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bie Nachricht vom Ministerium einlief, daß Wilhelm Voigt sofort zu entlassen sei. Der Inspektor vom Dienst und der Oberaufseher trafen ihn gerade beim Essen. Die freudige Botschaft ergriff ihn lief, so baß er unfähig war, seine Mahlzeit, die in der üblichen Krankenkost bestand, zu beenden. Auf der Stelle wurden ihm seine Zivilsachen aus- gkhändigt, die infolge des langen Liegens nicht gerade in allerbester Verfassung waren. Er konnte auch, da die Kasse geschlossen war, seinen Arbeitsverdienst nicht gleich in Empfang nehmen, erhielt aber das Straßcnbahnfahrgeld vor- g,schossen. Von den Beamten verabschiedete sich Voigt sehr herzlich; er hat sich durch sein ruhiges Wesen und seine gewissenhafte Arbeit manchen Freund erworben. Nach dem Verlassen derStrafanstalt bestieg der der Freiheit Wiedergegebene einen Wagen der Straßenbahn, um sich nach Nixdorf zu begeben, wo er seine in der Kopfstraße wohnhafte Schwester, die Seifenhändlerin Berta Menz, anzutreffen hoffte. Frau Menz war aber nach Geschäftsschluß zum Grabe ihres vor einigen Monaten verstorbenen Gatten gepilgert. Sie wußte nichts und hatte ja auch nichts ahnen können von dem ihr bevorstehenden Besuch. Voigt fand also, als er in der Wohnung seiner Schwester vorsprach, verschlossene Türen. Nunmehr begab er sich zu seiner im Nebenhause wohnenden Braut, der Frau Riemer, die ihm, entgegen anderslautenden Meldungen, die Treue bewahrt hatte. Auch sie, die ihm erst vor wenigen Tagen in Tegel einen Besuch abgestaitet hatte, war beim Anblick ihres „Hauptmanns" bestürzt. Im ersten Augenblick dachte sie, er habe sich auf widerrechtliche Weise die Freiheit erzwungen. Erst als er ihr den amtlichen „Entlassungsschein* vorwies, glaubte sie ihm. Die Freude deS plötzlichen, unerwarteten Wiedersehens war groß. Die Braut lobte daS verhältnismäßig gute Aussehen des Enthafteten, der vor Freude außer sich war. Nach etwa halbstündigem Aufenthalt erklärte er, noch einige Besorgungen machen zu wollen, und verabschiedet« sich mit dem Versprechen, gegen 10 Uhr abends zurückzukehren. Als kurz nach 9 Uhr die Schwester VoigtS nach Hause kam, wollte auch sie der Nachricht keinen Glauben schenken; erst als ihr immer wieder versichert worden war, ihr Bruder sei begnadigt und freige- lassen worden, wich die Bestürzung der Freude. — Die Begnadigung ist, wie des weiteren berichtet wird, für alle Teile unerwartet erfolgt. Der obigen Version, daß Voigt vom Lazarett aus ein Begnadigungsgesuch eingereicht habe, wird von anderer Seite widersprochen; Voigt sei in letzter Zeit gar nicht im Lazarett gewesen, sondern habe sich ganz wohl befunden und fleißig gearbeitet. Auf welchen Umstand die Haftentlassung tatsächlich zurückzuführen ist, war gestern abend bis zu später Stunde zuverlässig nicht zu erfahren. Wegen seiner Zukunft wirb Voigt nicht allzu besorgt zu sein brauchen, da sich schon früher viele Leute bereit erklärt haben, sich seiner annehmen zu wollen. Auch seine Schwester erklärte, daß ihr in dieser Beziehung nicht bange sei: eine Frau Wertheim habe ihrem Bruder ein Legat ausgesetzt, nach welchem ihm schon während der Gefängnishaft monatlich 50 Mk. ausbezahlt werden sollte. Dies« Summe ist nach den Bestimmungen der Betreffenden nach der Enthaf- ;ung auf monatlich 100 Mk. zu erhöhen und dem Voigt bis an sein Lebensende auszuzahlen. Auch günstige StellungsAngebote sollen vorliegen. Jedenfalls hat Voigt, wie versichert wird, das erfreuliche Bestreben, bis an sein Lebensende ein ehrlicher Mensch zu bleiben. Hoffentlich findet er eine ihm zusagende Beschäftigung, die eS ihm erleichtert, den guten Vorsatz zur Tat werden zu lassen.
