p, Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 183
Fernsprechanschlutz Nr. 605.
Freitag den 7. August
Ferusprechanschlutz Nr. 605. 1908
Amtliches.
Landkreis F)anau. BekamlimchNgell hes Königlichen Lnnörntsnmts.
Die Termine für die öffentlichen JmpfitNgen in Bischofsheim und Enkheim werden hiermit wie folgt festgesetzt:
Bischofsheim, Rathanssaal : am 27. August 1908, nachm. 3 Uhr, Erstimpfung, am 27. August 1908, nachm. 4 Uhr, Wiederimpfung, qm 3. September 1908, nachm. 3 Uhr, Nachschau der
Erstimpfung,
qm 3. September 1908, nachm. 4 Uhr, Nachschau der
Wiederimpfung.
Enkheim, Gasthaus zur Traube:
am 4. September 1908, nachm. 3 Uhr, Erstimpfung, am 4. September 1908, nachm. 4 Uhr, Wiederimpfung, qm 11. Septeniber 1908, nachm. 3 Uhr, Nachschau der
Erstimpfung,
qm 11. Septeckber 1908, nachm. 4 Uhr, Nachschau der
Wiederimpfung.
Hanau den 3. August 1908.
Der Königliche Landrat.
A 3687 v. Beckerath.
Das Infanterie-Regiment Hessen-Homburg' Nr. 166 wird vom 10.—15. ds. Mts. ein Schietzen mit scharfen Patronen im Gelände zwischen „Bischofsheim —Bergen—Gronau—Niederdorfelden" abhalten.
Schußrichtung : Mich Gr, Lohe nach Höhe 166, südwestlich dieser.
BegittN des jedesmaligen Schießens: 7 Uhr vormittags; Ende gegen 4 Uhr nachmittags.
Das Betreten des unten näher bezeichneten Geländes ist verboten : Nordrand Gr. Lohe, Wegkreuz Vilbel—Bischofsheim und Gronau—Bergen—Bergen-Feldweg, Bergen (Südostausgang)—Bischofsheim-Linie Bischofsheim—Ostecke der Gr. Lohe.
Folgende Wege sind gesperrt:
1. Die beiden Feldwege Bischofsheim—Gr. Lohe.
2. Feldweg Bischofsheim—Gronau (bis Wegegabel westlich Gr. Lohe.
3. Feldweg Bischofsheim—Vilbel f bis zu dem näher bezeich-
4. Feldweg Bergen—Gronau J liefen Schnittpunkt
5. Die hohe Straße von Bergen-Ostecke Gr. Lohe.
6. Straßen Bergen—Niederdorfelden (bis zum Hohlweg westlich Gr. Lohe), Feldweg Ostausgang Bergen—Bischofsheim bleibt offen.
Den Weisungen der Sicherheitsposten ist unbedingt Folge zu leisten.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher der in Betracht kommenden Gemeinden ersuche ich, um weitere ortsübliche Bekanntgabe.
Hanau den 6. August 1908.
Der Königliche Landrat.
M 3007 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.
Unter den Schweinen in Mittelbuchcn ist die Schweineseuche erloschen.
Hanau den 5. August 1908.
Dèr Königliche Ländrät.
V 5395 I. A.: Conrad, Krcissekrctär._________
Der Landweg in Hutteugesätz kann wegen der an der Brücke vor der Neide l'schen ' Wirtschaft plötzlich erforderlich gewordenen Umbauarbeitcn von durchgehendem Lastfuhrwerk von heute bis zum 14. d. Mts. nicht befahren werden.
Der Fährverkehr von Langenselbold nach Allwiedermus und Ncuwicdermus und umgekehrt muß den Weg an dem Baumwieserhof vorbeinchmen.
Hanau den 7. August 1908.
Landesbauamt.
____________________Wohlfarth. ________________
©cjiÄic^^ Gcsitnstimdc ic.
