S-it- s _________________________ stand begeisterter Ovationen seitens des Publikums. Nach dem Dejeuner begleitete der Kaiser den König von England im Wagen zum Hotel „Elisabeth" zurück. Um 2 Uhr 15 Min. stattete Freiherr v. Aehrenthal dem Unterstaatssekretär Sir Charles Hardinge einen etwa halbstündigen Besuch ab.
Ischl, 12. August. Nach dem Dejeuner wurde der Minister des Auswärtigen, Frhr. v. Aehrenthal, vom König Eduard von England in halbstündiger Audienz empfangen. Der Minister deS Aeußern begab sich hierauf mit dem Unter- staatssekretär Sir Charles Hardinge ins Hotel „Bauer", wo die beiden Staatsmänner eine mehr als einstündige Besprechung hatten. Beide Herren unternahmen dann eine längen Spazierfahrt in das Weißbachtal.
Ischl, 12. August. Der Kaiser unternahm am Nachmittag, nachdem er den König Eduard vom Hotel abgeholt hatte, in einem Automobil in Begleitung der Prinzessin Gisela und deS Prinzen Georg von Bayern eine Ausfahrt n der Richtang nach Weißenbach am Attersee. Um 5 Uhr nachmittags kehrten die Monarchen nach dem Hotel „Elisabeth" zurück. Kaiser Franz Joseph fuhr sodann im Wagen in die Kaiservilla.
Ischl, 12. August. Bei der zu Ehren deS Königs Eduard veranstalteten Galatafel brachte Kaiser Franz Joseph folgenden Toast auS:
„Der Besuch, welchen Eure Majestät mir heute, einer nun schon mehrjährigen, mir wahrhaft liebgewordenen Gepflogenheit folgend, hier abzustatten die Güte haben, erfüllt mich mit aufrichtiger Freude und wärmster Dankbarkeit. Ich bitt« Eure Majestät, den Ausdruck dieser Gefühle zugleich mit meinem herzlichen Wtllkommengruß entgegenzunehmen und überzeugt sein zu wollen, daß ich die mir durch diesen Besuch erwiesen« so freundschaftliche Aufmerksamkeit um so höher zu schätzen weiß, als Cure Majestät in diesem Jahre hierher gekommen sind, um mir persönlich Ihr« Glückwünsche S meinem Regierung-jubiläum zu überbringen. Indem ich bet heutigen Anwesenheit Eurer Majestät einen neuerlichen wertvollen Beweis für bie langjährigen und herzlichen Beziehungen erblicke, welche zwischen unseren Käufern bestehen und welche dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen unseren Ländern entsprechen, erheb« ich mein GlaS mit dem Ruf«: König Eduard leb« hoch I"
Ischl, 12. August. Bei der Galataf«! sprach König Eduard folgenden Toast:
„Ich bitte, meinen auftichligen Dank Eurer Majestät auSsprechen zu dürfen für Ihr« so gütigen Wort«, die mich tief gerührt haben. ES ist mir immer eine wahre Freude, Eurer Majestät meinen Besuch abstatten zu können, aber ganz besonders in diesem Jahr, in welchem Eure Majestät daS sechzigjährige Regierung-jubiläum feiern. Cure Majestät kennen die Gesinnungen, die ich seit jeher für Eure Majestät gehegt, und wissen, daß meine Gratulationen zu dieser wichtigen Feier auS vollem Herzen kommen. Die Beziehungen unserer beiden Länder sind gottlob immer bie freundschaftlichsten gewesen. ES ist mein inniger Wunsch, daß sie es ebenso in Zukunft bleiben. Ich hoffe von ganzem Herzen, daß Eure Majestät noch durch viele Jahre in bester Gesundheit zum Wohl« und Heile Ihrer Völker erhalten bleiben. Ich erhebe mein GlaS auf daS Wohl Seiner Majestät des Kaisers und Königs.
Ischl, 12. Aug. Heute vormittag überbrachte Gesandter Freiherr v. Gagern dem englischen Botschafter in Wien, Sir Edward Goschen, das Großkreuz deS Leopold-OrdenS, und Km Unterstaatssekretär Sir Charles Hardinge, welcher bereits im vorigen Jahre vom Kaiser durch Verleihung des Groß- kreuzeS des Leopold-OrdenS ausgezeichnet worden war, das Bild des Kaiser- in englischer Uniform in sehr kostbarem Rahmen, geschmückt mit den kaiserlichen Initialen und der Krone in Brillanten.
