17. August
Montag
_____________________________________ Sette 8
Hus k^anau Stadt und Eand,
^auau, 17. August.
VerbanMag der deutschen Kriegsveteranen.
Zn den gastlichen Mauern der Stadt Hanau wurde in den letzten Tagen, Samstag und Sonntag, der Verbandslag der deutschen Kriegsveteranen abgehalten, der lebhaft an die große Zeit 1870/71 erinnert, da die Teilnehmer der Tagung sich wohl ausschließlich zusammensetzten aus Mitkämpfern in jenem ereignisvollen Feldzuge. Die Straßen der Stadt prangten in schönem Flaggenschmucke, um auch äußerlich zu bekunden, daß Hanaus Einwohnerschaft die Männer nicht vergessen wird, die mit hinausgezogen sind, um Deutschlands Einheit und Macht zu begründen. Nachstehend lassen wir den Verlauf der einzelnen Veranstaltungen folgen:
Delegiertensitzung.
Samstag nachmittag von 4 Uhr ab fand eine Delc- giertenversammlung im „Deutschen Hause" statt, der auch der Gönner und Förderer der Veteranensache im Reichstage, Graf Oriola zu Büdesheim, anwohute. Der 1. Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Kriegsveteranen, Herr Arndt- Halle a. S., eröffnete die Delcgiertenversammlung mit einer Begrüßungsansprache, brachte ein Hoch aus auf den Kaiser und die Bundesfürsten und bewillkommnete dann mit herzlichen Worten den anwesenden Reichstagsabgeordneten Grafen Oriola, dem der Verband vieles zu verdanken habe. Graf Oriola dankte für die ihm gewordene Begrüßung in längerer Ausführung. Von Anfang an, seitdem er in den Reichstag getreten sei, habe er es für seine Pflicht gehalten für die Veteranen zu sorgen und auch jene nicht zu vergessen, die kaum äußerlich sichtbare Wunden davongetragen, aber doch unter den Strapazen gelitten haben, die man davor bewahren sollte, der allgemeinen Armenpflege anheimzufallen. Wenn auch so manches nicht erreicht, so müsse man doch ehrlicherweise zugestehen, daß recht viel erreicht worden sei. Im Verlaufe des letzten Jahrzehntes sei für die Verbesserung der Lage der Kriegsveteranen wesentliches getan worden, die Kriegsteilnehmerbeihilfen würden jetzt an 180 000 Veteranen gezahlt. So lange er dem Reichstage angehöre und so lange es noch etwas zu tun gebe im Interesse erreichbarer Forderungen, werde er auch für die Veteranensache eintreten. Nochmals für die freundliche Aufnahme dankend, wünschte er, daß die nachfolgenden Beratungen zum Segen der alten lieben Kameraden gereichen möchten. Der Verbandsvorsitzende Arndt- Halle a. S. erstattete nunmehr den Tätigkeit- und Geschäftsbericht über das verflossene Jahr. Die Zahl der Toten des Verbandes habe im abgelaufenen Jahre 256 gegen 226 im Vorjahre betragen. In der Natur des menschlichen Laufes läge es, daß eine allmähliche Steigerung eintreten müsse, da die Mitglieder des Verbandes sich ja so nach und nach der Grenze des Lebens immer mehr näherten. Mit Wehmut werde der dahingegangenen treuen Kameraden gedacht, möchten die Lebenden ebenso in Treue ausharren, bis auch sie dereinst zur großen Armee abberufen würden. Mit Genugtuung wird der Zugang von fünf Ortsgruppen verzeichnet, dem der Abgang zweier Ortsgruppen gegen» übersteht. Immerhin ist aber die Gcsnmtmitgliederzahl etwas geringer geworden, da die Neuzugänge den Abgang durch Tod und Ausscheiden doch nicht ganz weitzumachen vermochten. Nach Entgegennahme des Berichts der Kasscnprüfer wurde dem Rechner Entlastung erteilt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder O. Dorl- Greußen, L. Hartenstein - Dresden und G. Ruben - Borbeck wurden wiedergewählt. Nunmehr wurde in die Beratung der vorliegenden Anträge eingetreten. Der Zentralvarstand beantragte die Vermehrung der Zahl der Vorstandsmitglieder von 9 auf 10, der Antrag wurde angenommen und als neues Vorstandsmitglied Jul. Frühauf-Breslau gewählt. Ein weiterer Antrag des Zentralvorstandes ging dahin, an den Reichstag eine Petition zu richten, die Untcrstützungsbedürf- tigkeit der Kriegsteilnehmer noch bei einem jährlichen Einkommen von 900 Mk. anzuerkennen und von ärztlicher Untersuchung gänzlich abzusehen. Dieser Antrag wurde einhellig angenommen. Reichstagsabgeordneter Graf Oriola erläuterte unter großem Beifall