Emilie Gegen 9 Uhr wurde bei dein schwedischen KönigS- pant der Tee eingenommen.
Dic Srorgcinge in vcr Türkei.
Konstantinopel, 4. August. (Wiener Korr.-Bur.) Dem „Jkdam" zufolge wurde der Wali von Salonik, Niiam Pascha, zunl W a 11 von Adrian o p e l e r n a n n t. Die kaiserliche Garde leistete gestern den Eid aus die Vcr- jaffung.
Köln, 4. August. Ein Berliner Telegramm der „Köln. Zeitung" stellt fest, eS scheine bent Einfluß der t ü r f t= schen Offizicre, die mit großer Ueberlegung vorgehen, zu verdanken zu sein, daß die Bewegung nicht ausarte, und es stehe zu hoffen, daß auch zukünftig unüberlegte und unvorsichtige Handlungen vermieden würden. Dahin ist, so heißt es weiter, da? Verlangen zu rechnen, die ausländischen Reformoifiziere fortzuschicken. Deutschland kommt dabei verhältnismäßig wenig in Frage, da dort nur ein einziger deutscher Reförmoffizier ist, der zur Zeit beurlairbt ist. 'Gerade vom ottonranischen Standpunkte aus ist es zwecklos, durch überstürzte Auswerfung dieser Frage Schwierigkeiten hervorzurufen, zumal ein dringender Anlaß dazu deshalb nicht vorliegt, weil ein Reformoffizier wohl nicht geneigt ist, sich besonders zu betätigen. Die beteiligten Mächte machen der Bewegung das Zugeständnis, einstweilen auf Betreiben der Reformen zu verzichten, um den Türken Zeit zu lassen, zu zeigen, was sie aus eigenen Kräften erreichen. Auch die Türken sollten nicht ungeduldig werden und den Mächten Zeit lassen, sich an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen. Das liegt vor allem im Interesse des otto- manischen Volkes selbst.
Wien, 4. August. Die „Politische Korrespondenz" meldet aus Konstantinopel: Der österreichisch ungarische Botschafter, Markgraf Pallavicini, wiederholte in einer Unterredung mit dem Großwesir im Auftrage seiner Regierung die Versicherung, daß das Wiener Kabinett an dem Schicksal der Partei fortgesetzt lebhaften Anteil nimmt, und die Hoffnung hegt, daß der Entschluß des Sultans, die Verfassung wieder herzustellen, sich als ein für ihn und sein Reich glücklicher Schritt erweisen werde. Oesterreich-Ungarn würde, wie Botschafter Pallavicini betonte, der Türkei auch unter den neuen Verhältnissen mit gleich freundschaftlichen Gefühlen wie bisher gegenüber stehen. Der Großwesir nahm die Mitteilung mit größter Befriedigung auf, sprach den Dank der türkischen Regierung für diese Haltung Oesterreich-Ungarns aus, und erklärte, daß er sich beeilen werde, dem Sultan über die Aeußerung des Botschafters Bericht zu erstatten.
Stas Melius Fahrt nach Mainz und zurück.
Plötzlich und unerwartet hat Graf Zeppelin gestern früh die mit großer Spannung erwartete große 24 Stundentour nach Mainz und zurück angetreten. Montag früh begann die Füllung des Ballons, nachdem Tags vorher die Reparaturarbriten beendigt waren; am Abend war das Luftschiff fahrbereit. Zunächst war Montag abend in Friedrichshafen nur das Gerücht verbreitet, Zeppelin werde Dienstag früh eine Probefahrt unternehmen. Als deshalb Dienstag kurz nach 6 Uhr das Luftschiff die Halle verließ und in der Richtung nach Konstanz davonsegelte, glaubte man immer noch an eine Probefahrt. Erst nachdem das Fahrzeug einige Stunden unterwegs und inzwischen aus Schaffhausen der Ballon signalisiert worden war, sah man, daß der kühne Gründer die Fernfahrt nach Mainz angetreten hatte. Wenn auch die Hindernisse dieser Fahrt nicht so groß sind, wie bei der berühmten Probefahrt nach der Schweiz, wo sie sich in Form von Engpäßen, hohen Bergen usw. darboten, so sollte doch an ihrer Stelle eine neue, nicht unbedeutende Schwierigkeit treten, nämlich die, den Weg bei Nacht zu finden und fortzusetzen. Ueber den Verlauf, der Fahrt liegen die folgenden Meldungen vor:
Worms, 4. Aug. Der Ballon des Grafen Zeppelin kam um 2 Uhr 45 Minuten hier in Sicht und fuhr den Rhein entlang bis zur St. Ludwigsbrücke und schwenkte dann in der Richtung nach dem Dom ab. Der Ballon führte über der Stadt verschiedene Evolutionen aus. Die Glocken der Kirchen läuten und die Häuser und Kirchtürme
liche Behandlung der Pflanzen mit dem elektrischen Strom ergebnislos sein werde. Diese Befürchtungen haben sich jedoch nicht erfüllt.
