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menschlichen Natur begründet und daher dauernd sei, sondern zweifellos schließlich vorübergehen werde. Die Lage habe sich ja bereits gebessert. Vor einigen Jahren seien es drei oder vier Nationen gewesen, die eine ausgesprochene Feindschaft gegen England hegten. Fortwährend habe England Streit und Schwierigkeiten gehabt, mit Rußland wegen des fernen Ostens, mit Frankreich in Südafrika und sonstwo. Diese Schwierigkeiten seien jetzt alle beseitigt und die Lage sei weit entfernt, schlechter zu sein als früher, im Gegenteil, viel günstiger als zuvor. Der zur Gewohnheit gewordene Versuch, eine Atmosphäre des Mißtrauens und deS Urbelwollens zu schaffen dadurch, daß man cs immer so darstelle, als ob eint bestimmte Macht gegen England zum Schlage ausholt (Beifall), sei der Weg, auf dem man zu Schlägen komme. Er habe nicht den geringsten Zweifel, daß, wenn eine soziale Reform verschoben werden müßte, bis törichte Menschen aufhörten, wilde Artikel in den Zeitungen ru schreiben und Mißtrauen unter den Völkern zu sähen, jtdeS menschlich denkende Parlament an ihrem Zustandekommen verzweifeln würbe. Er halte England für stark genug, sich selbst gegen fremde Rationen zu schützen; Englands Hilfsquellen seien reich genug zur Verteidigung gegen jâen, der es angreife. Wenn eS Leute gäbe, die etwas für ihre Versorgung im Alter übrig hätten, so glaube er dennoch nicht, daß dies« Argumente CromerS und Chamberlains genügend stichhaltig seien, um alle sozialen Reformen zu vertreiben, bis man aufgehört habe, Leitartikel zu schreiben, in denen einer den andern schmähe und in denen der eine von einem bevorstehenden Eindringen des anderen in sein Gebiet spreche. (Heiterkeit und Beifall.) — Der Schatzkanzler wies zum Schluß darauf hin, baß die Regierung für die Deckung der Verbindlichkeiten des laufenden Jahres Sorge getragen habe. ES sei unnütz, Steuern zur Deckung derjenigen Lasten zu erheben, die nicht das laufende Jahr betreffen. England wünsche nicht, sechs oder fieben Millionen Pfund Sterling aufzutreiben, lediglich in der Absicht, sich selbst oder Deutschland einen Beweis zu liefern dafür, daß es dazu imstande sei. Er seinerseits würde bei jedem Penny prüfen, ob er nicht zu Rüstungszwecken verwendet werde, die über das für deS Landes Sicherheit notwendige Maß hinausgehen. Eine derartige Ausgabe sei weggeworfenrs Geld und eine Bedrohung anderer Länder. Es sei ein lächerlicher Gedanke, daß die Regierung die Hilfsquellen des Landes zerstöre, wenn sie die Steuern herabsetze. Er trat der Feststellung, daß England am Ende seiner Reserven angelangt sei, nachdrücklich entgegen.
W. London, 25. Juli. DaS Unterhaus nahm heute oft dritte Lesung des Gesetzes betreffend die Gründung zweier neuer irischer Universitäten mit 207 Stimmen gegen 19 Stimmen an.
Ean dwirtfdtaflHebes.