und allgemeiner Zustimmung den von ihm mit Unterstützung politischer Freunde im Reichstage ein« gebrachten Gesetzentwurf über die Veteranenfürsorge, der die in der Petition niedergelegten Wünsche erfüllt und weitergehend noch verschiedene Verbesserungen enthält. Zur Deckung ber entstehenden Ausgaben hat Graf Oriola die Einführung einer Wehrsteuer beantragt, mit der er sich auch in der Delegiertensitzung beschäftigte. Durch die Annahme des Zentralvorstands-Antrages wurden ähnlich lautende Anträge verschiedener Ortsgruppen hinfällig. Eine Anfrage der Ortsgruppe Lanban, wie sich der Verband zu den Chinakriegern stelle, wurde dahingehend beantwortet, daß eine Aufnahme derselben nicht erfolgen könne, da der Verband nur die Teilnehmer aus den Feldzügen 1848—1871 umfasse. Die Aufnahmefähigkeit von Beamten, welche dienstlich in den Feldzügen tätig waren, wurde bejaht. — Die nächstjährige Generalversammlung soll in Lanban (Schlesien) stattfinden. — Hiermit war die Tagesordnung erschöpft. Zum Schlüsse wurde noch dem Grafen Oriola ein Hoch dargebracht, was dieser damit quittierte, daß er sein Glas auf das Wohl der alten Soldaten leerte, die wohl in ernster Zeit nicht mit hinauszichen könnten, aber durch ihr Verhalten, ihren Geist die jüngere Generation zu neuen Taten ermuntern würden. Der Verbandstag schloß mit einer sinnigen Ehrung des Andenkens Bismarcks, des früheren Verbands - Protektors und Ehrenmitgliedes.
Kommers.
Am Samstag abend fand im „Deutschen Hanse" ein Degrüßungskommers statt, der der Freunde und Gönner so viele herbeigeführt, daß in dem weiten Saale nur mit Mühe umii «in mi Huchen auskindia iu machen war. Die kiesige
Ortsgruppe des Veteranenverbandes hatte für ein Programm Sorge getragen, dem man mit gittern Gewissen das Prädikat „vorzüglich" zuerkennen darf. Vorzüglich war die Auswahl der einzelnen Darbietungen, vorzüglich war die Ausführung und vorzüglich war demgemäß auch die während des ganzen Abends herrschende Stimmung. Den Reigen der Begrüßungsansprachen eröffnete der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Kamerad B r u ch l o s, der einen kurzen historischen Rückblick auf die Entwicklung des Verbandes warf und die Erschienenen im Namen der Hanauer Veteranen herzlich willkommen hieß. Sein Wunsch, die Gäste möchten einige vergnügte Stunden un Kreise der alten Veteranen verleben, ging, wie wir ja oben schon angedeutet, voll in Erfüllung. Herr Erster Beigeordneter Hild überbrachte das Willkommen der Stadt Hanau, erinnerte an die große Zeit, in der Deutschland zu einem geeinten Reiche zusammengeschmiedet wurde, würdigte die Bestrebungen des Verbandes Deutscher Kriegsveteranen und den Zweck der hiesigen Zusammenkunft, erinnerte daran, daß man hier auf historischem Boden sich befinde, gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Verhandlungen des Verbandes von Erfolg begleitet sein mögen und schloß mit einem Hoch aufden Verband deutscher Kriegsveteranen, das von den Anwesenden lebhaft ausgenommen wurde. — Sodann ergriff das Wort Herr Lehrer Schnell zu folgender Festrede:
Sehr geehrte Herren! Kameraden! Wenn wir uns in dieser schönen Feierstunde im Geiste über Berg und Tal dorthin versetzen, wo Deutschlands Berge sich in die weite norddeutsche Ebene verlieren, wo aus den gesegneten Gefilden der goldenen Aue der sagenumwobene Kyffhäuser sich erhebt, von welchem jetzt ein mächtiges Denkmal, das alte und junge Soldaten Wilhelm dem Großen errichteten, weit in die Lande schaut, so gedenken wir beim Anblick dieses herrlichen Kunstwerkes unwillkürlich des alten Volksglaubens, nach welchem in diesem Berge Kaiser Friedrich Rotbart der Wiedererstehung des deutschen Reiches und der deutschen Macht entgegenschlummert. Wir werden uns bewußt, daß in der Sage vom Barbarossa sich die große Sehnsucht des Volkes nach nationaler Einigung, nach der alten Machtstellung des Deutschtums aussprach und denken ferner daran, daß der Glaube an zukünftige Größe und die Hoffnung auf Wiederkehr dec früheren Macht das deutsche Volk aufrecht erhielt und es dazu befähigte, seinen deutschen Nationalcharakter auch während