keine freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern obwalten können.

Knisertage in Lothringen.

Met;, 26. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin trafen um 4 Uhr 40 Min. mittels Sonderzuges auf dem neuen Hauptbahnhof ein, mit ihnen die Prinzen August Wilhelm und Oskar. Auf dem Bahnsteig erwies eine Ehrenkompanie des Königs-Jnfanterie-Reyiments Nr. 145 die Honneurs. Der Kaiser in der Uniform dieses Regiments mit bem Feld- marschallstab schritt die Front ab und nahm einen Vorbei­marsch der Kompanie entgegen. Hierauf sand auf dem Bahn­hof großer militärischer Empfang und anschließend daran großer Zivilempfang statt. Hierzu waren auch der Kron­prinz und die Kronprinzessin sowie Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich erschienen, ferner das gesamte Hauptquartier und die Spitzen der militärischen, der Zivil- und geistlichen Behörden. Hierauf begann der festliche Einzug unter Glocken­geläute und den stürmischen Zurufen deS versammelten Publikums. Das Wetter war gut. An der Spitze des Zuges befand sich der Polizeipräsident Baumbach von Kaimberg und der Bezirkspräsident Graf Zeppelin-Aschhausen. Die Kaiserin hatte mit der Kronprinzessin und der Prinzessin Eitel Friedrich in einem vierspännigen ü la Daumont ge­fahrenen Wagen mit Spitzreitern Platz genommen. Hinter dem Wagen ritt der Kaiser, dem seine vier anwesenden Söhne, sämtlich in der Uniform des 1. Garderegiments zu Fuß, folgten. Estre Eskorte vom 2. Hannoverschen Manen- Regiment Nr. 14 geleitete die Majestäten. Mit den Herren des Hauptquartiers folgte dem Kaiser der Fürst zu Fürsten­berg. Am Prinz Friedrich Karl-Platz war der Gemeinderat der Stadt Metz versammelt. Gegenüber hatten 80 weißge­kleidete junge Damen Aufstellung genommen. Eine von diesen überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß, eine zweite dem Kaiser einen Ehrenirunk lothringischen Weines in einem schönen Kristallpokal aus dem Städtischen Museum, welcher mit dem Wappen der Stadt Metz, mit dem Wahr­zeichen der Pucelle geschmückt war. Der Bürgermeister, Ge- heimer Regierungsrat Dr. Böhmer, hielt folgende Ansprache an den Kaiser:

Eure Majestät bitte ich, den ehrerbietigsten Willkommen­gruß des Gemeinderates der Stadt Metz Huldvollst entgegen­zunehmen. Wir entbieten Euren Majestäten diesen Gruß an der Grenze des alten und des neuen Metz in dankbarem Gedenken daran, daß der beengende Gürtel der Festungs­wälle, die an dieser Stelle einst emporragten, auf Eurer Majestät persönliche Entließung gefallen ist. Diesem hoch­herzigen Entschlusse Eurer Majestät verdanken wir die zu- Börsenpaviere. Nie aber kam der eine dem anderen persön­lich näher. Das einzige Gesicht, das er täglich sah, war das seiner Wirtschafterin. Und die Sorte war wirklich nicht zur Verschönerung des Lebens da.

Er dachte an die blutige Marie, die er so getauft, weil sie jeden Braten halb roh auf den Tisch gebracht, an die Apo- iheker-Anna, die ihm nach der Kündigung den Smoking, Frack, und Gehrock mit einem Totenschädel und dem Apothekerzeichen für Gift angekreidet hatte, so daß er mit dieser Zeichnung auf dem Rücken am Stammtisch die denkbar lustigste Stimmung ausgelöst und an die Tränen-Dora, die jetzige Wirt­schafterin, die bei jeder Gelegenheit weinte.

Je öfter er Doras Ziegengesicht sah, desto unangenehmer wurde es ihm. Und am nächsten Sonntag ging er, statt zum Frühschoppen, ein paar Häuser weiter, kaufte bei Stoll- werck eine mit Schokolade gefüllte Puppe, überzeugte sich im Adreßbuch, daß Frau Brandt wirklich Nassauische Straße wohnte und fuhr im Auto dort vor.

