17. August__ W» -----
Bekanntmachung.
Da gerade aus dem Landkreis Hanau zu der am 4 September hier stattfindenben Bezirkstierschau überraschend rvenig Anmeldungen eingegangen sind, mache ich darauf auf» merksam, daß außer den für alle Aussteller gleichmäßig be- stimmten Preisen der LandwirtschaftSkammer folgende Preise ausschließlich für Tiere aus der Stadt und dem Landkreise Hanau verteilt werden:
1. Für Pferde (Mutterstuten und Stutfohlen) 12 Preise von zusammen 250 Mk.
2. Für Rindvieh (Bullen, Kühe und Rinder vom Landschlag mit Simmenthaler Charakter und Niederungsvieh) 57 Preise von zusammen 1000 Mk.
3. Für Schweine 17 Preise von zusammen 250 Mk.
4. Für Ziegen 11 Preise von zusammen 50 Mk.
Ferner sind von Sr. Königl. Hoheit dem Landgrafen von Hessen 4 Siegerpreise für Pferde und Rindvieh von je 75 Mk. gestiftet worden, von denen zwei ausschließlich für Tiere aus der Stadt und dem Landkreis Hanau bestimmt sind.
Für die Vieh-esther aus der Stadt und dem Landkreis Hanau wird der Anmeldetermin ausnahmsweise bis zum 22. August verlängert. Anmeldungen können mündlich oder schriftlich bei dem Unterzeichneten angebracht werden, von dem die Ausstellung der Anmeldescheine veranlaßt werden wird.
Bemerkt wird, daß ohne Anmeldeschein kein Tier zur Ausstellung zugelassen wird. y
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, für möglichste Verbreitung dieser Bekanntmachung zu sorgen.
Hanau den 16. August 1908.
Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisvereins.
v. B e ck e r a t h, Kgl. Landrat.
zugestimmt. Morgen findet die Fortsetzung der Beratung statt.
W. Marburg, 16. Aug. In voller Gesundheit beging heute der bekannte Kliniker Geh. Meb.-Rat Professor Dr. Emil M ann k o p f sein 50 jähriges Doktor- jubiläum. Aus diesen: Anlaß wurden dem greisen Gelehrten zahlreiche Ehrungen zu teil.
St. Frankfurt a. M., 16. August. Im Palmengarten findet diesen Donnerstag nachmittags und abends ein Doppelkonzert mit der Kapelle S. M. Jacht „Hohenzollern" statt.
§ Bad Homburg v. d. H., 16. Aug. Die Kur hat sich in der letzten Zeit recht lebhaft entwickelt und ist die Besucherzahl, welche anfangs infolge des schlechten Frühlingswetters gegen die Vorjahre etwas zurückgeblieben war, bis auf annähernd 11 000 Kurgäste gestiegen. Namentlich aber ist heuer die Anzahl der Passanten gegen früher sehr gewachsen. So brachte auch die verflossene Woche, in welcher Kaiser Wilhelm II. und König Eduard VII. von England hier zur Weihe des Denkmals der Landgräfin Elisabeth hier eintrafen, einen sehr großen Fremdenzufluß. — Am Weihetage trafen im Automobil die beiden Herrscher in Begleitung des Prinzenpaares' Friedrich Karl von Hessen und der Kronprinzessin von Griechenland aus Schloß Friedrichshof hier ein, wo an der englischen Kirche das Denkmal ohne Festakt und Zeremoniell enthüllt wurde. Nach einem Besuch der englischen Kirche, in welcher König Eduard die Gedenktafel für seine verewigte Schwester, die Kaiserin Friedrich, be- sichtigie, ging die Fahrt weiter zur Erlöserkirche und sodann nach Schloß Friedrichshof zurück. Kurz erwähnt sei noch, daß Landgräfin Elisabeth, eine englische Prinzessin, Tochter Königs Georg III. (geb. 22. Mai 1770) seit 7. April 1818 mit dem 1820 an die Regierung gekommenen Landgraf Friedrich VI. vermählt war. In vielen Zeitungen ist eine Verwechselung mit der Landgräfin Anna Elisabeth von Hessen-Cassel, Gattin Wilhelms VI., welche zurzeit des 30- jährigen Krieges lebte, vorgekommen. Bei dem unfreundlichen Wetter der letzten Zeit, welches wie überall auch hier eine zweite Auflage der Eisheiligen brachte, hatte die Kurdirektion wiederholt im Kurhaustheater Opern- und Operettenvorstellungen vom Großherzogl. Hoftheater in Darmstadt, sowie von den Residenztheatern in Frankfurt und Wiesbaden veranstaltet. Namentlich die Erstgenannten