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12* rr«g«ft

Mittwoch

geschlagen, welches bis zum Schluffe anhielt, trotzdem war eS der wackern 93er Mannschaft vergönnt, sämtliche 3 Mann­schaften mit 15:0 Toren zu schlagen und den Pokal für dieses Jahr mit nach Hause zu nehmen. Der Pokal ist in dem Schaufenster der Firma Eduard Schling! off (Inhaber Ludwig Lehr) Krâmerstraße zur Besichtigung aus­gestellt.

* Bon der Zentralstelle für Obstverwertnng und Obstwartt Komitee Frankfurt a. M. Die Obstmarktpreise betrugen per 50 Kilo gleich 1 Zentner am 10. August: Himbeeren 2. Qual. 25 Mk., 1. Qual. 30 Mk., Heidelbeeren 2. Qual. 12 Mk., 1. Qual. 16 Mk., Stachel- beeren 2. Qual. 15 Mk., 1. Qual. 20 Mk., Pflaumen 2. Qual. 8-10 Mk., 1. Qual. 1520 Mk., Aprikosen 2. Qual. 28-30 Mk., 1. Qual. 4050 Mk., Pfirsiche 8. Qual. 25-30 Mk., 1. Qual. 5060 Mk., Mirabellen 2. Qual. 18-20 Mk., 1. Qual. 25 Mk., Reineclauden 2. Qual. 14 Mk., 1. Qual. 1820 Mk., Aepfel 2. Qual. 812 Mk., 1. Qual. 18-25 Mk., Birnen 2. Qual. 1218 Mk., 1. Qual. 25-30 Mk., Trauben 2. Qual. 2830 Mk., 1. Qual. 35 Mk., Nüsse 2. Qual. 25 Mk., Zwetschen 2. Qual. 1112 Mk., 1. Qual. 15 Mk., Brom- Leeren 2. Qual. 80 Mk.

* Mehmarkt. Dem heutigen Diehmarkt waren 6 Ochsen, 269 Kühe und Rinder und 57 Kälber zugetrieben. Bei hohen Preisen ging der Handel ziemlich schleppend. Der nächste Viehmarkt findet am 26. August statt.

Cvm. Freiheitsliebe im bunten Rock. Am 14. Juli 1904, als sich das Thüringische Ulanenregiment Nr. 6 auf dem Rückmarsch von der Senne nach Hanau befand, verschwand unterwegs der Ulan Oscar Zuschke von der 1. Schwadron. Sein Gaul hatte sich die Kniee aufgefallen, der Reitersmann mußte deshalb zu Fuß nebenher gehen und hatte außerdem noch Strafe zu gewärtigen, sobald das Re­giment in der Garnison angelangt war. Es gelang dem Ulanen, im Drillichanzug über die Luxemburgische Grenze zu kommen. Im Sommer 1907 kehrte der Flüchtling nach Deutschland zurück, ließ sich in Köln auf den Namen Gott- Hau8 eine Jnvalidenkarte ausstellen und arbeitete seit dieser Zeit in Deutschland. Vor kurzem wurde er in Dresden schwer betrunken von der Polizei aufgegriffen. Hierbei ver­riet er seinen wahren Namen und wurde der Militärbehörde übergeben. Das Kriegsgericht der 21. Division verurteilte ihn wegen Fahnenflucht und intellektueller Urkundenfälschung zu 7 Monaten 5 Tagen Gefängnis und Versetzung in die 2. Klaffe. Der Musketier Bernhard Knott von der t. Komp. 166. Regiments erfuhr am 19. Juli, daß Tatbericht wegen Achtungsverletzung gegen ihn eingereicht sei, weil er gegen einen Unteroffizier einen losen Mund gehabt hatte. Da sagte er zu einem Kameraden : Jetzt will ich erst noch einmal richtig Zapfen wichsen I Sprachs und verschwand von Hanau. Nach 3 Tagen wurde der Musketier in Frank­furts a. M. von der Polizei aufgegriffen und nach Hanau zurückgebracht. Die Anklage wegen Achtungsverletzung endete afft Freispruch, hingegen verurteilte ihn das Standgericht wegen unerlaubter Entfernung zu 7 Tagen strengen Arrest. Diese Strafe war dem Gerichtsherrn zu gering, auf seine Berufung erkannte das Kriegsgericht auf 4 Wochen strengen Arrest.