Saatenstand im Deutschen Reich um die Mitte Juli, wenn Nr. 1 sehr gut, Nr. 2 gut, Nr. 3 mittel (durchschnittlich), Nr. 4 gering, Nr. 5 sehr gering bedeutet. Winterweizen 2.8 (Juni 2.1, Juli 1907 2.8), Sommerweizen 2.6 (Juni 2.5, Juli 1007 2.4), Winterspelz 2.1 (Juni 2.1, Juli 1907 2.3), Winterroggen 2.4 (Juni 2.3, Juli 1907 2.6), Sommerroggen 2.5 (Juni 2.3, Juli 1907 2.3), Sommergerste 2.6 Juni 2.4, Juli'1907 2.2), Hafer 2.8 (Juni 2.4, Juli 1907 2.3), Kartoffeln 2.7 (Juni 2.7, Juli 1907 2.4), Klee 2.6 (Juni 2.0, Juli 1907 3.0), Luzerne 2,5 (Juni 2.1, Juli 1907 2.6), Bewässerungswiesen 2.2 (Juni 1.8, Juli 1907
2.21 andere Wiesen 2.7 (Juni 2.1, Juli 1907 2.7). In den Bemerkungen heißt es: In dem die Zeit von Mitte Juni bis Mitte Juli umfassenden Berichtsmonat war die Witterung im ganzen Reichsgebiet vorherrschend trocken. In der zweiten Junihälfte siel überhaupt kein nennenswerter Regen, erst der Juli brachte, in manchen Gegenden, allerdings erst kurz vor Abgabe der Berichte, die sehnlichst erwarteten Niederschläge, die leider verschiedentlich in Form von wolkenbruch- artigen Regengüssen oder Hagelschlägen ziemlich bedeutenden Schaden verursacht haben. In den nordöstlichen preußischen Provinzen hat ein Wettersturz um die MonatSwende, bei dem das Thermometer in der Nacht zum 1. Juli bis unter 0« sank, die Vstanzenentwicklung ungünstig beeinflußt. Verglichen mit dem Vormonat werden alle Früchte, mit Ausnahme von Winterspelz und Kartoffeln, die ihren Stand behaupteten, etwas ungünstiger beurteilt. Tierische Schädlinge werden diesmal in den Berichten nur hin und wieder erwähnt, häufiger wird daS Auftreten von Brand und Rost, besonders aber daS Ueberwuchern des Unkrauts, beklagt. Die Berichte über den Stand der Winterfrüchte lauten im großen und ganzen nicht ungünstig. Nach den Bemerkungen auf den Saalenstandskarten zeigt sich zwar im Winterweizen verschiedentlich etwas Rost, und der Roggen, mit dessen Ernte Mitte Juli hier und da bereits“ begonnen war, hat stellenweise infolge starker Lagerung oder Frühreife nur leichte Körner. Beim Roggen wird außerdem noch vereinzelt über unvollständig besetzte Äehren geklagt. Aus Grund der Noten aber stellen sich die Ernteaussichten im Reichsdurchschnitt noch als recht befriedigend dar; denn die Reichsnote für Winterweizen stellt sich auf 2,3 (gegen 2.1 im Juni), die für Winterspelz ist dieselbe geblieben wie im Vormonat (2.1) und die für Winterrogen ist von 2,3 im Juni nur auf 2.4 zurückgegangen. Die Noten sind um ein Weniges günstiger, als sie sich im fünfzehnjährigen Durchschnitt 1893—1907 für den Berichtsmonat stellten. — Das Sommergetreide findet im allgemeinen eine, wenn auch meist noch befriedigende, so doch etwas weniger günstige Beurteilung als die Winterung. Die Sommerfrüchte, besonders Gerste und Hafer, konnten sich wegen der großen Trockenheit nicht recht entwickeln und sind infolgedessen vielfach kurz in Stroh und leicht in Korn. Auch Lagerung, Rostbildung und vor allem starke Verunkrautung haben zur Verschlechterung der BegutachtungSzifsern mit beigetragen. Im Reichs- durchschnit wird Sommerweizen mit 2,6 (2,5), Sommer- toggen mit 2,5 (2,3), Sommergerste mit 2,6 (2,4) und Haler mit 2,8 (2,4) bewertet; im 15jährigen Durchschnitt erhielten Sommerweizen und Sommerroggen dieselben Noten, Gerste und Hafer aber eine um je einen Dezimalpunkt bessere. — Die Urteil« über den Stand der Kartoffeln gehen ziemlich weit auseinander. Verschiedentlich wird berichtet, daß die Kartoffeln lückenhaft und ungleichmäßig stehen, daß da«
