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Knauer K Anzeiger

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General-Anzeiger

Amtliches Grzss fit Mt> «ni Mito Sim».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

TinrSckungSgerShr t

Die suusgrs-alteue Letitzeile oder deren Raum M WP to Ätflflttwntfff Mt Aküg 85 P^â°

Berantvsrtl. Redaktem: Ä. SchreLar N.*W

$t. 198 Fernsprechanschlittz Nr. 605.

Dienste den 25. August'

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908

Amtliches. Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Auf dem an der Nußallee gelegenen Deutschen Friedhofe sollen am DonnersLaa de,» 27. d. Mts., nach­mittags 5 Uhr, 24 Stück abgängige Bäume in einem Lose öffentlich verkauft werden.

Hanau den 22. August 1908.

Stadthauptkaffe. 16909

politische Rundschau.

Aus dem Preußischen Landes - Krieger- verbande. Der Preußische Landes Kriegerverband hat sich, trotzdem eine Anzahl von Vereinen aus Anlaß der Kieler Beschlüsse, ein anderer Teil wegen des Eintretens des Landesverbaudsvorstandes während der Reichstagswahl 1907 austrat, auch im Jahre 1907 in aufsteigcnder Richtung be­wegt. Dem Landesverbände gehörten, nach dem soeben herausgegebenen 5. Geschäftsbericht, an am 1. Januar 1906: 469 Verbände mit 14 486 Vereinen und 1265 470 Mit­gliedern, am 1. Januar 1907 : 472 Verb, mit 15 023 Ver. und 1 306 794 Mitgl., am 1. Januar 1908: 473 Verb, mit 15 500 Ver. und 1 358 026 Mitgl., am 1. April 1908: 474 Verb, mit 15 645 Ver. und 1366 206 Mitgl. Hier­unter befanden sich 215 568, also 15,8 v. H., Veteranen. Im Vorjahre waren cs 220 524 16,7 v. H. Veteranen. Der prozentuale Rückgang an Veteranen liegt nicht hier allein an dem allmählichen Absterben dieser wackeren Kame­raden, sondern erfreulicherweise auch an dem Zuzuge an jungen Kameraden. Wegen Nichtannahme der Kieler Be- schlüffe sind im Jahre 1907 endgültig 78 Vereine mit 11481 Mitgliedern in den Listen gestrichen worden, das sind 0,5 v. H. der Vereine, 0,9 v. H- der Mitglieder des Landesverbandes. Aus Anlaß der Wahlbewegung 1907 traten in der Zeit vom 1. April 1907/08 57 Vereine mit 4 752 Mitgliedern aus; das heißt 0,4 v. H. der Vereine, 0,4 v. H. der Mitglieder. Der Verlust an Vereinen betrug aus beiden Anlässen also im ganzen 135, während in den betreffenden Regierungsbezirken 367 neu hinzugekommen sind. Man sieht hieraus, wie lächerlich es ist, wenn in einem Teile der Tagcspresse von einem Zwiespalt und einem Abbröckeln im Kriegervereinswesen aus jenen Anlässen gesprochen wird.

Der sozialdemokratische Parteibericht. Im Vorwärts" wird der übliche Bericht des sozialdemokratischen Parteivorstandcs an den bevorstehenden Parteitag in Nürn­berg veröffentlicht, aus dem einiges hervorgehoben sei: In

Feuilleton.

Bismauts Humor.

Fürst Bismarck ist immer ein Freund eines gesunden, urwüchsigen Humors gewesen, und sein LebensmottoDa lach ick öwer"', hat er sich auch unter den Schmerzen seines alten Leidens und den Beschwerlichkeiten, die ein hohes Alter mit sich bringt, bis zu seinem Tode bewahrt. Selbst im Bundesrate, dieser Vertretung der deutschen Fürsten, hat -r häufig witzige Bemerkungen gemacht, so daß die hohe Versammlung in lautes Lachen ausbrach. Eine reiche Fülle von humoristischen Aussprüchen Bismarcks und heiteren kleinen Bismarck-Erinnerungen findet sich in der im Verlage von Robert Lutz in Stuttgart bereits in 4. Auflage er- sch'enenen Sammlung vonBismarck-Anekdoten" lPreis 2,50 geb. 3,50 Marks, aus der wir die folgenden hübschen Scherze zum Abdruck bringen.