Wie«, 12. Aug. Die Begegnung deS Frhrn. v. Aehrenthal mit dem Unterstaatssekretär Sir Charle» Hardinge gab Gelegenheit, die allgemeinen Verhältnisse in Europa zu besprechen. Im besonderen haben die beiden Staatsmänner die Zustände in der Türkei, wo seit der Einführung der Verfassung eine neue Situation besteht, einer Erörterung unterzogen. Bekanntlich sind bit Kabinette, unter ihnen das Wiener und daS Londoner, entschlossen, diesem Umschwünge gegenüber eine sympathische, zuwartenbe Haltung zu beobachten in der Hoffnung, daß daS neue Regime in der Türkei auch diejenige Besserung in der Verwaltung und der Konsolidierung der Verhältnisse im allgemeinen herbeiführen will, die von den Mächte« in' ben letzten Jahren ange» strebt wird.
Arbeiterbewegung.
Hamburg, 12. Bug. In der heutigen Sitzung der Gruppe Deutscher SeeschiffSwerften wurde folgender Beschluß gefaßt: Der Arbeiterausschuß deS Stettiner „Vulkan" hat der Direktion mitgeteilt, daß der Streif der Nieter für beendet erstatt sei und hat die Wiederaufnahme deS Betriebes be- antragt. Um dies zu ermöglichen, beschloß die Gruppe Deutscher Seeschiffswerften : Der „Vulkan" eröffnet versuchsweise am 14. August den Betrieb mit einem Drittel seiner Leute, schließt ihn aber wieder am 18. August abends, falls die Nieter bis dahin ihre Arbeit nicht in ausreichendem Um- ranae wieder ausgenommen haben. Die Gruppe Deutscher SeeschiffSwerften verschiebt ihre Betriebseinschränkung bis zum 19. August abends. Dir Beschlußfassung erfolgte ent« prechend einem schriftlich vorliegenden Vorschläge des stets« oertretenden Vorsitzenden deS GesamtverbandeS Deutscher Metallindustrieller, in dem außer den von der Gruppe Deutscher Seeschiffswersten beschlossenen Maßnahmen angeregt war, daß die Bereinigung der Eisenindustriellen Stettins ihre Betriebseinschränkung in Höhe von 50 Prozent ihrer Leute bis au? weiteres bestehen lassen und daß der Gesamtverband Deutscher Melallindustrieller am 16. August im Vorstand und am 25. August im Ausschuss« über eine 60prozentige General- auSsperrung beschließen solle.
Grns Zeppelin und sein Werk.
Berlin, 12. Aug. Der Verein deutscher Ingenieure sandte an den Graten Zeppelin folgendes Telegramm ab:
. seicht uns zur hohen Freude, Ihnen mitzuteilen, ^aß der Vorstand und der'Vorstandsrat unseres Vereins, veranlaßt durch den Unfall, der die letzte Frucht Ihrer Arbeiten vernichtete, beschlossen haben. Ihnen zur Förderuna
Do««erStafl_______________
Ihres weiteren Schaffens 50000 Mark zu überweisen. Verein deutscher Ingenieure. Slaby, Vorsitzender."
Köln, 12. Aug. Wie die „Köln. Zig." mitteilt, über- wies sie als erste Zahlung aus ihrer Sammlung für den Grafen Zeppelin 100000 Mark unter dem Titel „Nationaler Lustschiff-Baufonds für den Graten Zeppelin", dem Wunsche des Grafen entsprechend, an die Allgemeine Reiitenanstalt in Stuttgart.
Halle a. S., 11. Aug. Der Kösener Verband deutscher Korps hat, wie daS zurzeit präsidierende Korps Teutonia- Halle mitteilt, beschlossen, zu der National-Spende für den Grasen Zeppelin 5000 Mark beizutragen.
Wiesbaden, 12. Aug. Bet der „Wiesbadener Zeitung" sind bis heute für bie Zeppelinspende 14000 Mark einge» gangen, von denen 12000 an die Allgemeine Rentenanstalt in Stuttgart abgeführt wurden.
Landau (Pfalz), 12. Aug. Für den Grafen Zeppelin sind bisher in Landau 2300 M., in Neustadt 8900 M. ge» sammelt worden. Von Speyer sind 6000 M. als erste Rate abgesandt worden. Kom.-Rat Ludowici in Jockgrim spendete 2000 M., seine Arbeiter 125 M.
Malstatt-Burbach, 12. August. Die Stadtverordneten bewilligten in ihrer heutigen Sitzung einstimmig den Betrag von 1500 M. zur Zeppelin-Spende..
