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Hanauer K Anzeiger

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 179 Fernsprschanschlutz Nr. 605.

Montag den 3. August

Ferusprechanschluß Nr. 605. 1908

Amtliches.

Eandhrds Ijanau.

VeküNtmüENge« W Königlichtt LMratsllM.

Der Beauftragte der Handwerkskammer zu Cassel H. Hempler aus Borken wird demnächst den hiesigen Kreis bereisen um die Befolgung der gesetzlichen und statutarischen Vorschriften in § 103 n der Reichsgewerbeordnung und § 44 des Statuts der Handwerkskammer zu prüfen. Die Herren Bürgermeister und Gutsporsteher ersuche ich, dem Beauf­tragten, falls ihm seitens der Handwerker Schwierigkeiten bereifet werden, bei der Durchführung seines Auftrages zu unterstützen.

Diejenigen Handwerker, welche zur Zeit Lehrlinge be­schäftigen, die noch nicht zur Lehrlingsrolle angemeldet sind, sind zu veranlassen, die Lehrlinge bei der Handwerkskammer in Cassel, Jordanstraße 12, oder bei der Innung der sie evtl, angeboren, zur Anmeldung zu bringen.

Hanau den 30. Mi 1908,

Der Königliche Landrat.

V 5218 v. Beckerath.

Wegen Herstellung von Kleinpflaster wird die HanaU- Frankfnrterstratze zwischen Mainkur und Frankfurt von Station 11,4+20 bis 11,84-20 für Kraftfahrzeuge gänzlich und für Fuhrwerke von mehr als 20 Ztr. Ladegewicht in der Zeit vom 3. August bis einschl. 36. August -. J. polizeilich gesperrt.

Uebertretungen dieses Verbots werden auf Grund der Polizei-Verordnung vom 6. April 1877 (Reg.-Amtsblatt Seite 137) mit Geldstrafe von 10 bis 3st Mark, hilssweife mit entsprechender Haft geahndet.

Hanau den 1. August 1908.

Der Königliche Landrat.

V 5381 v. Beckerath.

Unter den Schweinen in Hüttengesätz ist die Schweine­stuche ausgebrochen.

Hanau den 31. Juli 1908.

Der Königliche Landrat.

V 5358 v. Beck era th.

BekEntmachnng.

Das Proviantamt kauft Hofer, Wieseuheu und Roggenstroh (Flegelstroh und NN gepreßtes Maschinen- stroh) diesjähriger Ernte zu den gangbaren Tagespreisen. Es werden selbst die kleinsten Mengen angenommen.

Die Einlieferung der Naturalien kann ohne vorherige Anmeldung und mit Ausnahme der Samstag Nachmittage an jedem Wochentage von 812 Uhr vormittags sowie von 24 Uhr nachmittags erfolgen.

Hanau den 28. Juli 1908. V 5361

Königliches Proviant-Amt.

politische Rundschau.

Ernennung. Der Ober - Regierungsrat Freiherr von Funck in Hannover ist zum Regierungspräsidenten in Cöslin ernannt worden.

Bismarck-Gedenkfeier. Eine Bismarck-Gedenkfeier fand am Nachmittag des Sterbetages des Fürsten Bismarck am Mausoleum zu Friedrichsruh statt. Die Feier wurde eingeleitet durch den ChoralEin feste Burg ist unser Gott", den die Kapelle des Infanterie-Regiments Hamburg spielte. Während die Angehörigen der Familie Bismarck mit ihrem Sekretär, Herrn Weißhaar, zur Seite ihren Platz entnahmen, gruppierten sich die Chargierten mit den Fahnen der Fran­konia zu Heidelberg und der Schleswigia zu Kiel im Halb­kreise. Als die letzten Töne des Chorals verklungen waren, richtete Dr. jur." R. Moenckeberg eine Ansprache an die Versammelten, in der er ein Bild von der gewaltigen Per­sönlichkeit und dem Wirken des großen Kanzlers entwarf. An den Sarkophagen waren bereits am Vormittage viele prächtige Kränze' neben denen der Angehörigen niedcrgelcgt worden. Kaiser Wilhelm hatte einen großen Lorbeerkranz mit weißer Moiröschleife, die die goldene Krone und das W schmückten, gesandt. Ebenso hat der Reichskanzler Fürst Bülow einen 'Lorbeerkranz gespendet. Die Gräfin Rantzau ließ auf den Ruhestätten des Fürsten und der Fürstin, wie alljährlich, herrliche Rosenkränze bringen. Einen Blumen­strauß sah man vom Obcrregicrungsrat von Flottwell in Magdeburg.

