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«djutant Kapitän zur See v. Rebeur-Paschwip. Nachdem morgen die Kaiserin hier eingetroffen sein wirb, werden beide Majestäten von hier auf derHohenzollern" die Reise nach Stockholm antreten, wo die Mnfunft Montag vormillag er­folgen soll. Das Gefolge des Kniscrpaareè auf der Reise Nach Stockholm bestellt aus dem Oberhofmarschall Grafen zu Eulenburg, dem Generaladjutanten v. Wessen, dem Flügel- jidjutanttn Kapitän zur See v. Rebeur-Paschwitz und Major jo. Neumann-Cesel, dem Leibarzt Dr. Niedner, dem Chef deS Militärkabinetts Generaladjutanten Graf Hülien-Häseler, dem Mef des Marinekabinetts Generaladjutanten Vizeadmiral von Müller, dem Stellvertreter des Chefs des Zivilkabinetts eegierungSprästdenten v. Walentin!, dem Staatssekretär des uswârtigen Amtes v. Schön, der Oberhofmeisterin Gräfin V. Drockdorff, den Hofdamen Gräfin v. Keller und Fräulein P. Gersdorff, dem Oberhofmeister Freiherr» v. Mirbach und ltzem Kammerherrn v. Behr-Pinnow.

Die Vorgänge in der Türkei.

Konstantinopel, 31. Juli. (Wiener Korresp.-Bureau.) Die Zeremonie des Selamik verlief ohne Zwischenfall und nahm einen großartigen Verlauf. An derselben nahmen fast 46 000 Personen teil. Der Sultan, im Wagen stehend, wurde mit großer Begeisterung begrüßt. Nach dem Selamik fand eine Kollcktivaudienz der Chefs der fremden Mis - ? i o n e n statt. Die Truppen wurden auf dem Hin- und Rückmarsch mit großem Jubel begrüßt.

Konstantinopel, 31. Juli. Der heutige Selamik vollzog sich unter endlosem Jubel einer vieltausendköpfigen, überall frei zugelaffenen Menge, die dem unaufhörlich stehend im Wagen fahrenden Sultan aklamiertr. ES herrschte trotz beS großen Gedränges musterhafte Ordnung. Die Begeiste­rung erreichte ihren Höhepunkt, als sich der Sultan nach dem Gottesdienst am Fenster seines Kiosks noch mehrmals feinem Volke zeigte. Später empfing der Sultan daS diplo­matische Korps, das mit Ausnahme der Vertreter Rußlands und der Balkanstaaten vollzählig erschienen war, in corpore <n Audienz. Nach einer kurzen Ansprache des derzeitigen Doyens, MarquiS Jmmeriali, begrüßte der Sultan besonders herz­lich den deutschen Vertreter, der Grüße des Kaisers und Allerhöchst dessen Wünsche ausrichten konnte, daß der neue, vom Sultan mit so viel Weisheit und so rückhalts- los betretene Weg seiner Regierung und seinem Lande zu Glück und Segen gereichen möge. Dank der bewunderungs­würdigen Selbstzucht und Ordnung des ottomanischen Volkes verlief dieser Tag, wie die vorhergehenden, in der Har­monischsten Weise.

Konstantinopel, 31. Juli. (Wien. Korr.-Bur.) Die -türkischen Blätter verbreiten in Extraausgaben eine amtliche Bekanntmachung, in der die bereits gemachten Zugeständnisse üufgezâhlt und ein Reskript des Sultans augekündigt wird, das den Wunsch des Sultans beireffend die Einrichtung einer geregelten Verwaltung zur Sicherung und Wohlfahrt aller Untertanen ohne Unterschied des Standes und der Religion zum Gegenstände habe. In dieser Bekanntmachung wird ferner erklärt, die Foribauer der Kundgebungen würde dem Lande schaden, und cs wird geraten, diese einzustellen. Das BlattJkdam" veröffentlicht die Demission des Finanz- ministers Zia Pascha und zugleich dessen Abschiedsgesuch, in dem es beißt, daß das gegenwärtige Ministerium keine Tätig­keit für die Durchführung der Verfassung entfalte und den Bedürfnissen des Landes nicht genüge. Die Amnestie für gemeine Verbrechen ist türkischen Blättern zufolge auf das zanze Reich ausgedehnt worden.