* Harratter Tierschutzvereitt. Das Interesse an den Bestrebungen des Hanauer Tierschutzvereins ist erfreu­licher Weise in starkem Zunehmen begriffen, waS namentlich daraus hervorgcht, daß viele Lehrer und andere Einwohner aus den Ortschaften des Landkreises als Mitglieder dem Verein beigetreten sind. Für die Winterzeit hat der Vorstand ein reiches Arbeitsprogramm vorgesehen und zu bewältigen.

* BeMwechsel. Das Haus Sandstraße Nr. 5 (Neu­stadt) nebst dem altrenommierten Kolonial- u n b Spezial-Einmache-Ge schäft von Friedrich Hofmann ging durch Kauf in dm Besitz des Kaufmanns Herrn Louis Brög über. Durch Umbau und Ver­größerung wird dasselbe den heutigen Verhältnissen ent­sprechend eingerichtet. Vermittler war Herr Hugo Elsaß hier.

* Gartenfest. Am nächsten Sonntag den 16. August findet in der RestaurationSandhof" ein Gartenfest unter Mitwirkung des Gesangvereins Mellomania, des 1. humoristi­schen Musikvereins Germania und des 1. Athletenvereins Hanau statt, verbunden mit Konzert, Kinder- und Karussell- belustigungen, Preiskegeln für Damen und Herren, sowie Tanz. Wir verfehlen nicht, an dieser Stelle schon heute darauf aufmerksam zu machen.

* Gartenfest. Der Verein der Gastwirte und Restau- cateure veranstaltet morgen Donnerstag den 13. August im Gasthausezum Elefanten" ein großes Gartenfest unter Mit­wirkung des Brodtschen Gesangvereins. Hierzu sind nicht nur alle Kollegen mit ihren Familien höflichst eingeladen, sondern auch Freunde und Gönner herzlichst willkommen. Siehe Inserat.

* Tierqttälerei. Nach einer in der gestrigen Sitzung oes.Tierschutzvereins erfolgten Mitteilung werden bei der Ausschachtung der auf dem Exerzierplätze belegenen Sand­grube Tierquälereien durch Ueberlastung der Pferde verübt. Der Vorstand wird geeignete Schritte tun.

* Geistesgegenwart. Gestern vormittag sauste ein Motorfahrer durch die Kirchstraße nach der Nürnberger- siraße, in der sich ein Wagen der elektrischen Bahn in voller Fahrt befand. Dem entschlossenen Eingreifen des die gefahr­volle Situation bemerkenden Kaufmanns L. S ch a a ck ge­lang es, den Motorfahrer vor einem Unfall bezw. Zusammen­stöße zu beivahrcn.

* Maittwafserwärme gestern abend 15 Grad.

* Der Futzballsport im Dienste der Allgemeinheit.

Kaum eine Woche ist verflossen, seitdem die Kunde von den beiden fast parallel laufenden Schicksalsschlägen, die Zer- störung des Zeppelin'schen Luftschiffes und das'große Brand- unglück von Donaueschingen, nicht nur Deutschland, nein die gesamte gesittete Welt durcheilte. Aber so groß auch diese beiden, durch natürliche Geivalten vmtrfadjten traurigen

Ereignisse waren, noch bedeutend größer war die An­teilnahme unseres Vaterlandes, und weit über dessen Grenzen hinaus machte sich dieses in mächtigen Kundgebungen be­merkbar. Usberall wurden Sammlungen für den Zeppelin­fonds veranstaltet, sowie der Abgebrannten von Donau­eschingen gedacht. Und wie alles' hilft, so will auch der Fußballsport sein Scherflein beitragen. Zu diesem Zwecke hat derHanauer FußballklubViktoria 1894" für nächsten Sonntag den 16. August seine drei Mannschaften verpflichtet gegen die drei Mannschaften des Offenbacher Fußballklubs Viktoria" und wird der gesamte Reinertrag je zur Hälfte dem Zeppelinfonds und den Abgebrannten von Donau­eschingen überwiesen. Karten hierzu sind im Vorverkauf, für drei Spiele â 20 Pfg., in den durch Plakate kenntlichen Stellen erhältlich und steht zu hoffen, daß Hanaus gesamte Sportwelt diesem Unternehmen sympathisch gegenübersteht.

