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Politische Rundschau.
Der Prinzregent von Bayern ernannte den Großherzog von Baden zum Inhaber des 8. Infanterie-Regiments in Metz, dessen Inhaber .auch der verstorbene Großherzog war.
Die Nationalliberalen des LandlagswahIbczirks Tondern werden nach der „Tond. Atg." für die Ersatzwahl, die durch den Tod deS Landgerichtsrats Feddersen notwendig geworden ist, den Dr. Schifferer-Charlottenhof bei Kiel auf« stellen. Seine Wahl ist gesichert, da am 3. Juni 124 nationalliberale, 44 freisinnige und 98 dänische Wahlmänner gewählt worden find. Für die Freisinnigen kandidiert wieder der Bürgermeister Dr. Schücking-Husum.
Der Kall Schücking. Die in Aussicht gestellte Disziplinierung des Bürgermeisters von Husum wegen einer Broschüre, in der die innere Verwaltung in Preußen kritisiert wird, unterliegt zurzeit der Prüfung durch den Minister des Innern. Herr v. Moltke hat bei Gelegenheit seiner Inspektionsreise «ach Schleswig sich mit den beteiligten Regie- rungSfaktornl ins Benehmen gefetzt; das Ergebnis, zu dem er gekommen ist, dürfte in den nächsten Tagen bekannt werden. SS handelt sich nach der „Tgl. Rdfch." um ein von dem justinbigen Regierungspräsidenten, also nicht von der Zentralstelle eingeleitetes Verfahren. Die Husumer Stadtverordneten haben bereits an den Regierungspräsidenten eine einstimmig gefaßte Protesteingabe gerichtet.
Wie der Loh» der Arbeiterschaft gestiegen ist, geht auS der im letzten Jahresbericht der Handelskammer Essen enthaltenen Mitteilung hervor, daß bei der Firma Krupp die prozentuale Steigerung des Arbeitslohnes vom Jahre 1907 gegenüber demjenigen von 1879 nicht weniger als 77 Prozent betrug. Auch in den letzten Jahren ist die Steigerung zu beobachten gewesen. So belief sich der Durchschnitt der auf her Gußstahlfabrik pro Kopf und Tag b«- »ahltrn Löhne 1908 auf 4,82 Mk., 1908 auf 4,50 Mk., 1904 auf 4,88 Mk., 1905 auf 5,12 Mk., 1906 auf 5,35 Mark und 1907 gleichfalls auf 5,35 Mk. Also mit Ausnahme des allerletzten Jahres, in dem, wie bekannt, die weniger günstige Konjunktur einsetzte, ist bei Krupp auch in den Jahren seit 1902 eine stetige Steigerung der Arbeiter- löhne zu beobachten gewesen. Wenn aber in den letzten drei Dezennien die Arbeiterlöhne um 77 Prozent gestiegen sind, so ist damit noch nicht der Gesamtvorteil dargestellt, den die Arbeiterschaft gehabt hat. Man wird auch bedenken müssen, >aß in den letzten dreißig Jahren die Arbeitszeit beträchtlich zekürzt ist. Dieser Vorteil läßt sich nicht in Geld umrechnen, »aß er aber neben der Lohnerhöhung vorhanden ist, wird uemand leugnen können. Auch wird man nicht bestreiten Dnnen, dklß die Arbeiterversicherung für die Versicherten recht zroßen materiellen Nutzen im Gefolge hat. Die Arbeiter- devölkerung hat unstreitig an der Kulturentwicklung, wie sie während der letzten drei Jahrzehnte in Deutschland zu beob- ichten gewesen ist, einen ganz bedeutenden Anteil gehabt.
Portugiesische Köntgömörder. Alfonso Costa 'orderte in der gestrigen Sitzung der Deputiertenkammer die Verhaftung der Mitglieder bei Ministeriums Franco, die Ar den Königsmord vom 1. Februar verantwortlich seien, and ihre Aburteilung durch die Pairskammer.
Deut?ch-fra»zSfischer Grenzvertrag. Der Aus- nuich der Ratifikationsurkunden des am 18. April in Berlin unterzeichneten deutsch-französischen Vertrages über die Ab- ir uwng der Gebiete von Kamerun und Französisch-Kongo ar Dienstag nachmittag im Auswärtigen Amt zu Berlin stattgefunden.