Ilse empfing ihren Verehrer mit ungeheucheltem Wohl­wollen, zeigte ihm ihre aus 23 Mitgliedern bestehende Puppenfamilie und wurde nicht müde, die 23 Vornamen so lange zu wiederholen, bis Herr Schröder sie tadellos nach­sagen konnte.

Die Aufforderung, zum Mittagessen dazubleiben, nahm er wie selbstverständlich an; und wenn er auch nicht wußte, was er, so schmeckte es ihm doch famos., Frau Brandt bewohnte das Hochparterre einer Billa, die rings von Gürten umgeben war. Schröder fand die Wohnung sehr gemütlich und den Garten, besonders die von Ilse bunt bepflanzten Beete, ganz prächtig.

Von jetzt an wurde er der regelmäßige Sonntagsgast von Frau Brandt, deren Häuslichkeit il)n unsagbar anheimclte. An den Wochentagen beschäftigte er sich damit, die Berliner Spielwarenläden zu inspizieren und brachte es allmählich so weit, daß Ilses Puppenwagen übervölkert wurden.

Das geht nicht so weiter," sagte Frau Brandt halb scherzend, als er wieder ein Paket für Ilse abgab.Ent­weder das Schenken hört aus oder--" Dabei sah die junge Frau Ilses Verehrer mit ihren schelmisch blitzenden Augen an und drohte ihm mit dem Finger. Ihm schien cs plötzlich, als ob er noch nie in ein so liebes Frauengesicht geblickt hätte. Er faßte bittend ihre Land und wie die

____________________27. August

kunftsreichen Anfänge des neuen Metz, welche Eure Maje­stäten bei der Fahrt von dem Prachtbau des neuen Bahn­hofs hierher wahrgenommen haben. Die Stadt Metz ist seit dem letzten Jahre in unverkennbarem Fortschreiten begriffen. Große und schwierige Aufgaben harren jedoch noch der Er­füllung. Ein schaffensfreudiger Gemeinderat bürgt für eine fortschreitende Entwicklung. An Eure Majestät aber richten wir die ehnuchtsvolle Bitte, Eure Majestät möchten auch künftighin unserer Stadt das allerhöchste Wohlwollen be­wahren und auch dem Metz der Zukunft Eurer Majestät Schutz nickt versagen. Und nun bitten wir nach altem städtischen Brauch Eure kaiserlichen Majestäten ehrerbietigst, die Symbole unserer Huldigung allergnädigst entgegen­nehmen zu wollen, Ihre Majestät die Blumen unsere? lieb­lichen Moseltales und Eure Majestät als Willkommenstrunk das Wachstum der svnuenbeschienenen lothringischen Reben­hügel, den edlen Wein von Sey, kredenzt in lothringischem Kristall."

Der Kaiser erwiderte hierauf elwa folgendes:

Er gratuliere dein Bürgermeister herzlich zu dessen Wahl und hoffe, daß diese für die Stadt Metz Gutes bringen werbe. Er danke für die soeben gesprochenen freundlichen Worte und für den schönen und herzlichen Empfang seitens der Stadt in seinem Namen und im Namen der Kaiserin. Er freue sich, zu sehen, daß das Einreißen der Wälle einen so guten Einfluß auf die Entwicklung der Stadt gehabt habe und er sei erstaunt gewesen über die Veränderung des Stadtbildes. Er hätte den Eindruck, daß die Taille der Stadt Metz zu knapp geworden sei für die Figur, zu der die Stadt sich entivickelt habe, und er hoffe, daß sie sich nun­mehr immer weiter zu einem blühenden, stolzen Frauenbilde entwickeln werde. Für alles das, was die Entwicklung för­dern könne, sage er seine volle Unterstützung zu. Er bitte, der Bürgerschaft seinen herzlichen Dank zu übermitteln und trinke auf das Wohl der Stadt, ihrer Bürgerschaft und auf ihr weiteres Emporblühen.

