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IL August

Dienstag

Sekte 3

diese Stellung als Vorkämpfer des Protestantismus aber erst von seiner Landung in Deutstbland an eingenommen. Zunächst stand er den gesamteuropäischen Strömungen fremd gegenüber. Er ist erst durch die drohende Haltung der Habs­burger zurzeit der Gegenreformation in die europäische Politik hineingetrieben zvorden. Es bestanden damals katholische Pläne, die sich bis auf Schweder erstreckten. Man wollte an der Ostsee ein großes Seereich schaffen und in Schweden die spanische Flotte verankern, um von dort aus die auf­ständischen Niederländer angreifen zu können. Diese phan­tastischen Pläne sind aber infolge des Kriegszuges Gustav Adolf's in Deutschland nicht zur Ausführung gekommen. Gustav Adolf kannte diese Pläne wohl, er hat sich aber von Anfang an zunächst als Vorkämpfer des Protestantismus gefühlt, nicht nur als der Verteidiger der Krone Schwedens. ES war ein Kampf gegen den drohenden Katholizismus. Er hatte volles Vertrauen auf das Recht seiner Sache. Von einem Konfessionalismus kannte er nichts. Er hat sich zur vollen Freiheit durchgerungen und ist in den Kampf mit freudiger Zuversicht gegangen. Er war ein freudiger Idealist. Er dachte keineswegs daran, das deutsche Kaiserreich zu er­obern oder umzustürzen. Solchen blinden Ehrgeiz hatte er nicht. Redner bespricht dann die russische und die dänische Politik Gustav Adolfs. Die Dänen waren dem Schwedenkönig in den Rücken gefallen. Er hatte deshalb gegen sie ein stetes Mißtrauen. Aber niemals dachte er daran, Dänemark zu erobern; vielmehr wollte er im Interesse des Protestantismus ein Bündnis mit Dänemark schließen. AIs er nach Deutschland kam, dachte er keineswegs daran, das christliche Kaisertum umzustürzen. Er wollte nur den Protestantismus stützen. Für ihn hatte er sein ganzes Leben eingesetzt.

Prof. Cumont (Gent) sprach schließlich über die Be­ziehungen zwischen Religion und Astrologie. Er wies darauf hin, daß in früheren Zeiten die Religion vielfach in Be­ziehungen zur Astrologie gebracht worden ist. Die Wissen­schaft hat freilich damit aufgeräumt.

Am Montag werden die Verhandlungen fortgesetzt.

Kurzer Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirt- schckftsrats vom 4, bis 10, August 1008,

Für die Fortführung der Erntearbeiten waren die Witte- kungsverhällniffe während der abgelaufenen Berichtswoche weniger vorteilhaft als vorher, indem die ersten Tage dem Norden, die letzten Tage dem Süden und Westen Deutsch­lands mehr oder weniger ergiebige Regenschauer brachten. Augenblicklich nehmen die Feldarbeiten wieder sämtliche Ar­beitskräfte der Landwirtschaft in Anspruch, wodurch das An­gebot von dieser Seite inzwischen wieder eine Einschränkung erfahren hat. Gleichzeitig wurden aus Amerika weitere Ernte­schäden gemeldet, auf Grund deren die dortige Spekulation eine ziemlich lebhafte Tätigkeit entfaltete, und wenn man den damit zusammenhängenden Preissprüngen der amerikanischen Märkte auch im allgemeinen mißtrauisch gegenüber stand, so gab goch der Umstand zu denken, daß für die Deckung west­europäischer Jmportbedürfnisse während der nächsten Monate in erster Reihe der amerikanische Weizen in Betracht kommt, und daß bei dem gegenwärtigen Preisunterschiede zwischen letzterem und dem deutschen Produkt eher mit einer Ausfuhr als mit der Möglichkeit, fremden Weizen einzuführen, gerechnet werden muß. Während sich derartige Erwartungen bisher noch nicht verwirklichen konnten, zumal die deutschen Land­wirte noch nicht in der Lage waren, größere Mengen zum Verkauf bereit zu stellen, bildet die andauernde Exportnach­frage für deutschen Roggen den Gegenstand wachsender Auf­merksamkeit der inländischen Verbraucher, die sich den stärkeren Angeboten gegenüber bisher ziemlich ablehnend verhalten hatten, zuletzt aber etwas mehr Neigung zeigten, ihre Gebote den vom Export bewilligten Preisen anzupaffen. Von Gerste kamen bereits verschiedentlich Proben an die Märkte, doch lassen sich daraus vorläufig keine Schlüsse auf das Gesamt­ergebnis der Gerstencrute ziehen. Ein Geschäft in diesem Artikel hat sich noch nicht entwickelt, und scheint man das Herauskommen stärkeren Angebots abwarten zu wollen. Die Forderungen für schlesische Gerste stellen sich zur Zeit auf 185190 Mk. ab Stationen; von Abschlüssen auf dieser Basis ist bisher nichts bekannt. Hafer ist in feinen Quali­täten nur noch spärlich anzutreffen; die Nachfrage gestaltete sich infolgedessen für die bisher vernachlässigten Mittelsorten etwas lebhafter, wobei die letzten Preise leicht überschritten werden können.