Lemström hatte beim Studium der polaren Pflanzenwelt in Lappland, Finnmarken und Spitzbergen beobachtet, daß die Erträge verschiedener dort oben noch gedeihenden Pflanzenarten trotz anscheinend gleichartiger Sonne in verschiedenen Jahren, und zwar periodenweise sehr verschieden groß aus« fielen, und daß sie größer waren, als sie sich bei Kontrollversuchen in weit südlicheren Landstrichen ergaben. Man hätte dabei an die Wirkung des ununterbrochen in der Vegetationsperiode wirksamen Sonnenlichtes innerhalb der Polarkappt denken können; man fand jedoch, daß die größeren Ernten regelmäßig mit den Perioden zusammen« fielen, in denen Nordlichter besonders häufig auftraten, die man zwar während der Sommerhelligkeit nicht direkt sehen, aber durch die Schwankungen der Magnetnadel sicher als vorhanden festsiellen konnte.
Nachdem es durch diese Beobachtungen wahrscheinlich geworden, daß die reichlich vorhandene Luftelektrizität die Ursache des stärkeren Pflanzenwachstums sei, ging man dazu über, an langen Holzmasten Drähte und Metallstangen empor- zuleiten, die oben in metallenen Bürsten und Büscheln ausliefen, um die Luftelektrizilät aufzufangen, während die unteren Drahtenden entweder einfach flach auf die Erde gelegt oder unter sorgfältiger Isolierung der Leitungen zu im Boden versenkten Zinkplatten geführt wurden oder im Erdreich wieder in Bürsten auslief-n, durch die die aus der Luft aufgefangene Elektrizität sich im Boden verteilen konnte. Es ergab sich hierbei, daß, wenn man die Drähte oder Bürsten oberhalb der Erde endigen ließ, entweder gar keine oder keine nennenswerte Ergebnisse erzielt wurden. Am zweckmäßigsten war dagegen bit Anordnung, daß man die Drähte in sorgfältiger Isolierung zu unterirdischer, in der Feuchtigkeitszone des Grundwassers liegenden Zinkplatten führte, von denen aus die Elektrizität sich gleichmäßig im Erdboden verteilte.
Erwiesen sich schon hier die Mehrerträge als recht erheb
Mittwoch
sind reich geschmückt. Am Rhein hatte das 118. Regiment Aufstellung genommen und brachte bem Grasen Zeppelin eine Ovation dar. Der Ballon nimmt die Richtung nach Mainz.
Darmftodt- 4. Aug. Der Ballon des Grafen Zeppelin wurde um 44/2 Uhr westlich von Darmstadt gesichtet. Er schwebte gleichmäßig über der Rheiuebcue und war lange sichtbar in der Richtung nach Mainz.
Lauhcnheim, 4. Aug. Der Ballon des Grafen Zeppelin ivurde am Nackenheimer Berg gesehen, verschwand jedoch sofort wieder. Aus Nierstein wird gemeldet: Soeben hat sich der Ballon dcS Grafen Zeppelin auf die fliegende Schiffbrücke im Rhein gesenkt. Ob ein Defekt vorliegt oder ein Manöver, ist noch nicht sestgestcllt.
Mainz, 4. Aug. Das „Mainzer Tagblatt" meldet: Graf Zeppelin ist um '5 Uhr 15 Minuten nachmittags bei Oppenheim niedergegangen. Das Gouvernement Mainz beorderte Pioniere dorthin. Zu Mainz warteten an den Rheinufern Zehntansende auf die Ankunft des Ballons. Augenblicklich ist alles auf dem Wege nach Oppenheim.
