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Mittwoch

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Erfahrungen fußenden Ratschlägen ausklärend wirken. Der Zweck ist ihm vollständig gelungen, besonders wertvoll sind seine Fingerzeige für den vorteilhaften Ankauf von Kanarien­vögeln.

Hus Hanau Stadt und Tand»

Sana«, 29. Juli.

* Evangelischer Bund zur Wahrung der deutsch­protestantischen Interessen. Da das Königl. Konsisto­rium für den Reg.-Lez. Cassel für den bevorstehenden Sonn­tag den 2. August eine allgemeine Kirchenkollekte tut Unterstützung der beiden ausländischen protestantischen Gemeinden Eichwald in Böhmen und Rottenmann in Steiermark genehmigt und allen 543 kurhessischen Geistlichen empfohlen hat, sich dieser Kollekte aufs wärmste anzunehmen, so sei auch an dieser Stelle zum allge­meinen Verständnis der Verhältnisse in den beiden unter­stützungsbedürftigen Gemeinden folgendes, mitgeteilt : Was zunächst Eichwald anbetrifft, so liegt dieser etwa 4500 Einwohner zählende Ort eine Stunde von dem berühmten Bade Teplitz am Fuß« bei Erzgebirge« an einer Hauptver­kehrsstraße zwilchen Sachsen und Böhmen. Die Bevölkerung besteht zu» größten Teil au« Industriearbeitern und ist wenig bemittrlt. Im Mai 1904 wurde dortselbst eine deutsche evangel. Predigtstation errichtet, hauptsächlich infolge der Bemühungen eines trefflichen Fabrikdirektors. Während man vorher in Eichwald nur 19 Evangelische zählte, ist dir Gesamtzahl derselben, einschließlich der in der näheren Umgebung Eichwald«, setzt auf rund 700 Seelen angewachsen. Der Geistliche dieser Gemeinde, Herr Pfr. Jaehn, ein Bran- »enburger, ist bereit« seit 71/» Jahren in Oesterreich tätig and bezieht trotz der besonderen Teuerungsverhältnisse in Eichwald nur ein bescheidene« Gehalt. Die Gemeinde zählt 73 Steuerzahler und bringt an direkten Kirchensteuern jähr­lich 480 Mk. auf. Der in einem Fabrikgebäude hergerichtete Betsaal hat sich inzwischen al» zu klein erwiesen, weshalb die Gemeinde daran denkt, ein bescheidene» Kirchlein zu erbauen. Die bereits vorhandene Amtswohnung de» verheirateten Pfarrers schließt auch einen Konfirmandensaal und eine Dia-, tlonissenwohnung in sich. In Rottenmann, einem kleineren, nur 1200 Einwohner zählenden Orte in Steier­mark, liegen die Verhältnisse wieder etwa» anders. Hier fand der Protestantismus schon in den Tagen der Reforma­tion Eingang. Der damalige Landeshauptmann Freiherr u. Grünbühl v«rwandelt« seine Schloßkapelle in ein evange­lisches Gotteshaus, und da bald ganz Rottenmann zum Pro- leirantismuS übertrat, so wurde im Jahre 1579 dortselbst eine prachtvolle Kirche erbaut, die aber nach 20 Jahrm in­folge der Gegenreformation und de« Jesuitenordens, am 10. September 1599 mit Pulver in bit Luft gesprengt wurde, worauf die protestantische Bevölkerung entweder auswanderte ober mit Gewalt, wenigsten« äußerlich, der alten Kirche wieder zugeführt wurde. Erst im Jahre 1850 wurde der Rittersaal deS alten Schlosses von dem neuen Besitzer wieder in eine evangel. Gottesdienststätte umgewandelt, und im Jahre 1900 endlich wurde durch die anerkennenswerte Bemühung zweier Neuprotestanten, nämlich des Rottenmanner Arzte» und Apothekers, der österreichische Vikar Schiefermair an« gestellt, dellen Besoldung der Evangelische Bund und der Lutherische GotteSkasten ' übernahm. Herr Pfarrer Schiefermair ist unverheiratet und bezieht gegenwärtig eine Besoldung von 2400 Mk. Die 486 Mitglieder seiner Ge­meinde wohnen außerordentlich zerstreut und verteilen sich auf ein Gebiet, das sich mehr al» 80 km in die Länge er­streckt. Auf das einzelne steuerpflichtige Mitglied (meist arme Landleute) derPfarrgemeinde Rottenmann" kommen etwa 10M. Kirchensteuer. Die RottenmannerGemeinde- Diakonisse, eine Schwester des Pfarrers, ist in unserer hessischen Heimat, im Diakonissenhaus zu Wehlheiden und in Treysa ausgebildet und wird vom Zweigverein des Evangel. Bunde» zu Marburg a/Lahn besoldet. Beide G e- meinten sind seit dem 1. April 1908 dem Hauptverein Heiicn-Cassel und seinem Hilfsausschuß zur besonderen Für- wr^e und Unterstützung überwiesen worden. Beide Ge­meinden stellen an die Opferwilligkeit ihrer Mitglieder starke Anforderungen, aber sie sind nicht imstande, ohne die tatt rüstige Unterstützung von feiten desEvangel. Bundes und desGustav-Adolf-Vereins ihren Notständen abzuhelfen. Deshalb möge in den Gottesdiensten des bevor­stehenden Sonntag» jeder Kirchenbesucher die Gelegenheit benutzen, zur Unterstützung der beiden würdigen und hoff- nungsvollen Gemeinde-Paienkinder im Auslande ein Scherf- iein beijutragen! Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb! (NB. Auch die Vorstandsmitglieder der Zweigvereine des Ev. Bundes sind jederzeit zur Empfang­nahme und Weiterbeförderung von Gaben zur Unterstützung evangel. Gemeinden in Oesterreich gerne bereit).