Zur Sage in Persien.

Teheran, 31. Juli. Zum ersten Male seit dem gegen ihn verübten Anschlag verließ der Schah Baghoeschah und macht« unter starker Bedeckung eine Spazierfahrt in der Um­gegend von Teheran. Auch der Parade der auS Kelhur und Jaspahan eingetroffenen Kurden wohnte der Schah bei.

Täbris, 31. Juli. Die Scharmützel zwischen den An­hängern der Regierung und den Revolutionären dauerten vier Tage, vom 25. bis zum 28. Juli. Seit dieser Zeit herrscht Ruhe. Die Regicrungstruppen nahmen an den Plünderungen teil. Das Handelslager eines russischen Untertans wurde geplündert und verbrannt, wobei auch die letzten Einrichtungsstücke der russisch-persischen Schule in Flammen aufgingen. Ferner wurde ein Lager von Singer- mähmaschinen und ein solches der Deutschen Osthandels- Gesellschaft auSgeraubt. Ueber die Frage, wen die Verant- wortlichkei trifft, finden zwischen dem Gouverneur und dem russischen General-Konsul Verhandlungen statt.

Hus aller Mell.

Grosse Erfinder. Der Ruhm, der dem großen Er- findrr Graf Zeppelin anläßlich seiner letzten Flugversuche zu­teil wurde, lenkt unsre Gedanken zurück zu andern großen Erfindern auS früheren Zeiten, die dank der Kurzsichtigkeit ihrer Mitwelt um die Früchte ihres Schaffens betrogen, still und unerkannt durch das Erdenleben gingen, ja meist noch in der Not starben, da ihnen von seiner Seite die nötige Geldunterstützung zuteil wurde, deren sie zur Ausführung ihrer Ideen dringend bedurften. So Denis Papin, der Er­finder der Dampfmaschine, der Lehrer Philipp Reis, der bas krst« Telephon konstruierte, das indessen keine Beachtung fand, Und andre mehr. Ueber die Schicksale dieser interessanten Erfinder bringt die beliebteSonntags-Zeitung fürs Deutsche HauS" in ihrer neuesten Nummer (Heft 46) einen äußerst fistelnden, reich illustrierten Artikel. Auch sonst bringt die weitverbreitete Zeitung, wie stets, des Schönen und Guten bi« Fülle. Zwei treffliche Romane erfreuen den Leser ebenso, wie die Bilder und Berichte auS dem Leben der Gegenwart ihn interessieren. Eine entzückende Kunstbeilagt ist dem Texte vorangestellt, die Modenbeilage bringt eine Auswahl reizender Kinderkleider und die KinberbeilageFür unsre Jugend" ist haS Entzücken der kleinen Welt. Dit Hausfrau findet in dtnPraktischen Mitteilungen" vielfache Anregung und Rat- schläa« kür Küch« und Haus, GejundheitSpfieLe und Erziehung.

Samsiafl

Die reichhaltige und gebiegeue Zeitschrift können wir unsern Lesern warm empfehlen, und jeder, der noch nicht Abonnent dieses Blattes ist, sollte nicht versäumen, sich vom Verlag W. Bobach u. Co., Leipzig, gegen Einsendung von 20 Pig. in Briefmarken als Pmiovcigütung einige Probehefte kommen zu lassen. Der geringe Preis der Zeitschrift beträgt 20 Pfg. die Nummer. Abonnementöbestellungen nehmen alle Buch­handlungen und Postanftaltcn des In- und Auslandes entgegen.