Es stellten sich die Getreidepreise am letzten Markttage in Mark pro 1000 lex je nach Qualität, wobei das Mehr (-st) bezw. Weniger () gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist, wie folgt:

Weizen

Roggen

Hafer

Königsberg

- (

) 175 (+1

) 156 (- )

Danzig

208 (

) 173 (+2

) 160 (- )

Stettin

- (

) HS^f-

)161 (- )

Posen

210 (

) 170 (2

) 152 (4-1 )

Breslau

221 (

) 177 (

) 156 (- )

Berlin

208 (

) 176 (+1

) 178 (- )

Magdeburg

203 (

) 175 (1

) 158 (- )

Halle

205 (

) 174 (4

) 156 (+1 )

Leipzig

208 (

) 177 (+1

)161 (- )

Braunschweig

- (

) 173 (

)162 ( + 1 )

Rostock

- (

) 176 (

) 165 (- )

Hamburg

210 (

) 183 (+1

) 178 (+2 )

Hannover

214 (4

) 180 (-

)168 (+1 )

Düsseldorf

220 (

) 185 (-2

) 167 (-1 )

Köln

210 (

) 185 (

) - ( )

Frankfurt a. M. 212+(

) 185 (

) 175 (- )

Mannheim

223+(-+

) 194 (2

) 173 (- )

Straßburg

227+(-

) 187+(-

)190 (- )

München

223 (

) 183 (

) 183 (- )

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Sept. 203.00 (-s-2.751, Budapest Oktober 189.05 (.), Paris August 188.05 (+5.05), Liverpool Sept. 168.30 (+4.95), Chicago Sept. 145.30 (+3.30), Roggen: Berlin Sept. 179.50 (+1.75), Hafer: Berlin September 162.50 (-4-0.50) Mk.

fandet Gewerbe and Verhebr»

Biehmarkt in Frankfurt a. M. am 10. Aug. Amtliche Notierung der heutigen Viehmarktvreise. Zum Verlauf stan­den: 418 Ochsen, 45 Bullen, 971 Kühe und Jungrinder, 295 Kälber,195 Schafe u.Hämmel, 1826 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen n, vollfleischige, gemästete, höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren 8184 Mk., b. junge fleischige, nicht gemästete u. ältere gemästete 7476, c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 6064, <1. gering ge­nährte jeden Alters 0000. Bullen: a. vollfleischige höchsten Schlachtwertes 6769, b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 6264, e. gering genährte 00.00. Kühe und Rinder: a. vollfleischige junge Kühe und Rinder höchsten Schlachtwertes 7476, b. vollfleischige Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 6668, e. ältere Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder 5256, -l. mäßig genährte Kühe und Rinder 0000, e. gering ge­nährte Kühe und Rinder 0000. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast- (Vollm. Mast) u. beste Saugkälber (Hannov.) 9295 Pfg. b. mittlere Ma st­und gute Saugkälber 8092 Pfg. c. geringe Saugkälber 68 b. 72 Pfg., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser) 0000 Schafe: a. Mastlämmcr und jüngere Masthämmel 8200, b. ältere Masthämmel 7476, e. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merz)-Schafe 0000. Schweine: a. vollfleischige der feineren Rasse und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1'/« Jahren 6869, b. fleischige 6700, e. gering entwickelte sowie Sauen und Eber 5860. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Lebendgewicht: Ochsen 0000 Pfg., Kälber a. 5556 Vfg., b. 4753, Schweine a. 53 7254 Pfg., b. fleischige 53 Pfg. Geschäftsgang in Hornvieh und Kleinvieh gut, Ueberstand in beiden Gattungen keiner. Aus Oesterreich-Ungarn standen 84 Ochsen zum Verkauf.