Saarbrücken, 12. August. Die Stadtverordneten bewilligten einen Beitrag von 1500 M. zu der Nationalspende für den Grafen Zeppelin. Dieser Betrag soll dem ReichS- fomitee mit dem Wunsche der Stadt überwiesen werden, daß die Summe zur freien Verfügung des Grafen Zeppelin gestellt werde.
Karlsruhe, 12. Aug. Der Großherzog hat für die Karlsruher Nationalspende für den Grafen Zeppelin 2000 M. gegeben.
Stuttgart, 12. August. Bei dem Württembergischen Zentralkomitee sind bis heute 245 000 M. eingegangen.
Höchst a. M., 12. Aug. Der Magistrat hat den Beschluß gefaßt, die Stadtverordneten-Versammlung um Bewilligung einer städtischen Gabe in Höhe von 1000 Mark für den ZeppelinfondS zu ersuchen.
Darmstadt, 12. Aug. Die Bank für Handel und Industrie hat heute die Bi§ jetzt hier gesammelten Beiträge zur Zeppelin-Spende in der Höhe von 34 524.90 Mark (darunter 14 002.70 Mark eigene Sammlung und 20 522.20 Mark der hiesigen Blätter) an die Allgemeine Rentenanstalt in Stuttgart abgesandt.
Gietzen, 12. Aug. Bet dem Gießener Anzeiger gingen für den Bau e'neS neuen Zeppelinschen Luftschiffes 1600 Mk. und für die durch daS Brandunglück in Donaueschingen Betroffenen 250 Mark ein.
Friedberg (Hessen), 12. Aug. Die Stadtverordneten- Versammlung beschloß, dem Grafen Zeppelin eine Ehrengabe von 600 Mk. zu gewähren und einen Aufruf an die Bürgerschaft zur Beisteuerung von Beiträgen zu erlassen.
Hus aller Hielt
Der Gesamtschadex von Donaueschingen. Nach den gestern abgeschlossenen amtlichen Feststellungen Beträgt der Gesamtschaden der Brandkatastrophe 41/» Millionen M. An Bargeld sind 622 000 Mark verbrannt. Der Brandschaden an Gebäuden Beträgt 2’/« Millionen Mark. DaS Elend ist groß, da etwa nur der vierzehnte Teil aller Abgebrannten ihren Hausrat versichert haben.
Furchtbare Folgen einer Fahnenflucht. Dem in Mainz in Garnison liegenden Soldaten Schuck von Winden bei Nassau, der kurz vor Beendigung seiner Dienstzeit desertierte und sich tagelang im Freien Herumtrieb, wobei ihm die Beine erfroren, mußten sie amputiert werden. Am letzten Samstag wurde der Unglückliche nach seiner Heimat gebracht.
Ein schwerer Unfall in der deutschen Marine hat sich bei einer von dem kleinen Kreuzer „Undine" in der Nähe von Sonderburg vorgenommenen Rettungsübung er« eignet. Ueber das Unglück, das vier Matrosen das Leben gekostet hat, erhält der „B. L.-A." Nachstehendendes Prwat- telegramm: Als vorgestern abend der kleine Kreuzer „Un« dine" von einer Uebung auf See nach Sonderburg zurückkehrte. wurde das Manöver „Mann über Bard" ausgeiührt. Ein Schiffsboot mit einem Waat und 10 Mann wurde ausgesetzt, um den „über Bord Geiallenen" aufzuftschen. Durch Versehen des Postens an der Maschine ging der Kreuzer vorwärts anstatt rückwärts. Hierbei wurde das bemannte Boot zum Kentern gebracht und alle stürzten ins Wasser. Trotz sofortiger und ausreichender Rettungsmittel konnten nur sieben gerettet werden. Es ertranken der Matrose Heinrich Klippe (Wittenberg b-i Gelsenkirchen), Joh. Rickmers (Finkenwerder), Gerhard Weber (Bollingen) und Johann Zöller (Seligenstadt). Die Leichen sind noch nicht geborgen. — DaS Zuwasserbringen eines Bootes in See ist ein Manöver, das unter allen Umständen große Ansmerksamkeit und Vorsicht erfordert. Wenn zum Beispiel bei Fahrt des Schiffes voraus das vordere Haltetau und die vordere Heißvorrichtung des Bootes früher losgeworlen werden als dessen hintere Heißtalje, so entsteht sofort die Gefahr des Kenterns. Diese Gefahr vergrößert sich natürlich sehr bedeutend, wenn durch ein Versehen auf der Brücke das Schiff zur Zeit des Zuwasserbringens eine größere Geschwindigkeit voraus hat, als es je nach den Umständen für zulässig erachtet werden kann. So erffärt sich auch die große Zahl der Opser bei diesem höchst beklagenswerten Unfälle, wiö er glücklicherweise bei uns in der Marine nur äußerst selten sich ereignet hat.
