Einzelbild herunterladen
 

Hanauer K Anzeiger

SezsgSprris:

Vi-MMich 1,80 DL, mwaUio^ 60 Pfg., für m* WötHse Mvmiâr mit dem betretj'enben Psstrusschtstz. tät eiazelne Nummer kostet 10 Pfß.

Kotetioutdruck und 8nl«g btt Buchdrucker« bd «rein,

O, Waisenhauses in Hanau.

Gcneral-Anzrigcr

Amtlich» Vrgm sät Stadt- and Faaddreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

6btt»<e«g8gtiINt

Dit fünf gehaltene Petitzeü« »der deren Stauet»* im BeklameateU bk 3tüt 35 Pfz.

Ler antwort!. Redakt»«: 0. Schrecker » Henn».

Nr. 174 F-rnsprechanschltttz Nr. 605.

Hierz«

Amtliche Beilage Nr. 11".

Amtliches.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der'Ge- marfung Langenselbold belegenen, im Grundbuche von Langen­selbold, Artikel 1547, zur Zeit der Eintragung des Versteige­rungsvermerkes auf den Namen des Tagelöhners Iohannes Wacker 6», Peters 1r Sohn, in Langenselbold eingetragenen Grundstücke:

Krtbl. 67 Nr. 9, Wasserstraße Nr. 5, früher Haus Nr. 339 Klosterbcrg,

a) Wohnhaus mit Hofraum, 1,94 ar,

75 Nutzungswert und Krtbl. 67 Nr. 10, Hausgarten, 19,79 ar,

Krtbl. 67 Nr. 9, b) Stall A,

Krtbl. 67 Nr. 11, im Dorfe, Garten, 18,08 ar,

5,66 Tlr. Reinertrag,

am 29. September 1908, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle »ersteigert werden.

Langenselbold den 23. Juli 1908.

Königliches Amtsgericht. 15395

Politische RundTAan»

Ministerkrisis in Bayern. Die Stellung des bayerischen Kultusministers v. Wehner gilt als erschüttert. Der Minister ist am Sonntag plötzlich unwohl geworden und hat sich im Landtag, wo zur Zeit sein Etat in der Ab­geordnetenkammer verhandelt wird und gegen ihn Inter­pellationen in Aussicht standen, bis auf weiteres absagen lassen. Die Ursache dieser Vorgänge' ist in einem Konflikt zwischen dem Kultusministerium und der Universität München zu suchen. Es wird Herrn v. Wehner vorgeworfen, er wolle der juristischen Fakultät einen ihr nicht genehmen Professor "aufnötigen und den übrigen Universitätsprofessoren das Recht der öffentlichen Meinungsäußerung einschränken. Der Senat der Universität hat hiergegen einmütig Widerspruch erhoben.

Ein Disziplinarverfahren. Gegen den Bürger­meister von Husum, Dr. Lothar Schücking, ist das Diszi­plinarverfahren auf Amtsentsetzung eingeleitet worden. Zu­gleich habe man ihm, wie Berliner Blätter melden, aufgegeben, bas Verfahren als geheim zu betrachten. Der Grund für die geplante Disziplinierung soll in den publizistischen Arbeiten des Husumer Bürgermeisters liegen. Herr Dr. Schücking

Kleines Feuilleton.

Aus der Welt der Technik.

Marconi über die drahtlose Telegraphie-

Vor kurzem hielt Marconi in der Handelskammer zu Liverpool einen Vortrag über die neuere Entwickelung seiner Wellentelegraphie. Es muß zunächst als ein bemerkenswertes Zeichen betrachtet werden, daß seine Ausführungen sich nicht mehr um rein technische Fortschritte drehten, sondern auch die wirtschaftliche Ausnutzung der Wellentelegraphie sehr ernst­lich behandelten. Marconi gab zunächst einen kurzen ge­schichtlichen Ueberblick über seine Arbeiten und insbesondere über seine Bemühungen, den Atlantischen Ozean zu über­brücken. Bereits 1901 will er die ersten Buchstabenzeicheu über den Ozean gefunkt haben und im Jahre 1903 soll die Uebersendung mehrerer Depeschen gelungen sein, die auch in derTimes" veröffentlicht wurden. Es folgen seine weiteren Bemühungen, den Verkehr durchaus zuverlässig zu gestalten. Es werden erst die beiden Ricsenstationen in Poldhu und Kap Cod und später die beiden andern in Clifden und Glace Bay errichtet. Bereits im Oktober 1907 ist Marconi so weit, daß er einen beschränkien Preßverkehr eröffnen kann, aber es gibt vorläufig noch mancherlei Störungen, über die auch andere Autoritäten, wie Professor Fessenden, sehr ausführlich berichtet haben. Marconi sagt in seinem Bericht nur, daß der transatlantische Funkenverkehr vom Oktober vorigen Jahres bis zum 3. Februar während einiger Stunden unter­brochen worden sei.