Zur Pensionsverstchcrmtg der Privatarrge- fieUfett bringt die eben ansgegebene Nummer der Privat- znaestellten-Korreivondenr (Hamburg, Holstenwall 4) wert­

volles Material. Neben den amtlichen Mitteilungen des Hauptausschusses und Berichten über neuerliche Entschließungen der Privatangestellten-Verbände zu der Frage, enthält die Nummer auch Mitteilungen aus dem Inhalte der zweiten Denkschrift des ReichLamtes des Innern. Insbesondere aber gibt die Korrespondenz eine Gegenüberstellung der Leitsätze des Hauptausschusses und der Grundgedanken der Denkschrift. Diese Gegenüberstellung läßt erkennen, daß das Reichsamt des Innern geneigt ist, die Vorschläge der Mehrheit des Hauptansschusses so weit als irgend möglich zu erfüllen. Man wird deshalb der weiteren Arbeit des Hauptausschusses und ihren Erfolgen besonderes Interesse entgegenbringen dürfen.

Der Fall Schücking. Die Prüfung des Falles Schücking in der Ministerialinstanz hat nach der halbamtlichen Nordd. Allg. Ztg." ergeben, daß nach Einleitung des for­mellen Disziplinarverfahrens jede Beeinflussung des in der Sache zuständigen Bezirksausschusses von feiten des Ministers des Innern auf Grund des § 157 Nr. 2 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung für unzulässig zu erachten ist. Der Bezirksausschuß wird selbständig darüber. zu be­finden haben, ob das Verfahren einzustellen oder durch Urteil zum Abschluß zu bringen ist. Wenn das letztere.erfolgt und dabei auf eine der gesetzlich in Betracht kommenden Dis­ziplinarstrafen erkannt wird, so steht dem Bürgermeister Dr. Schücking gegen dieses Urteil die Berufung an das Ober­verwaltungsgericht zu. Die in der Presse noch immer wieder­kehrende Behauptung, daß Herr Schücking in Sachen seiner Landtagskandidatur durch einen Beamten in höherem Aufträge beeinflußt sei, ist auch insoweit unwahr, als diese Beein­flussung einer Provinzialinstanz zugeschrieben wurde. Der Beamte, welcher Herrn Schücking Vorstellungen betreffs seiner Kandidatur gemacht hatte, ist der zweite Bürgermeister Plewka aus Schleswig. Herr Plewka hat amtlich bekundet, daß er bei einer aus völlig anderem Anlaß stattgehabten Unterredung lediglich seiner privaten Ansicht Ausdruck gegeben und weder von einem Auftrag gesprochen noch sich überhaupt den Anschein gegeben habe, der Ueberbrinqer eines amtlichen Auftrags zu sein.