Fürst Bismarck arbeitete als junger Mann auch beim Stadtgericht in Berlin. Eines Tages nun hatte er einen richtigen Berliner zu vernehmen, der durch Unverfrorenheit die Geduld Bismarcks so erschöpfte, daß dieser plötzlich auf­sprang und jenem zurief:Herr, menagieren Sie sich, oder ich werfe Sie hinaus!" Ter anwesende Gerichtsrat, als Chef Bismarcks, klopfte diesem, seinem erbosten Auskultator, freundlich auf die Schulter und sagte beruhigend, doch wohl im verweisenden Sinne:Herr Auskultator, das Hinaus- perfen ist meine Sache!" Daraufhin wurde die Vernehmung, fortgesetzt, es dauerte aber nicht lange, so geriet Bismarck über die Dreistigkeit seines Jnkulpaten abeimals in Hitze, erhob sich erregt vom Stuhl und donnerte jenen mit den Worten an:Herr menagieren Sie sich endlich, oder ich fasse Sie durch den Stadtgerichtsrat hinauswerfen!" Einst befand sich Bismarck mit einem hohen Vorgesetzten allein im Bureau. Dieser ging an eins der Fenster und trommelte gemütlich an den Scheiben in der Absicht, merteu zu lassen, sis habe er Bismarcks Anwesenheit vergessen. Rasch trat

19 deutschen BundcSstnaicn sitzen zusammen 151Genoffeu"- Abgeordnete in den Laudlagen. Der meisten erfreuen sich Bayern und Hamburg je 21, dann folgen Bremen mit 17r Württemberg mit 15, Baden mit 12, Koburg-Gotha und Lübeck mit je 8, Preußen, Hessen, Sachsen-Meiningen und. Schwarzburg-Rudolstadt mit je 7, Oldenburg mit 4, Sachsen- Weimar, Sachsen-Altenburg, Reuß j. L., Lippe-Anhalt mit je 3 und Sachsen nebst Schwarzburg-Lippe mit je einem sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten. Die Zahl der sozialdemokratischen Gemciudeverlreter in sämtlichen deutschen Bundesstaaten belief sich im Berichtsjahre in den Städten auf 1360, in den Landgemeinden auf 4571, zusammen auf 5931. Davon entfallen auf Preußen insgesamt noch nicht 1300. Dagegen hat das Musterländle Baden allein über 1250Genossen" als Gemcindevcrtreter aufzuweisen. Der Kassenbericht weist gegen das Vorjahr eine erhebliche Minder­heit auf, die hauptsächlich darauf zurückgeführt wird, daß das Vorjahr ein Wahljahr gewesen ist. an dem auch die Gewerk­schaften (41 500 Mark) zur Parteikasse gesteuert haben. Im Vorjahre bezifferte sich die Gesamteinnahme auf fast eine Million und 200 Tausend Mark im Berichtsjahre wurden nur" wenig über 850 Tausend Mark eingenommen. Die Sozialdemokratie war aber auch unter diesemungünstigen" Verhältnis noch immer in der Lage, trotz ihrer enormen Betriebskosten über 50 000 Markkapitalistisch" anzulegen. Bei den Einnahmen spielen die Erträge aus den Partei- geschäften noch immer eine wesentliche Rolle. DerVor­wärts" warf über 100 000 Mark ab, die Vorwärtsbuch- Handlung und das Stuttgarter Verlagsgeschäft zusammen über 60 000 Mark. Der Posten X. D. Z. mit 45 000 Mark bezieht sich jedenfalls auch auf einen Geschäftsgewinn. Der Gewinn aus den Reichstagsdiäten mit 10 000 Mar? soll erst in der nächsten Abrechnung erscheinen. Dagegen ist, bei den Ausgaben der entsprechende Posten in Wegfall gekommen ; er betrug 1906 über 42 000 Mark.

Freiherr Speck v. Sternburg.

Berlin, 24. Aug. Die Nachricht von dem Tode des Botschafters Frhrn. Speck v. Sternburg erregt hier in amt­lichen Kreisen lebhafteste Teilnahme. Alser seinerzeit in überraschend schneller Beförderung zum Botschafter in Washington ernannt wurde, fand sein erstes Auftreten nur geteilten Beifall, und man machte ihm vielfach den Vor­wurf, daß seine Methode zu sehr vom bisherigen diploma­tischen Gebrauch abweiche und die sonst übliche Zurückhaltung vermissen ließe. In jener ersten Zeit war dieser Vorwurf nicht ganz ohne Berechtigung, aber je mehr Freiherr von Sternburg sich in seinem neuen Amte einarbeitete, desto mehr glätteten sich gewisse Amerikanismen bei ihm ab. Nach wie vor trat er zur Oeffentlichkeit in Amerika in ein leb­hafteres Verhältnis wie andere Botschafter, aber er hielt darin Maß und Ziel, und es stellte sich schließlich, was die Hauptsache ist, heraus, daß er von einer richtigen Erfassung

auch dieser an ein Fenster und trommelte den Dessauer Marsch. Das wirkte auf den Vorgesetzren ernüchternd.