Darmstadt, 5. Aug. Sofort nach dem Bekanniwerden des Landens des Ballons des Grafen Zeppelin richtete Minister Braun folgendes Telegramm an den Grafen nach Nierstein: Mit dem Ansdruck der freudigsten Bewegung über die ereignisreiche Fahrt sende ich Ihnen bewundernden Glückwunsch.
Mainz, 4. Aug. Wie dem „Mainzer Anzeiger" aus Oppenheim gemeldet wird, erfolgte die Landung des Zeppeliu- schen Luftschiffes gegen 6 Uhr mitten auf dem Rheinstrome infolge eines Motordefektes. Die Ausbesserung wird bis heute nacht beendet sein, so daß die Weiterfahrt morgen früh stattfinden dürfte.
Nierstein, 4. Aug. Der Ballon zeigte sich gegen 5 Uhr bei Lörzweiler in Rheinhessen, wo er verschiedene Drehungen ausführte. Er verschwand dann wieder nach der Rheinpfalz zu, tauchte eine Stunde später in ganz langsamer Fahrt wieder auf und fuhr gegen Oppenheim, wo er ebenfalls mehrere Luftmanöver ausführte und sich dann hart am Ufer, am sogenannten Kornsand (einer kleinen Einbuchtung am Rhein, gegenüber von Oppenheim) senkte. Graf Zeppelin und seine wenige Begleitmannschaft haben die Boote nicht verlassen, nachdem die Landung überraschend glücklich vollzogen war. Die Ursache des Niederganges war, daß Gas nachzufüllen war; es wurden sofort von dem etwa drei Stunden entfernten Mainz Gaszufuhren bestellt, da die umliegenden Ortschaften alle nur elektrische Beleuchtung haben. Graf Zeppelin hofft, noch heute in der Nacht die Gasfüllung zu vollenden und wieder aufsteigen zu können. — Aus Mainz gehen fortgesetzt Sonderzüge nach Nierstein und Oppenheini,. die Tausende hierher bringen.
Nierstein, 4. Aug. Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, sowie die Erbprinzessin von Sachsen- Meiningen sind hier im Automobil angekommen.
Oppenheim, 4. Aug. Die Landungsstelle des Ballons liegt gegenüber Oppenheim an einer ruhigen Bucht zwischen zwei Buhnen. Das Luftschiff ist völlig ünbesckw Authentische Auskunft wird verweigert, da über die Pläne vollständiges Stillschweigen beobachtet wird. Es handelte sich, soivcil sich feststellen ließ, nicht um eine erzwungene Landung, sondern um ein Landungsmanöver, wozu der Platz besonders günstig war. Im Laufe des Nachmittags wurden die Benzinvorräte ergänzt. Am Ufer hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, die zu Fuß, in Wagen und in Automobilen herbeigeeilt war. Begeisterte Huldigungen wurden dem Grafen Zeppelin, der sich mit seinen Reisegefährten in der vorderen Gondel angeregt unterhielt, dargebracht. Wiederholt wurden Hochrufe ausgebracht und „Deutschland, Deutschland über alles" angestimmt. Nach Eintritt der Dunkelheit begannen die Vorbereitungen zur neuen Auffahrt. Mit Unterstützung einer Kompanie Mainzer Pioniere wurde der Ballon mit Hilse eines Dampfers vom Ufer abgeschleppt. Der Aufstieg erfolgte dann sicher und niajestätisch unter den
lich, so wuchsen sie noch um vieles, wenn man in der Erde selbst elektrischen Strom in analogischer Weise erzeugte, wie es in einem galvanischen Element geschieht. Es ist hierzu nichts weiter nötig, als je eine Kupferplatte und eine Zinkplatte in angemessener Entfernung voneinander im Erdboden anzubringen und oberirdisch durch eine gut isolierte Drahtleitung zu verbinden. Die im niemals gänzlich trockenen Erdboden stets in ziemlichen Mengen vorhandenen Pflanzen- unb Mineralsânren wirken dann in ähnlicher Weise wie die Füllung des Flaschenelementes. Man hat dabei auf einem mit Kartoffeln bepflanzten Versuchsfelde die Ernte verdoppeln können, und wenn in diesem Falle vielleicht auch noch andere günstige Umstände mitgewirkt haben, so scheinen sich auf dem beschriebenen Wege die Ernteergebnisse tatsächlich um 40 bis 50 Prozent steigern zu lassen.
