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Hanauer D Anzeiger

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»«Ichährlich 1,80 M., m»«aüich 60 Pfg., für attfr mittige Abonnenten mit dem büreffmden Pestrufichla-, Die einzelne Nummer testet 10 ^g.

General-Anzeiger

m^^abm^ und Verlag der Buchdruckerei bei Betritt.

Amtliches Organ fit SW und Landkreis Sanaa.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- mrd Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 191 gggsngtsgg

Fernsprechaitschlittz Nr. 605

Montag den 17. August

Fernsprechanschlittz Nr. 605.

1908

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Zwecks Umpflasterung wird die Nürnbergerstratze zwischen Marktplatz und Rosenstraße vom 17. d. Mts. ab auf die Dauer von drei Wochen für den drtrch- gehenden Fuhrverkehr gesperrt.

Hanau den 14. August 1908.

Königliche Polizei-Direktion.

P 8524 I. V.: Siemon, Reg.-Affessor.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 40 Pfg.

Hanau den 17. August 1908.

politiTcbe RundTcbau.

Halbamtliches zur Neichsfinanzreform. Die Nordd. Allg. Zig." schreibt am Samstag in ihrenRück­blicken" :Die letzte Woche brachte, in der Presse wiederum allerhand sich widersprechende Mitteilungen über die einzelnen Steuerentwürfe anläßlich der Reichsfinanzreform. Auf Wein-, Inseraten-, Elektrizitätssteuern, Veredelung der Matrikularbeiträge und anderes mehr wurde geraten und von anderer Seite daran erneut der Wunsch nach Veröffent­lichung geknüpft. Aus den wiederholt dargelegten Gründen muß von einer solchen zur Zeit abgesehen werden. Die verbündeten Regierungen werden die Vorlagen zum Beginn der parlamentarischen Kampagne veröffentlichen, und es wird damit zu einer mehrmonatigen eingehenden Dis­kussion in Parlament und Presse Zeit und Spielraum ge­geben sein. Nichts ist falscher, als die Annahme, mit den neuen Steuergesetzen sollte, der Reichstag, oder sollten die deutschen Steuerzahler überrumpelt werden; im Gegenteil, eine möglichst gründliche Behandlung der Finanzfragen liegt im allgemeinen vaterländischen Interesse. Halbfertige einzelne Entwürfe aus dem Zusammenhang zu reißen und zu publi­zieren, ist aber niemals üblich gewesen und entspricht auch kaum dem Ernst der Lage. Werden aber die Entwürfe selbst nicht veröffentlicht, so kann natürlich auch nicht jede neue Steuermeldung berichtigt werden. Denn daraus ent­steht eine halbe, mißverstandene Oeffentlichkeit, die in nie­mandes Interesse liegt. Aus dieser Reserve im Dementieren wird sich die Regierung auch dann nicht herauslocken lassen, wenn einmal eine lOOproz. Vermögenssteuer oder die Ent­eignung der Jsarwasserkraft von Reichs wegen gemeldet wird. . . Im übrigen wäre es völlig irrtümlich, zu glauben, daß die eingehende Beschäftigung der Oeffentlichkeit mit der Neichsfinanzreform, wie sie auch in derartigen Meldungen zum Ausdruck kommt, der Regierung etwa uner-

Feuilleton.

Win Ws« WtüWe NâAhMin.