Sehr hübsch ist auch das folgende Witzwort Bisniarcks. Es wird erzählt, daß König Wilhelm den Fürsten Bismarck beim Beginn des französischen Krieges gefragt habe:Was machen wir nun mit Frankreich?"Wir spielen mit ihm Sechsundsechzig," soll dessen lakonische Antwort gewesen sein. Fürst Bismarck reiste 1871 zu den Ver­handlungen über den definitiven Frieden nach Frankfurt a. M. in Zivilkleidern. Als er in dem von früher her ihm schon bekannten Gasthof abstieg, erlaubte sich der Oberkellner die Bemerkung, daß er Se Durchlaucht beinahe nicht wieder erkannt habe.Ja, mein Lieber," entgegnete der große Staatsmann, den Herren Franzosen ist es ähnlich ergangen wie Ihnen, die haben uns auch erst erkannt, als wir die Uni­form anhatten!"

Bei seiner Rückkehr vom Kriegsschauplatz im Jahre 1866 ward König Wilhelm auch in Görlitz ein feierlicher Empfang bereitet. Junge Damen überreichten ihm und ebenso auch den Prinzen Lorbeerkränze. Auch Bismarck sollte einen solchen Kranz haben. Der aber meinte zu der schönen Spenderin:Nein, mein gnädiges Fräulein, ich verdiene diese Ehre nicht. Ich bin nicht Kombattant gewesen und höbe an den Siegen keinen Anteil!" Im ersten Augenblick wurde das junge'Mädchen durch diesen unerwarteten Ein­wand völlig aus dem Text gebracht. Sie wußte sich jedoch zu helfen.Aber Erv. Exzellenz haben doch den Krieg an­gefangen," versetzte sie und lachend nahm nun Bismarck den Kranz. Als Bismarck von der Rückkehr aus Frank­reich in Berlin am 11. März 1871 um 6 Uhr früh auf dem Potsdamer Bahnhof in Berlin eintraf und oom Waggon- fenster auS seine Gemahlin und Tochter auf bem Bahnsteig, ihn erwartend, stehen sah, sprang er freudig bewegt aus dem Wagen, breitete ihnen seine Arme entgegen unb be­grüßte sie frohen Mutes mit den Worten:D a habt I h r E u r e n Ollen wieder! Als Fürst Bismarck nach der Ablehnung seines Abschiedsgesuches, die von feiten Kaiser Wilhelm L mit dem bekannten Worte:Niemals" erfolgte, wieder Audienz bei dem Kaiser hatte, äußerte sich 'dieser, veranlaßt durch das durch Kränklichkeit und

des amerikanischen Wesens ausgegangen war. Es galt, in Amerika mancherlei Vorurteile und Voreingenommenheiten zu beschwichtigen, und nach dieser Richtung hat der ver­storbene deutsche Botschafter mit vielem Erfolg gearbeitet und dem Deutschen Reiche wesentliche Dienste geleistet. In wirkungsvoller Weise hat er e§ verstanden, jedesmal, wenn sich Schwierigkeiten einstellten, ihnen mit einer Schnelligkeit zu begegnen, die man in der Presse mehr gewöhnt ist alk sonst. Er hatte einen praktischen Sinn für daS unmittelbar Not­wendige und Nützliche und begegnete sich darin mit der Denkungsart der Amerikaner. * Die Berichte, die er nach Berlin schickte, gaben ein zuverlässiges. Bild der bärtigen Verhältnisse, aber er begnügte sich nicht damit, ein ausge­zeichneter Berichterstatter zu sein und seine Regierung in allem rasch und ausreichend auf dem Laufenden zu er­halten, sondern er versuchte auch, oft durch Reden oder durch Erklärungen auf die Amerikaner einzuwirken und ihnen Ver­ständnis für die deutsche Denkungsart und deutsche Politik beizubringen. Man darf wohl sagen, daß wenn die Be­ziehungen Deutschlands zu Amerika sich während seiner Bot­schafterzeit immer freundlicher gestaltet haben, ein Teil deS Verdienstes hieran dem Frhrn. v. Sternburg zuzuschreiben ist. Unzweifelhaft hat seine persönliche Freundschaft zum Präsidenten Roosevelt ihm vielfach die Wege geebnet, aber er betrachtete es nicht allein als seine Aufgabe, enge Ver­bindung mit dem Präsidenten aufrecht zu erhalten, sondern er pflegte dieselben guten Beziehungen nicht nur mit den Ministern und den Behörden dèr Vereinigten Staaten, sondern auch mit der öffentlichen Meinung, deren besonders in Amerika hohe Bedeutung er aufs richtigste einschätzte.