* Deutsche Turnerschaft. Zu der am 16. und 17. ds. Mis. in Frankfurt a. M. stattgehabten Sitzung des Aus­schusses der Deutschen Turnerschaft wurden aus der Dr. Ferdinand Götz-Stiftung zur Errichtung Deutscher Turn- sèätten insgesamt Mk. 9 200. Beihülfen an 26 Vereine bewilligt, darunter aus dem Mittelrheinkreis: Turnverein Bergen, Kreis Hanau, Mk. 400., Turnverein Flon­heim Mk. 400., Turngesellschaft Idstein Mk. 400., Turniere n Rollfeld Mk. 200., Turnverein Roßdorf bei Darmstai t Mk. 300.. Die weitere Bewerbung eines Vereins aus dem Maingau konnte wegen eines Formfehlers diesmal nicht berücksichtigt werden. ES besitzen zur Zeit im Maingau ' echs Vereine eigene Turnhallen, die alle innerhalb der letzten 12 Jahre erbaut sind und zu denen teilweise die Ditltschr Turnerschaft Beihülfen geleistet hat, nämlich Bergen Turnverein, Bruchköbel Turngemeinde, Fechenheim Turnverein, Fechenheim Turnverein Vorwärts, Hanau-KesseNiadl Turnverein und Offenbach Turngesellschaft. Diese ~ Turnhallen haben einen Gesamtwert von Mark 172 350., dir zugehörigen Turnplätze einen solchen von Mk 54 .130 °s lasten aber im Seit noch SRf. 158 460.

Schulden darauf, nach deren Abzug die Hallen und Plätze ein eigenes Reinvermögen der betr. Vereine von Mark 89 506. darstellen. Hosten wir, daß demnächst weitere Vereine dem Beispiel der vorgenannten Vereine folgen. Der Besitz eines eigenen Heims gibt einem Verein einen ge­sicherten Bestand und macht ihn unabhängig von Wirtslokalen. In Landorten, wo keine Schulturnhallen bestehen, dürfte sich leicht ein Mietsverhältnis mit der Gemeinde ermöglichen lassen, wonach die Schulen gegen angemessene Entschädigung die Hall« mitbenutzen.

* Landwirtschaftliches ffeft in Hana«, 3.-7. September. AuS Anlaß der dahier vom 3.-7. Septbr. stattfindenden landwirtschaftlichen Veranstaltungen (Bezirks- ticrschau, Generalversammlung der Landwlrtschaflskammer, Maschinenausstellung, Verlosung rc.) wird auch eine Fest­schrift erscheinen, die einen Jnseraten-Anhang enthalten soll. Die Festschrift erscheint in größerer Auflage und wird zu einem billigen Preise abgegeben, sodaß Inserate von durchschlagender Wirkung sein werden. Inserate für diese Festschrift werden im Redaktionsbureau des »Hanauer Anzeigers" in Hanau entgegen genommen.