der Zeit schmachvollster Fremdherrschaft treu zu bewahren. Dieser Glaube ging in hohen Wogen, als 1813 die mächtige Erhebung gegen den französischen Eroberer losbrach und alle Fremdherrschaft in den Befreiungskriegen mit eisernem Besen aus dem Lande hinweggefegt wurde; er erfüllte 57 Jahre später die Herzen, als Frankreich, der ewige Störenfried und ausgesprochene Erbfeind deutscher Einheitsbestrebungen, die Gelegenheit eines Krieges mit Preußen vom Zaune brach. Wie ein Gewittersturm erhob sich da das deutsche Volk in geschlossener Einigkeit. Wie öffnete da Friedrich Rotbart weit die Augen l Nicht Preußen, nein, ganz Deutschland im Kampf gegen den Erbfeind. Mit wildem Ungestüm drang es über den Rhein und wo es mit dem Feinde zusammentraf, da heftete sich der Sieg an seine Fahnen. Und ob an die ersten scharfen Zusammenstöße sich dann später ein lange dauernder Kampf anschloß, der die ganze deutsche Zähigkeit und Tüchtigkeit in Anspruch nahm, ob die Augustsonne versengend auf die Marschkolonnen herabbrannte und die Kehlen der todesmutigen Streiter auStrocknete, oder ob später Schnee und Eis im harten Winterfeldzug fast unüberwindliche Schwierigkeilenbereiteten, ob dieHeeresteile vollzählig mit allen Führern indieSchlachten zogen, oderzusammengeschmolzene Bataillone nach gewonnenem Siege sich um ihre im Kampf zerfetzten Feldzeichen sammelten, immer war der Heldenmut derselbe, unvergleichlich die Entschlossenheit, das schwere Werk zu siegreichem Ende zu führen. Die Erinnerung an diese gewaltige große Zeit wird alljährlich im deutschen Volke lebendig, wenn der Name „Sedan" wie ein heller Freuden- blitz das weite Reich durchzuckt, sie wird ganz besonders bei uns und in uns lebendig in dieser erhebenden Weihestunde, welche die Vertreter der Veteranen Alldeutschlands zu ernstem und fröhlichem Gedankenaustausch vereinigt im Kreise alter und junger Kameraden. Ein heißes Dankgefühl wallt in uns auf für die teueren Kameraden, welche 1870 mit Gott für König unb Vaterland das Schwert gezogen, die todesmutig ihr Leben üeßen für des Vaterlandes Ehre. Wie haben wir schon als Jungen ehrfurchtsvoll zu den Männern emporgeblickt, die auf ihrer Brust an schwarz- weiß-rotem Bande die Denkmünze aus erobertem Kanonenmetall trugen als Wahrzeichen gemeinsam bestandener Strapazen. Wie gerne ließen wir uns in der Bewunderung der alten Griechen und Römer ablösen durch die Verehrung und Hochachtung unserer vaterländischen Helden, die deutschen Mut, deutsche Tapferkeit und deutsche Ausdauer wieder zu Ehren brachten. Wie war unsere fröhliche Jugendstimmung arg gedrückt, wenn mit umflorter Fahne ein Veteran der Ewigkeit übergeben wurde, wie stammte und blitzte es aber auch auf im Auge der Spielgefährten, wenn die drei Salven dem Geschiedenen letzte Grüße nachdonnerten! Ja, verehrte Kameraden und Veteranen, im Herzen der deutschen Jugend haben Sie eine bleibende Wohnstätte gefunden, wo Sie sorgsam gehütet und hochgeachtet werden. Aber nicht nur die deutsche Jugend, sondern auch das gesamte deutsche Volk ist stolz auf seine Helden aus glorreicher Zeit und es ist auch uns eine herzliche Freude und Ehre zugleich, mit Ihnen zusammen jetzt feiern zu bürfen. Die Erinnerung an das, was Sie dem Vaterland geleistet, erfüllt und pâckt in hehrer, heiliger Begeisterung unsere Seele. Festgesänge und Jubelgrüße schallen Ihnen zu Ehren durch diese geschmückten Räume. — Leis mahnend pocht es aber auch im Herzen: „Vergiß die treuen Toten nicht!" Nun, für den menschlichen Geist gibt es nicht Schranken des Raumes, der Zeit, und schon weilen wir da, wo die Bogefentanne auf steiler Höh ernst gen Himmel ragt wo die Erzgestalt des Siegers von Wörth hoch zu Noß' die Totenwächt hält für seine gefallenen Sieger. Wir sehen uns auf der Esplanade von Metz vor dem Denkmal Wilhelms des Großen und schauen mit ihm tief ergriffen auf die Stätten, wo Deutschlands schönste Zier in den Tod sank. Wir wandern an all den anderen zahllosen einsamen Grabhügeln vorbei, wo die guten Kameraden ruhen, die es weggerissen hat von der Seite treuer Freunde. Wir schmücken ihre Arme mit dem Eichenkranz.