Die Nonnengcfahr in der Lausitz. Vor kurzem wurde bereits auf die große Gefahr hingewiesen, die den Waldungen im südöstlichen Sachsen, besonders in der Lausitz, durch daS massenhafte Auftreten des Nonnenspinners er­wachsen ist. Der Stadtrat von Zittau hat nunmehr in voller Würdigung der kritischen Lage eine Bekanntmachung erlassen, in der er zugibt, daß die Forstverwaltung mit ihren Hilfskräften allein der Bekämpfung des Falters machtlos gegenüberstehe, daß daher die Bewohner und alle, die ihre Urlaubs- und Ferienzeit in der dortigen Gegend verbrächten, bei der Vernichtung des Schädlings mitwirken möchten. Wie dazu auS Zittau mitgeteilt wird, verspricht man sich in sachverständigen Kreisen auch von der Mitwirkung deS Pub­likums nicht mehr allzu viel. Als einzig möglichen Aus­weg und Radikalmittel, um di« noch unberührten Wald- gebiet« von dem Falter zu schützen, sieht man vielfach schon den Kahlschlag unter sachverständiger Leitung an, dem alle die Reviere zum Opfer fallen müssen, in denen die Nonne gefahrdrohend auftritt. Es wird empfohlen, daß die Regie­rung dies durch ein Landes- und Reichsgesetz, eventuell in Verbindung mit den Nachbarstaaten, anordnen müsse. Oesterreich hat z. B. das größte Interesse daran, sieht eS doch in den böhmischen Waldungen, die sich an der Grenze entlang ziehen, teilweise äußerst traurig aus.

Aus der Strecke Vacha-Philippsthal spielte sich dieser Tage eine hübsche Szene ab. Pünktlich fuhr der Per­sonenzug von Vacha dem etwa 4 Kilometer entfernten Philippsthal entgegen, als plötzlich zwei Soldaten auf dem Vachaer Perron erschienen und zu erkennen gaben, daß sie mitfahren wollten. Daraus wurde nun freilich nichts. In Philippsthal angekommen, wunderten sich die Zuginsaffen jedoch über den langen Aufenthalt. Die Lokomotive deS kleinen Zuges pustete unschlüssig auf der Station PhilippS- tbal. Was war die Ursache? Die beiden Vaterlandsver­teidiger harten telephonisch gebeten, den Aufenthalt des Zuges auszudehnen, sie würden im Geschwindschritt auf dem Bahn­körper nachkommen. Die Geschichte wurde im Zuge rasch bekannt, und alles schaute erwartungsvoll 'gen Vacha. Da endlich stürmten die Musketiere um die nächste Ecke und ein freudigesHallo" begrüßte sie. Die wackeren Marssöhne verschwanden triumphierend in einem Abteil und mit einem fröhlichen Pfiff setzte die Lokomotive den Zug in Bewegung.