Sport
Pferderennen am Forsthaus. Auch der zweite Lag des August-Meetings war vom besten Wetter begünstigt. Man sah infolgedessen auch ein zahlreiches sportliebendes Publikum auf den Tribünen versammelt, daS mit Interesse ven Kämpfen auf dem grünen Rasen folgte, die eigentlich keine besonderen Ueberraschungen mit sich brachten. In der Hauptsache durfte man gespannt auf den Ausgang des Alexander-RennenS sein, in dem For Ever erklärte, was dem Fuchs noch mehr Gönner eintrug, um so mehr, da er rach dem Kölner Rennen das hielt, was er dort geleistet hatte. For Ever ging als erster durchs Ziel, wodurch sein Besitzer das schöne Sümmchen von 20 000 Mark erwarb. Die beiden Herrenreiten am Schluß des Meetings verliefen — was immerhin selten vorkommt — in „aller Stille", Denn es ereignete sich sein Sturz noch sonst eine aufregende Szene. Der Verlauf der einzelnen Rennen ist folgender gewesen :
1. Preis von Schwanheim. Staatspreis. 7000 Mark. Entfernung 1200 Meter. 22 Unterschriften. Sechs starten. 1. Herrn P. Pakheisers Geier (Reiff); 2. Frhrn. D. Oppenheims Myrrha (Shaw) ; 3. Herren A. und C. von Weinbergs Perennis (Korb). Myrrha war um eine halbe Länge vor dem Sieger zurück und um zwei Längen Perennis aoraus, die um drei Längen Dr. Lemckes R. P. überholt hatte. Tot. 30 : 10 Sieg; 19, 31 : 10 Platz.
2. Hippodrom-Handicap. Garantierter Preis 5000 Mk.. hiervon 4000 Mk. dem ersten, 700 Mk. dem -weiten, 300 Mk. dem dritten Pferde. Entfernung 2000 Meter. 27 Unterschriften, von denen 15 angenommen. 5 starten. 1. Herrn A. v. Köppens Signor (Reiff); 2. Frhrn. Ed. v. Oppenheims Kohinor (Shaw) ; 3. Herren A. und C. v. Weinbergs Inira (O'Connor). Es liefen ferner Pakheisers Thilde und Veits Serapis. Signor führte das ganze Rennen hindurch. Zuletzt war ihm Kohinor dicht auf Den Fersen und wollte ihm den Sieg streitig machen, doch ging Signor glatt durchs Ziel. Kohinor war um eine Länge zurückgeblieben. Jnira lief um drei Längen später ein wie Der Zweite. Tot. 23 : 10 Sieg; 17, 16 : 10 Platz.
3. Preis nom Frankenstein. Garantierter Preis 5000 Mark; hiervon 4000 Mk. dem ersten, 700 M., dem zweiten, 300 Mk. dem dritten Pferde. Entfernung 1400 Meter. 17 Unterschriften. 6 starten. 1. Herrn G. Buggenhagens Saharet (Shaw) ; 2. Herrn E. S. Fürstenbergs Nilbraut (Bullock); 3. Herren A. und C. v. Wein- LergS Angola (O'Connor). Außerdem starteten Klönnes Malsehen, v. Köppens Nevermore und Nennertshausers Hori-
Dienstast
zont. Saharet siegte mit IV* Länge. Angola hatte 17» Längen zu wenig. Tot. 84 : 10 Sieg; 28, 26 : 10 Platz.
4. Alexander-Rennen. Garantierter Preis 25000 Mark. 11000 Mk. vom Union-Klub gegeben und 14 000 Mark vom Renuklub garantiert; hiervon 20 000 Mk. dem ersten, 2500 Mark dem zweiten, 1500 Mk. dem dritten, 1000 Mark dem vierten Pferde. Entfernung 2000 Meter. 71 Unterschriften, von denen für 63 der erste und 17 der zweite Einsatz gezahlt wurde. For Euer erklärte, 1. Frhr. Ed. v. Oppenheims For Ever (Chaw); 2. Herrn Klönnes Dinas (Shurgold); 3. Herren A. und C. v. Weinbergs Barrikade (O'Connor). Es lief noch v. Oppenheims Mirza mit Bullock im Sattel. Die flinke Mirza marschierte — sie wurde nicht umsonst als Schrittmacherin bezeichnet — an der Spitze der schnell dahineilenden Kolonne, aus der sich alsbald der Prachtfuchs For Ever loslöste und Sieger mit drei Längen wurde. Dinas war um ebensoviel Längen vor Barrikade, der sechs Längen der Mirza voraus war. Tot. 13 : 10 Sieg; 13, 18 : 10 Platz.