Eine höchst eigenartige Methode schlug der oben erwähnte Professor Lemströin ein, der übrigens auch als erster ein Werk über Elektrokultur geschrieben hat, um den Einfluß des elektrischen Stromes auf das Pflanzenwachstum nachzuweisen. Durch eine große Influenzmaschine, die er dem besonderen Zwecke anpaßte, erzeugte er Hochgespanute Elektrizität, die er mit Hilfe eines gut isolierten, über den Erdboden gezogenen Drahtnetzes durch gegen den Acker gekehrte Metallspitzen der Ackerfläche zuleitete, während nicht allzuweit davon auf möglichst gleichartigem Boden angelegte Kontrollbeete elektrizitälsfrei blieben. Bei täglich acht- bis neunstündigem Betriebe der Maschine brachte bereits das erste Wirtschaftsjahr eine Steigerung des Ernteertrages um 35 bis 38 Prozent, und als er die Versuche in den nächsten Jahren in größeren Verhältnissen fortsetzte, ergaben sich noch weit bessere Ernten, die sich bei Mohrrüben im Vergleich zu einem Kontrollfelde um 90 Prozent erhöhten. Es ergab sich hierbei die eigentümliche Tatsache, daß die Einwirkung der Elektrizität während der heißesten Tagesstunden den Pflanzen recht nachteilig war, sodaß die Maschine um die Mittagszeit abgestellt werden mußte. Ebenso zeigte es sich, daß die Pflanzen im allgemeinen einer weit reichlicheren Bewässerung bedurften
____& August brausenden Hurrarufen der Zuschauer. Die Signalpfeifen der Dampfer ertönten zum Salut. Der Ballon fuhr zuerst eine Strecke stromaufwärts, wendete dann und schlug die direkte Richtung nach Mainz ein, an seinen Lichtern weithin erkennbar. Um 10 Uhr 50 Min. traf der Ballon über Mainz ein. Er flog den Rhein entlang in der Richtung nach Biebrich bis zur Petersaue, machte dann ein kurze Wendung und fuhr nochmals über Mainz hinweg, um 11 Uhr 10 Min. die Rückreise antretenb. Der Ballon bewegte sich in sehr geringer Höhe, so daß er von den Ufern aus deutlich beobachtet werden konnte. Zahlreiche Menschen begrüßten ihn mit begeisterten Hurrarufen, Böllerschüsse wurden abgefenert und wiederum ließen die im Hafen liegenden Schiffe zum Salut die Dampfpfeifen ertönen.
Zeppelins Rückfahrt.
Mainz, 5. August. Zwischen '/4II und 11 Uhr machte Zeppelin die Wendung über Mainz und trat die Rückfahrt an. Er wurde von der Stadthalle aus lebhaft vom Publikum begrüßt; außerdem begrüßten ihn die Dampfpfeifen der Schiffe und Böllerschüsse. Bei der Rückfahrt wurden die Laternen nbgeblendet, wonach die Form des Luftschiffs deutlich zum Ausdruck kam. Das Luftschiff fuhr ziemlich tief über die Stadthalle hinweg.
Mainz, 4. Aug. Soeben, einige Minuten vor 11 Uhr fuhr das Zeppclin'schc Luftschiff in großem Bogen von hier bis in der Richtung nach Biebrich und wieder zurück über Mainz, um dann rheinaufwärts in der Ferne zu verschwinden.,
Nierstein, 4. August. Soeben leuchten die beiden Lichter des Zeppelinschen Luftschiffes am Horizont miedet auf. Der Ballon, der vor etwa dreiviertel Stunden nach Mainz hirunterfuhr, hat sich dort also nicht allzulange aufgehalten. Das Publikum, das immer noch den Landungsplatz von heute Nachmittag und die Rheinufer umsäumt, hat sich also in seiner Vermutung, Graf Zeppelin werde direkt wieder nach Friedrichshafen znrückkehren, nicht getäuscht ge» sehen. „Hurra!" und „Hoch Zeppelin!" hallt es über den Strom. Kaum, daß der Ballon gesichtet ist, so steht er auch schon über uns. Man hört deutlich die Maschinen rattern. Es scheint alles tuieber vorzüglich zu funktionieren. Auf und nieder geht der Ballon. Bald ist das Vorderteil hoch oben, bald tief unten. Bald verschwinden die Lichter in ben Wolken, dann hört man nur das rastlose Arbeiten ber Maschinen. Noch einmal taucht der Ballon auf, bann fliegt er hoch über seinen Landungsplatz fort, dem Süden zu nach Worms und Mannheim. Am Rhein ist dir Begeisternng über die gelungene Fahrt groß. In den Wirtschaften und auf freier Straße werden Reden gehalten und Lieder gesungen. Zeppelin selbst scheint sehr befriedigt. Während seiner Rast bei Nierstein unterhielt er sich freundlich mit jedermann und verlor die Ruhe auch dann nicht, wenn ein Zuschauer mit der brennenden Zigarre sich dem Luftschiff näherte. Die Gondeln schwammen auf dem Wasser, dicht am Ufer und das Publikum hatte Gelegenheit, die einfach erscheinende Konstruktion zu sehen. Auch die Motore lagen offen. Kurz vor dem Aufstieg wurde das Gedränge am' Rhein lebensgefährlich. Graf Zeppelin ließ von Mainz Militär requirieren, das die Massen zurückhalten mußte, bis das Luftschiff wieder in seinem Element, in der Luft schwebte.