Wachstum unter der langen Trockenheit gelitten habe und daß die Bearbeitung der Kartoffeln durch die Härte des Badens und das massenhafte Unkraut sehr erschwert werde. Andere Berichte aber besagen, daß die Kartoffeln im allgemeinen ziemlich gut stehen, oder baß die Niederschläge, der letzten Zeit bereits eine günstige Wirkung auf das Wachstum ausübten. Durchweg guten Stand haben die Kartoffeln nur in Bayern. Als Reichsnote ergibt sich für die Kartoffeln — ebenso wie im Juni — 2,7, womit sie um zwei Dezimalpunkte ungünstiger als im 15jährigen Durchschnitt beurteilt werden. Die Futterkräuter Klee und Luzerne haben überall einen sehr reichlichen ersten Schnitt geliefert, der auch, bis auf kleine, anfangs Juli etwas verregnete Reste, bei dem trockenen Wetter in vorzüglicher Beschaffenheit eingebracht werden konnte. Dagegen hatte der Ansatz des zweiten Schnitts ^ur Zeit der Berichterstattung vielfach noch wenig nachgeschoben, stellenweise war er sogar ausgebrannt. Im Reichsdurchschnitt wird Klee mit 2,6 (2,0), Luzerne mit 2,5 (2,1) beurteilt. — Von den Wiesen gilt das gleiche wie von Klee und Luzerne. Die Heuernte war nach Güte und Menge durchweg gut, der Grummetansatz aber ließ Mitte'Juli bei den nicht bewässerten Wiesen meist viel zu wünschen übrig. Für Bewässerungswiesen stellt sich die Reichsnote auf 2,2 (1,8), für andere Wiesen auf 2,7 (2,1).
Randel, Gewerbe und Verkehr.
Ausländische Wertpapiere im deutschen Börsenhandel.
Das neue Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich enthält eine sehr bemerkenswerte Tabell? der ausländischen Wertpapiere, die in den Jahren 1897 bis 1907 zum deutschen Börsenhandel zugelaffen wurden. Die Gesamtsumme dieser Wertpapiere erreichte dem Nennwert nach die ungeheure Höhe von 28 957,7 Millionen Mark. Davon waren (in abgerundeten Ziffern) 19 896 Mill. Mark Staatsanleihen, 699 Mill. Mark Anleihen von Provinzen, Städten usw., 754 Mill. Mark Pfandbriefe von Landschaften usw., 332 Millionen Mark Pfandbriefe . von Hypothekenbanken, 360 Millionen Mark Bankaktien, 24 Millionen Mark Bankobligationen, 2680 Mill. Mark Eisenbahnaktien, 3928 Mill. Mark Eisenbahnobligaiionen, 145 Mill. Mark Jn- dustrieaktien und 135 Mill. Mark Jndustrieobligationen. In der Gesamtsumme von 29 857 Mill. Mark sind 8224 Umwandlungen enthalten.
Den Löwenanteil der Gesamtsumme machen die Staatsanleihen aus. Es verlohnt sich daher, einen Blick auf die Staaten zu werfen, deren Anleihen zum Börsenhandel zuge- lassen wurden. An der Spitze steht dabei Italien mit 6184 Mill. Mark. Es folgen: Oesterreich mit 3337 Mill. Mark, Rußland mit 2318 Mill. Mark, Japan mit 1290 Mill. Mark, Ungarn mit 1167 Mill. Mark, Mexiko mit 977 Mill. Mark, die Türkei mit 922 Mill. Mark und Rumänien mit 862 Mill. Mark. Die übrigen Staaten reihen sich in weiterem Abstande an, und zwar entfallen in Millionen Mark: auf Argentinien 234, auf Bosnien 85, auf Brasilien 77, auf Bulgarien 85, auf Chile 75, auf China 346, auf Dänemark 81, auf Kuba 147, auf Portugal 700, auf Serbien 152, auf Schweben 129, auf die Schweiz 360, auf Siam 61.
Die Staaten, deren Anleihen während der Jahre 1897 bis 1907 für die Zulassung zum deutschen Börsenhandel nicht in Betracht kamen, sind: Belgien, Finnland, Großbritannien, Kanada, Luxemburg, Holland, Norwegen, Spanien und die Vereinigten Staaten von Amerika.