Frankfurter Fruchtmarkt vom 10. Aug. Es notier­ten: Weizen, hiesiger und Wetterauer 21.0021.25 Mk., kurhessischer, je nach Qualität 00.0000.00 nordd. 00.00 bis 00.00, russischer 00.0000.00, Redwinter 24.0025.00, Kansas 00.00-00.00, La Plata 00.0000.00, Rumän. 00.0000.00 Roggen, hiesiger 18.5000.00, russischer 00.0000.00, Rumän. 00.0000.00. Gerste hiesige und Wetterauer 19.7520.50, Pfälzer 20.00-21.00, Ried 00.00-00.00, Hafer, hiesig. 16.75 b. 17.00, bayerischer 00.0000.00, württ. 00.0000.00, russischer 00.00-00.00, Rumän. 00.00- 00.00, La Plata 00.00-00.00, Mais, mixed 00.0000.00, Russischer 00.0000.00, Donau 00.00OOM La Plata 16.2516.50 Mehl: -.- Weizen­mehl Nr. 0 29.7530.00, Nr. 1 28.7529.00 Nr. 2 27.75 bis 28.00. Nr. 3 27.2527.50, feinere Marken 0.500.00 höher. Roggenmehl, Nr. 0 28.00-28.50, Nr. 1 26.00-26.50, Nr. 2 22.0022.50. Alles per 100 Kilo inkl. Sack loko hier. Futtermittel: fest. Weizenschalen 10.5000.00 Mk., Weizenkleie 00.0000.00, Roggenkleie 11.0011.25, Futter­mehl 00.0000.00, Biertreber, getrocknet, 12.50 bis 00.00. Alles per 100 Kilo ab hier.

Zum Frauenmord in Triest.

(Unbet. Nachdruck verb.) S. & H. Triest, 10. August.

DerDeutschen Journalpost" werden in der Mordaffäre Födransperg folgende weitere interessante Details gemeldet: Das schreckliche Verbrechen wurde an dem kritischen Tage um Vdl Uhr verübt. Eine halbe Stunde später begab sich Födransperg zu einem Herrn Czakarewski und fragte ihn, ob er ihm einen Handwagen leihen könne. Da es jedoch Födransperg einfiel, daß Czakarewski möglicherweise das Hilfegeschrei und den Lärm des Kampfes mit seinem Opfer gehört haben könne, sagte er, sich erzürnt stellend:Dieses verfluchte Luder! Ich muß sofort ihre Effekten wegfchicken. Das hat man davon, wenn man Gutes tut. Je mehr man einem nützt, desto schlechter wird man belohnt." Czakarewski wies jedoch Födransperg an seinen Nachbar, der einen Hand­wagen besaß, aber Födransperg kümmerte sich nicht weiter darum. Man erzählt, daß Födransperg streng darauf sah, daß niemand seine Wohnung betrat. Als er einmal eine kleine Schuld nicht beglich und der Gläubiger Födransperg pfänden lassen wollte, sagte er zum Gerichtsvollzieher, indem er ein Bündel Banknoten von seinem Schreibtische nahm und sie dem Vollziehungsbeamten zeigte: Sehen Sie, wieviel Geld ich habe? Ich zahle aber nicht, weil ich nicht will" und ließ die Pfändung vornehmen. Zu bemerken ist, daß Födrans­perg damals, schon seit längerer Zeit ohne Stellung war. Es werden daher auch wegen der Herkunft dieses Geldes verschiedene Vermutungen laut. Födransperg lies nicht ein­mal die Milchfrau oder den Backwarenausträger in seine Wohnung eintreten, sondern ließ zum Fenster hinaus einen Korb hinunter, in den die Milch und das Brot gestellt wurde. Die Untersuchung nimmt einstweilen ihren Lauf. Die Wirtin Födranspergs wurde gestern abermals einem mehrstündigen Verhör unterzogen. Es scheint, daß alle Verdachtsgründe zerstreut sind. Jedenfalls aber bleibt sie eine der wichtigsten Zeuginnen.

Der Sohn der Ermordeten.

Unbet. Nachdruck verb. 8. u. H. Tunis, 11. Juni.