(Frkf. Ztg.)
Wokms, 5. August. Zeppelin hat heute früh 1 Uhr mit kolossaler Geschwindigkeit die Stadt passiert.
Mannheim, 5. August. Sorben, 1 Uhr 20 Minuten nachts, passierte Zeppelin auf bem Rückweg Mannheim. Die beiden Signallichter und das Motorgeräusch waren schon aus einiger Entfernung zu bemerken. Eine zahlreiche Menschenmenge belebte noch die Straßen, insbesondere die Gegend der Rheinbrücke und sandte dem Luftschiff begeisterte Hurras zu.
Mannheim, 5. Aug. Der Ballon des Grafen Zeppelin hat nachts 1.40 Uhr unsere Stadt passiert.
Stuttgart, 5. Aug. Der Ballon hat nicht wie Der* mutet, auf der Rückkehr seinen Weg wieder durchs Rheintal
als die elektrizitätslos wachsenden. Ein alle Fehlerquellen ausschließender Versuch zeigte ferner, daß Pflanzen, die Sem« ström in einem Drahtkäfig, nach Art eines Vogelbauers, wachsen ließ, wo auch nicht die geringste Spur von Elektrizität zu ihnen dringen konnte, rettungslos zu Grunde gingen, obwohl es ihnen im übrigen an Licht, Luft, Feuchtigkeit und Nahrung glicht fehlte.
Es scheint hiernach, als ob ein gewisses Maß von Elektrizität für das Pflanzenwachstum unumgänglich notwendig ist. Dies ist auch von vornherein zu vermuten, ohne daß man cs erst durch einen streng durch geführten Versuch hätt« beweisen müssen, weil erdmagnetischc Strome bekanntlich ununterbrochen im Erdboden tätig sind und schon beim Entstehen der ersten Pflanzen auf der Erde auf die Flora eingewirkt haben müssen, die sich ihnen anpaßte. Ist es sonach unzweifelhaft, daß die Elektrizität einen tiefgehenden Einfluß auf die Pflanzenwelt übt, so ist es doch nicht einwandfrei zu beweisen, aus welchen Gründen sie' die Ernteerträge steigerte. Möglich ist es, daß die elektrolytische Kraft der Elektrizität, die schwer lösliche Verbindungen der Ackerkrume in leichtlösliche verwandelt, hierbei im Spiele ist. Auch der Umstand, daß die sogenannte Kapillarattraktion, das spontane Aufsteigen von Flüssigkeiten in engen Röhren, wie es auch in den Gefäßen der Pflanzen statifinbct, unter Einwirkung von Elektrizität eine bedeutende Steigerung erfährt, ist zm Erklärung m Erwägung zu ziehen. Beides kann dazu beitragen, die Pflanzen reichlicher und schneller zu ernähren.
Von der Anwendung der Elektrizität auf den Anbau großer, Länder umfassender Flächen kann selbstverständlich noch nicht die Rede sein. Der praktische Oekonom müßt« hierzu ein großes Kapital in den Boden stecken, dessen Ver« zinfung, weil sich die Angelegenhell erst im Versuchsstadium befindet, keineswegs sicher ist. Vorläufig ist eS also noch Sache der Wissenschaft, die Methode besser zu entwickeln: die Praxis aber wird nachfolgen, sobald festgestellt ist, bei welchen Früchten und nach welchen Methoden ein Reiner« trägnis gesichert erscheint.