Marktbericht.
Hanau, 25. Juli. (Lebensmittelpreise.) Geflügel: Tauben, das Pärchen 0.80 bis 0.90 Mark; ein alter Hahn 1.80 bis 2.00 Mark; ein junger Hahn 0,80 bis 0.90 Mark; ein Huhn 1.40 bis 1.80 Mark; eine Ente 2.00 bis 2.50 Mark; eine Gans 3.00 bis 4.00 Mark; Gans, gerupft, —.— Pfennig, ^2 Kilogramm. Fische: gewöhnliche Sorte 35 Pfg., bessere Sorte 40 Pfg., Aal 0.90—1.00 Mark, Hecht 1.10 Mark, Bresem 60 Pfennig, Barben 60 Pfennig, Barsch 70 Pfennig; Karpfen — Mk., Vs Kilogramm. Gemüse: Meerrettich die Stange —Pf., Spargel Pfb. —.— Pfg., Blumenkohl d. St. 30—60 Pfg., Kopfsalat d. Stück 5 Pfg., Endivien, das Stück 5-10 Pfg.; Rettich, daS Stück 10 Pfg.; Ober- Kohlrabi, das Stück 5—10 Pfg.; Unter-Kohlrabi — Pfg., Wirsing, d. Stück 15—20 Pfg; Weißkraut, d. Stück 15 bis 20 Pfennig, Rotkraut, das Stück 20—25 Pfg., Sellerie, — Pfg., Gurken, daS Stück 10—30 Pfg., Gurken zum Einmachen, das Hundert 3—4Mk., gelbe Rüben, das Bund 6 Pfennig, Neue Erbsen, das Pfund 20 — 25 Pfg., Neue Bohnen, das Pfund 10—15 Pfg., Schnittkohl, die Port. — Pfg., Schwarzwurzeln, 1 Pfund — Pfennig, Spinat, Port. — Pfg.; Lattig, die Portion — Pfg.; .Schmalzkraut, die Portion — Pfg.; Kartoffeln, alte, Doppelliter — Pfg., neue, d. Doppelliter 15—20 Pfg. — Obst: Kirschen, d. Pfd. 20—30 Pfg., Stachelbeeren, das Pfund 15 bis 20 Pfennig, Johannistrauben das Pfund 20—25 Pfennig, Trauben, das Pfd. —.— Mk., Erdbeeren, das Pfund —.— Pfg., Himbeeren, d. Pfd. 20 Pfg., Heidelbeeren das Pfund 10 Pfg., Aepfel, das Pfund 25 Pfg., Birnen, das Pfund 20—25 Pfg., Pflaumen, das Pfund 30—40 Pfg., Pfirsiche, das Pfund 50—70 Pfennig, Citronen, das Stück 5—7 Pfg., Apfelsinen, das Stück — Pfennig; Paradiesäpfel, Pfund 30 — 35 Pfg. — Verschiedenes: Butter, das Pfund 1,15 — 1,40 Mk.; Käse, 1 Stück 4—6 Pfg.; Eier, das Stück 6—9 Pfg.; Gänseeier, Stück — Pfg., Zwiebeln, Doppell. 25 Pfg.; Welschkorn, Doppell. — Pfg., Radieschen, Bündel 10 Pfg.; Kastanien, Pfund — Pfg., Weizenmehl, 1. Sorte 20 Pfennig; 2. Sorte 18 Pfg.; 3. Sorte — Pfennig.
Verlosungen. (Ohne Gew.)
Anleihe der Stadt Neapel vom Jahre 1881. Ziehung vom 1. Juli 1908. Auszahlung ab 1. August 1908. Hauptpreise: Nr. 50654 ,u 100 000 Lire. Nr.