Kopenhagen, 15. August. Das Komitee der Danmarks- Expedition erhielt aus Aalesund einen telegraphischen Aus­zug aus dem Bericht des Kapitäns Trolle. Die Expedition erreichte das Land am 12. August und ging auf der Koldc- weg-Jnsel, 76 Grad 20 Min. nördlicher Breite, an Land. Die Expedition ging darauf weiter nordwärts, bis sie auf undurchdringliches Packeis zwischen dem Kap Marie Walde­mar und der Orleanz-Jnsel stieß. Mit dem Schiffe wurde der 77. Grad 30 Min. nördlicher Breite erreicht und Station bei Kap Bismarck gemacht. Nach verschiedenen kleinen Ex­peditionen wurde am 28. März 1907 eine große Schlitten­expedition nach der Nordspitze Grönlands angetreten. Diese bestand aus 10 Hundegespannen in vier Abteilungen unter der Leitung Mylius Erichsens. Eine Abteilung erreichte den 80. Grad 13 Min. und nahm Karten über die große Insel­gruppe zwischen dem 78. und 79. Grad auf. Die zweite Ab­teilung erreichte den 80. Grad 40 Min. und machte beim 80. Grad Kartenaufnahmen. Die dritte Abteilung, unter Kochs Leitung, erreichte Kap Bridgman, 83 Grad 50. Min., fand dort den von Peary niedergelegten Bericht und machte Kartenaufnahmen von der Nordküste von Bearys-Land. Die dänische Flagge wurde gehißt und das Land, dem der Name Kong Frederik VIl.-Land" gegeben wurde, in Besitz ge­nommen. Mylius Erichsen ging westwärts durch den Peary- Kanal, Koch nordwärts. Später trafen sie sich bei der Mün­dung des großen Fjords wieder, den Mylins ErichsenDan- mark-Fjord" nannte. Koch kehrte darauf zu Schiff zurück. Mylius Erichsen wollte noch einige Tagereisen im Peary- Sanal weiterziehen, konnte dann aber nicht zurückkehren. Die Sommerzeit machte es augenblicklich unmöglich, ihm zu Hilfe zu kommen. Am 29. September wurde eine HilfSerpedition mit drei Scblittenabteilungen entsandt. Eine Abteilung kehrte am 2. November vom 80. Grad 13 Min. zurück, wo die Weiterfahrt durch offenes Wasser verhindert wurde. Im

wünscht wäre. Im Gegenteil diese sieht nichts lieber, als wenn immer und immer wieder das für unsere nationale Zukunft entscheidende Problem einer Herstellung der deutschen Finanzen erörtert wird. Die deutschen Finanzen haben bis­her darunter gelitten, daß sich die Allgemeinheit nicht hin­reichend mit ihnen beschäftigte, sich nicht um sie sorgte. Wenn dies durch die Kämpfe um die Finanzreform anders wird, wenn die Finanzen in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gestellt werden, kann dies der notwendigen Neu­regelung nur zugute kommen. Die Allgemeinheit muß ver­stehen, daß es sich bei der Reichsfinanzreform um mehr als die Interessen einzelner Erwerbszweige, daß es sich hier um die Zukunft deS Reichs, um eine nationale Frage allerersten Ranges handelt, die jeden einzelnen Deutschen angeht."

Der Zentralvorstand des Bundes vom Weitzen Kreuz für Deutschland hat den Freiherrn Waldemar von Starck aus Genf zu seinem Generalsekretär gewählt. Derselbe wird mit dem 1. Oktober d. Js. sein Amt in Berlin antreten und gleichzeitig die Leitung der Geschäftsstelle übernehmen.

Das Rettnngshaus zu Rengshausen ist als neues Glied zu den Anstalten Hephata bei Treysa hinzugekommen und in die für diesen Zweck dort errichteten stattlichen Neu­bauten verlegt worden. In Rengshausen verbleibt nunmehr das Burschenheim für schulentlassene Fürsorgezöglinge mit zirka 80 Zöglingen. Hephata selbst besteht nunmehr aus fünf Anstalten: dem Brüderhaus, der Erziehungs- und Pflegeanstalt für schwachsinnige und verkrüppelte Kinder, dem Männerkrankenhaus, der Arbeiterkolonie und dem Rettungshaus.

Dänische Deutschenhetze. Das DänenblattFlens- borg Avis" prophezeit, um seiner Deutschfeindlichkeit Aus­druck zu geben, seit Jahrzehnten in gewissen Zwischenräumen den Untergang des Deutschen Reiches für ein bestimmtes Jahr. Daß seine Prophezeiungen nie eingetroffen sind, hindert das irredentistische Blatt nicht, jetzt abermals mit einer solchen aufzuwarten, um die Hoffnungen derSüdjüten" auf eine nahe bevorstehende Lostrennung Nordschleswigs von Deutsch­land und seine Vereinigung mit demKönigreiche" lebendig zu erhalten. Zu diesem Zweck macht es jetzt ein Rechen­exempel auf, aus dem man männiglich ersehen muß, 'daß diesmal aber ganz sicher die Zertrümmerung des Deutschen Reiches im Jahre 1913 erfolgen wird. Und derartigen Un­sinn wagt ein Blatt mit ernster Miene seinen Lesern zu bieten, unter denen sich auch die intelligenteren Kreise der dänischen Bevölkerung der Nordmark befinden! Noch scham­loser ist es, wennFlensborg Avis" selbst beklagenswerte Unglücksfälle für irredentistische Demonstratiönchen benutzt. So jetzt den Tod der vier Mann von der Besatzung des kleinen KreuzersUndine", indem das Blatt bemerkt, daß November wurden die Depots nordwärts verstärkt, um Erich­sens Rückkehr zu sichern. Am 10. März 1908 ging eine neue Hilfsexpedition unter Koch ab. Diese Reise erschöpfte die letzten Kräfte der Expedition, indem von 28 Hunden die besten 20 eingingen und die besten Materialien zur Reise verbraucht würden. Auf dieser Reise fand man Brönlunds Leiche. Die Expedition hat im großen und ganzen ihre Auf­gabe programmäßig gelöst. Alle Ueberlebenden sind gesund.

