Einzelbild herunterladen
 

Brr^SpreiS!

«MÄrShrl'ch 1,80 Mk., m»n«üich 60 Pfg., für a* Mmttg- zib»uât«n mit ban«fs«d«n P-staujschl«!», Die cirtzel« Nummer kostet 10 Pfg.

RoteckouSdruck und Verlag da Buchdrucker«« d« » «. WaijeuhaustS in Hanau.

Gencral-Anzciger

Amtliches Orgm für Stob in) KMms ganan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristisch« Beilage.

LiueüeKmgSgeSüh» r

Die ffyszch-»»--» Petifj-ii« »da da« Xeon M M^ tot »ellam«t«il die Aale SS Plg,

Saaatroortl. Brdâur: G. «Rietet to H«m

^L 17 / Fernsprechanschltts; Nr. 605»

Freitag den 31» Juli

Fernsprechanschlutz Nr. 605» 1908

Amtliches.

Konkursverfahren.

Das Konkursverfahren über das Vermögen des Kauf­manns Christian Schwahn in Hanau wird nach er­folgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben.

Hanau den 27. Juli 1908. 15551

Königliches Amtsgericht 5»

Der Saateustaud Mitte Juli 1908»

Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hanau, Land

Begutachtungsziffern (Noten): 1 sehr gut, 2 gut, 3 = mittel, 4 = gering, 5 sehr gering.

Fruchtarten usw.

Winterweizen Sommerweizen Winterspelz Winterrozgcn Sommerroggen Sommergerste Hafer Erbsen Ackerbohnen Wicken Kartosseln Zuckerrüben Winterravs- u.

Rübsen Flachs (Lein)

Luzern Wiesen m. kstl. Be- (Ent-)wäss. Andere Wiesen

Königlich Preußisches Statistisches Landesamt.

Dr. BIenck, Präsident. V 5300

politische Rundschau.

Der Fall Schücking. DieNordd. Allg. Ztg." er­klärt, daß im Falle des Bürgermeisters Dr. Schücking in Husum die in den Schriften des Genannten zum Ausdruck gekommene politische Gesinnung nicht Anlaß gewesen sei, ein disziplinarisches Einschreiten anzuordnen. Der Artikel im Berl. Tageblatt" vom 15. Mai über die Wahlen auf dem

Feuilleton.

Bit lauks Gedächtnis in der Kunst.

Eme Studie zu seinem 10. Todestage, 30 Juli.

Von Theodor Lamprecht.

(Nachdruck verboten.)

Lionardo da Vinci hat einmal ein schönes und tiefes Wort ausgesprochen:Cosa bella mortal passa, ma non darte. Was etwa so zu verdeutschen wäre:Sterbliche Schönheit vergeht, aber nicht die der Kunst". Das gilt auch für die Helden der Geschichte. Ihr sterblicher Teil geht dahin, aber die Kunst errichtet in dem Gedächtnisse der Menschheit ein neues Bild von ihnen, das unsterblich lebt. Zuweilen ist es die Dichtung, die dieses Bild errichtet, wie ich denn z. B. glauben möchte, daß im Nibelungenliede außer den mytholo­gischen Elementen auch noch Erinnerungen an einen großen deutschen Volkshelden mitschwingen. Aber öfter ist eg die bildende Kunst, der dies Amt anvertraut ist, weil ihre Domäne das Reich der Sichtbarkeit ausmacht. Und die Zeichen weisen darauf hin, daß es die bildende Kunst sein wird, die Bismarcks Bild der Geschichte der Jahrtausende überliefert. Versuchen wir an dem ernsten Gedenktage des Hinganges Bismarcks uns zu vergegenwärtigen, wie sich bis­her in der Kunst sein Bild gestaltet hat und welches die ferneren Möglichkeiten und Aussichten dieses Vorganges sein mögen.