5. Preis von Isenburg. Ehrenpreis dem siegenden Reiter und garantiert 4000 Mk., hiervon 3000 Mk. dem ersten, 700 Mk. dem zweiten, 300 Mark dem dritten Pferde. Hürden-Damen-Handicap. Herren-Reiten. Entfernung 2500 Meter. 24 Unterschriften, von denen 15 angenommen. 6 liefen. 1. Herrn R. Hantels Avignon (Herr Riese); 2.Herrn E. v. Krackers Edda (Lt. Braune); 3. Herrn A. v. Schmieders Turandot (Lt. Fürst Wrede). Es liefen weiter Lt. v. Lippas Phrytzia, Lt. Schmechtens Mortara und HerfeldtS Cap Martin. Turaudot stand ursprünglich bei Beginn des RennenS an erster Stelle, wurde aber bald geholt. Die Hindernisse wurden von sämtlichen Reitern elegant genommen ; keiner geriet dabei zu Fall. Avignon gewann mit drei Längen. Turandot ivar um 3 Längen hinter Eda eingelaufen. Tot. 16 : 10 Sieg, 14, 20 : 10 Platz.
6. Prinz Hermann von Sachsen- Weimar- Erin nerungtz-Rennen. Ehrenpreis, gegeben von Sr. Hoheit dem Prinzen Ernst von Sachsen-Weimar, dem siegenden Reiter und garantiert 5000 Mk., hiervon 3500 dem ersten, 1000 Mk. dem zweiten, 500 Mk. dem dritten Pferde. Jagd-Rennen Handicap. Herren-Reiten Entfernung 4000 Meter. 28 Unterschriften, von denen 17 angenommen. 6 starten. 1. Herrn E. v. Krackers Raofa (Lt. Braune); 2. Lt. G. v. Lippas Gerolstein (Lt. von Baumbach): 3. Herrn H. v. Stettens Orftzvrerie (Lt. Fürst Wrede), Es gingen ferner Herrn Pauses Sokrates, Herrn Maurices Lady Whisper und L. v. Görrissens Aster durchs Ziel. DaS Feld bot ein wunderbar geschlossenes Rennen, in dem Hecken, Gräben und der Berg vorzüglich genommen murdeu. Gerolstein lief um vier Längen zu spät ein, war aber Orftzvrerie sechs Längen voraus. Tot. 24:10 Sieg: 15, 18:10 Pl. (Frkft. Nachr.)
Hus aller Mett.
Das Diabolospiel. Die Polizeiverwaltung in Weißenfels hat das Diabolospiel auf Straßen und öffentlichen Plätzen verboten.
50 000 Rubel für einen Flugmaschinenwettbe- werb sind von der russischen Regierung gestiftet worden. Die Konkurrenz soll im Juli oder August 1909 in Petersburg stattsinden und Prüfungen für Flugmaschinen und Modelle von 20 Kg. Minimalgewicht umfassen.
Wiederaufbau der Strahlenburg. Die Burgruine Strahlenburg, eine der malerischsten an der Bergstraße, bekannt durch Kleists Drama „Das Kätchen von Heilbronn", soll angeblich neu aufgebaut werden.
Beim Muschelsammelu ertrunken. 6 Personen, die auf einem niedrigen Damm bei Calais Muscheln sammelten, wurden von den Wellen eines vorüberfahrenden Dampfers ins Meer geworfen. Alle sechs ertranken. 5 Leichen sind bereits an Land gespült worden.
Schlechtes Einschenken. Ein Schenkkellner der „Blumensäle" in München, der sich durch schlechtes Ein- schenken in 1V» Jahren 20 000 M. auf die Seite gelegt hatte, wurde wegen Betrugs zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Diesem Verfahren werden noch einige weitere folgen und zwar gegen verschiedene Pächter größerer Etablissements wegen Betrugs durch Duldung des schlechten Einschenkens.
Ueberfall. Kurz vor Omsk in Westsibirien hatte ein Ueberfall auf einen Personenzug stattgesunden. Die bewaffneten Räuber hatten die Geleise auf 15 Meter entfernt, so daß der Zug entgleiste. Die Lokomotive, der Post-, Gepäck- und ein Personenwagen gingen in Trümmer, viele Wagen sind beschädigt. Nach der Entgleisung, bei welcher ein Maschinist, der Heizer, ein Passagier schwer und viele Personen leichter verletzt wurden, nahmen die Räuber die Beschießung des Zuges vor. Sie wurden durch das Feuer der den Zug bewachenden Soldaten zurückgedrüngt, bis Entsatz aus Omsk angelangt war. Die Beraubung des Postwagens, der eine große Summe barg, mißlang daher.