Während dieser Zeit hat Marconi indes unablässig an der technischen Vervollkommnung der beiden Ricsenstationen zu Clifden und Glace Bay gearbeitet, deren endgültiger Aus­bau freilich erst im Juni dieses Jahres zu erwarten ist. Er hat ferner mit den amerikanischen und englischen Telegraphen-

Dienstag den 28. Juli

hat in der letzten Zeit die innerpreußische Verwaltung in drei Artikeln desBerl. Tagebl." kritisiert. Er hat dann auch einen Aufsatz über die Stufen des Patriotismus ver­öffentlicht und vor ein paar Monaten im Hilfe-Verlag unter dem Pseudonym Bürgermeister X. D. in Z. ein kleines Büch­lein überDie Reaktion in der inneren Verwaltung". Durch diese Publikation soll er, wenn in den Blättern der Tenor der Anklage richtig wiedergegeben wird, eine Ge­sinnung bekundet und sich zu Anschauungen bekannt haben, die mit der Stellung eines mittelbaren Staatsbeamten un­vereinbar sind. Dadurch habe er seine Amtspflichten verletzt und sich des Ansehens seiner Stellung unwürdig gezeigt.

Bei der Eröffnung der Eisenbahn hielt Staats­sekretär Dernburg in Keetmanshoop am 21. Juli eine Rede, worin er ausführte, Keetmanshoop sei der erste bedeutende Platz in Südwestafrika, -ben er betreten habe. Dank der Bewilligung der Verkehrsmittel sei Keetmanshoop berufen, eine erhebliche Rolle zu spielen. Er freute sich über die an­sehnliche Zahl der anwesenden Deutschen und über die guten Gesinnungen, die in der Kolonie herrschten. Ein reger Eisenbahnbetrieb sei für die Sicherheit des Wirtschaftslebens und das Gedeihen der Kolonie ebenso wichtig, wie das In­ventar für ein Landgut. In der Heimat werde er alles für die Entwicklung der Kolonie tun. Die Opfer müßten aber für die Interessen der Allgemeinheit, nicht im Interesse ein­zelner Personen gebracht werden. Bei seiner Reise durch Britisch-Südafrika habe er eine helle Freude an der Tüchtig­keit und den Gesinnungen der dortigen Deutschen gehabt, er hoffe zuversichtlich auf das gute Gelingen der Kolonisierung von Südwest. Das Schutzgebiet habe schwere Stürme durch­gemacht, aber die Kolonie, für die man in der Heimat ein Interesse habe wie für die ersten Schritte eines eigenen Kindes, werde schon mündig werden, ..wenn man für ihr Gedeihen sorge. Die mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede klang in ein Hoch auf den Kaiser aus.

Verhaftung eines deutschen Schutzbefohlenen in Marokko. In der vorigen Woche ließ die marokkanische Regierung einen im Dienst der deutschen Gesandtschaft in Tanger stehenden Marokkaner verhaften, angeblich wegen per­sönlicher Beziehungen zu dem hasidischen Pascha von Alkasar. Tatsächlich steht der Mann den politischen Vorgängen fern. Der deutsche Gesandte hat noch in derselben Nacht die Frei­lassung des Verhafteten durchgesetzt und die Bestrafung der marokkanischen Soldaten verlangt, die ihn unter Schimpfreden gegen Deutschland zum Gefängnis brachten.