pt Langettdiebach, 12. Aug. (Kaninchen-Aus- stellung.) Dem hiesigen Kaninchenzuchtverein wurde die XI. Verbandsausstellung des Kaninchenzucht-VerbandeS für Hessen-Naffau und für daS Großherzogtum Hessen übertragen. Zahlreiche Anmeldungen find bereits eingelaufen. Die Aus­stellung wird im Garten des Gasthauseszur Sonne" ab- gehalten. Das Programm ist folgendes: SamStag den 16. August, abends 8 Uhr, Kommers zu Ehren der Preisrichter unter Mitwirkurg hiesiger Vereine. Sonntag den 16. August, vormittags 10 Uhr, Eröffnung der Ausstellung durch den Verbandsvorsitzenden Herrn 8 ermann aus Frankfurt a. M., nachmittags Konzert, Tombola, PrciSschießen und Tanz. Preisverteilung. Montag den 17. August, von nachmittags 3 Uhr ab, Volksfest. Die Ausstellung am Sonntag dürfte für Freunde der Kaninchenzucht, sowie für Tierliebhaber sehr interessant werden. Auch sind Kaninchen käuflich zu haben.

Gerichtssaal.

Sitzung des SchSffengerichts vom 11. August 1908.

Wegen ForstdievstahlS wurden die Ehefrau Margarethe Z. aus Oberrodenbach zu 2.50 Mk. oder 1 Tag Gefängnis, die Geschwister Sophie und Georg N. von ebenda zu fe 1 Mk. eventl. 1 Tag Gefängnis und den üblichen Nebenstrafen ver­urteilt. Der Dekorationsmaler LouiS Chareykas aus Paris hatte im Mai d. Js. zu Hanau mit Briefpapier hausiert, ohne einen Wandergewerbeschein zu besitzen. Da er nicht zu ermitteln ist, wurde in seiner Abwesenheit verhandelt und gegen ihn auf eine Geldstrafe von 24 Mk. eventl. 8 Tagen Haft erkannt. Der Weißbindermeister Valentin A. von hier #Durbe wegen Mißhandlung zu 20 Mk. evtl. 4 Tagen Gefängnis verurteilt. Im vorigen Monat wurde er eines Tages plötzlich Zeuge, wie sein Sohn sich mit einem anderen Jungen prügelte. Er eilte hinzu, faßte sich den Gegner seines Sohnes und verbläute ihn gehörig. Die Dienst­magd Emilie P., ein noch nicht 16 Jahre altes Mädchen, war bei einem Hauptmann hierselbst in Stellung und ent­wendete diesem und seiner Gattin nach und nach ein gol­denes Armband, einen Damengürtel, 2 Bilder und ein Ring­kästchen im Gesamtwerte von 108.50 Mk. Die Sache kam aber bald ans Tageslicht, sodaß sie sofort aus dem Dienste entlassen, und die Angelegenheit zur gerichtlichen Verfolgung gebracht 'wurde. Sie sollte auch Ringe entwendet haben, indessen wurde sie von diesem Verdachte gereinigt. Der Dieb der Ringe wurde in dem Burschen ermittelt, der sich dieser- halb vor dem Militärgericht zu verantworten haben wird. Die Angeklagte war heute wie auch früher bereits geständig; sie wurde wegen eines fortgesetzten Diebstahls zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt. Das Gericht beschloß aber auch, sie den Wohltaten der bedingten Begnadigung teilhaftig werden zu lassen. Der Arbeiter Justus D. genannt C. von hier stand unter Anklage, sich in der Wohnung der Witwe H. eines Hausfriedensbruchs und der Beleidigung der Genannten schuldig gemacht zu haben. Die Sache stand bereits am 28. v. Mt8. an, sie mußte aber vertagt werden, da der An­geklagte den Beweis der Wahrheit antreten wollte, und dieserhalb noch neue Zeugen geladen werden mußten. Die umfangreiche, auch heute wieder unter Ausschluß oerOeffent- lichkeit geführte Verhandlung vermochte vollständige Klarheit über die in Frage stehenden Behauptungen hinsichtlich der Beleidigungen nicht zu bringen. Indessen wurde der Ange­klagte im allgemeinen der Beleidigung für überführt erachtet und zu 30 Mk. evtl. 6 Tagen Gefängnis verurteilt. Ein Hausfriedensbruch konnte ihm nicht nachgewiesen werden, so­daß er hiervon freigesprochen werden mußte. Der Haus­bursche Gustav B. von hier glaubt, daß der Schneider Wil­helm Pf. ihm feindlich gesinnt sei und ihn bei anderen Leuten schlecht mache. AIs er ihn nun am 12. v. Mts. im Walde an der Pulverfabrik beim Beerensuchen traf, stellte er ihn dieserhalb zur Rede, packte ihn und warf ihn zu Boden. Er wurde wegen Mißhandlung zu 3 Tagen Gefängnis be­straft. Am 15. Juli abends spät waren der Dienstmann Heinrich St. und der Fahrbursche Jean L. von hier in einer hiesigen Wirtschaft, in der sie wegen Zahlurig der Zeche mit der Wirtsfrau in Streit gerieten. Sie wurden indessen mit sanfter Gewalt an die Luft gesetzt. Vor der Türe machten sie aber weiter Skandal, sodaß ein Menschenauflauf entstand und eine Dame, die sich vorbeizugehen fürchtete, einen Schutz­mann holte. Die Folgen waren für beide Strafmandaten, bei L. sogar in Höhe von 30 Mk. Dagegen waren sie an­gegangen und verlangten nun ihre Freisprechung. St. hatte auch Erfolg, da seine Angabe, er habe den L. nur beruhigen wollen, nicht zu widerlegen war. Dieser indessen wurde für schuldig befunden, die Strafe indessen auf 10 Mark herab­gesetzt.