In einem weiteren telegraphischen Bericht Trolls heißt es : Expeditionsleiter Mylius Erichsen, samt Hagen und Brön- lund trennten sich am 27. Mai 1907 am Pearykanal von Kochs Schlittenabteilung. Nachdem sie durch Kartenauf­nahmen bis Ende Juni aufgehalten waren, verhinderte Schneeschmelze ihre Rückreise. Sie waren gezwungen, den Sommer über 125 dänische Meilen vom Schiff entfernt zu bleiben, ohne Proviant und ohne Petroleum, lediglich auf ihr Jagdglück angewiesen. Infolge unergiebiger Jagd waren sie beim Beginn ihrer Heimreise am 19. Oktober, die sie mit vier Hunden antraten, entkräftet. Wahrscheinlich reisten sic auf kürzestem Wege über das Jnlandseis. Sie marschierten unter verzweifelten Verhältnissen unter Mangel an Proviant und Fußbekleidung. Durch zunehmende Dunkel­heit und Kälte wurden ihre Kräfte gebrochen. Ungefähr 40 dänische Meilen über das Jnlandseis vorgedrungen, suchten sie wahrscheinlich nach einem Ort, wo die Resultate ihrer großen Arbeit aufgefunden werden könnten. Sie wählten hierzu das Depot âuf 79 Grad. Mylius Erichsen und Hagen starben vor Erreichung dieses Zieles. Nur Bcönlund er­reichte den Depotplatz. Ec setzte das Testament auf und schrieb die letzten Berichte in§ Notizbuch. Darauf legte er sich resigniert mit der Büchse in der Hand nieder und erlitt den Tod durch Erfrieren. Aus dem Notizbuch geht hervor, daß Hagen am 5. November starb, Mylius Erichsen unge­fähr 10 Tage später. Brönlund ist begraben nwrben. Hagens und Erichsens Leichen waren bis dahin unauffindbar, da'alles mit meterhohem Schnee bedeckt ist.

Kopenhagen, 15. Aug. Heute abend ist ein Schlepper von hier nach Bergen abgefahren, um das Schiff der Dan- marks-Expedition, das heute in Bergen eingetragen ist, nach Kopenhagen zu schleppen.

die Opfer der Katastrophe sämtlich auS Deutschland stammen, mit anderen Worten: Unter den Verunglückten befindet sich keiner aus dem Herzogtum Schleswig, daS ja in Wirklich­keit nicht zu Deutschland gehört, sondern zu Dänemark.