Die deutsche Politik und die Türkei. Die Nordd. Allg. Ztg." erwähnt in ihrer Wocbeurundschan die Begrüßung des' deutschen Vertreters in Konstantinopel, von Kiderlen-Wächter, durch den Sultan bei dem Selamlik, bei welchem v. Kiderlen-Wächter die Wünsche des Kaisers aus­richtete, daß der neue vom Sultan mit soviel Weisheit und so rückhaltlos betretene Weg seiner Regierung und seinem Lande zum Glück und Segen gereichen möge. DieNordd. Allg. Ztg." fährt sodann fort: Durch diese vom Gesandten Kiderlen im Auftrage des Kaisers ausgesprochenen Wünsche ist die Stellung der deutschen Politik zum Wandel der Dinge in dem türkischen Reiche klar gekennzeichnet. Wir wünschen in der Türkei ein starkes und freies Volk unter einem auf­geklärten Herrscher. Als wichtigstes Erfordernis der neuen Lage erscheint es uns, daß die so verheißungsvoll ungebahnte und bis jetzt nicht unterbrochene Fühlung zwischen dem Sultan und den Führern der türkischen Nation durch keine extremen Einflüsse von der einen oder der anderen Seite wieder gestört werde. Der Glaube au die vortrefflichen Eigenschaften im Charakter des türkischen Volkes hat bisher nicht getrogen, und wir möchten uns der hoffnungssrèudigeu Stimmung unserer türkischen Freunde gerne anschließen. Aus dem seitherigen Verlauf der Ereignisse wollen wir das Vertrauen schöpfen, daß es dem osmanischen Reiche gelinge, in guter Eintracht zwischen dem Herrscher und dem Volk eine freie Bahn zu gewinnen für eine glückliche Zukunft im Sinne des freiheitlichen Fortschritts und nationaler Er­starkung.

Bmrssu-Dsttkmal. In Heidelberg hat Samstag vor­mittag die feierliche Enthüllung des Bunsen-Denkmals, eines von Professor Volz-Karlsruhe in doppelter Lebensgröße aus- geführten Bronzestandbilds, stattgefunden. Die Festrede hielt der Nachfolger Bunsens, Prof. Dr. Theodor Curtius, der ein fesselndes Bild von der reichen Forscher- und Lehrtätigkeit Bunsens entwarf, dann übernahm Oberbürgermeister Dr. Wilckens daS Denkmal in den Schutz der Stadt Heidelberg. Im Namen des Großherzogs von Baden legte der StaatS- minister Frhr. von Dusch einen prächtigen Lorbeerkranz nieder.

Dis Rsiss vss Präst-sntsu FaÜi^rss. Präsident FalMreS, sandte nach seiner Abreise auS Rußland folgendes Telegramm an den russischen Kaiser:Ich nehme einen un­vergeßlichen Eindruck von unserer Begegnung mit und bitte Eure Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin meinen ehrer­bietigsten Gruß zu überbringen, und bitte Sie neuerdings, meiner aufrichtigen Freundschaft versichert zu sein." Kaiser Nikolaus antwortete:Ihr liebenswürdiges Sielegramm war

mir eine große Freude. Die Kaiserin und ich haben di­allerangenehmste Erinnerung an Ihren Aufenthalt bei uns bewahrt. Ich habe die Ehre, Herr Präsident, Sie bei dieser Gelegenheit dessen zu versichern, und ich wiederhole Ihnen nochmals die Versicherung meiner unveränderten Freundschaft. Nikolaus."

Die belgische Deputirteerkammer beendete in ihrer Freitags-Sitzung die Diskussion über den Artikel 2 der Kolonialverfassung, der die Zivilrechte der Belgier, der Kongoeingeborenen und der Ausländer festsetzt und durch den die Sprachenfrage geregelt und besonders eine Bestimmung getroffen wird, der zufolge niemand gezwungen werden kann, für Rechnung oder zum Nutzen kommerzieller oder privater Gesellschaften zu arbeiten.

Unter Ivetfltttfiéfefi. Nach einer Meldung feiert- die Bevölkerung von Kapan (Oberpadang), die eine wieder vollkommen freundliche Gesinnung bekundet, in Gegenwart von Regierungsbeamlen und Offizieren ein großes Unter« werfungssest, an dem 500 Frauen teilnahmen. Die Besetzung von Kamang, das auch in Oberpadang liegt, ist aufgehoben worden.

Die jungtürkische Bewegung.

Köln, 1. Aug. DieKöln. Ztg." meldet aus Kenstrn- tinopel: Gestern abend wurde im Munizipalgarten ein Ver­such zu einer deutsch-feindlichen Kundgebung gemacht. Durch allgemeine Widerspruchsrufe des Publikums wurde der Redner niedergeschrieen; er wäre fast gelyncht worden.