1626 54533 je 1000 Lire. Nr. 3023 12531 je 500 Lire. Nr. 6761 12042 14113 36739 55411 57045 71051 87357 89959 93901 je-100 Lire. Genter 2proz. 100 Ar.-Lose vom Jahre 1896. Ziehung vom 7. Juli 1908. Rückzahlung ab 1. Juli 1909, Hauptpreise: Serie 12331 Nr. 3 zu 150 000 Fres. Nr. 17118 Nr. 23 zu 1000 Fr. Nr. 22652 Nr. 18 zu 500 FrcS. Serie 21687 Nr. 4, Serie 22652 Nr. 14 zu'250 Fres. Serie 79 Nr. 6, Serie 269 Nr. 2, Serie 1427 Nr.
13 24, Serie 1626 Nr. 18, Serie 2142 Nr. 22, Serie 3314 Nr. 18, Serie 4220 Nr. 15 21, Serie 7717 Nr. 12, Serie 11228 Nr. 10, Serie 11399 Nr. 18 22, Serie 13382 Nr. 22, Serie 14066 Nr. 6, Serie 14528 Nr. 11, Serie 23608 Nr. 1, Serie 24967 Nr. 3, Serie 26291 Nr. 21 je 150 Fres. Alle übrigen in obigen Serien enthaltenen Nummern sind mit je 100 Fres, gezogen.
Hus aller Mell.
Verschiebung der Schulferien wegen ungünstiger Witterung. Eine für die Beteiligten recht unangenehme Verfügung hat das fürstliche Konsistorium zu Roßlaa.Kyffhäuser getroffen, indem diese Behörde die am 18. Juli begonnenen Schulferien wieder aufhob und den Lehrern aufgab, „mit Rücksicht auf die gegenwärtige, ungünstige Witterung sie erst am 31. d. MtS. beginnen zu lassen." — Hierdurch ist mancher Lehrer gezwungen, seinen Sommeraufenthalt abzubrechen und schleunigst nach Hause zu eilen.
Verhaftet« Juwelendiebe. In das Landgerichtsgefängnis in Eisenach wurde ein von verschiedenen Behörden verfolgtes Liebespärchen eingeliefert. Es sind die Kassiererin Emma Wilhelm aus Fernbreitenbach bei Berka und deren Zuhälter, der Kellner Hartkopp aus Gaarden bei Kiel. Beide wurden von Gendarmen in WÜnschensuhl 0. b. Werra verhaftet. Bei der Verhaftung versuchte die Wilhelm Selbstmord, indem sie in die Werra sprang. Sie konnte jedoch sofort wieder herausgeholt werden. DaS Pärchen hatte es hauptsächlich auf Juwelen abgesehen und hat sehr viele Diebstähle und Einbrüche auf dem Kerbholz. Unter anderem stahl die Wilhelm in Hamburg einer Dame einen Brillantschmuck im Werte von über 1000 Mk. und einen Schmuck in einem Damenpensionat in Metz. Bei Hartkopp fand man 18 Dietriche vor. Die erbeuteten Juwelen veräußerten sie an Juweliere zu ganz geringen Preisen.