erfreuten sich außer eines regen Zuspruches außerordentlichen Beifalles, so daß auch demnächst eine Wiederholung des Ensemble-GastspieleS aus Darmstadt mit bewährten Kräften stattfinden wird. In dieser Woche wird auch das wegen ungünstiger Witterung vom letzten Freitag verschobene große Saisonfest mit zwei Militärkavellen, Beleuchtung und Feuerwerk zur Ausführung kommen. — Die Bewohnerinnen von Schloß Friedrichshof, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und die Kronprinzessin von Griechenland, bekanntlich zwei Schwestern des Kaisers, treffen zu fast allen größeren Veranstaltungen hier ein. So beehrten die Herrschaften kürzlich einen Wohltätigkeitstee am Elisabethen- Baum mit ihrem Besuch, folgten einer Einladung der Frau Landrat Dr. von Marx zum Tee, sagten den Besuch zu dem heutigen Kirchenkonzert in der Erlöser- kirche zu und werden am Mittwoch in dem unter dem Protektorat der Prinzessin Friedrich Karl stehenden Viktoria- Pensionat im benachbarten Dornholzhausen einen Wohltätigkeitsbasar eröffnen. In nächstfolgender Woche, am 24. August, beginnt das Internationale Lawntennis-Turnier, welches die Herrschaft aus Schloß Friedrichshof mit ihrem Besuch, als
Monta« _______________ , welcher der Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe und Gemahlin, einer dritten Schwester des Kaisers, sowie die griechischen Prinzen erwartet werden, oftmals mit ihrem Besuch zu beehren pflegen.
Darmstadt, 15. Aug. Heute starb im Alter von 86 Jahren Geheimrat Dr. Schäfer, früher Professor der Chemie an der Technischen Hochschule in Darmstadt.
FC. Friedberg (in Hessen), 16. Aug. Eine vom Bürgermeister in Kaichen dorthin einberufene Versammlung, dir auch au» der Umgegend gut besucht war, ReichStagsabg. Graf O r i o l a war auch anwesend, sprach sich für die Errichtung einer Güterladestelle an der Haltestelle Erbstadt- Kaichen auS.
Z. Hirschhorn am Neckar, 15. August. Einen grausigen Fund machte man vorgestern in den Waldungen bei Strümpfelbrunn. Beim Absuchen eines angeschossenen Hirsches entdeckte nämlich Gemeinderatsmitglied Ihrig im Dickicht einen Totenschädel. Die hierüber verständigte Gendarmerie stieß dann unweit der Fundstelle auf ein menschliches Skelett, bei welchem ein Revolver, ein Portemonnaie mit 30 Pfennig Inhalt und einige verwitterte Stoffreste lagen, deren Farben noch erkennbar waren. Der Totenschädej zeigte an der rechten Seite einen Schuß. ES handelt sich hier offenbar um einen unbekannten Lebensüberdrüssigen, der im abgelagerten WalbeSdickicht durch eine Revolverkugel seinem Erdenwallen ein jähes Ende setzte und eine Beute des Raubwildes wurde. Nach Ansicht Sachverständiger dürfte die Leiche längere Zeit im verborgenen Dickicht gelegen haben.
Drahtnachrichten
Die Vorgänge in der Türkei.
Konstantinopel, 16. August. (Wiener Korr.-Bureau.) -In Tachydromos kam es gestern zu einer großen Kundgebung gegen den griechischen Metropoliten von Adrianopel, wodurch dieser zur Demission gezwungen wurde. Auch gegen andere Metropoliten werden derartige Kundgebungen vorbereitet.
Konstantinopel, 16. August. Der Kriegsminister Marschall Reschid Pascha ist plötzlich gestorben.
Bundestag deutscher Zimmermeister.
Essen, 16. Aug. Auf ein heute nachmittag anläßlich des fünften Bundestages deutscher Zimmermeistcr an den Kaiser abgesandtes Huldigungstelegramm traf abends folgende Drahtantwort ein: „Seine Majestät der Kaiser und König lassen für den freundlichen Gruß bestens danken. Auf Allerhöchsten Auftrag : Geheimer Kabinettsrat Valentini".
Interpellation.
Paris, 17. Aug. Der Deputierte, Admiral Bienaimè, richtete an den Marineminister ein Schreiben, in welchem anläßlich des Unglücks an Bord der „Courenne" eine Interpellation über den Wert der für Lagerzwecke angefertigten Gefechtsmunition der Marine angekündigt wird.
Naturtheater.