Englisches Unterhaus. Im Laufe der Sitzung verwies Unterstaatssekretär Pease in Vertretung Sir Edward Greys auf eine Anfrage betr. den im japanischen Kriege von den Russen zum Sinken gebrachten britischen Dampfer Knight Commander", auf die Erklärung Sir Edward Greys vom 2. Juni 1908, nach der die russische Regierung den gesellschaften günstige Uebermittelungsverträge abgeschlossen, behufs Weitergabe der an der Küste ankommenden Funken­telegramme nach London, bezw. Montreal, und am 3. Febr. eröffnete er einen unbeschränkten Verkehr zwischen London und Montreal zum Satze von 25 Pfennig fürs Wort für das gewöhnliche Telegramm. Wenn man sich erinnert, daß das gewöhnliche Wort des Kabeltelegramms 35 Cents oder 1,40 Mark kostet, so leuchtet der bedeutende wirtschaftliche Vorteil der Funkentelegraphie sofort ein, und es bleibt nur noch die Frage zu erörtern, ob die Uebermittelung auch unter allen Umständen technisch zuverlässig erfolgt. Marconi be­hauptet cs, und er gibt zum Beweise seiner Behauptung die Mitteilung, daß vom Oktober 1907 bis zum 31. Januar 1908 zwischen den beiden Stationen an den Ufern des Atlan­tischen Ozeans 88 374 Worte übermittelt wurden und daß außerdem noch 116 mit Marconi-Apparaten ausgerüstete Secdampfer während des Jahres 1907 mit den Landstationen 1 868 500 Worte nuStanschten. Dabei sind nur die Worte gezählt, welche von den Schiffen zu den Landstationen kamen, von diesen aufgefangen und über Landlelegraphenlinien an bestimmte Adressen weiter befördert wurden. Wieviel Worte außerdem zwischen den Schiffen selbst getauscht oder von der Landskite her von diesen ausgenommen wurden, entzieht sich der Beobachtung, da praktisch ein Schiff auf dem Atlantischen Ozean fortwährend die Telegramme der beiden Landstationen aufnehmen kann.

Marconi verhehlt es sich auch nicht, daß die Kabel- interessenten Englands seine Fortschritte keineswegs mit sehr freundlichen Blicken betrachten. Sind doch gegenwärtig von englischer Seite etwa 1,2 Millionen Mark in Kabeln inve- [tieri, welche in ihrem Zinserträge ernstlich gefährdet erscheinen, falls'die billigen Martonischen Sätze für die transatlantische Telegraphie maßgebend werden sollten. Man kann es' den Besitzern von Kabelaklien nicht übelnehmen, wenn sie um ihr Besitztum besorgt sind, aber schließlich wird ein wirklicher technischer Fortschritt darum nicht Not iu leiden brauchen.

Fcrnsprechanschlutz Nr. 605. 1908

.saajÄtaHZKvz^ : ^<^aaEreaBWMW^^ britischen Vorschlag, ein Schiedsgericht einzusetzen, abgelehnt habe. Pease fügte hinzu, die englische Regierung habe ihr Bedauern über diese Entscheidung ausgedrückt und in einem offiziellen Schriftstück auseinander gesetzt, weswegen sie nicht imstande sei, die von der russischen Regierung bei der Ab­lehnung der englischen Vorschläge angeführten Gründe zu teilen.

Niederländisch-venezuelanischer Konflikt. In Willemstad, der Hauptstadt des holländischen Curayao, fand eine starke Km dgebung gegen das venezuelanische Konsulat statt. Die V smenge umgab auch das deutsche Konsulat, wohin sich tur venezuelanische Konsul geflüchtet hatte. Er mußte später von einer Eskorte begleitet werden, um in sein Konsulat zurückzukommen, das nunmehr auch von Truppen bewacht wird. Am Vorabend hatte die Volksmenge die Wohnung eines Venezuelaners umgeben und zwang ihn, öffentlich Abbitte zu leisten, weil er für Curayao beleidigende Artikel veröffentlichte. Seine Familie wurde gezwungen, die holländische Nationalhymne zu singen, wozu die Menge rief: Nieder mit Castro! Es lebe die Königin Wilhelmine!