* Verein für hessische Geschichte «nd Landes­kunde. DaS Programm der diesjährigen Mitgliederver­sammlung, welche vom 18.20. August in Hünfrld statt­findet, ist folgende«: Dienstag den 18. August, nachmittags 5 Uhr: Sitzung des Gesamtvorstandes imHotel Engel". Abends 8 Uhr: Vereinigung der Mitglieder ebendaselbst; Liedervorträge des Oratorienvereins. Mittwoch den 19. August, vormittag» 9 Uhr: Besichtigung der Sehenswürdig­keiten der Stadt; TreffpunktHotel Engel". Vormittags 10 Uhr: Mitgliederversammlung im großen Saale des Rat­hauses; Ansprachen, Geschäftliches, Vorträge. Nachmittags 2 Uhr: Festessen imHotel Engel". Nachmittags 51/» Uhr: Spaziergang nach Gruben; Militärkonzert. Donnerstag den 20. August: Morgens 7.05 Uhr: Ausflug mit der Eisen­bahn über Eiterfeld nach Großentaft; Aufstieg zum Ringwall auf dem Stallberg; Fußmarsch nach Rasdorf (Stiftskirche); Weitermarsch bezw. Wagenfahrt nach Geisa; Mittagessen. (Bei Abfahrt von Geisa um 8.36 Uhr nachmittags ist Station Bebra um 6.38, Cassel um 7.53, Marburg um 11.12 Uhr erreichbar.) Bei ungünstiger Witterung um 8.22 Uhr mor­gens Fahrt nach Fulda zur Besichtigung der Kirchen, des Museums usw.

* Selbstmord. In Dörnigheim erhängte sich der frühere Waldschütz Wilhelm H e ck.

* Verbrannt. Die leidige Unsitte, zum Feueranmachen Petroleum zu benutzen, hat gestern im benachbarten Rückingen wiederum einen Unfall gezeitigt. Die 11jährige Tochter des Bahnarbeiters Lach erlitt durch die Explosion des Petroleums im Gesicht und am Halse schwere Brandwunden, die als lebensgefährlich zu erachten sind.

* Entgleist. Zwischen Bruchköbel und Hanau ent­gleiste gestern abend gegen 6 Uhr ein Wagen eines Arbeits- zugeS, wodurch einige Züge Verspätungen erlitten.

Kath. Gesellenverein Hanau. Anläßlich der Versetzung unseres hochwürdigen Präses, Herrn Kaplan Martin, findet heute Mittwoch den 29. Juli im Vereins­lokal eine gemeinschaftliche Abschiedsfeier mit dem Kathol. Kasino Eintracht statt, wozu wir alle Mitglieder höflichst einladen.

* Kath. Männerverein. Zu Ehren seines scheidenden Mitgliedes, Herrn Kaplan Martin, wollen sich die Herren Mitglieder Donnerstag abend im Vereinslokale vollzählig einfinden.

* Nachklänge. Die Beteiligung an dem so glänzend verlaufenen 11. Deutschen Turnfest zu Frank­furt a. M. war eine außerordentlich starke. Waren doch im ganzen über 50 000 Turner dort, davon aus dem Mittel­rheinkreis 15 000, aus dem XIV. Kreis (Königreich Sachsen) 6000. Eine besonders starke und stattliche Gruppe bildete auch der Maingau, der von zwei Musikkapellen und zwei Trommlerkorps begleitet mit 21 Vereinen und 850 Mann im Festzug marschierte und mit 150 Turnern die allgemeinen Freiübungen und die Keulenübungen des Mittel- rheinkreises mitmachte. Besonders zahlreich vertreten waren u. a.: Fechenheim 130, Offenbach Turngesellschaft 120, Mühlheim Turngesellschaft Vorwärts 80, Hauau-Kessel- stadt 50, Hanau-Kesselstadt 50, Hanau Turn- und Fechtklub 45 Mann usw.

* Konzert. Infolge gütigen Entgegenkommens ist es der Frau U l s a m e r gelungen, den bekannten bayerischen Festarrangeur Baron N i k e I mit seiner bekannten Ober- Ifinbl er Kapelle zu einem zweimaligen Konzert zu gewinnen, worauf Freunde einer gemütlichen Unterhaltung und frohe Sangesbrüder aufmerksam gemacht werden. Vorgenannter Baron Nikel hat gelegentlich des 11. Deutschen Turnfestes in Frankfurt mit großem Erfolg konzertiert, sodaß täglich tausende von Besuchern keinen Platz mehr fanden. Sonach wird es sich lohnen, diesen Kunstgenuß im Deutschen Haus zu hören.

