22. JÜN _____________________________ ber Oberstufe am Barren, 2 der Mittelstufe am Barren und Reck, und 2 der Unterstufe an Pferden anschlossen. Außerdem boten die Akademiker noch 6 VereinSriegen, 6 Sammelriegen aus verschiedenen Riegen uud 8 Mt-Herren-Riegen. Die verschiedenen Spielabteilungen, die sich gerade bei dem Akademischen Turnbund mit ganz besonderem Eifer dieser Tätigkeit hingeben, sind in dem allgemeinen Spielplan vermerkt und finden dort eingehende Besprechung.
Turnen der Alters-Riegen.
Einen prächtigen Anblick und dabei stramme turnerische Leistungen boten wiederum unsere „Alten", d. h. die Turner über 40 Jahre, die sich am Dienstag zu einer gemeinsamen Vorführung der Altersriegen „Alldeutschland" mit 340 Teilnehmern zusammenfanden. Das Alter dieser Turner schwankte zwischen 40 und 70 Jahren, aber trotz der Last dicker Jahre zog die Riege stramm und wohlgeordnet unter Leitung des Kreisvertreters Schmuck-Darmstadt zu den gemeinsamen Hantelübungen auf; als Vorturner amtierte Kreisvertreter Schröder-Barmen. Nach einer gutausgeführten Gruppe Hantelübungen zogen die Alten zum allgemeinen Riegen- turnen am Reck, Barren, Pferd. Auch bei dieser Vorführung konnte man die turnerische Fertigkeit und Strammheit der Alten bewundern, unter denen viele mit berühmter turnerischer Vergangenheit sich befinden. Zu einer lebhaften Kundgebung kam es, als der Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft, Dr. Goetz, von allen begrüßt, die Rethen abschritt.
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Das Programm für Mittwoch lautet: Vormittags : Erste Turnfahrt auf den Feldberg; 6 Uhr früh: Beginn des Wettfechtens; 7 Uhr: Fortsetzung der Wettspiele ; 9 Uhr: Beginn des Ringens auf dem Festplatz und des Fünfkampfs in Schwimmen und Wasserspringen am Regattaplatz; Nachmittags 3 bis 4’/j Uhr: Gemeinsame Turnvorführungen der Knaben und Mädchen aus den Bürger-, Mittel- und höheren Schulen von Frankfurt; 4‘/a bis SV» Uhr: Turnen der Turnerinnen-Abteilungen des Gaues Turnerschaft Frankfurt; 3 bis 6 Uhr: Doppelkonzert aus dem Festplatz und in der Festhalle; 6 Uhr: Siegewerkündigung; abends 8 Uhr: Doppelkonzert, turnerische Sondervorführungen, Festschluß für Frankfurt in der Festhalle; 8 bis 11 Uhr: Doppelkonzert, turnerische Sondervorführungen auf dem Festplatz; 10 Uhr: Italienische Nacht.
Hus aller Meli.
Alter schützt vor — Liebe nicht. Aus Rom läßt sich die „Deutsche Tageszig." berichten. Die Fälle von verliebten Greisen beiderlei Geschlechts sind nicht selten, und die zugehörigen Erlebnisse und Ergebnisse sind in der Regel von heiter-kurioser Art. Ganz anders liegt die Sache aber bei einem reichen Rentier von 83 — dreiund achtzig — Jahren in San Vito di Zagagua (Provinz Venetien) namens Zeffiri. Der war in seine Nichte, die 23 Lenze zählte, verliebt. Als Rosa sich trotz der Liebe des Oheims mit einem jungen Manne von 27 Jahren, Gino Barberio, verheiratete, gab Zeffiri dem jungen Paar in seinem Hause Wohnung. Der Rosa machte er Geschenke aller Art und fuhr fort, um ihre Gunst zu werben. Das ging so anderthalb Jahre, und das Kind, das Rosa ihrem Gatten schenkte, minderte nicht nur nicht die Liebessehnsucht des alten Zeffiri, sondern steigerte sie. Als ihm seine Nichte unlängst abermals einen Korb gab, übermannte ihn die Eifersucht; er ging hinab in den Stall, in dem Gino mit der Viehwartung beschäftigt war, und schlug ihn hinterrücks und unversehens mit einem Spaten auf den Schädel, und zwar so oft und so heftig, daß die Schädeldecke zertrümmert wurde. Auf das Geschrei Ginos war Rosa herbeigeeilt, und, kaum ihrer ansichtig, hob Zeffiri auch gegen sie den Spaten. Rosa konnte dem Schlage noch gerade ausweichen und flüchten. Der Alte ging nun in das Zimmer der Eheleute hinauf und schlug hier mit Fäusten auf
Gliedern gesucht worden. Wird eine photographische Platte mit Jupiter in der Mitte stundenlang exponiert, so erhält man natürlich in der Umgebung des Planeten eine ganze Menge der lichtschwächsten Fixsterne, die in unermeßlicher Entfernung ‘ hinter Jupiter stehen, und nur, weil die Blickrichtung nach ihnen nicht weit von der nach Jupiter abweicht, mit auf die Platte kommen. Ob unter ihnen ein Mond des Jupiter ist, der diesem also räumlich nahe steht und um ihn herumläuft, wird nun folgendermaßen ermittelt. Es werden an den folgenden Abenden wieder Aufnahmen gemacht. Auf den folgenden Platten werden die fernen Fixsterne nicht die gleiche Lage zu dem Jupiter haben, weil sich dieser ja in der Zivischenzeit bewegt hat. Aber auch ein Mond des Jupiter wird sich gegen die Sterne bewegen und wird also daran kenntlich sein, daß sein Bild zwischen den stets gleichbleibenden Fixsterngruppen sich in gleicher Richtung mit Jupiter verschiebt. Indessen wird sich der neue Mond auch gegen Jupiter selbst bewegen, da er räumlich ihn umläuft.