Gefunden: 1 Rückcuriemeu vom Pferdegeschirr, 1 Pferdedecke (weiß und blau gestreift).
Verloren: 1 goldene Brosche, 1 Wagenbremse, 1 Zehnmarkstück, 1 gold. Kettenarmband mit Herz, 1 Portemonnaie mit ungefähr 30 Mk., 1 Portemonnaie mit ungefähr 4 Mk. nebst Dienstbuch und Kontobuch (in einem (sapicrsäckchcn).
B ßicgen geblieben: 1 Damenmantcl.
Hanau den 7. August 1908.
PoHtiT&e Rundschau.
Die belgische Kammer nahm Artikel 7 der Kolonialverfassung an, welcher die Gegenzeichnung der Akte des Königs durch den Minister vorsieht. Ein Antrag auf Vertagung wurde mit 86 gegen 47 Stimmen abgelehnt. Art. 8, welcher sich auf die Einführung der Erbschafts- und sonstigen Steuern bezieht, wurde angenommen. -
Die dänischen Lithographen und Steindrncker waren vor einiger Zeit in den Ausstand getreten; sie forderten unter anderem die Einführung des Achtstuildentages. Um den Streik zum Abschluß zu bringen, kündigten die Arbeitgeben an, daß am Montag den 10. August eine allgemeine Aussperrung der Buchbinder und Typographen beginnen würde, diejenigen ausgenommen, welche bei der Tagespresse beschäftigt sind. Oie Ärbeiler antworteten hierauf mit der Ankündigung des Ausstands auch bei den Druckereien der Tagespresse. Die zwischen den Vertretern der Arbeiter und der Arbeitgeber geführten langwierigen Verhandlungen sind bisher ergebnislos verlaufen: man hofft aber, die Verhandlungen zum glücklichen Abschluß zu bringen, ehe die ange- kündigten Arbeitseinstellungen in Kraft treten.
Die RegfertMss von Honduras lehnt es ab,, dem Verlangen der Vereinigten Staaten nachzukommen und die Zurücknahme des Exequaturs deS amerikanischen Konsuls und Vizekonsuls in Ceiba zu widerrufen. Als Grund für die 'Ablehnung wird angegeben, die Konsularbeamten hätten sich in die innere Politik Honduras eingemischt, gemeinsam mit den Vizekonsuln Frankreichs und Norwegens, und der Stadt Ceiba den Rat erteilt, sich den Revolutionären auszuliefern.
Marokko. Die englische Gesandtschaft, lud Raisuli ein, in Tanger zu residieren. Die Stämme Augheros und Ouled- drou haben auf, Grund der Konferenz mit dem Pascha von Tanger an Abdel Asis Delegierte geschickt mit der Mission, ihm darzulegen, daß sich die Machtlosigkeit von Muley Hafid in Zukunft eriveisen werde. Die Abreise Muley Hafids von Fez, die sich verzögerte, erfolgte bis zum 2. August nicht.
Die Reise des Kaiserpaares.
Wisbh, 6. August. Das Kaisergeschwader traf hier um 1 Uhr 45 Minuten mittags ein. Nachdem der deutsche Konsul an Bord der „Hohenzollern" gegangen war, begaben sich der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge an Land; sie warben empfangen vom Bürgermeister der Stadt, sowie dem Landeshauptmann und Bischof. Die Kaiserin erhielt reiche Blumenspeuden von jungen Mädchen und Damen. Eine große Menschenmenge hatie sich versammelt und begrüßte das Kaiserpaar mit lebhaften Hurrarufen. Der Besuch war vom schönsten Weiter begünstigt.