Zuerst war es die Karikatur, die sich mit BiSmarck be- schäftigte. In den sechziger Jahren tauchte sein Gesicht als ständiger Gast in den Nummern des Kladderadatsch auf. Hier war es der alte Wilhelm Scholz, der zuerst die Auf­gabe ersaßt hat, sich mit Bismarcks Zügen künstlerisch au8- kinanderzusetze». Er ist es gewesen, der den inzwischen, man kann wohl jagen, weltgeschichtlich gewordenen Bismarck-Typ,

Lande gab vielmehr Anlaß zur Prüfung von dem besonderen Gesichtspunkt aus, inwieweit darin ein Vorwurf gegen die preußischen Landräte, daß sie die Wahlen unzulässig beein­flussen, zu erblicken sei. Ob die Beurteilung der allge­meinen amtlichen und schriftstellerischen Tätigkeit Schückings dem Regierungspräsidenten hinreichenden Anlaß' bot, ein förmliches Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Amtsent­fernung einzuleilen, bedarf noch der Prüfung, die der Minister des Innern unverzüglich insbesondere nach der Richtung vorgenommen hat, ob nach Lage des Gesetzes die Einstellung des Verfahrens zur Zeit noch erfolgen kann. Im Verlauf der Erörterungen wurde auch behauptet, der Minister des Innern habe auf Bürgermeister Schücking einen Druck ausüben lassen, um ihn zur Niederlegung des Man­dats für die Freisinnige Volkspartei zu veranlassen. Diese Behauptung entbehrt jeder tatsächlichen Begründung.

Die Vorgänge in der Türkei. An alle Armee­korps wurde ein Jrade übermittelt, demzufolge sämtliche Offi­ziere, die seit mehr als fünf Jahren nicht befördert worden sind, befördert werden. Auch die Einberufung der Kammer wird allen Korps mitgeteilt werden. Das Kriegsministerium sandte an das dritte Korps 200 000 Uniformen. Alle auswärtigen Blätter finden ungehindert Eingang in der Türkei. Gestern erschien das BlattMezian", das Organ des ehemaligen verbannten Jungtürkeu Murad Bey.

Das badische Großherzogspaar in München.

München, 30. Juli. Um zwei Uhr fand im Ball­saale der Residenz große Hoftafel zu Ehren der badischen Gäste statt. Der P r i n z r e g e n t brachte dabei folgenden T o a st aus:

Es ist mir ein Herzensbedürfnis, Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog und Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin von Baden für den gnädigem Besuch wiederholt den herzlichsten Dank zum Ausdruck zu bringen. Eine große Freude haben Euere Königliche Hoheit mir durch die An­nahme der Jnhaberstelle des 8. Infanterie-Regimentes ge­macht. Die bayerische Armee wird stolz sein, Eurer König­lichen Hoheit Namen in ihren Listen zu führen. Mein innigster Wunsch ist, daß die freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen unseren Häusern, sowie die freund­nachbarlichen Beziehungen zwischen unseren Ländern auch fernerhin aufrecht erhalten bleiben und so Gott will sich noch mehr stärken und befestigen. Ich fordere Sie auf, einzustimmen in den Ruf: Der Großherzog und die Großherzogin, meine hochwillkommenen Gäste, sie leben hoch 1

Auf den Trinkspruch des Prinzregenten erwiderte der Großherzog von Baden:

Eure Königliche Hoheit wollen gnädigst gestatten, daß ich gleichzeitig im Namen der Großherzogin Eurer König­lichen Hoheit ehrerbietigsten und innigsten Dank sage für die so gütigen Worte des Willkommens. Wir danken Eurer