Das Finanzjahr 1907 Der Stadt Berlin. Der ^rff. Ztg." wird gemeldet: Das Finanzjahr 1907 schließt für die Stadt Berlin mit einem Ueberschuß von 10'/» Millionen ab. Das teilte der Kämmerer v. Steiniger in der heutigen Magistratssitzung mit. Die Steuerverwaltung hat 4,3 Mill. Mark mehr eingebracht; davon entfallen 3,8 Millionen Mark aus die Einkommensteuer, 730 000 Mark auf die Grundsteuer und 198 000 Mark auf die Gewerbesteuer. Das Ergebnis der Umsatzsteuerveranlagung ist dagegen um 345 000 Mark hinter dem Elaksansatz zurückgeblieben. Ersparnisse und Mehreinnahmen sind in Höhe von 1'/' Millionen bei der Kapital- und Schuldennerwaltung erzielt worden. Die Kosten der Armenverwaltung sind mit 148 000 Mark, die der Bau­verwaltung um 690 000 Mark hinter den Etats zurückge­blieben. Das Kapital der verschiedenen Einnahmen und Ausgaben schließt um 2,3 Millionen Mark günstiger ab. Dagegen hat die Schulverwaltung 463 000 Mark mehr ver­braucht, als angenommen worden war. Das Krankenhaus­wesen hat 766 000 Mark und die öffentliche Straßenbe­leuchtung und -Reinigung 130 000 Mark mehr erfordert. Bei der Krankenpflege ist der Abschluß durch einen Mehrver­brauch von rund 410 000 Mark ungünstig beeinflußt worden. Der Abschluß der städtischen Werke stellt sich insgesamt um 2H, Millionen Mark günstiger als der Voranschlag annahm; von diesem Betrage entfällt der Hauptanteil auf die Glas­werke mit mehr als 1h« Millionen Mark. Ueber V- Million Mark stellt sich die Kanalisationsverwaltung günstiger. Vieh­markt und Schlachthof brachten 300 000 Mark und 170 000 Mark, die Markthallen 113 000 Mark mehr ein. Dagegen sind die Wasserwerke in ihren Einnahmen hinter dem Etat zurückgeblieben. Im vorigen Jahre betrug der Ueberschuß gegenüber dem Ansatz 14h, Millionen Mark.' Dieser ist dies­mal nicht erreicht worden, weil besonders die Umsatzsteuer infolge deS Rückganges der Bautätigkeit und der drückenden Lage des Geldmarktes im letzten Drittel deS Rechnungsjahres einen starken Rückgang zeigte, der noch anhält.

SH. Aus einem kleinen Stadtparlament. Am 19. Juli d. Js. kam es in Oschersleben zu einem unlieb­samen Vorgänge, wie er in der Geschichte unserer städtischen und staatlichen Parlamente wohl überhaupt noch nicht zu verzeichnen war. Seit längerer Zeit besteht zwischen dem Bürgermeister von Oschersleben Becker und dem jetzt 70» jährigen Stadtverordneten Bankier Friedrich Heine ein ge­spannte? Verhältnis. An dem genannten Tage verhandelte die Wasserkommission der Stadtverordnetenversammlung über die Errichtung einer Wasserleitung, wobei die beiden Wider­sacher zusammengerieten. Während der Rede eines Stadt­verordneten soll sich Heine in dessen Aeußerungen hineinge- mischt haben, weshalb ihm vom Bürgermeister das Wort entzogen wurde. Er geriet darüber in Erregung und als der Schluß der Sitzung gekommen war, verließ er das Zim­mer, indem er sich bereits innerhalb deS Raumes den Hut aufsetzte. Dxrriiber kam eS zu einem Streit mit dem Bürger­meister, in dessen Verlauf Heine diesem mit den Worten: Sie sind ein Lump 1" einen Schlag ins Gesicht versetzt haben soll, wodurch eine Schwellung hervorgerufen wurde. Die Staatsanwaltschaft erhob hierauf Anklage gegen Heine und verwies die Sache vor das Landgericht Halberstadt. Der als Zeuge geladene Bürgermeister Becker stellt die Szene ebenso dar, wie sie die Anklage schildert. Die Ver­teidiger des Angeklagten Heine behaupten, daß Becker kein einwandsfreier Zeuge sei. Der Zeuge Sladtbaumeister Har­bert will ben AusdruckLump" gehört haben, auch habe ihm der Bürgermeister den von dem Schlage herrührenden blauen Fleck gezeigt. Der Gerichtshof zog die Erregung deS Angeklagten in Rechnung und nahm nicht an, daß wirklich geschlagen worden sei. Der Angeklagte sei daher nicht wegen tätlicher, sondern nur wegen wörtlicher Beleidigung zu be­strafen. DaS Urteil lautete argen Hein« auf 800 Mark