Eine Operation auf hoher See. Der Dampfer „Cedric" wurde auf feiner Reise von Liverpool nach New- York während drei Stunden angehalten und seine Maschinen außer Tätigkeit gesetzt. Eine Frau Crebel aus Newyork wurde nämlich von einer derartig heftigen Blinddarmentzündung befallen, daß nur eine sofortige Operation ihr Leben zu retten imstande war. Der Schiffsarzt nahm also die Operation vor und der Kapitän ließ das Fahrzeug stoppen, um durch die Vibration der Maschinen während der Operation keine Störungen zu verursachen. Die Operation verlief glücklich, und Mrs. Crebel sieht jetzt in einem Newyorker Spital ihrer vollständigen Genesung entgegen.
Weiteres vom Barseval-Ballon. Der neueParseval- Ballon, dec von unserer Heeresverwaltung in Auftrag ge« geben ist, wird nunmehr feine Abnahmeprüfung zu bestehen haben. Der Bau dieses für Heereszwecke bestimmten Luftfahrzeuges hat rund sechs Monate in Anspruch genommen. Der Ballon trägt nur einen Motor und ist seit etwa vier Wochen rur Vornahme von Versuchen bereits aelüllt. Die
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geringe natürliche Gasentweickmng wird ständig durch Nach- füKung ausgeglichen. Der Ballon wird sowohl bei den Probefahrten wie bei der Abnabmesahrt durch Herrn von Krogh gesteuert werden. Bei den Probefahrten werden außer ihm abwechselnd der Konstrukteur Major von Parseval, ein Ingenieur, ein Offizier des Luftschiffer-Bataillons oder ein Mitglied der Studiengesellschaft mitfahren. Bei der Abnahmefahrt wird in der Gondel, die fünf Personen faßt, die Abnahmebehörde durch zwei Mitglieder vertreten sein. Zu den bereits ermähnten Bedingungen der Abnahmebehörde gehören noch die folgenden: Die Höhenlange des Ballons beim Manövrieren hat 1500 Meter zu betragen. Ferner ist gefordert Landung auf festem Boden und Verladen deS Ballons am Ort der Landung. Obwohl die eigentliche Bedingung, die das Kriegsministerium als Prüfstein für die Kriegsbrauchbarkeit des Parsevalschen Fahrzeuges gefordert hatte, 12 Stunden beträgt, genügt für die Abnahme eine zehnstündige ununterbrochene Fahrt, die zumeist in Höhe von 1500 Meter ausgeführt sein muß. Die Herabsetzung der Fahrtdauer von 12 auf 10 Stunden ist vom KriegS- ministerium erfolgt, weil man bet der ersten großen Fahrt die Leistung der Ballonführung und der Maschine nicht unnötig Überspannen möchte."
Vergiftung durch verdorbene Speisen. In Haubersbronn erkrankte, wohl infolge Genusses verdorbener Speisen, eine ganze Familie von 7 Personen. Der Vater ist bereit» der Vergiftung erlegen. Eine 16jährige Tochter schwebt in Lebensgefahr, doch glaubt man dieselbe retten zu können. Die übrigen Kinder befinden sich außer Gefahr.
Allerlei aus Bayern. Der Postbote Pfaff in Hochspeyer wollte kurz vor Abgang eines Zuges noch den Postkarren über daS Geleise fahren, wurde aber dabei von der Lokomotive erfaßt und mitsamt dem Karren auf die Seite geschleudert. Er trug dabei mehrere Knockenbrüche und innere Verletzungen davon, so daß sein Zustand ein bedenklicher ist. — In Schnappach (Pfalz) verbrannt« sich die Frau deS Bergmannes Schmitt beim Feueranmachen mit Petroleum derartig, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. — Wegen Mangels an Masse wurde nach einer Bekanntmachung des Amtsgerichts St. Ingbert das Konkursverfahren über das Vermögen des flüchtigen Rechtsanwalts Sambaß von dort eingestellt. — Von dem Postzug Lichtenfels - Bamberg wurde das zweijährige Töchterchen des Oekonomen Dutsch in Staffelst ein überfahren. Das Kind, dem das linke Bein oberhalb des KnieS abgeschnitten wurde, verstarb noch in der Nacht. — In H o f verübte die 60jährige Katharina Braun Selbstmord, indem sie sich in die Saale stürzte. — In D r ü g«n d o r f wurde der verheiratete Bauer Gg. Först durch einen Messerstich in die Herzgegend schwer verletzt. — Die Frau des Postassistenien Blank in Ebrach verunglückte durch die Explosion einer Peiroleumkanne, aus der sie auf einen Kocher ©el nachgoß; sie wurde sehr schwer verletzt.