In dieser Weise gelang es Perrine von der Lick-Sternwarte im Dezember 1904 und gleich darauf im Januar 1905, zwei kleine Trabanten bei Jupiter aufzufinden, die in einem so großen Abstande von ihm kreisten, daß man sie dort nicht vermutet hätte. Es waren ebenfalls, wie der fünfte Mond, sehr kleine Körper von 160 resp, nur 50 Kilometer- Durchmesser, und die Zeiten, in denen sie um Jupiter herumlaufen, betragen, 250 resp. 253Tage, also mehr wiest» Jahre.
In allerletzter Zeit gelang es nun, noch einen weiteren, den achten Mond des Jupiter zu finden. Diesmal geschah die Entdeckung in Greenwich, auf der englischen Hauptsternwarte. Der neue kleine Wellkörper ist ebenso klein wie der siebente, aber noch viel weiter vom Jupiter entfernt. Man kann einstweilen nur sagen, daß seine Umlaufszeit mehrere Jahre zu betragen scheint. Damit werden aber ganz merk- würdige Verhältnisse uns offenbart. Jupiter selbst braucht nämlich zwölf Jahre, um die Sonne einmal zu umwandern. Wenn er dabei nun einen Trabanten in mehreren Jahren um sich kreisen läßt, so wird die mächtige Sonne dessen Bahn um den Planeten gewaltig stören, und es wird ebenso schwierig sein für den Astronomen, die Bahn dieses achten Mondes zu berechnen, wie interessant, zu beobachten, in welcher Weise sie von der rein elliptischen abweicht. So bietet die Sternenwelt, je eifriger wir sie durchforschen, immer neue Wunder und neue Aufgaben den wahrheitsuchenden Jüngern der Urania dar. R,
Mittwoch
das kleine, tn der Wiege schlafende Kind. Darauf, sei es noch in Raserei, sei es im Bewußtsein des von ihm Angerichteten, schloß er sich in seine Kammer ein und tötete sich durch einen Revolverschuß in die Schläfe.
Von der heldenmütigen Rettnngsart eines Knoben wird aus Lower?, Kanton Schwyz, berichtet: Beim Brande eines alleinstehenden Bauernhauses, der mitten in der Nacht ausbrach, gerieten die Bewohner in höchste Lebensgefahr. Eine halb gelähmte, 20jâhrige Tochter blieb denn auch in den Flammen, und wenig fehlte, so wäre auch die Mutter und ein kleineres Kind im Feuer umgekommen. Nur die Geistesgegenwart und schnelle Entschlossenheit eines 13 jährigen Schulknaben rettete Mutter und Brüderchen vor dem gräßlichen Feuertode. Der kleine Held hörte in der Nacht plötzlich etwas knistern und prasseln; er sprang ans dem Bett, um nachzusehen. Wie er die Kammertür öffnete, schlugen ihm schon die hellen Flammen entgegen. Die hölzerne Treppe war schon vom Feuer halb verzehrt. Die Tür wieder schließen, vom zweiten Stock zum Fenster hinausspringen und eine Baumleiter holen, war das Werk eines Augenblicks. Mit Aufbietung aller Kräfte gelang es ihm, die Leiter an das Fenster anzustellen, hinter dem Mutter und Brüderchen noch ahnungslos schliefen. Rasch kletterte er empor, schlug die Scheiben ein und weckte die Bedrohten. Mit dem kleinen Brüderchen auf dem Rücken gewann der wackere Retter eben so schnell das Freie, während die Mutter eilig folgte. Kaum hatten sie das Haus verlassen, so standen die Schlafkammern schon in hellen Flammen, so daß an ein Retten der gelähmten Schwester nicht mehr gedacht werden konnte.