Die gegenwärtige Geschäftslage in England wird im eigenen Lande äußerst ungünstig beurteilt. Ein Abgeordneter bei Unterhauses, Sir Christopher Furneß, der zugleich Seniorchef der Firma Furneß Witley and Co. ist, erklärt in dem Bericht, den er der Jahresversammlung kürz- ich erstattete, im allgemeinen seien die kommerziellen Aus- 'ichten unerfreulicher, als sie jemals seit Gründung der Ge
Feuilleton.
ZkM und seine Universität von Jahrhundert zn Jahrhundert.
Zum 350jährigen Jubiläum btt Universität Jena, 30. Juli.
Don Dr. Hatt- Haffelkamp.
(Nachdruck verboten.)
„Aus den Bergen die Burgen, im Tale die Saale" . . .
Wer je einmal in Jena Bruder Studio gewesen, den Schläger geschwungen und Lichtenhainer gezecht hat, der ver- jißt das „liebe, närrische Nest" nicht wieder. Alle anderen Hochschulen des deutschen Vaterlandes in Ehren — aber Jena ist einzig. Und das im wörtlichsten Sinne. Kein Hof gewährt Jena Glanz, kein Bischof hat je hier Residenz ge- halten, Handel und Gewerbe haben im lieblichen Saaletal nie ihr Hauptquartier auigeschlageü. „WaS Jena ist, ist es durch seine Universität. Keine andere Stadt kann das von sich sagen." Mit diesen Worten eröffnet treffend Borkowsky sein schönes Buch „Das alte Jena", das er der Hochschule zu ihrer Jubelfeier gewidmet und daS der Jenenser Verleger Eugen Diederichs durch einen ausgezeichneten Jllustrations- schmuck zu einem kulturgeschichtlichen Dokumente gemacht hat. WaS Jena ist, ist es durch seine Universität. Und da die Univerttlät nun in diesen schönen Sommerlagen in Kraft und Blüte daß Jubiläum ihres 350jährigen Bestehens feiert, so wollen wir ihre wechselnde und merkwürdige Gericht« glenfiiam auS der Vogelperspektive übersehen, indem wir, die Rolle deS ewigjungen Thidher spielend, von Jahr- hunbert zu Jahrhundert wandeln und uni ein Bild davon machen, "wie es im alten Jena und seiner Universität in den Sctularjabren außgesehe« hat, die ei schon hinter sich hat.
1558.
Am 1. Februar bei Jahre« des HeilS 1558 erlebte Jena einen Xan rote ibn bi« Annalen btt Stadt noch nicht ge
sellschaft gewesen seien. Er gehe sogar soweit, zu behaupten, daß er sich, so lange er im geschäftlichen Leben stehe, keiner Zeit erinnern könne, wo die geschäftliche Lage so wenig befriedigend und verheißungsvoll gewesen sei, wie eben jetzt. Diese Ansicht erhält allerdings in den letzten Monaisaus- weisen des englischen HandelsainteS eine gewisse Stütze; aber so abschreckend groß, namentlich wenn man das ungewöhnlich günstige Wirtschaftsjahr 1907 beim Vergleich außer Betracht läßt, sind die Ausfälle im Außenhandel denn doch nicht, daß eine so bedingungslos und übertrieben pessimistische Auffassung berechtigt erscheinen könnte.
Eine Begegnung. „Petit Rèpublique" meldet aus St. Diâ : Zwei deutsche Armeekorps manövrieren augenblicklich hart an der französischen Grenze. Gestern morgen traf bei Donon ein französisches Jägerbataillon auf wenige Schritte Entfernung mit deutschen Truppen zusammen. Man betrachtete sich gegenseitig einige Augenblicke stillschweigend, worauf die beiderseitigen Offiziere schnell ihre Mannschaften Kehrt machen ließen.