Vom Blitz erschlage»» wurden in Hannover gestern während eines Gewitters ein Unteroffizier des 73. Infanterie- Regiments und zwei Soldaten.
Revolverattentat. Der von seiner Ehefrau getrennt lebende Fabrikschuhmacher Korn in Zweibrücken verübte ein Revolverattentat auf seine Schwiegermutter sowie seine Schwägerin; beide wurden leicht verletzt. Bei der Flucht vor der ihn verfolgenden Volksmenge verübte er Selbstmord.
Abgestürzt. Der Gerbereiarbeiter Kronzik ist bei einer Partie von Hradek über eine 100 Meter hohe steile Felswand in einen Fluß gestürzt und war sofort tot.
Wepn keine Zeitungen erscheinen. Der Ausstand der Setzer, Trucker und Zeitungsfrauen in Kopenhagen hat dort zu Zuständen geführt, die auf den ersten Blick lustig erscheinen mögen, aber doch erkennen lassen, wie eng das öffentliche, insbesondere' das wirtschaftliche Leben mit dem Zeitungswesen verbunden ist, und wie arge Störungen es erleidet, wenn plötzlich die Presse ihre Tätigkeit einzustellen gewungen ist. Wir geben als Probe aus einem Brief des Kopenhagener Berichterstatters der norwegischen Zeitung Morgenbladet einiges wieder: Den dritten Tag schon ist Dänemarks Hauptstadt ohne — oder doch so gut wie ohne — Zeitungen, — ein wunderliches Gefühl, wenn man sonst gewohnt ist, 14 oder 15 Blätter täglich herauskommen zu sehen. Die Bezieher der Zeitungen haben das Mißgeschick mit Ergebung unb Liebenswürdigkeit ausgenommen; aber viele sind doch auf die Redaktions- und Expeditionszimmer gekommen, um Erkundigungen über die Lage einzuziehen. Einmal handelte sichS um eine Aktiengesellschaft, die eine Generalversammlung satzungsgemäß durch Anzeige in einer bestimmten Zeitung einberufcn muß und das nun, obwohl der Tag schon festgesetzt ist, nicht tun kann, weil das be-
18. August
treffende Blatt nicht erscheint. Dann war'S jemand, der eine öffentliche Versteigerung abhalten wollte und sich nun lebhaft beklagte, daß er die Auktion nicht bekannt machen konnte. Weiter kamen einige von den Tausenden, die Häuser und Wohnungen zu vermieten oder dies und daS zu verkaufen haben. Tie Redaktionen mußten die trostlose Antwort geben, daß die Aussichten auf eine baldige Besserung der Lage nicht groß seien. So gestern. Und heut war's noch schlimmer. Unser liebes, niedliches, gemeinsames Blatt, das alle andern ersetzen muß, „Pressen", ist heut bei den Abonnenten nicht überall angekommen. Und natürlich meldeten sich nun die Leute am Telephon: „Kriegen wir nicht heut unser Blatt? Wir haben's doch gestern bekommen." „Leider", lautete die Antwort aus der Redaktion oder der Expedition, „ists heut viel anders als gestern, wir haben heut keine Zeitungsträgerinnen, benn die sind von den Buchdruckern gezwungen worden, mitzustreiken; aber wir werden alles tun, um Ihnen das Blatt zuzustellen, wenn nicht anders möglich so mit Hilfe der Post." Und so geschah's. Einzelne Zeitungen haben ihren 10 000 bis 12 000 Abonnenten das Blättlein „Pressen" mit Kreuzband zugestellt; dazu war natürlich nötig, daß sämtliche Beamten der Zeitung sich daran »nachten, Adressen zu schreiben.. Außer durch „Pressen" erhielt das Publikum durch Anschläge in Läden der Hauptverkehrsstraßen die wichtigsten Nachrichten. Ber- lingske Tidende hat weiter mit der Schreibmaschine vervielfältigte Neuheiten und Telegramme den Hotels, Restaurants, Bankhäusern, Zeitungskiosken und Barbierstubeir zugehen lassen. Heute wurde auf diese Weise auch die Ziehungsliste der Klassenlotterie verbreitet, bis es am Abend einer Firma glückte, die Liste noch in Druck zu liefern — sie fand reißen- den Absatz auf den Straßen.
Einweihung des Metzer Hauptbahnhofes.