Die Nachricht von der Ermordung der Varietee-Sängerin Lucie Fabry hat hier einen großen Eindruck gemacht, da sie hier sehr bekannt war. Kurz vor ihrer Abreise von Tunis hatte sie in der Straße La Valette eine Wohnung gemietet, die sie der Aufsicht einer Freundin überließ. Sie hatte auch ihren zwölfjährigen Sohn Marcel, einen hübschen Knaben, für den sich ein Herr M. G., ein intimer Freund der Fabry interessierte, in eine hiesige Pension gegeben. Am Anfang der vorigen Woche bekam M. G. einen Brief von der Fabry, in dem sie ihre baldige Rückkehr nach Tunis mitteilte. Er lud den Knaben ein, 'ihn am Freitag zu besuchen, damit sie sich gemeinsam zum Hafen begeben konnten. Einen Tag vorher meldeten dann die Zeitungen den Mord. Man glaubt hier, daß der Mörder versucht habe, die Fabry zurück­zuhalten, und sie, als er die Fruchtlosigkeit feinet Be­mühungen einsah, in einem Zornanfall getötet habe. Der kleine Marcel'hat bereits tragische Stunden erlebt. Er befand sich nämlich im Hause feiner Patin. Marie Marchi. als diese in ihrem Hause am 9. September 1906 von ihrem Diener Joyard ermordet wurde.

Hus aller Mell.

Eine gräfliche Szene wurde am Mittwoch im Pariser Justizpalast künstlich wieder rekonstruiert. Es handelt sich

um die Ermordung des Bankiers Remy. Einer seiner Diener, Courtois, hat bekanntlich bereits die Teilnahme an dem Verbrechen gestanden und ausgesagt, daß er gemein­sam mit dem Kellermeister Renard in das Zimmer des Bankiers drang und ihn erdolchte. Renard aber leugnet und da es bisher unmöglich gewesen ist, ihn zu überführen, so hat man jetzt, wie die Blätter berichten, seine Zuflucht dazu genommen, die Szene lebend darzustellen und dabei durch einen Kinematographen-Apparat aufnehmen zu lassen. Das Zimmer wurde genau so eingerichtet, wie das Schlafgemach des Ermordeten, Courtois und ein Detektiv überfiel einen dritten, der den Bankier darstellte, zerrten ihn aus dem Bett, stachen auf ihn ein und brachten auf diese Art den Körper genau in die Lage, in der man den Ermordeten nach der Tat gefunden hatte. Die kinematographische Wiedergabe der Tat soll dann dem zweiten Angeklagten vorgeführt werden und man hofft, daß Ueberraschüng oder Schrecken vor der blutigen Realistik dieser Darstellung dem Kellermeister »in Geständnis entreißen werde.

Beim Wilvern erschaffen. Der Förster Klouse aus Geisberg hat im Walde einen Mann erschossen, den er beim Wildern antraf und der sich mit einer Flinte zur Wehr setzte.

Wegen Veiseiteschaffung von Urkunden und Ur- kundenfälschung im Amte wurde der Gerichtsschreibergehilfe Hoheisel in Muskau von der Görlitzer Strafkammer zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.

Liebesvrama. In Charlottenburg wurde der 20jährige russische Kunstmaler Otto Natke mit der 14jährigen Frieda Marquardt im Zimmer erschossen aufgefunden.

Im Nebel zusammengestotzen. Das deutsche Schul« schiff !,Freya" traf von Fayal kommend in Halifax (Neu- Schottland) mit der Nachricht ein, es sei mit dem Fischer­schonerMaggis and May" aus Gloucester auf den Bänken von Neufundland im dichten Nebel zusammengestoßen. Der Schuner sei innerhalb zwei Minuten gesunken. Von der 13 Mann zählenden Besatzung wurden nur vier gerettet, da das Vordersegel beim Kentern neun Mann im Wasser be­deckte und es so der deutschen Rettungsmannschaft unmög­lich machte, zu den Ertrinkenden zu gelangen. Von diesen neun kam nur einer mit dem Leben davon. Die drei Ge- retteten hatten sich auf der anderen Seite des sinkenden Schiffes befunden. Der dichte treibende Nebel hatte es un- möglich gemacht, die Richtung, aus der Nebelsignale ertönten, zu erkennen. Daher glaubte dieFreya" den Schuner, dessen hintere Lichter nicht zu sehen waren, auf der Backbordseite, während sie ein oder zwei Augenblicke später schon mit ihm zusammenstieß.

Folgenschwere Pnlverexplofion. Wie aus Madrid gemeldet wird, ist die Pulverfabrik in Schollan in die Luft geflogen. Fünf Männer und vier Frauen wurden getötet, viele Personen verletzt.