* 1. Hanatter Fusiballklnb 1893. Das Spiel während des Deutschen Turnfestes mit der repräsentativen Nordd. Mannschaft im Eimsbüttler Turnverband gewann die 1. Mannschaft des 1. H. F.-Kl. 1893 in schöner Manier mit 6 : 1. Die neueingestellten Leute bewährten sich gut und ihre Leistungen versprechen die Mannschaft auf alter Höhe zu erhalten. Mit diesem Spiele wurde die Saison geschlossen. Doch nicht vollständig soll während der Pause der Sport ruhen. In gewohnter Weise arrangiert daher der DH. F.-Kl. 1893 auch in diesem Jahre ein Sport­fest, auf dem die verschiedenartigsten leichtathletischen Konkurrenzen von den Vereiusmilgliedern ausgelragen werden. Das Fest findet nächsten Sonntag den 2. August stau und zwar auf dem Sportplatz an und in den Räumen auf der Schönen Aussicht". An den sportlichen Teil, der sich am Nachmittag vollzieht, schließt sich dann ein gemütlicher Teil mit Tanz re. an. Näheres in den nächsten Nummern.

* Vietzmarkt. Dem heutigen Viehmarkt Ivareu 5 Ochsen. 462 Kühe und Rinder. 2 Bullen und 81 Kälber

zugetrieben. Bei hohen Preisen ging der Handel ziemlich langsam. Der nächste Viehmarkt findet am 12. August statt.

* Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringe«. Von diesem Gedanken geleitet, hat der Fest­ausschuß dafür Sorge getragen, daß bei dem nächsten Sonn­tag stattfindenden Sommerfest der Turngemeinde nicht nur der turnerische Teil in wirkungsvoller Weise in Erscheinung tritt, sondern daß auch jung und alt eine ebenso reichhaltige als amüsante Unterhaltung, durch Kinderspiele, Volks­belustigungen, Konzert der Jufanteriekapell«, sowie GesangS- vorträge usw. geboten wird.

* Der falsche Lokomotivführer. Ein Betrüger treibt zurzeit in verschiedenen Städten sein Unwesen, indem er in der Kleidung eines Lokomotivführers sich ein mietet und angibt, versetzt worden zu sein. Hierbei nimmt er gleich Darlehen, um seinen Koffer an der Bahn auâlösen zu können, und verschwindet dann, nachdem er einige Tage gewohnt hat. Zuletzt hat er in Hanau unter dem Namen Schneider Be­trügereien verübt, und hn Gießen hat er sich Fischer genannt. Vor dem Betrüger wird gewarnt.

* Eine außerordentliche Belohnung erhielt der Lokomotivführer Herbst in Friedberg, weil er das Ueber» fahren eines Kindes verhütete.

Ix. Kirchweihfest Grotz-Auheim. Heute am 29. Juli wird in Groß-Auheim der sogenannte Groß-Auheimer Kerbmittwoch gefeiert. Dieser Tag. Hat eine ganz besondere Bedeutung, weil an ihm nach altem Gebrauche viele aus­wärtige Gäste aus den benachbarten Ortschaften, aus dem Hessischen und Bayrischen und auch sehr viele Hanauer Freunde sich einfinden, um, wie es üblich ist, sich an den gebotenen Speisen und Getränken der Groß-Auheimer Gast­wirte gütlich zu tun. Mögen sich deshalb recht viele aus­wärtigen Gäste einfinden und sich in recht froher Kerblaune amüsieren. Ebenso mögen die Groß-Auheimer Männlein und Weiblein die alte Tradiffon in Ehren halten und an diesem Abend nach alter Väterweise auch wieder einmal das Tanz- beiu schwingen. Tanzmusik findet statt in den Sälen zum gold. Stern, zum gold. Anker, zur gold. Krone, zur gold. Rose und zum gold. Löwen.

* Mainwafserwârme gestern abend 19 Grad.

Gerichtssaal.

Sitzung des Schöffengerichts vom 28. J«li 1998.