Der Kall Luxemburg im englische» Unitt« buuse. Man erinnert sich wohl noch der willkürlichen Verhaftung bei englischen Kaufmannes Luxemburg in Odessa und der energischen Intervention der englischen Regierung zu Gunsten desselben. Im Unterhause stellte vor einigen Tagen Kapitän Craigh die Frage an die Regierung, ob sie von bet russischen Regierung eine Entschädigung für die Verhaftung des Herrn Luxemburg verlangt habe. Gestern antwortete Herr I. A. Pease im Namen der Regierung folgendes: Die Sache sei im Auswärtigen Amt unter Hinzuziehung des Ministerium? des Innern und der juristischen Ratgeber der Krone beraten worden. Herr Luxemburg sei infolge eines Mißverständnisses verhaftet und erst nach 14 Tagen freigelassen worden. Im internationalen Rechte sei nichts vorhanden, worauf England einen Anspruch auf Entschädigung als Recht erheben könne, auch sei es in England nicht üblich, einen solchen Anspruch zuzulassen, wenn jemand aus Mißverständnis verhaftet und später freigelassen werde, obgleich bisweilen eine Entschädigung aus Gnade bewilligt worden sei. In diesem Falle sei es nicht zweifelhaft, daß Herr Luxemburg schwer unter den Bedingungen seiner Verhaftung gelitten habe und angesichts dieser Tatsache werde der Staatssekretär des Aeußern die ganze Angelegenheit der russischen Regierung unterbreiten und eine Entschädigung verlangen. Irgend welche Papiere werde er nicht veröffentlichen. Andere Regierungen sollten sich ein Beispiel an dem Vorgehen der englischen Regierung nehmen, wenn es sich um Schädigung ihrer Staatsangehörigen in Rußland handelt.
Die Rückreise des Kaisers.
Swi»emü»de, 29. Juli. Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser ist, gefolgt vom „Sleipner", heute morgen 81/» Uhr unter Salut im Hafen eingetroffen. Der Kreuzer „Stettin" folgt.
SWinemAnSe, 29. Juli. Die Reise der „Hahen- zollern" hierher nahm einen sehr guten Verlauf ohne Zwischenfall. Während des Eintreffens der „Hohenzollern" und nach dem Festmachen der Jacht wurde der Kaiser, welcher sich an Deck befand, von dem sehr zahlreichen Publikum andauernd stürmisch begrüßt, wofür er wiederholt auf das freundlichste dankte. Der Kaiser empfing an Bord den Regierungspräsidenten v. Walentini, und nahm die Meldungen des Kommandanten von Swinemünde, Major Hodicke, des Platzmajors, Hauptmann Plato, und des Kommandanten der „Iduna", Kapitän Karpf, entgegen. Nach der Mittagstafel verlassen die Gäste des Kaisers während der Nordlandsreise die „Hohenzollern". Der Flügeladjutant Major von Neumann-Cosel und der Leibarzt Dr. Wiedner traten ihren Dienst bei Sr. Majestät an.
Vom deutschen Klottenvcrein.
Rostock, 29. Juli. Im Hotel „Fürst Blücher" wurde die Landeshauptversammlung des Landesverbandes Mecklenburg vom Deutschen Flottenverein abgehalten. Die Mit
sehen hatten. Galt eS doch, die endgültige Sicherung der Anstalt zu feiern, durch bie die bisher unberührte Stadt zu Glanz und Ruhm gekommen war: die Universität. Dem gewandten Professor Iohannes Schröter war eS gelungen, am Kaiserhofe das heißersehnte Privileg zu erlangen, durch daS die Universität alle Rechte und Vergünstigungen der alten Hochschule erhielt. Das erst war der Schlußstein zum Bau der neuen Hochschule und so konnte wohl die ganze Stadt in freubiger Erregung sein. DeS Vormittags holte die Bürgerschaft feierlich den Herzog ein. Es war Johann Friedrich der Mittlere, der nach zwei Uhr mittags mit seinem Bruder Johann Wilhelm in Jenas Mauern einzog. Ein festliches Bild: die reichgekleideten hohen Herren, ihr glänzendes Gefolge, hundert Pferde vom Adel der Landschaft, die Bürger und die Stadtwehr, die Geistlichkeit und dann — der Mittelpunkt und Stolz des Tages; die ganze Universität, mit „Bruder Studium" mehr als 600 Köpfe stark. Da ist auch der gewandte Schröter, jetzt Rektor, in einem funkelnagelneuen Amtsornate und spricht den lateinischen Willkommengruß. Aber erst der nächste Tag ist der Haupttag. Alle Glocken der Stadt läuten, und in der Michaelskirche findet sich eine glänzende Versammlung zur festlichen Feier ein. Da wird das kaiserliche Privilegium vorgelesen und die neuen Statuten; und dann nach der Ehre Gottes folgt die Lust der Welt: es gibt ein Turnier, und Ballschlagen und Piekenwerfen, und so mancher Tropfen wird wohl die durstigen Kehlen der Herren Studiosi hinabgefloffen sein.
