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eo. WatjenhaufeS in Hanau.
Erscheint tâgllch mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Vaantmortl. Redakteur: •. « chre Ser w Hana»
$L 187 Fernsprechanschlutz Nr. 605»
Amtliches.
Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung.
Die Liste der Stimmberechtigten für die Stadtverordnetenwahlen liegt nach Vorschrift des § 22 der Stäbteordnung vom 15. bis 30» August d. J., werktäglich von vormittags 8 bis 12^2 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, im Rathaus, Zimmer Nr. 2, offen — für den Bezirk Kesselstadt im Gemeindehause zu Hanau-Kesselstadt.
Während dieser Zeit kann jeder Stimmberechtigte gegen die Richtigkeit der Liste bei uns Einspruch erheben.
Wir machen noch darauf aufmerksam, daß nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts etwaige Vermerke in der Wählerliste über das Ruhen des Wahlrechts nur durch rechtzeitig erhobenen Einspruch beseitigt werden können. Hanau den 9. August 1908.
Der Magistrat.
Hild. 16111
Städtisches Wannen- nnd Vmnsebnd.
Baugertstratze 2 (Eingang: Große Dechaneistraße).
Geöffnet für Männer:
Montag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 8—12 Uhr vormittags und 2—8 Uhr nachmittags.
Sonntag von 8—12 Uhr vormittags.
Geöffnet für Frauen:
Dienstag und Freitag von 8—12 Uhr vormittags und 2—8 Uhr nachmittags.
Preise der Bäder:
Brausebad mit Wäsche 10 Pfg.,
Wannenbad mit Wäsche 25 Pfg., Wannenbad ohne Wäsche 20 Pfg.
Hanau den 2. Januar 1908.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 357
Politische Rundschau.
Holland und Venezuela. Aus Willemstad wird gemeldet: In Vorbereitung auf einen möglichen Zusammenstoß zwischen den Niederlanden und Venezuela soll hier eine Station für drahtlose Telegraphie eingerichtet werden. Der Kreuzer „Gelderland" lief gestern aus, um nach der benachbarten Insel Aruba Gewehre und Munition für die Bewohner zu bringen, die vollkommen schutzlos sind. — Ein Brief aus Maracaibo kündigt die Abreise des vene-
Feuilleton.
Erntezeit im Snchseiidorsc.
Skizze aus Siebenbürgen.
Von R. Ziegler.
(Nachdruck verboten.)
Glühende Sommerhitze brütet auf den roten Ziegeldächern und der rote Kirchturmknopf blinkt, daß einem die Augen übergehen, wenn man zu ihm emporblickt. Auf den Gassen scharren die Hühner und das Kikeriki des stolz einherschreitenden Hahnes ist der einzige Laut, den man — allerdings in mehrfachem Echo aus allen Höfen — vernimmt. Sonst alles still, wie ausgestorben. Es ist die Zeit des Heumachens und alle Bewohner, bis auf die Alten, Kranken und Kinder, sind auf dem Felde. Eine Stunde vom Dorfe entfernt liegt das Wiesengrundstück, „bei der Scheune" genannt, wo fast jeder Wirt ein Stück zu eigen hat, und dort wird heute gemeinsam Heu gemacht.
Gestern abend nach dem Glockenläuten klopfte der Nachbarschaftsdiener, „Borger" genannt, mit seinem Rutenstab an jede Haustür und rief:
„Gez oder Honersbatsch" — wie der Wirt gerade heißt — „morgen soll bei der Scheune das Heu gemacht werden 1"
Die Kommunität hat es vorgestern abend beschlossen und jeder Bauer weiß, daß, wenn er dem Rufe nicht folgt, seine Wiese, sein Gras, falls er es nicht mit den andern zugleich müht, verloren ist, denn schon am nächsten Morgen nach der Abfuhr des Heues wird die Viehherde auf das Grundstück getrieben, um sich an den Stoppeln und etwaigen übrigge- bliebencn Halmen gütlich zu tun.