Berlin, 24. Aug. Auf das Ableben des Botschafters Frhrn. Speck v. Sternburg hat nach dem Berliner Lokal­anzeiger der Kaiser der Witwe das nachstehende Beileids­telegramm zugehen lassen: Ties erschüttert durch die uner­wartete Nachricht von dem Heimgang Ihres Mannes spreche ich Ihnen innigste Teilnahme und herzliches Beileid aus. Ich verliere in dem Entschlafenen einen bewährten Freund und ausgezeichneten Diplomaten, der mir und seinem Vater­lands wertvolle Dienste geleistet hat und schwer zu ersetzen sein wird. Der Herr verleihe Ihnen zu Ihrer großen Trauer feinen himmlischen Trost. Wilhelm.

Washington, 24. Aug. Die Nachricht von dem Tode des Frhrn. Speck v. Sternburg hat hier die größte Erschütte­rung heroorgerufen. Die Beamten des Staatsdepartements betrachten das Hinscheiden des Botschafters als einen schweren persönlichen Verlust. Der stellvertretende Sekretär des Staats­departements A. A. Adee hat dem Auswärtigen Amt sein persönliches Beileid ausgedrückt. Die amtlichen Beileids­bezeugungen heben die Verdienste Steinburgs hervor und betonen, der Botschafter habe mit dem Präsidenten Roosevelt intimere persönliche und amtliche Beziehungen unterhalten, als wohl irgendein anderer der in Washington beglaubigten Diplomaten.

Aussperrung.

Budapest, 22. August. Hier wurden "4000 Schreiner ausgesperrt, weil sie eine lOprozentige Lohnerhöhung for-

Alter begründete Abschiedsgesuch, wörtlich dahin:Ich bin viel älter als Sie und reite sogar noch," worauf Bismarck erwiderte:Ja, Majestät, der Reiter hält eS immer länger aus als das Pferd."

Bismarck war auch ein entschiedener Freund der Rad­fahrer und der Radfahrerinnen.Wäre ich nicht schon zu alt, ich würd' es gern selbst noch erlernen," soll der Fürst einmal gesagt haben. Seiner Sympathie für diesen Sport gab er namentlich einer Dame aus Hamburg gegenüber Ausdruck, die, obschon in gesetzten Jahren, auf dem Rad einen Ausflug nach dem Sachsenwalde gemacht und daselbst ganz unerwartet dem sie wohl kennenden Fürsten begegnet war. Abgestiegen von ihrem Stahlroß, besah der Fürst sich die sportmäßig gekleidete Dame von oben bis unten lächelnd und fragte heiter: Was nun aber, wenn Sie runterfallen, haben Sie denn auch Pumphosen an?"Jawohl, Durch­laucht, alles schik!" antwortete die Radlerin."Na, dann radeln Sic mir mal noch waS nor!" ermunterte der Fürst sie lachend. Und heidi! war die Hamburgerin wieder auf ihrem Rade, winkte dem Fürsten ein verbindliches Lebewohl zu und verschwand in den Parkwegen. Wenige Tage darauf erschien dieselbe Dame in feierlicher großer BesuchStmlette in Friedrichsruh, um der fürstlichen Familie ihre Aufwartung zu machen. Aufs freundlichst vom Fürsten empfangen, kam dieser gesprächsweise auf das Radfahren zu sprech»-: und widmete der diesmaligen Toilette der Dame eine auffallend große Aufmerksamkeit. Als endlich die Hamburgerin zum Gehen sich anschickte, verabschiedete sich Fürst Bismarck von ihr mit den Worten:Das nächste Mal kommen Sie man in die Pumphosen wieder!"

Diese wenigen Beispiele zeigen, daß Fürst Bismarck neben all den anderen herrlichen Geistesgaben, die ihn auszeich- neten, auch mit einem kernigen Humor und nie versagender Schlagfertigkeit ausgerüstet war.

Warsi du so klug, die kleinen Plagen

Des Lebens willig auszufteh'n;

So würdest du dich nicht so oft genötigt seh'», Die arö.ßern Hebel m ertroae» /L-n-r«