Eine Erklärung des Rechtsbeistandes der Grete Beier. Der Verteidiger der am Donnerstag in Freiberg Hingerichteten Grete Beier, Rechtsanwalt Dr. Knoll (Dresden) veröffentlicht nachstehende Erklärung: „Es ist nicht zutreffend, daß Grete Beier eine Zusammenkunft mit dem Bruder ihres ermordeten Bräutigams gewünscht und daß dieser sie in der Gefangenschaft besucht hätte. Es liegt hierbei offenbar eine Personenverwechslung vor; es hat sich nämlich am Mittwoch nachmittag ein Herr, der sich als italienischer Rechtsanwalt und Professor ausgab, in der Gefangenenanstalt eingestellt, um Grete Beier zu sprechen, angeblich um physiologische und psychiatrische Studien zu machen. In diesem Herrn scheint man den Bruder des Ermordeten vermutet zu haben. Zur Vollständigkeit meines Berichts füge ich bei, daß ich selbstverständlich diesem gemütvollen Herrn es abgelehnt habe? meine Klientin zu sprechen, wie ich auch, nachdem mir gestern morgen mitgeteilt worden war, daß er eS unternommen hatte, die Guillotine und den Scharfrichter zu photographieren, sofort mit der Königs. Staatsanwaltschaft die erforderlichen Schritte getan habe, um das offenbar zu Reklamezwecken dienende Treiben dieses Herrn zu unterbinden. Ferner bitte ich davon Notiz zu nehmen, daß ich eine Audienz bei S. M. dem König nicht nachgesucht habe. Ich hatte allerdings den Wunsch geäußert, eine Audienz gewährt zu erhalten. Es war mir aber von kompetenter Seite eröffnet worden, daß Se. Majestät in Gnadensachen prinzipiell jede Audienz ablehne, und daß auch im vorliegenden Kapitalfalle davon keine Ausnahme gemacht werbe. Angesicht? dieses Umstandes blieb mir nichts weiter übrig, als das schriftliche Gnadengesuch einzureichen, baS die Herren Geschworenen mitunterschrieben hatten, und noch ein weiteres, persönliches Schreiben meinerseits beizufügen. Grete Beier war mutig entschlossen, ihre Schuld mit dem Tode zu sühnen. Ihr Gottvertrauen und ihr Vertrauen auf Vergebung und ein Wiedersehen mit ihrem Vater war unerschütterlich. Daher auch ihre Ruhe bei ihrem letzten, schweren Gange."
Eine neue Auflage des Hauptmann- von Köpeniâ hat sich dieser Tage in der Residenzstadt Karlsruhe ereignet. Die Leidtragenden sind dabei, wie daS Heidelberger Tageblatt meldet, nicht der Stadtrat, sondern die Kriminalpolizei, die sich gerade in Karlsruhe bisher besonders viel auf ihre Gewandtheit zugute getan hat. Ein Geisteskranker, der wiederholt schon in Irrenanstalten untergebracht war, telephonierte von Baden-Baden aus an den Polizeikommissar in Karlsruhe, er sei Kriminalkommissar von Metz, treffe mit einem bestimmten Zug in Karlsruhe ein und ersuche die Karlsruher Kriminalpolizei, ihn bei der Ausfindung eines Verbrechers, dem er seinen eigenen Namen gab, zu unterstützen. Der Karlsruher Kriminalkommissar holte auch in der Tat den fremden Kollegen an der Bahn ab, durchstreifte mit ihm drei Tage und drei Nächte alle Karlsruher Schlupfwinkel, um den angeblichen Verbrecher zu finden, verbürgte sich im Hotel für den Metzer Kollegen, der angeblich zu wenig Geld mit sich genommen hatte und leistete ihm auch in der freien Zeit Gesellschaft, Erst nach vier Tagen erregte daS aufgeregte Wesen des falschen Kriminalkommissars, der manchmal den Eindruck eines sinnlos Betrunkenen machte, bei einem untergeordneten Polizisten Argwohn, man telephonierte nach Metz und erhielt die Antwort, daß man in Karlsruhe einem Geisteskranken zum Opfer gefallen sei.
Eine dramatische Kindesrettung. Unter dem Titel „Eine dramatische Kindesrettung" veröffentlichte jüngst ein Berliner Blatt als Erinnerung eines LeserS einen Vorfall im königlichen Schlosse zu Berlin auS dem Jahre 1840. Danach fing ein auf Posten stehender Gardist ein Kind auf, das aus einem Fenster deS oberen Stockwerks gefallen war. DaS Kind war die spätere, jetzt verwitwete Großherzogin von Baden. Nach der „Saarbrücker Ztg." war jener Gardist btr srüher in Saarbrücken wohyende Braumeister Baptist Brucker, der später die Bewirtschaftung beS Luisen-GartenS in Saarbrücken übernommen hat. Die genannte Zeitung erfährt zu dem Vorfall im Berliner Schloßhof noch folgende bemerkenswerte Einzelheiten: „Nicht einer herbeieilenden Kammerfrau übergab der Gardist Brucker (1. Kompanie zweiten Gard«- regimentS z. F.) baS Kind, die jetzige verwitwet« Groß.