den bekannten Bismarck mit den drei Haaren, erfunden hat. Heul will uns das vielleicht nicht mehr viel bedünken; aber betrachtet man die Sache recht, so war es nicht mehr und nicht weniger als eine künstlerische Großtat. Der alte Scholz ist der erste gewesen, der es vermocht hat, Bismarcks Züge typisch zu fassen und zu gestalten. Sein BiSmarck-Typus ist nicht abschließend, aber es ist hochinteressant und sehr anziehend zu beobachten, wie sich der Zeichner, je bedeutsamer sein Held sich entwickelt, um so mehr in seinen Charakter vertieft, ihn um so reicher und bestimmter auffaßt. Darin liegt ein außer­ordentlicher Unterschied der schlichten Kunst des alten Scholz von der unserer heutigen Simplizissimns-Zeichner, die ihm an Gewandtheit sicherlich überlegen sind. Der Unterschied ist der, daß Scholzens Kunst einen positiven Zug hatte, daß er imstande gewesen ist, einen selbständigen Typus zu ge­stalten waS den Simplizissimus-Künstlern, sofern be­deutende Gestalten der Geschichte und nicht etwa bloß Ko­kotten oder verbummelte Studenten in Frage kommen, bis­her noch nicht gelungen ist. Es hat sich ja mit der Zeit auch Scholzens Auffassung von Bismarck langsam gewandelt. Zuerst, und recht lange noch, hat seine ganze Darstellung Bismarcks etwas Feindseliges; allmählich aber, je mehr er seinen Helden versteht, um so mehr heroisiert er ihn. Doch merkt man seinem Bismarck-Typus immer an, wie er ent­standen ist: eine abschließende Auffassung hat der bescheidene Karikaturenzeichner des Kladderadatsch begreiflicherweise noch nicht finden können. Wer wollte ihm daraus eineu Vor­wurf machen? Ein viel Größerer hat das auch nicht ver­mocht. Wenn man Menzels Studien zu dem berühmten Gemälde der Krönung Wilhelms I. durchsieht, so trifft man unter ihnen auch eine Studie nach dem Kopfe Bismarcks, und cs ist höchst bezeichnend für Menzel, daß er Bismarck geradezu subaltern aufgefaßt hat. Nichts in dieser Zeich- nung, aber auch gar nichts, deutet darauf hin, daß unter den Hunderten von Menschen, die Menzel bei diesem An­laste porträtgetreu festLehalten hat, dieser bei weitem der

Königlichen Hoheit herzlich für den herrlichen Empfang, den Eure Königliche Hoheit uns in der schönen Haupt- und Residenzstadt München bereitet haben. Auch ich persönlich möchte mich hier nochmals bedanken für die Auszeichnung und Ehre, deren Eure Königliche Hoheit mich für würdig gehalten haben durch Ernennung zum Inhaber des 8. In­fanterie-Regiments, und bin ich stozz darauf, fortan der tapfern bayerischen Armee anzugehören. Es war mir, als die Vorsehung mich in meine jetzige Stellung berief, ein auf­richtiges Bedürfnis, baldigst dem ehrwürdigen Mentor der deutschen Fürsten, dem hochverehrten Regenten .dieses Landes, aus welchem ich mir meine Gattin holte, meine Aufwartung zu machen. Eure Königliche Hoheit waren so lange Jahre mit meinem teuern, in Gott ruhenden Vater aufs engste befreundet und bitte ich Eure Königliche Hoheit, diese Freundschaft auch auf mich gnädigst übertragen zu wollen. Es wird mir eine angenehme Pflicht sein, die engen Beziehungen unserer Häuser und Länder zu pflegen. Ich bitte Sie, mit mir einzustimmen: Prinz Luitpold und sein ganzes Haus, sie leben hoch!

München, 30. Juli. Der Großherzog und die Grylherzogin von Baden sind abends 6 Uhr nach Schloß Hohenburg abgereist. Der Prinzregent und Prinzessin Therese haben sich von ihnen am Bahnhöfe herz­lich verabschiedet.

Bismarck-Gedenktag.

Berlin, 30. Juli. Der Reichskanzler Fürst v. Bülow hat heute in Friedrichsruh durch den Geh. RegierungSrat Wahnschaffe am Sarge des Fürsten Bismarck einen Kranz niederlegen lasten.