Paris, 17. August. Der Versuch, Richard Wagners „Siegfried" unter freiem Himmel mit waldigem Hintergrund zu geben im Naturtheater von Canterat, ist mit vorzüglichem Erfolg ausgeführt worden. Den Siegfried sang in deutscher Sprache Herr Stolzenberg aus Wien.
Die Lage in Marokko.
Paris, 16. Aug. Ueber die Kämpfe des Kaids Mtugi gegen die hasidischen Mahallas wird weiter gemeldet: Mtugi verfolgte den Feind bis zehn Kilometer vor Marrakesch. Er erbeutete Zelte, Geschütze, Pferde, Waffen und Munition. Die Hafidisten hatten 300 Tote und 500 Verwundete. Ihr Führer, El Glaui floh in die Berge. Sämtliche Stämme stellten Mtugi Mannschaften. Von Marrakesch sind 300 Mann mit sechs Geschützen unter der Führung des Sohnes El Glauis gegen Mtugi aufgebrochen.
Casablanca, 16. Aug. Nach den letzten Nachrichten soll Abdul Asis bei Raselam, drei Tagemärsche von Marrakesch entfernt, stehen und von den dortigen Stämmen gut ausgenommen worden sein.
Paris, 17. Aug. Aus Oran wird gemeldet, daß die französischen Posten Budenib Buanana in Erwartung der etwa 20 Kilometer von Budenib entfernten Harka Verstärkungen erhalten und zwar eine Schwadron Spahis und eine Kompanie Schützen. Die Artillerie aus Gomb-Pechar wird in Budenib erwartet, sodaß man dann über vier 75 mm-Geschütze und vier Bergkanonen verfügen wird.
Aus Persien.
Paris, 17. Aug. Der hiesige persische Gesandte, Mirza Samad Chan, veröffentlich eine Erklärung, nach welcher man mit gewissen, aus Teheran hierher gelangten Depeschen, angeblich offiziellen Ursprungs, starkes Mißtrauen haben müsse. So sei die Meldung, der zufolge der Schah die Abberufung Mirza Samad Chan genehmigt habe, zweifellos falsch. Noch vor einigen Stunden habe er vom Minister des Auswärtigen den Auftrag erhalten, Professoren für Persien anzuwerben, eine Aufgabe, die längere Zeit beanspruchen werde.
Teheran, 16. Ang. (Petersb. Telcgr.-Ag.) Der Schah unterzeichnete die Demission des Gesandten in Paris, Mirza Samand Chan, dessen Bruder in der französischen Gesandtschaft in Teheran Zuflucht gesucht hatte.
Zeppelin.
Hohenschwangau, 16. Aug. Der Prinzregent überwies dem Reichskomitee für die Z e p p e l i n s p e n d e 5000 Mark.
Grenzstreitigkeiten.
Urmia, 15. August. (Petersb. Telegr.-Ag.) Die Kurden erklären sechs Dörfer der westlichen Teile von SalmaS für ihren Besitz. Eine tatsächliche Besetzung der Orte erfolgte bisher noch nicht, den Bewohnern wurde aber die Einbringung der Ernte ohne Erlaubnis der Türken untersagt. Im Chanat Makn besetzten die Türken sechs Dörfer. An verschiedenen Punkten überschreiten die Türken die Grenze. Im Bezirk Ensel erschien der Kurdenbey Amoraga und forderte die Bevölkerung unter Androhung der Ankunft Javer Paschas auf, türkische Untertanen zu werden. — Nun sind die fast zwei Monate währenden Arbeiten der gemischten türkisch-persischen Kommission ergebnislos verlaufen. Die
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Kommissare können sich nicht einigen, welche Verträge bie Grundlage der Verhandlungen bilden sollen.
Begnavigt
Berlin, 16. August. Der Schuhmacher Wilhelm Voigt, der sogenannte Hauptmann von Köpenick, ist plötzlich begnadigt und aus der Strafanstalt in Tegel heute entlassen worden, nachdem er von den vier Jahren, zu denen er seinerzeit verurteilt worden war, zwanzig Monate bei vorzüglicher Führung verbüßt hatte.
Begrüßung.
Paris, 17. Aug. Mehrere Blätter verbreiten da» Ge< rücht, daß am 6. September zu der italienischen Beemanövrr- revue von Spezia ein Teil des französischen Mittelmeecge- schwaders erscheinen werde, um den König Viktor Emanuel zu begrüßen.
Wahlen.
Maeon, 16. Aug. Der Deputierte Sarrien, der versck iedentlich Minister und 1906 Ministerpräsident war, wurde zum Senator gewählt.
Internationale Ballon-Wettflüge.