Vereins- n. Vergnnflnnstsnahrrchten

für Mittwoch beii 12. August.

C». Männer- ». IünglinqSnerein: UiiterbaUnnq (Kvang. Bereinshaus.) Turugemeinde: Abend« 910 Uhr: Turnen der Männerabteilung.

Turngesellschakt: Abend« von/»91 ,10 Uhr: Turnen der Damenabteilung Turn- u. Fechtklub: Bou 8Va10 Uhr: Fechten; von 910 Uhr: Turnen der Männerabteilung.

Turnverein: Abends von 810 Uhr: Turnen der Männerabteilung. Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband, Ortsgruppe Hanau, S3er« einâabend imHotel Riesen'.

Kaufmännischer Verein Hanau: Vereinsabend im Restaurant Mohr. GesangvereinGermania": Singstunde imLöwengärtcken". GesangvereinTonblüthe": Singstunde in derStadt Bremen". Cvaug. Arbeiterverein: Singstunde im Vereinslokal (Paradeplah Nr 1). National - Slcuographmverein: Uebnngssiunde für die Praktiker-Abteilung (Lokal:Zur groben Krones

_____________________________Seite ä

Esperantisten-Grnppe Abends 9 Uhr: Versammlung und Gratisunte» richt in der CzperaMo-Sprache in derCentralhallt*.

Gabelsberaer Stenographen - Verein (Lokal:Frankfurter Bau", Eingang Lindenstrahe): Abends von 910 Uhr: Uebungsstunde: Redeschrift. Verein derHochsxesiartfreunde Ro'benbuch, Abteilung Hanan: Vereint­abend imRestaurant Ratskeller".

Kaninchenzucht-Verein Hanau: Zusammenkunft imSchützeuhof". ZimmerstutzengesellschaftPatrontasche"; Schießen.

Kegel-KlubHanovia": Gasthaus;ur guten Quelle". SchützenvereinTell" zurWiener Spitze": Schießen. Zimmer,Pitzmgesellschattzur schönen Vurstcht"-Kesselstadt: Schiexnr. Deutscher Vankbeamlen-Vercin e. V., Ortsgruppe Hanau: Vereintabentz im RestaurantCarlsberg".

Kaufmännischer Verein Frankfurt: Bereinsabeud in der Brauerei Orschl«, Hanauer Schützenverein: Vereinsabend im Restaurant Mohr. Beteilige VerbindungHassonia"' Stammtisch imgroßen Kurfürsten*. GesellschaftTreu beim Alten": Vereinsabend (Brauerei Orschler), Hanauer Radsport 1895; Vereinsabend in derStadt Bremen".

9 Uhr-Stammlisch-KlubKonkordia* imDeutschen Haus". Freiwillige Feuerwehr: 1. Komp, imgoldnen Herz", Steigerkorps i- der Brauerei Beck.

Hanauer Kriegerverein: Monattversmnmlung im Bereintlokal«

Barometerstand.

12 Uhr am 11./8. 12./8.

Sehr trocken

Beständig

Schön 760-^H

Veränderlich

Regen ($Binb)75°2^'

Viel Regen 74o-g Sturm

710_=

Oefsentlicher Wetterdienst.