Wir nehmen den Hut ab zu ernstem Gedenken, zu stillem Gebet. — Doch nun zurück zum Leben und zu den Lebenden. Wir leben in einer großen ernsten Zeit. Schwierige Aufgaben harren ihrer Lösung. Teutsche Waffen haben geglänzt, deutsche Ehre ist gewahrt worden in China, in Afrika. Mächtig blühen Handel, Wissenschaft und Technik. Der Name des deutschen Veteranen Zeppelin ist staunend und ehrfurchtsvoll von den Lippen der Menschen ge» kommen, die den Erdenball bewohnen, und die weite, weite Welt muß in diesen Tagen Notiz davon nehmen, wie die Deutschen ihren Grundsatz: Einer für alle, alle für einen", praktisch auslegen und schandernd haben unsere Feinde es gemerkt, daß deutsches Nationalbewußtsein noch nicht erschüttert, sondern hochentwickelt ist zu einem mäch- tigen Baum mit breiten, sturmtrotzigen Aesten. — Alles Große aber in der Welt hat seine Gegner und Neider. DaS haben wir Deutsche in der Zeit nach dem EinigungS- kampf wiederholt erfahren, und in der Tat, nie haben Staatslenker so oft und w ernstlich mit dem Ausbruch von Kriegen rechnen müssen, wie in den hinter uns liegenden Jahren, und auch imJahr«1908 ist nicht nur von nervösen Leuten gefragt worden: Gibt es Krieg? Darum auf die Posten! Ihr Vaterlandsfreunde in Stadt und Land. Klar im Geist, Mut im Herzen der Zukunft ent» gegengeschaut. Vor allen Dingen dürfen wir den Traum vom ewigen Frieden nicht mitträumen, den zu erreichen die Friedensligisten sich zum Ziel gesetzt haben und für welchen sie eifrig Propaganda machen. So sehr man auch vom Standpunkt rein menschlichen Empfindens die Bestrebungen der Friedensliga sympathisch begrüßen kann, so wäre es doch entschieden verhängnisvoll, wollte man sich ganz dem Einfluß der Friedensagitation hingeben. Mag man mit, sentimentaler Klage den Krieg als blutige Geißel der Menschheit verdammen oder ihn mit philosophischer Ruhe als Naturgesetz betrachten — für uns Soldaten steht fest: Nie und nimmer lassen sich Blut und Lisen ersetzen durch Gänsekiel und Galläpfelsaft. „Das letzte Heil, daS höchste liegt im Schwerte!" Darum protestieren wir gegen den Teil der Friedensagitation, welcher darauf ausgeht, durch eine systematisch groß zu ziehende Furcht vor den Greueln und Grausamkeiten des Krieges unsere männliche Jugend mattherzig zu machen und ihr nur pessimistische Ideen über den Krieg einzuimpfen. Es ist eine direkte Grausamkeit, in den Friedensschriften jeden SiegeSruf mit dem Aechzen und Stöhnen der Verwundeten zu ersticken, ein blutiges Gemälde nach dem andern — aller erhabenen Momente beraubt — vor den schaudernden Blicken zu entrollen. Wenn das unabwendbare Geschick den Jüngling ins Feld ziehen heißt, dann soll er nicht mehr den Streiter ums Vaterland in sich sehen, nein, die Friedensmänner haben ihn bereits zum Schlachtopfer gestempelt, und so gleicht die Friedensbewegung in gewissem Sinne einem sich ordnenden Leichenzuge, der sich anschickt, die Ideale unserer männlichen Jugend: Mut, Tapferkeit, nervenstarkes AuS- harren, zu Grabe zu geleiten.