Der Bürgermeister brachte hierauf ein dreifaches Hoch auf den Kaiser und die Kaiserin aus, in welches die vielen Tausende begeistert einstimmtkn. Arn Portal der Kathe­drale wurde sodann das Kaiserpaar durch den Bischof Benzler an der Spitze der katholischen Geistlichkeit be­grüßt, wobei der Bischof folgende Ansprache an den Kaiser hielt:

Eure Kaiserliche und Königliche Majestät! Im Namen des hockwürdigen Domkapitels, der Geistlichkeit und der ganzen Diözese entbiete ich Eurer Kaiserlichen und König­lichen Majestät'sowie Ihrer Majestät der Kaiserin einen ehrfurchtsvollen Willkommengruß. Möge der Aufenthalt in unserer Stadt für Eure Majestäten ein in jeder Hinsicht angenehmer und wohltuender sein. Mit Freuden benütze ich diese Gelegenheit, Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät unseren wiederholten und ehrerbietigsten Dank anszusprechen für das lebhafte Interesse, welches Eure Majestät seit vielen Jahren an dem großen Werk der Restaurierung nuferer ehrwürdigen Kathedrale nehmen. Möge unter dem Schutze Eurer Majestät das schöne Friedenswerk zum Abschlusse gelangen, Gott dem Herrn zur Ehre, Eurer Majestät zum unvergänglichen Ruhme. Geruhen Euere Majestät, unsere ehrfurchtvollsten Wünsche cntgegenzunehmen für allerhöchst deren Wohlergehen, für das Wohlergehen Ihrer Majestät der Kaiserin und des ganzen Kaiserlichen und Königlichen Hauses".

Der Kaiser dankte freundlichst, erkundigte sich nach dem Stande der Arbeiten in der Kathedrale und stellte seinen Besuch daselbst in Aussicht. Der Zug bewegte sich weiter zum Beürkspräsidium, wo die Kaiserin, nachdem der Kaiser sich von ihr verabschiedet hatte, Wohnung nahm. Der Kaiser nahm im Generalkommando, vor welchem eine Ehrenkompanie des Infanterie-Regiments Nr. 98 aufgestellt war, Wohnung. Um 7 Uhr fand im Bezirks- präsidium bei der Kaiserin eine Abendtafel statt.

Mei;, 26. Aug. Um 8^2 Uhr besuchten die Majestäten die Galavorstellung im Stadttheater. Der Zuschauerraum war mit Girlanden in weiß-roten Schleifen, den Farben, weichen, kleinen Finger in den seinen ruhten, wurde ihm ganz wohlig zu Mute.

Schicke mich nicht fort," bat er leise.

Die junge Frau schüttelte nur den Kopf. Was für ein merkwürdiger Mensch war der da, daß er nicht längst gefühlt hatte, wie lieb er ihr geworden war.

Und nun begann die glücklichste Zeit seines Lebens . :. wenn's auch nur Nachsaison war.

Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

Zweigverein Hanau.

seinerzeit.

Manchen Leuten scheint es bedenklich, zu sagen:daß^sie (die Tochter) sich diese Summe seiner Zeit in ihr Erbteil einrechnen lasse." Wessen Zeit sei gemeint ? die der Tochter? dann müsse es ihrer Zeit heißen. Aber das wäre auch nicht richtig. Denn welches istdenn die Zeit der Tochter?" Die Redewendung seiner Zeit, die manche ganz verwerfen wollen, ist durchaus nicht zu beanstanden. Sie bedeutet: wenn es Zeit ist, wenn die richtige Zeit da ist; wie es seine Zeit hatte, hat, haben wird. Man vergleiche auchJedes Ding hat seine Zeit" undAlles stand an seinem Ort", wosein" gleichfalls geradezu fürrichtig" steht. Es ist eine erstarrte Formel, die ohne Beziehung auf den Satz­gegenstand sowohl von der Vergangenheit, wie von der Zu­kunft gebraucht werden kann, gerade wie das gleichbedeutende einst". Ja, man hat heute sogar s e i n e r z e i t als ein Wort zu schreiben, obgleich die Abkürzung stets und nur s. Z." geschrieben werden muß. Fichte schreibt: Wir werden seiner Zeit zeigen. Fr. Blatz führt in seiner Neuhochdeutschen Grammatik' ITI S. 277 unter anderem noch folgende Sätze an : Sie war seinerzeit ein hübsches Mädchen. Die Hühnchen hättest Du, Herr Bruder, seinerzeit gefressen. Die Burg war seinerzeit von tapferen Rittern bewohnt. Du bist seinerzeit ein arger Wildfang gewesen. Auch Th. Mathias (Sprach­leben und Sprachschäden' <5.254) weist darauf hin, daß das Formelhafte dieses Ausdrucks am besten aus der Weiter­bildung seinerzeitig zu erkennen fei, während es ihrer- zeitig, unserzeitig nicht gebe.