Lübeck, 30. Juli. Aus Anlaß des zehnten Todes­tages Bismarcks haben die StaatSgebâude und viele Privathäuser Halbstock geflaggt. Der Senat und mehrere Vereine legten am Bismarckdenkmal Kranzspenden nieder.

Hamburg, 30. Juli. Die Bismarck feier der deutschen Studentenschaft begann heute vormittag mit einem feierlichen Akt am Bismarckdenkmal, wobei Vertreter der deutschen Studentenschaft vier Kränze niederlegten. Dann sang man das. LiedDeutschland, Deutschland über alles*.

Berlin, 30. Juli. Zu Ehren Bismarcks veranstaltete die Berliner Studentenschaft gestern nachmittag eine Auffahrt vov dem Denkmal Bismarcks auf dem Königsplatz. Die bunten Farben der studentischen Trachten boten im Verein mit den im Winde flatternden Bannern und Fahnen ein prächtiges Bild. Die Festrede hielt stud. Deiters. An dem folgenden Festkommers beteiligte sich auch der Rektor der Berliner Universität. Eine weitere Erinnerungsfeier für Bismarck findet heute abend bei Westend statt auf dem Platz, auf dem später eine Bismarckwarte sich erheben soll. An der Bismarckwarte auf den Müggelbergen ließ der Verein Bismarckwarte in Köpenick einen Kranz aus Eichen und Lorbeern niederlegen; von einer besonderen Feier war mit

genialste und größte war. Menzel, eine entschieden bürger« liche und nüchterne Natur, hat eben für das Genie keinen Blick gehabt.

Und Bismarck wächst, und mit ihm wächst die Kunst seiner Darstellung. In diesem Zusammenhang» ist ein Künstler anzuführen, der heut nicht mehr hoch im Kurs« steht, aber dennoch seinen Platz in der Geschichte der künst­lerischen Darstellung Bismarcks behaupten wird. Das ist Anton von Werner. Wir lassen die rein künstlerischen Fragen hier beiseite und stellen nur fest, daß Werners ganze Kunst im Guten und im Uebeln einen entschieden preußischen Zug hat. Und in diesem Sinne hat er es auch vermocht, Bismarck zu schildern. Wenn man ein Bild betrachtet, wir das, das Bismarck nach der Schlacht bei Sedan auf dem Wege nach Donchery zu dem gefangenen Kaiser Napoleon zeigt, so kann man nicht in Abrede stellen, daß in dieser Gestalt etwas ganz Eigentümliches zum Ausdruck kommt. Etwas Strenges, Unerbittliches, Statuarisches. Es ist, als ob das Schicksal mit diesem Manne ritte. Die ungeheure, strenge und nüchterne Macht des Preußentums: etwas da­von klingt, das ist nicht zu bestreiten, in Werners besten BiSmarckbildern an. Aber Bismarck blieb eben nicht nur Preuße, er warder Deutsche". Und so ist es auch für die Geschichte seiner Darstellung in der Kunst bezeichnend, daß schließlich die beste Schilderung seiner Person, die zu seinen Lebzeiten geleistet wurde, nicht von einem Preußen, sondern von einem Süddeutschen herrührt. Es ist natür­lich Lenbach, von dem wir reden. Lenbach hat Bismarck Hunderte von Malen geschildert: in ausgeführten Gemälden, in Skizzen und in Studien, in Zivil und in Uniform, stehend und sitzend. Der Wert dieser Arbeiten ist ungt- mein verschieden. Viele sind mangelhaft in der Zeich- nung und flach in der Charakteristik. Zuerst ist Lenbach dieser einzigen Züge noch nicht völlig Herr, und als er sic dann _ durchaus in die Hand ' bekommen hat, da lMd er oft flüMgund i&cyiaiiidi. So um es daL