Demgegenüber erwächst besonders uns Soldaten im Bürgerrock die ernste Pflicht und Mahnung: Erlöscht nicht das Feuer der Begeisterung in den deutschen Jünglingen, damit, wenn es doch einmal gilt — sie leuchtender Stirne, kampfesmutig hinausziehen mit Körners unsterblichen Worten auf den Lippen:
Du Schwert an meiner Linken, . Was soll dein heitres Blinken? - .' Schaust mich so freundlich an, ' ■
Hab meine Freude dran!
„Mit Gott für König und Vaterland" haben unsere Väter und Brüder gekämpft und gesiegt. Gottvertraueu, Kaiser- und Fürstentreue, Vaterlandsliebe bilden das Dreigestirn, welches auch uns den dunkeln Pfad der Zukunft erhellt.
Gottvertraueu! zu allen Dingen nütze. Ohne Gottvertrauen keinen inneren Frieden, kein wahres Glück. Gottvertrauen! Der höchste Schmuck des Kaisers wie der Bettlers, des zitternden Greises wie des KindeS, das seine ersten Gebete lallt. Gottvertrauen! Der Quell aller Kraftentfaltung auf jedem Gebiet des Lebens.
Kaiser- und Fürstentreue ! Wer kennte sie nicht, biefe hellstrahlende deutsche Perle. Fürstentreu« — dem deut- schen Volke von jeher charakteristisch — und Gottvertrauen sind in schwerer Zeit die festesten Bollwerke deS Staates! Unsere vaterländische Geschichte bietet hierfür Beispiel« ohne gleichen, insbesondere aber auch unsere herrlich« Kriegslyrik, in der sich auf dem festen Grunde innerer Wahrhaftigkeit tiefste Religiösität mit flammender Begeisterung für das angestammte Fürstenhaus verbindet.
• Liebe zum Vaterland! O du herrliches, deutsche» Reich, du Kleinod, errungen im heißen Ringen auf blutigen Schlachtfeldern, wir lieben dich, heiß und innig, mit ganzer Kraft, nicht in Worten nur und Liedern, sondern auch in Kampf und Not und Streit.
Kameraden I Mit Gott für Kaiser und Reich! Da» sei die Devise, mit welcher wir im Frieden, ein jeder in seinem Beruf, arbeiten und wirken wollen. Mit Gott für Kaiser und Reich ! Das sei uns Feldgeschrei im Kampf um unsere heiligsten Güter gegen jeden Feind in schwerer Kriegszeit.
_ Diesem Gelübde verleihen wir Ausdruck, indem wir rufen: Unser herrliches, heißgeliebtes Vaterland lebe hoch! hoch! hoch!
Anschließend an das Hoch, daS begeisterten Widerhall int Saale fand, wurde Deutschland, Deutschland über alles stehend gesungen. Kamerad Dorl-Greußen (Thüringen) überreichte im Auftrage einiger Ortsgruppen des Verbandes dem verdienstvollen Vorsitzenden desselben, Herrn Stadtrat Arndt, der nunmehr 10 Jahre lang die Geschäfte des Verbandes leitet, anläßlich dieses Jahrestages einen silbernen Pokal. Redner ging in längeren Ausführ-ungen auf die im Jahre 1894 in Leipzig erfolgte Gründung des Verbandes und auf die Tätigkeit desselben ein, schilderte die Schwierigkeiten, die sich anfangs einer gedeihlichen Entwicklung entgegenstellten, bis schließlich Herr Arndt das Steuer in die Hände nahm und das Verbandsschiff sicher und erfolgreich vorwärts lenkte. Die überreichte Ehrengabe möge der Jubilar als ein Zeichen der Liebe und Anhänglichkeit der Kameraden betrachten Der Gefeierte dankte für die Gabe und gleichzeitig für alle dis Ehrungen, die dem Verbände hier zu teil geworden sind, dein Vertreter der Stadt sowie den anderen Rednern des Abends, und drückte insbesondere seine Freud« über die reich« Beflaggung der hiesigen Straßen aus, wodurch die fremdsA