Eine diebische Phthia. Frl. Zacharasien, eine in Paris lebende österreichische Künstlerin, ließ sich in ihrer Wohnung in Passy von einer Zigeunerin namens Mercedes nach einer angeblich neuen Methode wahrsagen.Alle Ringe, die jemals deine göttlichen Finger umgaben, mußt du mir an­vertrauen!" rief die Wahrsagerin aus. Die Künstlerin ent­sprach dieser Aufforderung. Sie ließ sich dann die Augen verbinden und lauschte entzückt den wunderbaren Prophe­zeiungen. Plötzlich entstand ein befremdendes Schweigen. Das Fräulein riß die Binde von den Augen und mußte die betrübende Wahrnehmung machen, daß Mercedes mit den Ringen im Werte von über 30000 Fr. verschwunden war.

Eine ganze Kinderschar mit Tollkirschen ver- giftet hat in Thürnthenning in Niederbayern eine 78jährige Beerensammlerin. Sie hatte fahrlässigerweise die Tollkirschen mit anderen Beeren gesammelt und den Kindern davon gegeben. Vier Kinder sind bereits gestorben.

Ein Gcdvittersturm riß den Steg zum Raintalhospiz bei P a r t e n k i r ch e n fort, als eine Frau Eßlinger aus Hamm in Westfalen ihn passierte. Die Dame ist tot, ihre Leiche wurde in Partnachklamm geborgen.

Eisenbahnunfall.

Eckernförde, 10. August. Der Extrazug, der gestern abend den Männerturnverein von Satrup abholen sollte, stieß mit dem fahrplanmäßigen nach Flensburg fahrenden Zuge auf der Kleinbahnstrecke Flensburg-Rundhof gegen halb 11 Uhr zusammen. Von den Wagen des Personen- zugcs wurde einer _ auf den andern geschoben. Insgesamt wurden bei dem Zusammenstoß neun Personen getötet und eine große Anzahl verletzt, davon neun schwer. Der Leerzug wurde nur wenig beschädigt.

Flensburg, 10. August. Das Eisenbahnunglück er« eignete sich etwa 300 Meter hinter dem Dorfe Groß Tarop. Von den Schwerverletzten liegen zwei hoffnungslos darnieder. Die Unglücksstelle liegt in einer scharfen Kurve, die mit Bäumen bewachsen ist und Uebersicht nicht gestattet. Der Lokomotivführer sah die Lichter des entgegenkommenden Zuges, glaubte aber, es sei der ausfahrende Kiel-Flensburger Zug, dessen Gleis nur einige Meter entfernt liegt. Der aus- fahrende Leerzug stand bereits bei dem Zusammenstoß, da dessen Führer die Gefahr rechtzeitig erkannte. Die recht­zeitige Rückwärtsstellung der Tampfantriebskraft und das Lösen der Bremsen mißglückte aber. Durch andauernde Dampssignale wurden die Anwohner auf die Gefahr auf­merksam. Es erfolgte ein dumpfer Knall und da? schreckliche Schreien der Sterbenden und leichter Vernum beten, das Weinen und Hilferufen der furchtbar in die Enge Gequetschten erfüllte die Stille der Nacht. Erst nach Stunden kam die erste ärztliche Hife. Gleichzeitig erschienen auch Feuerwehr- mann+affen und die Rote Kreuz-Truppe von Flensburg.

Flensburg, 10. August. Die bei dem gestrigen Eisen- bahnunglück^qetöteten Personen sind Schuhmacher Klicho, Feueragent Svendsen und Frau, Frau Katharina Lorenzen, Frau Asmussen, Uhrmacher Augustin, Fräulein Herzfeld, Frau Petersen und Frau Michelsen, vermutlich aus Gelting, während alle übrigen aus Flensburg sind. Die Schwerver­letzten wurden in die Diakonissen-Anstalt gebracht. Die beiden Schuldigen, ein Lokomotivführer und ein Angestellter, laben die Schuld cingestanden, weshalb die Staatsanwalt- chast von der sofortigen Verhaftung vorläufig Abstand ce« kommen hat. Die Strecke ist wieder betriebsfähig.

Der Brand in Dnnaueschingen.

bll an esch 'm gen, 8. Aug. Nach der heutigen amtlichen 1 Feststellung liegen 125 Wohngebäude und 168 Nebengebäude m krummern, 227 Familien mit etwa 700 Köpfen sind ob- dachlos. Alle Gerätschaften usw., außer dein Vieh, wurden vernichtet. Soeben trifft die Nachricht ein, daß der G r o ß- Herzog von Haben in der nächsten Woche die Brand-