So sieht man am Morgen aus allen Häusern Frauen und Männer, alles, was Hände zum Zugreifen hat, mit Rechen und Heugabel ausrücken, um das in der Nacht von den Männern abgemühte Gras zu trocknen und bald herrscht auf der großen Wiese ein Leben voll Arbeit, Lust unb Fröhlichkeit.
Mittwoch den 12» August
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zolanischen Dampfers „Felix" mit Truppen für die Spitze der Bay von Maracaibo an. Man glaubt, die Soldaten seien dazu bestimmt, gegen die Revolutionäre zu gehen.
Das Wahlgesetz in ver Türkei. Das Wahlgesetz ist den Verwaltungsbehörden zugegangen. Die Wahlen erfolgen indirekt. 500 oder wenigstens 250 Urwähler entsenden einen Wahlmann. Die Wahlkreise decken sich mit den Sandschaks. Auf 50 000 männliche Einwohner entfällt ein Abgeordneter. Diejenigen Sandschaks, in welchen die Zahl der männlicken Einwohner 50 000 nicht erreicht, entsenden einen Abgeordneten, wenn sie wenigstens 25 000 beträgt. Die weiteren Grenzen sind folgende: Sandschaks mit 50 000 bis 75 000 männlichen Einwohnern erhalten einen Abgeordneten, mit 75 000 bis 125 000 zwei Abgeordnete, bis 175 000 drei, bis 220 000 vier Abgeordnete. Das aktive Wahlrecht erlangt jeder selbständige, im Besitze der bürgerlichen Rechte stehende Ottrmane mit zurückgelegtem 25. Lebensjahre, falls er irgend eine Steuer entrichtet. Auch aktive Militärpersonen sind wahlberechtigt. Das passive Wahlrecht ist durch ein Mindestalter von 30 Jahren bedingt. Staatsämter und Ministerstellen sind mit der Ausübung res Abgeordnetenmandates unvereinbar. Die Wahlen werden durch eine Wahlkommission ohne Mitwirkung der politischen Behörden geleitet.
Die Lage in Marokko.
Tanger, 11. Aug. Du Audot entsandte Truppen zu dem Stamm Diebel Habib, um den Verkehr zwischen Larache und Tetuan abzuschneiden. Der Stamm Sidi Zaer schickte Delegierte zu El Guebbas, um sich zu unterwerfen.
Tanger, 11. Aug. Gestern nachmittag erfolgte in der Gegend von C h l o t ein Zusammenstoß zwischen der Vorhut Bu Audas und Remikis. Bu Auda griff darauf mit seiner ganzen Heeresmacht, ehe das Lager Remikis .benachrichtigt war, an. Fünf Dörfer wurden niedergebrannt und zahlreiche Anhänger Muley Hafids getötet. Die Parteigänger Abdel Aziz hatten einen Toten und vier Verwundete. Heute früh griff Bu Auda das hasidische Lager an; der Kanonendonner ist in Tanger hörbar.
Für ErriÄtung eines Ansffchtsinrmes auf dem Buchberge bei Langenselbold gingen ein
Eduard Behringer .... 1.— Mk.
M. R., Gondsroth . . 1.— „
Treuer Buchbergfreund
Srn....... 1.— „
Voriger Betrag . . 2437.— „
Zusammen bis fetzt 2440.— Mk.
Hei, wie die Heugabeln das duftende Gras emporheben und in der Sonne und warmen Luft schütteln, wie die Augen blitzen und die Schweißperlen an der Stirn glänzen. Die Burschen lösen den breiten, schweren Ledergurt, der das lange Faltenhemd über den Hüften zusammenhält, die Mädchen werfen die Strohhüte zur Erde, denn sie sind an Sonnenglut gewöhnt und empfinden die Hüte mehr als Last, denn als Schutz gegen die Hitze.