Der englische Handelsrninister Churchill saate zu Anfang einer Rede, er sei erstaunt und betrübt über die wilde Sprache, deren man sich in Bezug auf Deutsch­land bediene. Er meine insbesondere die kürzlich von Lord Cromer im Oberhaus gehaltene Rede. Die Lärmmacher, fuhr der Minister fort, haben keinerlei Grund zu einer Panik. Dieses Land ist eine Insel. Keine Regierung, die vielleicht in naher Zukunft am Ruder sein mag, wird auch nur einen Schritt von der-Flottenpolitik abweichen, die unS vor einer Invasion von außen in her Tat sicherstellt. Alle Parteien sind verpflichtet, diejenigen vernunftgemäßen Maßregeln der maritimen Verteidigung zu fordern, welche die Entwicklung dieses Landes sichern und welche uns von dem KurS deS Militarismus, wie er auf dem Kontinent herrscht, befreien, die aber niemals für irgend eine andere Großmacht der Welt eine Drohung bedeuten. Ja, in zweiter Linie sage ich: Es gibt keine Kollision von elementaren und bevorstehend wichtigen Interessen zwischen England und Deutschland. Ja, in allen Teilen der Welt gehören die Deutschen zu unseren besten Kunden. Wenn ihnen etwas zustoßen würde, wüßte ich nicht, wie wir den Schaden für unseren Handelsverkehr wettmachen könnten. Da für die materiellen Interessen keine Gefahr vorhanden sei, würde von einem Kampf zwischen den beiden Ländern kein anderes Resultat zn erwarten sein, als höchstens eine der furchtbarsten Katastrophen. Mnfilltige Leute haben gemeint, es lohne sich, um des Handels willen, zu kämpfen. Das lohnt sich nicht im geringsten; ein Kampf von eine» Monat würde mehr Reichtum zerstören, als der Handel in fünf Jahren hervorbringen kann. Man hat uns gesagt, die Kolonien könnten uns abspenstig werden. Nichts könnte sich an dem Schicksal der größeren Gemeinwesen, wie Canada, Australien, Südafrika und Indien ändern, wenn sie ihre eigenen Wege gehen und ihrer eigenen Bestimmung folgen, was nicht als Resultat eines Kampfes zwischen den europäi­schen Mächten sich gleichfalls daran ändern würde. WaS bliebe als Preis des Kampfes zwischen England und Deutsch­land? Nichts als tropische Plantagen und kleine, hier und dort über die Welt zerstreute Kohlenstationen. Mag auch das Schnappen und Schnurren in den Zeitungen und Klub» von London immer so fortgehen, die beiden Völker haben tatsächlich nichts, worum sie kämpfen könnten, keinen Preis und keinen Platz, in dem ein Kampf möglich wäre. ES wird in Deutschland keine zehntausend Personen geben, die ein solches höllisches, verruchtes Verbrechen ernstlich in Betracht ziehen. In England glaube ich nicht einmal so viel».

Frankfurter Theater.

Opernhaus. Montag, 17. August, abends 71/» Uhr.Ätt Walzertraum". Außer Ah^nn. Gewöhnl. Preise. Dienstag, 18. August, abends 7 Uhr.Die Fleder­maus". Im Abonn. Gewöhnl. Preis«. Mittwoch, 19. August, abends V>7 Uhr. Abonnement-Vorstellung für einen ausgefallenen SamstagLohengrin". Im Abonn. Große Preise. Donnerstag, 20. August abends 7 Uhr.Der Postillon von Lonjumeau". Hierauf:Die Altweibermühle". Im Abonn. Gew. Preise. Freitag, 21. Aug., abends 7 Uhr.Oberon". Außer Abonn. Gewöhnl. Preise. Samstag, 22. August, abends 7 Uhr.Hoffmanns Erzählungen". Im Abonn. Gewöhnl. Preise. Sonntag, 23. Aug., abends 7 Uhr.Don Juan". Im Abonn. Große Preise. Montag, 24. August, abends 7V» Uhr. Ein Walzertraum". Außer Abonn. Gewöhnl. Preise. Dienstag 25. August, abends 7 Uhr.Pelleas und Melisande". Im Abonn. Große Preise. Mitt­woch, 26. August, abends 7 Uhr.Aida". Außer Abonn. Große Preise. .

Schauspielhaus. Von Sonntag, 26. Juli, bis inklu­sive Montag, 24. August, bleibt das Schauspielhaus ge­schlossen.

Literarisches.

AKoholismus und Säuglingssterblichkeit. Unter dem TitelDie sozialen Ursachen der Säuglingssterblichkeit" hat Gustav Temme im Buchverlage derHilfe" ein lehr­reiches Schristchen erscheinen lassen (Preis 1 Mk.), das auch ein Kapitel über Alkoholismus und Säuglingssterblichkeit enthält. Der Verfasser wirst darin zunächst einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Alkoholfrage und zeigt, daß da, wo der A l k o h o l k o n s u m abgenommen hat, auch die Sterblichkeit der Erwachsenen wie der Kinder zurückge­gangen ist. Wenn der Alkoholkonsum die Widerstandsfähig­keit des Erwachsenen herabsetzt, so muß er das in viel