Köln, 1. Aug. DieKöln. Ztg." kommt in einem ArtikelDeutschland und die Türkei" auf die vom deutschen Gesandten dem Sultan überbrachten Grüße und Wünsche des Kaisers zurück und führt darin aus (Da das Wölfische Tele« graphcnbureau den Artikel weiter verbreitet, handelt es sich um eine offiziöse Auslassung. D. Red.): Es ist nicht ohne Interesse, daß diese Erklärung gerade in einem Augenblick abgegeben wird, wo man von verschiedenen Seiten versucht, Deutschland als Gegner der neuen Aera hinzustellen, und aus den alten freundschaftlichen Beziehungen zum Sultan zu folgern, daß die deutsche Politik die Palastwirtschaft unter ihren Schutz genommen und dadurch dem Interesse des türkischen Volkes entgegengearbeitet habe. Deutschland hat im Laufe langer Jahre genug gezeigt, daß ihm der Grund­satz der Nichteinmischung in innere türkische Fragen immer als der vorteilhafteste. Weg zur Beseitigung bestehender Schwierigkeiten vorgeschwebt hat. Diese Auffassung ist auch heute noch maßgebend. Kein Staat wird sich mehr freuen, als Deutschland, wenn es jetzt den Türken gelingt, auè eigener Kraft Ruhe und Ordnung im Lande zu schaffen und die Verwaltung in einen befriedigenden Zustand zu bringen. Das Blatt bespricht dann die gewaltige Umwälzung in der Türkei und sagt: Man vernimmt mit Staunen, daß sich alles so verhältnismäßig in Ruhe ohne blutige Ausschreitungen abspielt. Wenn die Jungtürken den Satz: Die Türken für die Türken, oder wie man jetzt sagt, für die Ottomanen! aufftellen, so ist dieser Wählspruch- an sich nicht unsympathisch und entspricht vor allem dem auch in Deutschland gehegten Wunsche, daß die Türken ohne fremde Einmischung ihre An­gelegenheiten befriedigend regeln mögen. Diese Einmischung des Auslandes wird aber am besten ferngehalten, wenn die Bewegung möglichst alle Ausschreitungen vermeidet und damit jeden Anlaß beseitigt, der zu einer weiteren Ein­mischung Europas führen könnte. Unter den Mächten dürft« darüber Uebereinstimmung bestehen, daß der gegenwärtig« Augenblick zu einer Einmischung in der Türkei, insbesondere zu der Betreibung der Reformaktion in Mazedonien nicht geeignet ist. Die Türken haben selbst diese Sache in di« Hand genommen. Man muß ihnen Zeit lassen zu zeigen, daß sie aus eigener Kraft das erreichen können, was den Mächten bisher nicht gelungen ist. Dazu bedarf es nicht nur eines guten Willens und starker Tatkraft, sondern auch großen Maßhaltens in allen Dingen.

Die Vorgänge in der Türkei.

Koustcmtiuopsl, 2. Aug. (W. B.) Das Gerücht, datz Izzet Pascha unter Benutzung eines Motorbo^rS der deut­schen Botschaft an Bord eines rumänischen Dampfer« ge­gangen sei, ist falsch. Vermutlich ist das Gerücht daraus ent­standen, daß der deutsche Gesandte einen Deutschen, den die klemastalischen Ausgrabungen leitenden Herrn Wiegand, mit einer Pinasse der Botschaft an Bord eines Konstanza- Dampfers gebracht hat. Gerüchtweise verlautet, daß Jzze- Pascha gestern mit einem ägyptischen Dampfer unter enahfdbet Flagge geflüchtet ist.

Konstantinopel, 2. Aug. Gestern ist ein leserliche« Reskript ergangen und gegen Abend unter feierlichem Zen- momell der Pforte überbracht und dort verlesen worden. enthält die feierliche Bekräftigung der in der Verfassung ent-