Zugentgleisung. Wie amtlich gemeldet wird, überfuhr der Lokomotivführer bei der Ausfahrt des Vorortzuges Nr. 582 am 21. Juli vormittags 11 Uhr. 5 Minuter vom Lehrter Hauptbahnhofe in Berlin das auf Halt stehende Ausfahrtssignal und geriet mit dem Zuge auf den Prellbock eines Stumpfgleises. Die Lokomotive entgleiste mit drei Achsen. Personen wurden nicht verletzt. Der Materialschaden ist sehr gering.
Das Schicksal Willi Schwarzensteins. Der von der Anklage des Vatermordes freigesprochene Försterssohn Willi Schwarzenstein ist jetzt aus dem Gefängnis entlassen worden. Willi Schwarzenstein wurde, wie erinnerlich, am 6. März dieses Jahres wegen Urkundenfälschung zu vier Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt. In die Strafzeit fiel der Vatermordprozeß gegen ihn, der mit seiner Freisprechung endigte. Willi Schwarzenstein wird sich noch in Köpenick wegen Wilderns verantworten müssen. Der Termin ist noch nicht festgesetzt.
Eine Mutter vor ven Augen ver Tochter ermordet wurde am Sonntag in Coalburg bei Newyork. Die Frau, eine reiche Wienerin Ottilie Eberhard, langte am Donnerstag in Newyork zum Besuch ihrer dort wohnenden Tochter Ottilie an. Am Sonntag in früher Morgenstunde wurde die Mutter in Coalburg ermordet. Die Tochter feuerte auf den fliehenden Mörder vier Schüsse ab, ohne, jedoch jemanden zu verletzen. Die Polizei ist auf der Suche nach dem Neffen der Getöteten, August Eberhard, der der Tat verdächtig ist. Der Ermordeten" wurden 10000 Mark gestohlen.
Noch ein Hau-Prozetz. Freiherr v. Reitzenstein, der sich zur Zeit in Hameln aufhält, teilt mit, daß am 23. Juli vor der Strafkammer in Karlsruhe die Hauptverhandlung gegen ihn wegen Herausforderung des Staatsanwalts Dr. Bleicher zum Zweikampf stattfindet. Freiherr v. Reitzenstein will den Beweis antreten, daß der sogenannte graue Herr nicht Karl Hau gewesen ist.
Grete Beièr. Das amtliche „Dresdener Journal" meldet: Wie wir von zuständiger Seite erfahren, lehnte der König das Gnadengesuch der Grete Beier ab.
Schreckenstat eines Irrsinnigen. Chemnitz, 21. Juli. Gestern nachmittag sollte der bei seinem Vater in Lichtenstein- Callenberg wohnende, aus der Landesanstalt Zschadraß entlassene 27jährige Weber Oeser von dem Arzt Dr. Wagner in der Wohnung seines Vaters verbunden werden. Der Wahnsinnige ergriff einen Revolver und versuchte den Arzt zu erschießen. Als der 70jährige Vater dazwischen sprang, traf die Kugel diesen oberhalb des Herzens und verletzte ihn tödlich. Darauf entfloh der Wahnsinnige in den Wald, stürzte auf dem Rückwege in das Studierzimmer des Diakonus v. Pierbusch und schoß diesen nieder. Der Geistliche ist einige Stunden nachher gestorben. Der Wahnsinnige stellte sich selbst der Polizei.
Den Vergiftungstod burd) Wassertrinken erlitten in dem Westerwaldorte Frickhofen der dortige Bürgermeister und sein Sohn. Vater und Kind hatten nach mehrstündiger Feldarbeit, von brennendem Durste gequält, sich an den Wiesenbach begeben und aus dem Wasser einen Trunk geschöpft. Schon nach kurzer Zeit machten sich bei dem Knaben, bald aber auch bei dem Bürgermeister Vergiftungserscheinungen bemerkbar, Vater und Sohn erlagen dem Tode durch Vergiftung. Gerade das Wasser des Wiesenbachs galt in Frickhofen für besonders gutes Trinkwasser, sodaß hier nur eine Vergiftung des ganzen Baches vorliegen kann. — Im Garnisonhospital von Luneville, wo infolge schlechten Trinkwassers eine heftige Typhusepidemie unter den Truppen aufgetreten ist, sind noch 98 Kranke in Behandlung.