Metz, 17. Aug. Heute nachmittag fand die feierliche Einweihung des neuen Hauptbahnhofes im Beisein deS Ministers Breitenbach und des Generalfeldmarschalls Grafen Haeseler statt. Nach der Festrede des EisenbahndirektionS- präsidenten Wackerzapp-Straßburg fand ein Rundgang und eine Besichtigungsfahrt auf der neuen Strecke bis Woippy statt. Hierauf folgte ein Festessen.
Metz, 17. Aug. Der Erbauer des neuen Hauptbahnhofs, Architekt Kröger, wurde zum kaiserlichen Baurat er« nannt.
Internationaler Esperantokongretz.
Dresden, 17. August. Heute vormittag wurde deè vierte internationale Esperantokongreß feierlich eröffnet. AIs Vertreter des Königs war der königliche Kärnmerer v. Crie- gern erschienen. Als Dr. Zamenhof, der Erfinder der Weltsprache, mit Oberbürgermeister Beutler und den Delegierten der einzelnen Nationen und Regierungen ben Saal des Ver- einShauses betrat, erscholl minutenlang brausender Beifall. Colonel Pollen-London eröffnete den Kongreß al8 Vorsitzender des dritten internationalen Kongresses und gab dann das Amt an Dr. Mybs-Hamburg ab, der dem Könige für die Uebernahme des Protektorates, sowie den königlichen und städtischen Behörden für die Förderung des Kongresses dankte. Darauf sprach Geheimrat Lange im Auftrage der Ministerien des Kultus und des Innern und feierte die Esperanto als Hilfssprache, um die Völker der Erde zu verbinden. Namens der Staatsregierung wünschte der Redner dein Kongreß den beiten Erfolg. Professor Bourlet-PariK übertrug die Rede in Esperanto. Oberbürgermeister Beutler, dessen Rede Mybs übersetzte, hieß die Teilnehmer namens der Stadt und der Bürgerschaft willkommen und betonte gleichfalls die große Bedeutung der Weltsprache. Unter dem Jubel aller Anwesenden sprach sodann Dr. Zamenhof über ben idealen und realen Wert der Esperanto und hob rühmend hervor, daß dieser Kongreß zum ersten Male von Regierungen unterstützt werde. Im Anschluß hieran über- brachten zahlreiche Delegierte die Grüße ihrer Regierungen und wissenschaftlichen Korporationen.
Erdbeben.
Messtua, 16. August. In Melstratta wurde am 15. August morgens die Bevölkerung durch eine starke Erderschütterung, der eine leichtere folgte, sehr erregt. Schaden wurde nicht angerichtet. In Castel dil lucio erhielte», zwei Häuser bedeutende Risse.
Schiffsttachrichte«.
(Mltgetkilt von Agent Ad. Treus ch-Hanau.)
Hamburg, 15. August. Der Dampfer „König Wtl- Helin II." von der Haniburg - Amerika - Linie ist gestern iy Montevideo eingetroffen.
Hus fianau Stadt und Eand*
Hanau, 18. August.
* Manöverzeit. Das Infanterie-Regiment Hessen- Homburg Nr. 166 rückt am 24. d. M. von hier auS und begibt sich zunächst nach Mainz zum Regimentsexerzieren. Dort verbleibt das Regiment bis zum 30. August und wird in dieser Zeit in der Kaserne der 87er untergebracht. Am 31. August wird das Regiment in das Manövergelände bei Meschede befördert. Zunächst findet bei Meschede daS Brigade-Exerzieren statt. Der Regimentsstab, die 1. Komp, beâ 1. Bataillons und das 2. Bataillon beziehen in Meschede Quartier, die drei anderen Kompanien des 1. Bataillons werben in den umliegenden Ortschaften untergebracht. Das 3. Bataillon wird am 29. d. M. in Hanau aufgestellt, verbleibt hier bis zum 4. September und wird am 5. Septbr. ebenfalls nach Meschede befördert.
* Silberne Hochzeit feiern morgen die Eheleute Heinrich und Margarethe Schmidt, Schloßstraße 16.
* Ein Deserteur. Festgenommen wurde dahier ein bei dem Oekonomen Alt arbeitender Dienstknecht Franz Behringer aus Eschingen, der sich unter falschem Namen hier aufhielt und oor, etwa 4 Jahren vom Pionierbataillon Nr. 21 in Mainz desertiert war. In der Zwischenzeit hatte er sich in verschiedenen Orten Deutschlands, sowie auch im Auslande ausgefallen.
* Kurort Wilhelmsbad. Morsten nachmittag ^J« 4 Uhr ab findet $« Wilhelmsbad strotzes Militär-Konzert der Kapelle des Jnk.-Neats. Hessen-Homburg Nr. 106 statt.