Die Wirren in Persien. Aus Urmia wird infolge Beschädigung der Telegrnphenlinie verspätet vom 22. Juli gemeldet: Vor einigen Tagen besetzte eine Kompanie türkischer Soldaten die sunitische Ortschaft Kulindschi im Norden von Urmia, unweit des Sees am Wege nach Salmas. Eine andere Kompanie steht in der Nähe von Enseli. Diese Truppen sind unlängst aus Wan eingetroffen. In Mare- Tschacharik stehen gegen 400 Mann türkische Infanterie. Die Bevölkerung von Salmas ist in Aufregung, da der Kurdenführer Schickaka Simko, der auf Befehl des Khans von Maku mit den Mitgliedern des EndschumenS kurzen Prozeß machen soll, sich der Stadt nähert. Der Telegraphen­verkehr zwischen Urmia und Täbris ist bereits seit einer Woche unterbrochen.

Präsident Fallières in Reval.

Reval, 27. Juli. Das französische Geschwader traf heute morgen am Kap Dagerort beim Eingang in den finnischen Meerbusen ein und wurde hier von einer Ab­teilung Torpedoboote unter dem Kommando des Kontre- admirals von Essen begrüßt, der das Geschwader zur Reede begleitete. Gegen 3 Uhr nachmittags lief das Geschwader in die Reede ein, von den russischen Linienschiffen und Kreuzern mit einem Salut von 21 Schuß begrüßt, den die französischen Schiffe erwiderten. Sobald das Schiff, auf dem sich Präsident Falliöres befand, Anker geworfen hatte, wurde von derStandard" ein Dampfkutter abgeschickt, auf dem sich der russische Marineministcr Dikow befand, der im Namen des Kaisers den Präsidenten begrüßte; auf einer französischen Barkasse fuhr Präsident FalliöreS dann nach derStandard". Diese heißte beim Eintreffen des Präfi- Am Schluffe seiner Ausführungen kam Marconi auf die internationale funkcntclegraphische Konferenz von 1906 zu sprechen, deren Beschlüsse ihm gar nicht gefallen haben. Be­kanntlich hatten sich die deutsche und amerikanische Regierung damals sehr energisch gegen die Vergewaltigung durch die Marconigcsellschaft gewehrt, die mit den brutalsten Mitteln das Monopol für ihre Apparate zu erlangen versuchte. Es wird noch erinnerlich sein, daß die amerikanischen Marconi- Landstationcn ihrerzeit den Abschiedsgruß des Prinzen Heinrich an den Präsidenten Roosevelt einfach nicht übermittelten, weil er von einem deutschen Schiffe her mit den deutschen Tele- funken-Apparaten gesendet worden war. Die Geschichte brachte damals den Stein ins Rollen, und Roosevelt ging gegen die Anmaßung der Marconigruppe sehr energisch vor. Auf der internationalen Konferenz wurde dann beschlossen, daß alle Stationen die Telegramme aller Apparate weiter zu befördern hätten. Dieser Entschluß ist, wie gesagt, dem Marconi heute noch zuwider, und so spricht er auch in seinem Liverpooler Vorträge viel von einem freien Spiel der Kräfte, das man durch solche Beschlüsse nicht unterbinden solle. Da­durch darf sich der unbefangene Beurteiler nicht stören lassen, und es ist sehr vorteilhaft, daß dies freie Spiel der unge­hinderten Erdrosselung schwächerer Gegner durch die Konferenz verdorben wurde. Abgesehen davon bringt der Vortrag Marconis jedoch entschieden bemerkenswerte Fortschritte. Er zeigt, daß der Erfinder mit unermüdlicher Energie daran ar­beitet, einen zuverlässigen transatlantischen Funkenverkehr zu organisieren, und daß er dies Ziel auch so ziemlich erregt hat

Neue Prcisc für Nnqmaschinen.

Für die Erfinder von Flugmaschinen, freilich nur für die erfolgreichen, bricht jetzt eine ganz angenehme Zeit an. Es sind für bestimmte erfolgreiche Flüge Preise in großer Zahl ausgesetzt. Wir wollen sie in Kürze aufführen. Da sind zunächst 500 Franken gestiftet von A. E. Triaca in