Vergiftet. In Charlottenburg vergiftete vorgestern nacht die 35 Jahre alte Witwe L. Stiller ihre beiden sechs und acht Jahre alten Söhne mit Oleum und suchte sich dann selbst mit Lysol zu töten. Sie ist schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Das Motiv soll Liebesgram, nach einer anderen Meldung Nahrungssorge sein.
Die Obduktion des tot aufgefundenen Kaufmanns Julius Engel in Berlin ergab Selbstmord als Todesursache. Das Motiv waren augenscheinlich Wechselverbindlichkeiten, für die Engel keine Deckung besaß.
Eingebrochen. In der vergangenen Nacht wurde in die Postagentur Jordkirch bei Apenrade eingebrochen und die Kasse geraubt. Es befanden sich darin etwa 200 Mark in Freimarken. Bares Geld fiel den Dieben nicht in die
Hände. „
Schwere Gewitter zogen vorgestern abend über die Stadt und den Landkreis Celle und richteten überall großen Schaden an. In Lachendorf hatten sechs Arbeiter in einer Feldscheune Schutz gesucht; zwei von ihnen wurden vom
Blitz erschlagen, während die anderen betäubt wurden. In Hornshof wurde eine Frau auf freiem Felde vom Blitz erschlagen. In Garßen richtete eine Windhose schweren Schaden an.
Die Rettungsstation von Nord - Harlingerestel der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphier unter dem 21. Juli: Von dem bei Spiekeroog gestrandeten englischen Dampfer „Grenadier", Kapitän How, mit Stückgut von Newcastle nach Hamburg bestimmt, wurden durch das Rettungsboot „Frauenlob" der Station ebenfalls zwölf Personen gerettet. Sturm aus Nord. Boot fünf Stunden unterwegs.
Die Einwohnerzahl des Deutschen Reiches wird in den soeben erschienenen „Statist. Jahrb." für Mitte dieses Jahres auf 63 017 000 Personen angenommen gegen 62 097 000 um Mitte 1907 und 61177 Ö00 Mitte 1906. Hiernach wird die Zunahme für jedes der beiden letzten Jahre auf 920 000 Köpfe geschätzt. Bei der letzten Volkszählung vom 1. Dezember 1905 betrug die Einwohnerzahl des Reichs 60 641 278 Personen, sodaß seitdem eine Vermehrung um rund 2 375 000 stattgesunden hat. Im Jahre 1898 belief sich die Bevölkerungsziffer auf rund 54 406 000 Personen; in den letzten 10 Jahren hat eine Zunahme um 8 611000 Personen oder 15,8 v. H. stattgefunden. Im Jahre 1888 betrug die Schätzungsziffer 48 168 000, im Jahre 1878 44 129 000. Im Jahre 1871 wurden 40 397 000 Personen gezählt, so daß seit der Gründung eine Zunahme von rund 22 Millionen oder mehr als 53 o. H. stattgefunden hat. Verdoppelt hat sich die Bevölkerung des jetzigen Reichsge- biets seit etwa 1838.
Die Tragödie eines Unteroffiziers spielte sich in Koblenz ab. Der im dortigen Infanterie-Regiment Nr. 28 stehende Unteroffizier Ullrich erschoß sich aus Furcht, weis ihm ein Dienstgewehr abhanden gekommen war und et glaubte, dadurch in den Verdacht des Landesverrates zu kommen. — Bei einer feldmäßigen Uebung wurde ein Tiroler Kaiserjäger der Garnison Bregenz erschossen.
Eine hervorragende Auszeichnung ist der Berliner Firma L. Zucker u. Co. zu Teil geworden durch Verleihung der großen „Silbernen Medaille" auf der kürzlich beendeten „Ersten großen Fachausstellung des deutschen Drogisten-Der« bandes" zu Bochum. Wenige" Wochen vorher hatte Dr. med. Einfeldt auf dem diesjährigen Dermatologen-Kongreß zu Frankfurt a. M. auf die günstige und zuverlässige Wirkung von „Zuckers Patent-Medizinal-Seise" hingewiesen und das lebhafte Interesse, das seinem Bortrag entgegengebracht wurde, beweist die hohe Wertschätzung, deren sich „ZuckerS Patent-Medizinal-Seise" auch in ärztlichen Kreisen erfreut. Für die Allgemeinheit mag die obige offizielle Ehrung ein neues Glied in der Beweiskette für die dominierende Stellung sein, die die „Zuckooh"-Präparate auf dem Gebiete der Behandlung und Pflege der menschlichen Haut einnehmen.