Wer hätte gedacht, daß schon 1558 so viel Studiosi die neue Universität besuchen würden! War es doch erst 11 Jahre her, daß Johann Friedrich mitten in seinem Unglücke, ein landflüchtiger Mann, den Gedanken gefaßt hatte, hier an der Saale dem Studium und dem evangelischen Gedanken einen neuen Wohnsitz zu eröffnen, nachdem er das alte gefeierte Wittenberg hatte aufgeben müssen. Den Melanchthon herüber zu bekommen freilich gelang ihm nicht, aber er bekam als Theologen den Schwaben Viktorin Strigel und als Philologen den Gothaner Iohannes Stigel — und daS war zu Anfang der ganze Prosessorenstaat. Aber es war genug, um zu beginnen, und während Johann Friedrich
glieder waren rech! zahlreich erschienen; außerdem waren anwesend: VcreinSpräsident Großadmiral v. Köster, Erster Vizepräsident Generalleutnant z. D. v. Lebermann, der ge- schäftsführende Vorsitzende des Präsidiums in Berlin, Kontre- admiral a. D. Weber. Der Vorstand bei mecklenburgischen Landesvereins war außer durch Generalleutnant v. Häseler vertreten durch den Vizepräsidenten und Kontreadmiral z. D. Becker, sowie RechnungSrat Hauptmann der Landwehr Riedel usw. Generalleutnant v. Häseler eröffnete dir Versammlung mit einer kurzen Ansprache und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser und die beiden Großherzögt von Mecklenburg. Bei dem Festessen hielt Großadmiral v. Köster folgende Rede:
„Meine Herren 1 Jm Namen der hier erschienenen Mitglieder des Präsidiums darf ich meinen herzlichen Dani aussprechen für die freundliche Einladung, Ihrer Hauptversammlung beizuwohnen. Wir sind dieser Einladung mit Freuden gefolgt, weil sie uns Gelegenheit gibt, mit einer großen Anzahl von Gliedern Fühlung zu nehmen und in dieser Fühlung, wie ich hoffe, fest und treu zusammenzuhalten. Meine Herren, der Entschluß, der Aufforderung, daS Präsidium deS Deutschen Flottenvereins zu übernehmen, Folge zu leisten, ist mir nicht ganz leicht geworden, denn ich weiß, daß die Navigterung deS Flottenveretnsschtffes beiden mancherlei Strömungen, die sich geltend machen, keine ganz einfache und leichte sein wird. Wo Differenzen entstanden sind, ist es schwer, diese Differenzen kurzerhand wieder zu beseitigen und charaktervolle Männer in unserem deutschen Vaterlande sind gewohnt, an ihrer Meinung wie an ihrer Ansicht festzuhalten. Des weiteren ist mir bewußt, was der Flottenverein unter der Führung seines früheren Präsidiums geleistet und erreicht hat. Ich kann Ihnen wohl sagen, daß eS mir eine Freude gewesen ist, in den letzten Wochen in einen freundlichen Meinungsaustausch mit Seiner Durch- laucht dem Fürsten Salm treten zu können und ihn schätzen zu lernen und ich weiß es und habe es erfahren in der kurzen Zeit, welcher Liebe und Verehrung der Fürst sich im Deutschen Flottenverein erfreut. Ich verdenke es keinem, wenn er weiter noch fest an ihm hält und die Sympathie des Vereins ihn weitergeleitet. Andererseits ist es mir eine Freude gewesen, die Aussicht zu haben, noch weiterhin der Marine in freier und unabhängiger Stellung Dienst leisten zu können. Es ist darüber gesprochen worden, daß zwei Admirale in leitender Stellung in diesem Präsidium weilen. Meine Herren, als Ehrenmänner würden wir nicht in der Lage gewesen sein — ich spreche auch im Namen des Konter-Admirals Weber — die uns angebotene Ehrenämter übernehmen zu können, wenn wir uns nicht als freie und unabhängige Männer gefühlt hätten. Ich hoffe und erwarte aber, daß das Verhältnis des Deutschen Flottenvereins zum Reichsmarineamt stets ein gutes sein werde. Wir wollen uns angelegen sein lassen, nicht in die Details der Schiffe einzudringen. Wir