Zur Mittagszeit lagert man sich zum einfachen Mahl, bestehend aus Speck und Brot oder Poulukes, einem Gericht aus Maismehl, Salz und Wasser, dazu gestockte Milch — unter dem nächsten Baun: und während deS Essens fliegt manche? Scherzwort herüber und hinüber.
„Wißt Ihr schon, Schenker, daß die zweite, Nachbarschaft den Fatzendorfer zum neuen Hannen (Richter) wählen will ?" fragt der junge Müller, das jüngste Kommunitätsmitglied, den nicht weit von ihm gelagerten jungen Nachbarorter Fritsch.
„Ich hörte auch davon und wir wollen schon dagegen stimmen, denn einen Hannen mit solch „einbilderischem" Wesen können wir nicht brauchen. Dann möcht ich schon eher an meinen Gevatter, den Koschutpaul denken. Wenn der auch ein w nig streng ist, so halte ich doch mehr von ihm: denn, wie das Sprichwort sagt: manchmal hilft ein Donnerwetter mehr wie ein Vaterunser, meint Ihr nicht auch, Nachbar?"
Die zwei reden sich allmählich in Eifer hinein, so daß die Frauen, die damit beschäftigt sind, die Mahlzeitrestc wegzuräumen, aufmerksam werden.
Sie treten näher und geben bald auch ihr Für und Wider in dieser wichtigen Sache von sich, bis die verschiedenen Meinungen heftig aufeinanderplatzen, so daß endlich einer nach dem andern zu seiner Heugabel greift und die zurückgedämmte Portion Aerger sich in kräftigem Schütteln und Zusammenrechen des. Heues Luft macht.
Gegen Abend stehen Hunderte von Heuhäufchen auf der Wiese: nun noch ein solcher warmer Tag, dann ist das Heu zur Einfuhr trocken genug.
Ist cs so weit, so rasseln Hunderte von mächtigen Erntewagen mit dem Wiese: 6 nun und dicken Seil oben, und den vier braunen Rößlein bespannt, das Dorf entlang. Meist reitet der Vater oder Soda auf einem der Pferde, Saltel-
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
Graf Zeppelin und sein Werk.
Berlin, 11. Aug. Dem deutschen Reichskomitee sind ferner beigetreten: der Deutsche Flottenverein durch sein Präsidium Großadmiral v. Köster und Admiral Weber, die Deutsche Kolonialgesellschaft durch die Vizepräsidenten Botschafter v. Hollcben und Geheimrat Paasche, der Präsident des Oberverwaltungsgerich.es, Exzellenz v. Bitter, der Alldeutsche Verein durch seinen Präsidenten Rechtsanwalt Klaß, der Braunschweigische Landesverein durch seinen Vorsitzenden, Staatsministrr v. Otto, der Minister deS Innern, v. Moltke, Oberbürgermeister Marx (Düsseldorf), Staatssekretär v. Tirpitz und viele Korporationen und Organisationen, die für den gleichen Zweck sammeln. Beiträge sind in erheblichem Umfange eingegangen. Rührend sind die Beiträge Minderbemittelter ; kleine Beamte, Geschäftspersonal, Köchinnen bringen ihre kleinen Gaben mit freudigem Herzen dar. Alle weiteren Mitteilungen erbeten an den geschäftsführenden Vorsitzenden, Emil Sellberg, Alsenstraße 10 in Berlin.
Friedrichshafen, 11. Aug. Der „Schwab. Merkur" meldet: Der deutsche Kronprinz trifft heute abend zum Besuch des Grafen Zeppelin hier ein.
Fnlda, 11. Aug. Die heutige Stadtverordnetenversammlung beschloß gemeinsam mtt dem Magistrat einen Aufruf zur Sammlung von Beiträgen für die Zeppelin-National- spende zu erlassen.
Neustrelitz, 11. Aug. Der Großherzog von Mecklenburg- Strelitz ließ an die Sammelstelle in Neustrelitz 5000 Mark für den Zeppelinfonds überweisen.