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Geldstrafe. Bankier Heine hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Die Maffeninsektion. Die Staatsanwaltschaft hat, wie dasWiener Tagbl." ersähet, den Antrag gestellt, gegen Professor Doktor Luksch die Untersuchung wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens einzuleiten. Auf Grund dieses Einschreitens wird das Wiener Landesgericht, sobald Dr. Luksch das Franz-Joseph-Spital verlassen, wird, Er­hebungen anstellen. Man erinnert sich noch der Massen- infeklion, die vom Laboratorium der Lebensmittelunter- suchungsanstalt ausging. In diesem Laboratorium stellt« Professor Luksch Versuche mit Rotzbazillen an. Während eines dieser Versuche brach eine Eprouette mit Bazillen, ein Assistent des Professors Luksch, sowie zwei andere Angestellte des Laboratoriums wurden mit Rotzbazillen infiziert und starben. Professor Luksch selbst erkrankte auch und wurde mit seiner Frau, seinem Kinde und dem Dienstmädchen unter Anwendung der allergrößten Vorsichtsmaßregeln nach Wien gebracht und im Franz-Joseph-Spital isoliert. Hier hat sich daS Befinden des Prof. Luksch gebessert, so daß er, wie die Aerzte versichern, außer Lebensgefahr ist. Bei seiner Familie sowie bei dem gleichfalls isolierten Dienstmädchen wurden bisher überhaupt keine Spuren der gefährlichen Krankheit beobachtet. Die Voruntersuchung gegen Dr. Luksch wird selbstverständlich erst nach seiner völligen Heilung und bet Entlassung aus dem Spitale beginnen. Falls e« zur Er­hebung der Anklage kommt, würde sie auf Vergehen gegen die Sicherheit des Lebens lauten.

Gemeingefährliches Spielzeug. Ein Böller des Militärvereins in Straupitz bei Hirschborn, der aus drei aus einer Lafette ruhenden Röhren besteht, war schadhaft ge­worden und man hatte ihn in eine benachbarte Maschinen­bauanstalt zur Reparatur gegeben. Beim Probeschießen, dem ein Mitglieo des Militärvereins beiwohnte, platzte dann ein Rohr. Ein Stück davon traf einen Schmied an der Brust, sodaß er tödlich verletzt zusammenbrach und nach wenigen Minuten starb. Ein Schlosser wurde gleichfalls schwer, ab« nicht tödlich verletzt.

erneut verhaftet. Die Kammerzofe Steger, die weg«« deS Perlendiebstahls bei der Gräfin Warten-leben fest­genommen, aber vom Gericht entlassen worden war, ist gestern erneut auf einen Haftbefehl deS Untersuchungsrichters zur Haft gebracht worden.

Entgleist. Gestern nachmittag 1 Uhr entgleiste bei bet Einfahrt deS Personenzuges 303 von Hagen in den Bahn- Hof Witten-West der drittletzte Personenwagen infolge Achsenbruches. Menschen wurden nicht verletzt. Der Betrieb st nicht gestört.

Die Jubelfeier der Universität Jena.

Jena, 31 Juli. Zum Festakt im Volkshause erschienen kurz vor 12 Uhr unter Fanfarenklängen der Prorektor und die Dekane in Amtstracht im Saal. Ihnen folgten die Rektoren der Universitäten von Halle und Leipzig, ferner die Professoren und Dozenten Jenas, an die sich die Chargierten der akademischen Verbindungen mit ihrenFahnen anschlossen. Um 12 Uhr kamen die Fürstlichkeiten, die an dem Festgottes­dienst teilgenommen hatten. Nach einer einleitenden Sonate, geblasen von einem Doppel-Bläserquartett, hielt der Prorektor Prof. Delbrück die Festrede.