Berlin, 17. August. Für die internationalen Ballon- Wettflüge, die am 10. und 11. Oktober gelegentlich bei Gordon-Bennet-RennenS der Lüfte von der Gasanstalt Berlin-Schmargendorf aus stattfinden, sind über 70 Ballon» genannt.
Bankett
Cambrai, 16. Aug. Auf einem Bankett zum Schluß eines Festes der Turnvereine, die er zu weiterer patriotischer Tätigkeit ermutigte, sprach Kriegsminister Picquart über den Wert des inneren wie des äußeren Friedens für daS Land und die Arbeit der Demokratie. Er huldigte den Truppen, die, in Hingabe und Disziplin bewunderungswürdig, immer von neuem die Achtung vckr den Gesetzen sichern hülfen. Die Theorien der Unzufriedenheit dürften nicht in die Kasernen bringen. Die Regierung muß den Folgen vorbeugen, fügte er hinzu, welche aus der aufreizenden Sprache professioneller Agitatoren entstehen können. Seine Pflicht könne schmerzlich für ihn sein, er werde sie aber mit Energie und in der Ge> wißheit erfüllen, alle Republikaner auf seiner Seite zu haben, die nicht die Freiheit mit der Anarchie verwechselten und bii wüßten, daß Unordnung nur der Reaktion dienen könne.
Zusammenstoß.
Berlin, 17. August. Der „Berl. Lok.-Anz." meldet: Auf den Geleisanlagen zwischen den Bahnhöfen Lichtenberg- Friedrichsfelde und Rummelsburg ereignete sich ein Zusammenstoß leerer Güterwagen mit einer Rangiermaschine. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Der Materialschaden aber ist erheblich.
Paris, 17. August. Der neue Torpedojäger „Fanion" erlitt bei La Rochelle durch einen Zusammenstoß mit einem andern Schiffe eine schwere Beschädigung.
Die Probe bestanden.
New-York, 17. Aug. Der Lenkballon von Baldmin be» stand die Proben und wurde von der Regierung abgenommen. Das Luftschiff fuhr 32 Kilometer bie Stunde.
Gesunken.
Lueffant, 17. Aug. Der österreichische Dampfer „Hero", der auf Grund geraten war, wurde gestern abgebracht, ist aber bald darauf infolge der erlittenen Beschädigungen gesunken. Die Mannschaft ist gerettet.
Nicht erfolgreich.
Berlin, 17. Aug. Das „Berliner Tagbl." meldet: Det Lustschiffer Farman verließ Amerika nach einer wenig erfolgreichen Tournee.
Ueber Borv.
Dresven, 17. Aug. Die „Dresdener Morgenblätter" meiden aus Riesa : Auf dem Dampfer „Habicht" stürzte bei Heizer Rudolf Sieber aus Dresden über Bord auf baS Schaufelrad und verschwand in den Fluten, seine Leich« würd« nicht gesunden.
Gegen die Forstschädlinge.
Dresden, 17. Aug. In den Stadtsorsten von Saugert wurden bis jetzt ungefähr 10 Millionen Nonnenfalter und Raupen durch Absuchen seitens Schulkinder und Waldarbeiter gesammelt und vernichtet.
Auf Grund geraten.
Victoria (Britisch Columbia), 16. August. Der amerikanische Kreuzer „Colorado" ist bei Nebel bei der Insel Whidbey auf Grund geraten; baS Schiff befindet sich in gefährlicher Lage.
Victoria (Britisch Columbia), 16. August. Der amerikanische Kreuzer „Colorado", der bei der Whidbey-Jnsel auf Grund geraten war, ist, ohne Schaden genommen zu haben, wieder flott geworden.
Katholikentag.
Düsseldorf, 16. Aug. Abends fand in der Festhall« die Begrüßungsfeier der Generalversammlung statt. Sine nach vielen Tausenden zählend« Menschenmenge füllte bie weite Halle. Der Vorsitzende des Lokalkomitees, Landesrat Adams-Düsseldorf begrüßte die Versammlung. Redner dankte auch der Presse. Er habe ein Interesse daran, daß das, was hier geschieht, in weiter Welt bekannt wird. DaS fördert den konfessionellen Frieden. Getreu diesig Tradition werde hier nichts geschehen, was Andersgläubig verletzen könnte. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Papst und den Kaiser. Oberbürgermeister Max-Düsseldorf begrüßte hitrauf namens der städtischen Behörden und Bürgerschaft bie Versammlung. Ein Franziskaner aus Brasilien überbracht« bie Grüße der dortigen Katholiken. Domkapitular ThomanS» Prag übermittelte die Gruße der Katholiken Böhmens.
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