Gemeinnütziges.
Borax im Haushalt. Borax bient, m Haushalt zu verschiedenen Zwecken. — I. Nm das schnelle Gerinnen der Milch zu verhüten, setzt man eine Prise Borax. an. 2. Als ^ Waschmittel. Man löst */< kg Borax in 40 Liter Wasser auf und verwendet die Lösung zum Waschen der Wäsche, wodurch viel Seife erspart wird. — 8. Als Heilmittel. 8 § Borax und 50 g Rojenhouig; die Vèischung dient zum Aus- pinseln^ des Mundes der Säuglinge, wenn sie die Mundschwämmchen haben. Setzt man diesem Saft */» Flasch« Rosenwasser zu, so erhält man ein gutes Gurgel wasser. — 4. Um Schwaben zu vertilgen, streut man ben Borax, mit gestoßenem Zucker vermischt, in die Ritzeu, in denen bie Schwaben hausen. — 5. Als Teintmittel. Man löst eine Messerspitze voll Borax in dem Waschwasser, womit man Gesicht und Hände wäscht, es macht das Wasser weich und den Teint zart und weiß. — 6. Beim Teekochen. Eine Messerspitze voll Borax dem kochenden Teewasser beigefügt, bewirkt, daß man ^4 Teil an Tee spart. — 7. Flecken- vertilgung. Man löst 20 g Borax in einer halben Flasche kochenden Wassers auf. Erkaltet ist diese Flüssigkeit ein ausgezeichnetes Mittel, Fettflecke aus wollenen Stoffen zn' ent» fernen.
Kerbelrüben. Die eßbaren Kastanien (Maronen) werden in den meisten Gegenden Deutschlands nicht reif. Aber der Gemüsegarten bietet einen Eisatz dafür, ein Gemüse, baS fast noch köstlicher schmeckt als Maronen, das ist die Kerbelrübe. — Ueber ihre Kultur schreibt Hofgartendirektor Gräbener im praktischen Ratgeber: Das Kraut der KerbeE rüben ähnelt sehr dem der Gelberiiben, so daß auf den erstes Blick sie jedermann für diese halten könnte. Die ziemlich tis, im Boden steckenden Rübchen erreichen durchschnittlich eine Länge von 5—7 Zentimeter bei 2'/, bis 3 Zentimeter Durchmesser. Durchgeschnitten zeigen sie weißes, etwas nach Karotten riechendes Fleisch, welches mehlig und geschmacklos ist. Die Aussaat des billigen Samens geschieht im Spätjahr auf ein eben abgeerntetes und tief umgegrabeneS Stück Land, breitwürfig, weit lockerer als die Karotten, wenn man große Rübchen ernten will. Der Samen wird eingehackt und geht erst bei wärmerem Wetter im Frühjahr auf. Schon in den ersten Tagen des ^uni fängt das Kraut an gelb zu werden, ein Zeichen, daß man jetzt die Rübchep herausnehmen kann. DaS Land kann sofort wieder mit Erbsen, zweiter Saat von Bohnen, nach Zufuhr von etwa» Dung mit Salat, Kohl arten, Spinat und bergt, bestellt werden; es liefert also das Land in einem Jahre zwei, ja drei Ernten. Die Rübchen selbst werden noch nicht in bit Küche gegeben, sie müssen an einem trockenen Platz gelagert werden, wo sie nachreifen und dann erst den feinen, mehligen Geschmack bekommen, der ihnen Aehnltchkeit mit Kastanien gibt. Die gewaschenen Rübchen werden in heiße» Wasser gebracht, worauf die Haut wie bei Mandeln sich löst und entfernt wird; mit Butter und etwa» Mehl werden dann die Rübchen gedämpft und bekommen vor dem Anrichten noch zwei Eßlöffel voll saueren Rahm. Wer sich füt dieses Gemüse interessiert, sollte sich bit betreffend« Nummer vom GeschästSamt deS praktischen Ratgeber im Obst- und Gartenbau in Frankfurt a. Ode^ kostenftet »u- schicken lassen.