wollen unter allen Umständen nur erstklassige Schiffe fordern, die in Bezug aus Offensiv- und Defensivkraft den Schiffen anderer Nationen gleichkommen. Wir haben das Vertrauen zu um Staatssekretär itnb Staat, unseren tüchtigen Seeoffizieren und hervorragenden Technikern, daß diese Herren am besten verstehen, was uns not tut. Aus einem Grunde ist es mir eine ganz besondere Freude gewesen, weil ich weiß, daß im Deutschen Flottenverein treu politisch« Männer aus allen Schichten der Bevölkerung vereinigt sind, bie— ■ das Beste wollen in der Ueberzeugung der Notwendigkeit einer starken deutschen Flotte. — Wenn Sie von mit heute verlangen, daß ich die Ziele des neuen Präsidiums auseinandersetzen soll, so bin ich dazit noch nicht in der Lage, denn unser Hauptbestreben wird dahingehen, nach den Statuten zu handeln. Ich möchte Sie bitten, fassen Sie Vertrauen zum neuen Präsidium, seien Sie versichert, daß wir stets bestrebt sein werden, daß wir den richtigen Kurs steuern. Ich möchte Sie vom Flottenverein bitten, daß wir unserer allgeliebten Flagge mit unauslöschlichen Buchstaben die Worte eintragen: Einigkeit macht stark." (Stürmischer, lana- anhaltender Beifall.)
Stuttgart, 29. Juli. Der Erbprinz zu Hohenlohe- Langenburg erläßt nach dem „Schwäbischen Merkur" unter dem heutigen Datum einen Aufruf an die Mitglieder bei württembergischen Landesverbandes des Deuischen Flottenvereins, in dem er seinen Dank für das ihm durch die
in Karls V. Haft schmachtete, begann die neue Universität ihr Leben, zunächst noch eine gar bescheidene Pflanze, eine Art Mittelding zwischen einer Lateinschule und einer Universität, aber von Anfang an merkwürdig dadurch, daß ei die erste entschieden evangelisch-konfessionelle Universität in deutschen Landen war. Johann Friedrich hatte an der Universität Jena, seiner LieblingSschöpfung, mit unerschütterlicher Zähigkeit festgehalten und offenbar den Gedanken gepflegt, mit geistigen Mitteln wieder aufzubauen, was er durchs Schwert verloren hatte. Noch in seinem Testamente hat er seinen Söhnen und Nachfolgern die Universität ans Herz gelegt; sie waren bpm Wunsche des Vaters treu geblieben, und nun, seit diesem Februartage 1558, steht unsere thüringische evangelische Hochschule fest und fertig da und tritt lebensfrisch in ihr erstes Säku- lum ein.
1658.
Keine gar glänzende Jubelfeier warS, die man beging, als JenaS Universität ihren 100. Geburtstag feiern konnte. In der Michaelskirche, wo vor 100 Jahren bei Kaisers Privileg vorgelesen worden war, ward eine Dank- und Festpredigt gehalten, und in der Universitätskirche widmete die philologische, die juristische und die medizinische Fakultät dem Ehrentage Jubelreden. Dazu gab eS noch eine außerordentliche Magisterpromotion — und das war alles. Man war noch nickt auf Festesfeiern gestimmt: hatte man doch erst seit 10 Jahren den Frieden, den heißersehnten, lang entbehrten Frieden, nachdem 30 Jahre lang der furchtbare Krieg Deutschlands Gaue heimgesucht hatte. Er hatte auch Jena schwer geprüft. Immer wieder war der Feind ins Saaletal gekommen, aber am schlimmsten war der 5. Februar 1637 gewesen, als der Schweden-Oberst StahIhanS Jena über der Saalebrücke verließ und, gerad läuteten die Befperglocken, von der anderen Seite herab der Graf Götzen mit kaiserlichem und bayerischem Sodatenvolke in die Stadt eindrang. Da gab« ein Brennen und Plündern, und allent- halben herrschte daS Unglück auf Straßen und in Häusern. Die Pest unb die rote Ruhr wüteten in der Stadt, die Natur selbst schien sich zu empören: war doch im August 1688 dicker Schnee gefallen. Auf den Straßen lagen bt«