(Beobachtungen des Physikalischen Vereins, Frankfurt.» Voraussichtliche Witterimfl für vie Zeit vom Abeov Ves 12. August bis zum nächsten Abend.

Wärmer; wolkig; westliche Winde.

Pflanzen als Patienten.

Don Dr. «nrt Rubolfi.

(Nachdruck verboten..

. Mit dem schreckenden Alarmruf, daß Europas Kartoffel­bau, auf dem wenigstens nördlich der Alpen, also in den Hauptkulturländern die Ernährung der großen Volk«- massen beruht, in Gefahr sei, trat kürzlich ein rühmlich be­kannter Landwirt des deutschen Ostens, Graf Arnim- Schlagenthin zu Naffenhtide in Pommern, vor die Ocffent« lichkeit, in der die Warnung sofort die entsprechend« Würdigung erfuhr. Diese gefährliche Plaiizenkrankheit, di« vor 3 bis 4 Jahren zuerst in Dänemark und Westdeutsch­land aufzutreten begann, scheint zwar nicht völlig neu zu sein, sondern zu jenen schon seit langem beobachteten Kräuselkrankheiten zu gehören, die bereits im Jahre 1780 und später, um die Mitte des letztvergangencii Jahrhunderts, eine wahre Katastrophe über unsere Kartoffelproduktion brachten. Dank den Fortschritten der Mikroskopierkunst kennt man die Krankheit heute jedoch viel genauer als früher. Ein Pilz, den der Botaniker Fusarium nennt, wandert durch Verletzungen an den unteren Teilen der Stengel, die dm Pflanzen durch Tierfraß, Wetterunbilden und WachstumS- störungen zugefügt sind, in das Innere ein und verbreit«! sich in den Gefäßbündeln nach oben. Im Juni oder Juff hat er die Blätter erreicht, die sich einzurollen beginnen und nicht mehr imstande sind, das Hauptvahrungsmittel aller Pflanzen, die Kohlensäure, auS der Luft aufzunchmeu und zu assimilieren. Mit den in den Gefäßen fortgeführtm Nahrungsstoffen gelangt der Pilz auch nach unten zu den jung ansetzenden Knollen, die entweder im Wachstum sehr Zurückbleiben oder so schwer erkranken, daß die ganze Pflanze abstirbt. Dainit trägt selbstverständlich auch das für daS nächste Jahr bestimmte Saatgut den Keim her Krankheit schon in sich, und wenn man mit Graf Arnim annimmt, daß 30 Prozent des kranken Saatgutes überhaupt nicht keimfähig sind, und daß die Erträge des Restes sich auf die Hälfte erniedrigen, so ergibt sich füx Deutschland, dessen Kartoffelernte im Durchschnitt der letzten Jahre 900 Millionen Zentner betrug, ein Ausfall von mindestens einer halben Milliarde Zentner, der einen Schaden von 500 Millionen Mark bedeutet.

Die vorstehende, etwas zahlenmäßig trockene Ausführung ist ein treffliches Beispiel dafür, rote eine Mißernte in einem Zweige des Ackerbaues die schiversten wirlschafttichen Nach­teile nach sich ziehen kann, unter denen nicht nur der Groß­grundbesitzer wie der kleine Bauer, sondern ebenso der Fabrikarbeiter wie der Händler, kurzum jeder, der sich nach der Decke strecken muß, zu leiden hat, selbst wenn die Arn»m- schen Befürchtungen, wie nach den eben bekannt werbenben Untersuchungen der deutschen agrikulturbotanischen Institut« zu hoffen ist, sich nicht in vollein Umfange bewahrheit«!: sollten. Die Beschreibung der Krankheit zeigt aber auch, daß das Wesen aller Krankheite:: bei den Pflanzen auf den­selben letzten Gründen beruht, wie bei den Menschen und Tieren. Wie durch die Bresche in der Umwallung einer Festung zieht in Gestalt von Bakterien, anderen Pilzen ober Schleimkörpcrchen (Myxomyceien aus der noch wenig er» 'erschien Klasse der Protozoen) der Feind in die Burg des Lebens ein, als die sich auch der Pflanzenkörper darstellt. In: harten Kampfe ringen die Armeen miteinander, bringen die Protoplasma enthaltenden Zellen der uns ivrrtvolltn Nutzpflanze, draußen die mikroskopische!: Schädlinge, bie das höher organisierte Wesen zu vernichten bemüht .sind, ein Ausschnitt aus dem bis ;um letzten Tage wogend«» Kampf,