Jena, 31. Juli. Nach der hervorragend feinfinniagu Rede des Prorektors über das letzte Jahrhundert ber versität wurden die Ehrenpromotionen verkündet. Zu Ehren­doktoren wurden u. a. ernannt: von der theologischen Fakultät: Staatsminister v. Borries-Altenburg, Un'iversitätskurator Exz. Eggeling-Jena, Prof. Sievers-Leipzig; von der juri­stischen Fakultät: Stäatsmmister Exz.Rothe-Weimar, Prorektor Delbrück-Jena, Senatspräsident Doerngen, Oberbürgermeister Singer-Jena, der frühere preußische Handelsmimster von Berlepsch; von der medizinischen Fakultät: Ministerialdirektor Vollert-Weimar, Prof. Bütschli-Heidelberg; von der philoso. phischen Fakultät: Prof. Theodor Fischer-Stuttgart und Universitätsmusikdirektor Prof. Max Reger-Leipzig.

Abgestürzt.

Zermatt, 31. Juli. Drei junge schweizerische Touristen, die ohne Führer das Obergabehorn besteigen wollten, sind auf dem Triftgletscher abgestürzt. Der Absturz erfolgte beim Ausstieg auf halber Höhe; sie wollten eine schwer passierbare Platte umgehen und kamen dabei auf Glatteis, das zehn Zentimeter hoch mit weichem Neuschnee bedeckt war. Bow Trifthotel aus steht man mit dem Fernrohr die Leichen aus dem Gletscher liegen. Die Namen sind ,noch unbekanut.

Unwetter in Tirol.

Innsbruck, 31. Juli. Erst heute ist eS möglich, einen Ueberblick über den furchtbaren Schaden zu bekommen, den das vorgestrig« Unwetter im unteren Jnntal und im Ziller­tal angerichtet hat. Die Verheerungen sind viel schlimmer als die ersten Meldungen annehmen ließen. Di« Zahl der eingestürzten oder von den Fluten vollständig weggerissenen Häuser kann auf hundert geschätzt werden; die Zahl der Toten, von denen erst ein kleinerer Teil geborgen ist, über­steigt dreißig. Starke Militärabteilungen sind in die be­troffenen Gebiete abgegangen, um an der Ausbesserung der Schäden mitzuhelfen. Weitere Gefahr scheint vorläufig'nicht zu bestehen.

Wien, 81. Juli. Die Katastrophe, von der Mittwoch abend das rechte Unterinntal heimgesucht wurde, ist die größte seit Menschengedenken. Gewitter mit Hagelschlägen brachten die Gebirgsbäche zum Austreten, die alles mit sich wegrissen. Der Hagel war stellenweise so dicht, daß ganz« Strecken wie Winterlandschaften erschienen. DaS Gewitter begann in der Haller Gegend und zog über das ganze Zillertal. Soweit bisher bekannt ist, sind ungefähr 20 Per­sonen ertrunken. Auch durch Blitzschlag ist großer Schaden angerichtet worden. Sehr schwer geschädigt wurde die klein« bei Hall gelegene Ortschaft Bolders. Viele Häuser wurden von den Fluten weggerissen oder so schwer beschädigt, daß die Einwohner im Freien kampieren müssen. Von Hall wurde telephonisch Militär herbeigerufen. Die Hilfeleistung war sehr schwierig, da eS stockfinster war und das gante Dorf unter Wasser stand. Um fünf Uhr früh hatte bat Militär die Dammarbeiten beendigt und die Gefahr be­seitigt. In VolderS wurden 11 Tote gezählt. In Watten- wurde das Elektrizitätswerk der Olleschauer Papierfabrik zer­stört und der Maschinist Wiedner weggeschwemmt, bet Elektrotechniker Adolf konnte sich retten, ist aber gefährlich ertrantt. In Brixlegg zerstörte der zu einem reißenden Strom angeschwollene Alpbach das Elektrizitätswerk; bte eingetretene Finsternis erhöhte die Panik. DaS Postgebäud« würd« bis zum 1. Stock unter Wall« gefeit I« hM