Stuttgart, 11. Aug. Die Felten u. Guilleaume-Lah- meyerwerke haben zur Volksspende für Zeppelin 3000 Mark an die Zentralsammelstelle überwiesen. Die Stuttgarter Abteilung hat ferner dem Grafen die elektrische Beleuchtungsanlage für das neue Luftschiff kostenlos zur Verfügung gestellt, während das Carlswerk in Mühlheim a. d. Ruhr die für das neue Luftschiff nötigen Stahldrahtseile ebenfalls kostenlos zu liefern beabsichtigt.
Stuttgart, 11. Aug. Bei dem hiesigen Zentralkomitee sind bis heute früh 170 000 Mark eingegangen, bei dem „Schwäb. Merkur" 38 500.
Die deutsche Opferfreudigkeit und das Ausland.
Ueber die Wirkung der Haltung Deutschlands im Auslande unterrichtet ein Artikel des Londoner „Daily Expreß" samt Bemerkungen, die eine Londoner Zuschrift der „Köln. Ztg." daran knüpft. Dieses Blatt schreibt: Aus vielen Artikeln, die denselben Gedanken behandeln, greifen wir den Leitartikel des „Daily Expreß" vom Freitag heraus: „DaS Zeppelin'sche Luftschiff ist am Mittwoch vernichtet worden. Heute wird gemeldet, daß achtzigtausend Pfund gezeichnet sind, um einen Nachfolger zu bauen. Kann etwas besser dir Hengst genannt, nicht selten sogar die Frau oder Tochter, wenn die männlichen Familienmitglieder krank oder ânderS beschäftigt sind. Das ist dann allerdings ein Anblick, bei dem die Grazien die Flucht ergreifen, denn die Frau sitzt nach Männerart zu Pferde, und bei diesem Ritt im Kampfe ums tägliche Brot, über steinige, holperige Gassen, in Regen und Staub und Sonnenglut, geht die Anmut nur zu leicht verloren. Da heißt es, möglichst schnell ans Ziel kommen, in knapper Zeit möglichst viel schaffen. Droht zum Ueber- fluß noch ein Gewitter, so gleicht solch ein Wagenzug der wilden Jagd, eilig hastet jeder vorwärts, um dèn Vorrat ins Trockene zu bringen.
Nun schwanken sie den Berg hinunter, die hochbeladenen Wagen, und werden hinter dem Hause in der stattlichen ziegelgedeckten Scheune abgeladen. Ein süßer Heugeruch erfüllt alle Gassen und mischt sich in der Abenddämmerung lieblich mit den Wohlgerüchen, die den duftenden Nelken und Reseden in den Hausgärten entsteigen.
Jetzt läuten die Abendglocken, die letzte Fuhre ist eingebracht und in langen Zügen trottet die Büffel-, Kuh- und Rinderherde durch die Gassen, heimkehrend von der Weide, wohin das sämtliche Vieh des Bauern mit Ausnahme des für den Tag notwendigen Zugviehes den ganzen Sommer hindurch ausgetrieben wird.
Dann fitzt man behaglich vor dem Haus auf der Steinbank, es ist Feierabend, und man hat sich müde gearbeitet unter der glühenden Sonne den ganzen langen Sommertag.
Mit bimmelnden Glocken traben die Herden heimwärts, die Gassen entlang durch die offenen Tore in die Höfe hinein, wo die Frau mit dem Eimer schon wartet, um das Meld geschickt zu besorgen.
Allmählich naht die Zeit des Kornschnittes heran. Schwer wiegen sich die goldnen Aehren im Winde und der Bauer holt die Sicheln hervor, um sie zu schärfen.
Vor Beginn der Ernte findet nach uraltem Brauch die Feier des heiligen Abendmahls statt, zu der sich das ganze Dorf einstellt.
Die Kommunität bestimmt den Tag, an welchem Ito Schnitt beginnt, und nun rückt wieder'oa§ gmrze Dorf zu dieser Arbeit aus.