Stockholm, 6. August. Der König verlieh anläßlich des Besuches Kaiser Wilhelms folgende Ordensauszeichnungen : dem Gcneraladjntanten von Plessen den Seraphinenorden, dem Regierungspräsidenten v. Valentini und dem Kommandeur der „Hohenzollern", Kontreadmiral Jugenohl, das Kommandeurkreuz erster Klasse des Wasa-Ordens, dem Flügel- adjutanten von Neumann - Cosel das Kommandeurkreuz zweiter Klasse des Schwerterordens, dem Leibarzt Dr. Niedner, den Geh. Hofrätcn Abb, Maßmann und Jacobi und dem Generalkonsul von Krencki das Kommandcurkreuz zweiter Klasse des Wasa-Ordens. Außerdem wurden noch eine Reihe anderer Persönlichkeiten Orden verliehen.
Stockholm, 6. August. Staatssekretär v. Schön und bevollmächtigter Minister Graf v. Pückler erhielten die Bilder des Königs Gustav im Rahmen.
Beisetzung v. Lueanus.
' PotsVam, 6. Aug. Gestern abend fand unter feierlichem Glockengeläut die Ueberführung .bet Leiche des Heimgegangenen Chefs des Zivilkabinetts deS Kaisers, v. Lucanus, nach der FriedensUrche statt. In der der Feier entsprechend ausgeschmückten Kirche fand am Nachmittag um 4 Uhr eine Trauerscier statt. In Vertretung des Kaisers war Prinz Eitel Friedrich erschienen; er legte einen Kranz mit den Initialen des Kaisers und der Kaiserin am Katafalk nieder. Der Kronprinz ließ sich durch den Kammerherrn v. Stülpnagel vertreten, der ebenfalls einen Krunz niederlegie. Reichskanzler Fürst v. Bülow war durch den Vertreter des beurlaubten Unterstaatssekretärs in der Reichskanzlei, Geh. Rc- gierungsrat Wahnschaffe, vertreten, der im. Auftrage des Reichskanzlers einen Kranz an der Bahre beS Verewigten niederlegte. Außer dem Prinzen Eitel Friedrich waren erschienen : Prinz Friedrich Leopold, die Minister Dr. Beseler, Holle, v. Moltke und Studt, Staatssekretär v. Bethmann- Hollwcg, die Generale v. Kessel, v. Hahnke, v. Scholl und Dr. v. d. Goltz, der Stadtkommandant von Berlin,! Bohn, der Kommandant beS dritten Armeekorps. v. Bülow, Oberst-
kâmmerer zu Solms-Baruth, ferner Graf zu Dohna, Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, der Polizeipräsident von Berlin, von Stubenrauch, der Polizeipräsident von Potsdam, von Stark, Leibarzt Dr. v. Jlberg, Geheimrat Dr. Niedner, der englische und der türkische Botschafter, der französische, japanische und bayerische Geschäftsträger und der Oberbürger» meister von Potsdam, Regierungsrat Vosberg. Ferner hatten Kränze gesandt: der Großherzog von Baden, der Herzog von Sachsen-Altenburg, Herzog Ernst Günther und Herzog Jo» Hann Albrecht, der Fürst von Hohenzollern, der Fürst zu Fürstenberg und die Beamten des Zivilkabinetts, sowie der Preußische Landeskriegerverband. Die Trauerrede hielt Generalsuperintendent Faber. Die Beisetzung fand auf dem Friedhof in Bornstedt statt. Am Grabe sprach Pfarrer Simon-Bornstedt ein kurzes Gebet.
Dis Vorgänge in der Türkei.
Konstantinopel, 6. Aug. Einer amtlichen Verlaut» barung zufolge hat Kiamil Pascha als Großwesir ein neues Kabinett gebildet.