Zum Teil unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen den Arbeiter Justus D. gen. E. von hier verhandelt, der wegen Beleidigung der Witwe H. und eines Haus- friedensbruchs angeklagt war. Auch diesen sollte er zum Nachteil der H. verübt haben. Die Verhandlung verfiel in­dessen der Vertagung, da der Angeklagte wegen eines Teils der Beleidigung den Wahrheitsbeweis erbringen will. Dieser- halb sollen zur nächsten Verhandlung noch weitere Zeugen geladen werden. Wegen Betruges wurde der Handels­mann Ludwig G. aus Suhl zu 3 Monaten Gefängnis ver­urteilt. Im Frühjahr dieses Jahres bestellte er bei Eierhändler Bernhard G. in Großauheim beträchliche Posten Eier, und zwar mit dem ausdrücklichen Hinweise darauf, daß er nur gegen Kasse kaufe. Da der Angeklagte durch den pompösen Firmenaufdruck auf seinen Geschäftspostkarten dem Zeugen G. zu imponieren und ihn auch durch sonstige Bemerkungen in Sicherheit zu wiegen wußte, so ließ dies« sich herbei zu liefern um aber ganz gehörig herein- zufallen; denn der Angeklagte ist ein Schwindler, der unverfroren genug war, seinem Opfer (G. war selbst nach Suhl gefahren, um womöglich noch etwas zu reiten) zu sagen, hätte er gewußt, daß er es mit einem armen Menschen zu tun hätte, so würde er doch nicht so gehandelt haben. G. hatte im Ganzen 180 Mk. eingebüßt. Der Angeklagte ist auch schon wegen Betruges vorbestrast, wenn­gleich diese Bestrafung schon mehrere Jahre zurückliegt. Der Gemeingefährlichkeit des Angeklagten und weil er einen armen Mann um einen solch bedeutenden Betrag geschädigt hatte, trug der Gerichtshof durch das eingangs erwähnte Urteil Rechnung. Ein wirklich gefährliches Mundwerk besitzt der Arbeiter Karl W. von hier gefährlich auch für ihn, denn bald hätte es ihm zu 3 Tagen Haft wegen Uu» gebühr verholfen. Er war vor 2 Jahren bei dem Landwirt Joh. Peter S. Hier in Stellung, und als er diese verließ, war auch eine stählerne Hacke des S. verschwunden, die dieser kürzlich im Besitze der Arbeiterin Marg. K. wiederiah. Diese sagte, sie hätte sie von W. mit dem sie damals ein Verhältnis hatte geschenkt bekommen. W. konnte dies nicht in Abrede stellen, sagte aber, er habe sie nicht, wie die Anklage behauptete, gestohlen, sondern nur gefunden. Diesem Geständnis gemäß erfolgte daher auch seine Verur­teilung wegen Fundunterschlagung zu 1 Tage Gefängnis. Lärmend und schimpfend zog er davon, es war sein Glück, daß ihn der nachgesandte Gerichts­diener nicht mehr fand, er wäre sonst wegen Ungebühr zur Haft gebracht worden. Wegen groben Unfugs war der Schmiedegeselle Georg G. von hier polizeilicherseits mit 10 Mark bestraft worden. Er leugnete nicht, 2 junge Mädchen, deren Hund einen andern gebissen, in ganz unerhörter Weise öffentlich ansgeschimpft zu haben, er meinte aber, sein Ein- lreten für den Angegriffenen müsse ihm zugute gehalten werden. Er ließ sich indessen belehren und nahm den Ein­spruch zurück. Am 22. Juni d. Js. stieß die beim Ab- brechen einer Meßbude hierselbst beschäftigte Schülerin Anna Appel versehentlich ein Kind des Güldarbeilers Karl S. mit einem Brette. Der dieserhalb herbeigeeilte Vater versetzte der Appel ohne sich über das Vorkommnis näher aufklären zu lassen einen heftigen Schlag ins Gesicht, daß die Ge­schlagene davon Tränen der Augen und Ohrensausen bekam. Da der Angeklagte ein noch unbescholtener Mann ist, kam er mit 10 Mark event. 2 Tagen Gefängnis davon. In der Nacht vom 26. zum 27. Juni b. Js. trafen 2 Schutzleute den Taglöhner Konrad M. und seine Frau nebst einer jugendlichen Anverwandten, wie alle drei teils in Säcken.