Vier Postbeamte als Wettschwindler abgeurteitt hat das Berliner Landgericht. Die raffinierten Wettschwindler setzten sich mit einem holländischen Wettbureau in Verbindung und gingen namentlich französische Welten ein. Mit der Zeit fiel ihr Glück auf. Nachforschungen und der Verrat eines sich benachteiligt glaubenden Genossen ergaben, daß sie bereits den Ausgang der Rennen wußten, wenn sie ihre Austräge erteilten. Um den Betrug ausführen zu können, versähen sie bte Briese mit den Aufträgen einfach mit einem früheren Aufgabestempel. Das Gericht verurteilte die vier Schuldigen, die inzwischen von der Postbehörde entlassen worden sind, zu Gefängnisstrafen von 1 Monat bis zu 9 Monaten.
Eine blutige Licbestragödie hat sich gestern vormittag in Nymphenburg abgespielt. Dort hat der Sergeant Anton Rettinger von der Münchener Luftschifferabtejlung seine Geliebte, die 23jährige Dienstmagd Marie Huber, Tochter eines alten Arbeiters der Königlich bayerischen Por- zellanmanusaktur, vor dem Krankenhause ermordet und sich dann selbst von dem unweit davon vorüberfahrenden Landshuter Eisenbahnzuge überfahren lassen. Ein Polizeihund, der von der Mordstelle aus die Verfolgung des Mörders aufnahni, fand bald darauf seine Leiche. Der Sergeant hatte die Geliebte, die sich Mutter von ihm fühlte, mit Todesdrohungen geängstigt, und diese war darauf beschwerde- führend zu dem vorgesetzten Hauptmann des Sergeanten gegangen.
Durch einen Erdrutsch verschüttet. Einer Meldung aus Luzern zufolge wurde gestern früh gegen 4 Uhr an der Baseler Straße infolge eines Erdrutsches vom Guetschberge her ein Hausanbau gänzlich verschüttet. Drei Kinder einet italienischen Arbeiterfamilie sowie ein 19jähriger Gehilfe wurden getötet. Bis jetzt sind die Leichen zweier Kinder geborgen.
Ein Geldschrank gesprengt. In der HauptkasH der Viktoria-Versicherungs-Gesellschajt zu Hamburg wurde l“ der vergangenen Nacht eingebrochen und ein Geldschrank mittels Pulvers gesprengt. Die Stichflamme ergriff die Holzteile des Bureaus; sämtliche Fenster wurden demoliert. In der Kasse befanden sich nur 1200 Mk., sämtliche Pulte wurden erbrochen.
Eine Hochzeit im Walde fand westpreußischen Blättern zufolge in Rnkaä statt. Da Braut und Bräutigam Försterskinder sind und von Jugend auf im Walde gelebt haben, wollten sie auch im Walde ihr Hochzeitsfest feiern.
Ein französischer Luftballon landete in Lothringen unweit Diedenhofen, wo gerade das 13. Husarenregiment manöDerierte. In dem Ballon befanden sich zwei französische Ingenieure und eine Dame. Sie wurden weder als Spione angesehen noch als solche behandelt, sondern, nachdem sie sich als Touristen legitimiert hatten, in artiger Weise zum Bahnhof geleitet, auch die Ballonhülle wurde von den Mannschaften des Regiments dorthin gebracht.
Die Wiederherstellung des Zeppel nschen Luft» schiffcs macht gute Fortschritte. Dieser Tagc besichtigte Vrinz August Wilhelm, der vierte Sohn de?" Kaisers, daS Luftschiff- und die Drachenstatian in Manzell. — In der Nacht vom 18. auf 19. Juli wurde auf den um 8.40 Uhr von Niedèrlahnstein abgehenden Frankfurter Personenzug geschossen und zwar zwischen St. Goarshausen und Laub. Eine Kugel durchschlug die Fensterscheibe des Postwagens. Verletzt wurde niemand. — Unter riesiger Beteiligung, besonders der Bergarbeiterschaft, fand am Sonntag nachmittag die Beerdigung der acht Opfer der Dynamitexplosion auf Zeche „Carolus Magnus" in Borb eck sUrrt. Als Vertreter des Kaisers, der vorher der Zechenverwaltung ein Beileidstelegramm geschickt hatte, war Oberbergrat Pommer erschienen. Die Katastrophe wird voraussichtlich noch zwei weitere