Konstantinopel, 6. Aug. Die Zusammensetzung des neuen von dem Großwesir Kiamil Pascha gebildeten Kabinetts ist folgende: Hassan Fehmi Pascha bleibt Justizministrr, Tewfik Pascha wird Minister des Aeußern, der Dali von Siwas, Reschid Akif Pascha wird Minister des Innern, der Vali von Tripolis, Marschall Reschid Pascha wird Kriegsminister, Vizeadmiral Mehmed Arif Pascha wird Marine- minister, Unterstaatssekretär des GroßwesirratS Tewfik Pascha wird Präsident des Staatsrats, Hakki Bey bleibt UnterrichtS- minister, der Staatsrat Ehrem Bey Vakufminister, Effendi Nurademgiar wird Minister für Handel und öffentliche Arbeiten, Staatsrat Navre Cordato Effendi, Grieche, Minister für Ackerbau und Bergbau. Die neue Minister- liste wurde sofort dem Sultan zur Sanktion unterbreitet. Das neue Ministerium scheint einen guten Eindruck zu machen, namentlich die Ernennung Ehrem Beys, der der jung- türkischen Partei angehört.
Konstantinopel, 6. Aug. Außer dem bisherigen Marineminister Hassan Rami Pascha, bei dem 170 000 Pfd. bei seiner Verhaftung gefunden wurden, ist auch der frühere Minister des Innern, Memduh Pascha, und der frühere Stadtpräfekt, Reschid Bey, verhaftet worden. Ihre Wohnungen wurden durchsucht, ein Untersuchungsverhör ist eingeleitet worden.
Konstantinopel, 6. Aug. Der Sultan sandte gestern den Minister des Aeußern und den Oberzeremonienmeistrr zu den griechischen Prinzen, er bedauert sehr, sie infolge der Kabinettskrisis nicht empfangen zu können. Er freue sich aber ein andermal auf ihren Besuch. Die griechischen Prinzen sind heute abgereist. — Bei den Eidesleistungen in den einzelnen Kasernen fanden begeisterte Verbrüderungen mit den Christen statt, die auch sonst vom jung-türkischen Komitee angeftrebt werden.
DeuljchlM und hie türkische Revollltiov.
(Nachdruck verboten.)
Man hat sich schon viel den Kopf darüber zerbrochen im In- und im Auslande, ob die Aenderung, die plötzlich und unerwartet in der Türkei vor sich gegangen ist, einen Vorteil oder einen Nachteil für die deutsche Politik bedeutet. Die einen wollen in ihr einen großen Erfolg sehen und argumentieren, daß Deutschlands ganze Orientpolitik ja auf das Vertrauen in die Lebensfähigkeit des türkischen Volkes basiert gewesen sei und entgegen anderen Erwartungen, die den kranken Mann schon halb tot sahen, hätten die letzten Ereignisse ja bewiesen, welche unerwartete Kraft in dem türkischen Volk stehe und wie berechtigt also das Vertrauen der deutschen Politik in diese Kraft gewesen sei. Die anderen indes, nur westeuropäische deutschfeindliche Stimmen, wollen in dem Umschwung eine Niederlage der deutschen Politik finden. Deutschlands Einfluß, sagen sie, beruhe auf dem Sultan und seinen Palastgünstlingen — mit deren Machtverkleinerung sinke auch der Einfluß Deutschlands. Diese letztere Konstruktion ist natürlich unhaltbar, wie sogar ihre Erfinder bei einiger Besinnung einsehen werden. In der Fehimaffäre und in vielen anderen Fällen, wo die "deutsche Politik die nicht dankbare Aufgabe übernommen hat, für vernünftige Reformen einzutreten, ist gezeigt worden, daß Deutschlands Einfluß mit den Mißständen und der Palast- wirtschaft nichts zu tun hat, sondern im Gegenteil mehrmals beinahe aufs Spiel gesetzt wurde, um gegen diese Palast- wirtschaft aufzutrctcn. Abgesehen davon, ist es sehr kurz- sichtig, die deutsche Stellung in der Türkei als Konsequenz persönlicher Beziehungen aufzufassen. Wichtiger als diese find die realen Jntcreffen. Und die deutschen realen Interessen wollen eine starke Türkei, und das mißen dir j^ungtürken